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dr.pingel

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  • »dr.pingel« ist männlich

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Donnerstag, 20. Oktober 2016, 20:25

Man steigt nie zwei Mal in den gleichen Fluss

Ich glaube, dass das jeder kennt: man liest nach 20 Jahren ein Buch noch mal und denkt darüber nach, was man einst an diesem Buch fand. Oder man entdeckt neue, andere Aspekte. Man ist ja auch ein anderer geworden Manchmal schmeißt man es auch gleich in den Papierkorb.
In den Siebzigern begann die Gattung Schwedenkrimi bei uns Fuß zu fassen. 10 Romane um Kommissar Beck, verfasst von Per Wahlöö und Maj Sjöwall. Wir haben die alle nicht nur gelesen, sondern verschlungen. Der legitime Erbe war Kurt Wallander; diese habe ich alle gelesen und war sehr angetan. Danach hatte ich aber vom vermeintlich düsteren Schweden genug. Jetzt sind die 10 Beck-Romane neu übersetzt und aufgelegt worden. Gelesen habe ich "Verschlossen und verriegelt" und fand es langweilig und unlogisch. Danach kamen die "Terroristen" an die Reihe, wahrscheinlich der beste Band der Reihe. Ein paar gute Ideen, aber endlose Beschreibungen von uninteressanten Sicherungsmaßnahmen der Polizei haben den Band auf über 400 Seiten anschwellen lassen (Robert Gernhardt nannte das die Werke der "Zeilenschinderhannesbande"). Fazit: wird verschenkt. Weitere werden nicht mehr gelesen!

O bittre Winterhärte! / Die Nasen sind erfroren,/Und die Klavierkonzerte/Zerreißen uns die Ohren (Heinrich Heine)

  • »Christian B.« ist männlich

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Donnerstag, 20. Oktober 2016, 21:25

Ja, beim Wiederlesen trennt sich die Spreu vom Weizen. Grass übrigens hält diesem Test zumeist stand :D
Ich lese gerade abermals einen Klassiker, es war lange Zeit mein Lieblingbuch und jetzt wollte ich wissen, was es damit 20 Jahre später noch auf sich hat.
Eine neue, geschliffene Übersetzung gibt es auch:


Andrew

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  • »Andrew« ist männlich

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Samstag, 12. November 2016, 18:27

Gerade zu Ende gelesen habe ich ein gut lesbar geschriebenes Buch zu einem historischen Thema, über das ich außer den Basis-Infos gar nicht so viel weiß:



Jörg Peltzer:
1066 - Der Kampf um Englands Krone

Umfang: 432 Seiten
Sonstiges: mit 36 Abbildungen, 9 Karten und 6 Stammtafeln
Erscheinungstermin: 15.9.2016


Zitat

Klappentext
Der international renommierte Mediaevist Jörg Peltzer erhellt Hintergründe, Verlauf und Folgen des Konflikts um England und bietet eine umfassende Darstellung eines der zentralen Ereignisse der europäischen Geschichte des Mittelalters. Nach dem Tod Eduards des Bekenners stritten die Angelsachsen Edgar Ætheling und Harold Godwinson, der norwegische König Harald Hardrada und der Normannenherzog Wilhelm um England. Im Jahr 1066 verhalf das Schlachtenglück schließlich Wilhelm bei Hastings zum Sieg. Jörg Peltzer zeigt in seiner neuen, ebenso informativen wie fesselnden Darstellung der Eroberung Englands, welche weiteren Quellen (neben dem Teppich von Bayeux) über diese Ereignisse berichten - und macht deutlich, welche besonderen Probleme mit dieser Überlieferung verbunden sind. Er stellt zudem die Protagonisten vor, beschreibt ihre Heere und deren Kampfesweise, Waffenarten und Logistik, nimmt uns mit auf die Schlachtfelder an der Stamford Bridge und bei Hastings, schildert die Durchsetzung Wilhelms und seiner normannischen Gefolgsleute in ihrem neuen Reich ...

