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romeo&julia

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1

Dienstag, 21. März 2006, 09:08

Nikita Magaloff, der Chopin-Interpret und Lehrer

Hallo liebe TaminoanerInnen

Nikita Magaloff (* 8. Februar 1912 in St. Petersburg, Russland; † 26. Dezember 1992 in der Schweiz)



Er war Schüler von Isidor Philip in Paris, verheiratet mit der Tochter des berühmten ungarischen Geigers Joseph Szigeti, lebte zuletzt am Genfersee/Schweiz. Zeitweise war er auch Professor am Konservatorium in Genf als Nachfolger Dinu Lipattis. Berühmte Schüler wie Maria Tipo usw. unterrichtete er. Er war als jahrzehntelanger künstlerischer Leiter des Clara-Haskil-Wettbewerbs von Montreux-Vevey ein Musiker von beträchtlichem Einfluss.
Auf der Schallplatte trat er nur einmal wirklich prominent in Erscheinung: als Philips in den siebziger Jahren mit ihm sämtliche Klavierwerke von Chopin einspielte und damit ein Vorhaben festhielt, das Magaloff als erster Pianist nach Alexander Brailowsky zum Theam einer Konzertserie zu machen gewagt hatte. Magaloff war da bereits ein Sechziger. Man kann seine Aufnahmen daher in gewisser Weise als eine Summe jahrzehntelanger Auseinandersetzung mit der Musik des grossen Polen Chopin bezeichnen.
Ferner war er Interpret von Mozart, Beethoven, Schumann, Liszt aber auch von Scarlatti und den Wiener Klassikern bis hin zu Bartok uns Strawinsky.
Seine Qualitäten liegen im klangschönen und gelassenen Fluss des Musizierens. Es legt seine Interpretation grosszügig und grosskalibrig, aber auch mit der emotionalen Distanz des Routiniers hin, die Musik entfaltet sich als ein unforciertes, klangschönes Alfresco. Sie wirkt dabei oft allerdings auch ein bisschen spannungsarm und grobkörnig. Der Notentext wird mit gewissem Desinteresse am Detail abgehandelt , und die manuell fordernden Stellen und Stücke klingen manchmal eher skizzenhaft.
In Deutschland kam Nikita Magaloff nie auf einen grünen Zweig.

Wer kennt den Pianisten und welche Aufnahmen gefallen Euch von Magaloff?

Herzliche Grüsse

romeo&julia

Caesar73

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2

Dienstag, 21. März 2006, 10:46

RE: Nikita Magaloff, der Chopin-Interpret und Lehrer

Zitat

Original von romeo&julia

In Deutschland kam Nikita Magaloff nie auf einen grünen Zweig.



Nikita Magaloff kenne ich nur dem Namen nach. Aufnhamen von ihm besitze ich nicht. Irgendwie hatte ich bisher noch keinen Grund gefunden mich näher mit ihm zu beschäftigen. Welche Aufnahmen könnt Ihr empfehlen?

Herzliche Grüße,:hello: :hello:

Christian
Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

petemonova

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3

Dienstag, 21. März 2006, 11:35

Hallo romeo&julia, hallo Christian.

In meinen Unverzichtbaren habe ich schon auf diesen Pianisten aufmerksam gemacht, der mich mit einer Live-Aufnahme mit französischem Repertoire (Debussy, Faurße, Ravel) mehr als begeistert hat.

Genaueres ist hier nachzulesen.

Allerdings bin ich gerade etwas verwirrt, da ihr Magaloffs Sterbejahr auf 1982 gelegt habt und meine Aufnahme von einem französischen Festival stammt, das 1988 stattfand. Da müsste Magaloff also noch gelebt haben.


Gruß, Peter.
Musik zu hören ist zweifellos eine der extravagantesten Arten, sein Geld auszugeben.
- Mauricio Kagel

romeo&julia

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4

Dienstag, 21. März 2006, 13:02

Hallo Peter

Danke für den Hinweis, Magaloff ist tatsächlich im Jahre 1992 verstorben. Wir haben uns vertippt. Wir versuchen den Eintrag zu ändern.

Gruss

romeo&julia

romeo&julia

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5

Sonntag, 20. Februar 2011, 21:37

Hallo liebe TaminoanerInnen

Seit längerer Zeit wurde in diesem Thread über Magaloff nicht mehr berichtet.

