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Registrierungsdatum: 20. Januar 2010

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Donnerstag, 24. Oktober 2013, 17:13

GOETZE, Walter Wilhelm: LIEBE IM DREIKLANG

Walter Wilhelm Goetze (1883-1961):

LIEBE IM DREIKLANG
Operette in drei Akten - Libretto von Walter Wilhelm Goetze und Emil Malkowsky

Uraufführung am 15. November 1950 im Stadttheater Heidelberg

DIE PERSONEN DER HANDLUNG

Graf Nepomuk von Westernhain, genannt Mucki Nix (Tenor)
Komtesse Carola von Ebernstein (Sängerin)
Kunibert von Ebernstein, ihr Onkel (Sprechrolle)
Rosamunde, Kammerzofe der Komtesse (Soubrette)
Hildegunde, ebenfalls Kammerzofe (Soubrette)
Knipperling, Schneidermeister (Sprechrolle)
Hannes, sein Sohn (Tenorbuffo)
Flock, Schneidermeister (Sprechrolle)
Oberrichter (Sprechrolle)
Stadtschreiber (Sprechrolle)
Chor: Volk, Bedienstete

Eine Gemeinde im Fränkischen nach dem Dreißigjährigen Krieg.

INHALTSANGABE

ERSTER AKT
In Knipperlings Schneiderwerkstatt, am Marktplatz gelegen.

Schneidermeister Knipperling hat vor einiger Zeit einen hochherrschaftlichen Auftrag bekommen: Er soll für das adlige Fräulein Carola von Ebernstein ein Kostüm schneidern. Soeben kommt er zu seinem Sohn Hannes in die Werkstatt, um sich die fertiggestellte Garderobe anzusehen: Vater und Sohn sind mit der Arbeit zufrieden.

Da tritt Hildegunde, Kammerzofe eben jener Carola, hinzu und meldet, dass ihre Herrin zur Anprobe kommen wolle. Die Zofe hat aber auch einen rein persönlichen Grund, hier vorzusprechen: Kaum, dass Vater Knipperling die Werkstatt verlassen hat, bricht sie mit Hannes einen Streit vom Zaun, der klar macht, dass hier eine Verliebte Gift versprüht. Sie hat nämlich erfahren, dass Rosamunde, ihre Cousine und auch Kammerzofe der Carola von Ebernstein, mit „ihrem“ Hannes techtelmechtelt. Und das ist unmöglich! Zunächst wirkt Hannes wegen des Wortgewitters überrumpelt, dann gelingt es ihm aber, sich zu fangen und Hildegunde mit schmeichelnden Worten zu beruhigen.

Blicken wir, sozusagen aus der Schneiderwerkstatt, auf den Markt des (von Liebeswirren abgesehen) friedlichen Örtchens: Da schlendert ein gutaussehender junger Mann herum, macht den Mädchen schöne Augen und verteilt Komplimente, die den Maiden noch keiner gemacht hat und sie dahinschmelzen lassen - ein so schöner, junger Mann, ein so gutes Benehmen, und so freundlich - Seufzen allenthalben. Wäre da nur nicht diese abgewetzte Kleidung...

Plötzlich aber geht der so Angehimmelte auf Knipperlings Laden zu, betritt schnurstracks die Werkstatt und stellt sich mit dem recht merkwürdigen Namen „Mucki Nix“ vor. Forsch bittet er um eine Anstellung und - auch hier geschieht Erstaunliches: Der alte Knipperling ist von dem Fremden angetan und stellt ihn als Mitarbeiter ein, obwohl weder Papiere noch Gesellenbrief vorgewiesen werden können. Das lässt eigentlich nur den Schluss zu, dass der Schneidermeister die guten Manieren des neuen Gehilfen überzeugt haben, wenn auch die derangierte Kleidung nicht zum gewandten Auftreten des Unbekannten passt - Knipperlings Devise lautet wohl: „Schau'n mehr mal!“