Sehr spannend und interessant geschrieben, ein sehr empfehlenswertes Buch über englische Geschichte des 11. Jahrhunderts, über die Protagonisten und ihre Familien, über die mit einander verbundenen Konflikte, die drei Schlachten (Fulford Gate gehörte auch mit dazu) und die vielschichtigen Folgen für Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kirche, Sprache, Kultur.

Mit freundlichen Grüßen von der Nordseeküste, wo es jetzt richtig kalt ist (Brrrr ... ungemütlich),
Andrew
„Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

dr.pingel

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Sonntag, 13. November 2016, 17:21

Dr. Pingel´s Faction - The House of God


Als ich dieses 1978 erschienene Buch zum ersten Mal las, erschien es mir wie eine Satire. Diese Züge hat das Buch durchaus. Aber beim Wiederlesen war es ein anderer Fluss, in den ich stieg: es war die Beschreibung der Hölle selbst. Samuel Shem (ein Pseudonym) schildert seine eigenen Erfahrungen. Das Buch löste in Amerika einen Skandal aus, worauf die Arbeitsbedingungen der Klinikärzte verbessert wurden. Dieses Buch wie auch die amerikanische Serie E.R. (emergency room = Notaufnahme) schildern die Bedingungen in amerikanischen Krankenhäusern. Das folgende Buch von Shem (was hebräisch für "der Name" ist) hieß "Mount Misery" und spielt in der Psychiatrie (Shem ist Professor für Psychiatrie in Boston). Berühmt wurde Shem für eine neue Wortschöpfung: der "GOMER", das heißt: Get out of my Emergency Room. Nach wie vor ist die satirische Seite durchaus ausgeprägt, daher hier einige Grundregeln:

Gomers sterben nicht.
Bei Herzstillstand zunächst den eigenen Puls fühlen.
Der Patient ist derjenige, der krank ist.
Wenn du Hufgetrappel hörst, denk zuerst an Pferde, nicht an Zebras denken (meint: die naheliegende Diagnose ist wahrscheinlich die richtige!)
Zuerst daran denken, den Patienten auf eine andere Station abzuschieben.
Die einzig gute Aufnahme ist eine tote Aufnahme.
Wenn du keine Temperatur misst, stellst du auch kein Fieber fest.
Ärztliche Betreuung heißt, so wenig wie möglich tun.
Wenn der Radiologiespezialist etwas Auffälliges auf einer Thorax-Aufnahme sieht, kann dort nichts Auffälliges sein.
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dr.pingel

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Mittwoch, 16. November 2016, 21:14

Robert van Gulik und Richter Di

Einen Band hatte ich ja hier schon vorgestellt; M.Schenk ist auch ein Kenner. Van Gulik war niederländischer Gesandter in Japan und China. Er konnte chinesisch und japanisch lesen und schreiben; dazu spielte er die chinesische 7saitige Laute. Also ein Universalgenie, vor allem, weil er 12 Sprachen beherrschte.
Er übersetze einen sehr bekannten Krimi aus dem 7. Jahrhundert: "Merkwürdige Kriminalfälle des Richters Di." Danach schrieb er 15 weitere Romane über Richter Di, die aber nach Quellen eigenständig verfasst wurden. Einen einzigen Krimi schrieb er über Amsterdam: "Der geschenkte Tag." Die Bücher sind alle bei diogenes erschienen und gebraucht spottbillig. Der Stil ist anspruchsvoll, dazu bekommen wir nebenbei Einblicke in die chinesische Gesellschaft dieser Zeit. Dieses Verfahren wendet auch John Grisham an, indem er anhand von Kriminalfällen das amerikanische Rechtssystem veranschaulicht, sogar in einer 3 Bänden umfassende Geschichte für Jugendlich!
Der bekannte Krimiautor Janwillem van de Wetering hat Gulik ein Buch gewidmet: "Ein Leben mit Richter Di."
Von Janwillem van de Wetering empfehle ich den Band mit kriminalistischen Kurzgeschten: "Inspektor Saitos kleine Erleuchtung."
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MSchenk

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Samstag, 19. November 2016, 21:34

Van Gulik war niederländischer Gesandter in Japan und China. [...] Danach schrieb er 15 weitere Romane über Richter Di, die aber nach Quellen eigenständig verfasst wurden.

