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romeo&julia

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1

Mittwoch, 21. Juni 2006, 12:46

Lamentazioni (Klagelieder) zur Renaissance- und Barockzeit

Hallo liebe TaminoanerInnen

Die Lamentazioni (Klagelieder) zur Renaissance- und Barockzeit

Die Lamentazioni (Klagelieder) sind fünf poetische Kompositionen, die mit grosser dramatischer Intensität den Ruin Jerusalems beschreiben, welches von seinen Feinden 586 v. Chr. zerstört wurde und werden nun in der christlichen Tradition auf das Leiden und Sterben Christi übertragen.

Sie sind im Buch der Klagelieder gesammelt, welches in der Bibel direkt auf das „Buch des Jeremia“ folgt und dem Propheten von der Tradition zugeschrieben wurden. Jedes der fünf Kapitel – mit Ausnahme des dritten – besteht aus 22 Versen, der Anzahl der Buchstaben des hebräischen Alphabets. Die Verse der ersten vier Kapitel bilden ausserdem ein Akrostichon, da diese, der Reihenfolge nach, mit einem Wort anfangen, das je mit einem Buchstaben des hebräischen Alphabets beginnt. Das fünfte Kapitel jedoch besitzt nicht die Struktur des alphabetischen Akrostichons.
In der christlichen Tradition folgt der Text der Version der Vulgata, behält aber die Deklamation der Buchstaben des hebräischen Alphabets am Anfang der Verse bei.
Im christlichen Ritus befand sich die Lesung der Lamentazioni auf einem Höhepunkt des Kirchenjahres: dem österlichen Triduum. Sie gehörten in der Tat zum ersten Notturno des Morgengebets am Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag ( den drei „feriae“ ) und wurden in je drei „lectiones“ aufgeteilt. Die Lesungen fanden in Wirklichkeit am Vorabend des betreffenden Tages statt, in der Kirche, die durch sechs auf dem Altar stehende Kerzen und durch fünfzehn auf zwei Seiten eines Dreiecks angeordnete Kerzen erleuchtet wurde, mit denen die Symbologie der elf getreuen Apostel, der drei Marien und Christus verbunden war; bei dem Gesang jedes Psalms wurde eine Kerze ausgeblasen, mit Ausnahme der am höchsten stehenden, dem Symbol Christi. Während des „Benedictus“ wurden schrittweise auch die Kerzen auf dem Altar ausgeblasen, hinter denen sich die einzige noch brennende Kerze verbarg und somit die Kirche „in tenebris“ blieb, um die Finsternis heraufbeschwören, die die Erde im Moment des Todes Jesu einhüllte.
Der Text der Lamentazioni, der über Jahrhunderte als „cantus planus“ gesungen wurde, ist von zahlreichen Polyphonikern der frühen Renaissance vertont worden, dies ging so weit, dass bereits 1506 Petrucci zwei Sammlungen drucken konnte. Autoren wie Carpentras, Arcadelt, Tinctoris, Tromboncino setzten grosse Teile des Bibeltextes in Musik, und zwar nicht homogenen Kriterien gehorchend, sondern den Traditionen der einzelnen lokalen Kirchen entsprechend.
Eine allen Kompositionen gemeinsame Eigenschaft ist das Bewusstsein über die Ausserordentliche evokatorische Kraft des Bibeltextes, der durch schreckenerregende Bilder des Todes und der Zerstörung der Heiligen Stadt Jerusalem zu tiefen Gefühlen des Schmerzes, des Erbarmens und der Reue führt.
Die musikalischen Eigenarten der unterschiedlichen Sammlungen der Lamentationes bestehen somit aus der Würde und der Feierlichkeit des Stiles, die durch eine nüchterne akkordische Schreibweise ausgedrückt wird. Es werden keine ornamentalen Figuren oder komplexe Kontrapunktstrukturen verwendet, die das Textverständnis erschweren und den Ausdruckswert vermindern würden.
Obwohl einer alten Tradition zufolge gerade in der Karwoche die Instrumente vielerorts zu schweigen hatten, entwickelt sich schon früh eine Gattung konzertierender Lamentationskompositionen. Vincenzo Galilie, der im Umkreis der Florentiner Camerata am Ende des 16. Jahrhunderts zu den Wegbereitern des monodischen Stils gehörte, komponierte (heute verschollen) Lamentationen für Solostimme mit Begleitung eines Violenquartetts, Emilio de Cavalieri ist 1599 wohl der erste Komponist, der Lamenttationen mit Wechsel von Solo- und Chorteilen komponiert, und 1620 schliesslich veröffentlicht Annibale Gregori Lamentationen für Solostimme und Basso continuo.
Weitere der zahlreichen Komponisten die das Lamento vertont haben sind unter anderem Alonso Lobo, Tomas Louis de Vicotia, Palestrina, Giovanni Nasco oder Orlando di Lasso.
Das Lamento war im 17. und 18. Jahrhundert weitverbreitet in Opern und Traueroden. Teils a cappella, aber auch mit Instrumentalbegleitung. Typisch für ein Lamento ist die chromatisch absteigende Quart-Tonfolge mit begleitendem Ostinato.
Bekannte Beispiele findet man bei Henry Purcell, Joseph-Hector Fiocco, Claudio Monteverdis Oper 'Arianna'. Das Lamento vor dem Finale des letzten Aktes blieb ein Element der Operndramaturgie. Als Beispiel ist hier "Ach ich habe sie verloren" in Glucks 'Orpheus und Eurydike' zu erwähnen. Es sind auch neapolitanische Komponisten, die die Gattung durch neue Kompositionen bereichern, unter ihnen Alessandro Scarlatti, Francesco Feo, Nicolo Porpora, Leonardo Leo, David Perez und andere. Nach der Barockzeit befassten sich Gustav Mahler, Franz Liszt mit den Konzertetüden Il Lamento oder der zeitgenössische Komponisten Dieter Schnebel der 1991 das "Lamento di guerra" aus Anlaß des Golfkrieges komponierte. Klaus Amadeus Hartmann schrieb 1955 das Lamento eine Kantate für Sopran und Klavier (eigentlich eine Art Liederzyklus in drei Teilen). Im Lamento werden drei Gedichte von Andreas Gryphius vertont, in denen auf sehr bildhafte Weise die Grausamkeiten und Schrecken des Krieges geschildert werden und die mit einem sehnsüchtigen Wunsch nach Frieden enden. Ein Beispiel eines Lamentos ohne Gesang stammt vom Schweden Allan Pettersson „Lamento für Klavier“. Wir möchten hier aber nicht länger auf die Musik nach dem Barock eingehen.

Wir werden in loser Folge auf einige Kompositionen näher eingehen. Gespannt sind wir auf Eure Vorstellungen von Lamenttationen.

Herzliche Grüsse

romeo&julia

romeo&julia

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2

Donnerstag, 31. August 2006, 12:45

Hallo liebe TaminoanerInnen

Die Lamentazioni von Giovanni Nasco ( ca 1560 ) verwenden eine Textauswahl, die, obwohl sie als Bezugspunkt das vor-tridentische Brevier beibehält, eine ähnliche stilistische Neigung aufweisen wie unterschiedliche Komponisten, die Mitte des Sechzehnten Jahrhunderts in Norditalien aktiv sind.
Die von Nasco vertonten Verse sind die folgenden:
„Feria quinta, lectio prima“: Klagel. 1,1-2
„Feria quinta, lectio secunda“: Klagel. 1,3-4
„Feria quinta, lectio tertia“: Klagel. 1,5-6
„Feria sexta, lectio prima“: Klagel. 2,8-10
„Feria sexta, lectio secunda“: Klagel. 2,11-13
„Feria sexta, lectio tertia“: Klagel. 2,15-17
„Sabbato Sancto, lectio prima”: Klagel 3, 22-29
„Sabbato Sancto, lectio secunda”: Klagel 3, 30-36
Oratio: Klagel 5,1-8
Diese Abfolge weist Analogien zu den “Lamentazioni” von Contino ( 1560 ) und Falconio ( 1580 ) aus der Gegend um Brescia auf, ausserdem zu Ingegneri ( 1588 ) und Massaio ( 1599 ), die in Cremona und Piaceva herausgegeben wurden; dies scheint die These der Existenz einer regionalen Tradition für den Gesang der „Lamentazioni“ zu unterstützen, die ungefähr das geographische Gebiet zwischen Bergamo, Piacenza und Padua umfasst.