Mucki Nix ist schnell mit Hannes per Du und erzählt ihm, dass er sein ganzes Hab und Gut beim Spiel verloren habe und sich auf der Flucht vor seinen Gläubigern befinde. Dieses offenherzige Wesen des neuen Kollegen macht Hannes wiederum mutig, ihm von seinen Problemen mit Hildegunde und Rosamunde zu erzählen. Als Hannes hinausgeht, um für den hungrigen Mucki Nix Essbares zu holen, geschieht nochmals Unglaubliches: Kommen doch wahrhaftig einige Mädels in die Werkstatt und bringen dem neuen Schneiderlein, mit dem sie auf dem Marktplatz doch einen so herzlichen Kontakt hatten, tatsächlich modische Kleidung! Damit haben sie Mucki Nix' Manko exakt erkannt und, typisch weiblich, nicht nur ihren guten Geschmack gezeigt, sondern auch noch Hilfsbereitschaft bewiesen.

Eine Umkleideaktion mit anschließender Modenschau kommt jedoch nicht zustande, denn Carola von Ebernstein betritt - wie angekündigt - nun die Schneiderwerkstatt, um das fertige Kostüm anzuprobieren. Sie ist mit der Arbeit sehr zufrieden, aber wichtiger ist ihre erstaunliche Reaktion, als sie den neuen Schneidergesellen erblickt: Ihn sehen und sofort in ihn verliebt zu sein, zumal der Bursche ihr auch noch herzerfrischende Komplimente macht, ist eins. Und es steht für sie fest, dass sie ihn so schnell wie möglich wiedersehen muss! Carola weiß auch genau, wie das zu bewerkstelligen ist: Mucki Nix soll ihr das Kostüm persönlich ins Schloss bringen. Diese Bitte richtet sie, aber mit einem Tonfall, der keinen Widerspruch duldet, an den jungen Mann und der sagt natürlich sofort zu. Ein Schelm, der Böses dabei denkt - Honi soit qui mal y pense!

Nach Carolas Abgang erscheint wieder eine Kammerzofe von Carola, jetzt Rosamunde, und bricht, wie schon Hildegunde, mit Hannes einen Streit vom Zaun: Auch sie hat erfahren, dass „ihr“ Liebster noch ein Gspusi mit Hildegunde hat. Und verständlicherweise passt ihr das auch nicht, da sind sich die Cousinen völlig einig. Doch auch bei Rosamunde bringt es Hannes fertig, zu beschwichtigen: Er verspricht ihr einfach, nur für sie zwei Abendkleider anzufertigen - Hannes kennt sich eben mit weiblichen Wünschen aus.

Auf dem Marktplatz gibt es jetzt einen kleinen Auflauf, denn der Stadtschreiber tritt mit seiner Glocke auf und ruft mit intensivem Gebimmel die Bürger herbei. Die kommen neugierig hinzu und lauschen gespannt, was da wohl an Neuigkeiten verkündet werden wird. Der wichtige städtische Bediente rollt das Schreiben der Obrigkeit auf und verliest eine Entscheidung, die es in sich hat: Weil der Dreißigjährige Krieg die männliche Bevölkerung schwer dezimiert hat und es einen Frauenüberschuss gibt, sollen nach dem Willen der Herrschenden (man stelle sich das vor!), die Männer zwei Frauen heiraten dürfen. Das gefällt den Frauen des Ortes überhaupt nicht (und wird bestimmt bei den Kirchenoberen Protest hervorrufen, obwohl das hier nicht thematisiert wird). Auf jeden Fall findet die obrigkeitliche Idee bei den Männern großen Anklang - also zumindest bei einigen; wo andere Männer sich zurückhalten, steht fest, wer dort „die Hosen anhat“. Auch Hannes ist begeistert, denn nun kann er ohne Probleme seine beiden Kammerzofen zum Traualtar führen. Ihm erscheint die Zukunft rosig.

ZWEITER AKT
Auf Gut Ebernstein, einige Wochen später.

Der Aufruf zur Polygamie hat gewirkt: Auf Schloss Ebernstein sind tatsächlich Hochzeiten angesetzt worden. Die von Ebernsteins, Komtesse Carola und ihr Onkel Kunibert, heißen die Heiratswilligen herzlich willkommen. Unter ihnen ist auch Hannes mit Hildegunde und Rosamunde. Doch schon kurz nach der Trauung gibt es Zoff zwischen den beiden Cousinen, und Hannes mittendrin versucht, den Frieden wieder herzustellen, gerät dabei aber zwischen die hart umkämpften Fronten. In Hannes kommen ernsthafte Zweifel über seine Entscheidung hoch: War wohl doch keine so gute Idee, diese Ménage-à-trois!

