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musikwanderer

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Mittwoch, 13. Februar 2013, 15:51

HAYDN, Franz Joseph: DIE SCHÖPFUNG

Tamino Oratorienführer
Franz Joseph Haydn (1732-1809):

DIE SCHÖPFUNG
Oratorium in drei Teilen für Soli (STB), Chor (SATB) und Orchester
Libretto von Gottfried van Swieten nach Genesis 1, Psalm 19 und John Miltons „Paradise Lost“

Private Uraufführung am 29. und 30. April 1798 im Palais Schwarzenberg, Wien
Erste öffentliche Aufführung im Wiener Burgtheater am 19. März 1799


SOLISTISCHE PARTIEN

Gabriel (Sopran)
Uriel (Tenor)
Raphael (Bass)
Eva (Sopran)
Adam (Bass)


INHALTSANGABE

Einleitung: Die Vorstellung des Chaos.

Wie sehr Haydn mit dieser Einleitung gerungen hat, die dem Zuhörer das Chaos vor der Entstehung der Welt nahe bringen soll, beweist ein Blick in seine Skizzenbücher. Was der Komponist dann in Töne setzte, ist nicht nur äußerst kühn, sondern der nicht mehr und nicht weniger eigenartigste Adagio-Satz der Wiener Klassik.

Da wird aus einem starren Unisono-C des gesamten Orchesters, Symbol für Inhaltsleere und Formlosigkeit, nach und nach erst ein musikalisches Gebilde, das zunächst keinen Aufschluss über eine bestimmte Tonart gewährt. Dissonanzen und ihre Auflösung sind ineinander verwoben, Harmonien wirken verschleiert, weil Chromatik, Vorhaltbildungen, Abweichungen in ferne Tonarten verwirren. Erst nach neunundfünfzig Takten zeigt die Coda in einem - wie wesenlos erscheinenden - Pianissimo das c-Moll an. Und das Chaos verfliegt, es entsteht eine formvollendete Gestalt.

Erster Teil

Es sind einfache und klare Worte, mit denen der Erzengel Raphael („Gott heilt“) seinen Bericht über die Schöpfung der Welt beginnt: „Im Anfange schuf Gott Himmel und Erde“ und diese Erde war noch ohne Form, sie war leer, und der Geist Gottes schwebte über der Dunkelheit. Piano erklärt der Chor der Himmlischen Heerscharen, dass Gott der Finsternis befahl, dem Licht zu weichen. Und es wurde Licht - den Zuhörer packt der Komponist bei dem Wort „Licht“ mit einem strahlenden, mit Trompeten gesättigten Fortissimo-Schlag in C-Dur, der zu allen Zeiten seine überwältigende Wirkung entfaltete, und auch heute noch als elementares Klangereignis empfunden wird.

Der Erzengel Uriel („Licht Gottes“) stimmt eine fröhliche A-Dur-Arie vom Sieg des Lichtes über die Finsternis an; er berichtet nicht nur, dass alle chaotische Verwirrung der Ordnung weichen muss, sondern dass auch die Höllengeister in die ewige Nacht stürzen - eine Abkehr van Swietens vom Schöpfungsbericht der Bibel, aber eine Hymne auf den „ersten Tag“ der Welt. Und der Chor der Engel nimmt Uriels Gedanken und Musik auf, mit Posaunenklang verkünden sie den Höllensturz, um schließlich mit einer schlichten Weise die Helligkeit zu besingen: „Und eine neue Welt entspringt auf Gottes Wort“- hier spricht die Empfindsamkeit des „Zurück zur Natur“, weit weg von jeder Verschnörkelung des Barockzeitalters.

Jetzt ergreift wieder Raphael das Wort und erzählt, von Orchester-Ritornellen begleitet, dass Gott das Firmament schuf, dass er die Wasser „unter dem Firmament“ von denen „über dem Firmament“ teilte; er berichtet von heftigen Stürmen, von fliegenden Wolken, von feurigen Blitzen mit schrecklichen Donnern, und das „allverheerende“ Schauer ebenso entstanden, wie der flockige Schnee - und es ward so!

Der Erzengel Gabriel („Mann Gottes“) lässt das geschaffene Werk von der „Himmelsbürger frohe Schar“ laut preisen, das Lob des „zweiten Tages“ wird vom Engelchor übernommen. Dann folgt Raphaels Bericht mit der Erschaffung des Meeres und des Landes; er fügt nicht nur „Und es ward so!“ hinzu, sondern weiß auch, dass Gott mit seinem Werk zufrieden war. In seiner c-Moll-Arie mit synkopierter Instrumentalbegleitung erfährt das Publikum, dass sich das Meer rollend und schäumend bewegt, dass Felsen und Hügel erscheinen und sich die Gipfel der Berge empor türmen. Auch, dass sich der breite Strom in manchen Krümmen durch das Land schiebt und der helle Bach sich durch das stille Tal schlängelt, erzählt Raphael.

Gabriel übernimmt den lieblichen Ton aus Raphaels Bericht mit seiner pastoral gehaltenen Arie „Nun beut die Flur das frische Grün dem Auge zur Ergötzung dar“, von Haydn mit Flöten, Klarinetten und Oboen zu den Koloraturen des Soprans zu bukolisch-schlichtem Klang geformt. Uriel kündigt mit einem Rezitativ das Lob durch die Engelscharen an: „Stimmt an die Saiten, ergreift die Leier“, ein jubelnder D-Dur-Chorsatz, der im zweiten Teil zu den Worten „Denn er hat Himmel und Erde bekleidet in herrlicher Pracht!“ zu einer markanten Fuge mit auffälligem Bassthema nach dem Vorbild Händels gestaltet ist. Damit ist auch der dritte Tag der Welterschaffung abgeschlossen.

Am vierten Tag entsteht das Licht an der „Feste des Himmels“, nicht nur, um den Tag von der Nacht zu unterscheiden, sondern auch, um der Erde Licht zu geben. Und, nicht zu vergessen, auch die Sterne setzt Gott an das Firmament. Mit langanhaltenden Streicher-Akkorden wird das langsame Heraufziehen der lebenspendenden Sonne gezeichnet, ehe Uriel im Sprechgesang genau diesen Effekt nacherzählt: „In vollem Glanze steiget jetzt die Sonne strahlend auf“, wie danach das Versinken des Tageslichtes und das leise Kommen des Mondes mit ruhigen Streicherklängen über dunklen Bässen tonmalerisch ausgedrückt wird: „Mit leisem Gang und sanftem Schimmer schleicht der Mond die stille Nacht hindurch.“

Den ersten Teil beschließt ein Chorsatz mit Einsatz des Trios der Erzengel Gabriel, Uriel und Raphael über einen aus Psalm 19 extrahierten Text, der von vielen Komponisten in Musik gesetzte wurde (u.a. Schütz, Bach, Beethoven): „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes.“ Das reich gegliederte C-Dur-Finale, dessen leicht veränderter Grundtext aus dem 2. Vers des Psalms dreimal vom Chor wiederholt wird, und der von dem Solisten-Terzett mit Lobeshymnen ergänzt wird, ist von monumentaler Wucht - und doch so Haydn-typisch einfach komponiert, dass man ihn einfach bewundern muss: in reinem C-Dur leuchtet der Tag, in c-Moll verklingt er, wenn die Nacht heraufzieht.