Zur Analogie der Auswahl und der Abfolge der Texte kommt eine weitere gemeinsame Charakteristik hinzu, die vom Gebrauch der Widerholung der Episode „Jerusalem, convertere ad Deum tuum“ mit derselben musikalischen Form für die drei „lectiones“ ein und derselben „feria“ gekennzeichnet ist und fast die Funktion eines „Refrains“ besitzt. Diese Handhabung ist ein vereinendes Element der Komposition, welches sich auch in den „Lamentazioni“ von Ferrarese ( 1565 ), Ingegneri, Asola ( 1588 ), Guami ( 1589 ), Massaino und anderen Autoren Norditaliens findet.

In der textlichen und musikalischen Struktur siedeln sich die „Lamentazioni“ von Nasco im Bereich eines weit verbreiteten Stiles an, der von den Musikern Norditaliens verwendet wurde.

Es ist anzunehmen, dass der Komponist eine künstlerische „hohe“ Dimension im Auge hatte, die nicht direkt mit der praktischen Verwendung des Werks in jenem Dom von Treviso in Verbindung stand, wo er derzeit Kapellmeister war; dort wurde, in der Tat, im österlichen Triduum eine besondere Zeremonie praktiziert, die analog zu jener von San Marco in Venedig war, und die sowohl eine andere Auswahl der Bibelverse für die „lectio secunda“ der „feria sexta“ und für die zwei „lectiones“ des „Sabbato Sancto“ (Karsamstag) vorsah, wie auch eine spezifische Reihe von polyphonischen Kompositionen, die zum Ritus der „processio ad sepulchrum“ hinzukamen. Der Kodex 38 der Kapitelbibliothek Trevisio, der auf den Seiten 24-37 anonyme „Lamentationes“ enthält, in denen die „lectiones“ des Karsamstags dem venezianischen Ritual folgen, scheint die Hypothese einer ausdrücklichen Abhängigkeit von der Handhabung in San Marco zu unterstützen.
Die „Lamentazioni“ von Nasco scheinen somit nicht für die Kapelle von Treviso bestimmt zu sein, sondern für einen anderen Ort, der vielleicht in Beziehung zu denselben Veroneser Kreisen steht, für die Nasco in der Vergangenheit gearbeitet hatte und zu denen er noch immer gute Beziehungen pflegte. Dies wird wahrscheinlich von der Widmung an die Accademia Filarmonica bestätigt, die der ersten Druckausgabe vorausgeht und im September 1561 herausgegeben wurde., wenige Monate nach dem Tod des Komponisten. Darin schreibt die Witwe Giacoma Calderara Nasca unter anderem, dass die „Lamentationes“ kurz vor dem Tod des Maestro komponiert wurden und man sie somit als „die letzten Gesänge…die letzten Zeichen seines seligen Geistes; und..als letzte Gabe, die ihr ein äusserst zugetaner Diener habe machen können“ bezeichnen kann.
Die Neudrucke von 1564 und 1574 zeugen von dem Erfolg, den diese „ultimi canti“ gehabt haben, die von dem Theoretiker Pietro Ponzio, zusammen mit dem Werk von Morales als Beispiel angegeben wurden.
Die intensiven Harmonieabfolgen werden manchmal von „modernen“ Quintprogressionen gekennzeichnet und oft von herben Dissonanzen, aber auch von weichen, leichten Figuren in falso bordone. Besonders wirkungsvoll sind die harmonischen Formeln, die zur Vertonung der hebräischen Buchstaben verwendet werden, die jede Episode einführen, indem sie die ausdrucksvolle Stimmung vorwegnehmen, sich in schmerzvolle Melismen ausweiten oder statische und feierliche Lösungen suchen, die oft in nicht aufgelösten Kadenzen ihren Höhepunkt haben.
Die Melodien sind immer bewegt und gut singbar und folgen konsequent dem Ausdrucksweg des Textes, indem die Stimmen sich manchmal überkreuzen, was aus der hauptsächlichen Notwendigkeit geschieht, jede einzelne Linie zu ihrer richtigen Vollendung zu führen. Daraus entsteht eine reichhaltige, klare und abwechslungsreiche polyphonische „textura“, die jede klangliche Feinheit der vier gleichwertigen Stimmen unterstreicht.
Giovanni Nasco wurde wahrscheinlich in Nivelles, im Brabant, um das Jahr 1500 geboren. Es ist nichts über seine musikalische Ausbildung und seine Tätigkeit in den Jugendjahren bekannt. Sehr wahrscheinlich war er am Hof Ferraras tätig und später in Vincenza. Von 1547 bis 1551 war er besoldeter Maestro an der Accademia Filarmonica von Verona. Danach war er 10 Jahre Kapellmeister in Treviso. Während seines Amtes erreichte die Kapelle von Treviso ihren künstlerischen Höhepunkt. Er starb 1561.

