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wok

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1

Samstag, 6. Juni 2015, 14:13

ADRIAN AESCHBACHER - SCHNABEL-Schüler und würdiger Nachfolger von EDWIN FISCHER


ADRIAN AESCHBACHER
wurde am 10. 05. 1912 im schweizerischen Langenthal geboren und starb am 09. 11. 2002 in Zürich.

Der SCHNABEL-Schüler war nach dem 2. Weltkrieg einer der ganz großen Konzertpianisten. Er wurde zuerst von seinem Vater, dem Chordirigenten Carl Aeschbacher ausgebildet; und ging dann an das KONSERVATORIUM ZÜRICH. Dort waren EMIL FREY und VOLKMAR ANDREAE seine Lehrer. Anschliessend studierte er 2 Jahre bei ARTHUR SCHNABEL in Berlin. Ab 1934 begann er eine umfangreiche Konzerttätigkeit, die ihn in fast alle Länder Europas und nach Südamerika führte. Große Beachtung fand der Rundfunkmitschnitt von 1947 von BEETHOVEN's Klavierkonzert Nr. 1 mit dem ORCHESTRE DU FESTIVAL LUCERN unter WILHELM FURTWÄNGLER, der auch auf CD existiert.

1965 übernahm ADRIAN AESCHBACHER nach GIESEKING und FOLDES die Klaviermeisterklasse and der MUSIKHOCHSCHULE SAAARBRÜCKEN und leitete sie bis zu seiner Emeritierung 1977.

ADRIAN AESCHBACHER konzentrierte sich besonders auf das klassische und romantische Repertoire, wobei besonders die Werke von BEETHOVEN, SCHUBERT; SCHUMANN und BRAHMS Schwerpunkt seiner Konzerte und Einspielungen waren, er setzte sich aber auch für zeitgenössische, namentlich schweizer Komponisten wie OTHMAR SCHOECK; HEINRICH SUTERMEISTER und ARTHUR HONEGGER ein, einige derer Werke er auch uraufführte. Besonders gerühmt wurden seine Aufnahmen von BEETHOVEN's Sturmsonate, SCHUMANN's Toccata und SCHUBERT's großer B-Dur Sonate.

Im Hinblick auf SCHUBERT, dessen Nerv er mit seinen Interpretationen besonders gut trifft, ist ADRIAN AESCHBACHER für mich der ideale Interpret für die Moments musicaux D 780 und dier Wandererfantasie D 760. Wie er die lyrischen und romanitschen Stellen der Moments musicaux herrlich ausspielt, dabei durchaus individuell und eigenwillig phrasiert und akzentuiert, und wie er die Wandererfantasie zupackend und drängend intensiv gestaltet, ohne diese technisch sehr anspruchsvolle Fantasie als bloßes Virtuosenstück ablaufen zu lassen, wie man dies doch nicht selten von berühmten Klaviervirtuosen feststellt, ist für mich beeindruckend und genial.

Nicht umsonst hat die DGG damals diesen Pianisten umworben und gerne auf ihn zurückgegriffen, und wohl auch nicht umsonst konnte man ADRIAN AESCHBACHER in den 50er Jahren sehr oft mit SCHUBERT, und gerade mit diesen Moments musicaux und der Wandererfantasie, im Rundfunk hören..

Kaum zu verstehen, daß dieser großartige schweizer Pianist heute fast in Vergessenheit geraten ist, nachdem er nach dem Krieg und im Zenit seiner Karriere ab 1950 zu den bekanntesten Konzertpianisten in Deutschland zählte.



wok
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wok

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Registrierungsdatum: 18. Juli 2011

2

Samstag, 6. Juni 2015, 17:58

Ergänzend zu meinem Thread nachstehend noch einige youtube-Aufnahmen mit ADRIAN AESCHBACHER:

SCHUBERT-Impromptu op. 142 Nr. 1: Wer außer JÖRG DEMUS, INGRID HAEBLER oder ALRED BRENDEL vermag dieses Impromptu so herrlich zu spielen!!



BEETHOVEN Klavierkonzert Nr. 1 mit FURTWÄNGLER und dem ORCHESTRE DU FESTIVAL LUCERN - Aufnahme 1947



Brahms Klavierkonzert Nr. 2 mit FURTWÄNGLER und den BERLINER PHILHARMONIKERN Aufnahme 15.12.1943



SCHUBERT. Forellenquintett letzter Satz mit dem HANKE-QUARTETT -Aufnahme von 1941/1942



wok

JLang

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3

Freitag, 12. Juni 2015, 22:04

Lieber wok,

hab vielen Dank, dass Du diesem Pianisten einen eigenen thread gewidmet hast.
Verdient hat er es allemal. Ich besitze von ihm tatsächlich nur eine einzige Aufnahme, das Brahms Klavierkonzert unter Furtwängler, das ich aber lange nicht gehört habe.

Die Aufnahme dürfte mit dem von Dir eingestellten youtube-clip identisch sein.


