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sagitt

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Registrierungsdatum: 1. November 2004

1

Samstag, 4. Februar 2006, 14:08

Modest Mussorgski: Lieder und Tänze des Todes

Sagitt meint.

im thread über Tod im Lied ist dieser Zyklus versteckt. Aber er verträgt einen eigenen thread,auch wenn es nur vier Lieder sind. Weitere hatte Mussorgsky angeblich geplant, aber sein Tod kam dazwischen.
Im Wiegenlied kommt der Tod, bei der Serenade bringt er als Liebhaber einem sterbenden Mädchen ein Ständchen,Trepak handelt vom Tanz des Todes mit einem Betrunkenen, der sich nächtens im Schneesturm in den Wald verirrt und das später komponierte Lied vom Feldmarschall handelt von diesem beim Ritt über das Schlachtfeld.
Ich habe eine beeindruckende Aufnahme von Shura German. Er singt,spuckt und schreit. Kann er singen ? Sicher, aber die Aufnahme machte er sicher jenseits von 60, denn sie stammt von 1990, und im Beiheft werden Gesangsaktiviäten aus den vierziger Jahren berichtet.
Aber sein hässlicher Gesang ist absolut adäquat.
(Ausserdem konnte ihn eh keiner hindern, ist er doch Präsident des labels, bei dem diese Aufnahme herauskam).Aber meine Kokurrenz-Aufnahme von Buchurlaadze ist ebenso stimmlich besser wie weniger beeindruckend.

Wer kann andere Hörerfahrungen beisteuern ?

Cosima

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Registrierungsdatum: 11. März 2005

2

Samstag, 4. Februar 2006, 14:18

Huch, in fast derselben Minute habe ich im Thread „Tod im Lied“ einen kurzen Beitrag dazu verfasst. Ich kopiere ihn hier einfach rein:

Zitat

Zwar schon erwähnt, aber weil ich es erst gestern wieder mehrfach hörte (gesungen von Hvorostovsky, Kirov-Orchester unter Gergiev):

Aus dem Mussorgskij-Zyklus „Lieder und Tänze des Todes“ finde ich das „Wiegenlied“ besonders ergreifend: Eine Mutter wacht über ihr todkrankes Kind, da erscheint der Tod. Ganz furchtbar die Stelle als der Tod zur Mutter sagt, dass sie sich doch eine kleine Pause gönnen solle, er wird an ihrer Stelle über das Kind wachen und es sanft in den Schlaf singen. Die Mutter wehrt sich gegen den Tod, ihre Verzweiflung im Kontrast zu der Sanftheit des Todes… das ist ein richtiger emotionaler Hammer.


Da ich die Hvorostovsky-CD bereits gestern im Gergiev-Thread lobend erwähnte, erspare ich mir hier weitere Anmerkungen dazu. Auf Alternativen wäre ich allerdings sehr neugierig.

Gruß, Cosima

ThomasBernhard

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Beiträge: 4 310

Registrierungsdatum: 21. Januar 2005

3

Samstag, 4. Februar 2006, 17:14

Danke, Sagitt, der Thread war eigentlich überfällig, da die Lieder und Tänze des Todes einer meiner liebsten Liederzyklen ist. Ich werde ab und an sicherlich noch ein paar Vergleichsaufnahmen kaufen, aber mit den zweien, die ich habe, kann ich schon recht zufrieden sein. Zum einen der unvermeidliche Boris Christoff, zum anderen Galina Vishnevskaya mit ihrem Gatten Rostropowitsch, die die Schostakowitsch-Orchestrierung erstmals einspielten.

:jubel: :jubel: :jubel:



Vor ein paar Jahren entstand in der Alten Oper Frankfurt ein optimaler Livemitschnitt mit Vladimir Vaneev, Inbal und dem HR-RSO - leider wurde er nur im Radio gesendet und nicht auf CD veröffentlicht,worauf ich sehr hoffe.
Frauen und Kinder zuerst

good night and good luck

thomasbernhards-1[ätttttt]yahoo[punkt]de

Edwin Baumgartner

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Registrierungsdatum: 17. Dezember 2005

