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Carola

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Beiträge: 839

Registrierungsdatum: 25. Oktober 2005

1

Mittwoch, 10. Oktober 2007, 16:39

Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen - die Brahms-Motetten

Nachdem für mich die musikalische Welt über Jahre hinweg mit J.S. Bach aufhörte, waren es vor allem die Motetten von Johannes Brahms, die mir die Musik der Romantik ein wenig näher brachten. Dass es gerade diese Musik war, ist natürlich kein Zufall, denn Brahms hat für die Komposition dieser Chorwerke historische Vorbilder wie Palestrina, Schütz und Bach gründlich studiert. Oder, wie Hermann Deiters, ein Zeitgenosse von Brahms, im Hinblick auf die drei Motetten op. 110 formulierte: "Hier ist die Erfüllung alter Form mit neuem Geiste in bewundernswürdiger Weise vollzogen".

Die Motetten sind für gemischten Chor geschrieben und werden "a-cappella", also ohne jede instrumentale Begleitung, gesungen. Bei den Texten handelt es sich, ähnlich wie beim Deutschen Requiem, um von Brahms selbst zusammengestellte Bibelverse oder Abschnitte aus älteren Kirchenliedern.




Die Werke:

- Zwei Motetten, op. 29: 1. Es ist das Heil uns kommen her; 2. Schaffe in mir Gott, ein reines Herz; Entstehungsjahr: circa 1860

- Zwei Motetten, op. 74: 1. Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen; 2. O Heiland, reiß den Himmel auf; Entstehungsjahr:1877/78

- Drei Motetten, op. 110: 1. Ich aber bin elend; 2. Ach, arme Welt; 3. Wenn wir in höchsten Nöten sein; Entstehungsjahr: 1889

Quelle: Harenberg, Chormusikführer

Ich selber besitze die Motetten in einer Aufnahme des RIAS-Kammerchor aus dem Jahr 1995, die ich für sehr gelungen halte.



Neben den Motetten sind hier auch noch die Fest- und Gedenksprüche op. 109 zu hören. Andere Aufnahmen kenne ich jedoch bisher nicht.

Was haltet Ihr von diesen Werken? Welche Aufnahmen kennt und empfehlt Ihr?

Mit Gruß von Carola
Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen. (Astrid Lindgren)

Rosenkavalier

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Beiträge: 755

Registrierungsdatum: 15. Juni 2007

2

Mittwoch, 10. Oktober 2007, 16:51

Hallo Carola,
gute Entscheidung, sich mit Brahms' Chorwerken auseinander zu setzen.
Aus eigenem Erarbeiten mit meinem früheren Vokalensemble kenne ich "Schaffe in mir Gott ein reines Herz" und "Warum ist das Licht gegeben den Mühseligen". Besonders "Warum ist das Licht gegeben" hat mich immer begeistert, weil Brahms es hier vorzüglich schafft, die Gesangslinien der einzelnen Stimmen ineinander zu verweben.

Ich besitze nachstehende CD, mit der ich sehr zufrieden bin:



Hier sind ebenfalls die Fest- und Gedenksprüche drauf, die ich während meiner Chorzeit auch wahnsinnig gerne gesungen habe.

Da ich den RIAS-Kammerchor sehr schätze, werde ich mir aber wohl auch mal die von Dir empfohlene Aufnahme zulegen.

LG
Rosenkavalier
Ich glaube, dass es in jedem Sänger einen einzigen, reinen und kleinen Ton gibt, welcher der wahre Ton der Stimme ist, und was immer man tut und wie man seine Stimme auf diesem Ton aufbaut, man muss zu ihm zurück kehren können, sonst ist es aus.
Agnes Baltsa

miguel54

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Beiträge: 1 747

Registrierungsdatum: 12. September 2007

3

Mittwoch, 10. Oktober 2007, 22:32

Von Brahms' geistlichen Chorwerken (außer dem Deutschen Requiem) habe ich nur eine CD mit La Chapelle Royale Paris und Collegium Vocale Ghent, Dirigent ist Philippe Herreweghe, 1983 für harmonia mundi France aufgenommen.
Ich habe die CD seit bestimmt zehn Jahren nicht mehr aufgelegt. Ich fand gerade eben das Klangbild etwas merkwürdig: entweder der Chor singt mit zu viel kurzem Vibrato, was ich bei dieser Musik sehr störend finde (ich erwarte eine schlichte, klare, textorientiere Artikulation), oder die Akustik (der Aufnahmeort ist nicht angegeben) macht dieses unruhige Klangbild. Von meinem heutigen Geschmack her gefällt mir diese Aufnahme nicht mehr.

BigBerlinBear

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Beiträge: 1 660

Registrierungsdatum: 11. August 2004

4

Mittwoch, 10. Oktober 2007, 22:48

Glücklicherweise ist der Markt mit den Geistlichen Werken von Bahms jetzt recht gut bestückt, was nicht immer so war.
Wer sich heute einen Überblick über das Gesamtschaffen von Brahms Chorwerken verschaffen will, kann das für wenig Geld mit der Brilliantbox auf 8 CD tun. Nicol Matt und sein "Chamber Choir of Europe " lassen hier wirklich, was Intonationsreinheit und unverbrauchte Frische des Singens angeht, keinen Wunsch offen.( Cds für knapp 15 Euronen sindeinfach nicht zu überbieten !



Meine Lieblingseinspielung der Werke ist jedoch ungebrochen seit ihrem Erscheinen im Jahr 1996 die Aufnahme des RIAS-Kammerchores unter Marcus Creed. Das abschliessende "Amen" in Motette 2 der hinreissenden "Fest-und Gedenksprüche" op. 109, mein pertsönliches Lieblings-Chorwerk ist ein Ereignis; dergleichen wurde SO seit den Tagen von Heinrich Schütz nicht mehr komponiert !

Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

Chorknabe

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Beiträge: 813

Registrierungsdatum: 13. Dezember 2006

5

Sonntag, 25. November 2007, 14:48

Zitat

Original von BigBerlinBearMeine Lieblingseinspielung der Werke ist jedoch ungebrochen seit ihrem Erscheinen im Jahr 1996 die Aufnahme des RIAS-Kammerchores unter Marcus Creed.[..]


Ich muss Dir recht geben, dies ist wahrlich eine hervorragende Einspielung. Die Musik der Brahms'schen Motetten ist eine wahrlich kraftvolle, und gerade deswegen passt sie so gut zum RIAS-Kammerchor mit seinem professionellen wie satten Chorklang.

Allgemein sind die Motetten eine feste Größe in der deutschen Chormusik, dem entsrpechend häufig kann man sie im Konzert erleben. Übrigens sind sie so populär, dass sich auch viele Chöre des Auslands mit desen Werken auseinandersetzen.

Was die Motetten für mich auszeichnet, ist ihre wirklich große Bandbreite an Dynamik sowie der stets sehr volle Klang. Der Zuhöhrer wird förmlich überflutet mit Tönen, die Soprane und Tenöre brillieren wärend Alt und vor allem Bässe ein sattes Fundament bilden.

Selbst gesungen habe ich bereits: "Es ist das Heil uns kommen her", "Schaffe in mir Gott, ein reines Herz" sowie "Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen". Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass diese Werke dem Chor und den eizelnen Sängern wirklich viel abverlangen.
Eine wirklich tolle Musik! :jubel:

Liebe Grüße, der Thomas. :hello: