Sie sind nicht angemeldet.


JPC Amazon

AMATEURVIDEO-FILMFORUM-WIEN

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Tamino Klassikforum. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

musikwanderer

Prägender Forenuser

  • »musikwanderer« ist männlich
  • »musikwanderer« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 4 031

Registrierungsdatum: 20. Januar 2010

1

Mittwoch, 12. September 2012, 17:49

LISZT, Franz: DIE LEGENDE VON DER HEILIGEN ELISABETH

Tamino Oratorienführer
Franz Liszt (1811-1886):

DIE LEGENDE VON DER HEILIGEN ELISABETH
Oratorium für Soli, Chor (SATB) und Orchester - Libretto von Otto Roquette (1824-1896)

Uraufführung am 15. August 1865 in Pest (in ungarischer Sprache);
erste Aufführung in deutscher Sprache am 24. Februar 1866 unter Hans von Bülow in München


DIE PERSONEN DES ORATORIUMS


Hermann, Landgraf von Thüringen (Bass)
Sophie, seine Gemahlin (Mezzosopran/Alt)
Ludwig, Landgraf, beider Sohn (Bariton)
Elisabeth, Tochter des Königs von Ungarn, mit Ludwig verheiratet (Sopran)
Friedrich II., römisch-deutscher Kaiser (Bass)
Ungarischer Magnat (Bass)
Sénéchal (Bass)
Chor der Kinder, der Kreuzfahrer, der Armen, der Engel, der Bischöfe, des Volkes.

Das Geschehen ereignet sich zu Beginn des dreizehnten Jahrhunderts.


INHALTSANGABE


Das Vorspiel beginnt mit dem zärtlichen Klang dreier Flöten, denen sich dann die Celli, später die Violinen zugesellen, um schließlich in einen Klangrausch mit Trompeten- und Posaunen zu münden. Das thematische Material darf man getrost als Leitmotiv im Sinne Wagners ansehen, denn es wird im weiteren Verlauf des Oratoriums, wenn auch in mannigfaltigen Variationen, wiederkehren. Aus dem strahlend-impulsiven Klangteppich wird zum Ende der Ouvertüre ein liedhafter Ausklang, wenn es nach einer Generalpause als terzenseliges Diminuendo der Streicher und Holzbläser, grundiert von Horn und Violoncello, ausklingt. Das Motiv der Einleitung entnahm Liszt einer alten Melodie, die bei kirchlichen Feiern zu Ehren der heiligen Elisabeth im 16. Jahrhundert als „Quasi stella matutina“ gesungen wurde. Mit dem Text „Joseph, lieber Joseph mein“ fand die Melodie weite Verbreitung.

Erster Teil

Ein ungarischer Magnat findet sich am Beginn des Werkes mit der Tochter des Herrschers der Magyaren vor Landgraf Hermann von Thüringen ein; nach üblichem Brauch war die kindliche Elisabeth mit dem Sohn des Landgrafen, dem Knaben Ludwig, verlobt worden. Und der gebürtige Ungar Liszt lässt es sich nicht nehmen, die Übergabe des Kindes in die Obhut des Vaters von Bräutigam Ludwig, ja die gesamte erste Szene, mit ungarischer Musik zu kolorieren. Die festliche Begrüßung durch das thüringische Volk
Willkommen heißen wir die Braut, die liebliche aus fernem Lande,
Die unserm Fürsten wird vertraut für schöner Zukunft frohe Bande,
die Ansprache des Magnaten
So leg ich dieses teure Pfand des Ungarlandes holde Blüte,
Vertrauensvoll in Eure Hand. 0, schützt mit liebendem Gemüte
Dies reine, süße Kinderhaupt!
aber auch der Gesang des Landgrafen Hermann
Was Vaterliebe treu vermag, sei reich gespendet diesem Kinde,
Dass es mit Lust ersehnen mag der Myrthe blühendes Gewinde!
und die erste Begegnung der beiden Kinder unter Beteiligung eines Kinderchores
Ludwig: Sieh' um dich! Was dein Aug' erschaut wird dein und mein einst, kleine Braut!
Elisabeth: Wie ist das Haus voll Sonnenschein! grüßt mir daheim mein Mütterlein!
Chor der Kinder: Fröhliche Spiele sannen wir aus.
alles wird mit einer ungarischen Weise miteinander verknüpft, die einerseits das heiter-festliche, andererseits auch die idyllischen Momente zusammenfasst. Der Begrüßungschor schließt als Wiederholung diese Szene ab.