Eigentlich verwunderlich, dass die Romane bis heute nicht verfilmt wurden, wäre wahrscheinlich zu aufwendig; dann lieber die venizianischen Belanglosigkeiten einer Donna Leon ... :untertauch:
mfG Michael

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dr.pingel

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Samstag, 19. November 2016, 22:54

Ich glaube, es wäre zu teuer, eine ganze chinesische Umwelt zu schaffen. Aber im Grunde muss ich dir Recht geben. Auf der anderen Seite: muss man nicht damit rechnen, dass diese Filme den letzten Schund darstellen würden?
Von Donna Leon habe ich einen Krimi gelesen und zwei als Hörspiel gehört. Danach habe ich mit ihr nur gerechnet, dass sie ein Fan der Musik von Agostino Steffani war. Aber das bin ich auch, und ich muss auch keine Krimis schreiben.
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moderato

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Dienstag, 3. Januar 2017, 13:08




Franz Kafka: Der Verschollene (Amerika)


Ich muss das Fischer Taschenbuch dieses Romanfragmentes wieder einmal nach Jahren lesen.
Um ein guter Zuhörer zu sein, muss man eine musikalische Kultur erwerben...man muss vertraut sein mit der Geschichte und Entwicklung der Musik, man muss zuhören...Um die Musik zu empfangen, muss man seine Ohren öffnen und auf die Musik warten, man muss glauben, dass man sie braucht...Zuhören ist anstrengend, und blosses Hören ist keine Leistung. Auch eine Ente kann hören.
Igor Strawinsky

.

WolfgangZ

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Dienstag, 3. Januar 2017, 13:16

Franz Kafka: Der Verschollene (Amerika)

Ich muss das Fischer Taschenbuch dieses Romanfragmentes wieder einmal nach Jahren lesen.

Ich teile Deine andernorts formulierte Einstellung zu den USA vollauf. Das tut meiner Tätigkeit als Deutsch- und Englischlehrer auch keinen Abbruch.

Was den Rest Deines Kurzbeitrags anbelangt, gilt das leider ganz genauso.

Kafkas Amerika, also Kafkas "Amerika", ist aber eher von chaplineskem Witz und Ernst zugleich, es ist keineswegs ideologisch geprägt - oder eben doch: im Rahmen eines noch nicht zutiefst pessimistischen Weltbilds. Das sollte sich ändern für den Autor ... und später für das Land. (Etwas anderes hast Du natürlich auch gar nicht behauptet - damit wir uns nicht falsch verstehen; ich wollte nur ein Wort zum Dienstag loswerden. :) )

:hello: Wolfgang
Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

michael74

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Mittwoch, 4. Januar 2017, 21:06



Gruß
Michael

Bertarido

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Samstag, 7. Januar 2017, 05:58

Ich bin gerade zum wiederholten Mal in Indien unterwegs. Und da ich bevorzugt die landestypischen Verkehrsmittel Bahn und Bus benutze, habe ich viel Zeit zum Lesen. Gerade habe ich dieses Buch von Aravind Adiga angeschlossen, das 2008 den Man Booker Prize gewann: "Der weiße Tiger" ist der Protagonist des Romans, der seinen Weg von einem armen Dorfjungen über einen Job als Fahrer eines reichen Landlords in Delhi bis hin zum Entrepreneur in Bangalore schildert. Aber anders, als es die Beschreibung vermuten lässt, ist es keine der üblichen "Vom Tellerwäscher zum Millionär" Selfmademan-Stories. Das eigentliche Thema ist die zutiefst gespaltene indische Gesellschaft, das "dunkle" Indien, in dem die meisten Menschen leben, und das "helle" Indien der wenigen Reichen. Geboren, um ausgebeutet zu werden, erkennt der (Anti-)Held eines Tages, dass er nicht bis zum Ende seines Lebens in seinem Käfig bleiben will, auch wenn der einzige Weg in die Freiheit über einen Mord führt.



