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Christian Biskup

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Beiträge: 520

Registrierungsdatum: 24. Februar 2009

1

Sonntag, 22. April 2018, 21:04

Rusalka - Oper Liberec zu Gast in Wolfsburg

Liebe Taminos,

eigentlich schrecke ich vor außerdeutschen Tourneevorstellungen in meinem Wolfsburger Theater zurück - zu oft war die Qualität zum Fürchten. Aufgrund Chrissy's euphorischen Beschreibungen der Vorstellungen aus Liberec, bin ich aber nun doch zur Vorstellung der Rusalka gegangen. Die Oper Liberec, zusammen mit der Tschechischen Oper Prag brachten Rusalka - eine Oper die ich schon vor Jahren mal gehört habe, aber nun erst für mich entdeckt habe. Was für ein herrliches Werk!
Um es vorweg zu nehmen - es war ein größtenteils äußerst beglückender Opernabend. Doch von vorne. Die Szenerische Umsetzung war ganz hervorragend. Nachdem das Vorspiel bei geschlossenem Vorhang erklang, zeigt die Szene des ersten Akts eine grüne Wiese im Wald samt Teich, Röhricht und Steg, grüne Elfen tanzen, der Mond scheint - es war wirklich toll anzusehen. Die Personenführung war durchweg spannend, auf der Bühne passierte immer etwas, seien es Lichteffekte, Nebel, etc.. Es war ein harmonisches Ganzes.
Der zweite Akt spielt vor er Waldszenerie, allerdings nun mit einem großen Saal vorweg - prächtige Treppenläufe und Kronleuchter stellen zwar quantitativ dezent, aber durchaus treffend den Schlossakt dar. Besonders eindrucksvoll gelang der Tanz der Festgemeinde zur Ballmusik. Die letzte Szene spielt wieder beim Wald im Teich.
Rein optisch war das Werk ein Genuss, aber auch die Personenführung war wie geschrieben hervorragend. Toll, dass Martin Otava entlang der Musik inszenierte und manchen musikalischen Effekt auf das Spiel der Sänger übertrug. Einzig störend war der Scheinwerfer, der immer den handelnden Personen folge...das kann man heute besser lösen und wäre größtenteils auch nicht nötig gewesen, wirkte fast ein wenig lächerlich.

Auf musikalischer Seite kann ich auch nicht groß klagen. Überrascht war ich vor Orchester unter Leitung von Martin Doubravsky, welches doch durchaus anders klingt (besonders das Holz), als ein deutsches Orchester. Die Qualität und Spielfreude der Musiker war viel besser als erwartet. Obgleich die Geigen manchmal etwas schwächelten, so war das Blech geradezu wunderbar im Klang. Doubravsky hielt Orchester und Sänger perfekt zusammen. Da klapperte nichts. Und obgleich er prachtvoll, auskostend aufspielen ließ, hatten die Sänger im sonst eher problematischen Wolfsburger Haus keine Probleme dagegen anzukommen.
Der Wassermann von Pavel Vancura war das Highlight. Ein wahrer Sängerdarsteller - toll gespielt, prachtvoll ausgesungen, großes Volumen, aber auch ganz leise und zart wenn es darauf ankommt. Er erhielt den meisten Applaus am Schluss. Tomas Cerny als Prinz sang mit einem wohlklingenden lyrischen Tenor, der jedoch recht klein war. In den Höhen schwächelte er deutlich und im Spiel war er etwas zurückhaltender. Die Rusalka von Vera Polachova war genauso hervorragend gespielt wie der Wassermann. Absolut glaubhaft nahm man an ihrem Schicksal teil. Obgleich ich ihren starken Sopran zuerst etwas scharf empfand, so fand ich stets mehr Gefallen an ihr. Das Lied an den Mond wurde zu einer reinen Gänsehautpartie für mich. Spitzentöne, sanfte Klänge und die Trauer - das war großer Gesang! Von Petra Vondrova als Hexe kann man nichts anderes sagen. Auch das restliche Ensemble, die Elfen, die Fürstin, Küchenjunge und Jäger waren großartig besetzt - es war ein Fest. Einziger Wermutstropfen - die Musik hinter der Bühne wurde über Mikros übertragen...in fast unerträglicher Lautstärke.

Insgesamt - eine vollauf beglückende Vorstellung! Das Publikum dankte mit standing ovations (das heißt in Wolfsburg nicht viel...aber auch ich stand...das heißt was :D). Mal eine Regie ohne aufgedrägte Metaebene, ein wirklich herrliches Bühnenbild, toller Gesang und Orchester. Vielleicht muss ich auch einmal nach Liberec fahren. Ich kann Chrissy jetzt verstehen! Auch wenn ich der Meinung bin, dass man auch Modern mit Zeitverschiebung toll inszenieren kann - solch einen Genuss hatte ich bisher selten!