Herzliche Grüße
JLang
Gute Opern zu hören, versäume nie
(R. Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln)

wok

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Beiträge: 864

Registrierungsdatum: 18. Juli 2011

4

Samstag, 13. Juni 2015, 01:44

Lieber wok,
hab vielen Dank, dass Du diesem Pianisten einen eigenen thread gewidmet hast.
Verdient hat er es allemal. Ich besitze von ihm tatsächlich nur eine einzige Aufnahme, das Brahms Klavierkonzert unter Furtwängler,
das ich aber lange nicht gehört habe.
Die Aufnahme dürfte mit dem von Dir eingestellten youtube-clip identisch sein
Herzliche Grüße
JLang
Hallo JLang,

Über Deine Zeilen zu meinem Thread über den Pianisten ADRIAN AESCHBACHER habe ich mich sehr gefreut. Ich mußte schon fürchten, daß dieser selbst in unserem Forum völlig vergessen oder gar unbekannt ist.

Ja, die von Dir abgebildete Aufnahme ist mit meiner you-tube-Einstellung identisch. Unter FURTWÄNGLER hat AESCHBACHER, wie gesagt, auch BEETHOVEN's Klavierkonzert Nr. 1 gespielt.

Am allerliebsten höre ich ADRIAN AESCHBACHER mit SCHUBERT, und wenn Du mit ihm noch irgendwo eine Aufnahme der Moments musicaux, der Impromptus und/oder der Wandererfantasie ergattern kannst, dann solltest Du schnell zugreifen, denn diese spielt er wirklich großartig, und dem Erlebnis, ihn iin meiner Jugend im Rundfunk des öfteren mit diesen Werken gehört zu haben, verdanke ich nicht zuletzt meine frühe große Liebe zur Klaviermusik SCHUBERTs!!

Viele Grüße aus Málaga, und ein sonniges und musisches Wochenende!

wok

nemorino

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Beiträge: 905

Registrierungsdatum: 31. Dezember 2017

5

Dienstag, 16. Oktober 2018, 22:40

Es ist wirklich unbegreiflich, ja traurig, dass der einstmals berühmte Schweizer Pianist Adrian Aeschbacher bei den heutigen Klassikfreunden so gut wie vergessen ist. Das hat er nicht verdient.

Als ich Ende der 1950er Jahre mit Plattensammeln anfing, gehörte Aeschbacher zu den festen Größen der Deutschen Grammophon Gesellschaft, die zahlreiche Aufnahmen mit ihm veröffentlichte. Man kann sagen, daß der Künstler zu den Pionieren zählte, die die LP-Ära bei der DGG entscheidend mitgeprägt haben. Warum er später total ins Abseits geriet (zumindest was Plattenaufnahmen betraf), ist mir nicht bekannt. Ab ca. 1960, d.h. dem Beginn des Stereo-Zeitalters, spielte er zumindest bei seiner Stammfirma keine Rolle mehr. Zu dieser Zeit beherrschten Pianisten wie Wilhelm Kempff, Stefan Askenase und Tamas Vasary den LP-Katalog der Deutschen Grammophon. Ob es an Aeschbacher selber gelegen hat, der vielleicht andere Schwerpunkte setzte als Tonaufnahmen, oder an einem uneffektiven Management des Künstlers, oder aber an der Firmenleitung der DGG, die damals künstlerisch von Prof. Elsa Schiller geführt wurde, wird sich heute schwer feststellen lassen.

Ich selber habe, obwohl LPs damals teuer waren und mein Taschengeld knapp, einige Aeschbacher-Aufnahmen besessen, die ich gerne hier einmal aufliste, um den Künstler auf diesem Weg einmal wieder in Erinnerung zu rufen:

Von links nach rechts:
Grieg: Klavierkonzert (mit den Berliner Philharmonikern, Leopold Ludwig), Schubert: Forellenquintett (mit dem Koeckert-Quartett), Schumann: Kinderszenen, 3 Romanzen op. 28.
Alles Mono-Aufnahmen aus der 1. Hälfte der 50er Jahre, für damalige Verhältnisse technisch ausgezeichnet.

Es gab u.a. noch das Brahms-Konzert Nr. 2, ebenfalls mit den Berliner Philharmonikern, Dirigent: Paul van Kempen, einige Beethoven-Sonaten sowie die Schubert-Sonate Nr. 21 B-dur, damals eine Rarität (die Vorkriegsaufnahme mit Artur Schnabel war in Deutschland nicht erhältlich). Das waren 30 cm-LPs, die damals je 25 DM kosteten, für mich unerschwinglich.
Einiges davon wurde später auf HELIODOR preisgünstig wieder aufgelegt, leider künstlich stereophonisiert ("stereo transcription" nannte man das bei der DGG) und damit klanglich fast ungenießbar. Da gab es aber bereits neuere "richtige" Stereoplatten, so daß Aeschbachers Interpretationen in den Hintergrund gerieten.

Es freut mich, daß "wok" hier an diesen großartigen Pianisten erinnert hat. Leider war das Echo recht kläglich, was aber nicht verwunderlich ist. Die meisten seiner Einspielungen sind nie auf CD überspielt worden (ich kenne keine DGG-Produktion, die es auf das neue Medium geschafft hat). Die oben von mir gezeigten LPs sind aber bei Amazon z.T. noch als Vinylausgabe (natürlich gebraucht) erhältlich.
Es haben zahlreiche künstlerisch weniger wertvolle Aufnahmen den Weg auf die CD gefunden. Vielleicht erbarmt sich ein Nischenlabel einmal des Künstlers und wagt eine Neuausgabe. Das würde mich freuen. Der Künstler starb hochbetagt, im Alter von 90 Jahren, in Zürich.

LG, Nemorino

Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).