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Ulli

Sage

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151

Tuesday, December 23rd 2008, 6:00pm

RE: Das Requiem in seinen Versionen

Quoted

Original von âme
Hallo,
Hierzu hab ich zufällig beim neulichen durchblättern eines Buches (Mozart nach den Schilderungen seiner Zeitgenossen)etwas gefunden das gut zu dieser Thematik passt.
Rochlitz erinnert sich dabei:
"Über Nichts klagte Mozart heftiger als über 'Verhunzung' seiner Compositionen bei öffentlicher Aufführung, hauptsächlich durch Übertreibung der Schnelligkeit der Tempos.
'Da glauben sie, hierdurch soll es feurig werden!' sagte er; 'ja wenn´s Feuer nicht in der Composition steckt, so wird´s durchs Abjagen wahrlich nicht hineingebracht'
"


Naja, solche Äußerungen widersprechen sich gelegentlich, wobei dieser zitierten natürlich grundsätzlich zuzustimmen ist - Es geht ja auch nicht um das "Abjagen", sondern vielmehr darum, das Stück Presto assai, sprich: so schnell wie möglich, zu spielen. Dieser Wunsch beinhaltet natürlich, daß es auch noch anhörbar sein sollte!

Hummel äußerte sich z.B. zu den überaus schnell gewählten Tempi seiner eigenen pianistischen Mozartrezeption: "So hat es Mozart gemacht, so mache ich es auch..." - das ist natürlich alles relativ (in diesem Fall fand die Äußerung etwa 20 Jahre nach dem Selbsthören durch Hummel statt...)

:hello:

Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

Philhellene

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152

Wednesday, December 24th 2008, 12:16am

RE: Das Requiem in seinen Versionen

Quoted

Original von Pius
Die zwei Typen von Requien sind meiner Ansicht nach die mit und die ohne Dies Irae bzw. Sequenz (anstelle von Gloria und Credo, das stets zu fehlen hat). Also entweder:

A: Intoitus - Kyrie - Graduale (Requiem aeternam) - [selten hier noch das Tractus (Sicut servus)] - Offertorium (Domine Jesu Christe) - Sanctus - Agnus Dei - Communio (Lux aeterna)

oder

B: Introitus - Kyrie - Sequenz (Dies irae) - Offertorium - Sanctus - Agnus Dei - Communio

Dabei ist es möglich, daß in Typ A das Dies irae in der Sequenz nicht vorkommt, aber im angehängten Responsorium "Libera me" (das nicht mehr zur Messe gehört!) - z.B. bei Faure.

Aber es gibt auch da Mischformen, z.B. hat Morales Graduale UND Sequenz in seinem Requiem.


Ja, auch diese Einteilung hinkt, denn mir sind außer Morales zumindest noch zwei Requiemvertonungen mit Graduale und Sequenz (in dem Fall auch noch plus Pie Jesu) bekannt: Cherubini c-moll und d-moll.

Außerdem war ich bisher der Ansicht, der Text des Tractus würde wie folgt lauten:
Absolve, Domine, animas omnium fidelium defuntorum ab omni vinculo delictorum.
Et gratia tua illis succurente mereantur evadere iudicium ultionis. Et lucis aeternae beatitudine perfrui.


Liebe Grüße,
Martin

Pius

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153

Sunday, December 28th 2008, 12:38pm

RE: Das Requiem in seinen Versionen

Hallo Martin!

Quoted

Original von Philhellene

Quoted

Original von Pius
Die zwei Typen von Requien sind meiner Ansicht nach die mit und die ohne Dies Irae bzw. Sequenz (anstelle von Gloria und Credo, das stets zu fehlen hat). Also entweder:

A: Intoitus - Kyrie - Graduale (Requiem aeternam) - [selten hier noch das Tractus (Sicut servus)] - Offertorium (Domine Jesu Christe) - Sanctus - Agnus Dei - Communio (Lux aeterna)

oder

B: Introitus - Kyrie - Sequenz (Dies irae) - Offertorium - Sanctus - Agnus Dei - Communio

Dabei ist es möglich, daß in Typ A das Dies irae in der Sequenz nicht vorkommt, aber im angehängten Responsorium "Libera me" (das nicht mehr zur Messe gehört!) - z.B. bei Faure.

Aber es gibt auch da Mischformen, z.B. hat Morales Graduale UND Sequenz in seinem Requiem.


