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WoKa

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Registrierungsdatum: 12. Februar 2015

1

Freitag, 11. Mai 2018, 15:22

Meine beeindruckendsten Konzert- oder Opernerlebnisse der letzten 12 Monate

Hallo!

Viele von uns gehen regelmäßig in Orchesterkonzerte, besuchen Opernaufführungen oder Liederabende. Viele die - aus gesundheitlichen oder anderen Gründen - keine Vorstellungen (mehr) besuchen, schauen sich aktuelle Veranstaltungen im Fernsehen oder übers Internet an.

Ich habe mir zur Angewohnheit gemacht, möglichst von jedem Konzert ein Programm mit nach Hause zu nehmen. Als ich die Programmhefte gestern neu eingeräumt habe, kam mir in den Sinn, mal darüber nachzudenken, ws bei den vielen Events in den letzten 12 Monaten denn für mich positiv herausragend war.

Vielleicht habt Ihr ja Lust, Eure (maximal drei) Veranstaltungen, die aus den übrigen herausragten, kurz einzustellen. Sofern damals ein Konzertbericht erstellt wurde, kann der gerne verlinkt werden. Die vorgestellten Veranstaltungen dürfen natürlich auch gerne verstärkend kommentiert werden.

Ich bitte auch ausdrücklich diejenigen unter Euch, die keine Konzertgänger sind, aber als "Classical Couch Potato" die gesamte Veranstaltung (die in den letzten 12 Monaten statt gefunden hat) am Bildschirm mitverfolgt haben, um Beiträge.

Konzert, Oper, Liederabend, Streichquartett, Chorwettbewerb... Alles ist zugelassen.

Gruß und hoffentlich viel Spaß
WoKa
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

Justin

Profi

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Beiträge: 387

Registrierungsdatum: 15. November 2017

2

Freitag, 11. Mai 2018, 17:54

In den letzten 6 Monaten besuchte ich 7 hervorragende Konzerte, deshalb möchte ich aus diesen Konzerten eher Werke erwähnen, die ich besonders beeindruckend fand, wenn es recht ist.

Diese sind:
1. Widmann, Das heiße Herz Lieder Zyklus für Bariton und Orchester mit Gerhaher, Hrusa und Bamberger Symphoniker
Ein Kritik findet man hier: https://bachtrack.com/de_DE/kritik-widma…berg-april-2018
2. Widmann: Trauermarsch für Klavier und Orchester mit Bronfman, Jansons und den Symphonieorchester des BR
3. Bruckner: Symphonie Nr 8, Jansons und Symphonieorchester des BR (berauschend)
4. Berg: Altenberg Lieder mit Gerhaher, Hrusa und Bamberger Symphoniker

Viele Grüße
Justin
Ich verliere nie! Entweder ich gewinne oder ich lerne. (Unbekannt)

dr.pingel

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Beiträge: 4 294

Registrierungsdatum: 29. Juni 2009

3

Freitag, 11. Mai 2018, 20:27

Die King´s Singers in der Essener Philharmonie.
Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

Stimmenliebhaber

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  • »Stimmenliebhaber« ist männlich

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Registrierungsdatum: 3. Dezember 2012

4

Freitag, 11. Mai 2018, 22:27

Vielleicht habt Ihr ja Lust, Eure (maximal drei) Veranstaltungen, die aus den übrigen herausragten, kurz einzustellen.


So 09.07. "Die Passagierin" (Weinberg) - Semperoper Dresden - beim zweiten Mal war es noch eindrucksvoller als beim ersten Mal!!!

Mi 05.07. "Die Passagierin" (Weinberg) - Semperoper Dresden

Fr 07.07. "Wozzeck" (Berg) - Staatstheater Cottbus


Das war echt ne irre Woche, Anfang Juli 2017!

(Danach kam auch noch so manches Lohnende, aber nichts wirklich Vergleichbares auf diesem Niveau!)


Das sind drei (der mehr als 1000) Opernaufführungen meines Operngängerlebens, die ich mein Leben lang nicht mehr vergessen werde!
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

5

Freitag, 11. Mai 2018, 23:27

Korngold, Wagner, Weber

  1. Korngold, Das Wunder der Heliane, Deutsche Oper Berlin
  2. Wagner, Tristan und Isolde, Berliner Staatsoper
  3. Weber, Der Freischütz, Theater Aachen

In allen drei genannten Opern war ich von den Sängern begeistert und von der Inszenierung sehr angetan. Zu allen dreien habe ich einen Bericht hier im Forum abgeliefert.
Der Korngold rangiert auf dem ersten Platz, weil die Oper mich so über jede Erwartung entzückt hat, was am Komponisten, am expressionistischen Libretto, an den Sängern (Jakubiak u. Jagde), am Dirigenten (Albrecht) und an der Regie (Loy) lag.
..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
-- Aydan Özoğuz

AcomA02

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6

Samstag, 12. Mai 2018, 00:10

Hallo

Sonntag, 29.04.2018 in der Münchner Philharmonie ‚Am Gasteig‘

J Haydn
Sinfonie Nr.49 f-moll Hob I: 49 ‚La Passione‘

S Rachmaninov
Klavierkonzert Nr.4 g-moll Op.40
2 Zugaben (Schubert-Liszt, Prokofiev)

Pause

PI Tchaikovsky
Sinfonie Nr.4 f-moll Op.36
1 Zugabe (J Strauß)

Yannick Nézét-Seguin, cond
Yuja Wang, p
Rotterdam Philharmonic Orchestra

Sensationell in allen Partien.