Gerne nehmen wir den Faden wieder auf. Nikita Magaloff war ein Suchender, so verwundert es nicht, dass er sich auch mit zeitgenössischen Komponisten auseinander setzte. In seinem Repertoire waren Luigi Dallapicola und Antonio Soler. Zudem studierte er moderne Kompositionstechnik bei Maurice Ravel und Prokofiev. Zudem war er während seiner ganzen Karriere aufgeschlossen für andere Interpretationskonzepte und wandte sich 1932 an Arthur Schnabel um Beethoven und Schubert besser kennenzulernen.

Ein Beispiel für die Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Komponisten ist die folgende Einspielung aus dem Jahre 1969:



Luigi Dallapiccola: Sonatine für Klavier und Maurice Ravel: Gaspard de la nuit

Auch möchten wir noch eine Einspielung mit der 3. Klaviersonate von Chopin empfehlen. Chopin war schliesslich Nikita Magaloffs Kernrepertoire. Sein Credo lautete: „Chopins Musik soll gefühlvoll gespielt werden, aber niemals sentimental." Magaloff beeindruckt bei dieser 1954 eingespielten Sonate durch elegantes, fliessendes und rhythmisches Musizieren mit makelloser Textwiedergabe. Neben der Klaviersonate Nr. 3 op. 58 sind noch die Impromptu sowie ein wunderbare gespeiltes Berceuse auf der Platte enthalten.



Herzliche Grüsse

romeo&julia

Dr. Holger Kaletha

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6

Samstag, 26. August 2017, 22:42



Siamak verdanke ich die Anschaffung dieses beeindruckenden Konzertmitschnitts aus dem Rundfunk der italienischen Schweiz (Lugano). Danke Siamak! :) Wie berührend er das Thema der "Variations serieuses" aussingt und dieses wunderschöne Mendelssohn-Stück eben nicht nur virtuos-brillant spielt, sondern romantisch beseelt! Auch der Mozart ist ganz wunderbar organisch. Dann stehen die Scriabin-Etüden auf dem Programm, von denen ich von ihm auch die Studioaufnahme habe. Die Zugabe von Glinka/Balakireff "Die Lerche" zeigt die Dramaturgie so eines Konzertabends. Weniger romantisch-verträumt das Thema als ein bisschen forciert unruhig nach den exaltiert-spätromantischen Scriabin-Etüden. Ein wirklich sehr hörenswertes Dokument!!! :)

Schöne Grüße
Holger

AcomA02

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7

Sonntag, 27. August 2017, 01:56



Siamak verdanke ich die Anschaffung dieses beeindruckenden Konzertmitschnitts aus dem Rundfunk der italienischen Schweiz (Lugano). Danke Siamak! :) Wie berührend er das Thema der "Variations serieuses" aussingt und dieses wunderschöne Mendelssohn-Stück eben nicht nur virtuos-brillant spielt, sondern romantisch beseelt! Auch der Mozart ist ganz wunderbar organisch. Dann stehen die Scriabin-Etüden auf dem Programm, von denen ich von ihm auch die Studioaufnahme habe. Die Zugabe von Glinka/Balakireff "Die Lerche" zeigt die Dramaturgie so eines Konzertabends. Weniger romantisch-verträumt das Thema als ein bisschen forciert unruhig nach den exaltiert-spätromantischen Scriabin-Etüden. Ein wirklich sehr hörenswertes Dokument!!! :)

Schöne Grüße
Holger
Lieber Holger,

das freut mich ungemein, dass Du diesen Mitschnitt hören könntest. Hast Du auch den Essay von Piero Rattalino im Booklet gelesen? Ich mag seine Klavier-Essays sehr.

LG Siamak

Dr. Holger Kaletha

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8

Sonntag, 27. August 2017, 15:22

Herzlichen Dank, lieber Siamak. Ohne Deinen Hinweis hätte ich gar nicht geschaut! :) Ich musste allerdings das Booklet neu zusammentuckern, das war völlig durcheinander. :D Der Klappentext von Rattalino ist wirklich sehr lesenswert! Besonders, was er zur "Angst vor dem Tod" ausführt, leuchtet ein, die gewiise Unruhe erklärt sich so evident, finde ich. Ich müsste nur an die Chopin-Studioaufnahme kommen zum Vergleichen beim Walzer ... :hello:

Einen schönen Sonntag wünscht
Holger