Ja, auch diese Einteilung hinkt, denn mir sind außer Morales zumindest noch zwei Requiemvertonungen mit Graduale und Sequenz (in dem Fall auch noch plus Pie Jesu) bekannt: Cherubini c-moll und d-moll.


Di Lassos Requiem ist noch so ein Fall (dieses enthält übrigens ein In Paradisum, aber kein Libera Me). Ja, diese Einteilung hinkt, ist aber IMO dennoch die naheliegendste, wenn man denn überhaupt einteilen will. Vielleicht sollte man das ganz lassen...

Quoted


Außerdem war ich bisher der Ansicht, der Text des Tractus würde wie folgt lauten:
Absolve, Domine, animas omnium fidelium defuntorum ab omni vinculo delictorum.
Et gratia tua illis succurente mereantur evadere iudicium ultionis. Et lucis aeternae beatitudine perfrui.



Ich hatte bei Ockeghem nachgesehen, als ich den zitierten Beitrag schrieb. Dieser verwendet im Tractus nicht das "Absolve Domine" (das tatsächlich die übliche Wahl wäre), sondern vertont den 42. Psalm "Sicut Servus".
Es gibt sogar noch einen dritten liturgisch fundierten alternativen Text für den Tractus, nämlich Psalm 130 "De Profundis".


Um wieder zu Mozarts Requiem zurückzuschwenken:
Ich habe mir die Savall-Aufnahme bei Amazon Marketplace bestellt.
Ich bin schon sehr gespannt. =)

Viele Grüße,
Pius.

Pius

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154

Monday, January 12th 2009, 9:14pm

Quoted

Original von Pius





Wer es düster, brutal und gradlinig mag, für den ist das die richtige Aufnahme.

Ich jedenfalls brauche nun keine weiteren Aufnahmen mehr. Die, die ich jetzt habe, decken mein Spektrum, in dem ich Mozarts Requiem wahrnehme(n möchte), ab. Savall war tatsächlich noch die nötige Ergänzung.

ThomasBernhard

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155

Wednesday, January 14th 2009, 3:38pm

Ich glaube, ich habe eine neue nicht-HIP-Lieblingsaufnahme des Mozartrequiems.
Nämlich die von Victor de Sabata aus dem Jahr 1941.

Allerdings verursacht mir meine Aufnahme des Labels "membran" Ohrenschmerzen. Sie klingt schrecklich scharf weil sie komplett rauschfrei gefiltert wurde. Ich werde mir demnächst vielleicht die Naxos-CD bestellen im festen Vertrauen darauf, dass man alte Aufnahmen im Hause Naxos wesentlich sorgfältiger bearbeitet als man das beim Leichenfledderer-Billiglabel Membran/documents/Quadromania - und unter welchen verschleiernden Masken dieser Verein noch in Erscheinung treten mag - tut [meine subjektive Meinung spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder, also den Anwalt bitte stecken lassen]

Zur Überprüfung des positiven Eindrucks der Sabata-Aufnahme benötige ich also erst die Naxos-Überspielung, dann gebe ich nochmal Bescheid. Eine Empfehlung kann ich aber galube ich bedenkenlos jetzt schon geben:



Genaue Besetzung für die Suchmaschinen:

Pia Tassinari, Ebe Stignani, Ferruccio Tagliavini, Italo Tajo, RAI Orchester Rom & Turin, Victor de Sabata
Frauen und Kinder zuerst

good night and good luck

thomasbernhards-1[ätttttt]yahoo[punkt]de

ThomasBernhard

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156

Saturday, March 21st 2009, 7:52pm

Leider kann ich momentan nicht reinhören, da mein PC meine soundkarte nicht mehr erkennen will.

Falls jemand folgende Aufnhamen energisch empfehlen oder davon abraten würde, bitte ich um einen Hinweis

Kempe // Grümmer / Höffgen / Krebs / Frick / Chor der Hedwigs-Kath. / Berliner Phil

Shaw // Augér / Ziegler / Hadley / Krause / Altlanta
Frauen und Kinder zuerst

good night and good luck

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musikwanderer

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Monday, April 11th 2011, 6:50pm

Das „Requiem“ Mozarts im Spiegel seiner Quellenlage

Ich möchte diesen alten Thread noch einmal beleben. Nicht nur, weil man im Laufe der Zeit etwas vom Thema abgekommen ist (BBB fragte ja nach der Einstellung zur Süßmayr-Fassung bzw. späteren Revisionen durch andere Musiker), sondern auch, weil ich speziell diesen Grund nennen möchte:




In der Tat ist diese Beyer-Fassung eine wirkliche Entdeckung für mich. Die Interpretation durch den Kammerchor Stuttgart ist superb und beweist, das Bernius ein guter Chorerzieher ist, Orchester und Solisten können da nach meinem ersten Höreindruck allerdings nicht in gleichem Maße mithalten. Trotzdem kann man die Einspielung nach meinem Eindruck empfehlen.

