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AMATEURVIDEO-FILMFORUM-WIEN

zweiterbass

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  • »zweiterbass« ist männlich

Beiträge: 4 164

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31

Sonntag, 18. Januar 2015, 21:13

Hallo,

BR-Klassik hat im Spätherbst 2014 unter dem Titel "Licht und Schatten" eine mehrteilige Hörbiografie über Mozart gesendet
(einige Sendungen konnte ich hören) und diese nun auch auf einer CD-Box auf den Markt gebracht; diese Box kann ich mir ausleihen und werde dann berichten.

Viel Grüße
zweiterbass
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

lutgra

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  • »lutgra« ist männlich

Beiträge: 5 140

Registrierungsdatum: 9. April 2013

32

Sonntag, 18. Januar 2015, 21:24

Was ich vorab geschrieben habe, bedeutet nicht, dass ich nicht auch Versuche der Annäherung an das Phänomen Mozart hochinteressant finde. Deshalb danke für den Hinweis. Und einem meiner Lieblingskommissare lausche ich natürlich auch gerne. ;)

m-mueller

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  • »m-mueller« ist männlich

Beiträge: 3 604

Registrierungsdatum: 9. Januar 2007

33

Sonntag, 18. Januar 2015, 22:28

Das Bild wird vermutlich nicht ganz unwesentlich gestützt durch den Film "Amadeaus", in dem Mozart ja tendentiell als "Lebemann", nicht so sehr im Sinne von "Dandy" oder "Casanova", sondern eher im Sinne von "Luftikus", dargestellt wird. Jedenfalls hat man nach Schauen des Films nicht den Eindruck, er wäre ein eher ernster Mensch gewesen.

  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 498

Registrierungsdatum: 12. August 2005

34

Montag, 19. Januar 2015, 09:18

Ein "Lebemann" ist für mich jemand, der wirtschaftlich unabhängig ist und mit mäßigem Engagement, je nach Lust und Laune, macht, worauf er gerade Lust hat (insbesondere Wein, Weib und Gesang). Man kann so etwas auf Mozart projizieren. Es ist aber historisch schlicht und einfach falsch. :D
Das Arbeitspensum Mozarts und seine Verpflichtungen (die er auch als freischaffender Musiker hatte) stehen dem Dasein eines Lebemanns diametral entgegen. Außerdem war er Familienvater (nicht unerhebliche Mittel wurden für die Kuren, die seine Frau anscheinend benötigte, verbraucht und sein ältester Sohn wurde in einem Nobelinternat angemeldet). Er hat zwar auf relativ großem Fuß gelebt, aber wenn es gut lief, konnte er sich das auch leisten.
Wir wissen vielleicht über viele Details nicht Bescheid, aber wir wissen genug, um gewisse Legenden ziemlich gut ausschließen zu können. Der Amadeus-Film ist ein reines Phantasieprodukt (abgesehen von den Namen der Personen).
Das Buch ist inzwischen etwa 25 Jahre alt und im Detail vielleicht sogar überholt, aber Braunbehrens' "Mozart in Wien" ist eine immer noch sehr flüssig und interessant lesbare Darstellung der ca. 10 letzten Lebensjahre Mozarts. Es wird konsequent auf Psychologisieren im Zusammenhang mit der Musik verzichtet (von der Musik ist kaum die Rede)

  • »Joachim Schneider« ist männlich

Beiträge: 531

Registrierungsdatum: 31. Dezember 2013

35

Montag, 19. Januar 2015, 10:37

Als historisch interessiertem Menschen hat es mich stets irritiert, daß man historischen Gestalten trotz intensiven Studiums der (Sekundär-)Quellen im Grunde kaum nahekommen kann, was die Beurteilung des Charakters und der ureigenen Persönlichkeit betrifft.
Wie soll man einen Menschen beurteilen, der vor 223 Jahren gestorben ist und in einer Gesellschaft gelebt hat, die von spätfeudalistischen Elementen innerhalb eines aufgeklärten Absolutismus geprägt war, in der die Menschen schon an geringfügigen Erkrankungen verstarben, da die medizinischen Möglichkeiten sehr bescheiden waren, es keine Gewaltenteilung im Sinne Montesquieus gab usw. ?
Wie kann man eine aristokratisch geprägte Gesellschaft beurteilen, in der naive Religiosität, wie z.B. bei Maria Theresia, ebenso vorkam wie freimaurerisch angehauchter, im übrigen wenig definierter Pantheismus, mit Zügen eines halbherzigen Atheismus (sagte man doch von Mozarts früherem Dienstherren in Salzburg, der sich immerhin als Primas Germaniae verstand: "der Erzbischof von Colloredo glaubt nicht ans Gloria und nicht ans Credo")?

Ich bin inzwischen der Meinung, daß es wohl aussichtslos ist, den "wahren" Mozart aus den Quellen erfahren zu wollen.

Viele Grüße

J.Schneider
"Die Musik steht hinter den Noten" (Gustav Mahler)

Alfred_Schmidt

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Beiträge: 19 034

Registrierungsdatum: 9. August 2004

36

Montag, 19. Januar 2015, 23:44

Den "wahren" Mozart wird man wohl nicht ergründen, gelingt es einem doch nicht mal mit seinen unmittelbaren Nachbarn. oder Zeitgenossen. Aber wir wissen einige Details. Vorerst möchte ich alle Filme über Mozart als verfälschend bezeichnen, was ja schon im Titel dieses Threads implizit anklingt. Derjenige, der indes oft zitiert wird ist ganz besonders schlimm, bedient er doch Legenden, welche zum Zeitpunkt der Produktion bereits allesamt als falsch verworfen wurden. Die "künstlerische" Freiheit hat in einer Biographie und in einem biographischen nichts verloren, da die Geschichte dadurch verfälscht wird. Schon Schillers "Don Carlos" und "Maria Stuart" könnten an dieser Stelle als "abschreckende Beispiele" gelten - Geschichtsfälschung pur.

Über Mozarts Wesen sagen seine Brief zwar nicht alles aus - aber doch eine ganze Menge. Er war verspielt, in vielerlei Hinsicht, war (meist) freundlich im Umgang, was aber oft Maske war, denn die Pesonenbeschreibungen in seinen Briefen sind zwar meist sehr realistisch, indes zumeist wenig freundlich. Er neigte dazu, sich der Lüge zu bedienen, wo es ihm opportun erschien, und belog gelegentlich sogar sich selbst. Es wird von gelegentlichen Wutanfällen berichtet. Interessant sind oft widersprückliche Schilderungen über seine Kleidung und sein Aussehen. Er muß ein großen Verwandlungskünstler gewesen sein unser Herr Mozart. Mozart lebte an sich NICHT über seine Verhältnisse. Seine Schulden waren zwar vorhanden, aber längst nicht so hoch wie gemeinhin behauptet, vielleicht ein Vierteljahresgehalt im minus. Das Problem wurde dann akut, als er erkrankte und die üblichen Einnahmen nicht mehr eintrafen. Zudem war Joseph II, sein (wenn auch sparsamer) Gönner
im Februar 1790 verstorben. Mozart war im innersten anmaßend - oder wenn man es freundlicher ausdrücken will - sehr selbstbewusst, was sich in seinem Lebensstil ausdrückte (eigenes Reitpferd, eigener Reisewagen, eigener Billiardtisch, meist Wohnungen an ersten Adressen) Er wusste stets einen Vorteil zu nutzen und war hier nicht zimperlich. Im privaten Umgangston war er eher kindisch, gelegentlich auch vulgär, aber das darf über den harten Arbeiter und berechnenden Künstler nicht hinwegtäuschen. Wir finden keine Statements von Mozart über "soziale Fragen", keine über Politik oder Religion, Mozart schreibt nichts über Gemälde, und -soweit ich weiß- über Bücher die er gelesen hat. Er sucht sich eine Frau aus, die eigentlich als Ersatz für Mozarts eigentliche Liebe gilt und führt mit ihr - soweit berichtet - eine einigermaßen harmonische Ehe. Constanze wird oft als "nicht ebenbürtig" beschrieben - aber nach Mozarts Tod erwies sie sich als tüchtige Frau , die ihren Kindern trotz der schwierigen Situation eine solide Ausbildung ermöglichte und auch von einem dänischen adeligen Diplomaten als würdige Ehefrau erachtet wurde....
Zurück zu Mozart selbst. Es sind weder Affairen mit Frauen oder Männern bekannt, noch über Trunkenheit oder andere Ausschweifungen - Von einem "Lebemann" ist Moztart - meiner Einschätzung nach - kilometerweit entfernt.
Ein harter Arbeiter mit einer unglücklichen Hand fürs Geld - ja - aber ein Lebemann? - nein.

