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Samstag, 8. Januar 2011, 22:03

Wer Interesse an ihrer Biographie hat, dem empfehle die von Jerome Spycket
Titel: Clara Haskil Eine Biographie
Erschienen 1977 bei Hallwag.
Leider nur noch bei Ebay oder antiquarisch zu bekommen. Wenn man das gelesen hat, steigt die Bewunderung für diese Künstlerin noch mehr.

Ein anderes Clara Haskil-Buch - etwas jüngeren Datums (Erscheinungsjahr 1997) - habe ich mit Genuss gelesen: es enthält auf den S. 102 - 105 sogar einen Auszug aus der von Dir genannten Haskil-Biografie von Jérôme Spycket ("Mit der Hand Zeichen geben"):

Herausgeber des Buchs und Autor des einleitenden Essays ("Magische Augenblicke") ist Eike Wernhard.

Zum Threadtitel lege ich "Protest" ein: Clara Haskil war zwar eine große Mozart-Interpretin, doch ist das nur ein Aspekt von vielen. Gerade höre ich den Mitschnitt ihres wunderbaren Klavierabends vom 11. April 1953 aus dem Ludwigsburger Schloss

und genieße ihren Bach, ihren Scarlatti (für mich ist Haskils Scarlatti noch viel bewundernswerter als ihr Mozart), ihren Beethoven (auch wenn sie in der Sonate op. 111 zu Beginn des ersten Satzes bei 00:14 min. kapital danebengreift und auch danach nicht immer ganz sauber spielt), ihren Schumann (ihre "Bunten Blätter" op. 99 sind der Hammer!), ihren Debussy (wunderbar!) und ihren Ravel. Ebenso halte ich ihre Version von Hindemiths "Die vier Temperamente" für Klavier und Orchester

für völlig unerreicht. Ihr Chopin-Klavierkonzert Nr. 2, ihr Beethoven-Klavierkonzert Nr. 4, ihr Bach-Konzert für zwei Klaviere und Orchester C-Dur BWV 1061 (mit Geza Anda am zweiten Klavier), ihr de Falla (etwas weiter oben bereits gewürdigt), ihr Schubert (Sonate B-Dur DV 960) - und vor allem ihr Scarlatti, ihr Scarlatti und nochmals ihr Scarlatti zeigen, dass wir es mit einer ganz großen Künstlerin zu tun haben, die alles andere als eine reine Mozart-Spezialistin war. Die selbstverständlich wunderbar Mozart spielte. Nur spielte sie alles andere auch ebenso wunderbar.

moderato

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62

Samstag, 9. Februar 2013, 12:03

Ich besitze von Clara Haskil (1895-1960) bereits eine Einspielung mit dem Klavierkonzert op. 54, den "Kinderszenen" und Ausschnitten aus "Bunte Blätter" Robert Schumanns sowie den Mozart Violinsonaten, die sie mit Arthur Grumiaux eingespielt hatte.

Nun habe ich mir diese Box angeschafft, um meine Sammlung mit ihren Interpretationen zu vervollständigen.

Dann ging ich im Tamino-Forum auf die Suche. Mit Gewinn habe ich die Beiträge über Clara Haskil in diesem Thread gelesen.

Zur Zeit habe ich die von Rita Wolfensberger verfasste Biografie über Clara Haskil (Scherz, 1961) auf dem Lesepult liegen und erfahre über ihr Leben. Es mag verwundern, weshalb schon ein Jahr nach Haskils Tod eine Biografie erschien. Die Autorin hatte zwei Jahre Kontakt mit der Pianistin gehabt und an dem Text gearbeitet. Der Teil mit würdigenden Beiträgen befreundeter Musiker berührt mich besonders: Pierre Fournier, Ferenc Fricsay, Raphael Kubelik, Igor Markewitch und Peter Rybar. Wer das Klavierspiel Clara Haskils schätzt, muss sich dieses Buch anschaffen. Es wird antiquarisch noch erhältlich sein oder kann in einer Bibliothek ausgeliehen werden.

Zitat aus der Würdigung Igor Markewitchs, die an der Gedenkfeier im Jahre 1961 verlesen wurde:
"Die Sparsamkeit war denn auch immer das grösste Wunder in ihrem Spiel: Clara Haskil brachte es fertig, mit den Kräften einer Ameise zu singen wie eine herrliche Grille."