Mozarts Requiem in der Bearbeitung von Franz Xaver Süßmayr gilt Musikern wie auch Forschern in weiten Teilen als wenig gelungen. Der von Mozarts Witwe zunächst um Hilfe gebetene Joseph von Eybler hatte das Manuskript nach vergeblichen Ansätzen zu einer Komplettierung zurückgegeben; ich will nicht spekulieren, werde aber den Eindruck nicht los, daß er sich nicht so recht „traute“. Süßmayr „traute“ sich dann und man muß und soll Süßmayr durchaus dankbar sein.

Professor Rudolf Ewerhart schrieb einmal:

Kann man sich mit den nach Mozarts Skizzen vorgenommenen Ergänzungen noch abfinden, so bleibt Süßmayrs Instrumentierung als schwacher Punkt eine stete Herausforderung an den praktischen Musiker.

Es kam dann auch schon sehr früh zu Versuchen, die Totenmesse zu bereinigen: Bereits kurze Zeit nach der Erstveröffentlichung (um 1800 bei Breitkopf & Härtel) gab es Versuche, die tradierte Fassung zu ergänzen. So erweiterte Sigismund von Neukomm, der 1816 nach Rio de Janeiro ausgewandert war, das Werk für eine Aufführung in Brasilien um das Responsorium „Libera me, Domine“, eine liturgisch begründete Ergänzung.

Ende der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts hat Prof. Franz Beyer den Versuch unternommen, „Mozarts Urtext zu reinigen von den zwar gut gemeinten, aber weniger gut gemachten Süßmayrschen Zutaten“ (H. L. Hirsch). In seinem Vorwort für die Eulenburg-Edition (1971) schrieb Beyer (u. a.):

(…) Schließlich äußert sich die Unbefangenheit F. X. Süßmayrs auch in der Tatsache, daß der Schüler seinen Meister an verschiedenen Stellen sogar korrigiert: Im „Confutatis“ hat Süßmayr die wohl einzige von Mozart ausintrumentierte Stelle innerhalb der Sequenz einfach abgeändert, dazu noch an einer der „harmonisch überwältigendsten Partien in Moazrts Kunst“ (Abert). Mozart läßt die Holzbläser beim „oro supplex“ auf den verminderten Septimen-Akkord (Takt 25) einsetzen. Der vorhergehende Takt mit seinen aufsteigenden Dreiklängen ist, wie L. Nowak richtig bemerkt, eine „Art Auftakt“. Abgesehen von der „Vergröberung der ursprünglichen Klangidee“ (Nowak) verschiebt sich das harmonisch-metrische Gefüge der ganzen nachfolgenden, jeweils viertaktigen Periode, indem diese fälschlicherweise um einen Takt vorverlegt wird (…)

In der „Acta Mozartiana“ (Organ der Deutschen MozartGesellschaft) von November 1971 hieß es über einer Aufführung der Beyer-Fassung des Requiems mit Ingeborg Hallstein, Margarita Lilowa, Theo Altmeyer, Heinz Imdahl, dem Chor der Gesellschaft der Musikfreunde Passau und dem Orchester der Bayerischen Staatsoper unter Walter Hornsteiner:

...wird sich die Frage stellen, wieso das Süßmayr-Konzept mehr als ein Jahrhundert hindurch halten konnte und warum es auch heute noch von den Koryphäen goutiert wird. Es wäre Mozart (…) zu wünschen, daß sich die Großen der Musikwelt entschlössen, sich die neue Partitur anzusehen und ihrer künftig zu bedienen.

Beyers behutsame Revision etablierte sich neben der traditionellen Süßmayr-Fassung in der Aufführungspraxis und wurde u.a. von Nikolaus Harnoncourt, Leonard Bernstein und Neville Marriner aufgenommen.