Das italienische Label Bongiovanni hatte eine CD mit dem Lamento von Giovanni Nasco herausgebracht.



Herzliche Grüsse

romeo&julia

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3

Mittwoch, 29. November 2006, 12:41

Hallo liebe TaminoanerInnen

Im Jahre 1722 wurde in Dresden ein Lamento von Jan Dismas Zelenka (1679 – 1745) aufgeführt.

Zelenka hat nur die ersten zwei der jeweils drei Lesungen vertont. Er wählte hierfür die Form der Solokantate mit einem Instrumentenensemble. Musik und Text sind in Zelenkas Kompositionen eng aufeinander bezogen; rascher Wechsel von Rezitativ und Arioso lässt eine Reihe sehr kurzer Abschnitte entstehen, die eine beeindruckende Dichte in der kompositorischen Gestaltung aufweisen; häufiger Gebrauch von Chromatik und eine manchmal schon experimentelle Harmonik unterstreichen die Ausdruckskraft. Die Instrumentation ist farbig und abwechslungsreich; eine Besonderheit ist die Verwendung eines Chalumeau, des Vorläufers der Klarinette, in der Lamentation.
Keine der Lamentationen sieht einen Sopranpart vor, die düstere Stimmung der Kartage wird durch die Wahl der tieferen Stimmlagen widerspiegelt. Zelenkas Komposition war für die Karwoche 1722 bestimmt, wie die Datumsangabe auf der autographen Partitur zeigt. Für die folgenden zwei Jahre sind Lamentationskompositionen von der Hand Heinichens nachweisbar, die bemerkenswerterweise eine ähnliche Besetzung (ebenfalls Solokantaten für tiefere Stimmen mit einem Instrumentalensemble) aufweisen. Zelenkas Lamentationen entstanden somit wohl im Rahmen einer Dresdner Tradition.



Herzliche Grüsse

romeo&julia

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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4

Donnerstag, 5. April 2007, 22:57

Zur angemessenen Zeit belebe ich mal diesen Thread. (mit Dank an R&J für die ausführliche Einleitung und Vorstellung der Gattung :jubel: :jubel: :jubel: )

Ich habe mir gerade Couperins Lecons de Tenebres und den Gründonnerstagsteil von Orlando di Lassos Lamentationes Hieremiae Prophetae angehört.



So beindruckend diese Musik auch sein mag (ich bin allerdings noch nicht sehr vertraut mit ihr), frage ich dennoch mal in Richtung der Renaissance und Barock-Kenner, ob es eine empfehlenswerte, sehr rhetorisch-bildhafte Vertonung dieser Stücke gibt?
Herreweghe betont im Beiheft die relativ starke Zurückhaltung Lassos in der rhetorisch-manieristischen Wortdeutung zugunsten einer eher kargen düster-feierlich-meditativen Stimmung.
Mich würden mal Lamentationes (oder evtl. auch ähnlich geartete Musik) interessieren, die a la Monteverdi-Madrigalen gestaltet sind, ruhig bis zur Grenze des Plakativen.