LG Siamak

7

Samstag, 12. Mai 2018, 07:07

Der Freischütz



Freischütz in Augsburg. Ich habe mich vertippt.
..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
-- Aydan Özoğuz

operus

Ehrenpäsident und Außenminister

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Registrierungsdatum: 14. Mai 2008

8

Samstag, 12. Mai 2018, 11:28

Das Konzert "Vielfalt der Religionen" beim Heilbronner Sinfonie Orchester durch die ausgezeichnete Zusammenstellung mit Werken von Joachim Raff, Fazil Say, Max Bruch, Ernest Bloch und F. Mendelssoohn-Bartholdy.

Die gelungene Inszenierung von "Wagners Meistersingern" bei den Bayreuther Festspielen.


Das Abschlusskonzert des Heilbronner Sinfonie Orchesters "Welt des Klaviers" in dem der Pianist Gerhard Oppitz mit dem Mozart-Klavierkonzert Nr. 24, c-moll und der "Burleske" von Richard Strauss brillierte und das HSO seinen guten Ruf in der Ouverüre zu La clemenza die Tito von Mozart und Beethovens Sinfonie Nr. 8 F-Dur unter Beweis stellen konnte. Über dieses Konzert, bei dem am Rande ein kleines Tamino-Treffen stattfand, hat Willi umfassend im Forum berichtet. :jubel:
herzlichst
Operus
Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

dr.pingel

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9

Samstag, 12. Mai 2018, 20:45

Ich will nicht meckern, denn alle Kollegen hier sind doch richtige Experten, die ich absolut respektiere. Ich finde es immer nur schade, dass ich offenbar der einzige bin, der in Konzerte mit Alter Musik geht. Auch für die neue Spielzeit habe ich in Essen das Abo "Alte Musik bei Kerzenschein" gebucht. Dort spielte und wird spielen die Elite der europäischen Alte-Musik-Ensembles, darunter auch welche, die ich nicht kannte.
Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

WoKa

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10

Samstag, 12. Mai 2018, 21:41

Hallo dr.pingel!

Deshalb hatte ich darauf gehofft, dass auch Du Deine "Highlights" preis gibst.
Begeisterung kann anstecken!

Gruß WoKa
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

Erich Ruthner

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11

Samstag, 12. Mai 2018, 23:33

Ich habe in den letzten Wochen knapp hintereinder zwei ziemlich konträre Aufführungen erlebt, die mich beeindruckt aheben:

Dvoraks "Rusalka"

Roger & Hammersteins "Carousel"

Beides absolut stimmig, gute Inszenierungen mit ausgezeichneten Sängern.
Meine Meinung steht fest. Bitte verwirren Sie mich nicht durch Tatsachen.

Rheingold1876

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12

Samstag, 12. Mai 2018, 23:42

Vielleicht habt Ihr ja Lust, Eure (maximal drei) Veranstaltungen, die aus den übrigen herausragten, kurz einzustellen.


Da bei diesem schönen Thema nun doch die Kürze bevorzugt wird, lege ich mal meinen ausführlichen Bericht beiseite und halte mich ebenfalls knapp:

Bach: Johannespassion (Hinweis für Dr. Pingel - HIP)
Berlioz: L’enfance du Christ (Warnung für Gerhard - verunstaltet!)
Wolf: Italienisches Liederbuch (Mitteilung für Helmut - auch Kaufmann und Damrau können wider meine eigenen Erwartungen Wolf, Deutsch sowieso)

:D
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

WoKa

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13

Samstag, 12. Mai 2018, 23:48

Hallo lieber Rheingold!

Es hat sich zwar so entwickelt, dass die meisten Beiträge stichwortartig gehalten waren. Mich würde dennoch interessieren, um welche Aufführungen es sich handelte und was sie hervorgehoben hat. Schön wäre es, wenn auch die anderen entsprechende Daten und Einsichten beitragen würden.

Gruß
WoKa
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

Rheingold1876

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14

Samstag, 12. Mai 2018, 23:54

Lieber WoKo, ich habe ja schon nachgearbeitet. ;) Vielleicht reiche ich noch etwas nach.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

WoKa

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15

Sonntag, 13. Mai 2018, 00:01

Kannst es mir ja morgen zum Muttertag schenken :P
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

dr.pingel

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16

Sonntag, 13. Mai 2018, 12:10

Hallo dr.pingel!

Deshalb hatte ich darauf gehofft, dass auch Du Deine "Highlights" preis gibst.
Begeisterung kann anstecken!

