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AMATEURVIDEO-FILMFORUM-WIEN

moderato

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1

Donnerstag, 28. September 2017, 21:49

Hanns Dieter Hüsch, wer kennt ihn noch?



Diese drei DVDs mit sieben Kabarett-Programmen von Hanns Dieter Hübsch, kann ich allen empfehlen, die ihn noch auf der Bühne erlebt haben oder kennen lernen möchten.

Die Produktinformation beschreibt ihn gut: "Der einzigartige Hanns Dieter Hüsch war viel mehr als nur Kabarettist: literarischer Komiker, Philosoph, Clown, Prediger, Poet und vor allem: Menschenfreund. Die aktuelle Tagespolitik hat HDH (zum Glück!) aus seinen Programmen herausgehalten, dadurch bleiben seine Kabarettprogramme zeitlos aktuell.
Das Allzumenschliche, die großen und kleinen Fragen des Lebens sind seine Themen, mit scharfer Beobachtungsgabe, feinsinnigem Humor und unnachahmlichem Sprachwitz spürte er Komik und Tragik unseres Lebens nach. "

Wie er hinter seiner wimmernden Orgel sitzt und das Publikum mit den Geschichten aus dem Niederrhein in den Bann zieht, sucht seinesgleichen.



Der Text "Die polyphonische Krankheit" ist zeitlos und beschreibt deshalb auch uns.




Eine fünfbändige Gesamtausgabe seiner Texte ist erhältlich. Sie sind es wert gelesen zu werden:




Hanns Dieter Hüsch hat eines meiner Lieblingsgedichte verfasst:



Ich sing für die Verrückten, die seitlich Umgeknickten

Die eines Tags nach vorne fallen und unbemerkt von allen

An ihrem Tisch in Küchen sitzen und keiner Weltanschauung nützen

Die tagelang durch Städte streifen und die Geschichte nicht begreifen

Die sich vom Kirchturm stürzen, die Welt noch mit Gelächter würzen

Und für den Tod beizeiten sich selbst die Glocken läuten

Die mit den Zügen sich beeilen, um nirgendwo zu lang zu weilen

Die jeden Abschied aus der Nähe kennen, weil sie das Leben Abschied nennen

Die auf den Schiffen sich verdingen und mit den Kindern Lieder singen

Die suchen und die niemals finden und nachts vom Erdboden verschwinden

Die Wärter stehen schon bereit mit Jacken, um werkgerecht die Irrenden zu packen

Die freundlich auf den Dächern springen

Für diese Leute will ich singen

Die in den großen Wüsten sterben, den Schädel längst schon voller Scherben

Der Sand verwischt bald alle Spuren, das Nichts läuft schon auf vollen Touren

Die sich durchs rohe Dickicht schieben, vom Wahnsinn wund und krank gerieben

Die durch den Urwald aller Seelen blicken, den ganzen Schwindel auf dem Rücken

Ich sing für die Verrückten, die seitlich Umgeknickten

Die eines Tags nach vorne fallen und unbemerkt von allen

Sich aus der Schöpfung schleichen, weil Trost und Kraft nicht reichen

Und einfach die Geschichte überspringen

Für diese Leute will ich singen.
.
Alleen / Alleen und Blumen // Blumen / Blumen und Frauen // Alleen / Alleen und Frauen // Alleen und Blumen und Frauen und / ein Bewunderer

Aus Solidarität mit Eugen Gomringer habe ich die Übersetzung eines seiner Poeme gesetzt, weil dieses Gedicht, das sich an einer Hausfassade in spanischer Sprache befindet, überpinselt werden muss. Grund: Sexismus-Vorwurf
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WoKa

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2

Donnerstag, 28. September 2017, 22:07

"Hagenbuch hat jetzt zugegeben..."



Gruß WoKa
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

Alfred_Schmidt

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3

Donnerstag, 28. September 2017, 22:32

Was für ein geistvoller Mann !!! Wie DER Pointen setzt !!!
Ich bilde mir ein ihn vor vielen Jahren im Fernsehen gesehen zu haben. Kann das sein ?
Es Muss eiegentlich so gewesen sein, denn schon als ich ihn jetzt sag, wusste ich, welche Art von Humor er vermittelt...
Ein Sprachjongleur allererster Güte !!
Wie lange wird es noch ein Publikum geben, das diese Art von Humor versteht, ihm geistig folgen kann ??

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

moderato

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4

Donnerstag, 28. September 2017, 22:41

Ja, lieber Alfred Schmidt, er war oft im Fernsehen zu hören und zu sehen. Damit er nicht in Vergessenheit gerät, habe ich diesen Thread eröffnet. Hanns Dieter Hübsch ist es wert, dass man sich mit ihm beschäftigt.

Übrigens, Hüsch ist mir in den Sinn gekommen, als ich die Diskussionen der "germanischen Gerechtigkeitsfanatiker" im deutschen Fernsehen nach der Wahl des Bundestages gesehen hatte. Und es gibt sie auch, die "romanischen Höflichkeitsartisten".



LG

moderato
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dr.pingel

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5

Freitag, 29. September 2017, 17:41

Als gebürtiger Düsseldorfer hat mich die Niederrhein-Mentalität von Hüsch immer sehr begeistert (Düsseldorfs Dialekt und Niederrheinisch unterscheiden sich kaum). Live war er noch besser als im Fernsehen.
"Zeitvernichtungsdienste wie Facebook, Twitter oder Instagram..." (Jaron Lanier, Computerexperte).
"Facebook ist von vorneherein als sozialer 'Validierungs-Feedback-Loop' angelegt gewesen, der die anthropologische Sehnsucht seiner Nutzer, von anderen Bestätigung zu erfahren, in Verweildauer umwandelt, die dann wiederum die Anzeigenkunden interessiert" (dieser Satz ist nicht von Peter Sloterdijk, sondern von Facebook-Mitbegründer Sean Parker).

m.joho

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6

Freitag, 29. September 2017, 18:17

Ich habe Hüsch das erste Mal in den 70ern erlebt und bin bis zu seinem Rückzug von der Bühne ein treuer Besucher seiner Abende gewesen. Wenn man diesen weisen Humanisten mit heutigen Kabarettisten vergleicht, merkt man leider nur allzu deutlich, wie die heutige Zeit geistig verarmt. Die oben eingestellte DVD-Sammlung kann ich allen uneingeschränkt empfehlen, wie auch seine Bücher und Tonaufnahmen.

Uranus

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7

Montag, 2. Oktober 2017, 14:46

HDH - einer jener raren Künstler, deren Tod die deutsche Kultur-Landschaft tatsächlich ein Stück ärmer gemacht hat. Kritisch, wohlwollend, emphatisch, gehaltvoll, liebenswert - der Begriff "Menschenfreund" umschreibt ihn tatsächlich für mich am besten.

Dieser Thread hat mich animiert, die im ersten Beitrag gezeigte DVD-Box - endlich - auf meine to-do-Liste zu stellen. Danke für den Anstoß!
Herzliche Grüße
Uranus