viele Grüße

JR
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Bernhard

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  • »Bernhard« ist männlich

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5

Freitag, 6. April 2007, 10:41

Guten tag

in meinem Platteschrank gefunden:



und:



Interessant soll diese



Neuaufnahme sein; hab gestern in der SWR-2 Sendung kurze Ausschnitte daraus gehört :jubel:

Gruß aus der Kurpfalz

Bernhard

Carola

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6

Samstag, 15. September 2007, 17:54

Die Lecons de Tenebres von Couperin gibt es auch in dieser sehr schönen Aufnahme mit Emma Kirkby:




Es handelt sich um die Wiederauflage einer CD aus den Siebzigern; in einem Interview erzählte Emma Kirkby mal, dass dies eine ihrer ersten Plattenaufnahmen überhaupt war.

Etwas störend finde ich die manchmal recht laut hervortretende Orgel, aber das ist sicher Geschmacksache. Ansonsten ist die CD aber auch klanglich trotz des Alters sehr gut. Vom Preis (4,99 €) gar nicht zu reden...

Mit Gruß von Carola
Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen. (Astrid Lindgren)

Juli

Fortgeschrittener

  • »Juli« ist weiblich

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Registrierungsdatum: 27. September 2007

7

Dienstag, 23. Oktober 2007, 18:49

Ich besitze folgende Einspielung



Ich weiß, daß Countertenöre hier im Forum nicht jedermanns oder jederfraus Sache sind.
Ich hingegen mag sie (auf jeden Fall, wenn sie gut sind)
Ich finde das Werk von Francois Couperin besonders eindringlich in dieser kleinen Besetzung und die Orgel ist auch nicht zu laut.
Die Stimmen der beiden Sänger harmonieren wunderbar; die erste Lecon singt DT, die zweite RB, in der dritten singen sie zusammen.
Gerade die Zartheit der Stimmen passt m.E. zur sparsamen Instrumentierung Couperins.
Nochmal: Ich weiß, daß die Meinungen über Counter hier sehr auseinandergehen, aber ich mag insbesondere Daniel Taylor sehr, der hier in Europa m.E. zu Unrecht eher weniger bekannt ist.

LG
Juli
Audio ergo sum

  • »pt_concours« ist männlich

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8

Mittwoch, 12. März 2008, 22:02

wieder einmal gilt (auch wenn es noch nciht ganz Karfreitag ist):

Zitat

Original von Johannes Roehl
Zur angemessenen Zeit belebe ich mal diesen Thread. (mit Dank an R&J für die ausführliche Einleitung und Vorstellung der Gattung :jubel: :jubel: :jubel: )

Ich habe mir gerade Couperins Lecons de Tenebres und den Gründonnerstagsteil von Orlando di Lassos Lamentationes Hieremiae Prophetae angehört.


Diese CD von Herreweghe ist auch schon seit langer Zeit ein Höhepunkt meiner CD-Sammlung.


Eine andere CD, die hervorragend in diese Rubrik passt, ist folgende:




Lamentations de la Renaissance

Tiburtio MASSAINO (c.1550-c.1609) Musica super Threnos leremiae prophete in maiori hebdomada decantadas: Feria V. (In coena Domini)
Robert WHITE (c.1538 - 1574) Lamentations Of Jeremiah
Marbrianus de ORTO (c.1460 - 1529) Lamentatio Jeremiae Prophetae a 4
Roland de LASSUS (1532 - 1594)Lamentationes Hieremiae Feria sexta (in Parasceve)

Huelgas-Ensemble/ Paul van Nevel

Ich denke die außergewöhnliche Qualität von Dirigent und Ensemble ist hier wohlbekannt- und die hohen Erwartungen werden auch vollkommen erfüllt.