Die Folgeszene ist viele Jahre später zu denken: Der alte Landgraf Hermann ist inzwischen verstorben, sein Sohn Ludwig ist als regierender Landgraf an seine Stelle getreten und mit Elisabeth ist Ludwig inzwischen glücklich verheiratet. Im Mittelpunkt dieser zweiten Szene steht das so genannte Rosenwunder. Eröffnet wird sie allerdings mit einer Jagdmusik, die andeuten soll, dass Ludwig ein passionierter Jäger ist: Hornrufe, die sich mit einem bewegten Orchestersatz abwechseln, spielen dem Hörer Ludwigs Streifen durch den Wald vor. Trotzdem vermeidet Liszt hier den opernhaften Eindruck und komponiert keinen Jägerchor, sondern schreibt für den Landgrafen eine lyrische Musik, die das schöne Land seiner Heimat ausdrückt:
Du, mein Heimatgefild , wie durchstreif ich so gern deine Berge wohl auf und nieder!
Du, mein väterlich Schloss, mit dem Abendstern, wie kehr ich so liebend dir wieder!

Plötzlich bemerkt er aus dem Tor der Wartburg eine Gestalt herauskommen und schon erklingt aus dem Orchester das Flötenmotiv, das Liszt eindeutig der Elisabeth zugeordnet hat. Ludwig geht der Person entgegen, erkennt seine Frau und fragt nach dem Grund ihres einsamen Weges und dem Inhalt ihres Korbes, wohl ahnend, dass sie wieder einmal die Armen besuchen will. Elisabeth aber sagt ihrem Gatten nach kurzem Zögern, dass der Korb Rosen enthalte und auf des Landgrafs ungläubigem Staunen doch wahrheitsgemäß, dass der Korb Brot und Wein für einen Kranken enthalte. Als Ludwig in den Korb blickt, sieht er tatsächlich Rosen. Liszt vermittelt dieses „Rosenmirakel“ mit einem schwärmerischen Des-Dur-Satz, der sich schließlich nach strahlendem E-Dur entwickelt. Auffällig vertont ist hier Elisabeths „Leitmotiv“ mit Horn und Cello, mit wogenden Figuren von Harfen, Flöten und Violinen. Seine Vorstellung einer gemäßen Wiedergabe hat Liszt sogar mit einer Bemerkung in der Partitur versehen:
An dieser Stelle soll das Orchester wie verklärt erklingen. Der Dirigent wird gebeten,
den Takt kaum zu markieren. Musik ist eine Folge von Tönen, die sich einander begehren, umschließen, und nicht durch Taktprügel gekettet werden dürfen.

Der Chor zeigt sich erstaunt über das Geschehen: Ein Wunder hat der Herr getan! und der Landgraf und Ehemann kann ebenfalls nur in das Gotteslob einstimmen und seine Frau um Verzeihung für seine Verdächtigungen bitten:
Ja, ich will ihn loben, und diesen Engel hold und rein! Geliebte, kannst Du mir verzeih'n?

Ludwigs Lob des Wunders wird durch Posaunen mit einem neuen Motiv begleitet, das erst in der nächsten Szene eine größere Bedeutung gewinnen wird, das aus der Gregorianik stammt und sich sowohl im „Magnificat“ als auch im „Gloria“ finden lässt. Hier aber folgt ein Dank-Duett der Eheleute von inniger Zartheit, das in einen Chorsatz von gewaltiger Klangfülle mündet, diese Szene abschließend:
Selige Lose sind dir erfüllt, du, der Rose blühendes Bild!
Über die Schwelle, die dich errang, segnende Helle liebevoll drang.
Leuchtend umkosen Strahlen dich ganz, himmlischer Rosen ewiger Kranz.

