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ThomasBernhard

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Beiträge: 4 310

Registrierungsdatum: 21. Januar 2005

1

Donnerstag, 6. Oktober 2005, 17:10

Die Orgel als Requisit in Film und Literatur

Hallo

mal wieder ein lockerleichtes Tritsch-Tratsch-Thema aus dem Bereich Film und Literatur:

Euch ist sicher auch schon aufgefallen, daß die Orgel ein beliebtes Requisit in Horrorfilmen ist.

Graf Dracula etwa hat eine imposante Heimorgel. In Horrrfilm-Sounddracks ist die Orgel auch ein häufiger Gast. Wie erklärt Ihr Euch das? Spielt Dracula in der Literaturvorlage eigentlich auch schon Orgel?

Gibt es in anderen Filmrichtungen auch berühmte Hobby-Orgler?

Und erst in der Literatur! Welche berühmte Gestalten der Weltliteratur orgeln so (nebenbei) vor sich hin?

Auch in der Geschichte gibt es Amateurorgler, deren Hauptberuf eigentlich das Staatenlenken (oder sonst was unwichtiges) ist.
Joachim Fernau schreibt in einer humorigen Abhandlung über die deutsche Geschichte:

Friedrich Wilhelm III, der neue träumerische König von Preußen, der Mann, auf den als Erben des Alten Fritzen viele Fürsten guckten, legte kopfschüttelnd ein neues Notenblatt auf und setzte sein geliebtes Orgelspiel fort...
(und zwar in einer Situation, in der wirklich handlungsbedarf bestanden hätte)

Na dann zieht mal alle Register Euerer Fantasie und schreibt was über die aussermusikalische Kulturgeschichte der Orgel...

Gruß, Markus
Frauen und Kinder zuerst

good night and good luck

thomasbernhards-1[ätttttt]yahoo[punkt]de

Ulli

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Registrierungsdatum: 16. Januar 2005

2

Donnerstag, 6. Oktober 2005, 18:54

RE: Die Orgel als Requisit in Film und Literatur

Salut,

ich bin nicht so sicher, ob Fernau das von Dir Zitierte so gemeint hat: Jedenfalls schreibt er auch sinngemäß, dass sich Caesar [?] nach erfolgreichem Kriege wieder seiner Briefmarkensammlung widmete... :D

Das Phantom der Oper fällt mir da spontan so ein. Auch Schlafes Bruder, wenn ich nicht irre...

Der eigentliche Aspekt ist jedoch in der Tat höchst interessant [damit das Thema aus dem Tritsch-Tratsch herauskommt]:

Teufel und Kirche sind zumindest im Zeitalter der Hexen und Zauberer eng "verbunden" gewesen... beispielsweise gab es - durch die französischen Freimauerer im Elsass - den Baustil des "gedrehten Turmes" auch rechts des Rheines. Es ergibt sich bei Betrachtung solcher Türme ein ganz eigenartiges Bild und die Badenser haben daraufhin beschlossen, dass das nur Teufelswerk sein kann! Der Teufel also wollte der Kirche einen Scherz machen und drehte nachts am Dach des Turmes...

Möglicher Weise hängt auch der Gebrauch der Orgel als "Gruselinstrument" damit zusammen?

sans, souci
Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

Pius

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Beiträge: 3 644

Registrierungsdatum: 11. Mai 2005

3

Freitag, 7. Oktober 2005, 22:09

RE: Die Orgel als Requisit in Film und Literatur

Hallo!

Zitat


Auch Schlafes Bruder, wenn ich nicht irre...


Das sollte nicht nur in einem Nebensatz angesprochen werden!
Der "Held" der Geschichte (Roman von Robert Schneider, ich kenne allerdings nur die Verfilmung) ist sozusagen das größte Musikgenie aller Zeiten, hat aber das Pech, in einem Alpenkaff ohne Kontakt zur Zivilisation aufzuwachsen.
Er vertreibt sich die Zeit mit der Konstruktion einer Orgel und als Dorforganist.
Einmal nimmt er an einem Orgelwettbewerb in dem Provinzhauptort teil und entlockt der Orgel nie gehörte ekstatische Klänge.

@ Markus: Falls Du "Schlafes Bruder" noch nicht kennen solltest, das wird Dir sicher gefallen.

Viele Grüße,
Pius (dem spontan keine Filme mit Orgelmusik einfallen, obwohl er sicher schon dutzende gesehen hat).

