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La Roche

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331

Mittwoch, 26. April 2017, 13:53

Lang Lang sollte vielleicht mal solche Recitals besuchen wie die von Gerhard Oppitz, dann könnte er eine Menge über Werktreue lernen.
"Werktreue"? Dieser in der Opernregiewelt mittlerweile so veröhnte Begriff? :D
La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer

operus

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332

Mittwoch, 26. April 2017, 13:54

Ich freue mich jetzt schon auf seine Interpretation der Hammerklavier-Sonate, denn ich habe schon mehrere Meinungen gelesen, die sie für eine Referenz gehalten haben. Lang Lang sollte vielleicht mal solche Recitals besuchen wie die von Gerhard Oppitz, dann könnte er eine Menge über Werktreue lernen.

Lieber Willi,

dann darf ich Dich, wenn es Dir möglich ist, bereits heute zu folgendem Programm am 29. April 2018 mit Gerhard Oppitz nach Heilbronn einladen:

Mozart: Ouvertüre "La Clemenzo di Tito"
Mozart: Klavierkonzert Nr. 24, c moll, KV 491
Richard Strauss: "Burleske", TrV 145
Beethoven 8. Sinfonie

Das Programm wurde übrigens von unserem Tamino-Freund Stimmenliebhaber konzipiert, nachdem ich im Forum anregte, um die beiden Klavierkonzerte herum passende Werke vorzuschlagen. Wahrscheinlich - nachdem das Experiment so ein attraktives Ergebnis brachte - werde ich eine solchen kleinen "Wettbewerb" im Forum bei Gelegenheit wiederholen.
Lieber Willi, sollte Dein Besuch sich tatsächlich realisieren lassen würde, dann werde ich Dir auch einen ganz persönlichen Kontakt mit Gerhard Oppitz ermöglichen können.

Herzlichst
Operus

Dr. Holger Kaletha

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333

Mittwoch, 26. April 2017, 14:48

Obwohl er von der Fachkritik in technischer Hinsicht häufig als weltweit
konkurrenzlos eingestuft wurde, galten seine Interpretationen in der
Zeit teilweise als zu glatt und spannungslos.

Lieber Dr. Kaletha, dieser Satz steht so in Wikipedia, wobei natürlich nicht alles zu glauben ist, was da steht. Bezogen wird sich auf die Zeit Ende der 60-er Jahre. Ich glaube aber schon, daß derartige Artikel in Wikipedia nicht von Amateuren und Dilettanten geschrieben werden.

Wenn man den Zusammenhang hinzunimmt, liest sich das so:

So spielte er bereits 1957 die Chopin-Etüden in Mailand und erregte damit einiges Aufsehen. Ende der 60er Jahre konzentrierte er sich mehr auf Klarheit und klangliche Feinabstimmung. Obwohl er von der Fachkritik in technischer Hinsicht häufig als weltweit konkurrenzlos eingestuft wurde, galten seine Interpretationen in der Zeit teilweise als zu glatt und spannungslos. Spätere Interpretationen zeigten wieder ein höheres Maß an Impulsivität und Ausdruckskraft.

Ich verteidige sonst immer Wikipedia, aber hier hat das Evaluationssystem von Wikipedia nicht seine richtige Wirkung entfaltet, um es mal vorsichtig auszudrücken. Da wird erst einmal keine Quelle angegeben und die Formulierung ist dubios und "Wischiwaschi": "teilweise". Was heißt das? War das nun die allgemeine Meinung oder nur eine Einzelmeinung, die nur immer wieder zitiert wurde? Wenn man Pollinis Tondokumente kennt, kann man das jedenfalls nicht nachvollziehen. Eher spricht viel dafür, dass es da einen Rezensenten gab, der mit dem bis dato ungewohnten neusachlichen Interpretationsstil, der sich in den 60igern etablierte und woran Pollini einen maßgeblichen Anteil hatte, nicht so recht klar kam (Stichwort "Klarheit"). Die verfügbaren Tondokumente geben dafür jedenfalls keinen Beleg für diese Behauptung. Wenn man die Aufnahmen selbst vom Chopin-Wettbewerb mit späteren vergleicht, dann zeigen sie, dass Pollini zu den erstaunlich frühreifen Musikern gehört, die schon mit 18 im Grunde eine "fertige" Persönlichkeit waren. Natürlich gibt es auch eine Entwicklung bei Pollini und einen ausgeprägten Spätstil, aber die Grundzüge seiner Interpretation sind immer die geblieben, die sie ganz zu Anfang waren.