Besonders interessant ist natürlich der Vergleich zwischen Herreweghe und van Nevel bei Lassus! Obwohl mir die meditative Interpretation von Herreweghe besser gefällt, es wäre möglich, dass van Nevel mit seiner etwas "forscheren Art" näher am Original ist!
Hören, hören und nochmals hören: sich vertraut machen, lieben, schätzen.
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  • »Johannes Roehl« ist männlich

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9

Donnerstag, 20. März 2008, 18:37

Zitat

Mich würden mal Lamentationes (oder evtl. auch ähnlich geartete Musik) interessieren, die a la Monteverdi-Madrigalen gestaltet sind, ruhig bis zur Grenze des Plakativen.


Da man im Bereich der geistlichen Chormusik nur noch mit Glück die Bezüge finde, weiß ich nicht mehr, wo Klawirr auf die Lamentationes von Francesco Durante hingewiesen hatte; ich habe die jedenfalls inzwischen endlich mal gehört und sie gefallen mir ziemlich gut. Natürlich hochbarock, nicht so karg wie die A capella-Fassungen über hundert Jahre zuvor.
Befremdlich ist nur, daß in zwei Sätzen der lamento-Charakter dadurch unterbrochen wird, daß zwei Corni da caccia lustig dazwischen schmettern...



(keine Erinnerung mehr daran, warum ich die statt der cpo-Aufnahme bestellt habe... doch jetzt ist es klar: die Hörschnipsel sind total verrauscht, gewiß klingt die Aufnahme nicht so, aber das war der Grund)

:hello:

JR
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bachiana

Schüler

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10

Mittwoch, 9. April 2008, 21:14

Zitat

Original von romeo&julia
Zelenka hat nur die ersten zwei der jeweils drei Lesungen vertont. Er wählte hierfür die Form der Solokantate mit einem Instrumentenensemble. Musik und Text sind in Zelenkas Kompositionen eng aufeinander bezogen; rascher Wechsel von Rezitativ und Arioso lässt eine Reihe sehr kurzer Abschnitte entstehen, die eine beeindruckende Dichte in der kompositorischen Gestaltung aufweisen; häufiger Gebrauch von Chromatik und eine manchmal schon experimentelle Harmonik unterstreichen die Ausdruckskraft. Die Instrumentation ist farbig und abwechslungsreich; eine Besonderheit ist die Verwendung eines Chalumeau, des Vorläufers der Klarinette, in der Lamentation.


Schade, ich hatte mich schon gefreut, an dieser Stelle die Platte vorzustellen, die ich mir dieses Jahr zur Passionszeit gegönnt hatte, aber besser kann ich's nicht schreiben als hier schon geschehen! Für diejenigen, die diese Musik kennenlernen möchten, kann ich auch die folgende Aufnahme sehr empfehlen, die in der günstigen Helios-Reihe von Hyperion erschienen ist:



Unter den ausgewählten sechs Lamentationes sind leider keine mit Chalumeau (diese Klangfarbe gefällt mir ganz wunderbar), sondern nur mit Oboen oder mit Flöten. Es wird wunderbar lyrisch musiziert, die Solisten Michael Chance, John Mark Ainsley und Michael George singen ihre Partien klangschön und ausdrucksstark. Zum Kennenlernen eine gute Wahl, wie ich finde.


Kerstin


PS: Das muss ich noch nachschieben: Die oben vorgestellte Huelgas-Platte ist eine meiner liebsten CDs und ist jetzt ganz neu in der HarmoniaMundiGold Reihe aufgelegt worden und sieht jetzt so aus:



Diese CD ist ganz wunderbar! Das schönste an den Lamentationes sind ja fast immer die vertonten hebräischen Initialen, bei denen sich die Komponisten austoben konnten, während die Lamentationes gerade in der Renaissance wegen des ernsten Anlasses schlicht gehalten werden mußten (keine oder kaum Melismen); und bei dem Massaino finde ich diese Initialbuchstaben besonders schön.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »bachiana« (9. April 2008, 21:18)


  • »pt_concours« ist männlich

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11

Samstag, 19. April 2008, 18:16

Zitat

Original von bachiana
Schade, ich hatte mich schon gefreut, an dieser Stelle die Platte vorzustellen, die ich mir dieses Jahr zur Passionszeit gegönnt hatte, ...