Dem Schicksal und der Tragik Clara Haskils war ich früher schon begegnet. Im Jahre 1991 schuf Klaus Kirschner für das Fernsehen eine Dokumentation: Erinnerungen an Clara Haskil. Hannelore Hoger spielte in diesem Schwarzweissfilm die Pianistin. Die Schauspielerin vermittelte durch ihre Mimik und Haltung eindringlich die Verlorenheit in einer feindlichen Welt, die Clara Haskil erleben musste. Als Jüdin musste sie ins Exil in die Schweiz fliehen. Nur aus dem Off wurden Briefe Haskils mit der Stimme Hogers zitiert.

Clara Haskil lebte in den letzten Jahren ihres Lebens in Vevey in der Schweiz. An zwei Fotografien kann ich mich erinnern: Die eine zeigt sie entspannt im Gespräch mit Charlie Chaplin. Der berühmte Schauspieler wohnte in der Nähe der Pianistin. Das zweite Bild zeigt Chaplin, wie er eine Rose auf Clara Haskils Grab auf dem Friedhof Monparnasse in Paris legt.
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Um ein guter Zuhörer zu sein, muss man eine musikalische Kultur erwerben...man muss vertraut sein mit der Geschichte und Entwicklung der Musik, man muss zuhören...Um die Musik zu empfangen, muss man seine Ohren öffnen und auf die Musik warten, man muss glauben, dass man sie braucht...Zuhören ist anstrengend, und blosses Hören ist keine Leistung. Auch eine Ente kann hören.
Igor Strawinsky

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sagitt

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63

Samstag, 9. Februar 2013, 15:12

Sagitt meint:

ich kann mit dem Titel leben, denn nur bei Mozart liefert sie geradezu unerreichbare Interpetationen, auch auch da nicht bei allen Aufnahmen. Aber ihre Darstellung v9on KV 595, 280, 265, zB sind so ueberirdisch perfekt, dass ich niemanden an ihre Seite stellen wuerde, selbst beste Mozart Interpreten wie Pires oder Zacharias nicht.

Es ist nicht nur der perfekte Anschlag, sondern auch die Gestaltung der Werke, bei ihrer Interpretation stellt sich mir ein, SO muss das klingen.

Da ich eigentlich alle anderen Haskilaufnahmen kenne, wuerde das von keiner anderen so schreiben koennen, wobei die technische Qualitaet leider oft sehr schlecht ist, zB D.960.

moderato

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64

Samstag, 9. Februar 2013, 16:00


Von Clara Haskil zwei private Filme.
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William B.A.

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65

Sonntag, 7. Dezember 2014, 22:46

Ich möchte daran eriinnern, dass Clara Haskil am 7. Dezember 1960 in Brüssel gestorben ist.

Heute ist ihr 54. Todestag.

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

timmiju

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66

Samstag, 13. Dezember 2014, 12:15

Zur Zeit habe ich die von Rita Wolfensberger verfasste Biografie über Clara Haskil (Scherz, 1961) auf dem Lesepult liegen und erfahre über ihr Leben. Es mag verwundern, weshalb schon ein Jahr nach Haskils Tod eine Biografie erschien. Die Autorin hatte zwei Jahre Kontakt mit der Pianistin gehabt und an dem Text gearbeitet. Der Teil mit würdigenden Beiträgen befreundeter Musiker berührt mich besonders: Pierre Fournier, Ferenc Fricsay, Raphael Kubelik, Igor Markewitch und Peter Rybar. Wer das Klavierspiel Clara Haskils schätzt, muss sich dieses Buch anschaffen. Es wird antiquarisch noch erhältlich sein oder kann in einer Bibliothek ausgeliehen werden.

Danke für den Hinweis. Gebraucht kann man es über amazon beziehen.

