Sie sind nicht angemeldet.


JPC Amazon

AMATEURVIDEO-FILMFORUM-WIEN

seicento

Prägender Forenuser

  • »seicento« ist männlich
  • »seicento« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 2 156

Registrierungsdatum: 7. Oktober 2010

1

Montag, 21. August 2017, 00:16

Darmsaiten für Vegetarier

Liebe Taminos,

ich befinde mich in einem großen Dilemma. Die Frage, die mich quält, ist die: Darf ein Anhänger von HIP (historisch informierte Aufführungspraxis) Darmsaiten benutzen? Die Frage liegt mir als Vegetarier "sehr im Magen". Aber jetzt ist mir eine mögliche Lösung eingefallen. Was ist, wenn für die Herstellung der Saiten der Darm von Raubtieren - zum Beispiel Katzen - verwendet wurde. Darf jemand, der aus Überzeugung keine Kühe, Hühner oder Schweine essen darf, Saiten benutzen, die von Carnivoren stammen. Schließlich stehen die in der Nahrungskette ja eigentlich über uns? Was meint ihr dazu?

Viele Grüße

seicento

Hosenrolle1

Prägender Forenuser

  • »Hosenrolle1« ist männlich

Beiträge: 1 072

Registrierungsdatum: 3. August 2017

2

Montag, 21. August 2017, 00:46

Was meint ihr dazu?
Dass das eine (bewusst?) einseitige Darstellung ist, und dass die Verwendung dieser Materialen nicht ausschließlich mit HIP zu tun hat ... oder womit, glaubst du, haben die Paukisten der modernen Orchester bis heute ihre Pauken bespannt?

Wiki:

Zitat

In den großen Spitzenorchestern der klassischen Tradition in Österreich, Deutschland und der Schweiz sowie in den USA, Großbritannien, Australien, Japan, Skandinavien und in Teilen Frankreichs wird jedoch weiterhin auf Naturfellen gespielt. In Österreich, in der Schweiz und auch in Teilen Skandinaviens sind dies meist geschärfte Ziegenfelle, in Deutschland und in den übrigen Ländern meist imprägnierte gespaltene Kalbsfelle (aus Celbridge, Irland). Natur-Paukenfelle bestehen aus Tierhaut – ohne Fellhaar.
Also sollte man gerechterweise auch in die Richtung austeilen ;)
(Und HIP bedeutet nicht automatisch auch period instruments, es gibt auch HIP Interpretationen auf modernen Instrumenten)



LG,
Hosenrolle1
„Begreifen wir endlich, dass der emotionale Kult der Tradition nur eine Form unserer geistigen Faulheit ist.“ (Stanislaw Brzozowski)

quodlibet

Anfänger

  • »quodlibet« ist weiblich

Beiträge: 54

Registrierungsdatum: 10. Juli 2017

3

Montag, 21. August 2017, 02:00

Lieber seicento,
Für Streicher Darmsaiten wurde und wird üblicherweise Schafsdarm verwendet. Es gibt nur noch wenige Hersteller die dieses Handwerk beherrschen.
Ich habe leise Zweifel, dass sich kompetente Hersteller auf Experimente mit Katzendarm einlassen würden (schiene mir als Rohstoffquelle nicht nur etwas unergiebig sondern generell etwas schwierig; der Handel mit Katzendärmen könnte die Gefühle der meist doch eher zartbesaiteten Katzenbesitzer empfindlich verletzen und/oder Peta mobilisieren....).
Für einen überzeugten Vegetarier und Anhänger von HIP seh ich eigentlich nur eine Möglichkeit: sich für ein Instrument entscheiden, bei dem sich die Frage der Saiten (und Bogenhaare) nicht stellt.
Mit freundlichen Grüßen, quodlibet

La Roche

Prägender Forenuser

  • »La Roche« ist männlich

Beiträge: 2 615

Registrierungsdatum: 21. Februar 2012

4

Montag, 21. August 2017, 08:55

Die Frage, die mich quält, ist die: Darf ein Anhänger von HIP (historisch informierte Aufführungspraxis) Darmsaiten benutzen? Die Frage liegt mir als Vegetarier "sehr im Magen". A
Essen würde ich sie nicht. Da wären mir 2-3 Steaks lieber. Aber auf die Klampfe ziehen? Ich sehe kein Problem für einen Vegetarier darin, geht ja nicht durch den Magen.

Allerdings möchte ich hier keine vegane Diskussion haben. Ich bin und bleibe Fleischesser und habe mit jeder anderen Form der Ernährung nichts am Hut, höchstens in satirischer Form. Deshalb fasse ich den ganzen Thread als Satire auf. Böhmenmann läßt grüßen.

Herzlichst La Roche
Ein Gespräch setzt voraus, daß der andere Recht haben könnte. Gadamer


  • »Johannes Roehl« ist männlich

Beiträge: 11 472

Registrierungsdatum: 12. August 2005

5

Montag, 21. August 2017, 10:04

Meines Wissens werden die Schafe nicht zur Saitengewinnung geschlachtet (so wie etwa Nerze für ihr Fell), sondern für das Fleisch. Eine ohnehin getötetes Tier wird daher nur effizienter genutzt.

operus

Ehrenpäsident und Außenminister

  • »operus« ist männlich

Beiträge: 5 159

Registrierungsdatum: 14. Mai 2008

6

Montag, 21. August 2017, 14:36

In Musikerkreisen hält sich hartnäckig die Legende, dass Fagottspieler durch die Schwingungen des langen Rohres mit Einschränkungen ihrer geistigen Fähigkeiten rechnen müssten. Ich vermute, dass unter den Taminos, die so engagiert über Darmsaiten für Vegetarier diskutieren, einige fleißige Fagottisten sind. :hahahaha:

Herzlichst
Operus
Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

m-mueller

Prägender Forenuser

  • »m-mueller« ist männlich

Beiträge: 3 465

Registrierungsdatum: 9. Januar 2007

7

Montag, 21. August 2017, 15:28

Als fleißiger Fagottist :jubel: halte ich die Sache für recht klar:

Därme von vegetarischen Tieren (also z.B. Schafe) dürfen Vegetarier berühren. Hund- oder Katzengedärm, das andere Tiere verdaut hat, nicht.

Veganer dürfen allerdings auch Schafdarmsaiten nicht direkt anfassen, ggf. müßten sie mit Plastik-Handschuhen spielen, da ja weder Woll- noch Lederhandschuhe in Betracht kommen. Es kann auch ein Karton-Handschuh verwendet werden. Das ist das nicht nur hip, sondern auch hip.

Reinhard

Moderator

  • »Reinhard« ist männlich

Beiträge: 2 244

Registrierungsdatum: 11. August 2004

8

Montag, 21. August 2017, 16:56

Deshalb fasse ich den ganzen Thread als Satire auf.


Na, dann schau doch mal, in welchem Unterforum wir uns hier befinden. :pfeif: :D
Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
(Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)

dr.pingel

Prägender Forenuser

  • »dr.pingel« ist männlich

Beiträge: 4 150

Registrierungsdatum: 29. Juni 2009

9

Montag, 21. August 2017, 19:24

Es gibt noch eine viel einfachere und praktische Lösung. Die haben die christlichen Fundamentalisten in den USA erfunden. Sie heißt "Fundamentalismus à la carte". Das heißt, ich bin nur Fundamentalist, wo es mir bequem ist. Beispiel: in den USA sind Homosexuelle bei diesen Christen verpönt. Sie sagen, dass die eigentlich getötet werden müssen, denn so steht es im AT. Aber so weit wollen sie nicht gehen. Das aber ist ein schwerer Gesetzesverstoß, nach dem AT ist man verpflichtet, sie zu töten. Anderes Beispiel: Ein Teleevangelist wird gefilmt, wie er aus einem Bordell herauskommt. In seinem Sender legt er eine Heulorgie hin. Falsch! Er und die Prostituierte müssen getötet werden, und zwar durch Steigung.
Fazit: Macht, wozu ihr Lust habt.
Nachwort: woran erkennt man einen Veganer? Er sagt es dir!
Ein Vergehen gegen den Stil der Bachschen Musik ist schon, dass wir sie mit Massenorchestern und Massenchören aufführen... Bachs Orchester begleitet den Chor nicht, sondern ist ihm gleichgestellt. Ein orchestrales Äquivalent zu einem Chor von 150 Stimmen gibt es nicht (Albert Schweitzer).

seicento

Prägender Forenuser

  • »seicento« ist männlich
  • »seicento« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 2 156