Kerstin


Hallo Kerstin,

wenn Dir die Lamentationen von ZELENKA gefallen haben, dann möchte ich Dir unbedint auch die Responsorien dieses Komponisten ans Herz legen! Bei mir haben diese Stücke einen noch stärkeren Eindruck hinterlassen, als die Lamentationen. Allerdings liegt mir persönlich die eher "chorische Veranlagung" der Responsorien auch mehr, als die "solistische" der Lamentaionen. Ich habe bisher allerdings erst eine Einspielung der Responsorien entdeckt:



Capella Montana/ Ludwig Gossner

Eine durchaus gelungene Einspielung mit einigen Abstrichen, besonders bei Chorklang, und -intonation. Im Konzert habe ich das schon besser gehört (diese Stücke werden in Dresden hin und wieder zur Passionszeit gesungen), deshalb hoffe ich auf weitere hochkarätige Aufnahmen.

Gruß pt_concours
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bachiana

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  • »bachiana« ist weiblich

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12

Dienstag, 22. April 2008, 22:57

Hallo pt_concours!

Irgendwie hatte ich Deine Antwort bis dato übersehen! Sorry!
Vielen Dank für den Tip. Ich hatte letztes Jahr sogar die Freue, drei von den Karfreitagsresponsorien singen zu dürfen (aber nicht in Dresden! Zelenka spricht sich gottlob langsam rum), und bin absolut Deiner Meinung, dass das Musik ist, die es wert ist, entdeckt zu werden. :jubel:

Allerdings gehören die Responsorien zu der Musik, die sich mir viel leichter durch das Singen erschließt als durch das Hören. Ihre strenge Polyphonie im alten Stil ermüdet mich als Hörer leider recht schnell. :O

An Aufnahmen kenne ich nur diese hier:



Diese gefiel mir sehr gut; solistische Besetzung, soweit ich mich erinnere, und alles in allem sehr gut gesungen.

Würde mich freuen, wenn ich diese Stücke bei Gelegenheit hier in Dresden mal hören könnte.

  • »pt_concours« ist männlich

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13

Mittwoch, 8. April 2009, 20:02

Zitat

Original von bachiana
Hallo pt_concours!

Karfreitagsresponsorien ....Zelenka

Würde mich freuen, wenn ich diese Stücke bei Gelegenheit hier in Dresden mal hören könnte.


Hallo Kerstin,

morgen abend :rolleyes: :untertauch: bietet sich die Möglichkeit- sogar im dirketen Vergleich der Responsorien mit den Lamentationen- , wie ich bereits hier erwähnte:

Konzerte des Collegium (Vocale) 1704, Prag

J.D. ZELENKA –Responsoria et Lamentationes
Markéta Cukrová, Tomáš Král
Collegium 1704 & Collegium Vocale 1704/ Václav Luks
Do.09.4.2009, 19.30 Uhr, Annenkirche Dresden

Ich werde mir dieses Konzert auf alle Fälle anhören!

Gruß pt_concours
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14

Mittwoch, 8. April 2009, 22:35

Guten Abend

die 1724 von Johann David Heinichen komponierten
drei Lamentationes Jeremiae prohetae
über die hebräischen Buchstaben
Alef, Wad und Jod wurden u.a. von der



musica antqua Köln fesselnd eingespielt.

Gruß :hello:

aus der Kurpfalz

Bernhard

Fairy Queen

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15

Donnerstag, 9. April 2009, 06:42




Was denn sonst? :angel:
Leben zeugt Leben, Energie erschafft Energie. Man wird reich , indem man sich verschwendet. (Sarah Bernardt)

Siegfried

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16

Donnerstag, 9. April 2009, 08:17

Lamentationes

Johann Rosenmüller (1619-1684) : Die Klagelieder des Jeremias

für Solostimme und basso continuo

2. Lektion zum Mittwoch der Karwoche (Kap. 1, 6-7)
3. Lektion zum Gründonnerstag (Kap. 3, 1-9)
3. Lektion zum Karfreitag (Kap. 5, 1-11)

gesungen von Fritz Wunderlich,
begleitet von Lisedore Praetorius, Cembalo und Fred Buck, Violoncello