4

Samstag, 4. Februar 2006, 20:40

Wenn ich mich recht erinnere, orchestrierte Schostakowitsch die "Lieder und Tänze des Todes" speziell für das Ehepaar Wischnewskaja/Rostropowitsch.
Diese Instrumentierung ist so unglaublich gut, dass sie nahezu als individuelles Werk gelten muss. Schostakowitschs Farbauftrag ist karg, aber zeichenhaft, er konturiert Mussorgskijs Musik klar und schmucklos - und zeigt, wie unglaublich modern und expressiv diese Musik ist.
Die Aufnahme mit der Wischnewskaja ist meiner Meinung nach konkurrenzlos, von einer derart glühenden Intensität, dass man als Zuhörer am Schluss regelrecht fertig ist. Am besten eine Packung Antidepressiva in Griffweite legen - oder als Ausgleich Mussorgskijs "Kinderstube" mit Christoff auflegen. Oder mit Aage Haugland, der die herrlich frechen Stücke ruppiger, fast etwas kabarettistisch singt.
...

  • »sune_manninen« ist männlich

Beiträge: 175

Registrierungsdatum: 9. November 2005

5

Samstag, 4. Februar 2006, 22:08

Aho-Version

Mussorgskys "Lieder und Tänze des Todes" gibt es auch beim diesjährigen Mikkeli Musik-Festival. Ursprünglich sollte Matti Salminen singen, und zwar in der Version des finnischen Komponisten Kalevi Aho. Nach Salminens Absage singt nun Mikhail Petrenko die Schostakowitsch-Instrumentierung. Von Ahos Version gibt (oder gab) es eine Aufnahme mit Martti Talvela.

Von diesem Liederzyklus habe ich Aufnahmen aller Stimmlagen :

Sopran (Galina Vishnevskaya)
Mezzosopran (Olga Borodina)
Tenor (Gergievs Schwager Grair Khanedanian)
Bariton (Dmitry Hvorostvsky, Sergey Leiferkus)
Baß (Boris Christoff, Paata Burchuladze)

und ich kann nicht sagen, daß ich eine dieser Stimmlagen prinzipiell bevorzugen würde; es kommt m.E. auf die Interpretation an, und da schneidet die zwar balsamisch schön singende, aber auf mich langweilig wirkende Borodina (oder sollte ich Langweilen mit Introviertheit verwechseln?) am schwächsten ab, wohingegen ich Vishnevskaya (zumindest in der Klavierversion) teilweise grotesk überzeichnet finde. Somit wären meine derzeitigen Favoriten Hvorostovsky (in seinem Mitschnitt von den Salzburger Festspielen) und Leiferkus, jeder auf seine Art fasznierend.

Sune

  • »richard logiewa« ist männlich

Beiträge: 156

Registrierungsdatum: 8. Dezember 2005

6

Samstag, 4. Februar 2006, 23:08

Eine recht gute (suche aber nach einer besseren und bin sehr dankbar für den thread, danke sagitt :) ) Aufnahme ist die Live Aufnahme eines Liederabends von Robert Holl (Konrad Richter,Klavier) aus dem Jahre 1975.Holl singt die Stücke aber extrem langsam und färbt alles sehr sehr Wagnerhaft, was mich weniger anspricht.

Live kann man den Zyklus am 26.April in Mainz erleben.
Es singt der Bariton des Hauses, den ich sehr empfehlen kann, Karsten Mewes.


Mfg Richard

Frank1970

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  • »Frank1970« ist männlich

Beiträge: 705

Registrierungsdatum: 10. Juli 2007

7

Mittwoch, 19. November 2008, 22:49

Hallo zusammen,

es ist jetzt gerade einmal zwei Stunden her, dass ich die "Lieder und Tänze des Todes" live hörte - gesungen von Thomas Quasthoff mit Justus Zeyen am Klavier. Dies hat mich schwer beeindruckt! :jubel:

Quasthoff wandte sich vorher ans Publikum und warb um Verständnis dafür, dass er die Lieder auf deutsch singen werde (Übersetzung von Peter Stamm), da er es ungemein wichtig fände, dass die Hörer den Text verstehen. Und ich muss ihm recht geben - hätte ich nur die Übersetzung mitgelesen, wäre dieses Wechselspiel der Emotionen, diese Verzahnung von Text und Musik für mich nicht so gut zu verfolgen gewesen.

Wenn Quasthoff dies so auf CD einspielt, dann habe ich eine weitere Wunschaufnahme! :yes:

Viele Grüße
Frank
From harmony, from heavenly harmony
this universal frame began.