Gruß WoKa



Ich habe diese Highlights schon beschrieben im thread "Faszination Vokalpolyphonie". Dort finden sich Artikel über die Konzerte der King´Singers, des Ensembles Ingenium aus Slowenien und des Orchestra of the Age of Enlightenment unter William Christie. Alle diese Konzerte in der Essener Philharmonie. Dazu kam noch eine konzertante Aufführung von Händels Giulio Cesare, ein Liederabend mit Vivica Genaux und einem famosen kleinen Streichorchester (auch Händel).
Der absolute Höhepunkt dann in einer alten Dortmunder Maschinenhalle: Monteverdis Marienvesper mit Philippe Herreweghe.
Nachzutragen ist noch das Wochenende mit allen Orgelwerken von Bach in der Essener Philharmonie. Da habe ich nur ein Konzert geschafft, aber was für eins. Der Organist des Essener Doms spielte die Passacaglia von Bach. Drei Manuale und ein Pedal, dazu eine Musik, dass uns buchstäblich Hören und Sehen verging.
Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

chrissy

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17

Sonntag, 13. Mai 2018, 20:03

Für mich gab es in den letzten 12 Monaten zum Glück weit mehr kulturelle Höhepunkte als drei Veranstaltungen, von denen ich in den jeweiligen Threads
in unserem Forum ausführlich berichtet habe. Da hier aber nur drei genannt werden dürfen, nenne ich im Bereich Oper die Premieren "Rigoletto" und "La Boheme",
beide im Theater /Opernhaus Liberec /Reichenberg und im Bereich Konzert "Das Weihnachtsoratorium" in meiner heimatlichen Kreuzkirche.

CHRISSY

Ich bitte um Entschuldigung und Verständnis, wenn ich darüber hinaus doch noch zusätzlich eine weitere Aufführung nenne. Nennen deshalb, weil brandaktuell:
Gestern Abend "Nabucco" im Theater /Opernhaus Liberec /Reichenberg. Wieder eine überaus gelungene Aufführung, die vor allem durch die beiden hervorragenden
und großartigen Solisten "Anatolij Orel" und "Pavel Vancura" als Nabucco und Zacharias zu einem begeisternden und beglückenden Erlebnis wurden.
Jegliches hat seine Zeit...

Rheingold1876

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18

Sonntag, 13. Mai 2018, 21:25

Nachdem mich WoKo so schön überredet hat, doch nicht etwas mehr von mir zu geben, soll es sein. Ich will mich aber auf zwei Ereignisse beschränken, die mich sehr bewegten.


https://www.youtube.com/watch?v=zRIiwvClNn8

Zunächst möchte ich auf "L’enfance du Christ" von Hector Berlioz in der Berliner Philharmonie (17. Dezember 2017) in einer szenischen Umsetzung eingegen, die einen aktuellen Bezug zu Flucht und Vertreibung herstellte. Die biblische Geschichte, aus der sich der Komponist für seinen Text bediente, gibt das durchaus her. Im Gegensatz zu anderen Vertonungen des Stoffes ist bei Berlioz das Kind schon geboren wenn die Handlung einsetzt. Dem sinnlichen Werk hat die ärmliche Ausstattung keine neue Dimension hinzufügen können. Auch wenn sich Berlioz angeblich eine räumliche Umsetzung hat vorstellen können, komponiert hat er eine Trilogie sacrée – eine geistliche Trilogie, in der sich alles Wesentliche im Orchester in in den gesungenen Passagen vollzieht, ähnlich seiner vokalen dramatischen Sinfonie "Roméo et Juliette". Insofern hat die szenische Bearbeitung mehr irritiert anstatt das Verständnis für das Werk zu befördern. Damit will ich aber nichts gegen die Art der Dramatisierung im Stil dessen gesagt haben, was gemeinhin als Regietheater gilt. Mir hätte die Musik genügt, zumal das seltsame Werk stilistisch ganz unkonventionell ist und viele unterschiedliche Elemente enthält. Wer es nicht kennt, wird es womöglich als Zumutung oder Kitsch empfinden. Maria und Joseph (innig und geschmeidig die Mezzosopranistin Sasha Cooke und der Bariton Jacques Imbrailo) zogen mit dem Jesus-Kind auf ihrer Flucht vor Herodes (eindrucksvoll Christopher Purves) weite Kreise durch die Ränge der Philharmonie. Mit großen Aufgaben ist in dem Werk der Erzähler (Allan Clayton mit sehr schön geführtem Tenor) betraut. Meine Erwartungen waren weniger auf die Solisten als auf den Dirigenten gerichtet: Robin Ticciati aus London ist mit Beginn dieser Saison Chef des Deutschen Symphonie Orchesters Berlin. Noch bevor er beschwörend die Arme zum Einsatz hebt, vermittelt er schon in seiner Bewegung Musik. Ticciati verbreitete Bescheidenheit und Freundlichkeit, gemischt mit einem Schuss Demut. Berlin hat in diesem schlanken Lockenkopf einen neuen Shooting Star. Für den Chefdirigenten spricht, dass er sich mit seltenem Repertoire einführt. Berlioz scheint ihm wichtig. Obwohl die Partitur vor sich, markierte er Einsätze und Chorpassagen sichtbar mit den Lippen aus dem Gedächtnis. "L’enfance du Christ" hat er bereits mit dem Swedish Symphony Orchestra bei LINN eingespielt - gegen übermächtige Konkurrenz. Das Werk ist auffällig oft auf Tonträgern produziert worden. Aktuell greifbar sind um die fünfzehn unterschiedliche Aufnahmen: Charles Dutoit (Decca), André Cluytens zweifach, Stephen Cleobury und Carlo Maria Giulini (EMI) Philippe Herreweghe (Harmonia Mundi), John Elioth Gardiner (Erato), Roger Norrington (SWR/Hänssler), Eliahu Inbal (Denon) Matthew Best (Hyperion), Jean-Claude Casadesus (Naxos), Sylvain Cambreling (Edel), Serge Baudo (Forlane). Mit drei Versionen ist Colin Davis ist Spitzenreiter (Philips, Decca und später nochmals LSO). Jede Produktion hat ihre Stärken. Keine geht unter den allgemein hohen Standard. Man meisten erreicht mich Cluytens in seiner ersten Einspielung. Berlioz hat seine Trilogie sacrée in mehreren Schritten über einen längeren Zeitraum komponiert. Ticciati führt die Teile sicher zusammen und ist um stilistische Einheitlichkeit bemüht, ohne die Brüche zu verwischen. Für mich war das Höhepunkt der Saison.