Wer Indien nicht kennt, wird vieles schockierend, vielleicht sogar unglaubwürdig oder übertrieben finden. Wer schon Erfahrungen mit diesem Land gemacht hat, wird in vielen seiner eigenen Beobachtungen bestätigt.

Um nicht missverstanden zu werden: ich finde dieses Land faszinierend und bin nicht etwa beruflich, sondern aus eigenem Antrieb auf Entdeckungsreise hier. Indien ist zweifellos ein sehr fremdes Land, aber gerade das macht es so interessant. Es gibt viel Hässliches und Trauriges hier zu sehen, aber auch viel Großartiges, Zeugnisse einer Jahrtausende alte Kultur, wunderbare Landschaften, Begegnungen mit freundlichen, dem Fremden gegenüber fast immer neugierigen und hilfsbereiten Menschen. Nicht ohne Beschämung stelle ich mir vor, welche Erfahrungen Inder wohl gerade in Deutschland machen.

Melot1967

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Samstag, 7. Januar 2017, 16:52

Elias Canetti

Die gerettete Zunge - das erste der drei autobiographischen Bücher. Die folgenden heißen Die Fackel im Ohr und Das Augenspiel. Ich lese das Buch jetzt nach Jahren zum zweiten Mal und genieße die ehrliche Schilderung aus der Sicht eines Kindes bzw. Jugendlichen. Ein Loblied auch auf die Schönheit der deutschen Sprache, die Wichtigkeit von Bildung und eine gute Übung für das Hinschauen auf zwischenmenschliche Beziehungen, um wieder etwas kritische Distanz zu lernen und sich nicht immer vorschnell aufzuregen über gewisse heutige Zustände und Zeitgenossen.

Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

JLang

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Sonntag, 8. Januar 2017, 19:50

Marie Luise Kaschnitz, Ferngespräche


ist das Werk, das ich momentan lese. Es handelt sich um eine Sammlung von 24 Kurzgeschichten.
Von Kaschnitz liebte ich bisher vor allem ihre Lyrik, aber als Erzählerin ist sie ebenfalls ganz wunderbar.
Sie präsentiert auf nur wenigen Seiten jeder Geschichte einzelne Bilder ganz unterschiedlicher Charaktere.
Es sind leise Erzählungen, Erzählungen voller Schwermut, Trauer und Angst, aber dabei immer voll unendlicher Versöhnlichkeit und - wie M. Reich Ranicki einst anmerkte - voller "Erbarmen mit der Kreatur". Ich lese sie sehr gern.

Herzliche Grüße
JLang
Gute Opern zu hören, versäume nie
(R. Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln)

Karl

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Montag, 16. Januar 2017, 10:59

Wer über die Zerstörung der Länder des Nahen Ostens und die Hintergründe Näheres erfahren möchte, dem empfehle ich:



Wer den Wind sät …

Was westliche Politik im Orient anrichtet, C. H. Beck Verlag, München, 2015
von Dr. Michael Lüders.


Dazu gibt es einen Vortrag bei der tele akademie
Tele Akademie

auf You tube unter
Vortrag

Mit besten Grüßen

Karl

Siegfried

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Mittwoch, 18. Januar 2017, 17:43




In diesem Buch steckt die Weisheit eines Mannes, der rastlos in sich ruht.


Der übliche Link geht nicht auf, deshalb dieser: https://www.jpc.de/jpcng/books/detail/-/…ch/hnum/6754465
Freundliche Grüße Siegfried

lutgra

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Freitag, 3. Februar 2017, 21:57

Meine Lieblingslektüre - Musikerbiographien


MSchenk

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Donnerstag, 9. Februar 2017, 14:20