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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37

Dienstag, 20. Januar 2015, 10:21

Es werden in der Literatur Mozart sowohl Affären nachgesagt (ebenso Konstanze), wie auch Neigung zum Trinken und Spielen angedeutet. Meines Wissens kann davon aber kaum etwas erhärtet werden. Was an Briefen vorliegt, spricht für eine glückliche Ehe, es gibt auf Affären keinerlei konkrete Hinweise. (Anders als bei Haydn, der in seiner unglücklichen Ehe jahrelang feste außereheliche Beziehungen hatte.)
Die angebliche Spielsucht wurde mal als Vorschlag für Mozarts sonst unverständliches Verarmen angeführt. Es scheint, dass die Vertreter der Spielhypothese seine Einkünfte systematisch überschätzen und dass die einfachere Erklärung, dass Mozart für seine stark schwankenden Einkünfte eben auf zu großem Fuß gelebt hat, ausreicht.

Was politische, religiöse usw. Positionen betrifft, gibt es Andeutungen; man kann wohl davon ausgehen, dass Mozart hier im wesentlichen mit den Haltungen seiner Freimaurerbrüder konform war, also Aufklärung und Einschränkung der Adelsprivilegien ja, aber Entsetzen vor der blutigen Revolution in Frankreich. Einschränkung der Macht der Kirche, aber aufgeklärt-humanistische Religiosität usw. Auch Kaiser Joseph II. lag auf einer ähnlichen Linie (auch wenn seine Reformen vielen zu weit gingen).

Alfred_Schmidt

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38

Mittwoch, 7. Juni 2017, 00:18

Aus gegebenem Anlass habe ich heute diesen Thread aufgesucht. Es ist allerdings so, daß einige hier gemachten Aussagen nicht haltbar sind, so beispielsweise, daß man Mozarts Einkünfte überschätzt. Man weiß beispielsweise ziemlich genau wieviel er verdiente, man kann es einigermaßen auf heutige Werte umrechnen. Ich hatte ein diesbezügliches Buch vor einigen Wochen ausgeliehen, kam dann aber zu dem Schluß, daß die darin enthaltnen Fakten sowieso niemanden interessierten. Selbst der Wert von Mozarts Hausrat war dort taxiert.
Ich habe indes kein großes Problem damit, mir zu überlegen, warum Mozart stets in finanzilellen Nöten steckte; Er führte ein Leben wie ein niedriger Adeliger. Teure Garderobe, eigenes Reitpferd, eigener Reisewagem, Wohnung beispielsweise in der BelEtage des heutigen Mozarthauses in Wien (früher "Figaro Haus" oder "Camesina-Haus") Kurufenthalte für Constanze.
Ein eigenes "Spielzimmer" mit Billiardtisch (heute erschwinglich in der Vergangenheit fast unbezahlbar, weil der Tisch durfte sich nicht verziehen) Ein ein eigenes Pianoforte vom berühmtesten Klavierbauer seiner Zeit.....
mal sehen was wir noch an Fakten zusammentragen können. Viel haben ja diese unsäglichen Filme verdorben, die kängst widerlegte Behauptungen über Mozarts leben wiederbelebt haben und kein existentes Clicheé ausgelassen haben.

