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klingsor

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1

Sonntag, 26. Juni 2005, 18:52

ganz ohne worte ... die vokalise

beim hören des dritten nocturnes von debussy :jubel: :jubel: :jubel: überkam mich die idee zu diesem thread:

die VOKALISE,

d.h., von einem solisten, einem chor gesungenes oder gesummtes schwebt über dem orchester, dem klavier oder ist zuweilen gar alleiniger musikalischer träger. nie ist text zu hören, allein ein scheinbar ewig dahinfließender vokal (eigentlich wohl immer ein 'a'?), oder ein 'la' oder 'hm' ...

die meisten vokalisen gibt es für frauenstimmen (ob solo, oder frauenchor; aber auch gemischte chöre widmen sich dieser speziellen art des gesangs).

was paßt besser zu einem lauen winddurchwirkten sommerabend .... ???schmacht ... :lips:

welche vokalisen gibt es, wann trat die vokalise das erste mal auf? gibt es eigentlich männervokalisen (dh. für solostimme)? und, welche liebt ihr am meisten?

drei muß ich schon mal nennen:

debussy (s.o.)

ravel, die vokalisenchöre in daphnis und chloe

holst: neptun aus den planeten

es grüßt verklärt
--- alles ein traum? ---

klingsor

Radagast

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2

Sonntag, 26. Juni 2005, 20:06

Moin,

biete Villa-Lobos Bachianas Brasilieras No. (ich glaube 5), da ich meine Version gerade verliehen habe.
Grüsse aus Rhosgobel

Radagast

klingsor

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3

Sonntag, 26. Juni 2005, 20:35

und natürlich der ohrwurm:
rachmaninows vocalise (und der arme hatte sich damals nicht die rechte gesichert, da er sie für zu unbedeutend hielt.... reich wäre er geworden) ;(


mir fiel gerade selbst eine männer-vokalise ein:
delius, 'summernight on the river' für tenor und männerchor a cappella

grüße
--- alles ein traum? ---

klingsor

Ulli

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4

Sonntag, 26. Juni 2005, 22:32

Salut,

wenn ich mich recht erinnere, sind Vokalisen im eigentlichen Sinne Gesangsetüden zum Zwecke der Tonbildung. Man sang hier bestimmte Laute ohne Zusammenhang. Ich gehe davon aus, dass dies bereits Ende des 18. Jahrhunderts üblich war. Offenbar hat sich daraus eine Kunstform entwickelt.

Liebe Grüße
Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

GiselherHH

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5

Sonntag, 26. Juni 2005, 22:32

Hallo,

ich kann zwei weitere Beispiele liefern:

Ralph Vaughan Williams:

Symphonie Nr. 6, Finalsatz
Symphonie Nr. 7 ("Sinfonia Antarctica"), 1. Satz

In beiden Werken klingen die Vokalisen nicht gerade "gemütlich". In der 6. Symphonie hört sich das Ganze eher wie ein zutiefst trauriger Flug über eine vom Krieg zerstörte Landschaft an und in der 7. Symphonie künden die Frauenstimmen vom eisig klirrenden Reiz und der Gefahr der Antarktis.

Grüße

GiselherHH
"Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."

(Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

klingsor

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6

Montag, 27. Juni 2005, 00:13

ja, giselher, stimmt, die beiden vokalisen sind was ganz besonderes und die symphonien sind großartig ...ich liebe ja vaughan williams über alles . :jubel: :jubel:

nur ein kleiner irrtum: du meinst statt der 6. (rein instrumental) die 3. mit dem sopransolo (die pastoral symphony) ;)


und ein weiteres beispiel: der summchor aus puccinis turandot ...

es grüßt in die nacht....
--- alles ein traum? ---

klingsor

Ulli

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7

Donnerstag, 30. Juni 2005, 09:52

RE: ganz ohne worte ... die vokalise

Salut,

ich habe noch die „Ur“-Vokalise ;) gefunden:

oragna fiagata fa marina gamina fa… – dieses Liedchen mit italienisch anmutenden Lauten sang angeblich das Kind Wolfgang Mozart während einer Zubettgeh-Zeremonie allabendlich. Allem Anschein nach basiert diese kindliche Kreation auf einer Hymne zu Ehren des Prinzen Wilhelm V. von Oranien.


bien cordialement
Ulli
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(Vincenzo Geilomato Hundini)

Philhellene

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8

Mittwoch, 31. August 2005, 22:20

Vokalisen gibts wie Sand am Meer... aber nicht alle gefallen mir gleich gut.

In Opern: Act One, Scene Eight aus "The turn of the screw" von Benjamin Britten wird mit einer ausgedehnten Tenorvokalise eröffnet (ich empfehle Sir Peter Pears als Interpreten, dieser war wohl am genauesten über des Komponisten Intentionen informiert und besitzt eine sehr vokalisengeeignete Stimme, wenn es so etwas gibt - sehr leicht und mühelos!).
In "Carmen" gibt es eine ganze Menge "Tralala". Zunächst einmal der Chanson im ersten Akt, wo sie sich weigert, den Ordnungshütern Auskunft zu geben, das zigeunerischste Stück der ganzen Oper. Dann - in kleineren Mengen - in der Seguidilla und im Danse bohème zu Beginn des zweiten Aktes. Aber die wirklich großartige Vokalise der Oper befindet sich im Duett mit José im zweiten Akt, wo sie tanzt und sich mit Gesang und Kastagnetten selbst begleitet. Und bei dieser Vokalise muss es für mich Victoria de los Angeles sein; andere Carmen-Interpretinnen singen oft gleichgut, übertreffen sie sogar unselten in der Habanera; aber noch keine sang diese Vokalise überzeugender (und auch nicht sauberer!). Wenn man etwa Leontyne Price an dieser Stelle zum Vergleich hört - diese Frau stellt doch keine Carmen dar, sondern eine H...orizontale!

Auch in Debussys "Nocturnes" gibt es eine Vokalise: im dritten Teil, "Sirènes".

Bachianas Brasileiras Nr. 5 sind bei mir auch ganz vorne!

Von Saint-Saens gibt es eine herrlich zarte Vokalise "Le rossignol et la rose" aus "Parysatis".

Und von Isabelle Aboulker gibt es eine "Vocalise amoureuse pour soprano éperdue"! :D

klingsor

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9

Dienstag, 27. September 2005, 16:24

hallo, sehr virtuos ist z.b. das

konzert für koloratursopran von reinhold glière (1875 - 1956 ).

allerdings finde ich es ein wenig gewöhungsbedürftig .... ;)
--- alles ein traum? ---

klingsor

Theophilus

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10

Dienstag, 27. September 2005, 16:41

Hallo klingsor

Zitat

und ein weiteres beispiel: der summchor aus puccinis turandot ...

Ich bin mir nicht ganz sicher, welchen du da meinst, aber ich plädiere einmal für den Summchor im Finale des 2. Aktes der Madama Butterfly.

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

walter

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11

Mittwoch, 5. Oktober 2005, 17:12

John Foulds: Lyra Celtica - concerto for voice and orchestra Op. 50



Grüsse
Walter

Theophilus

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12

Montag, 24. Oktober 2005, 16:59

Frederic Delius
Appalachia - Variations on an old slave song

An mehreren Stellen hat der obligate Chor einfache Vokalisen zu singen (er singt aber dann auch das Lied selbst).

Übrigens: schöne Musik!

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

Guercoeur

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13

Dienstag, 25. Oktober 2005, 00:54

Frederick Delius

Hallo Theophilus,

Deine Begeisterung für Delius' 'Appalachia' teile ich voll und ganz!
Eine gleichfalls wunderschöne Musik desselben Komponisten:

'A Song of the High Hills' für gemischten Chor und Orchester 1911 -

auch mit stimmungsvollen Vokalisenstellen, über weite Passagen im piano, pp und ppp von einem Fernchor gesungen - kann ich Dir wärmstens empfehlen.
Eine perfekte Einspielung des halbstündigen Stücks hat Eric Fenby mit Ambrosian Singers und Royal Philharmonic Orchestra im Jahr 1983 beim Label Unicorn-Kanchana vorgelegt.

Schöne Grüße
Johannes

Theophilus

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14

Dienstag, 25. Oktober 2005, 01:24

RE: Frederick Delius

Hallo Guercoeur,

danke für den Tip. Aber die Fenby-Einspielung scheint nicht ganz leicht auftreibbar zu sein, Beecham und Mackerras sind aber bei Delius in der Regel auch keine Fehlgriffe, oder?

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

Guercoeur

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15

Dienstag, 25. Oktober 2005, 02:07

Hi Theophilus,

mit der Vermutung bezüglich der schwierigen Beschaffung der Fenby-Aufnahme liegst Du leider richtig. Allerdings hat sich ein guter Freund von mir vor ein paar Wochen, eben genau diese Einspielung zugelegt. Ich glaube über Amazon.com. Ich werde ihn aber nochmal dazu befragen, woher er die CD bezogen hat.
Und, was die anderen beiden von Dir genannten Dirigenten betrifft, ist mir nicht bekannt, daß sie 'A Song of the High Hills' eingespielt haben.

Bei Fenbys Aufnahme begeistert mich immer wieder die ungeheure Langsamkeit und Sensibilität, mit der er das Werk angeht, so daß man an manchen Stellen das Gefühl hat, daß die Musik in einem wunderbaren Schwebezustand einfach stehenbleibt und daß man diesen endlos erscheinenden wohlklingenden Fluß der Musik in vollen Zügen genießen kann. Eine schnellere Einspielung würde diesen Eindruck bestimmt um einiges schmälern.

Schöne Grüße
Johannes

16

Samstag, 19. November 2005, 21:48

Vokalise - eine Kunstform??

da würde ich ich jetzt mal ganz einfach widersprechen:

Vokalise bedeutet: auch ohne silben - die Stelle in Carmen wird auf La, la gesungen und ist ein Tanzstück - wahrscheinlich als Flötennachahmung.

die Gesangsübungen von Concone etc. verweisen auf eine italienische Tradition des Gesangsunterrichts - es geht dabei um die Schönheit und Gleichmäßigkeit der Vokale
der künstlerische Anspruch solcher Gesangsübungen ist IMO nicht sehr hoch . der gesangstechnische Wert schon viel höher..

das berühmte Rachmaninow Stück hat IMO wiederum keinen besonderen technischen Wert, hingegen ist der Unterhaltungswert unumstritten. (deutlicher will ich nicht werden, dazu ist Rachmaninow als seriöser Komponist viel zu umstritten)
Aber das Stück halte ich für einen Zufallstreffer - ähnlich wie die Berühmtheit des Bolero von Ravel...da muß es keine anderen Vokalisen von Sibelius oder Zemlinski als Vergleich geben...



Summchöre würde ich nicht als Vokalise bezeichnen - weiß nicht, wer das zuerst verwendet hat - kam in der Kunstmusik gegen Ende des 19.Jh in Mode...
die Volksmusik verwendet Summstimmen als Abwechslung in Strophenliedern - das wird sicher schon sehr lange der Fall sein...

liebe Grüße,
Wolfgang
Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
(frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

Caesar73

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Registrierungsdatum: 22. März 2005

17

Samstag, 19. November 2005, 22:25

RE: Vokalise - eine Kunstform??

Zitat

Original von tastenwolf
das berühmte Rachmaninow Stück hat IMO wiederum keinen besonderen technischen Wert, hingegen ist der Unterhaltungswert unumstritten. (deutlicher will ich nicht werden, dazu ist Rachmaninow als seriöser Komponist viel zu umstritten)


Lieber Wolfgang,

ich habe Deine Ausführungen mit Interesse gelesen, nur eine Frage: Inwieweit ist Rachmaninov als seriöser Komponist umstritten? Ich bin zwar kein Fachmann, aber gehört oder gelesen habe ich das noch nirgendwo.

Herzliche Grüße,

Christian
Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)