Ich habe mir interessehalber von einem Freund die Krachtschen Romane geliehen und inzwischen die ersten beiden durchgelesen (was aufgrund ihres Umfanges recht zügig zu bewerkstelligen ist):

veröffentlicht 1995

Zu Krachts Erstling meint Martin Halter im Zürcher Tages-Anzeiger: "Da schreibt ein widerlich arroganter Schnösel, der sein 'Zeitgeist'-Dandytum schon für Literatur hält und seine banalen Reisenotizen für erbarmungslos scharfe Beobachtungen" und dem habe ich nichts hinzuzufügen außer, daß ich diesen Eindruck bereits nach der ersten Seite hatte.

veröffentlicht 2001

Seinen zweiten Roman gestaltet Christian Kracht schon etwas komplexer, als Faserland. Der Erste Teil der Handlung spielt in Teheran kurz vor der islamischen Revolution Chomeinis, während der zweite Teil den Protagonisten nach der Umrundung des heiligen Berges Kailash (Tibet) zum Schluß als Gefangenen in einem chinesisches Straflager in der Wüste Lop Nor enden läßt.
Das Ganze hört sich nicht nur recht deprimierend an, sondern ist es auch - umso mehr, als dass in der (viel zu langen) Teheran-Epsiode der Lebenspartner des Protagonisten stirbt. Die daraus folgende Logik für die Pilgerfahrt im zweiten Teil erschließt sich mir allerdings nicht. Überhaupt scheint mir der innere Zusammenhang zwischen erstem und zweitem Teil eher konstruiert. Fragt man sich am Schluß, warum der "Held" des Romans in einem chinesischen Straflager - worauf man als Autor zugegeben erst einmal kommen muß! - im wahrsten Sinne des Wortes endet, ist der einzig verbindende Faden vielleicht seine Unfähigkeit zur Selbstbehauptung, die ihn schon in seiner Lebensbeziehung in Teheran scheitern läßt.

Überzeugend finde ich beide Romane nicht, bleibe aber neugierig, was mit Krachts chronologisch nächstem Roman Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten auf mich zukommt.
mfG Michael

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Donnerstag, 9. Februar 2017, 14:32

Ich fand zwei Chancen für Kracht ausreichend, so dass ich dem Buch mit der sperrigen Zeile aus einer Übersetzung von "Danny Boy" keine mehr geben werde...
Für Faserland bin ich ein paar Jahre zu jung bzw. war auf der falschen Schule :) Ich finde es als Bild der "Popper"-Kultur um 1990 zwar ganz faszinierend, aber es trägt kein ganzes Buch. (Wesentliche Elemente sind wohl auch von American Psycho, sagen wir "stark inspiriert".) 1979 ist total bizarr, stellenweise faszinierend, aber auch meiner Erinnerung nach ist der Anfang viel zu lang, der Zusammenhang insgesamt unklar. Solche grandios scheiternden "Himmelfahrtskommandos" skurriler Protagonisten gibt es auch besser bei TC Boyle u.a.

Traubi

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Donnerstag, 16. Februar 2017, 16:57

Einer meiner Top 5 Lieblingsautoren, Dostojewski:

Die gute Zeit fällt nicht vom Himmel, sondern wir schaffen sie selbst; sie liegt in unserem Herzen eingeschlossen
.

Bertarido

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Donnerstag, 16. Februar 2017, 17:12

Einer meiner Top 5 Lieblingsautoren, Dostojewski

Lieber Traubi,

Dostojewski ist auch einer meiner Lieblingsautoren. Ich empfehle Dir aber nachdrücklich, die Übersetzungen von Swetlana Geier zu verwenden, die bei Fischer erschienen sind.

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Donnerstag, 16. Februar 2017, 18:36

Ich habe zwar nur Verbrechen und Strafe in der Geier-Übersetzung gelesen, aber konnte den Hype und das wohlfeile Verwerfen älterer Übersetzungen in etlichen Rezensionen nie nachvollziehen. Es spricht nichts gegen die Geier-Übers., aber m.E. auch nichts gegen ältere, evtl. günstiger zu findende von Rahsin, Röhl (nicht mein Urgroßvater) usw. Ich habe die großen Romane zuerst in ganz unterschiedlichen Übersetzungen (Insel, dtv, keine Ahnung, Aufbau) gelesen, dann teils nochmal in einer anderen und eben den einen auch in Geiers, ohne dass es für mich ein grundsätzlich anderes Leseerlebnis gewesen wäre. Aber es gibt anscheinend Leute, denen das völlig anders erging und die vor Geier kein Buch des Autors durchgehalten hatten.