Andere Vorschläge seien hier genannt: 1923 meinte Gerhard von Keußler, Süßmayrs Sanctus, Benedictus und Agnus Dei durch Sätze aus anderen Messen Mozarts zu ersetzen. 1941, zum 150. Todestag Mozarts, verfaßte Marius Flothuis eine Revision von Süßmayrs Arbeit. Er verzichtete auf die Trompeten in Sanctus und Benedictus, auch weitgehend auf die Posaunen als Stimmenunterstützung und schob im Benedictus zwei modulierende Takte ein, um den Tonartwechsel bei der Wiederholung der Osanna-Fuge zu vermeiden. 2001 wurde diese Fassung erstmals aufgenommen (von Jos van Veldhoven mit Orchester und Chor der Nederlandske Bach vereniging).

Eine radikalere Neufassung stammt von Richard Maunder vor. Er verwarf Süßmayrs Sanctus und Benedictus, nur das Agnus Dei erschien ihm aufgrund eingehender Vergleiche mit anderen Kirchenwerken Mozarts akzeptabel. Ferner komponierte er für den Abschluß des Lacrimosa eine Amen-Fuge, für die er Mozarts Skizzenblatt sowie eine Fuge für Orgelwalze (KV 608 ) als Ausgangspunkt nutzte. Auch in Süßmayrs Instrumentation griff er massiv ein.

Drei weitere Vervollständigungsversuche entstanden aus Anlass des 200. Todestags Mozarts 1991:

(1) Robbins Landon schuf eine Neufassung für die Aufführung Soltis mit den Wiener Philharmonikern und dem Chor der Wiener Staatsoper im Stephansdom am 5. Dezember 1991 und publizierte die Partitur 1992. Robbins Landon verzichtete auf Neukompositionen, orientierte sich aber in der Instrumentation erheblich stärker als die bisherigen Bearbeiter an Joseph Eyblers Arbeit. BBB hat diese Fassung schon in seinem Einleitungsbeitrag erwähnt.

(2) Duncan Druce griff tiefer in die Substanz des Werks ein. Ihm ging es, wie Maunder, um eine Tilgung von Süßmayrs Arbeit, und er ersetzte sie durch Neukompositionen. Dabei wollte er „sich weniger in Mozart als vielmehr in einen fähigen Komponisten des 18. Jahrhunderts“ hineinversetzen, der „Mozarts Stil nahegestanden und sein Handwerkszeug recht gut gekannt hätte“.Druce komponierte ebenfalls eine Amen-Fuge, die wesentlich umfangreicher als die von Maunder ist. Außerdem kam eine weitgehende Neukomposition des Benedictus und eine instrumentale Einleitung der Communio hinzu.

(3) Robert D. Levins Fassung schließlich wurde 1991 von Rilling beim Europäischen Musikfest in Stuttgart uraufgeführt, die Partitur erschien 1994. Seine Arbeit läßt sich mit der von Beyer vergleichen: Süßmayrs Fassung wurde durch eine musikalisch-stimmigere Gestaltung „aufgehellt“, wodurch der Vokalsatz klarer hervortritt. Süßmayrs Eingenkompositionen veränderte er aber deutlich stärker als Beyer: Eine neukomponierte Amen-Fuge, eine verlängerte Ausarbeitung der Osanna-Fuge und eine Aufhellung des Klangbilds im Sanctus durch Einsatz von Klarinetten sind Beispiele dafür.

Hat unter den Musikfreunden, so wäre von mir abschließend zu fragen, eine andere Aufnahme als die Süßmayr-Fassung und kann darüber etwas mitteilen?
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MUSIKWANDERER

moderato

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158

Wednesday, April 4th 2012, 5:01pm

Diesen Thread mit dem umständlichen Titel >Das "Requiem" Mozarts im Spiegel seiner Quellenlage< habe ich mir durchgelesen. Ich habe einiges Neues über KV 626 erfahren.
Eine Frage möchte ich stellen, die mir ein Tamino-User vielleicht beantworten kann. Gibt es einen Link, in dem man erfahren kann, in welcher Aufnahme, welche Fassung benutzt wird?

musikwanderer hatte im Beitrag 157 die Frage gestellt nach Aufnahmen mit anderen Fassungen als die Süssmayrs.

In den Beiträgen 82, 83, 157 erfährt man etwas über die Unterschiede der Fassungen und einige Aufnahmen werden genannt sowie die Grundlage des Notentextes.