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Alfred_Schmidt

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39

Samstag, 16. September 2017, 18:50

Ich habe diesen Thread gesucht und wiedergefunden, weil in einem anderen über Mozarts kompositorischen Willen geschrieben wurde und darauf hingewiesen, daß er sich im privaten Umfeld - sowie in seinen privaten Briefen auch gerne der Fäkalsprache bediente, und daß das die "feinen Leute" die seine Musik mit Zuckerguß lieben, vermutlich "geschockt" wären, wenn sie verschiedenes wüssten.
Nun - das mag vor fünfzig Jahren VIELLEICHT gegolten haben, inzwischen sind auch die feinen Leute mit gewissen Fakten vertraut - aber eigentlich interessiert es sie nicht, was Mozart gedacht oder gemacht hat - sofern es über das Komponieren hinausgeht.
Das "allgemeine" Mozartbild wurde ja stets von Filmen geprägt, und natürlich vom Schulunterricht, wo der "Wolferl" den Kindern näher gebracht werden sollte.......
Da wurde uns auch beigebracht, daß eine der Besonderheiten der Musik Mozarts sei, daß man ihr niemals anhöre ob er sich gereade in persönlichen Schwierigkeiten befand oder nicht.
Es waren große Schauspieler die Mozart einst darstellten, Hier als erstes Beispiel Hans Holt und René Deltgen im Film "Wen die Götter lieben" aus dem Jahre 1942.



Der Film ist wunderbar photographiert (so sagt man heute wieder) und ausgeleuchtet- historisch gesehen ister wie alle seine Vorgänger und Nachfolger - eine Kathastrophe. Dargestellt ist in dieser Szene, das unbewiesene Treffen zwischen Mozart und Beethoven. Mozart hier ganz Gentleman und Weltmann, eindeutif am Portrait von Lange orientiert Er fordert Beethoven (auch hier; wunderbare Maske) hier auf, eine "eigene Komposition" vorzutragen. Am Ende meint "Mozart" : sie werdens schwer haben, denn die Leute hängen doc alle am alten - und wenn einer dann kommt wie sie, der alles aber auch alles. anders macht"
Hier ist lediglich interssant, daß das offen sichtlich vot 75 Jahren genauso war wie heute.
ABER: Zusätzlich zur Inszenierung einer mit hoher Wahrscheinlichkeit nie stattgefundenen Begegnung ein dilettantischer Patzer der Regie:
"Beethoven" spielt "Mozart§ hier die sogenannte "Mondscheinsonate" vor. Die hat er allerings erst 1800 begonnen und 1801 fertiggestellt, da war Mozart gut 10 Jahre tot......

mfg aus Wien
Alfred

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âme

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40

Sonntag, 17. September 2017, 13:45

Ich habe diesen Thread gesucht und wiedergefunden, weil in einem anderen über Mozarts kompositorischen Willen geschrieben wurde und darauf hingewiesen, daß er sich im privaten Umfeld - sowie in seinen privaten Briefen auch gerne der Fäkalsprache bediente, und daß das die "feinen Leute" die seine Musik mit Zuckerguß lieben, vermutlich "geschockt" wären, wenn sie verschiedenes wüssten.