https://www.youtube.com/watch?v=dSXdddiHCas

Der Konzertkalender der Akademie für Alte Musik – kurz Akamus – ist prall gefüllt. Die Adressen sind glanzvoll und legendär. Und doch kehrt dieses berühmte historisch informiert spielende Kammerorchester mit schöner Regelmäßigkeit auch in Kirchen ein, die mitten in Wohnvierteln liegen. Bei Johann Sebastian Bachs Johannes-Passion in der Berliner Gethsemanekirche mitten im Prenzlauer Berg am 23. März 2018 blieb kein Platz frei. Den Chorpart hatte die Audi Jugendorchesterakademie übernommen. Sie wurde 2007 von der AUDI AG gegründet, um – wie es im Programmheft heißt – "begeisterten Nachwuchssängern eine Möglichkeit des Chorsingens auf hohem künstlerischen Niveau zu bieten und die aktive Teilnahme an den Audi Sommerkonzerten zu ermöglichen". Künstlerischer Leiter ist Martin Steidler, der auch am Dirigentenpult stand.
Diese jungen Sänger kamen mit ihre erfrischenden Vortragsweise so gut an, dass Marlo Honselmann, der den Pilatus sehr charaktervoll und mit festen stimmlichen Konturen aus dem Chor heraus vortrug, wesentlich mehr Beifall und sogar Bravos abbekam als Benedikt Kristjánsson, der den Evangelisten und die Tenor-Soli sang (Die Ausschnitte, die ich bei Youtube fand und verlinkte, sind sechs Jahre und geben die Leistungsfähigkeit des Sängern, über die er heute verfügt, noch nicht nicht wieder.) Solche Verwerfungen gehören an einem Abend in der Kiezkirche nun mal dazu. Sie sind in der Regel kein tief begründetes Werturteil, sondern Ausdruck spontaner Begeisterung. Der aus Island stammende junge Tenor ist kein Unbekannter in Berlin. Er studierte an der Hanns-Eisler-Musikhochschule, ist schon an der Staatsoper aufgetreten und in diversen Konzerten. Caruso hat ihn uns zuerst in seinem Thread der neuen Stimmen vorgestellt. :hello: Mit Bach tourt er durch Deutschland und Europa. Es scheint, als finde er mit diesem Repertoire das Zentrum seiner Karriere. Und es ist an der Zeit, dass sich eine Firma seiner annimmt und wenigsten eine der Bachschen Passionen auf CD herausbringt. Obwohl die Stimme zart und empfindsam, wenn nicht gar empfindlich wirkt, stand er die gewaltige Aufgabe – neben dem wortreichen Evangelisten auch noch die Arien und ein Arioso – ohne jede Ermüdungserscheinung durch. Dabei erweckte er nicht den Eindruck, besonders ökonomisch vorgehen zu müssen, sich die Partie geschickt einzuteilen, hier etwas zu sparen, dafür an anderer Stelle zuzugeben. Kristjánsson war immer zu hundert Prozent bei der Sache, bis zum letzten Ton. Seine Stärke ist neben dem unverwechselbaren jugendlichen Timbre, die Sicherheit in der Beherrschung der Partie. Er hat sie bis zum Perfektion studiert. So gut studiert, dass auch alle Besonderheiten und Eigenwilligkeiten der Luthertischen Sprache bewahrt bleiben. Nichts verwischt oder versinkt im Unbestimmten. Deutlichkeit wird zu dem, was sie sein soll und muss – nämlich Deutung. Obwohl er beim Singen nicht einen Blick in die Noten zu werfen brauchte, hat er sie – wie alle anderen Solisten auch – vor sich. Das ist ein guter Brauch und Ausdruck des Respekts vor dem, was der Komponist niedergeschrieben hat. Ohne die hervorragenden Leistungen der anderen Solisten – Marie-Sophie Pollak (Sopran), Sophie Harmsen (Alt) und Matthias Winckler (Bass) geringer zu schätzen, dem Tenor oblag es nun mal, wesentliche Akzente in der dramatischen Johannes-Passion zu setzen. Nach der bewegenden Alt-Arie "Es ist vollbracht", verkündet der Evangelist: "Und neiget das Haupt und verschied." Jetzt überniahm das Publikum seinen Part, indem es in absoluter Stille verharrte. Gefühlt minutenlang. Kein Husten, kein Anflug seinerzeit grassierender Bronchitis. Nichts. Was Kunst doch alles bewirken kann. Dieser Moment der Stille wurde zu einem Höhepunkt einer ereignisreichen Aufführung, der die versierte Akamus das sichere musikalische Fundament gibt. Mitunter wurde das feine, sensible Spiel auf den alten Instrumenten vom auftrumpfenden Chor überstimmt. Sechzig Sänger auf der einen und vierundzwanzig Instrumentalisten auf der anderen Seite, gingen schon rein rechnerisch nicht ganz auf.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