Philhellene

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Beiträge: 984

Registrierungsdatum: 5. Juli 2005

4

Samstag, 12. November 2005, 14:30

Vielleicht liegt es auch daran, dass man großen Orgeln Infraschalltöne entlocken kann, die beim Menschen Unbehagen und Angstgefühle auslösen (können). (Möglicherweise war das auch eine wichtige Aufgabe der Orgeln in der Kirche: Ehrfurcht einflößen!) Wäre zumindest eine einleuchtende Begründung, warum sie in Horrorfilmen doch des öfteren gespielt wird. Vielleicht gibt es auch eine Assoziation zu Friedhöfen... :D

Theophilus

Administrator

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Beiträge: 10 823

Registrierungsdatum: 1. Dezember 2004

5

Samstag, 12. November 2005, 15:05

Hi

Zitat

Vielleicht liegt es auch daran, dass man großen Orgeln Infraschalltöne entlocken kann, die beim Menschen Unbehagen und Angstgefühle auslösen (können). (Möglicherweise war das auch eine wichtige Aufgabe der Orgeln in der Kirche: Ehrfurcht einflößen!)

Nein, Infraschall gibt es bei einer Orgel nicht (<20Hz; die Dimensionen von Infraschallpfeifen sind gewaltig und man kann sie praktisch nur im Liegen betreiben. Es gab militärische Untersuchungen, wie man Infraschall als Waffe einsetzen könnte. Im Prinzip funktioniert das , aber das "Handling" dieser Waffe ist alles andere als praxisgerecht).

Es ist aber schon richtig, dass tiefe Töne gezielt eingesetzt werden, da sie - richtig verwendet - zumeist als bedrohlich empfunden werden. Dabei überschätzt man die tatsächliche Tiefe zumeist beträchtlich. So kommen wirklich tiefe Töne z.B. in Filmen gar nicht so prominent vor. Subjektiv wird schon ein 50Hz Sinus als außerordentlich tief empfunden.

Warum tiefe Töne sehr leicht bedrohlich wirken, dürfte entwicklungsgeschichtlich erklärbar sein. Es gibt in der Natur sehr tiefe Töne, vor die uns das Gehör durch einen Hochpass bewahrt. Es wäre in der Tat für unser Überleben völlig belanglos, könnten wir das ständige Rumpeln der Erdkruste oder das permanente Gedonner der sich im Wind wiegenden Bäume eines Waldes hören. Über dem Infraschall - im typischen Bassbereich - ist unser Gehör aber noch ziemlich unempfindlich und es gibt kaum natürliche Geräusche, die so laut sind, dass wir sie permanent hören können und uns vertraut sind. Diejenigen, die wir hören können, sind zumeist mit Gefahr verbunden (fernes Donnergrollen, Lawinenabgänge, Felssturz, Erdbeben etc.). Wenn wir also in Musik oder Film mit tiefen Tönen traktiert werden, ist das niederfrequenter Schall von ungewöhnlich hoher Lautstärke, der uns a priori fremd und bedrohlich erscheint und damit vermutlich sehr leicht die bekannt mulmigen Gefühle auslösen kann.

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

6

Sonntag, 18. Dezember 2005, 14:11

RE: Die Orgel als Requisit in Film und Literatur

Ach ja, Schlafes Bruder...

Zitat

Einmal nimmt er an einem Orgelwettbewerb in dem Provinzhauptort teil und entlockt der Orgel nie gehörte ekstatische Klänge.


die Idee, daß ein musikalisches Genie die Klänge einer ca 200 Jahre späteren Epoche "vorwegnehmen" kann, ist nicht besonders intelligent - ebenso der Vergleich der Improvisationen: "langweilige Kontrapunktik" einem Verschnitt aus Durufle und Dupre und anderen franz. Komponisten gegenüberzusetzen ist sehr banal...

Abgesehen davon - mich macht es immer halb wahnsinnig :angry:, wenn in einem Film eine Orgel gezeigt wird und die dazu erklingende Musik nie von jener gezeigten Orgel stammen kann - so auch bei Schlafes Bruder...die Klänge lassen sich mit einer Barockorgel nicht erzeugen.

Deprimierend überdies, daß der Klang tontechnisch verändert wurde - das im Handel erhältliche Stück stimmt nicht überein mit der Musik im FIlm, auf der CD ist wieder ein anderes Stück zu hören... Das ist sehr primitive Täuschung von Laien, die nie dahinterkommen, daß das so beeindruckende Stück keine echte Orgelmusik ist.

in der Adams Family auch den orgelspielenden Butler Lurch...
auch in einem Frankensteinfilm...
irgendwo bei Jules Verne (ich glaube; 20000 Meilen unter dem Meer, Kapitän Nemo)

das Starre des Orgelklangs und die große Dynamik haben etwas Bedrohliches, Ich hatte einmal das seltsame Erlebnis, daß ich einem Schulkollegen auf der Orgel vorspielte und er den Obertonreichen Klang als zu laut empfand - dabei war er Diskolautstärken und Openair Konzerte gewohnt.
Vielleicht wird der Klang als schrill und unangenehm empfunden...kann es nicht nachvollziehen...