Registrierungsdatum: 7. Oktober 2010

10

Montag, 21. August 2017, 22:05

Katzendarm

"Catgut" (Katzendarm), wie ihn Chirurgen und Streicher verwenden oder verwendeten, soll laut Wikipedia vielleicht für "cattle gut" stehen. Eine andere Quelle sagt, dass italienische Sattelmacher den Darm von wilden Bergschafen verwendet haben, um ihr Leder zu vernähen und ihr "Garn" als Katzendarm deklariert haben, um Nachahmer irrezuführen. Catgut stammte wohl nie von Katzen, auch wenn mit 2 m der Katzendarm lange genug wäre für. :(

ipel

Anfänger

  • »ipel« ist männlich

Beiträge: 27

Registrierungsdatum: 18. August 2017

11

Dienstag, 22. August 2017, 13:51

Synthetische Ersatzstoffe

Das man die Sachen aus synthetischen Materailien herstellen kann, ist klar, nur die Frage ist, ob sich das lohnt. :S
Wer vegan ist, dann ist er auch oft Verfechter von Minimalismus - also kein Klavir, keine Flöte - nur die menschliche Stimme. :angel:
Über Musik kann man am besten mit Bankdirektoren reden. Künstker reden ja nur übers Geld (Sibelius)

m-mueller

Prägender Forenuser

  • »m-mueller« ist männlich

Beiträge: 3 465

Registrierungsdatum: 9. Januar 2007

12

Donnerstag, 14. Dezember 2017, 00:25

Er und die Prostituierte müssen getötet werden, und zwar durch Steigung.


Steigung tötet mich auch beinah bei jedem zweiten Wandertag!!

Dr. Holger Kaletha

Prägender Forenuser

  • »Dr. Holger Kaletha« ist männlich

Beiträge: 6 756

Registrierungsdatum: 2. Februar 2008

13

Donnerstag, 14. Dezember 2017, 07:13

Zum Darm gibt es doch auch echt pflanzliche Alternativen, oder? Nur sollte dann auch darauf geachtet werden, dass beim Herstellungsvorgang nichts Tierisches verwendet wird - wie bei veganem Wein! Sonst ist das doch nur alles Schummelei. Der echt vegane Geigenklang - das wäre etwas! Noch besser: Nur Musik von veganen Komponisten spielen!

Eine weitere Alternative wäre, nur solche Saiten zu verwenden von Tieren, die garantiert nicht gegessen werden. Wie wäre es z.B. mit Seide von Spinnentieren? Man macht ein Spinnennetz - nur halt ein bisschen dicker. HIP klingt ja immer so hässlich rauh und affektiert. So eine Saite aus gewebtem Spinnfaden tönt dagegen bestimmt engelhaft sanft - wie das Spinnennetz an der Wand flattert es anmutig im Wind. Dazu könnte man dann eine Aktion starten, um die Liebe für Spinnentiere in der Gesellschaft zu erhöhen. Spinnen in der heimischen Wohnung - in allen Größen - sollten mindestens 100 sein. Die produzierte Spinnenseide verkauft man dann auf dem Spinnen-Flohmarkt als Rohstoff für die Instrumentenbauer. Das ist dann fast so teuer wie edles Nicht-Veganer-Elfenbein und ein Anreiz, die Spinnenweben in der eigenen Bude mit anderen Augen zu sehen. Ein lohnender Nebenverdienst für jeden Haushalt. Arachnophobiker werden in die vegane Pauke eingesperrt und man kloppt ordentlich drauf, damit ihnen Hören und vor allem Sehen vergeht. So betäubt können nun endlich auch sie sich in die Spinnentiere verlieben. Als Therapie bekommen sie zusätzlich eine Geige mit spinnengewebten Saiten, wo sie jeden Tag das "Gebet einer Jungfrau" drauf spielen müssen - als Transkription für Saiteninstrumente natürlich, eine Version mit romantisch verklärendem Spinnen-Schleier. Wie schön doch Spinnen-Geigen-Kitsch sein kann - echte Senta-Sentimentalität! So kommt auch endlich heraus: Vegetarier sind Kitsch-Hörer! :jubel:

Völlig vergessen wird hier allerdings der tierisch bespannte Geigenbogen! Ein weiteres Aktivitätsfeld für musikliebende Veganer. :D

Schöne Grüße
Holger

dr.pingel

Prägender Forenuser

  • »dr.pingel« ist männlich

Beiträge: 4 150

Registrierungsdatum: 29. Juni 2009

14

Donnerstag, 14. Dezember 2017, 21:22

Er und die Prostituierte müssen getötet werden, und zwar durch Steigung.


Steigung tötet mich auch beinah bei jedem zweiten Wandertag!!


Ein Objekt für die Lachschatulle! :D Ob Steigung oder Steinigung, beides ist gleich verwerflich!
Ein Vergehen gegen den Stil der Bachschen Musik ist schon, dass wir sie mit Massenorchestern und Massenchören aufführen... Bachs Orchester begleitet den Chor nicht, sondern ist ihm gleichgestellt. Ein orchestrales Äquivalent zu einem Chor von 150 Stimmen gibt es nicht (Albert Schweitzer).