Bei Youtube gibt es dieses erstaunliche Dokument - eine Aufnahme von Prokofieffs Konzert Nr. 3 von 1968. Das finde ich sensationell und bin sehr traurig, dass man das nicht auf CD oder DVD bekommt. Wer das "glatt" und "spannungslos" findet, der sollte einen Ohrenarzt aufsuchen... :D Ich habe Pollini mit 34 etwa im Konzert gehört und mir ist das noch heute unvergessen. Er spielte mit einer schier unglaublichen Kraft und einem Stehvermögen, das seinesgleichen suchte. Keine der Studioaufnahmen gibt es so richtig wieder.

Ironische Zusatzanmerkung: Bei Lang Lang klingt genau dieses Prokofieff-Konzert so (nämlich sentimental), als stamme es aus einer vergangenen Epoche, jedenfalls nicht nach umstürzlerischer "moderner" Klaviermusik des 20. Jhd.

Schöne Grüße
Holger


Dr. Holger Kaletha

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334

Mittwoch, 26. April 2017, 15:20

Du sprachst von Gerhard Oppitz, den du sicherlich schon oft im Konzert erlebt hast. Ich habe ihn zweimal im Konzert erlebt.
Ich einmal - mit dem schwierigen Reger-Klavierkonzert in Bielefeld. Das war ein wirklich wunderbarer Abend! :hello:

William B.A.

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  • »William B.A.« ist männlich

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335

Mittwoch, 26. April 2017, 15:43

Lieber Hans,

vielen Dank für diese Einladung, die ich sofort in meinen Terminkalender eingetragen habe. Welch ein schönes Programm, da die Clemenza Ouvertüre zu meinen Lieblingsouvertüren von Mozart zählt und KV 491 mein absolutes Mozartkonzert ist. Auch die Achte Beethoven gehört zu meien Lieblingen. Die Burleske habe ich zufällig dabei unter Reiner mit seiner Chikago Symphony mit Byron Janis und werde sie nachher gleich hören.
Eine Bitte habe ich noch: Da du ja sicher Kontakt zu Gerhard Oppitz hast, den ich vor vielen Jahren an meinem damaligen Wohnort Coesfeld-Lette zum ersten Male live erlebt habe (Beethoven und Brahms). könntest du ihn frragen, ob es möglich wäre, ihm am 5. Februar nächsten Jahres telefonisch in meiner Eigewnschaft als Chronist des Forums zum 65. Geburtstag zu gratulieren? Falls du meine Nummer nicht hast, gib mir hier einen Tipp, dann rufe ich dich an. Deine Nummer habe ich ja.

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

William B.A.

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336

Mittwoch, 26. April 2017, 15:59

Zitat

Stimmenliebhaber:

Heute, 13:48

Zitat von »William B.A.«
Lang Lang sollte vielleicht mal solche Recitals besuchen wie die von Gerhard Oppitz, dann könnte er eine Menge über Werktreue lernen.

"Werktreue"? Dieser in der Opernregiewelt mittlerweile so veröhnte Begriff? :D
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


Lieber Stimmenliebhaber,

Wie du sicher weißt, ist Gerhard Oppitz ja Gottseidank kein Sänger, und auch Lang Lang nicht, und in der Klavierwelt sowie in der ganzen Instrumentalwelt gilt Werktreue ja noch etwas. Aber wie ich dich kenne, war das wieder einer deiner "orignellen Scherze". :D Du hast übrigens sehr passende Programmpunkte ausgesucht für das Konzert am 29. 4. 2018.