LG
Christian

chrissy

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Beiträge: 3 647

Registrierungsdatum: 20. Oktober 2010

2

Sonntag, 22. April 2018, 23:29

Rusalka - Oper Liberec zu Gast in Wolfsburg

Liebe Taminos,

eigentlich schrecke ich vor außerdeutschen Tourneevorstellungen in meinem Wolfsburger Theater zurück - zu oft war die Qualität zum Fürchten.
Aufgrund Chrissy's euphorischen Beschreibungen der Vorstellungen aus Liberec, bin ich aber nun doch zur Vorstellung der Rusalka gegangen. Die Oper Liberec, zusammen mit der Tschechischen Oper Prag brachten Rusalka - eine Oper die ich schon vor Jahren mal gehört habe, aber nun erst für mich entdeckt habe. Was für ein herrliches Werk!
Um es vorweg zu nehmen - es war ein größtenteils äußerst beglückender Opernabend.
Hallo, Christian
Du hast es ja vor längerer Zeit mal angekündigt - nun hast Du Dein Vorhaben also wahrgemacht - und Du hast mit der "Liberecer Rusalka" als Gastvorstellung,
wohl ein zufriedenstellendes, beglückendes Erlebnis gehabt.
Deine umfangreiche, überwiegend lobende Bewertung und Beurteilung freut mich überaus. Ist sie doch für mich (und alle interessierten Taminos) eine Bestätigung
meiner bisherigen "euphorischen Berichte" über hochqualitative Aufführungen aus diesem Opernhaus. Für diese Bestätigung danke ich Dir besonders.
Ich muß hier auch nichts ergänzen, Du hast alles Wesentliche gesagt und beschrieben.
Interessenten kann ich evtl. zum Vergleich auf meinen damaligen Bericht im Thread "Gestern in der Oper", S. 13, Btr. 19 hinweisen.
Insgesamt - eine vollauf beglückende Vorstellung! Das Publikum dankte mit standing ovations (das heißt in Wolfsburg nicht viel...aber auch ich stand...das heißt was :D). Mal eine Regie ohne aufgedrägte Metaebene, ein wirklich herrliches Bühnenbild, toller Gesang und Orchester. Vielleicht muss ich auch einmal nach Liberec fahren.
Ich kann Chrissy jetzt verstehen! Auch wenn ich der Meinung bin, dass man auch Modern mit Zeitverschiebung toll inszenieren kann - solch einen Genuss hatte ich bisher selten!

LG
Christian
Da kann ich nur sagen, würde mich freuen - ein Besuch lohnt sich garantiert.

Herzliche Grüße
CHRISSY
Jegliches hat seine Zeit...

chrissy

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  • »chrissy« ist männlich

Beiträge: 3 647

Registrierungsdatum: 20. Oktober 2010

3

Mittwoch, 25. April 2018, 14:05

Auf musikalischer Seite kann ich auch nicht groß klagen. Überrascht war ich vor Orchester unter Leitung von Martin Doubravsky, welches doch durchaus anders klingt (besonders das Holz), als ein deutsches Orchester. Die Qualität und Spielfreude der Musiker war viel besser als erwartet. Obgleich die Geigen manchmal etwas schwächelten, so war das Blech geradezu wunderbar im Klang. Doubravsky hielt Orchester und Sänger perfekt zusammen. Da klapperte nichts. Und obgleich er prachtvoll, auskostend aufspielen ließ, hatten die Sänger im sonst eher problematischen Wolfsburger Haus keine Probleme dagegen anzukommen.
Der Wassermann von Pavel Vancura war das Highlight. Ein wahrer Sängerdarsteller - toll gespielt, prachtvoll ausgesungen, großes Volumen, aber auch ganz leise und zart wenn es darauf ankommt. Er erhielt den meisten Applaus am Schluss.
Insgesamt - eine vollauf beglückende Vorstellung! Das Publikum dankte mit standing ovations (das heißt in Wolfsburg nicht viel...aber auch ich stand...das heißt was :D). Mal eine Regie ohne aufgedrägte Metaebene, ein wirklich herrliches Bühnenbild, toller Gesang und Orchester. Vielleicht muss ich auch einmal nach Liberec fahren. Ich kann Chrissy jetzt verstehen! Auch wenn ich der Meinung bin, dass man auch Modern mit Zeitverschiebung toll inszenieren kann - solch einen Genuss hatte ich bisher selten!

LG
Christian
Lieber Christian
Du hast Dich ja in Deiner Beschreibung und Beurteilung über Deine erlebte "Rusalka" besonders über "Pavel Vancura und Martin Doubravsky" überaus lobend geäußert.
Gestern war ich wieder im Opernhaus Liberec /Reichenberg und hatte vor der Vorstellung Gelegenheit kurz mit Pavel Vancura und danach mit Martin Doubravsky zu sprechen.
Ich habe ihnen gesagt, daß mir ein Musikfreund begeistert von dem Gastspiel in Wolfsburg berichtet hat. Sie haben sich über das Kompliment und die positive Beurteilung
sehr gefreut. Besonders Herr Doubravsky, der mir voller Freude und Erstaunen über meine Kenntnis sagte - so klein ist die Welt. Dein Lob ist jedenfalls angekommen.

Herzlichst
CHRISSY

PS.: Im Monat Mai steht nach einem Jahr wieder mal "Nabucco" auf dem Spielplan. In der Partie des Zaccaria "Pavel Vancura".
Ich habe ihn ja schon oft in dieser Partie erlebt. Es ist eine Rolle, die ihm stimmlich, wie auch darstellerisch, absolut liegt.
Man kann sich kaum einen Besseren vorstellen. Ich freue mich schon jetzt, wieder mit dabei zu sein. Allein wegen ihm lohnt es sich erneut wieder hinzufahren!!!
Selbstverständlich auch wegen allen anderen und das alles in einer hervorragenden, werkgetreuen Inszenierung! (s. hierzu auch meine Btr. im Thread "Gestern in der Oper").

Jegliches hat seine Zeit...