Als jemand der alle erhaltenen Briefe gelesen hat, halte ich das für eine polemische Übertreibung. Von einem häufigen Gebrauch der Fäkalsprache in seinen Briefen kann in Wahrheit keine Rede sein. Die Stellen welche generell gerne zitiert werden stammen fast ausschließlich von den Bäsle-Briefen in denen er - wohgemerkt im Alter der Pubertät - besonders intensiv davon Gebrauch machte (zudem war die Fäkalsprache zu dieser Zeit gesellschaftlich bis zu Adelskreise hinauf nicht verpönt sondern eine damals gebräuchliche Ausdrucksweise) Es gibt darüber hinaus zwar noch ein paar wenige Stellen im Erwachsenenalter, welche an seine Frau Constanze gerichtet sind, doch in der überwiegenden Mehrheit der erhaltenen Briefe kann man vergeblich danach suchen. Soweit ich mich erinnern kann gibt es unter den zahlreichen Briefen an seinen Vater nur einen einzigen Brief mit stellenweise ausladend, vulgären Ausdrucksweisen (aus Mannheim 1777 ), an die Behörden, Adeligen, oder an den Logenbruder Michael Puchberg sowieso gar keinen. Selbst an sehr gute Freunde, wie etwa an Gottfried von Jacquin schrieb Mozart keine vulgären Ausrücke...nur ein Beispiel:
http://dme.mozarteum.at/DME/objs/raradoc…pdf/BD_1069.pdf
Die Briefe, welche er auf seinen späteren Reisen an Constanze verschickt oder wenn sie auf Kur in Baden war, sind wie erwähnt überwiegend frei von jeglicher Fäkalsprache. Alles in Allem handelt es sich somit nur um einen Bruchteil seiner zahlreich erhaltenen Briefe. Eine Beurteilung über seine Äußerungen im privaten Umfeld ist sowieso rein hypothetisch. Somit ist das ein nicht haltbares Klischee, welches wohl bewußt dazu dient um die Diskrepanz zwischen dem kompositorischen Können und der vermeintlich intantil, vulgären Art auf die Spitze zu treiben...quasi "zwischen Genie und Wahnsinn", etwas was sich wohl geradezu die Leute wünschen um ihre Sensationsgier zu befriedigen. Mozart war sicher nicht prüde und ein braves Lämmlein, aber es ist historisch vollkommen verfälschend wenn man ihn als den notorisch fluchenden Flegel hinstellt, der sich vielleicht gerademal vor dem Adel halbwegs zusammenreissen konnte.
„Eine Erkenntnis von heute kann die Tochter eines Irrtums von gestern sein.” (Marie von Ebner-Eschenbach)

Alfred_Schmidt

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41

Sonntag, 17. September 2017, 16:58

zudem war die Fäkalsprache zu dieser Zeit gesellschaftlich bis zu Adelskreise hinauf nicht verpönt sondern eine damals gebräuchliche Ausdrucksweise


Das halte ich für ein sehr wichtiges Faktum, welches man einer breiteren Öffentlichkeit zur Kennnis bringen sollte, daß nämich Sprache und Bewertung derselben in der Vergangenheit eine ganz andere waren als heute. Und daß immer wieder versucht wird diese Dinge in das (IMO künstlch erzwungene) "Lebensgefühl" unserer Tage einzupassen, Nehmen wir das Wort "scheußlich", das durchaus geeignet ist gewisse Werke moderener "Kunst " und RT-Inszenierungen zu bezeichnen :P - aber es gil derzeit (noch ?) nicht als Schimpf- oder Fäkalwort, wenngleich der Wortstamm unübersehbar ist :hahahaha:
Bei Mozarts Briefen sei noch angemerkt, daß sie nicht für den Fremdleser bestimmt waren, und schon gar nicht für eine total veränderte Nachwelt.

Mozart war sicher nicht prüde und ein braves Lämmlein, aber es ist historisch vollkommen verfälschend wenn man ihn als den notorisch fluchenden Flegel hinstellt, der sich vielleicht gerademal vor dem Adel halbwegs zusammenreissen konnte.

Da ist leider ein immer wieder gern zitierter Film von Milos Forman nicht unschuldig daran, der sich zwar anders als seine ebenfalls berühmten Vorgängerfilme - aber dennoch - gängiger clichés bedient und historisch - freundlich ausgedrückt - ungenau ist.
Es wird dann gern entgegengehalten, daß es sich hier um ein eigenständiges Kustwerk handelt, das gewisse Freiheiten besitzen müsse - (Schon Schill.er hat so agiert) aber ich finde, daß die Suggestion, die solch ein Film ausstrahlt (Formans Film ist von der Fotographie her gesehen großartig) doch sehr groß ist . und ein falsches Bild der jeweils "portraitierten Person" beim Zuschauer erzeugt, daß dann letztlich die reale Person völlig überlagert.

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

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