Zweiter Teil

Nach den im ersten Teil geschilderten vier Schöpfungstagen werden im zweiten die beiden restlichen behandelt. Die Teilung macht insofern an dieser Stelle überhaupt keinen Sinn. Programmatisch wäre eine zweiteilige Anlage des Oratoriums mit einer großen Pause vor dem dritten Teil einleuchtender (wenn auch mit einem großen Ungleichgewicht zwischen beiden Teilen), doch haben die Autoren anders entschieden.

Gabriel beginnt den fünften Schöpfungstag mit der Schilderung des Entstehens von Leben in den Wassern und am Firmament. Haydn wählte für die idyllischen Momente dieses Teils (der mit dem Ernst des ersten kontrastiert) die F-Dur-Tonart, die von Komponisten der Klassik und Frühromantik gerne für Naturschilderungen benutzt wurden. Gabriels Arie „Auf starkem Fittiche schwinget sich der Adler stolz“ ist ein echtes Kabinettstückchen, das die Schäferidylle des Rokoko nachzeichnet: Der stolze Adler schwingt sich in die Luft, das frohe Lied der Lerche klingt über die Lande, die aus allen Büschen und Hainen erschallende „süße Kehle“ der Nachtigall erfreut mit jubelnden Koloraturen das Ohr, das Liebe girrende Taubenpaar - hier klingt nur reizender Gesang, kein Gram, keine Klage an.

Raphael berichtet von den mannigfachen Flutenbewohnern, wie den Walen und von den Bewohnern der Luft; Gott segnete sie mit der Aufforderung, sich zu mehren und sich in ihrem Schöpfer zu erfreuen. Und die Engel sollen ihre unsterblichen Harfen erklingen lassen, um die Wunder des fünften Tages zu preisen. Das alles wird im Erzengel-Terzett mit Verve und tonmalerischer Akribie nachgezeichnet: „In holder Anmut stehn, mit jungem Grün geschmückt, die wogichten Hügel da.“ Aus jenen Hügeln entspringt, Adern gleich, der kühlende Bach, in der Luft schweben die munteren Vögel, durch das Wasser ziehen die Fische ihre Bahn, und vom tiefsten Meeresgrund wälzt sich Leviathan nach oben. Der Chor beendet den fünften Schöpfungstag mit jubelndem Lobgesang: „Der Herr ist groß in seiner Macht, und ewig bleibt sein Ruhm“.

Raphael zitiert nun Moses 1, Vers 24, fast wörtlich: „Und Gott sprach: Es bringe die Erde hervor lebende Geschöpfe nach ihrer Art: Vieh und lebendes Gewürm und Tiere der Erde nach ihren Gattungen.“ Da brüllt voll Freude der Löwe, vom Kontrafagott mit einem Triller gekennzeichnet, da springt der gelenkige Tiger, mit Streicherläufen geschildert, empor, und dem stolzen Hirschen gibt Haydn Jägerklang mit. Das edle, muntere Ross, das auf grünen Matten weidende Rind und das wollereiche und sanfte Schaf werden mit Schalmeienklang vorgestellt. Schließlich kündigen schwirrende Streichertremoli vom Heer der Insekten, während die Bässe das sich am Boden windende Gewürm ausdrücken.

„Nun scheint in vollem Glanze der Himmel, nun prangt in ihrem Schmuck die Erde“- so dichtet van Swieten für Raphaels anschließende Arie, womit der Erzengel sich wieder einer höheren Sphäre zuwendet: Es ist zwar alles vollendet, aber noch nicht alles vollbracht: Es fehlte noch das i-Tüpfelchen, jenes Geschöpf, das „Gottes Werk dankbar sehn, des Herren Güte preisen soll“. Und dann zitiert der Erzengel Uriel fast wörtlich aus Moses 1, 27: „Und Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbilde“. Dieses Rezitativ über die Erschaffung „der Krone der Schöpfung“ überrascht durch seine Einfachheit und ist ein Gegenstück zu den umfangreichen Tonmalereien bei den übrigen Naturschöpfungen. Warum greift Haydn hier zu diesen einfachen Mitteln und beschreibt die Erschaffung des „Ebenbildes Gottes“ musikalisch nicht mit entsprechenden Klängen? War Haydns Meinung über die wahre Natur des Menschen mit der Schilderung in der Bibel nicht kompatibel? Hielt er deshalb auftrumpfende Klänge für unangebracht?

Nun, Haydn hat uns keine exegetische Äußerung hinterlassen, aber Uriels Arie „Mit Würd' und Hoheit angetan“ verweist nachdenkliche Fragen sofort ins Reich der Phantasie. Mit dem Schöpfungsakt des Menschen wird von den Autoren der Entwurf eines Idealbildes des Menschen versucht. Strahlendes C-Dur mit Dreiklangsbewegungen soll nicht nur „Würde und Hoheit“, sondern auch „ Schönheit, Stärke und Mut“ herausstellen. Paukenschläge und ein militärischer Rhythmus in den Streichern und Hörnern begleiten die Worte vom „Mensch, ein Mann, und König der Natur“- Haydn skizziert den Mann hier als Herrscher, denn er betont musikalisch nicht das Wort „Mensch“, sondern setzt den Akzent auf „König“. Nach einem Zwischenspiel wird, mehr oder weniger nebenbei, die aus Adam erschaffene Eva erwähnt, musikalisch mit Anmut und Grazie, aber mit einer sowohl kleingliedrigen Melodie, als auch Instrumentation dargestellt. Das glückliche Paar findet sich durch Gottes Fügung, die Worte „Liebe, Glück und Wonne“ werden breit ausgeführt und mehrmals wiederholt.