Wir müssen die Eheleute mal kurz sich selber überlassen, denn Kunibert von Ebernstein hat eine Entdeckung gemacht, die ihn elektrisiert: Er meint, dass der fremde junge Mann, der da mit seiner Nichte turtelt, eine auffällige Ähnlichkeit mit einem gewissen Grafen Nepomuk von Westernhain hat; und der schuldet ihm noch eine Stange Geld. Unabhängig davon ist seine Nichte Carola ebenfalls hinter das Geheimnis von Mucki Nix gekommen, aber sie lässt sich durch diese Erkenntnis nicht von ihrer Liebe zum Schneidergehilfen, jetzt eben Grafen, abbringen. Folglich gesteht sie ihm treuherzig ihre Liebe, und Nepomuk hält mit seiner gleichgelagerten Stimmung auch nicht hinter dem Berg zurück. Da haben sich zwei Richtige gefunden. Doch man soll ja den Tag nicht vor dem Abend loben.

Auf dem anschließenden Festbankett, dass man zu Ehren der polygamen Hochzeiter gibt, erklären Carola und Nepomuk ihre Verlobung. Der allgemeine Jubel ist jedoch nur von kurzer Dauer, denn als Spielverderber tritt der Augsburger Schneidermeister Flock auf und stellt den Grafen vor versammelter Gesellschaft bloß: Vor längerer Zeit hat er für die Frau Gräfin Westernhain drei Kostüme genäht (und ausgeliefert), aber der Herr Graf hat es bis dato nicht für nötig gehalten, die Rechnung zu bezahlen. Folglich macht er jetzt und hier seine Forderungen geltend. Nepomuk muss kleinlaut zugeben, bereits verheiratet zu sein. Aber, und damit versucht er sich zu entschuldigen, er habe schon vor langer Zeit die Scheidung von der untreuen Ehefrau eingereicht - aber das Urteil fehle halt noch immer.

Der Skandal ist perfekt, die Feststimmung dahin, und Nepomuk helfen keine Erklärungen, Entschuldigungen, und Unschuldsbeteuerungen. Die zunächst entgeistert drein blickende, dann aber resolut reagierende Komtesse Carola wendet sich von ihm ab. War wohl nix mit einer großen Liebe. Doch auch hier sind wir noch nicht am Brötchens Ende angekommen!

DRITTER AKT
Auf Gut Ebernstein, wiederum zwei Monate später.

Dieser letzte Akt bringt (man kennt ja die Usancen in Bühnenwerken) die Lösung aller Irrungen und Wirrungen: Da hört Carola von Ebernstein von dem Herrn Oberrichter, und das ausgerechnet bei einem Schachspiel, von einem in einer Sache Graf versus Gräfin von Westernhain ergangenen und rechtskräftig gewordenen Scheidungsurteil und wird hellhörig, nein, sie jubelt (zumindest innerlich). Das hübsche Köpfchen von Carola arbeitet gewaltig an einer Lösung ihres Liebesproblems, denn den hübschen Grafen konnte sie nicht vergessen.

Der Graf Nepomuk von Westernhain, der inzwischen bei Schneidermeister Knipperling als Mucki Nix fest angestellt ist, hat sich zu einem ausgesuchten Fachmann für hochwertige Damengarderoben gemausert. Das wirkt sich natürlich auch in seinem Geldbeutel aus und er setzt diesen Lohn zur Schuldentilgung ein. So gesehen könnte er eigentlich mit sich im Reinen sein - wäre da nicht der ständige Gedanke an Carola, die er einfach nicht vergessen kann. Dass er nicht alleine unter Liebeskummer leidet, ahnt er natürlich nicht, noch weniger, dass Carola schon dabei ist, ihren Bruch mit dem Grafen rückgängig zu machen.