WoKa

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19

Sonntag, 20. Mai 2018, 13:43

Hallo!

Nachdem ich den Thread angeschoben habe und viele über ihre Highlights in unterschiedlicher Breite berichtet haben, gehört es sich, dass auch ich meine drei Lieblingsveranstaltungen der letzten 12 Monate offenbare:

Der Kammermusikabend mit Anne Sophie Mutter war und ist ein bleibendes Erlebnis. Ich werde nicht vergessen, wie ich bei der Partita von Bach zu Atmen vergessen habe.

Anne Sophie Mutter



Im August des vergangenen Jahres war ich berufich inWeimar und konnte bei der Gelegenheit Helmuth Rilling bei der Leitung eines Miesterkurses im Rahmen der 4. Weimarer Bachkantaten-Akademie erleben.

Helmuth Rilling



DSie Veranstaltung hat mich zu diesem Thread inspiriert:

Gibt es Kompositionen, die über jede Kritik erhaben sind?

Als dritte von zahlreichen Veranstaltungen innerhalb der letzten 12 Monate habe ich die Stuttgarter Inszenierung der Bellini-Oper La Sonnambula ausgewählt. Eine herrliche Oper, sehr bodenständig inszeniert - eindrucksvoll.

Hier einige ältere Beiträge (nicht von mir) zur Inszenierung:

La Sonnambula Stuttgart



Gruß WoKa
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."

Victor Hugo

William B.A.

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20

Sonntag, 20. Mai 2018, 13:59

Eine der beeindruckendsten Veranstaltung der letzten 12 Monate erlebte ich erst vorgestern:

Der Einfachkeit halber kopiere ich gleich meinen ganzen Bericht hierhin:

Zitat


Konzert von Grigory Sokolov am 18. Mai 2018 in Köln

(Foto ist nicht von gestern Abend!)

Programm:
Joseph Haydn, Sonate Nr. 32 g-moll Hob. XVI:44 (um 1771 bis 73)
Moderato
Allegro
Joseph Haydn, Sonate Nr. 47 h-moll Hob. XVI:32 (um 1776)
Allegro moderato
Menuet
Finale. Presto
Joseph Haydn, Sonate Nr. 49 cis-moll Hob. XVI:36 (um 1770-75?)
Moderato
Scherzando. Allegro con brio
Menuetto - Trio

Pause

Franz Schubert, Vier Impromptus op. 142 D.935 (1827)
1. Impromptu f-moll, Allegro moderato
2. Impromptu As-dur, Allegretto
3. Impromptu B-dur, Andante
4. Impromptu f-moll, Allegro scherzando

Es war einer jener Abende, wie ich sie nur erlebt habe, wenn Sokolov auf dem Podium agierte. Dabei sollte das gestern Abend schon der zweite Sokolov-Abend für mich innerhalb von 13 Tagen sein, aber der erste Abend, am 5. Mai im H1 in Münster, war schon kurz vor der Pause für mich beendet, als ich mit heftigen Blasenbeschwerden Hals über Kopfs den Saal verlassen musste und den Heimweg antrat.
Aber schon in Münster bekam ich einen Begriff davon, wie man Haydn-Cembalo-Sonaten auf einem Steinwayflügel spielen kann. (Und in einer früheren Konzertankündigung der Kölner Philharmonie stand (fast verschämt) unter dem Programm: Grigory Sokolov wird die Cembalo-Sonaten auf einem Konzertflügel spielen.
Ich bin ja der Meinung, dass die musikalische Größe der Haydn-Sonaten, speziell die der gestern gespielten drei Sonaten in Moll auf einem Steinway oder einem Bösendorfer besser abgebildet werden kann als auf einem Cembalo. Christoph Vratz, der Autor des Programmtextes, kommt an verschiedenen Stellen
So sagt er z. B. über die Sonate Nr. 32 g-moll an einer Stelle:

Zitat

Ein Blick auf die Sinfonie und Streichquartette jener Zeit verrät, dass die Intensität seiner dramatische Effekt, aber auch sein Gefühl für die Verarbeitung thematischer Ideen gewachsen ist. Auch diese Sonate ist ein Beispiel für seinen weiter entwickelten oder gar neuen Stil, zumal Haydn hier den Tonumfang der damaligen Klaviere, fünf Oktaven, fast komplett ausnutzt - ein Zeichen für die neue Ausdruckskraft."