Vor dem beeindruckenden Schlusschor des zweiten Teils berichtet Raphael rezitativisch, dass Gott „jedes Ding, dass er gemacht hatte“ gut fand, und dass die „himmlischen Heerscharen“ den sechsten Tag mit lautem Gesang feierten: „Vollendet ist das große Werk“ ist das monumentale B-Dur-Finale, das mit fugenartigen Partien glänzt und sich bis zum Jubel steigert. Ein eingeschobenes Erzengel-Terzett („Zu dir, o Herr, blickt alles auf“) ist in ruhige, weihevolle Stimmung getaucht, das erstmals nicht von einem Wunder berichtet, sondern von Gottes Hilfe für die Hungrigen, die gesättigt werden sollen. Eine düstere Episode des Solo-Basses, die von Es-Dur in mancherlei düstere Tonarten (es-Moll, as-Moll und ces-Moll) ausweicht, bringt die Ahnung vom Tode alles Lebendigen in die eben erst entstandene Welt: Wenn Gott sein Angesicht abwendet, erstarrt alles; wenn er den Odem wegnimmt, zerfällt alles zu Staub. Der Chor hebt nochmals mit dem Anfangsteil an, weitet sich dann zu den Worten „Alles lobe seinen Namen, denn er allein ist hoch erhaben“ zu einer sowohl kontrapunktisch als auch harmonisch reichen Doppelfuge und schließt mit einem Halleluja sowohl jubelnd, als auch dankend, ab.

Dritter Teil

Nach einem Instrumentalvorspiel wird das Publikum aus den himmlischen Höhen, aus dem schöpferischen Handeln, in die Lebenswelt des ersten Menschenpaares, in den Garten Eden geführt. Das E-Dur-Orchestervorspiel gibt einen Eindruck von dieser paradiesischen Erdenwelt wider; ihm fehlt Bedeutungsschwere, dafür ist pure menschliche Lebensfreude zu vernehmen.

Danach äußert sich der Beobachter Uriel mit poetischen Worten über das Leben in diesem Paradies: da bricht mit „süßem Klang“ und „aus Rosenwolken“ der junge Morgen an, reine „Harmonie zur Erde“ verströmend. Das junge Paar geht glücklich Hand in Hand und singt dankbar des Schöpfers Lob, in das sich, so Uriel, alle Stimmen einbringen sollen. Dieses Duett („Von deiner Güt', o Herr und Gott“) mit Chor („Gesegnet sei des Herren Macht“) ist reiner Wohlklang, der sich zunächst ruhig ausbreitet, sich im Mittelteil heiter-ländlich gibt, um dann zu einem wahrhaft freudigen Schluss zu führen.

Aber der mit dem Schöpfungsbericht der Bibel vertraute Hörer stellt eine Lücke fest: in der Tat fehlt der im 2. Kapitel des ersten Buches Mose gegebene Hinweis auf den siebten Tag, an dem Gott ruhte, den er segnete und als Ruhetag heiligte. Weiterhin fehlt die in den Versen 8 bis 17 dieses Kapitels gegebene Schilderung von der Erschaffung „allerlei Bäume“ und „Kraut auf dem Felde“, darunter auch der „Baum des Lebens“ mitten im Garten Eden und der „Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen“. Auch, dass Gott Adam und Eva gebot, die Früchte des Baumes der Erkenntnis bei Todesstrafe zu meiden, ist ausgelassen.

Ein von großer Gefühlswärme gekennzeichnetes Rezitativ des Menschenpaares, in dem Adam seine Gefährtin auffordert, ihm zu folgen, und Gott für das ihnen zugedachte Glück zu preisen, Eva die Gefolgschaft als „Wille und Gesetz Gottes“ annimmt, führt zu einem Duett (Adam: „Holde Gattin, dir zur Seite fließen sanft die Stunden hin“, Eva: „Teurer Gatte, dir zur Seite schwimmt in Freuden mir das Herz“), ist ein volkstümlich-schlichtes Liebesduett, das ein Singspiel oder eine Oper durch die Wendung zum possenhaften Ende zieren könnte: „Mit dir erhöht sich jede Freude, mit dir genieß' ich doppelt sie“.

Uriels mahnendes Rezitativ („O glücklich Paar, und glücklich immerfort, wenn falscher Wahn euch nicht verführt, noch mehr zu wünschen als ihr habt, und mehr zu wissen, als ihr sollt!“) leitet zum Schlusssatz über, der als Fuge mit prächtiger Klangfülle ausgestattet ist und reizvoll-harmonische Wendungen aufweist; die eingewobenen „Amen“-Rufe der Solisten und eine zu höchster Pracht sich entfaltende Coda bringen das Oratorium zu einem würdigen Abschluss.


INFORMATIONEN ZUM WERK

Das Erlebnis von Oratorienaufführungen Händels in London muss Haydn die Anregung gegeben haben, ein vergleichbares Werk zu komponieren. Das Libretto umgibt aber bis heute ein nicht gelöstes Rätsel. Der erste Haydn-Biograf Georg-August Griesinger teilte mit, dass der Londoner Konzertunternehmer Johann Peter Salomon dem Komponisten ein Libretto antrug, das die Schöpfungsgeschichte zum Thema hatte. Von Griesinger stammt auch der Hinweis, dass „ein Engländer namens Lidley“ (oder Linley) Autor dieses Textes war, das auf dem Epos „Paradise Lost“ des berühmten John Milton beruhte. Es soll für Händel verfasst worden sein, der es jedoch nicht vertonte. Das Problem: bis heute konnte eine damals lebende Person mit dem Namen Lidley oder Linley nicht identifiziert werden.

1880 erschien dann in der Presse ein Bericht von einem gewissen Charles Henry Purday, in dem der Geiger François-Hippolythe Barthelemon, der bei den Londoner Konzerten von Haydn mitgewirkt hatte und seither mit dem Komponisten freundschaftlich verbunden war, als Ideengeber für das Oratorium benannt wurde.

Der ungeklärte Hintergrund für das ursprüngliche Libretto lässt Raum für Spekulationen, denen allerdings hier nicht nachgegangen werden soll. Tatsache ist, dass Gottfried van Swieten Haydn energisch drängte, dass Schöpfungs-Oratorium zu vertonen, für das er den englischen Text ins Deutsche übersetzte. Bekannt ist auch, dass der Baron in den Wiener Adelskreisen für den finanziellen Anschub des Projektes sorgte. Im Herbst 1796 begann Haydn mit der Komposition, im April 1798 wurde dem Fürsten Schwarzenberg, in dessen Palais die erste Aufführung stattfinden sollte, die Vollendung des Werks gemeldet.

Die ersten Konzerte, am 29. und 30. April 1798, leitete Haydn selbst, assistiert von Antonio Salieri als Continuo-Spieler. Wegen des großen Erfolgs mussten für den 7. und 10. Mai Wiederholungen angesetzt werden. Die erste öffentliche Aufführung kam ein knappes Jahr später, am 19. März 1799, im Wiener Burgtheater zustande. Von dort aus verbreitete sich das Werk schnell im deutschsprachigen Raum und kam, nach einer Rückübersetzung ins Englische, auch dort zur Aufführung. In den Folgejahren sind in Buda, Prag, Graz, Linz, Klagenfurt, Dresden, Oxford, Kremsmünster, Liebwerda, Paris, Braunschweig, Salzburg, Innsbruck, Leipzig, Ballenstedt, Bayreuth, Brünn, Breslau, Lille und Worcester öffentliche Aufführungen dokumentiert.


© Manfred Rückert für Tamino-Oratorienführer 2013
unter Hinzuziehung folgender Quellen:
Eulenburg-Taschenpartitur
Programmheft einer Aufführung in der evangelischen Universitätskirche Münster 2010
Reclam-Chormusikführer
Kurt Pahlen: Oratorien der Welt
.

MUSIKWANDERER

musikwanderer

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2

Mittwoch, 13. Februar 2013, 16:28

Diskographische Hinweise

Die große Popularität von Haydns SCHÖPFUNG ist an vielen Einspielungen der Labels abzulesen. Es kann daher auch nur ein Teil, der nicht als Ranking zu verstehen ist, angezeigt werden.



nebenstehend die Aufnahme mit Elisabeth Grümmer, Josef Traxel und Gottlob Frick als Solisten; der Chor der St. Hedwigs-Kathedrale Berlin, die Berliner Symphoniker, Leitung Karl Forster.



hier die hochgelobte Aufnahme von den Salzburger Festspielen mit Gundula Janowitz, Fritz Wunderlich, Hermann Prey, Kim Borg; der Wiener Singverein, die Wiener Philharmoniker, Herbert von Karajan.



links die andere Karajan-Einspielung von 1968 mit Gundula Janowitz, Dietrich Fischer-Dieskau, Walter Berry und Fritz Wunderlich, dem Wiener Singverein und den Berliner Philharmonikern.



Hier James Levines Aufnahme mit Kathleen Battle, Gösta Winbergh, Kurt Moll, dem Stockholm Chamber Choir und den Berliner Philharmonikern vor.



Günter Wand leitet die Einspielung mit dem Chor und Orchester des Kölner Gürzenich; seine Solisten sind Jeannette van Dijck, Peter Schreier und Theo Adam.



hier sind Irmgard Seefried, Richard Holm und Kim Borg als Solisten, der Chor der Berliner St. Hedwigs Kathedrale und die Berliner Philharmoniker unter Igor Markevich zu hören.



links: unter Helmuth Rillings Leitung singen Christine Schäfer, Michael Schade und Andreas Schmidt; die Gächinger Kantorei, das Bach-Collegium Stuttgart.



Christopher Hoogwod dirigierte den Oxford New College Choir und die Academy of Ancient Music; als Solisten sind Emma Kirkby, Anthony Rolfe Johnson und Michael George zu hören - eine Aufnahme in Historischer Aufführungspraxis.



hier eine weitere HIP-Einspielung mit Genia Kühmeier, Toby Spence, Dietrich Henschel, Sophie Karthäuser und Markus Werba als Solisten; Les Arts Florissants, Leitung William Christie.



und noch einmal HIP mit Nikolaus Harnoncourt; er leitet den Arnold Schönberg Chor und die Wiener Symphoniker; als Solisten wurden Edita Gruberova, Josef Protschka und Robert Holl eingesetzt.



nebenstehend Bernsteins Aufnahme mit Judith Blegen, Edda Moser, Kurt Moll, Lucia Popp, Gregor Ollmann als Solisten; Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.



Bruno Weil hat mit dem Tölzer Knabenchor und der Cappella Coloniensis, mit den Solisten Sibylla Rubens, Jan Kobow, und Hanno Müller-Brachmann das Oratorium aus der Essener Philharmonie vorgelegt.

John Eliot Gardiners Einspielung mit Sylvia McNair, Donna Brown, Michael Schade, Gerald Finley und Rodney Gilfry, dem Monteverdi Choir, den English Baroque Soloists, hat bei jpc die Bestellnummer 7515839.

Neville Marriner ist der Dirigent der Aufnahme mit Barbara Bonney, Hans Peter Blochwitz, Jan-Hendrik Rootering, Olaf Bär und Edith Wiens, dem Südfunk Chor und dem Radio Sinfonie Orchester Stuttgart; Bestellnummer 8815461 bei jpc.

Die jpc-Bestellnummer 1530906 liefert die Aufnahme von Paul McCreesh mit dem Gabrieli Consort and Players und den Solisten Sandrine Piau, Mark Padmore, Neal Davies, Miah Persson, Peter Harvey und Ruth Massey.

Noch viele weitere Interpreten haben DIE SCHÖPFUNG vorgelegt; der Blick in die Angebote bei den Tamino-Werbepartnern Amazon und jpc macht schwindelig...

:hello:
.

MUSIKWANDERER

wok

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Registrierungsdatum: 18. Juli 2011

3

Freitag, 15. Februar 2013, 01:34

Musikwanderer gebührt Dank und große Anerkennung für die Arbeit, die er sich im Zusammenhang mit F. J. HAYDN's "Die Schöpfung" gemacht hat!

Obwohl er schon 12 allgemein bekannte, und je nach persönlichem Geschmack geschätzte Einspielungen genannt hat, gibt es in der Tat sicher noch ein weiteres Dutzend Aufnahmen von diesem Meisterwerk.

Und obwohl seine Auflistung dieser Aufnahmen ausdrücklich nicht als Ranking deklariert wurde, ist für mich genau seine zuerst genannte Aufnahme, nämlich jene durch KARL FORSTER, den BERLINER SYMPONIKERN und dem CHOR DER ST. HEDWIGSKATHEDRALE BERLIN, nicht nur auf Grund des herausragenden, in Bestform agierenden Sängertrios GRÜMMER - TRAXEL - FRICK , sondern auch durch die ergreifende Schlichtheit, mit der KARL FORSTER das Werk vom ersten bis zum letzten Takt spielen läßt, und Chor und Orchester zu einer wunderbaren Einheit zusammenschweißt, auch heute noch - trotz inzwischen so großer Konkurrenz - immer noch eine unerreichte Meisterleistung. Man fühlt bei seiner Interpretation, daß KARL FORSTER Chor ud Orchester nicht nur als irgend ein Dirigent vorsteht, der sein vielköpfigen Instrument zu einem der meistbeachteten Konzertchöre Deutschlands formte, sondern daß er als geistlicher Prälat eben auch ein ganz besonderes Verständnis und inniges Verhältnis zu diesem Werk hatte, und nie wieder habe ich dieses Werk ähnlich inspiriert und "aus einem Guß" interpretiert gehört.