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
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Dr. Holger Kaletha

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337

Mittwoch, 26. April 2017, 16:06

Lang Lang sollte vielleicht mal solche Recitals besuchen wie die von Gerhard Oppitz, dann könnte er eine Menge über Werktreue lernen.
Für mich, lieber Willi, liegt das Lang Lang-Problem eigentlich woanders, nämlich beim Vortragsstil. Es giebt ja nicht nur den Werkaspekt, sondern auch den Aspekt der Aufführung. Die Aufführung soll ein Werk wieder lebendig machen, d.h. es soll von ihr eine belebende Wirkung ausgehen. Das kommt zum Aspekt der Werktreue bzw. Werkgerechtigkeit noch hinzu. Wie das geschieht, da gibt es nun verschiedene Ansätze, die letztlich in der Kultur, der Erziehung und dem Naturell des Interpreten gründen. Die Rhetorik neigt zu einer gewissen Übertreibung, um dadurch den Eindruck von Leben und Ausdrucksleben zu erwecken. Bei Lang Lang kommt noch der Aspekt der Theatralisierung hinzu. Er spielt die Musik immer gewissermaßen mit erhobenem Zeigefinger wie vorgeführt von einem Conferencier: "Meine Damen und Herren, aufgepasst, hier sehen sie diese aufregende Wendung von Beethoven und dann gleich diese!" Das alles wäre noch in Ordnung, wenn der Interpret nur reflektieren würde. Wirklich überlegene Interpreten können sich zurücknehmen, wenn sie merken, dass ihr Vortragstil mal nicht so zu einem bestimmten Werk passt. In diesem Punkt scheint Lang Lang aber einfach zu naiv zu sein. Das alles wirkt ein bisschen kindlich-kindisch, wie Glockenton so schön geschrieben hat. Genauso wenig wie Schumanns Kinderszenen solch eine Theatralisierung vertragen, verträgt sie Chopins G-moll-Ballade, ohne dass es einfach komisch oder lächerlich wird.

Herzlich grüßend
Holger

Christian B.

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338

Mittwoch, 26. April 2017, 16:38

Bei Lang Lang kommt noch der Aspekt der Theatralisierung hinzu.
Das bringt es auf den Punkt! Ich muss allerdings sagen, dass ich nicht wenige Menschen kenne, die ihn gerade deshalb toll finden und sonst gar keine Klaviermusik hören. Aber von seinem 'theatralischen' Stil sind sie begeistert. Und das finde ich auch völlig in Ordnung. Es gibt doch viel zu wenig Angebote, die ein neues Publikum erreichen. Und vielleicht beginnt der eine oder andere auch mal in andere Aufnahmen reinzuhören, weil Lang Lang ihn angezündet hat.

Viele Grüße
Christian

William B.A.

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  • »William B.A.« ist männlich

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339

Mittwoch, 26. April 2017, 16:46

Ich glaube, lieber Holger,

dass diese meine folgende Rezension vom 30. 11. 2014 ganz gut umschreibt, was du und auch ich meinen, was ich hier an vielen Stellen der Partitur deutlich gemacht habe:

Zitat

William B.A., 30. 11. 2014:

Beethoven, Sonate Nr. 23 f-moll op. 57 "Appassionata"
Lang Lang, Klavier
AD: Februar/März 2010
Spielzeiten: 10:46-7:15-7:57 -- 25:58 min.;