Ich habe nicht viele Aufnahmen mit dieser Künstlerin, aber von allen bin ich durchweg begeistert. Ihre Musikalität ist individuell und überzeugend, wirklich nicht nur bei Mozart,

ganz hervorragend habe ich sie hier in Beethovens G-Dur-Konzert gehört, mit einer faszinierenden eigenen Kadenz. Aber es stimmt auch, vor allem mit Mozart hat sie sich in die Musikgeschichte unsterblich eingetragen.
:hello:
Wenn schon nicht HIP, dann wenigstens TOP

William B.A.

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67

Mittwoch, 7. Januar 2015, 02:50

Ich darf daran erinnern, dass Clara Haskil, deren Todestag vor genau einem Monat war, am 7. Janaur 1895 in Bukarest geboren wurde.

Heute ist ihr 120. Geburtstag.

Liebe Grüße

Willi :)
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Rheingold1876

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68

Montag, 28. August 2017, 19:33

"Clara Haskil - Der Zauber der Interpretation"

Unter diesem Titel hat ARTE gestern einen neuen Film über die Pinaistin gesendet. Er ist noch in der Mediathek des Senders zu sehen - für 29 Tage.



Dieser Text ist auf der ARTE-Seite zu finden:

Zwischen Zerbrechlichkeit, Empfindsamkeit und Perfektion: Für Freunde wie Charlie Chaplin, aber auch für viele heutige Musiker war und ist die Schweizer Klaviervirtuosin Clara Haskil (1895-1960) eine Interpretin, die wie keine andere Maßstäbe gesetzt hat. Anhand von unveröffentlichten Klaviereinspielungen, Briefen und Interviews zeigt die Doku die Musikerin in neuem Licht.

Clara Haskil gilt als eine der größten Klaviervirtuosinnen des 20. Jahrhunderts. Ihr grenzenlos freies Spiel überzeugte durch eine unglaublich vitale Klangfülle: Dirigenten wie Christian Zacharias, Pianisten wie Michel Dalberto oder Eliane Reyes, Freunde wie Eugène Chaplin und der Maler Michael Garady sowie der Musikkritiker Alain Lompech erinnern sich an ihr Talent und ein Leben, das voller Musik, aber auch voller persönlicher Prüfungen und Drangsal war. Ergänzend zu den Interviews bringen Auszüge aus Clara Haskils Briefen dem Zuschauer ihr bewegtes Leben nahe. Clara Haskil wurde 1895 in Bukarest in eine jüdischen Familie geboren und galt bereits als Dreijährige als Wunderkind. In Wien und Paris studierte sie ab 1903 bei Richard Robert, Gabriel Fauré und Alfred Corot. Als 15-Jährige begab sie sich auf Konzerttourneen nach Frankreich, in die Schweiz und Italien. 1913 blockierten ernste gesundheitliche Probleme – aufgrund von Skoliose musste sie vier lange Jahre ein Gipskorsett tragen – zeitweise ihre Karriere. Nach zahlreichen Konzerten in Europa debütierte sie 1924 in den USA in New York und Boston. Ab 1927 lebte sie wieder in Paris. Im Mai 1942 musste ihr ein Tumor entfernt werden, der auf ihren Sehnerv drückte. Kurz vor der Besetzung Marseilles durch die deutsche Wehrmacht konnte sie sich im November 1942 in die Schweiz absetzen. Erst ab den 50er Jahren konnte sie von ihren Einnahmen leben und sich einen eigenen Flügel leisten. Erst in späteren Lebensjahren wurde sie als überragende Mozart-Interpretin ihrer Generation gefeiert. Clara Haskil starb 1960 in Brüssel an den Folgen eines Treppensturzes. Als Hommage an die unbeirrbare Frau und Künstlerin Clara Haskil sagte Charlie Chaplin auf ihrer Beerdigung: "In meinem Leben traf ich drei Genies: Clara Haskil, die beiden anderen waren Einstein und Sir Winston Churchill."
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

musikwanderer

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69

Montag, 28. August 2017, 21:15

Ja, das muss eine interessante Sendung gewesen sein (die ich leider zu 90 Prozent verpasst habe) und insofern ist Rheingold von meiner Seite aus zu danken, dass er auf die Mediathek hingewiesen hat. Da werde ich gerne hineinschauen und mich an so viele liebenswerte Worte erinnern, die Maria Stader in ihrer Biografie über Clara Haskil geschrieben hat.

:hello:
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MUSIKWANDERER