Die Lösung sieht so aus: Carola hat zu Knipperling geschickt, um sich ausgesuchte Stoffe für ein Brautkleid - natürlich im Schloss - vorlegen zu lassen. Und solle doch, bitteschön, der Fachmann selbst erledigen.

Es muss jetzt noch ein Blick zu Hannes Knipperling und seiner mit viel Hoffnung und Vorfreude begonnenen Ehe zu dritt vorgenommen werden. Und da ist festzustellen, dass eine völlige Desillusionierung eingetreten ist: Die ständigen Streitereien der Cousinen untereinander und dann mit ihrem Ehemann haben bei Hannes für einen dicken Hals gesorgt. Als die beiden Frauen dann auch noch Lysistrata spielen und sich ihm verweigern, ist seine Stimmung auf dem Nullpunkt. Plötzlich wendet sich jedoch das Blatt, denn Hildegunde gesteht, dass sie einen Verehrer gefunden hat, und Rosamunde entdeckt ihre Liebe zu Hannes neu. Das lässt bei den beiden Gefühle für eine gemeinsame Zweisamkeit aufkommen.

Zurück zu Carola und ihrem Nepomuk (oder auch Mucki Nix); der kommt, wie gewünscht, ins Schloss und bringt die Stoffe zur Ansicht vorbei. Die sind für Carola zunächst einmal unwichtig, denn sie präsentiert dem verblüfften Schneiderlein das so lange ersehnte Scheidungsurteil. Und schon befinden sich Carola und Nepomuk im siebenten Himmel. Da möchte auch Kunibert von Ebernstein nicht zurückstehen und er erlässt großzügig dem Schwiegerneffen alle Schulden. Ach so, ja: Die Obrigkeit hat mittlerweile das Gesetz über die Ehe zu dritt aufgehoben, da es nur so von Beschwerden hagelte; damit ist die Ruhe wieder hergestellt und die Operette auch zu Ende.

INFORMATIONEN ZUM WERK

Walter Wilhelm Goetze hatte mit LIEBE IM DREIKLANG kein Glück; das 1950 als frivol geltende Stück wurde abgelehnt und verschwand in der Versenkung. Es löste, nicht zu verwundern, schon vor der Uraufführung Proteste kirchlicher Kreise aus. Außerdem muss auch bedacht werden, dass nur fünf Jahre nach dem verheerenden Weltenbrand mit dem millionenfachen Tod viele Frauen ohne ihre Männer leben mussten. Aber es gibt es einen historischen Hintergrund: Am 14. Februar 1650 entschied nämlich das Parlament in Nürnberg, dass aufgrund von Hundertttausenden von toten Männern jedem Mann bis zu zehn Frauen zugestanden werden sollten.

Formal zeigt Goetzes LIEBE IM DREIKLANG, wie seine früheren Operetten „Adrienne“ von 1926 und „Schach dem König“ (1935), die Zugehörigkeit zum Typ der historisierenden Operetten. Der Komponist wandte sich in seinen Bühnenwerken gegen die seit den 1920er Jahren in Mode gekommenen Schlager- und Revueoperetten. Kennzeichen der Goetze-Werke sind die effektvoll ausgearbeiteten Ensembles und Finali.

© Manfred Rückert für Tamino-Operettenführer 2013
unter Hinzuziehung folgender Quellen:
Booklet zur CD-Ausgabe von Line Music
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Donnerstag, 24. Oktober 2013, 17:31

Diskographischer Hinweis


Nebenstehend die von Franz Marszalek mustergültig eingespielte Fassung, die 1951 für den NWDR Köln produziert wurde. Die Rolle des Mucki Nix übernahm kurzfristig Peter Anders für den erkrankten Österreicher Karl Friedrich. Den Hannes singt in dieser Aufnahme „Bundesbuffo“ Willy Hofmann, den Schneidermeister Flock Willy Schneider, die Carola von Ebernstein Ilse Hübener. Ilse Teichmann ist die Hildegunde, Ruth Ziller die Rosamunde. Für die Sprech-Hauptrollen wurden Irmgard Först und Paul Bürks engagiert. Beide Tamino-Werbepartner haben die Operette in ihrem Angebot.


:hello:
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