Und Grigory Sokolov tut genau das auf dem Steinway, und zwar bei allen drei Sonaten, die unter der gemeinsamen Moll-Klammer stehen: Er stellt die vielen kurzen Triller und Verzierungen sowie die Tonrepetitionen, nicht nebeneiander bzw. reiht sie nicht aneinander, sondern formt sie zu einem organischen Fluss, in den immer wieder kleine Variationen des thematischen Materials eingebaut sind, er spürt aber auch genauestens den dramatischen Steigerungen nach, die natürlich bei Haydn längst vorhanden sind. Und mit "musikalischer Größe" (s. o.) meine ich auch klangliche Größe, die natürlich auf dem großen heutigen Konzertflügel besser zur Geltung kommt als auf einem Cembalo.
Und Sokolov stellt auch jede temporale Bewegung heraus, die ihm die Partitur bietet, wobei auch berücksichtigt werden muss, was sogar mir auch sofort aufgefallen war, dass in diesen drei Sonate kein wirklich langsamer Satz vorkommt, dafür aber durchweg ein schnelleres Tempo vorherrscht.
Und wer je einmal bei Sokolov im Konzert saß und gehört hat, dass Sokolov im Allgemeinen breite Tempi spielt, weiß längst, dass Sokolov alles kann, auch schnell, sehr schnell. Er gehört- nicht nur für mich- längst zu den größten lebenden Pianisten, vielleicht ist er auch "der" größte lebende Pianist.
Und so spielt er auch den Schlusssatz der Sonate Nr. 47 h-moll derart mitreißend in Tempo, Dynamik und Rhythmus, dass das Kölner Publikum, das natürlich längst weiß, dass man bei Sokolov am besten nur nach dem letzten Stück vor der Pause und nach dem letzten Stück nach der Pause Beifall spendet, sich nach diesem Husarenritt doch spontan zu einem kurzen Beifall hinreißen lässt, aber sofort wieder innehält, als der Meister seine Hände wieder über die Tasten hält.
An dieser Stelle noch ein weiteres Zitat aus dem Programmheft:

Zitat

"Im Titel der Druckausgabe der Sonaten steht übrigens erstmals der Hinweis "für Cembalo oder Fortepiano", und die dynamischen Finessen, die Haydn einfordert, ließen sich am ehesten auf den (damals) neueren Instrumenten umsetzen".

Die letzte Haydn-Sonate des Abends, die Nr. 49 in cis-moll, scheint mir auch in der Entwicklung am weitesten zu sein. Wieder ist der dynamische Level angestiegen und der Ausdruck insgesamt kraftvoller geworden. Dazu kommt, dass die typischen spielerischen Elemente im raschen Wechsel mit den kraftvollen scharfkantigen Fortestellen für schärfere Kontraste sorgen, als man sie vorher kannte und insofern schon auf Beethoven vorausweisen. Vielleicht kann man das aber auch umgekehrt sehen, dass Beethoven diese Eindrücke durch die Kenntnisse der Haydnschen Sonate gewonnen hat bzw. in seinen eigenen Intentionen dadurch bestärkt wurde.
Auch insgesamt, im Ablauf der ganzen Sonate, schafft Haydn einen großen Kontrast dadurch dass er dem dramatischen Kopfsatz ein Menuett als Finale gegenüberstellt, vielleicht der langsamste Satz aller drei Sonaten und mit einer Stimmung, die schon auf Schubert vorausweist.

Und auch diese Sonate stellt Sokolov kongenial in diesem komponistischen Zusammenhang vor.

Die Spielzeiten:

Sonate Nr. 32: 16 Minuten;
Sonate Nr. 47: 21 Minuten;
Sonate Nr. 49: 17 Minuten;