Abermals muss sich der Hörer dieses Werkes einen Szenenwechsel vorstellen und der hat den Titel „Die Kreuzfahrer“- hier tritt zunächst der Chor der Kreuzritter mit einem Marsch auf die sehr ausgiebig vertonte Szene, die aber auch den innigen Abschied der Eheleute Ludwig und Elisabeth beinhaltet. Der Landgraf kennt natürlich die Gefahren, die ihm bevorstehen, aber er weiß, was ihm als Landesherr und Ritter abverlangt wird.

Für den ritterlichen Marsch hat Liszt erneut ein gregorianisches Motiv gewählt, das er aber mit großer orchestraler Pracht ausgestattet hat. Im Kern ist dieser Satz jedoch eine sehr schlicht gehaltene A-capella-Melodie des Männerchores, die dem Hörer den Eindruck eines volkstümlichen Wallfahrtsliedes vermittelt.
Ins heil'ge Land, ins Palmenland, wo des Erlösers Kreuz einst stand,
sei unsres Zugs Begleiter!
Es folg' uns, wer sein Christenschwert im heil'gen Krieg zu weih'n begehrt.

Elisabeth bleibt mit düsteren Ahnungen schutzlos zurück und besingt den Schmerz mit einer wunderbar erfundenen leidenschaftlichen Melodie
Im Schmerze meines Ringens ist mir in tiefster Brust nur, dass von diesem Tage
ich sehnend um dich klage, dies eine nur bewusst.
Die dunklen Flügel breitet das Unheil aus mit Macht, kein Hoffnungsstern mehr leitet
mich tröstend durch die Nacht. Ich zittre, bange, bebe, wie ich auch ring' und strebe.
und in des wilden Jammers Bann fasst mich Verzweiflung an.

Ihr Gatte erinnert sie an ihren früheren Mut, an ihren Glauben und wird dann, auch von seinen Mannen, mit dem Ruf „Gott will es“ endgültig hinweg gerissen - er wird seine Heimat und seine Frau nicht wiedersehen...

Zweiter Teil

Auch dieser Teil beginnt mit dem bereits bekannten Elisabeth-Thema, doch Liszt versteckt es in einer herrlich auskomponierten, aber umgeformten Klarinetten-Kantilene, die dann allerdings zu einem orchestralen Gewaltausbruch führt, einem „Allegro agitato assai“, das mit Wucht Hass ausdrückt. Es kündigt das Martyrium Elisabeths an.

Die Landgräfin Sophie, Witwe des Landgrafen Hermann und Mutter Ludwigs, teilt ihrem Seneschall (oder auch Sénéchal, also: Altknecht, als erfahrener Hofbediensteter mit der Funktion als Leiter des fürst-oder königlichen Haushaltswesens) die erschütternde Nachricht mit, dass ihr Sohn im Heiligen Land sein Leben gelassen hat:
Herein, herein! Hast du die Botschaft schon gehört? Gefallen ist im Feld mein Sohn!


Während der Seneschall Betroffenheit erkennen lässt, jubiliert Sophie - zumindest innerlich. Ihr kommt der Tod des Sohnes aus machtpolitischen Gründen gerade recht: Nun gehören Land und Macht ihr allein, denn Elisabeth wird sie des Hofes verweisen; Sophie mochte ihre Schwiegertochter noch nie leiden, jetzt kann sie sie endlich loswerden. Sie verfügt gegenüber dem Seneschall, dass Elisabeth umgehend die Burg zu verlassen habe. Die Wut, gepaart mit Euphorie über den Zugewinn an Macht, drückt Liszt musikalisch mit einer dämonischen Wildheit aus, die durch punktierte Rhythmen in den Streicherbässen und dem „Diabolus-in-musica“-Intervall, dem Sinnbild des Bösen, sehr auffällig vertont ist.

