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Alfred_Schmidt

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1

Dienstag, 19. September 2017, 03:29

Projektionen in der klassischen Musik

Ein bisschen schwer, zu erkären was hier gemeint ist, aber ich wil es zumindest versuchen.
Wie so oft ist auch diesmal ein reales Ereignis Anstoß für diesen Thread. Die Idee kam mir, als Agon heute meinte, die Sinfonie Nr 1 von Projofieff sei von den meisten Dirigenten nicht ernst genommen und werde deshalb eher belanglos dirigiert, gespielt etc. BigBerlinBear (ich hoffe er ist gesund) meinte indes, das Werk sei zu gefällig, zu sehr auf den Publikumsgeschmack ausgerichtet, und ihm daher suspekt. Andere Kritiker und Verfasser von Konzertführern oder ähnlicher Literatur, wollen hier einen zur Karikatur veränderten Haydn, zumindest aber ein spöttisches Zitat hören.
Bei Mahler verhält es sich ähnlich: Von vielen als radikaler Neuerer gesehen, passen manche Stellen einiger Sinfonien nicht in dieses Bild, die offensichtlich "sentimentalen Kitsch" beinhalten, flugs wird der dann zur "Ironie" umgedeutet. Bei Schostakowitsch, dem oftmaligen Empfänger des "Stalin-Preises", ist es diesem erfolgeich gelungen "Lobeshymnen auf die UdSSR" der Musikwelt des Westens diese als versteckte, subversive Angriffe gegen das damalige Regime zu verkaufen.
Das hört man jetzt auch eindeutig, was die teilweise selbst aus Komponisten bestehenen Zensoren nicht gehört haben sollen (!!) Bei Haydns Sinfonien, schon von Schumann ziemlich unverhüllt als "altbacken" bezeichnete. Das Image vom "verzopften" "Papa Haydn" hielt sich bis in meine früheste Jugend in der Klassikszene, ebenso jenes vom "Liederfürsten" Franz Schubert, dessen restliche Kompositionen - von einigen Ausnahmen abgesehen - nicht so von besonderer Bedeutung waren.
Zahlreiche "genialen" Komponsten zugeschriebene Werke verschwanden von den Spielplänen, nachden sich herausgestellt hatte, daß sie gar nicht von diesen Genies stammten. Fazit: in vielen Fällen hört man eben das, was man hören will. Bei Interpreten verhält es sich ebenso. Einst unangreifbare Klassikikonen werden vom Sockel gestoßen, mit der Begründung, ihre Interpretationen wären "veraltet", weil sie nicht "historisch informiert" wären.....
Auch mit alten Musikinstrumenten verhält es sich so: Während die einen durch einen historischen Hammerflügel das Erlebnis des Originalklangs preisen - wie ihn der Komponist einst auch gehört haben könnte, hören die anderen ein (oft) verstimmtes altes Klavier, dessen Mechanik klappert und ächzt.....

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

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Alfred_Schmidt

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2

Montag, 25. September 2017, 23:28

Interessant, daß dieser Thread scheinbar niemenden interessiert, wo das Thema dach faktisch virtuell die ganze Zeit durch das Forum geistert. Da lterpretationeniest man von "Refereinzeinspielungen" und von "verstaubten" Interpretationen, wobei das IMO in so gut wie in allen Fällen Ergebnisse von "Projektionen" sind.
Und das sogar in doppelter Hinsicht. Es ist eine Frage der Erwartungshaltung, beispielsweise in Bezug auf das was wir uns zu hören erwarten und auch auf den Ruf des Interpreten. Oft wird beispielsweise gewünsch, die Tonaufnahem wäre 200 Jahr früher erfunden worden. Man projiziert in diese Vorstellung oft die Erwartung eine in letzter Konsequenz "authentischen" Darbietung. Letzteres kann man wohl schwer in Zweifel ziehen, aber ob diese "authentische" Aufführung - könnten wir sie via Schallplatte hören, sich nicht dem deckt, was wir uns heute in unseren Vorstellungen erwarteten.........

mfg aus Wien
Alfred

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Agon

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3

Dienstag, 26. September 2017, 13:26

Also, mir ist ehrlich gesagt nicht wirklich klar, was Du hier mit "Projektion" meinst, Alfred.
Von dem Begriff "verstaubt" halte ich grundsätzlich sowieso nichts, denn das existiert in der Musik eigentlich nicht. Aufnahmen können zum Beispiel noch so alt sein und eben immer noch gültig, aktuell, unerreicht sein, auch wenn das Einige nicht wahrhaben wollen. Die Klangtechnik ist da irrelevant.
Ich bemühe mich eigentlich immer, in eine Aufnahme nichts hineinzuprojizieren, sondern sie als das zu nehmen, was sie ist, sie nicht zu verklären, zu hypen. Ich gehe eben auch immer mal wieder zu lange nicht gehörten Aufnahmen zurück, um zu kontrollieren, ob sie auf mich immer noch so wirken, wie ich sie in Erinnerung habe. Da habe ich schon Überraschungen erlebt. Aufnahmen, die mir nun besser gefallen als früher und umgekehrt.
Auch wenn hier im Forum Aufnahmen angepriesen bzw. hochgelobt werden, dann nehme ich das zur Kenntnis, merke es mir oft auch und kontrolliere die Aufnahme dann irgendwann selber. Nicht selten weicht meine Beurteilung dann von der des/der anderen Rezipienten ab. Aktuelles Beispiel: der "Sacre" unter Fedoseev.
Man kann dann nur versuchen, zu begründen, warum und wie man eine Aufnahme erlebt. Da muss man in erster Linie ehrlich zu sich selber sein.
Es gibt kein richtiges Leben im falschen. (Theodor W. Adorno)

Alfred_Schmidt

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4

Dienstag, 26. September 2017, 13:50

Also, mir ist ehrlich gesagt nicht wirklich klar, was Du hier mit "Projektion" meinst, Alfred


Das ist mir schon klar, denn es ist ein difusser Begriff, der bewusst diffus belassen wurde und der auf viele Phänomene in der Klassischen Musik angewandt werden kann. Projektion findet auch statt, wenn die Interpretation einer "Dirigentenlegende" angeboten wird. Sie hat aber viel mit (ungeprüftem)Vorurteil zu tun, gegenüber "Meisterwerken", "Kleinmeistern", "Pultdiktatoren", "Politischen Aussagen von Kompositionen" und "versteckten Botschaften", "Spitzen- und Durchschnittsorchestern"
"hausbackenen" und "genialen" Dirigaten. "originellen" oder "entstellenden" darstellungen-
Ohne jetzt auf die Attribute einzugehen, die ich den einezlenen Werken , Komponisten oder Interpreten persönlich zuordene bringe ich ein paar Begriffe ins Spiel:

Beethoven Sinfonie Nr 9 - Zauberflöte - Caruso - Callas - Karajan - Kempff - Brendel - Wiener Philharmoniiker - Mozart - Salieri - Schubert - J.S.Bach - Karl Böhm - HIP
Schostakowitsch - Pfitzner - Thielemann - Ney - Haydn - Listzt etc etc......
Die Liste ließe sich fortsetzen........

mfg aus Wien
Alfred

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