Andere Fassungen als die Süssmayrs wären:

Marius Flothuis (1941)
Franz Beyer (1971/79 und 2005)
Duncan Druce (1992)
C. Richard F. Maunder (1986)
H. C. Robbins Landon (1991)
Robert D. Levin (1993)

Graf Walsegg, der Auftraggeber des Requiems, hatte 1794 eine Fassung für Streichquintett eingerichtet bzw. einrichten lassen. Dies scheint zu dieser Zeit üblich gewesen zu sein, existieren von anderen geistlichen Chorwerken solche Bearbeitungen. Eine Fassung für Streichquartett hatte Peter Lichtenthal (1780-1853) unter Verwendung der Süssmayr-Fassung erstellt. Sigiswald Kuijken hat diese Fassung einer Revision unterzogen und mit dem Kuijken-Kwartett eingespielt.


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Um ein guter Zuhörer zu sein, muss man eine musikalische Kultur erwerben...man muss vertraut sein mit der Geschichte und Entwicklung der Musik, man muss zuhören...Um die Musik zu empfangen, muss man seine Ohren öffnen und auf die Musik warten, man muss glauben, dass man sie braucht...Zuhören ist anstrengend, und blosses Hören ist keine Leistung. Auch eine Ente kann hören.
Igor Strawinsky

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moderato

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159

Sunday, April 15th 2012, 10:21am

Ich habe mir die Mühe gemacht die in diesem Thread erwähnten Aufnahmen und die ihnen zugrunde liegenden Fassungen aufzulisten. Nur diejenigen Einspielungen sind in die Liste aufgenommen, wenn die Tamino-Forumsmitglieder den Urheber der Fassung erwähnen. Ich habe die Angaben des Werbepartners übernommen. Ergänzungen sind erwünscht!

Süssmayr-Fassung

Armstrong, Pashley, Baker, Gedda, Tear, Fischer-Dieskau, English Chamber Orchestra, New Po, Daniel Barenboim


in der Fassung von Franz Xaver Süßmayr
+ 9 Fragmente von Mozarts Hand

Marinez, Groop, Davislim, Youn, Chorus Musicus Köln, Das Neue Orchester, Spering

Nagy, Labitzke, Eckstein, Kaleschke, Württembergischer Kammerchor, Württembergische Philharmonie Reutlingen, Kurz

SWR-Symphonieorchester, Europäische Chorakademie Mainz, Holliger


Fassung von Sigismund Neukomm (1778-1858)

Hjordis Thébault, Gemma Coma Alabert, Simon Edwards, Alain Buet, La Grande Ecurie et la Chambre du Roy, Kantorei Sarlouis, Jean Claude Malgoire


Fassung von Marius Flothuis (1941)

Callatay, Markert, Getchell, Netherlands Bach Society Choir & Orchestra, Veldhoven


Fassung von Franz Beyer (1971/79 und 2005)

Jezovsek, Schubert, Ullmann, Volle, Kammerchor & Barockorchester Stuttgart, Bernius

Yakar, Wenkel, Equiluz, Holl, Concentus Musicus, Harnoncourt


Fassung von Duncan Druce (1992)
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Fassung von C. Richard F. Maunder (1986)

Kirkby, Watkinson, Rolfe-Johnson, Thomas, Academy of Ancient Music, Hogwood


Fassung von H. C. Robbins Landon (1991)

Auger, Cecilia Bartlos, Cole, Pape, Wien PO, Solti (Live-Aufnahme vom 5.12.91 in Wien)


Fassung von Robert D. Levin (1993)

Julia Kleiter, Gerhild Romberger, Klaus Mertens, Daniel Sans, Bachchor Mainz, L'arpa Festante München, Otto

Tölzer Knabenchor, Tafelmusik, Weil

Ziesak; Maultsby; Croft; Arnold; Boston Baroque, Martin Pearlman

Christine Brewer, Ruxandra Donose; John Tessier; Eric Owens; Atlanta Chamber Chorus & SO, Runnicles
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Um ein guter Zuhörer zu sein, muss man eine musikalische Kultur erwerben...man muss vertraut sein mit der Geschichte und Entwicklung der Musik, man muss zuhören...Um die Musik zu empfangen, muss man seine Ohren öffnen und auf die Musik warten, man muss glauben, dass man sie braucht...Zuhören ist anstrengend, und blosses Hören ist keine Leistung. Auch eine Ente kann hören.
Igor Strawinsky

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William B.A.