Auch über die Leistung der 3 Solisten könnte man ins Schwärmen geraten, auch diese harmonieren prächtig miteinander und ordnen sich trotz imponierender Einzelleistung wohltuend unaufdringlich dem Ganzen unter. Einfach eine Muß-Aufnahme für jeden Liebhaber von Chormusik!

Viele Grüße

wok

musikwanderer

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4

Freitag, 15. Februar 2013, 08:56

Lieber wok!

Mit Deiner Beurteilung der Karl-Forster-Aufnahme kann ich sehr gut leben - sie ist nämlich für mich an der ersten Stelle angesiedelt. :thumbsup:

Daß ich sie dann sogar als erste Einspielung erwähnte, ist meine "kleine Rache" an den großen Namen Herbert von Karajan und Karl Böhm. :stumm:

Ansonsten sind die Aufzählungen tatsächlich bunt durcheinander gemischt, ohne Wertung zu verstehen.

:hello:
.

MUSIKWANDERER

kalli

Profi

  • »kalli« ist männlich

Beiträge: 400

Registrierungsdatum: 14. Oktober 2010

5

Freitag, 15. Februar 2013, 13:34

SACD

hallo,

nachdem ich vor einigen jahren das unersetzliche vergnügen hatte die schöpfung unter gardiner in baden baden live zu sehen und zu hören - die CD kann das nur unvollkommen wiedergeben - habe ich hier eine rezension gefunden:

http://www.classicstoday.com/review/review-11486/?search=1

ich habe mir gleich die letzte verfügbare SACD gebraucht bestellt. im augenblick gibt es nur noch die normale CD ausgabe:



kennt jemand diese aufnahme?
ich werde sie mir anhören wenn sie da ist - im vergleich mit gardiner und karajan (studioaufnahme)

gruss

kalli


p.s. diese aufnahme wurde auch sehr gelobt, allerdings wohl englisch gesungen, was ich nicht unbedingt brauche:


http://www.classicstoday.com/review/review-14287/?search=1

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 178

Registrierungsdatum: 12. August 2005

6

Freitag, 15. Februar 2013, 14:35

Mir gefällt Spering sehr gut; es war allerdings die erste HIP-Aufnahme, die ich kennenlernte und ich habe sie nie direkt mit der (späteren) Harnoncourts (Harmonia Mundi) verglichen. Die Solisten sind vielleicht teils ein wenig "blass" (aber sehr beweglich und präzise), aber der Rest ist außerordentlich gut. Nicht-HIP besitze ich noch Markevitch, Dorati, Bernstein (Sony) und noch ein paar...

Oben hat sich übrigens Böhms Aufnahme der "Jahreszeiten" eingeschlichen. Das ist ein anderes Stück.

operus

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Registrierungsdatum: 14. Mai 2008

7

Samstag, 16. Februar 2013, 10:06

Lieber Wok,

ich möchte als "Echo" von Dir wirken, weil ich Dein Urteil über die Aufnahme der "Schöpfung" mit dem Chor der St-Hedwigs-Kathedrale, den Berliner Symphonikern und den Solisten Elisabeth Grümmer, Josef Traxel, Gottlob Frick nur wiederholen, bestätigen und verstärken kann. Wahrscheinlich sind die beiden erwähnten Karajan-Aufnahmen musikalisch glanzvoller. Genau wie Du bin ich jedoch der Meinung, dass die Forster-Aufnahme durch bewußte Schlichtheit und ein Musikerlebnis aus einem Guss ihre besondere Wirkung und Größe gewinnt. Der geistliche Herr Karl Forster verstand es offenbar die Spititualität des Werkes besonders gekonnt und tief auszuloten.
In der Biographie von Heiko Bockstiegel " Ein Oberpfälzer als Botschafter Berliner Geistes und Musiklebens - Karl Forster (1904 -1963) und der Chor der St-Hedwigs-Kathedrale Berlin ist auf S.111 zu lesen: ...Von Gottlob Frick beispielweise ist überliefert,daß er, vor allem im Bereich der geistlichen Musik und bei Volksliedern, mit Forster die gleichen Empfindungen bezüglich der Interpretation teilte - was jüngste Wiederveröffentlichungen auf CD eindrucksvoll belegen."(Verlag Th. Toben, (ISBN 3 - 921176 -90 - 5).

Erwähnen möchte ich noch die Gesamtaufnahme von Haydns "Schöpfung" unter Eugen Jochum mit Agnes Giebel, Waldemar Kmentt, Gottlob Frick und Chor und Orchester des Bayerischen Rundfunks. Ich hatte das Glück, eine Aufführung mit diesen Interpreten in der Basilika in Ottobeuren mitzuerleben und darüber berichten zu dürfen. Unvergesslich - bei diesem Urteil wirkt sicherlich das Live-Erlebnis und die besondere Atmosphäre des wundervollen Gotteshauses mit.

Herzlichst
Operus

wok

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Beiträge: 863

Registrierungsdatum: 18. Juli 2011

8

Samstag, 16. Februar 2013, 12:38

Hallo Operus,

Da sind wir ja mit der Beurteilung dieser Einspielung ganz nahe beieinander!

Ja, mögen die Einspielungen der "Schöpfung" durch KARAJAN vielleicht auch glanzvoller sein, doch kommt es bei einem solchen Werk nicht in erster Linie auf Glanz an, sondern die Interpretation muß auch in die Tiefe gehen und die Musik aus der Tiefe kommen. Und dafür war KARL FORSTER einfach der richtige Mann, zumal er Chor und Orchester exemplarisch zusammenführt und zum Klingen bringt. Übrigens lebte ich 23 Jahre lang ganz in der Nähe des Geburtsortes Großklenau/Tirschenreuth/Oberpfalz von KARL FORSTER, der ja auch Komponist geistlicher Werke war, und so konnte ich aus der regionalen Presse auch viel über ihn erfahren.