Nach der Pause erlebte ich dann zum ersten Mal die Impromptus op. 142 D.935 von Franz Schubert, interpretiert von Grigory Sokolov, auf die ich mich schon in Münster so gefreut hatte.
Impromptu Nr. 1 f-moll D.935, Allegro moderato:
Hier merkte man schon sofort, dass Sokolov den Moll-Bogen noch weiter gespannt hatte als über die drei Haydn-Sonaten, sondern in Wirklichkeit über das ganze Programm, denn auch das letzte Impromptu dies Opus-Nummer steht ja in f-moll.
Dieses Impromptu ist seit meiner ersten Begegnung mit ihm durch Alfred Brendel vor vielen Jahren mein Lieblings-Impromptu, und hier spannt sich ein weiteren viel größerer Bogen: So, wie ich kurz nach dem Kennenlernen dieses Stückes es auch von Brendel im Konzert hörte und vor Ergriffenheit weinen musste, ging es mir auch gestern Abend, nur dass ich meinte, meine Ergriffenheit sei diesmal noch stärker gewesen. Und sie stellt sich jedes Mal beim überirdischen Seitenthema ein, das nach dem Original noch zweimal in höherer Lage wiederholt wird bzw. beim dritten Ertönen mit Verzierung im Diskant ausgeschmückt wird. Das gehört m. E. zu den stärksten melodischen Eingebungen Schuberts überhaupt, und deren hatte er ja so viele. Und Sokolov, dieser absolute Ausnahmepianist (das Wort wird m. E. viel zu oft gebraucht, hat aber hier m. E. absolut seine Berechtigung), zeigt hier, dass er auch in der Gestaltung dieser leisen, beseligenden singenden Melodien unübertroffen ist.
Und da ich eben bei Haydn von gestiegenen Kontrasten sprach, so ist hier die Kontrastierung im dramatischen und lyrischen Ausdruck nochmal gewaltig angestiegen: Zu Beginn der dramatische Auftakt mit dem markerschütternden Sforzando am Ende des Abstiegs, dann nochmal Wiederholung in der Oktavierung, dann die rhythmische und dynamische Ausweitung und das gestiegene Tempo mit einer gewaltigen Steigerung in der Überleitung zum Seitenthema und dann das Seitenthema selbst: von einem anderen Stern!
Und so wendet sich mehrmals das Blatt, und ich meine schon, dass hier eine starke Anlehnung an den Sonatensatz vorliegt, nicht nur dass der exponierte Beginn zweimal auftaucht (auch im richtigen temporalen Rahmen, auch das Seitenthema kommt nochmal in gleicher Form wieder.
Vieles in der äußeren Form, in den thematischen Abschnitten, in den dynamischen und stimmungsmäßigen Kontrasten findet sich auch in den anderen Spätwerken Schuberts wieder, so. z. B. im "Frühlingstraum" in der Winterreise.
Spielzeit: 13 1/2 Minuten
Impromptu Nr. 2 As-dur D.935, Allegretto:
Hier beginnt es ganz anders, mit einer berührenden leisen Melodie, die jedoch nach einer Wiederholung von Fortissimo-Akkorden kontrastiert wird, nur das hier die Stimmung in den Fortissimo-Sequenzen anders ist. Sie ist nicht, wie in dem f-moll-Impromptu, dramatisch oder gar traurig, sondern weiter positiv, aber nicht mehr lyrisch, sondern eher heroisch. Dann kommt wieder der Wechsel zum Lyrischen und nochmals der Wechsel zum Heroischen, aber diesmal sind die Sequenzen kürzer.
Grigory Sokolov schöpft auch hier aus dem Vollen, macht auch hier größte Kontraste. Vielleicht ist er in den lyrischen Sequenzen noch überzeugender als Elisabeth Leonskaja, die ich während des Schreibens gegenhöre. Auf jeden Fall spielt er im triolenförmigen Mittelteil wieder mit großem Ausdruck, zugleich mit ganz "feiner Klinge", mit fließender Kontrastierung und einer großartigen Steigerung in diesem Mitteilteil und setzt auch diesen Wechsel organisch fort, ebenso wie die Wiederholung des Themas mit der Fortissimo-Kontrastierung und schließt wunderbar ab.
Spielzeit: 9 3/4 Minuten
Impromptu Nr. 3 B-dur D.935, Andante:
Hier haben wir einen Variationensatz vorliegen, das Geschehen fließt in ruhigem Andante dahin, wobei in der zweiten Variation durch sie Verkürzung der Notenwerte eine Art innere Beschleunigung entsteht, obwohl der Grundtakt gleichbleibt, aber auf diesen komponistischen Kniff habe ich auch schon in der Rezensionen der B-dur-Sonate D.960 hingewiesen (vgl. entsprechenden Thread). Auch bei Beethoven tauchte dies ja verschiedentlich auf, z. B. im Andante-Variationensatz in der Appassionata. Auf noch eine Entdeckung in dieser zweiten Variation möchte ich einweisen. An einer Stelle im Verlauf dieser Variation taucht eine Folge von Tönen auf, die identisch ist mit dem Beginn des Freudenthemas aus dem Finale der Neunten Beethoven. Auch das kam beim Vortrag Sokolovs so wunderbar zum Ausdruck.
Doch hier kommt auch eine Mollvariation daher mit einer (okatavierten) Variation mit weiten Tonintervallen und wiederum dynamischen Kontrasten. Noch zu einer anderen Variation findet Schubert am Schluss, wo auf- und abstrebenden glitzernde Läufe das Herz jedes Virtuosen höher schlagen lassen, bevor eine kurze thematische Coda abschließt.
Spielzeit: 13 1/4 Minuten
Impromptu Nr. 4 f-moll D.935, Allegro scherzando:
Hier schließt sich der Kreis des Abends mit dem letzten moll-Impromptu. Auch dies ist ein Stück voller dynamischer Kontraste, mit einem mitreißenden Rhythmus, sehr virtuos und, ja, witzig und humorvoll. Auch hier gehen die inhaltlichen, dynamischen und rhythmischen Bewegungen hin und her, und ähnlich wie in der B-dur-Sonate tauchen auch in diesem Stück verblüffende Pausen auf und ein noch verblüffenderer jäher Schluss, der im Nirwana versinkt.
Man hätte gestern Abend fast auf den Gedanken kommen können, dass Sokolov alles auf diesen Schluss zugespitzt hätte, so gigantisch war er, und das Auditorium bracht unmittelbar in enthusiastische Ovationen aus und harrte des "Konzertes nach dem Konzert".
Spielzeit: 8 1/2 Minuten

