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  • »Kurzstueckmeister« ist männlich
  • »Kurzstueckmeister« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 6 423

Registrierungsdatum: 16. Januar 2006

1

Sonntag, 29. November 2009, 19:52

Die europäische Landschaftsmalerei vor dem 17. Jahrhundert

Ich beziehe meine Kenntnisse aus dem Artikel "Zur Geschichte der europäischen Landschaftsmalerei" von Alexander Wied aus dem Katalog "Die flämische Landschaft", einer Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien 2003/4.

Die Landschaft war seit der Antike als niedrigrangige Bildgattung angesehen, Spiel mit der Wahrnehmung in antiken Villen, Kürzel und Ortsangabe im Mittelalter. Das größere Interesse an Verlebendigung der Darstellung ab Giotto greift nach Lorenzetti (1338-39 Folgen der guten und schlechten Regierung) vor allem im 15. Jahrhundert auf die Landschaft über, die aber noch kein autonomer Darstellungsgegenstand sein kann.

Gründe für die Entstehung der Landschaftsmalerei seien "Erwachen des Naturgefühls, Selbstbewusstsein des Künstlers, Interesse an Darstellung der Wirklichkeit, Profanisierung und Säkularisierung der Kunst, Interesse des Publikums und Nachfrage auf dem Markt". Dennoch bleibt die Landschaftsmalerei bis ins 18. Jahrhundert eine niedrig eingestufte Gattung und die Freude an der Realitätswiedergabe wird kritisiert, "bloße Naturnachahmung" und "plump Materielles" anstatt des Geistigen.

Jetzt noch eine kleine Chronologie:
1411-16 Gebrüder Limburg: Très Riches Heures (Jahreszeitendarstellungen in der Buchmalerei)
1422-25 Jan van Eyck: Die Taufe Christi im Turin-Mailänder Gebetbuch (Randleiste, in der hauptsächlich Landschaft dargestellt ist)
1435 Jan van Eyck: Fensterausblick der Rolin-Madonna
1438-42 Pisanello: Vision des Hl. Eustachius
1444 Konrad Witz: Landschaft mit dem Genfer See
1467-68 Dirc Bouts: Perle von Brabant (sehr prominente Landschaftshintergründe auf den Seitenflügeln)
1480/85 Geertgen tot Sint Jans: Johannes der Täufer
1508 Giorgione: Tempesta
1505-15 Gerard David: Waldlandschaften (Flügel-Außenseiten)
1510 Altdorfer: Hl. Georg
1526-28 Altdorfer: Landschaft mit Kastell

Weitere Maler des 16. Jahrhunderts: Dürer (Aquarelle), Wolf Huber, die keine Nachfolge fanden - Bellini, Tizian, Campagnola, Muziano, Veronese - Herri met de Bles, Jan van Amstel, Meister der weiblichen Halbfiguren, Matthys Cock, Cornelis Massys, Lucas Gassel, Pieter Brueghel d.Ä., Jan Massys, Pieter Baltens, Cornelis van Dalem, Jacob Grimmer, Lucas van Valckenborch, Hans Bol, Paul Bril, Gillis van Coninxloo, Jan Brueghel d.Ä. (es war eine Ausstellung über flämische Landschaftsmalerei).

Links zu den Bildern folgen.

:hello:

  • »Duc d´Orléans« ist männlich

Beiträge: 7

Registrierungsdatum: 15. November 2009

2

Dienstag, 1. Dezember 2009, 00:44

RE: Die europäische Landschaftsmalerei vor dem 17. Jahrhundert

Der Aufruf eines der größten Geister der Menschheit "zurück zur Natur" ist mehr denn je der Wunsch des Menschen in einer Zeit der Verbauung und Umweltzerstörung. Lieber Voltaire, was würdest du zu unserer heutigen Zeit sagen? Vermutlich das gleiche, zurück zur Natur ! Die Kunst mit ihrer Nachahmung vermag letzlich das großartige der Schöpfung nicht vollends wiederzugeben. Unzählige Maler haben sich darum bemüht
So spiegelt das Darstellen der Landschaft letzlich den innigsten Wunsch des Menschen wieder, nämlich die Sehnsucht nach dem Garten Eden, dem leider verlorenen Paradies und den Versuch diesem (mit aller Künstlichkeit) habhaft zu werden.

Monsieur

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich

Beiträge: 16 595

Registrierungsdatum: 9. August 2004

3

Dienstag, 1. Dezember 2009, 01:32

Ich begebe mich wieder zurück ins 15. Jahrhundert wo quasi "alles begann" - Im Mittelalter war "Landschaftsmalerei" eigentlich nicht vorhanden, und auch im 15. Jahrhundert erfüllte sie mehrheitlich die Funktion von "Hintergrundprospekten" für biblische und sonstige Szenen.

Als Beispiel Konrad Witz (ca 1400/1410 - 1444/46 )´"Christus am Kreuz" haben wir eine realitätsnahe Landschaft, jedoch dient sie quasi als "Ort der Handlung" für eine Kreuzigungsszene.



Im Bild "Der wunderbare Fischzug" kann man aber schon von einer echten Landschaftsmalerei ausgehen, die Details werden geradezu akribisch genau dargestellt. Im Mittelpunkt steht zwar immer noch die religiöse Szene, aber der Landschaft wurde großes Augenmerk geschenkt, man kann feinste Details erkennen sodaß man die gemalte Landschaft beinahe schon als gleichberechtigten Partner des religiösen Inhalts der Szene zu sehen geneigt ist.



weitere Beispiele werden folgen.

mfg aus Wien

Alfred
Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich (Wilhelm Busch - Prognose über die EU ??)

  • »Kurzstueckmeister« ist männlich
  • »Kurzstueckmeister« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 6 423

Registrierungsdatum: 16. Januar 2006

4

Dienstag, 1. Dezember 2009, 10:17

Zitat

Original von Alfred_Schmidt
Als Beispiel Konrad Witz (ca 1400/1410 - 1444/46 )´"Christus am Kreuz" haben wir eine realitätsnahe Landschaft, jedoch dient sie quasi als "Ort der Handlung" für eine Kreuzigungsszene.

Wobei ja lustigerweise der Ort ein falscher ist.
Dieses Witz-Bild, das 1430-33 datiert wird, soll eventuell eyckische Vorbilder haben.
Ich denke da an die Berliner Kreuzigung, die dort als Eyck-Nachfolge angegeben ist (was sich dann zeitlich nicht so recht ausgehen würde) von Pächt aber Hubert van Eyck zugeschrieben wird (was auch wikipedia übernommen hat mit Datierung um 1430).

Hubert van Eyck (?)
Christus am Kreuz zwischen Maria und Johannes (um 1430)

Hier wird (im Gegensatz zu Witz) die Stadt Jerusalem durch typische Gebäudeformen bestimmt und mit einer Windmühle kombiniert ...

Bei Witz stellen sich im Gegensatz dazu keine Jerusalem-Assoziationen ein. Der dominierende See könnte vom Genfer See inspiriert sein, den er ja dann beim "Fischzug" portraitiert hat.