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wenzeslaus

Anfänger

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Beiträge: 81

Registrierungsdatum: 25. März 2010

1

Montag, 17. Januar 2011, 14:18

eric whitacre

Am vergangenen Sonnabend hatte ich die Gelegenheit ein Konzert des jungen Vokalensembles Hannover zu beuchen, dass Werke des amerikanischen Zeitgenossen eric Whitacre -und nun kommt der clou- unter seiner Leitung aufführte.
Whitacre hat eine gewisse Berühmtheit erlangt, indem er ein youtube Projekt gestartet hat, indem ein Chorsatz "Lux Aurimque"von über 100 Chorsängern einzeln an Ihren Computern eingesungen wurde und zu einem großen virtuellen Chor zusammengesetzt worden ist:



Es ist jetzt wohl gerade auch in London bei Universal eine neue CD vorgestellt worden. Whitacre ist unter Kennern wohl schon bekannt. Seine Musik ist durchaus einem größeren Chorpublikum zuzumuten, weil sie einen intelektuell nicht überfordert. Ich hatte erst Angst, sie sei mir zu sphärisch und esoterisch, sie hat mich aber mit ihren Clustern, den übereinander gelegten Akkorden doch sehr angesprochen und berührt. Whitacre selbst moderierte sehr angenehm und mit Charme durch sein Programm und -obwohl er so schön ist- war er sehr angenehm ob zum zusehen beim Dirigieren oder zuhören.
Sein Stück cloudburst war enorm effektvoll und beeindruckend.

Gern würde ich mehr Meinungen zu diesem neuen jungen Chormusikkomponisten hören.
Herzlichen Gruß
:hello: Wenzeslaus

Chorknabe

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Beiträge: 813

Registrierungsdatum: 13. Dezember 2006

2

Donnerstag, 20. Januar 2011, 00:52

Hallo Wenzeslaus,

Es ist jetzt wohl gerade auch in London bei Universal eine neue CD vorgestellt worden. Whitacre ist unter Kennern wohl schon bekannt. Seine Musik ist durchaus einem größeren Chorpublikum zuzumuten, weil sie einen intelektuell nicht überfordert. Ich hatte erst Angst, sie sei mir zu sphärisch und esoterisch, sie hat mich aber mit ihren Clustern, den übereinander gelegten Akkorden doch sehr angesprochen und berührt. Whitacre selbst moderierte sehr angenehm und mit Charme durch sein Programm und -obwohl er so schön ist- war er sehr angenehm ob zum zusehen beim Dirigieren oder zuhören.
Sein Stück cloudburst war enorm effektvoll und beeindruckend.


Eric Whitacre ist in der Chorszene eigentlich seit 5..8 Jahren bekannt. Mittlerweile ist er einer der Superstars der Chorszene. Der Begriff befremdet etwas, passt aber ganz gut, denn seine Kompositionen für Chor sind unglaublich beliebt, insbesondere bei den Chorsängern. Werke (hier vor allem "Waternight", "Lux aurumque" "Sleep" und das von Dir benannte "Cloudburst") werden weltweit von vielen tausend Chören mit inniger Begeisterung gesungen. Für einen so jungen Komponisten ist das schon extrem ungewöhnlich. Sein Stil ist der Postmioderne zuzurechnen und sehr tonal. Seine typischen dichten wolkigen und sehr weich klingenden Tonkluster, die man in allen seinen Werken findet, sind eigentlich nur logische Weiterentwicklungen von Kompositionsstilen wie von Lauridsen, Busto oder Miskinis - aber so hat man Chormusik vor ihm noch nicht geschrieben. Es ist schon sehr erstaunlich aber auch toll, dass ein zeitgenössischer Komponist Musik schreibt, die den Menschen sofort und unmittelbar gefällt und ins Herz geht.

Ich habe hier im Forum auch schon mehrfach auf zwei wirklich herausragende CDs mit seinen werken hingewiesen, bspw. hier.