Und es ereignete sich auch wie erwartet. Ich erkannte sogar die erste Zugabe sofort: Es war kein anderes als das Impromptu Nr. 4 As-dur D.899. Die anderen habe ich nicht erkannt. Es waren aber natürlich insgesamt wieder sechs Zugaben. Das Programm war um 22:12 Uhr beendet, die Zugaben um 22:55 Uhr.

Liebe Grüße

Willi :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:


Du warst doch, wie ich meine mitbekommen zu haben, auch in dem Programm in Stuttgart?, lieber Wolfgang. Wie fandest du es denn?

Liebe Grüße

Willi
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WoKa

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21

Sonntag, 20. Mai 2018, 14:47

Ja - lieber Willi!

Am 25.4. habe ich ihn in der Liederhalle gehört. Das Programm war dasselbe wie bei Dir. Wahrscheinlich auch die Zugaben, wobei ich die auch nicht nennen kann.

Ich war wieder sehr beeindruckt. Die gesamte Atmosphäre ist eine andere als bei allen anderen Pianisten. Der relativ dunkle Saal, kein Applaus zwischen den einzelnen Werken in der jeweiligen Hälfte. Fast schon ehrfürchtig.

Der Abend hat mir die Impromptus von Schubert näher gebracht.

Ich wünsche Dir schöne Pfingsten.

LG
WoKa
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William B.A.

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22

Sonntag, 20. Mai 2018, 15:16

Lieber Wolfgang,

ich werde dir mal die Impromptus in der Interpretation von Elisabeth Leonskaja in den nächsten Tagen mit WeTransfer rüberschicken, und zwar D. 899 und D.935, dann hast du gleich die erste Zugabe, das Impromptu Nr. As-dur D.899 dabei. Elisabeth Leonskaja ist in Ausdruck und Dynamik ähnlich wie Grigory Sokolov.

Dir ebenfalls frohe Pfingsten und auch die Pfingstgrüße an deine Frau

Willi :)
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La Roche

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Montag, 21. Mai 2018, 10:50



Bei mir eindeutig Oedipe von Enescu in Gera. Alle anderen Opern und Konzerte, die ich in den letzten 24 Monaten besucht habe verblassen in der Erinnerung an diese gewaltige Inszenierung. Extrem schräge, aber sich immer mehr ins harmonische gehende Musik, besonders im letzten Akt. Dazu regional gute Sänger, ein ganz tolles Geraer Orchester und eine alles überragende Bühnenshow von Duncan Heyler. Das war mir auch einen eigenen Thread wert, der allerdings wenig Beachtung fand.

Herzlichst La Roche
Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


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24

Montag, 21. Mai 2018, 11:49

Hallo LaRoche!

So wenig Beachtung war das ja nicht :D
Wir können es ja hier nochmal verlinken.

Oedipe in Gera

Gruß und schönen Pfingstmontag wünscht
WoKa
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25

Montag, 21. Mai 2018, 12:13


Bei mir eindeutig Oedipe von Enescu in Gera. Alle anderen Opern und Konzerte, die ich in den letzten 24 Monaten besucht habe verblassen in der Erinnerung an diese gewaltige Inszenierung. Extrem schräge, aber sich immer mehr ins harmonische gehende Musik, besonders im letzten Akt. Dazu regional gute Sänger, ein ganz tolles Geraer Orchester und eine alles überragende Bühnenshow von Duncan Heyler. Das war mir auch einen eigenen Thread wert, der allerdings wenig Beachtung fand.

Herzlichst La Roche

Lieber La Roche
Wenn ich Dich etwas korrigieren darf - so ganz stimmt das nicht mit der "wenigen Beachtung".
Vielleicht schaust Du selbst nochmal nach. Du hast auf Deinen Beitrag rund 740 Zugriffe und auch einige direkte Antworten.
Auch wenn diese Oper bestimmt nicht "meine Musik" ist, habe ich Deinen Bericht mit großem Interesse gelesen und auch darauf geantwortet.
Aber ich weiß schon, wie Du das meinst und stimme Dir auch zu - einen Bericht über eine erlebte Vorstellung zu erstellen, bei der kein anderer mit dabei war,
und diesen einigermaßen verständlich und nachvollziehbar für Aussenstehende rüberzubringen, kostet viel Zeit und Mühe.
Und wenn dann Reaktionen ausbleiben, ist das persönlich nicht unbedingt förderlich für weitere Aktivitäten.

Herzliche Grüße und einen schönen Rest - Feiertag wünscht Dir und Hannelore
CHRISSY
Jegliches hat seine Zeit...