Als besonderer Theatralischer Effekt wird die Orgel bei Kirchenszenen eingesetzt -
anders bei der Historie von Dr. Johann Faust von Alfred Schnittke - als Abschluß eines riesigen Orchestercrescendos folgt ein Tuttiakkord (= mit allen Registern) der Orgel... bei einer Probe hab ich den EInsatz einmal verpaßt, worauf der Dirigent einen sehr komischen Wutanfall bekam :P

Jedenfalls sind es eigenartige Emotionen, die man mit der Orgel verbindet - leider oft nur Assoziationen mit kirchlichen Erlebnissen - das steht der Orgel als Konzertinstrument sehr im Weg...
Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
(frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

maxmax

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Beiträge: 47

Registrierungsdatum: 15. Dezember 2005

7

Montag, 19. Dezember 2005, 14:26

RE: Die Orgel als Requisit in Film und Literatur

Ich glaube, dass deshalb das Thema Orgel/-spiel in Horrorfilmen deshalb so gerne eingesetzt, weil wir Organisten ja auch ein bisschwen autistisch und als Einzelgänger gelten, die da oben in ihrer Abgeschiedenheit oder des Nachts etc. vor sich hin"spinnen" - irgendetwas Ähnliches muß es sein, denke ich.
Grüße, maxmax

Oliver

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Registrierungsdatum: 3. Dezember 2004

8

Montag, 19. Dezember 2005, 21:16

Hallo,

ein toller Gruselfilm über eine Orgelspielerin ist 'Carnival Of Souls' von 1962.





Gruß,
Oliver

Masetto

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Registrierungsdatum: 29. April 2006

9

Montag, 22. Mai 2006, 20:48

Was für ein Film ist das? Gibts den auf Deutsch (DVD)?
Sieht ja sehr vielversprechend aus und klingt ebenso - ein Gruselfilm über eine Orgel!

Die Orgel ist sicherlich eine Komponente, die schwer zur Dramaturgie beitragen kann. Dies hat mit ihrem Klang und ihrer Macht als größtes Instrument der Welt zu tun. Wie sie ertönt kann auf schauerliche Weise überirdisch oder auch überirdisch schön sein!
29.08.1958 - 25.06.2009
gone too soon

Orgelix

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Registrierungsdatum: 30. Mai 2007

10

Montag, 29. Oktober 2007, 20:12

RE: Die Orgel als Requisit in Film und Literatur

Oh Thomas Berhard fällt mir da ein:

Selbst der dicke, stinkende Bach an der Orgel ist eine höchst peinliche Erscheinung gewesen... :D (aus 'Alte Meister)

chris

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Beiträge: 45

Registrierungsdatum: 26. September 2007

11

Mittwoch, 31. Oktober 2007, 19:08

Hallo liebe Literaturfreunde

Habe vor einiger Zeit wieder ein Buch in meinem Regal entdeckt.
Kurt Arnold Findeisen -
Der große Kantor und seine Orgel (Roman um "Johann Sebastian Bach";), 1961

Ein amüsantes Epos. Er hat wohl etwas recherchiert aber das meiste entspringt seiner Phantasie. Letztendlich eine unterhaltsame Lektüre wobei man seine eigene Phantasie walten lassen kann wie es damals so wirklich gewesen ist.

Grüße

Christopher

widor

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Beiträge: 98

Registrierungsdatum: 27. Juli 2006

12

Mittwoch, 31. Oktober 2007, 21:10

guten abend...

ich habe zwei - doch recht "komische" - beispiele für orgeln in filmen:

1. ich denke es war eine folge der krimiserie "tatort" auf ard, als eine frau auf mysteriöse weise von einem 16'-prinzipal erschlagen wurde, der im prospekt sein dasein fristete. wahrscheinlich konstruktionsfehler.... :D
2. in disneys film "die geistervilla" erscheint die orgel, vom butler gespielt, bei der vermählung eins geistes mit einer sterblichen, also einer hochzeit. auch hier werden der ogel doch eher gruslige töne entlockt, und der butler spielt so furchtbar falsch, man bekommt angst, dass das bild der orgel bei vielen zuschauern noch weiter verfälscht wird :P


viele grüße

widor
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