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160

Friday, May 3rd 2013, 2:46pm



Mozart Requiem
Wien 1971, Piaristenkirche
Karl Böhm, Wiener Symphoniker
Wiener Staatsopernchor,
Gundula Janowitz, Sopran, Christ Ludwig, Alt,
Peter Schreier, Tenor, Walter Berry, Bass

Wenn man diese Aufführung sieht, ist man erstaunt, ja gleichermaßen überwältigt, was für ein gewaltiges Werk das Requiem ist. Böhm weist ihm genau den Platz zu, der ihm gebührt. Wer sich näher mit Mozarts Requiem beschäftigt hat, weiß, dass es in ein ganz anderes Jahrhundert gehört, in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, unweit von Verdis Requiem und keineswegs unter ihm stehend.
Ich habe das Requiem zwei Mal gesungen und kann sagen, dass jede Note, die ich gestern Abend gehört habe, genau dem entsprochen hat, was ich erwartet habe. Auch wenn Böhm das Requiem langsamer dirigiert hat als Harnoncourt 10 Jahre nach ihm, so kommen doch beide Dirigenten mit ihren absoluten Referenzen zu dem gleichen Ergebnis. Ein ungeheuer dramatisches Requiem, das dem Anspruch Mozarts gerecht wird, das von Chor, Orchester und Solisten gleichermaßen mit Herzblut, absoluter Konzentration und höchster Ausdrucksfähigkeit vorgetragen wird.
Böhm hat den Vorteil, das zum großen Chor (ca. 95 Sängerinnen und Sänger) besser portionierte Orchester zur Verfügung zu haben und ein absolut elitäres Solistenquartett (s.o.), jedoch gleicht Harnoncourt das mit seinem Originalklangensemble durch ungeheuer intensive Spielweise in etwa wieder aus.
Und beide haben den gleichen Chor, ein Chor, wie geschaffen für dieses gewaltige Werk, denn wir dürfen das Requiem nicht mit den übrigen Mozartmessen vergleichen, allenfalls mit der c-moll-Messe, jedenfalls was den Umfang betrifft, denn die c-moll-Messe hätte, durchkomponiert etwa eine Länge gehabt wie Beethovens Missa Solemnis.
In Böhms Interpretation ist keiner der Messteile schwächer als der andere, es ist eine durch und durch komplette Aufführung, sodass höchstens durch ihren dramtischen Impetus das Dies irae, Rex tremendae, Confutatis und das alles überragende Lacrimosa besonders herausstechen.
Ich müsste mir jetzt noch einmal die späte Harnoncourtsche Requiemaufnahme anhören, um zu sehen, ob sie an diese beiden Referenzen heranreicht.

Um diesem Thread, denn einen anderen Requiem-Thread gibt es ja offenbar nicht, gerecht zu werden: Böhm wählte die Süssmayr-Fassung, Harnoncourt desgleichen.

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

wok

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161

Saturday, May 4th 2013, 1:38am

Unter den zahlreichen exzellenten und hochinteressanten Einspielungen von MOZART's Requiem beeindruckt mich nach wie vor RAFAEL FRÜHBECK DE BURGOS' emphatische Interpretation mit dem opulent erklingenden NEW PHILHARMONIA CHORUS AND ORCHESTRA und den herrlichen Stimmen des Sängerquartetts mit EDITH MATHIS, Sopran, GRACE BUMBRY, Alt, GEORGE SHIRLEY, Tenor und MARIUS RINTZLER, Baß, am meisten. Die Aufnahme, die damals bei EMI Angel Series erschien, geht unter die Haut wie kaum eine andere und belegt wieder einmal das Format dieses in Deutschland leider viel zu wenig bekannten Dirigenten. obwohl dessen Eltern ja aus Deutschland stammen, und obwohl er von 1966 - 1971 Generalmusikdirektor in Düsseldorf war. Dabei hätte eigentlich spätestens seine Einspielung von BIZET's Carmen 1970 bei Electrola mit den CHOEURS ET ORECHESTRE DU THÉATRE NATIONAL DE L'OPÉRA PARIS mit so hochkarätigen Sängern wie eben GRACE BUMBRY als Carmen, wie JOHN VICKERS und MIRELLA FRENI, auch deutsche Musikliebhaber längst auf diesen Dirigenten aufhorchen lassen müssen. Obwohl schon 4 Gesamteinspielungen von Carmen existierten, war das englische Schallplattenmagazin "Gramophon" voll des Lobes über diese neue Einspielung. Aus seiner langen Zusammenarbeit mit dem NEW PHILHARMONIA ORCHESTRA erklärt sich auch der hervorragende Gesamteindruck der Einspielung von MOZART's Requiem durch RAFAEL FRÜHBECK DE BURGOS.