Auch hinsichtlich der guten Beurteilung der Einspielung des Werkes durch EUGEN JOCHUM und dem CHOR UND ORCHESTER DES BAYERISCHEN RUNDFUNKS mit den vorziüglichen Gesangssolisten AGNES GIEBEL, WALDEMAR KMENTT und GOTTLOB FRICK bin ich voll d'accord! AGNES GIEBEL ist neben ADELE STOLTE ohnehin eine der von mir bevorzugten Sängerinnen von BACH's Kantaten + Oratorien (ganz hervorragend ihre Leistung im Weihnachtsoratorium unter KURT THOMAS , mit MARGA HÖFFGEN, JOSEF TRAXEL und DIETRICH FISCHER-DIESKAU!!), und WALDEMAR KMENNT's unverwechselbare Stimme zählt neben JOSEF TRAXEL, LEOPOLD SIMONEAU, LUIGI ALVA und JOHN VAN KESTEREN ebenfalls zu den von mir besonders geschätzen Tenören, obwohl er mir als Opernsänger noch besser gefällt, da er geistliche Musik mitunter doch etwas opernhaft interpretiert - ich durfte ihn als jungen Sänger in der WIENER STAATSPOPER zusammen mit LEONIE RYSANEK in "DIE VERKAUFTE BRAUT" erleben! - und GOTTLOB FRICK ist ja auch in der Einspielung unter KARL FORSTER einer der Glanzpunkte.Viele Grüße aus dem heute besonders sonnigen und warmen Málaga, und noch ein erholsames, musisches Wochenende!

wok

Harald Kral

Erleuchteter

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Beiträge: 14 983

Registrierungsdatum: 20. Juni 2007

9

Montag, 29. April 2013, 11:36

29. April 1798: Uraufführung des Oratoriums „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn

Zitat

Wundersame Gerüchte kursierten in Wien, bei der Uraufführung von Haydns „Schöpfung“ versammelte sich eine aufgeregte Menge vor dem Palais Schwarzenberg, 30 Polizisten mussten das Chaos ordnen.

Drinnen trauten die Zuhörer ihren Ohren nicht, sie hörten den Klang der Sterne, Tierstimmen und Jubelchöre: „Ekstatisch die Gemüter, überrascht, trunken vor Freude und Bewunderung, zwei Stunden seliges Dasein.“ Joseph Haydn selbst war ergriffen: „Bald war ich eiskalt, bald überfiel mich eine glühende Hitze, und ich befürchtete, vom Schlag gerührt zu werden.“ Mit unerhörten Klängen und einer bildhaften Tonsprache schildert Haydn die sieben Tage der Schöpfung.

WDR, 29. April 2013: Sendung "Zeitzeichen"

Nachlesen, nachhören oder als podcast downloaden hier: http://www.wdr5.de/sendungen/zeitzeichen…2013-09.05.html

LG
Harald

Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
(Vinícius de Moraes)

Theophilus

Administrator

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Registrierungsdatum: 1. Dezember 2004

10

Freitag, 30. Oktober 2015, 19:10

Haydn - Die Schöpfung - Das Libretto

TLibretto - (c) Franz Korat 2015

Tamino Oratorienführer

Die Schöpfung


ERSTER TEIL

Nr. 1 Einleitung

Die Vorstellung des Chaos

Rezitativ mit Chor

RAPHAEL
Im Anfange schuf Gott Himmel und Erde,
Und die Erde war ohne Form und leer,
Und Finsternis war auf der Fläche der Tiefe.

CHOR
Und der Geist Gottes schwebte auf der Fläche der Wasser,
Und Gott sprach: Es werde Licht!
Und es ward Licht.

URIEL
Und Gott sah das Licht, dass es gut war,
Und Gott schied das Licht von der Finsternis.

Nr. 2 Arie mit Chor

URIEL
Nun schwanden vor dem heiligen Strahle
Des schwarzen Dunkels gräuliche Schatten:
Der erste Tag entstand.
Verwirrung weicht, und Ordnung keimt empor.
Erstarrt entflieht der Höllengeister Schar
In des Abgrunds Tiefen hinab
Zur ewigen Nacht.

CHOR
Verzweiflung, Wut und Schrecken
Begleiten ihren Sturz,
Und eine neue Welt
Entspringt auf Gottes Wort.

Nr. 3 Rezitativ

RAPHAEL
Und Gott machte das Firmament und teilte die Wasser,
Die unter dem Firmament waren, von den Gewässern,
Die ober dem Firmament waren, und es ward so.
Da tobten brausend heftige Stürme;
Wie Spreu vor dem Winde, so flogen die Wolken,
Die Luft durchschnitten feurige Blitze
Und schrecklich rollten die Donner umher.
Der Flut entstieg auf sein Geheiß der allerquickende Regen,
Der allerverheerende Schauer, der leichte, flockige Schnee.

Nr. 4 Chor mit Sopransolo

GABRIEL
Mit Staunen sieht das Wunderwerk
Der Himmelsbürger frohe Schar,
Und laut ertönt aus ihren Kehlen
Des Schöpfers Lob,
Das Lob des zweiten Tags.

CHOR
Und laut ertönt aus ihren Kehlen
Des Schöpfers Lob,
Das Lob des zweiten Tags.

Nr. 5 Rezitativ

RAPHAEL
Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser
Unter dem Himmel zusammen an einem Platz
Und es erscheine das trockne Land; und es ward so.
Und Gott nannte das trockne Land "Erde"
Und die Sammlung der Wasser nannte er "Meer";
Und Gott sah, dass es gut war.

Nr. 6 Arie

RAPHAEL
Rollend in schäumenden Wellen
Bewegt sich ungestüm das Meer.
Hügel und Felsen erscheinen,
Der Berge Gipfel steigt empor.
Die Fläche, weit gedehnt,
Durchläuft der breite Strom
In mancher Krümme.
Leise rauschend gleitet fort
Im stillen Tal der helle Bach.

Nr. 7 Rezitativ

GABRIEL
Und Gott sprach: Es bringe die Erde Gras hervor,
Kräuter, die Samen geben,
Und Obstbäume, die Früchte bringen ihrer Art gemäß,
Die ihren Samen in sich selbst haben auf der Erde;
Und es ward so.

Nr. 8 Arie

GABRIEL
Nun beut die Flur das frische Grün
Dem Auge zur Ergötzung dar.
Den anmutsvollen Blick
Erhöht der Blumen sanfter Schmuck.
Hier duften Kräuter Balsam aus,
Hier sproßt den Wunden Heil.
Die Zweige krümmt der goldnen Früchte Last.
Hier wölbt der Hain zum kühlen Schirme sich,
Den steilen Berg bekrönt ein dichter Wald.

Nr. 9 Rezitativ

URIEL
Und die himmlischen Heerscharen verkündeten
Den dritten Tag, Gott preisend und sprechend:

Nr. 10 Chor

CHOR
Stimmt an die Saiten, ergreift die Leier,
Laßt euren Lobgesang erschallen!
Frohlocket dem Herrn, dem mächtigen Gott,
Denn er hat Himmel und Erde
Bekleidet in herrlicher Pracht!

