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dr.pingel

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Dienstag, 14. August 2012, 21:43

Fleisch, Bier und Musik - Simon Bar Jona Madelka

Simon Jona Bar Madelka war ein böhmischer Komponist, der ca.1550 in Polen geboren wurde, dann Fleischermeister und Ratsherr in Pilsen wurde und zu seiner Zeit ein überaus geschätzter Komponist war. Das Bier habe ich mal dazuerfunden, aber in Pilsen braucht es dazu ja wenig Fantasie. Diese Mischung ist wahrscheinlich einzigartig in der Musikgeschichre, ich bin jedenfalls noch nie einem komponierenden Metzger begegnet. Ich frage mich übrigens, ob er jüdische Wurzeln hat, denn sein Name deutet darauf hin (Bar Jona ist hebräisch für Sohn des Jona). Er selbst war streng katholisch und hatte sich der Gegenreformation verschrieben. 1598 ist er anscheinend in Pilsen der Pest zum Opfer gefallen. Seine Werke sind schlecht erhalten oder Fragmente, das einzige sichere Werk sind die sieben Bußpsalmen, die auch gedruckt wurden (1586) und im Bestand der besten Kompositionen der Zeit in der Bibliothek der Münchner Hofkapelle zur Zeit des Herzogs Albrecht des V. zu finden sind. Für mein Empfinden stehen die Kompositionen zwischen Palestrina und Monteverdi; polyphon im strengen Sinne sind sie nicht mehr.
Die beiden besten Psalmen sind Psalm 51 und 32; diese habe ich vor 2 Jahren in Radiosendungen des WDR kennengelernt. Lange habe ich versucht die ganze CD zu bekommen, jetzt tauchte sie bei amazon wieder auf. Die Aufnahme stammt von 1992, was leider heißt, dass Madelka wieder versunken ist. Die Aufnahme wird bestritten von 2 tschechischen Ensembles, dem Instrumentalensemble "Symposium musicum" und dem 12 köpfigen Vokalensemble "Gutta musicae". Diese sind in jeder Stimme ausgezeichnet besetzt, vor allem der Sopran hat einen eindringlichen, strahlenden Klang. Man hört sehr gut, dass hier insgesamt junge Stimmen am Werke sind. Der Dirigent ist Svatopluk Janysch. Eine wunderbare Aufnahme, die leider einen Wermutstropfen hat. Im Chorgesang gibt es eine Unsitte, bei raschen Stücken das Ende einer Phrase rasch abzureißen, dann kommt ein Schnappatem und es geht weiter. In wirklich guten Ensembles gibt es das nicht, hier ist es leider durchgängig gemacht worden. Anzurechnen ist es nicht den Musikern, sondern dem Dirigenten, so etwas darf er nicht durchgehen lassen. Aber Musik und die Aufführung entschädigen reichlich.
Eichendorff, In der Fremde.
Aus der Heimat hinter den Blitzen rot/ da kommen die Wolken her,/ aber Vater und Mutter sind lange tot,/ es kennt mich dort keiner mehr./ Wie bald, wie bald kommt die stille Zeit,/ da ruhe ich aus und über mir/ rauscht die schöne Waldeinsamkeit,/ und keiner kennt mich auch hier (vertont von Robert Schumann).

T con brio

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2

Montag, 15. Oktober 2012, 10:50

Lieber Herr Doktor,

ich habe mir auf Dein Posting hin kürzlich diese CD besorgt, auch um mich mal wieder ein wenig außerhalb meines Kernrepertoires umzuhören, und gestern eine längere Autofahrt genutzt, mir sie das erste Mal anzuhören. Mit viel Gewinn, wie ich sagen muß - seine Psalmen sind wirklich sehr gefällig. Einen direkten Favoriten konnte ich beim ersten Mal allerdings nicht direkt ausmachen. Ich danke also herzlich für den Geheimtip und freue mich über den schönen Zugang in meiner Sammlung! :)

Im übrigen bin ich mir sehr sicher, daß Du mindestens noch einen komponierenden Fleischer kennst, sogar auch einen böhmischen! Antonín Dvořák hatte eine abgeschlossene Metzgerausbildung. :yes:
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T con brio

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3

Montag, 15. Oktober 2012, 10:59

P.S. Und wer auch mal reinhören möchte: besagte CD gibt's hier: :)

Amazon oder hier Amazon 2

Wenn ich sie glücklicherweise auch erheblich billiger bekommen konnte...
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dr.pingel

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4

Montag, 15. Oktober 2012, 16:30

Lieber Tobias, ich freue mich sehr, dass mein Tipp so gut angekommen ist. Ich habe die CD auch billig bekommen. Meine Favoriten sind absolut die Pss. 51 und 32. Dass Dvorak eine Metzgerausbildung hatte, war mir neu. Ist irgendwas über seinen Bierkonsum bekannt?
Eichendorff, In der Fremde.
Aus der Heimat hinter den Blitzen rot/ da kommen die Wolken her,/ aber Vater und Mutter sind lange tot,/ es kennt mich dort keiner mehr./ Wie bald, wie bald kommt die stille Zeit,/ da ruhe ich aus und über mir/ rauscht die schöne Waldeinsamkeit,/ und keiner kennt mich auch hier (vertont von Robert Schumann).

T con brio

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5

Mittwoch, 17. Oktober 2012, 11:20

Dass Dvorak eine Metzgerausbildung hatte, war mir neu. Ist irgendwas über seinen Bierkonsum bekannt?
Haha, ich fürchte, das war womöglich nicht der allererste Aspekt seiner Person, der die Aufmerksamkeit seiner Biographen beansprucht hat... :D

Eine kurze Internet-Recherche hat allerdings einen Hinweis auf eine Ausstellung ergeben, wo nicht nur die Original-Partitur seiner 9. Sinfonie zu sehen war sondern auch einer seiner alten Bierkrüge. Zudem wurde er an anderer Stelle in einem Konzertprogramm als "Bierliebhaber" apostrophiert. Er wird unter Deinem Threadtitel also schon ganz gut aufgehoben sein... :)
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T con brio

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6

Dienstag, 19. November 2013, 23:06

Gerade fiel mir zufällig ins Auge, daß es weiter oben vom Doktor beschriebene CD gerade ausnahmsweise mal zu einem halbwegs marktkonformen Kurs auf der Insel zu erstehen gibt:




Vielleicht möchte ja jemand mal ein Ohr riskieren... :)
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