Lang Lang wählt ein gemessenes Tempo und einen runden Ton, als wenn er es von (seinem zeitweiligen Lehrer?) Daniel Barenboim abgelauscht hätte. Da will, trotz aller technischen Fähigkeiten, nicht so rechtes Appassionata-Gefühl aufkommen. Den Trillertakten fehlt es an der nötigen Schärfe, und die Fortissimotakte, speziell der erste, passen in ihrer plötzlichen Heftigkeit nicht in den Kontext des Hauptsatzes. Das ist alles wunderbar gespielt, aber in seinem dramatischen Gehalt, würde er von einem Richter, einem Gilels, einem Solomon, aber auch von einem Arrau, locker an die Wand gespielt.
Auch sät sein Dolce zu brav, man merkt nicht, dass man im Kopfsatz der Appassionata ist. Selbst der Takt 42, der bei einigen Pianisten wie ein Fallbeil dazwischen fährt, lässt die nötige Aggressivität vermissen. Sogar die Trillertakte und absteigenden Achtel lassen es an der sonst zu hörenden Kälte mangeln. Es ist alles ein wenig beliebig.
Auch sein Schlusssatz, ab Takt 51, obwohl mit Kraft gespielt, aber ohne Aggressivität. Die Triller in Takt 71 und 73 sind akzentuiert, aber lediglich lautstärkemäßig, nicht von der Klangfarbe her verändert. Im zweiten Teil der Durchführung mit den Oktavwechseln des Themas ist es interessant zu beobachten, dass er mit seiner Körpersprache eine Dramatik ausdrückt, die nicht aus seiner Musik kommt. Wenn ich bei den beiden Sforzandoakkorden in Takt 91 aus dem Sitz hochschnelle, dies aber nicht auf die Musik übertrage, entsteht ein seltsames Missverhältnis zwischen Körpersprache und musikalischem Ausdruck.
Das lyrische Zwischenstück ab Takt 93 ist wunderbar gespielt und pass sehr gut zu dem bisher Gespielten, Harmonisierten, aber nicht zu dem Furor, der gemeinhin in der Appassionata herrscht.
(Rubinstein sagte einst, als Barenboim ihm vorgespielt hatte, wenn dieser nach Amerika käme, brauchte er, Rubinstein dort nicht mehr aufzutreten. Was nun die Appassionata betrifft, so brauchte Rubinstein diese Befürchtungen niemals zu haben). Selbst in dem Crescendo zwischen Takt 105 und 108 fährt er in dieser Hamonie fort, zumindest in der rechten Hand und zieht so das lyrische Zwischenstück weiter bis in das Dolcethema ab Takt 109. Da hat bei anderen Pianisten längst der Baum gebrannt. Das geht ohne das geringste Drama so weiter bis zum Dolce-Thema in der hohen Oktave in Takt 117-119, erst in der Themenverkürzung steigert er etwas, und in der virtuosen Steigerung ab Takt 123 passt sein Mienenspiel immer weniger zur gespielten Musik, und in der Überleitung, die er gleichwohl fortissimo spielt, entgleiten ihm die Gesichtszüge samt den Körperzuckungen vollends. Das wirkt da nur noch lächerlich.
Auch die Reprise ist an Harmlosigkeit kaum zu übertreffen. Auch hier ist sich Lang Lang, wie uns sein Gesichtsausdruck glauben macht, des Ernstes dieser Sonate gar nicht bewusst, sonst würde er in dem Moll-Übergang zum Dolcethema nicht widerholt unmotiviert grinsen.
Wenigstens geht diesmal vom Wiedereinsatz des Schlusssatzes im Gegensatz zur Exposition ein gewisser Impuls aus, obwohl er in der hohen Oktave nachdem Dolcethema Takt 210-212 zu lange mit dem Untergang des Themas wartet, die Triolen und die Arpeggien recht schwungvoll spielt, aber wiederum mit einem völlig deplatzierten Grinsen im Gesicht. Das ist eine der brutalsten Passagen in dem ganzen Satz. Das ist bitteres Drama, kein zirzensisches Kunststückchen.
Bei der ebenfalls harmlosen Coda bleibt es mir leider nicht erspart, in sein Gesicht zu sehen.

Mit dem Andante könnte man sich schon eher anfreunden, wenn man nicht dauernd wieder in das Gesicht schauen müsste. Ich habe ja drei DVD's von Arrau mit der Appassionata, aber nicht einer auch nur ähnlichen Gesichtszüge in auch nur einer Aufnahme ist bei ihm zu erblicken. Wenigsten dynamisch beachtet er die Steigerungen im Thema und in den ersten beiden Variationen. In der dritten Variation fährt er völlig unverständlicherweise wieder in der dynamischen Behandlung der Partitur zurück. Das ist einfach nur lieblich, nicht die Andeutung eines dramatischen Ansatzes ist zu erkennen. Das ist gegenüber den meisten anderen ein Rückschritt auch in diesem Satz.

Im Finale ist nichts neues zu vermelden, obwohl er sich pianistisch von ihm herausgefordert fühlt, taucht jedes Mal, wenn sein Gesicht ins Bild kommt, das Missverhältnis zwischen dem "Ernst der Lage" und seinem Gesichtsausdruck auf, abgesehen von den während des ganzen Stücks übertriebenen gymnastischen Übungen seines Oberkörpers. Ich glaube, das hat er sich zu genau von Kempff, Brendel und Lupu abgeschaut.

Nein, wie schon verschiedentlich im Forum gesagt wurde, er hätte vom Pianistischen her sicherlich das Zeug zu großen Interpretationen, wenn er sich auf das Wesentliche konzentrieren und die völlig übertriebenen Körpersprache und damit sich selbst hintanstellen würde. Aber dazu müsste er erst mal den Menschen finden, der es fertigbringen würde, ihn dahin zu bringen.
Wenn er solche Stücke wie die Appassionata spielt, muss er sich an seinen KollegInnen messen lassen, und da ist er im Moment meines Erachtens noch "gewogen und zu leicht befunden".

Liebe Grüße

Willi



Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
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Stimmenliebhaber

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340

Mittwoch, 26. April 2017, 17:02

Lieber Stimmenliebhaber,

Wie du sicher weißt, ist Gerhard Oppitz ja Gottseidank kein Sänger, und auch Lang Lang nicht, und in der Klavierwelt sowie in der ganzen Instrumentalwelt gilt Werktreue ja noch etwas. Aber wie ich dich kenne, war das wieder einer deiner "orignellen Scherze". :D

Lieber Willi,

nein, das war gar kein Scherz, mich wundert es wirklich, dass einige (und damit meine ich nicht dich!) hier offenbar die "Werktreue" hochhalten und in der Oper drauf scheißen...
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

Dr. Holger Kaletha

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341

Mittwoch, 26. April 2017, 17:03

Lieber Willi,

das hast Du trefflich beschrieben - und da sind wir uns völlig einig. Ich hatte das "Lang Langs Appassionata-Zirkus" genannt, hier im Thread Beitrag 195:

Lang Lang - Strohfeuer oder Dauerbrenner

Du hast nur einen kleinen Fehler gemacht: Rubinstein meinte natürlich nicht Barenboim, sondern den jungen Emil Gilels. :D :hello:

Herzlich grüßend
Holger

Dr. Holger Kaletha

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342

Mittwoch, 26. April 2017, 17:28

hier offenbar die "Werktreue" hochhalten und in der Oper drauf scheißen...

... hier scheißt einer einfach drauf, was ich schreibe. Erst einmal ist "Werktreue" nicht gleich "Librettotreue" oder "Partiturtreue". Da geht es schon los.

Das ist hier aber nicht das Thema, sondern Lang Lang. Pointieren, zur Bildhaftigkeit verdichten, Theatralisieren sind Vortragsmittel, die an sich weder gut oder böse sind. Sie müssen nur richtig dosiert werden. Dazu bedarf es einer Analyse, die nicht nur einen notentreuen Vortrag meint, sondern eine, die nach dem Sinn fragt, danach, was mit dem Notentext ausgedrückt werden soll, was gewissermaßen "hinter" den Noten steht und nicht aufgeschrieben werden kann - philosophisch ausgedrückt: Es gilt, den Geist hinter den Buchstaben zu finden. Der Interpret sollte dann seinen Vortragsstil so wählen, dass die Aussage eines Werkes damit nicht völlig verdeckt und verstellt wird, sondern "besser" zum Ausdruck kommt. Auch Pollini hat sich mal so geäußert, dass man heute Beethoven nicht mehr so vortragen kann wie zur Zeit Beethovens, also die Mittel des Vortrags der heutigen Zeit anpassen muss. Aber dazu muss man sich erst einmal um ein angemessenes Sinnverständnis bemühen. Genau daran mangelt es aber einem Lang Lang. Ein Vortrag darf eine "Wirkung" erzielen wollen, nur darf der wirkungsästhetische Aspekt sich dabei nicht verselbständigen und zum Selbstzweck werden. Diese Grenze hat Lang Lang bei der Appassionata z.B. leider überschritten. Da kehrt sich dann die erzielte Wirkung gegen den Ausdruckssinn, wird im wahrsten Sinne des Wortes sinn-widrig. Und dann darf man so eine Interpretation als misslungen bezeichnen.

Schöne Grüße
Holger

William B.A.

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343

Mittwoch, 26. April 2017, 21:00

Zitat

Du hast nur einen kleinen Fehler gemacht: Rubinstein meinte natürlich nicht Barenboim, sondern den jungen Emil Gilels. :D :hello:

Lieber Holger,

wenn, dann habe nicht ich den Fehler gemacht, sondern der Autor, der das Booklet der 1. Gesamtaufnahme der Beethoven-Sonaten Barenboims geschrieben hat. Denn da stand es drin. Das muss so kurz vor 1960 gewesen sein, als der junge Barenboim Rubinstein vorspielte. Ich kann mich nicht erinnern, dass der "junge Gilels", und das hätte so in den 30er Jahren sein müssen, Rubinstein vorgespielt hätte. Erst 1938 war Gilels im Ausland, in Brüssel beim Concours Musicale Reine Elisabeth, den er gewann, u. a. vor ABM. Erst 1955 debütierte er in Amerika. Da war er schon fast 40. Und als er so umjubelt wurde, hat er wohl sinngemäß gesagt: "Wartet erst, bis ihr Richter gehört habt."
Wenn ich wieder zu Hause bin, werde ich das noch mal nachlesen.

Liebe Grüße

Willi :)
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Dr. Holger Kaletha

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344

Mittwoch, 26. April 2017, 22:03

Lieber Willi,

es war eindeutig Gilels. Denn vor Barenboims Oktaven muss man nun wirklich keine Angst haben. Ich habe ja auch die Rubinstein-Autobiographien (beide) .. :D :D

Herzlich grüßend
Holger

William B.A.

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345

Mittwoch, 26. April 2017, 23:05

Jetzt (nach dem Fußballspiel) bin ich fast geneigt, dir zu glauben, denn ich habe inzwischen die ersten Teile der kurzen Gilels-Biografie auf der Homepage der Gilels-Foundation gelesen, und da steht Folgendes:

Zitat

Gilels-Biografie: Die Resultate ließen nicht lange auf sich warten. Anfang der 30er Jahre kamen viele berühmte Musiker nach Odessa. Gilels spielte für A. Borowskij und Artur Rubinstein. Ihren Eindruck beschrieben sie unabhängig voneinander mit dem Wort „erschütternd“. Rubinstein prophezeite, dass Gilels nach Amerika kommen und dort alle, ihn selbst mit eingeschlossen, in den Schatten stellen werde.

Ich werde dennoch zu Hause auch das Barenboim-Booklet durchlesen, weil mir der Wortlaut, den ich dort verorte, anders in Erinnerung ist.

Liebe Grüße

Willi :)
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Dr. Holger Kaletha

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346

Donnerstag, 27. April 2017, 06:38

Erst 1938 war Gilels im Ausland, in Brüssel beim Concours Musicale Reine Elisabeth, den er gewann, u. a. vor ABM.
Lieber Willi,

ich habe gerade in die Rubinstein-Biographie geschaut: Rubinstein lernte Gilels 1937/38 kennen während einer Konzertreise durch Russland, wo der ganz junge Gilels ihm vorspielte. Rubinstein selbst saß 1938 in Brüssel in der Jury, die Gilels dann den 1. Preis verlieh. (Man darf nicht vergessen, dass Gilels 4 Jahre älter ist als ABM, was in sehr jungen Jahren viel ist. ABM war da 18, Gilels 22 Jahre alt. ABMs Durchbruch war der Gewinn des Wettbewerbs in Genf 1939.) Lustig: Manche Geschichten werden einfach immer wieder falsch erzählt. So wird immer gerne im Zusammenhang des Gilels-Vorspiels behauptet, durch Rubinstein sei Gilels überhaupt erst ermuntert worden, Konzertpianist zu werden. Rubinstein schreibt aber (und wertet das als Kuriosität), dass Svjatoslav Richter (!) später zu ihm kam und ihm sagte, er habe ihn 1938 mit "Petruschka" gehört und daraufhin beschlossen, Konzertpianist zu werden. :D

Herzlich grüßend
Holger