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Registrierungsdatum: 5. Oktober 2010

1

Sonntag, 15. Mai 2011, 17:28

Parsifal in Basel, besuchte Vorstellung: 14.5.11

«Parsifal» ist nicht nur das letzte, sondern auch das umstrittenste Musiktheaterstück Richard Wagners. Und es ist wohl die Wagner-Partitur, welche bisher die kontroversesten Bühnendeutungen erfuhr. Allein in den letzten paar Jahren gab es so unterschiedliche szenische Verwirklichungen wie die von Christoph Schlingensief und Stefan Herheim in Bayreuth, von Calixto Bieito in Stuttgart und von Nikolaus Lehnhoff, zuletzt in einer englischen Version in London. Eine der nächsten Stationen ist das Opernhaus Zürich, wo Claus Guth am 26. Juni seine «Parsifal»-Version zur Diskussion stellt.
Jetzt reiht sich das Theater Basel mit einem weiteren «Parsifal» ein, von dem man sagen kann: So hat man dieses Spiel um Siechtum und Erlösung, um Schuld und Vergebung, um Heidentum und Christusglauben noch nie erlebt. Regisseur Benedikt von Peter versteht den Begriff der Erlösung als Wunsch, im anderen Menschen sich selbst zu erkennen. Symbolhaft steht dafür das Zwillingspaar, und daher sind den Figuren der Oper Zwillings-Doubles beigegeben, und die zahlreichen Statisten sind konsequent zwillingsmässig verdoppelt. Sodass man vermutlich noch in zwanzig Jahren sagen wird: Der Basler «Parsifal» von 2011, das war doch der mit den Zwillingen …Ueb er die Regie muss ich noch viel nachdenken. Vielleicht schreibe ich noch was dazu.

Zu den gesanglichen Leistungen ist nur positives zu berichten: Liang Li gestaltet einen wunderbar warmstimmigen Gurnemanz, Alfred Walker singt eindrücklich den leidenden Amfortas, Stefan Stoll ist ein herrlich grossspuriger, sich, seine Macht und seinen Sex Appeal grandios überschätzender Klingsor. Die stärksten Momente kommen jedoch von Kundry und Parsifal: Ursula Füri-Bernhard versteht es sowohl die Mark und Bein durchdringenden Schreie der wilden Heidin, als auch die verführerischen Kantilenen der begehrenden Frau mit erregender Intensität auszudrücken. Rolf Romei ist nur schon von seiner blendenden Erscheinung her ein geradezu idealer Darsteller des tumben Toren, der zum strahlenden Erlöser mutiert.

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2

Montag, 16. Mai 2011, 09:07

Zur Regie:

es war natürlich - wie man sich das in Basel gewöhnt ist - Regietheater pur, wobei Benedikt von Peter doch einigermassen eng an Wagner-Handlungssträngen in szeniert.
von Peter strapaziert allerdings das Stück mit seiner Idee, dem Amfortas einen an einem Tischchen vor der Bühne sitzenden Autor hinzuzuerfinden. Da dieser zugleich die kleine Rolle des alten Titurel spielt, als Alter Ego (oder Zwilling) des Königs Amfortas gezeichnet ist und bisweilen, etwa beim Streit Kundrys mit Parsifal im ersten Akt, gestikulierend ins Bühnengeschehen eingreift – Allan Evans absolviert dies alles mit schauspielerischer Agilität und sängerisch ungebrochen –, ergeben sich einige schwer auflösbare Verwicklungen.Ist Titurel nun der geheime Urheber des Stücks, oder ist es Amfortas, und worin besteht überhaupt der Mehrwert dieser Kunstfigur des mitwirkenden, mitleidenden Autors? Auflösen lässt sich das Vexierbild nur, wenn man hinzudenkt, dass sich der alte Wagner tendenziell mit dem ewig sterbenden Amfortas identifizierte, wofür die Tagebücher Cosimas einige Anhaltspunkte bieten. Kundry entspräche dann Wagners Frau Cosima, und der Autor am Tischchen ist Wagner ist Titurel ist Amfortas – o heilige Opern-Verrätselung …