Elisabeth ist über den Tod ihres Gemahls am Boden zerstört; der Auftritt mit ihren Kindern vor Schwiegermutter und Großmutter ist eine einzige Demütigung: ihrem Wesen entsprechend, nur den eigenen Triumph im Kopf, lässt Sophie die ungeliebte Elisabeth kalt und hartherzig abblitzen:
Entschieden ist Dein Los, und Niemand hemmet mein Begehren,
Du wirst verlassen dieses Schloss und nimmer wiederkehren!

Elisabeths Versuch, die Schwiegermutter mit dem Hinweis auf ihre königliche Abkunft, aber auch durch die Ehe mit Ludwig errungene Stellung, umzustimmen, prallen ab, sie machen Sophie noch wütender, weil Elisabeth ihr die Macht entrissen hat. Selbst der Hinweis auf ein sich nahendes Unwetter stimmen die Hartherzige nicht um: Elisabeth muss gehen. Das von Liszt hier wiederverwendete ungarische Thema, das in eine sanft-hymnische Kantilene des Bittens um Milde mündet, berührt zwar den Hörer, nicht aber die machtgierige Sophie. Elisabeth bleibt nur noch eine Feststellung zu treffen:
Hier ist des Mitleids Stimme tot! O du, mein Gatte, sähest du meine Not!
Hab Dank für alle guten Tage, du Haus, das mir die Heimat gab.
Im Strom der Tränen stirbt die Klage, kommt, meine Kinder, kommt hinab.

Während sie sich langsam und mit Würde entfernt, zieht das Unwetter mit Blitz und Donner heran. Durch den Seneschall erfährt der Zuhörer, dass
der Blitze wilde Pracht umzuckt das Dach (...)
Das ist des Himmels Zorn! Es wittern aus Höhen und Tiefen Wolkenungeheuer.

Der soeben noch triumphierenden Sophie bleibt nur noch ein Entsetzensschrei - danach wird sie nicht mehr gesehen. Und der Seneschall sieht Dach und Turm der Burg in hellen Flammen - eine fürchterliche Nacht. Im Orchester tobt sich das Unwetter mit allen zur Verfügung stehenden Instrumenten aus, wird dann ruhiger und leitet zur nächsten Szene über, die sich der Zuhörer abermals vorstellen muss. Hier vollendet sich Elisabeths Leben, hier nimmt sie Abschied von der Welt - ohne Zweifel der geistliche wie auch musikalische Höhepunkt des Oratoriums.

Elisabeth dankt Gott mit einer von wunderbarer Zartheit komponierten Musik für Glück und Schmerz, sie führt ein Zwiegespräch mit ihrem toten Ehemann, und erinnert sich in Wehmut an die Tage der Kindheit und an die Eltern im fernen Ungarn, empfiehlt auch die Kinder, die man ihr raubte, Gottes Allmacht. Bewegt vernimmt der Zuhörer bei der Rückschau an die ungarische Kindheit im Streicherbass die ungarische Weise, die von den Violinen mit einem leisen Tremolo begleitet werden.

Dann aber ziehen die Armen, denen sich Elisabeth ständig und aufopfernd gewidmet hat, mit einem Chorsatz heran, dessen Melodie Liszt einem ungarischen Kirchenlied entnahm. Es ist berührend, dass diese Chorszene, innerhalb derer sich vier Einzelstimmen zum Lob und zum Dank an Elisabeth aufschwingen, nicht zu einem Triumphgesang wird, sondern in ihrer Einfachheit das Bild der Heiligen wahrhaftig nachzuzeichnen in der Lage ist. Am Ende befiehlt sie ihren Geist in Gottes Vaterhände. Elisabeths Tod wird durch eine einzelne Flöte, die eine Kantilene aus der vorangegangenen Musik aufnimmt und aus der Tiefe bis zu höchster Höhe aufsteigt, ausgedrückt. Das Bild vom Aufstieg der unsterblichen Seele der Dulderin in den Himmel kann nicht ergreifender musikalisch gezeichnet werden.