Nr. 11 Rezitativ

URIEL
Und Gott sprach:
Es sei'n Lichter an der Feste des Himmels,
Um den Tag von der Nacht zu scheiden
Und Licht auf der Erde zu geben,
Und es sei'n diese für Zeichen und für Zeiten
Und für Tage und für Jahre.
Er machte die Sterne gleichfalls.

Nr. 12 Rezitativ

URIEL
In vollem Glanze steiget jetzt
Die Sonne strahlend auf,
Ein wonnevoller Bräutigam,
Ein Riese stolz und froh,
Zu rennen seine Bahn.
Mit leisem Gang und sanftem Schimmer
Schleicht der Mond die stille Nacht hindurch.
Den ausgedehnten Himmelsraum
Ziert ohne Zahl der hellen Sterne Gold.
Und die Söhne Gottes
Verkündigten den vierten Tag
Mit himmlischem Gesang,
Seine Macht ausrufend also:

Nr. 13 Chor mit Soli

CHOR
Die Himmel erzählen die Ehre Gottes,
Und seiner Hände Werk
Zeigt an das Firmament.

GABRIEL, URIEL, RAPHAEL
Dem kommenden Tage sagt es der Tag,
Die Nacht, die verschwand, der folgenden Nacht:

CHOR
Die Himmel erzählen die Ehre Gottes,
Und seiner Hände Werk
Zeigt an das Firmament.

GABRIEL, URIEL, RAPHAEL
In alle Welt ergeht das Wort,
Jedem Ohre klingend,
Keiner Zunge fremd:

CHOR
Die Himmel erzählen die Ehre Gottes,
Und seiner Hände Werk
Zeigt an das Firmament.


ZWEITER TEIL

Nr. 14 Rezitativ

GABRIEL
Und Gott sprach: Es bringe das Wasser in der Fülle hervor
Webende Geschöpfe, die Leben haben,
Und Vögel, die über der Erde fliegen mögen
In dem offenen Firmamente des Himmels.

Nr. 15 Arie

GABRIEL
Auf starkem Fittiche
Schwinget sich der Adler stolz
Und teilet die Luft
Im schnellesten Fluge
Zur Sonne hin.
Den Morgen grüßt
Der Lerche frohes Lied,
Und Liebe girrt
Das zarte Taubenpaar.
Aus jedem Busch und Hain erschallt
Der Nachtigallen süße Kehle.
Noch drückte Gram nicht ihre Brust,
Noch war zur Klage nicht gestimmt
Ihr reizender Gesang.

Nr. 16 Rezitativ

RAPHAEL
Und Gott schuf große Walfische
und ein jedes lebende Geschöpf, das sich beweget,
Und Gott segnete sie, sprechend:
Seid fruchtbar alle, mehret euch,
Bewohner der Luft, vermehret euch
Und singt auf jedem Aste!
Mehret euch, ihr Flutenbewohner,
Und füllet jede Tiefe!
Seid fruchtbar, wachset, mehret euch,
Erfreuet euch in eurem Gott!

Nr. 17 Rezitativ

RAPHAEL
Und die Engel rührten ihr' unsterblichen Harfen
Und sangen die Wunder des fünften Tags.

Nr. 18 Terzett

GABRIEL
In holder Anmut stehn,
Mit jungem Grün geschmückt,
Die wogigten Hügel da.
Aus ihren Adern quillt
In fließendem Kristall
Der kühlende Bach hervor.

URIEL
In frohen Kreisen schwebt,
Sich wiegend in der Luft,
Der munteren Vögel Schar.
Den bunten Federglanz
Erhöht im Wechselflug
Das goldene Sonnenlicht.

RAPHAEL
Das helle Nass durchblitzt
Der Fisch und windet sich
Im steten Gewühl umher.
Vom tiefsten Meeresgrund
Wälzet sich Leviathan
Auf schäumender Well' empor.

GABRIEL, URIEL, RAPHAEL
Wie viel sind deiner Werk', o Gott!
Wer fasset ihre Zahl?
Wer, o Gott!
Wer fasset ihre Zahl?

Nr. 19 Chor mit Soli

CHOR
Der Herr ist groß in seiner Macht,
Und ewig bleibt sein Ruhm.

Nr. 20 Rezitativ

RAPHAEL
Und Gott sprach: Es bringe die Erde hervor
Lebende Geschöpfe nach ihrer Art:
Vieh und kriechendes Gewürm
Und Tiere der Erde nach ihren Gattungen.

Nr. 21 Rezitativ

RAPHAEL
Gleich öffnet sich der Erde Schoß
Und sie gebiert auf Gottes Wort
Geschöpfe jeder Art,
In vollem Wuchs und ohne Zahl.
Vor Freude brüllend steht der Löwe da.
Hier schießt der gelenkige Tiger empor.
Das zack'ge Haupt erhebt der schnelle Hirsch.
Mit fliegender Mähne springt und wieh'rt
Voll Mut und Kraft das edle Ross.
Auf grünen Matten weidet schon
Das Rind, in Herden abgeteilt.
Die Triften deckt, als wie gesät,
Das wollenreiche, sanfte Schaf.
Wie Staub verbreitet sich
In Schwarm und Wirbel
Das Heer der Insekten.
In langen Zügen kriecht
Am Boden das Gewürm.

Nr. 22 Arie

RAPHAEL
Nun scheint in vollem Glanze der Himmel,
Nun prangt in ihrem Schmucke die Erde.
Die Luft erfüllt das leichte Gefieder,
Das Wasser schwellt der Fische Gewimmel,
Den Boden drückt der Tiere Last.
Doch war noch alles nicht vollbracht.
Dem ganzen fehlte das Geschöpf,
Das Gottes Werke dankbar sehn,
Des Herren Güte preisen soll.

Nr. 23 Rezitativ

URIEL
Und Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbilde,
Nach dem Ebenbilde Gottes schuf er ihn.
Mann und Weib erschuf er sie.
Den Atem des Lebens hauchte er in sein Angesicht,
Und der Mensch wurde zur lebendigen Seele.

Nr. 24 Arie

URIEL
Mit Würd' und Hoheit angetan,
Mit Schönheit, Stärk' und Mut begabt,
Gen Himmel aufgerichtet steht der Mensch,
Ein Mann und König der Natur.
Die breit gewölbt' erhabne Stirn
Verkünd't der Weisheit tiefen Sinn,
Und aus dem hellen Blicke strahlt
Der Geist, des Schöpfers Hauch und Ebenbild.
An seinen Busen schmieget sich
Für ihn, aus ihm geformt,
Die Gattin, hold und anmutsvoll.
In froher Unschuld lächelt sie,
Des Frühlings reizend Bild,
Ihm Liebe, Glück und Wonne zu.