Die CD die Du erwähntest ist diese hier:


Und..natürlich hab ich sie bereits :D Mein Eindruck: ein toller Chor, auf jeden Fall höchstes Chorisches Niveau. Manche Stücke sind doch leicht anders interpretiert als bei den beiden anderen CDs, insofern ist diese Einspielung eine Bereicherung.

Liebe Grüße, der Thomas. :hello:

wenzeslaus

Anfänger

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Beiträge: 81

Registrierungsdatum: 25. März 2010

3

Freitag, 21. Januar 2011, 19:26

Und nun widmet ihm auch die Zeit einen längeren Artikel und vergleicht ihn, wegen seiner Wirkung auf Massen gleich mit Gotthilf Fischer ( :cursing: ). Aber es wird ihm auch gute Arbeit und handwerkliches Können attestiert.

http://www.zeit.de/kultur/musik/2011-01/…e-virtual-choir

Und so ein virtuelles Chorprojekt müsste ja eigentlich hier, in unserer virtuellen Diskussionsrunde gut ankommen.
Die CD bestell ich mir mal.
Herzlichen Gruß
Wenzeslaus :hello:

PS danke an die Moderatoren für die Hilfe :jubel:

zweiterbass

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Registrierungsdatum: 2. Juni 2010

4

Freitag, 4. Februar 2011, 10:04

Eric Whitacre

Hallo,

der Beschreibung von Chorknabe über den Stil der Chormusik vom Whitacre ist Nichts, aber auch gar Nichts hinzu zu fügen.

Diese CD mit den "Elora Festival Singers" aus Kanada ist auch hörenswert - der Chor über jede Krtik erhaben - siehe Beitrag zu Morten Lauridsen.



Viele Grüße
zweiterbass
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

dr.pingel

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Beiträge: 4 226

Registrierungsdatum: 29. Juni 2009

5

Dienstag, 13. August 2013, 13:22

Unser Vocalensemble (Camerata vocale Oberhausen) singt am 15.9. um 18.00 in der Herz-Jesu-Kirche das "Allelujah" von Eric Whitacre. Der Text besteht nur aus diesem einen Wort. Ein sehr klangschönes Stück!
Eichendorff, In der Fremde.
Aus der Heimat hinter den Blitzen rot/ da kommen die Wolken her,/ aber Vater und Mutter sind lange tot,/ es kennt mich dort keiner mehr./ Wie bald, wie bald kommt die stille Zeit,/ da ruhe ich aus und über mir/ rauscht die schöne Waldeinsamkeit,/ und keiner kennt mich auch hier (vertont von Robert Schumann).

zweiterbass

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Registrierungsdatum: 2. Juni 2010

6

Samstag, 6. Februar 2016, 00:31

Hallo,

nachdem ich am 29.01. anlässlich der 482. Windsbacher-Motette in der Nürnberger St. Lorenzkirche „Lux aurumque“ von Whitacre hörte, habe ich mir die CD aus Beitrag Nr. 4 hervorgeholt und dabei festgestellt, dass mein Betrag nicht nur äußerst dürftig, sondern fast schon eine Zumutung ist und deshalb dringend ergänzt werden muss, was ich nun zu einigen Chorwerken nachhole.

Water Night – die Textveröffentlichung wurde vom Dichter (Octavio Paz) nicht gestattet.

Auffallend höre ich Dissonanzen, die teilweise durch stehen bleibende Akkordrückungen entstehen, will sagen, der zu rückende Akkord erklingt zugleich mit dem gerückten Akkord, was dann wieder zurückgeführt wird – eine schwebende Harmonik entsteht, sehr beeindruckend und gut zu hören.
https://www.youtube.com/watch?v=9ixP0NiGZnw


This Marriage – Gedicht von Jalal al-Din Rumi (13. Jh.)