Hier fügt Liszt eine aus zarten Holzbläser- und Streicherklängen gefügte Sinfonie ein, die er aus dem Hymnus des Vorspiels entwickelte, damit einerseits die Sterbeszene schließend, andererseits in die letzte Szene des Oratoriums überleitend: die feierliche Beisetzung der Elisabeth. Überraschend ätherisch klingt das Instrumentarium, bestehend aus Harfe und Harmonium, vibrierenden Streichern und Holzbläsern, der Chor der Engel übernimmt das thematische Material für seinen Abgesang auf das Leiden der großen Dulderin:
Der Schmerz ist aus, die Bande weichen, die Hülle bleibt in Erdenruh,
Die Seele steigt als Unsresgleichen unsterblich reinem Lichte zu.
Und alle Tränen, die geflossen. sind Gnadentropfen, Himmelstau,
Und Himmelsrosen sind entsprossen der qualerfüllten Dornenau.

Dann folgt das letzte Bild des Oratoriums, die Apotheose der Elisabeth, eingebettet in eine prunkvolle Chorszene (deren musikalisches Material Liszt aus Einzelmotiven des gesamten Oratoriums gewinnt), die zunächst durch den Kaiser (gemeint ist hier der Hohenstaufer Friedrich II.) mit einer Huldigung an die Verstorbene und einer eindeutigen Stellungnahme zu den verbrecherischen Taten gegenüber Elisabeth eingeleitet wird:
Die Räuber ihrer Habe sind verfallen des Himmels Strafe und des Reiches Acht;
Indessen sie nach ihrer Leiden Nacht Fürbitterin uns ward im ew'gen Lichte.
Dort findet sie den Gatten, der so jung, des heilgen Landes Kämpfer ward erschlagen.
So kommt, lasst uns zur letzten Huldigung Elisabeth zu Grabe tragen!

Das Volk nimmt „mit Trauerkränzen und Tränen“ Abschied von der Heiligen, der Chor der Krieger erinnert an den im Heiligen Land gefallenen Ludwig, der jetzt seine Gemahlin „himmelwärts schweben“ sieht. Den gewaltigen chorischen Schlusspunkt setzen der allgemeine Kirchenchor und die Chöre der ungarischen und deutschen Bischöfe, die mit lateinischen Hymnen der Heiligen huldigen:

Allgemeiner Kirchen-Chor
Decorata novo flore
Schön geschmückt mit neuer Blüte
Christum mente, votis, ore,
Preist in Worten, im Gemüte,
Collaudat ecclesia.
Laut der Kirche Jesum Christ.

Vier ungarische Bischöfe
Nova nobis lux illuxit,
Neues Licht, das uns erkoren,
Nova Stella, quam produxit
Neuer Stern, den sich geboren
Nobiiis Hungariat.
Unser edles Ungarland!

Vier deutsche Bischöfe
Laeta stupet Thuringia
Freudig staunet Thüringen,
Fractis naturae regulis,
Seit erlöst vom Erdenleid
Dum per Sanctae sufiragia
Nun der Heilgen bittend Wort
Miranda fiunt seculis.
Wunder wirkt in Ewigkeit.

Allgemeiner Kirchen-Chor
Tu pro nobis, mater pia,
Flehe für uns, fromme Mutter,
Roga regem omnium
Aller Menschen König an,
Ut post hoc exilium
Dass nach dieser Erdenbahn
Nobis det vera gaudia!
Wahre Freud' er uns verleih'!
Amen!