Es gab nach der allgemeinen Begeisterung zu Verbrechen und Strafe bei einigen der späteren Geier-Übers. jedoch auch einige kritische Stimmen, die Geier Manierismus vorwarfen. Leider kann man weder bei Feuilletonisten noch bei Internetlaien davon ausgehen, dass sie ausreichend Russisch können, um das wirklich beurteilen zu können, d.h. es wird immer nur zwischen Übersetzungen verglichen.

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Donnerstag, 16. Februar 2017, 19:13

Ich habe zwar nur Verbrechen und Strafe in der Geier-Übersetzung gelesen, aber konnte den Hype und das wohlfeile Verwerfen älterer Übersetzungen in etlichen Rezensionen nie nachvollziehen. Es spricht nichts gegen die Geier-Übers., aber m.E. auch nichts gegen ältere, evtl. günstiger zu findende von Rahsin, Röhl (nicht mein Urgroßvater) usw. Ich habe die großen Romane zuerst in ganz unterschiedlichen Übersetzungen (Insel, dtv, keine Ahnung, Aufbau) gelesen, dann teils nochmal in einer anderen und eben den einen auch in Geiers, ohne dass es für mich ein grundsätzlich anderes Leseerlebnis gewesen wäre. Aber es gibt anscheinend Leute, denen das völlig anders erging und die vor Geier kein Buch des Autors durchgehalten hatten.

So weit würde ich nicht gehen, ich habe früher auch einige der großen Romane in anderen Übersetzungen gelesen, z.B. in der von Röhl. Die Unterschiede sind jedoch ziemlich deutlich, wenn man Abschnitte einmal parallel liest. Mangels Russisch-Kenntnissen kann ich mir kein Urteil darüber erlauben, welche Übersetzungen besser sind, aber ich kenne nur Stimmen, die Swetlana Geier bescheinigen, an der Sprache des Originals näher dran zu sein als alle bisherigen Übersetzer. Daher bleibe ich bei meiner Empfehlung, sich ihrer Übersetzungen zu bedienen, wenn man die Bücher jetzt ohnehin neu erwirbt.

@Traubi: Hier ein schöner Artikel über Swetlana Geier: http://www.zeit.de/2007/29/KA-Geier

dr.pingel

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Sonntag, 5. März 2017, 17:45

Fabian oder Der Gang vor die Hunde

Es gibt ja jede Menge großer Romane über die Weimarer Zeit, ich denke an "Berlin, Alexanderplatz" von Döblin oder Fallada (Wolf unter Wölfen, Bauern, Bonzen, Bomben). In diese Reihe gehört auch Erich Kästner mit seinem brillanten "Fabian", der eben in ursprünglicher Form unter dem ursprünglichen Titel "Der Gang vor die Hunde" erschienen ist.
Was für ein toller Schriftsteller Kästner war, fiel mir nach der erneuten Lektüre seines Kinderbuchs "Das doppelte Lottchen" auf. Diese Geschichte hat einen schweren Konstruktionsfehler, den ich selber erst nach 50 Jahren bemerkt habe. Es geht ja darum, dass zwei Zwillingsschwestern sich im Feriencamp treffen, nachdem die eine nach der Scheidung der Eltern in Wien, die andere in München groß geworden ist. Die Mädchen beschließen, den Wohnort der jeweils anderen zu wählen, um die Eltern zusammenzubringen. Der Konstruktionsfehler liegt darin, dass Kinder aus München oder Wien komplett verschiedene Dialekte sprechen, anhand derer man sie leicht unterscheiden kann.
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Sonntag, 5. März 2017, 18:24


Hüb'

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Montag, 6. März 2017, 09:21

Oh, ein Bildchen! :untertauch:

WoKa

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Samstag, 11. März 2017, 14:43

Hallo!