Für mich sehr überzeugend ist auch die Einspielung dieses Werkes durch KARL RICHTER und seinem MÜNCHENER BACH-CHOR und BACH-ORCHESTER von 1961 bei Teldec, mit einem ebenfalls sehr erlesenen Sängerquartett, d. h. mit MARIA STADER, HERTHA TÖPPER, JOHN VAN KESTEREN und KARL KOHN, in einer erfreulich unromantischen, unverweichlichten Auslegung dieses wunderbaren Werkes, die die Größe MOZARTs und seines Meisterwerkes voll zum Tragen bringt.

Viele Grüße
wok

helmutandres

Professional

  • "helmutandres" is male

Posts: 393

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162

Saturday, September 28th 2013, 10:56pm

Neufassung des Mozart-Requiems durch Benjamin-Gunnar Cohrs

Am 20. und 21. September d. J. fand in Bremen und in Dortmund die Ur- bzw. Erstaufführung der Neufassung des Mozart-Requiems von und mit Benjamin-Gunnar Cohrs statt. Auf dieses Ereignis hatte ich schon in einem anderen Thread aufmerksam gemacht. Wie schon bei der Aufführungsfassung des IV. Satzes der neunten Brucknersinfonie beruht auch diese Rekonstruktion Cohrs' auf einem akribischen Quellenstudium, gepaart mit großem Einfühlungsvermögen in den Klang- und Ausdruckskosmos des Komponisten. Näheres dazu mögen Interessierte auf der Website von Benjamin-Gunnar Cohrs nachlesen.

Besser als ich das könnte, hat Ken Ward die außerordentlich gelungene Dortmunder Aufführung auf der Website von bachtrack unter dem Titel Mozart's Requiem renewed by Benjamin-Gunnar Cohrs in Dortmund gewürdigt. Alle Puderzucker-Assoziationen wie weggeblasen. Wenn - wie in diesem Thread schon gefordert - das Mozart-Requiem eigentlich auf die Stufe späterer Requiem-Vertonungen (z. B. Verdi) gehörte, dann vermag die Neufassung von Cohrs diese Forderung jedenfalls zu stützen. Es wäre mehr als wünschenswert, wenn es zu einer Einspielung käme. Und der Musikbetrieb davon Kenntnis nähme und sich wenigstens damit auseinandersetzte...

Melante

Trainee

  • "Melante" is male

Posts: 131

Date of registration: Sep 28th 2013

163

Saturday, September 28th 2013, 11:51pm

Dies ist kein Widerspruch!
Es soll lediglich eine Anmerkung sein.

Brüggen dirigierte das Requiem in Tokyo anlässlich des Ablebens eines ihm nahen Freundes.
Die CD war lange vergriffen, es gibt sie wohl wieder.
Beinahe bedauerlich, denn es geht Brüggen, unabhängig von aller Quellenlage, um eine Trauermusik.
Eine zutiefst persönliche Stellungnahme, einen persönlichen Abschied, bei dem der Zuhörer beinahe Voyeur wird.

Ist es möglich, diese Musik, auch heute noch, derart subjektiv zu hören?
Als Mittel der Trauerarbeit, als persönlichen Wert?

Natürlich ist das eine Interpretation einer Interpretation.
Und doch auch auch die Suche nach dem Wesen eines Werkes außerhalb des Notierten und Ergänzten.
Darum ganz simpel: Brüggens Aufnahme schmerzt mich wie keine andere.
Sie tut weh!

Ist sie damit nicht näher am Werk als jede Rekonstruktion?