„May these vows and this marriage be blessed.
May it be sweet milk,
like wine and halvah.
May this marriage offer fruit and shade
like the date palm.
May this marriage be full of laughter,
our every day a day in paradise.
May this marriage be a sign of compassion,
a seal of happiness here and hereafter.
May this marriage have a fair face and a good name, an omen as welcomes
the moon in a clear blue sky.
I am out of word to describe how spirit mingles in this marriage.“

Ein Text, der in seiner bilderreichen Sprache an orientalische Vorbilder erinnert, andererseits aber sehr zarte Ausdrucksformen hat. Eine variable Musiksprache kann ich nicht hören (ausschließlich rein tonal mit „vorsichtig“ gleitenden Akkordübergängen), dafür eine überaus stimmungsvolle, zarte Komposition, die von „Elora…“ bestens zur Geltung gebracht wird.
https://www.youtube.com/watch?v=kD6qvqo_bOc


Lux aurumque – Gedicht von Edward Esch

„Light,
warm and heavy
pure as gold,
and the angels sing softly
to the newborn babe.“

Dieser Satz ist anfangs ähnlich dem vorhergehenden, aber mit den Dissonanzen (längst nicht in dem Ausmaß wie bei „Water Night“) kommt der Weihnachtsbezug. Ein Chorsatz der sich von barockem Pomp deutlich abhebt und dabei ohne auf den oft zu hörenden weihnachtlichen „Heiligenschein“ einschwenkt.
https://www.youtube.com/watch?v=sgUxn7nzwMQ



Little tree – der Weihnachtsbaum wird mit allen „Registern“ gelobt.

Die letzten Verszeilen des Gedichtes von e. e. Cummings¨
„…an my little sister and I will take hands
and looking up to our beautiful tree
we’ll dance and sing
„Noel, Noel“

Die luftigen Klavierakkorde und – arpeggien bringen von Anfang an einen volkstümlichen Ton in die Komposition (unterstützt vom z. T. hörbaren „Text“), ohne trivial oder simpel zu wirken. Die Musiksprache ist abwechslungsreich und bringt manch unerwarteten Akkordwechsel, auch das ff-Ende gefällt mir.
https://www.youtube.com/watch?v=5x2d23rJ6Yg



When David Heard – AT, II. Samuel 18, 33

When David heard that Absalom was slain
He went up into his chamber over the gate and wept, and thus he said:
my son, my son, O Absalom my son, would God I had died for thee!“

Nach dem kurz nach dem Anfang einstimmig vorgetragenen „my son“ und „ O Absalom“ besteht der Satz bis etwa zur Hälfte fast nur noch aus dissonanten Akkorden, dann „gestammelt“ vorgetragenen Wortfetzen; dabei bedient sich Whitacre, wie auch H. Distler, der „unendlichen“ Wortwiederholungen (selten Wortdehnungen!); bei ansteigender Dynamik wiederholen sich Harmonik und Wortwiederholungen in nicht enden wollender Verzweiflung – die Dynamik nimmt ab, die Harmonik kommt schwebend zur Ruhe um zum Ende des Satzes in pp zu verklingen - der letzte Akkord wechselt in ppp die Quinte (!), einer der ursprünglich reinsten Zusammenklänge nach der Oktave.
https://www.youtube.com/watch?v=OIpQoY5nLnQ



Sleep – Gedicht von Charles Anthony Silvestri

„The evening hangs beneath the moon
A silver thread on darkened dune
With closing eyes and resting head
I know that sleep is coming soon

Upon my pillow, safe in bed,
A thousand pictures fill my head.
I cannot sleep, my mind's aflight,
And yet my limbs seem made of lead.

If there are noises in the night,
A frightening shadow, flickering light...
Then I surrender unto sleep,
Where clouds of dream give second sight.

What dreams may come, both dark and deep
Of flying wings and soaring leap
As I surrender unto sleep
As I surrender unto sleep.“
https://www.youtube.com/watch?v=3bDY_QzCYck
https://www.youtube.com/watch?v=an7rBVAAiUw (Eine Spezialität von Whitacre – der virtuelle Chor ist hier nur Beispiel, was darunter zu verstehen ist; ich habe gelesen, er hat auf diese Art auch schon Chöre mit bis zu 100 Sängern/innen erfolgreich produziert.)


Alle YouTube-Einspielungen erreichen m. E. nicht das Niveau der Aufnahme mit „Elora Festival Singers“.



Viele Grüße
zweiterbass
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler