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pbrixius

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Registrierungsdatum: 15. Dezember 2006

1

Freitag, 15. August 2008, 14:26

Haydn, Joseph: Sinfonie Nr. 10 D-Dur

Die Sinfonie Nr. 10 D-dur ist 1761 entstanden. Ihre Besetzung umfasst zwei Oboen, zwei Hörner, Streicher und Continuo (Violoncello, Bass und Fagott spielen dasselbe). Die Sinfonie ist dreisätzig, dem 1. Satz (Allegro) folgt ein langsamer Satz (Andante), der dritte Satz ist wieder ein Sonatensatz (Presto).

Die Sinfonie gehört zu den vier Sinfonien in D, die Haydn für den Grafen Morzin geschrieben hat (die anderen sind die Nummern 1, 4 und 15). Diese Werke haben einen ausgesprochen brillanten Charakter. Der zeichnet schon das Hauptthema aus, das mit seinen starken Kontraste und vollen Akkorden in den Violinen den Satz beginnt. Ein Forteschlag steht zu Beginn, dann folgen drei gebundene Noten in der 1. Violine über einer federnden Figur in den zweiten im Piano und dann wieder vier akkordische Achtelschläge, durch die Achtelpausen dazwischen deutlich abgesetzt über einer pendelnden Bewegung in den Violen und im Bass. In der weiteren Fortspinnung des Hauptthema spielt vor allem Sechzehntelfigur in den Violinen eine Rolle, die dem Ganzen einen lebhaft vorwärtsdrängenden Charakter gibt. Das Seitenthema (T. 24) im Piano führt wieder zu einer brillanten Schlussgruppe im Forte. Kaum hat die Durchführung begonnen, "verwirrt" Haydn schon mit einer Scheinreprise, die hier damit zu tun hat, dass Haydn so auf kurzem Weg zur Tonika zurück gekommen ist und nun erst richtig in die Durchführung einsteigt. Die damaligen Hörer muss es in ihrer Erwartung schon mal kräftig durchgeschüttelt haben. Der Durchführungsteil wird wie üblich mit der Reprise wiederholt.

Der zweite Satz ist ein Andante in G-dur (2/4) nur für die Streicher. Das Thema ist geprägt durch Seufzermotivik. Die musikalische Sprache ist eher zurückhaltend, am Ende des ersten Teiles gibt es allerdings eine Gruppe, in der es einen mehrfachen Wechsel zwischen p und f gibt. So setzt dann auch der zweite Teil ein, beruhigt sich aber bald wieder zu dem ausgewogenen Fortgang. Am Ende des zweiten Teiles wiederholt sich der Einsatz von dynamischen Kontrasten.

[Bemerkungen zum 3. Satz werden nach Rückkunft noch eingefügt]


Liebe Grüße Peter
Sie hätten's wenigstens nur sehen sollen. Das ganze mich in das Tanzen versunken.
(Goethe)

Alfred_Schmidt

Administrator

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Beiträge: 17 908

Registrierungsdatum: 9. August 2004

2

Mittwoch, 28. Juni 2017, 13:19

Die frühe - dreisätzig angelegte - Sinfonie Nr 10 (ohne Menuett) dürfte scheinbar niemanden so richtig interessieren, denn die Angaben in den Konzertführern sind spärlich bis nicht vorhanden.
Das ist schade, denn diese Sinfonie sprüht in den Ecksätzen geradezu vor Vitalität - Man beachte den geradezu forsch-fröhlichen Beginn. Gleich nach dem etwas Heftigen ersten Tönen folgen die Hörner dem Satz ein lieblicheres Gepräge geben, ihn wärmer färben, und dennoch die Festigkeit betonen. Das Werk ist generell ausgesprochen bläserbetont und klangschön und weist ziemliche Kontraste auf, ist indes keineswegs schroff. Sie wird nicht zu den "Sturm und Drang-Sinfonien" Haydns gezählt. Der zweite Satz beginnt beinahe zärtlich (ist mir in voller Klarheit erst beim 2. Mal hören bewußt geworden) gleitet aber dann ein wenig ins unauffällige ab, daß man beinahe erschrickt wenn der 3. (Presto) einsetzt, fast ein wenig "aufdringlich" ähnich, wie "heißa Juchei"....Die Sinfonie ist IMO ein gutes Zeugnis dafür, daß auch Haydns frühe Sinfonien wunderbare Musik sind, und man sie keines falls den "berühmteren" gegenüber benachteiligen darf. Es ist halt so, daß man in Haydns langem Leben unter "Sinfonie" stets etwas anderes verstand, der Publikumsgeschmack hatte sich in den ca 50 Jahren Haydns aktiver Zeit mehrfach gewandelt.....
Ich habe hier - obwohl ich die Goodman Aufnahme besitze - die Aufnahme der Heidelberger Sinfoniker eingestellt, ein weiterer geplanter Zyklus, der nun nicht fertiggestellt werden dürfte.

mfg aus Wien
Alfred

Wo ein Internetforum ist, da ist auch der Teufel nicht weit
(Alfred Schmidt)

Don_Gaiferos

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Beiträge: 1 180

Registrierungsdatum: 4. Juni 2013

3

Freitag, 7. Juli 2017, 21:13

Ich habe auch die Symphonie Nr. 10 in verschiedenen Einspielungen gehört und finde sie ebenfalls zu Unrecht vernachlässigt - ihr heller, lichtdurchfluteter, wonnevoller Charakter ist sicherlich kein Kriterium, sie gering zu achten - ob das kritische Ohr des Hörers dies als allzu gefällig und oberflächlich betrachtet? Oder ob er wohl im Licht der späteren Symphonien geringschätzig auf dieses Werk herabblickt? Beides fände ich unangemessen. Auch die Schlichtheit und Ungekünsteltheit des 2. Satzes empfinde ich als außergewöhnlich anrührend, pur und rein in seiner kostbaren, fragilen Schönheit. Sollte dort eben diese (vermeintliche!) Einfachheit zu dem Ergebnis führen, der Satz sei simpel und daher nicht hörenswert? Richtig gespielt ist dieser Satz für mich ein Kleinod und aller Ehren wert. Wem ein am Blattesrand zitternder Wassertropfen, in dem das Sonnenlicht gleißt und funkelt, beachtenswert erscheint, der wird diese Symphonie lieben.