Fragen: Mike
"Man kann die Menschen zur Vernunft bringen, indem man sie dazu verleitet, daß sie selbst denken." Voltaire

  • "Johannes Roehl" is male

Posts: 9,515

Date of registration: Aug 12th 2005

164

Sunday, September 29th 2013, 10:00am

Am 20. und 21. September d. J. fand in Bremen und in Dortmund die Ur- bzw. Erstaufführung der Neufassung des Mozart-Requiems von und mit Benjamin-Gunnar Cohrs statt. Auf dieses Ereignis hatte ich schon in einem anderen Thread aufmerksam gemacht. Wie schon bei der Aufführungsfassung des IV. Satzes der neunten Brucknersinfonie beruht auch diese Rekonstruktion Cohrs' auf einem akribischen Quellenstudium, gepaart mit großem Einfühlungsvermögen in den Klang- und Ausdruckskosmos des Komponisten. Näheres dazu mögen Interessierte auf der Website von Benjamin-Gunnar Cohrs nachlesen.

Besser als ich das könnte, hat Ken Ward die außerordentlich gelungene Dortmunder Aufführung auf der Website von bachtrack unter dem Titel Mozart's Requiem renewed by Benjamin-Gunnar Cohrs in Dortmund gewürdigt. Alle Puderzucker-Assoziationen wie weggeblasen. Wenn - wie in diesem Thread schon gefordert - das Mozart-Requiem eigentlich auf die Stufe späterer Requiem-Vertonungen (z. B. Verdi) gehörte, dann vermag die Neufassung von Cohrs diese Forderung jedenfalls zu stützen.

Was ist mit "eigentlich auf die Stufe späterer Requiem-Vertonungen gehört" gemeint? Meinem Eindruck nach ist es, ungeachtet der Probleme der Fassungen, nicht gängige Ansicht, dass Mozarts Stück NICHT auf diese Stufe gehörte (im Gegenteil). Dass das Stück historisch und stilistisch weit näher an Händel als an Verdi ist, spricht ja nicht gegen seine Qualität...
Leider wird aus der verlinkten Rezension und auch nach Überfliegen der bei Ben Cohrs verlinkten Pressetexte mir nicht so recht klar, worin nun die wichtigsten Unterschiede zu den anderen Fassungen bestehen (außer der neuen Amen-Fuge). Die Rezi zeigt sich v.a. nachvollziehbar begeistert von dem Konzert selbst, geht aber kaum auf die Unterschiede der Fassungen ein.
Eine Einspielung wäre jedenfalls wünschenswert!

helmutandres

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  • "helmutandres" is male

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165

Sunday, September 29th 2013, 11:35am

Was ist mit "eigentlich auf die Stufe späterer Requiem-Vertonungen gehört" gemeint? Meinem Eindruck nach ist es, ungeachtet der Probleme der Fassungen, nicht gängige Ansicht, dass Mozarts Stück NICHT auf diese Stufe gehörte (im Gegenteil). Dass das Stück historisch und stilistisch weit näher an Händel als an Verdi ist, spricht ja nicht gegen seine Qualität...
Leider wird aus der verlinkten Rezension und auch nach Überfliegen der bei Ben Cohrs verlinkten Pressetexte mir nicht so recht klar, worin nun die wichtigsten Unterschiede zu den anderen Fassungen bestehen (außer der neuen Amen-Fuge). Die Rezi zeigt sich v.a. nachvollziehbar begeistert von dem Konzert selbst, geht aber kaum auf die Unterschiede der Fassungen ein.
Eine Einspielung wäre jedenfalls wünschenswert!
Nun, nach meinem Eindruck hat die Legendenbildung um das "Stück" seiner Rezeption und Aufführungspraxis nicht unbedingt immer gut getan. Mag sein, daß sich dahinter aber nur ein Nachsprechen gewisser tradierter (und unangemessen elitärer) Vorurteilsbildung verbirgt. Die (bedeutenden) textlichen Unterschiede seiner Fassung hat Cohrs m. E. auf seiner Website zumindest verbal versucht darzulegen. Lies dazu bitte auch seine Texte zu den Konzerten.

Im Hören der Cohrs'schen Fassung erschloß sich mir jedenfalls ein völlig neues Stück. Und zwar durchaus im Sinne einer Erhöhung der Totenmesse aus zeit- und personbedingten Umständen in eine absolute menschliche Dimension. Mozart reloaded (wenn dieser Begriff in diesem Forum nicht anderweitig so negativ besetzt wäre ;)). Dies ist selbstverständlich eine rein subjektive Empfindung. Nur eine Einspielung vermöchte diese für das Publikum zu objektivieren (sie zu bestätigen oder aber auch, ihr zu widersprechen).