Nr. 25 Rezitativ

RAPHAEL
Und Gott sah jedes Ding, was er gemacht hatte;
Und es war sehr gut. Und der himmlische Chor
Feierte das Ende des sechsten Tages mit lautem Gesang:

Nr. 26 Chor

CHOR
Vollendet ist das große Werk,
Der Schöpfer sieht's und freuet sich.
Auch unsre Freud' erschalle laut,
Des Herren Lob sei unser Lied!

Nr. 27 Terzett

GABRIEL, URIEL
Zu dir, o Herr, blickt alles auf.
Um Speise fleht dich alles an.
Du öffnest deine Hand,
Gesättigt werden sie.

RAPHAEL
Du wendest ab dein Angesicht,
Da bebet alles und erstarrt.
Du nimmst den Odem weg,
In Staub zerfallen sie.

GABRIEL, URIEL, RAPHAEL
Den Odem hauchst du wieder aus,
Und neues Leben sprosst hervor.
Verjüngt ist die Gestalt der Erd'
An Reiz und Kraft.

Nr. 28 Chor

CHOR
Vollendet ist das große Werk,
Des Herren Lob sei unser Lied!
Alles lobe seinen Namen,
Denn er allein ist hoch erhaben!
Alleluja! Alleluja!


DRITTER TEIL

Nr. 29 Orchestereinleitung und Rezitativ

URIEL
Aus Rosenwolken bricht,
Geweckt durch süßen Klang,
Der Morgen jung und schön.
Vom himmlischen Gewölbe
Strömt reine Harmonie
Zur Erde hinab.
Seht das beglückte Paar,
Wie Hand in Hand es geht!
Aus ihren Blicken strahlt
Des heißen Danks Gefühl.
Bald singt in lautem Ton
Ihr Mund des Schöpfers Lob;
Laßt unsre Stimme dann
Sich mengen in ihr Lied.

Nr. 30 Duett mit Chor

EVA und ADAM
Von deiner Güt', o Herr und Gott,
Ist Erd' und Himmel voll.
Die Welt, so groß, so wunderbar,
Ist deiner Hände Werk.

CHOR
Gesegnet sei des Herren Macht,
Sein Lob erschall' in Ewigkeit.

ADAM
Der Sterne hellster, o wie schön
Verkündest du den Tag!
Wie schmückst du ihn, o Sonne du,
Des Weltalls Seel' und Aug'!

CHOR
Macht kund auf eurer weiten Bahn
Des Herren Macht und seinen Ruhm!

EVA
Und du, der Nächte Zierd' und Trost,
Und all das strahlend' Heer,
Verbreitet überall sein Lob
In euerm Chorgesang.

ADAM
Ihr Elemente, deren Kraft
Stets neue Formen zeugt,
Ihr Dünst' und Nebel,
Die der Wind versammelt und vertreibt:

EVA, ADAM und CHOR
Lobsinget alle Gott, dem Herrn,
Groß wie sein Nam' ist seine Macht.

EVA
Sanft rauschend lobt, o Quellen, ihn!
Den Wipfel neigt, ihr Bäum'!
Ihr Pflanzen duftet, Blumen haucht
Ihm euern Wohlgeruch!

ADAM
Ihr, deren Pfad die Höh'n erklimmt,
Und ihr, die niedrig kriecht,
Ihr, deren Flug die Luft durchschneid't,
Und ihr im tiefen Nass:

EVA, ADAM und CHOR
Ihr Tiere, preiset alle Gott!
Ihn lobe, was nur Odem hat!

EVA und ADAM
Ihr dunklen Hain', ihr Berg' und Tal',
Ihr Zeugen unsres Danks,
Ertönen sollt ihr früh und spät
Von unserm Lobgesang.

CHOR
Heil dir, o Gott, o Schöpfer, Heil!
Aus deinem Wort entstand die Welt,
Dich beten Erd' und Himmel an,
Wir preisen dich in Ewigkeit!

Nr. 31 Rezitativ

ADAM
Nun ist die erste Pflicht erfüllt,
Dem Schöpfer haben wir gedankt.
Nun folge mir, Gefährtin meines Lebens!
Ich leite dich, und jeder Schritt
Weckt neue Freud' in unsrer Brust,
Zeigt Wunder überall.
Erkennen sollst du dann,
Welch unaussprechlich Glück
Der Herr uns zugedacht.
Ihn preisen immerdar,
Ihm weihen Herz und Sinn.
Komm, folge mir, ich leite dich.

EVA
O du, für den ich ward,
Mein Schirm, mein Schild, mein All!
Dein Will' ist mir Gesetz.
So hat's der Herr bestimmt,
Und dir gehorchen bringt
Mir Freude, Glück und Ruhm.

Nr. 32 Duett

ADAM
Holde Gattin, dir zur Seite
Fließen sanft die Stunden hin.
Jeder Augenblick ist Wonne,
Keine Sorge trübet sie.

EVA
Teurer Gatte, dir zur Seite
Schwimmt in Freuden mir das Herz.
Dir gewidmet ist mein Leben,
Deine Liebe sei mein Lohn.

ADAM
Der tauende Morgen,
O wie ermuntert er!

EVA
Die Kühle des Abends,
O wie erquicket sie!

ADAM
Wie labend ist
Der runden Früchte Saft!

EVA
Wie reizend ist
Der Blumen süßer Duft!

EVA und ADAM
Doch ohne dich, was wäre mir -

ADAM
Der Morgentau,

EVA
Der Abendhauch,

ADAM
Der Früchte Saft,

EVA
Der Blumen Duft.

EVA und ADAM
Mit dir erhöht sich jede Freude,
Mit dir genieß ich doppelt sie,
Mit dir ist Seligkeit das Leben,
Dir sei es ganz geweiht!

Nr. 33 Rezitativ

URIEL
O glücklich Paar, und glücklich immerfort,
Wenn falscher Wahn euch nicht
Verführt, Noch mehr zu wünschen
Als ihr habt, und mehr zu wissen
Als ihr sollt!

Nr. 34 Schlusschor mit Soli

CHOR
Singt dem Herren alle Stimmen!
Dankt ihm alle seine Werke!
Lasst zu Ehren seines Namens
Lob im Wettgesang erschallen!
Des Herren Ruhm, er bleibt in Ewigkeit!
Amen! Amen!

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Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!