Aufgenommen vom Süddeutschen Rundfunk am 24.3.1957 in der Villa Berg Stuttgart

CD bei Hänssler erschienen
Freundliche Grüße Siegfried

salisburgensis

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17

Freitag, 10. April 2009, 20:00

RE: Lamentationes

Zitat

Original von Siegfried
Johann Rosenmüller (1619-1684) : Die Klagelieder des Jeremias

für Solostimme und basso continuo

gesungen von Fritz Wunderlich,
begleitet von Lisedore Praetorius, Cembalo und Fred Buck, Violoncello

Aufgenommen vom Süddeutschen Rundfunk am 24.3.1957 in der Villa Berg Stuttgart

CD bei Hänssler erschienen


Der Wunderlich singt das gar nicht schlecht, aber das Continuo ist eine einzige Zumutung. So dröge und einfallslos gespielt, wie das ist. Kein Wunder, dass Barockmusik damals den Ruf hatte, nur mit Valium erträglich zu sein. Diese Aufnahme kann man trotz des guten Wunderlichs tatsächlich nur mit ein paar Beruhigungsmitteln im Blut ertragen...


:hello:
Thomas
Da freute sich der Hase:
"Wie schön ist meine Nase
und auch mein blaues Ohr!
Das kommt so selten vor."
- H. Heine -

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18

Freitag, 10. April 2009, 21:28

RE: Lamentationes

Zitat

Original von salisburgensis

Zitat

Original von Siegfried
Johann Rosenmüller (1619-1684) : Die Klagelieder des Jeremias

für Solostimme und basso continuo

gesungen von Fritz Wunderlich,
begleitet von Lisedore Praetorius, Cembalo und Fred Buck, Violoncello

Aufgenommen vom Süddeutschen Rundfunk am 24.3.1957 in der Villa Berg Stuttgart

CD bei Hänssler erschienen


Der Wunderlich singt das gar nicht schlecht, aber das Continuo ist eine einzige Zumutung. So dröge und einfallslos gespielt, wie das ist. Kein Wunder, dass Barockmusik damals den Ruf hatte, nur mit Valium erträglich zu sein.


Nein. Das Vorurteil war, daß Barockmusik eine verträgliche Alternative zu Valium bietet.... :stumm: :D

:hello:

JR
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Bernhard

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19

Freitag, 15. Mai 2009, 11:34

Guten Tag

Einige Kompositionen vom Übergang ins 17. Jahrhundert bis ins 18. Jahrhundert,
,die sich mit der Sichtweise Marias auf die Leidensgeschichte Jesu beschäftigen,
wurden mit Bernarda Fink und dem Ensemble Il Giardino Armonico auf dieser



CD unter dem Titel:

" Il pianto di Maria - The Virgin´s Lament"

neu eingespielt.
Außer Sonaten und Concertos von Vivaldi, Pisendel und Marini stehen drei Werke mit der Gesangssolistin B. Fink auf dem Programm.
Mitelpunkt bildet Claudio Monteverdis ‘Pianto della Madonna’.
Bekanntlich handelt sich es hier um das ‘Lamento d‘Arianna’, über dessen Melodie ein geistlicher Text gelegt wurde.
Eindrucksvoll auch Giovannis Battista Ferrandinis geistliche Kantate ‘Il Pianto di Madonna’ aus den 30er Jahren des 18. Jahrhunderts,
die lange Zeit auch Gg. Fr. Händel zugeschrieben wurde.
Erwähnenswert sei auch noch die Weltersteinspielung von Francesco Bartolomeo Contis ‘Il martirio di San Lorenzo’,
wobei ein Chalumeau -ein Vorläufer der Klarinette erklingt-, genannt.
Von den reinen Instrumentalsätzen sei noch Pisendels Sonata in c-moll für zwei Oboen, Streicher und Bc. positiv angsprochen.

Ensemble und Solistin, beide mit der Materie bestens vertraut, harmonieren eindrucksvoll miteinander und erbringen eine Spietzenleistung.

Gruß :hello:

aus der Kurpfalz

Bernhard