INFORMATIONEN ZUM WERK

Nach seinen eigenen Worten hat sich Franz Liszt erstmals 1854 mit dem Gedanken an ein Oratorium über die Heilige Elisabeth beschäftigt. 1857 begann er mit der Arbeit, die 1862 in Rom abgeschlossen wurde. Die erste Aufführung des Werkes fand am 18. August 1865 in Pest (in einer Übersetzung in die ungarische Sprache von Kornel Abrányi) unter Liszt Stabführung statt, die erste Wiedergabe in deutscher Sprache am 24. Februar 1866 (der noch zwei weitere am 1. März und 10. Mai folgten) unter der Leitung von Hans von Bülow in München; im Herbst 1866 dirigierte Smetana das Werk in Prag und anlässlich der 800-Jahr-Feier der Wartburg kam es zu einer Aufführung unter Liszt im Festsaal der Burg. In den zeitgenössischen Berichten wird die Begeisterung hervorgehoben, mit der das Werk aufgenommen wurde.

In der Literatur über DIE LEGENDE DER HEILIGEN ELISABETH wird der Anstoß zur Komposition dieses Oratoriums der Caroline zu Sayn-Wittgenstein zugeschrieben, nach deren Szenarium Otto Roquette sein Textbuch verfasste. Das ist zwar durchaus geschickt aufgebaut, entspricht aber nicht unbedingt dem Stil nach einem reinen Oratoriumstext, denn einzelne Abschnitte gebärden sich opernhaft, wie sich andererseits aber auch keine durchgehende Handlung ergibt. Festzustellen bleibt, dass eine Einheit nur durch die zentrale Stellung der Elisabeth erreicht wird, das allerdings in einer sinnvollen Gliederung. Die Abfolge der einzelnen Szenen scheint sich (wie in der Literatur zu lesen ist) an den Fresken Moritz von Schwinds auf der Wartburg zu orientieren.

Die jeweils drei Bilder oder Szenen in jedem der beiden Teile des Oratoriums sind von starken Stimmungskontrasten gekennzeichnet, für die der Komponist wirksame Musik findet, die die Bilder auch musikalisch poetisch darzustellen vermag, wie sie auch religiös bedingte Begeisterung und Dramatik ausdrücken kann.

Es sei an dieser Stelle aber auch ausdrücklich an einen Beitrag von andythr im Thread über „Sonstige Vokalmusik aus Klassik und Romantik“ zu diesem Oratorium hingewiesen:
Franz Liszt: Die Legende von der heiligen Elisabeth


© Manfred Rückert für Tamino-Oratorienführer 2012
unter Hinzuziehung folgender Quellen:
Partitur als PDF-Datei bei IMSLP19714-PMLP46223-Liszt
Libretto als PDF-Datei
Oratorienführer von Oehlmann, Pahlen, Harenberg
.

MUSIKWANDERER

musikwanderer

Prägender Forenuser

  • »musikwanderer« ist männlich
  • »musikwanderer« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 4 031

Registrierungsdatum: 20. Januar 2010

2

Mittwoch, 12. September 2012, 17:59

Diskographische Hinweise

Liszts Oratorium gehört wohl nicht zu den Kassenschlagern der Labels; immerhin finden sich drei Aufnahmen, von denen die Firma Hungaroton herausgebracht hat:


Taminos Werbepartner jpc hat unter seiner Hausmarke cpo die oben abgebildete Aufnahme herausgebracht; es singen Renatus Meszar, Dagmar Peckova, Mario Hoff, Melanie Diener und Alexander Günther; außerdem Solisten des MDR Kinderchores, Chor "Die Ameisenkinder" des Goethegymnasiums Weimar, Chor des Ungarischen Rundfunks; es spielt die Staatskapelle Weimar, Leitung Carl St. Clair.


Hungaroton verantwortet die obige Einspielung mit den Solisten Éva Marton, Sándor Sólyom-Nagy, Éva Farkas, Kolos Kováts, Iszván Gáti, Joszef Gregor; es singt der Budapester Chor, es spielt das Ungarische Staatsorchester unter der Leitung von Árpád Joó.


Nochmals eine Hungaroton-Aufnahme: János Ferencsik leitet Chor und Orchester der Slowakischen Philharmonie; als Solisten sind Éva Andor, Evzebét Komlossy, Sándor Sólyom-Nagy (u.a.). genannt.
.

MUSIKWANDERER