Bei mir ging gerade das Hörbuch "Verdi" von Peter Härtling über die letzten Jahre des Komponisten zu Ende.



Parallel dazu hatte ich bereits das Hörbuch "Lärm der Zeit" von Julian Barnes über Dmitri Schostakowitsch begonnen.



Beide empfehlenswert.

Gruß WoKa
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

moderato

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Samstag, 11. März 2017, 17:31

Heinz von Foerster

Die Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners
Gespräche für Skeptiker


Nach 20 Jahren wieder mal aus dem Regal genommen, nachdem mich eine Arbeitskollegin gefragt hatte, ob ich es kenne.
Um ein guter Zuhörer zu sein, muss man eine musikalische Kultur erwerben...man muss vertraut sein mit der Geschichte und Entwicklung der Musik, man muss zuhören...Um die Musik zu empfangen, muss man seine Ohren öffnen und auf die Musik warten, man muss glauben, dass man sie braucht...Zuhören ist anstrengend, und blosses Hören ist keine Leistung. Auch eine Ente kann hören.
Igor Strawinsky

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m-mueller

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Samstag, 11. März 2017, 18:16

Inspiriert durch die von mir sehr geschätzten Bücher zu "A song of ice and fire" (Game of thrones) habe ich gerade ein anderes Buch von Martin gelesen:

,

sehr empfehlenswert, nicht nur, weil aktuell, geht es doch unter anderem um Probleme durch Überbevölkerung und den Umgang mit den natürlichen Ressourcen.

Wenn es eine solche Kategorie gäbe, könnte man es als Öko-Science-Fiction bezeichnen, das aber auch mit einigen interessanten politischen Fragen aufwartet, wie z.B., ob ein (gutmeinender) Tyrann auch gegen den Wunsch seines Volkes handeln darf, wenn er den für hoch unvernünftig hält.

Sehr empfehlenswert.

dr.pingel

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Samstag, 18. März 2017, 20:56

Bauern, Bonzen und Bomben

Die Weimarer Republik ist uns ja nicht zuletzt durch einige Romane sehr vertraut. Kästners "Fabian" habe ich ja schon genannt, "Berlin Alexanderplatz" gehört sicher dazu, auch Tucholsky, vor allem aber die Werke von Hans Fallada, die jetzt beim Wiederlesen nach dreißig Jahren noch spannender sind.
Wer amerikanische Romane liest, weiß, dass man von vorneherein mit günstigen Kritiken bombardiert wird. Mir scheint immer, dass die Literaturkritiker eine Kartei mit Ausdrücken besitzen, die dann jeweils gemixt wird. Neben "awsome" wird vor allem der Begriff "a page turner" gerne verwandt. "Bauern, Bonzen und Bomben" ist aber genau das, ein klassischer page turner. Jede Szene ist wie ein Filmdrehbuch: wenige Angaben zu Zeit und Ort, aber rasante Dialoge. Es geht um eine Kleinstadt und die dazugehörige Landbevölkerung (das Buch spielt nicht in Norddeutschland wie Klappentext und Titelfoto nahelegen, sondern in Pommern; der Name "Merkel" kommt auch vor).



Das nächste Buch wird "Wolf unter Wölfen" sein.
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Accuphan

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Montag, 17. April 2017, 16:36

Geburtstagsgeschenk

Bücher mag ich grundsätzlich nicht geschenkt bekommen, denn ich habe so viele ungelesene, dass ich schier nicht weiß, womit beginnen. Und dann liegen die Dinger. Meine Frau hat sich anlässlich meines Geburtstags doch getraut und einen Treffer gelandet:


Bis ich damit anfange, wird es noch etwas dauern. Mal sehen, wann ich mich aufraffe und rantraue..

Vorher habe ich diesen Krimi begonnen, der auch schon gut eineinhalb Jahre wartet. Es ist der letzte Band in dieser Reihe, die ich sehr mag, und wie fast immer mehr die geschriebene Version als die verfilmte:

Viele Grüße, Accuphan
(gut stimmen!!)

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