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AMATEURVIDEO-FILMFORUM-WIEN

Harald Kral

Erleuchteter

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1

Montag, 4. November 2013, 11:47

Arnold Schönberg: "Ein Überlebender aus Warschau"

Uraufführung heute vor 65 Jahren:



Arnold Schönberg:
"Ein Überlebender aus Warschau" -

"A Survivor from Warsaw for Narrator, Men’s Chorus and Orchestra op. 46"

Entstehung ca. 7. Juli - ca. 10. August 1947 (Konzeption, Text und musikalische Skizzen); 11. - 23. August 1947 (Particell)

Erstaufführung: 4. November 1948, Albuquerque, New Mexico, Carlisle Gymnasium, University Campus; (Albuquerque Civic Symphony Orchestra; Dir. Kurt Frederick; Sherman Smith, Erzähler)

LG
Harald

Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
(Vinícius de Moraes)

teleton

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2

Montag, 4. November 2013, 14:41

Hallo Harald,

das ist wirklich ein wahnsinniges Werk von Schönberg, das bis ins Mark packt und erschüttert !

Ich habe 2 Aufnahmen, die jede für sich die hohe Aussagekraft mitbringen:

Gary Bertini / Kölner RSO / Keith Eugen, Sprecher (TB-Aufnahme aus den 80ern WDR 3) die mich geprägt hat.
Pierre Boulez / BBC SO / Günter Reich, Sprecher (CBS, 1978) - LP
Gruß aus Bonn, Wolfgang

Herbert Henn

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Registrierungsdatum: 24. März 2006

3

Montag, 4. November 2013, 20:02

Lieber Wolfgang,
der Sprecher in der WDR Aufnahme heißt Kieth Engen.
Kieth Engen war ein hervorragender Oratorien und Opernsänger (Bass)

:hello: Herbert
Tutto nel mondo è burla.

Harald Kral

Erleuchteter

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Registrierungsdatum: 20. Juni 2007

4

Montag, 4. November 2013, 21:09

Erich Leinsdorf dirigiert

Mit dieser Aufnahme bin ich aufgewachsen:


Boston Symphony Orchestra, Erich Leinsdorf
Narrator: Sherill Milnes

New England Conservatory Chorus Boston
Chorleitung: Lorna Cook de Varon (1969)

Obwohl längst auf CD vorhanden, steht die Vinyl-LP, die mich seit 1970 begleitet, immer noch hier im Schrank.

LG
Harald

Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
(Vinícius de Moraes)

5

Montag, 28. Mai 2018, 15:39

Neben den genannten Aufnahmen von Leinsdorf und Boulez sind gar nicht so viele weitere Aufnahmen am regulären Markt erhältlich. Oder liegt es daran, dass sich CDs mit dem Stück schlecht googlen lassen wegen unterschieldicher Schreibweisen und weil das recht kurze Stück nicht immer Verschlagwortet wurde bei den Versandhändlern?

Als eine weitere kanonische Aufnahme gilt vermutlich Abbados DG-Aufnahme, die ich gerade nicht im regulären Sortiment finden kann.

Wiener Philharmoniker / Abbado / Sprecher: Gottfried Hornik (?)

Als weiteres veröffentlichtes Abbado-Dokument folgte

European Community Youth Orchestra / Abbado / Maximilian Schell (13.8.1979)

Kurt Masur live aus Tel Aviv, 31.12. 2006

Sprecher Friedhelm Eberle macht das meiner Meinung nach sehr gut.

Weitere Tips, auch bezüglich Aufnahmen, die unauffällig als Füller auf CDs und in Boxen ein Schattendasein führen?
Sport lässt Menschen besser aussehen - Wein aber auch.

Dr. Holger Kaletha

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6

Montag, 28. Mai 2018, 17:56

Als eine weitere kanonische Aufnahme gilt vermutlich Abbados DG-Aufnahme, die ich gerade nicht im regulären Sortiment finden kann.
... die Aufnahme ist ein Ereignis! So unglaublich expressiv und klanglich subtil haben die Wiener Philharmoniker wohl noch nie geklungen! Eine absolute Sternstunde der Aufnahmegeschichte!

Schöne Grüße
Holger

7

Montag, 28. Mai 2018, 18:04

Birmingham / Rattle / Franz Mazura




Hier noch der Link zu Boulez / Günther Reich

Sport lässt Menschen besser aussehen - Wein aber auch.

MSchenk

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8

Samstag, 20. Oktober 2018, 12:14

Danke für dein Tote-Stadt-Feedback aus HSV-Town
Niemand geringerer als Sylvain Cambreling wird dann die Nachfolge des leider viel zu früh verstorbenen Sir Jeffrey Tates als neuer Chefdirigent der Hamburger Symphoniker antreten. Und bereits dieses erste Programm macht mit Helmut Lachenmanns "Staub" für Orchester, Schönbergs eindringlichem Melodram A Survivor from Warsaw op.46 und Beethovens Symphonie Nr.9 d-moll op.125 die nicht geringen Ambitionen des neuen "Pultvorsitzenden" deutlich.
Cambeling hatte am 17.12.10 in Friedrichshafen mit den SWRlern schon mal Schönbergs Überlebenden mit Beethovens 9. dirigiert und dabei den Überlebenden im 4. Satz von op. 125 hineinmontiert. Wurde auch vom SWR 2 gesendet. Die Idee stammt m.E. als erstes von Michael Gielen. Er praktizierte es in Frankfurt etwa Ende der 70ziger Jahre. Ein FAZ-Kritiker bedauerte damals - vermutlich krokodilstränen-like - dass das Auditorium den Dirigenten lediglich mit kühlem Applaus davonkommen ließ, statt von seinem Recht Gebrauch zu machen, ihn zu köpfen.
Das Gielen dies getan hat, hatte ich schon im Wikipedia-Artikel zu diesem Werk gelesen (siehe hier). Interessant in diesem Zusammenhang vielleicht auch folgende Aufnahme, wo Gielen Schuberts Rosamunde D797 mit Weberns op.6 koppelt:



Die Gielen-Kombination Beethoven/Schönberg scheint es leider nur noch antiquarisch auf LP zu geben (siehe hier). Hier setzte ich allerdings auf die Fortsetzung der Gielen-Edition, welche in der achten Box ja Werke der neuen Wiener Schule versammelt. Das die Stücke, also Beethovens op.125 und Schönbergs op.46 durchaus etwas miteinander zu tun haben, hat schon Leinsdorf erkannt (siehe oben), wenngleich eine Montage seinerzeit wohl undenkbar gewesen wäre!? - Wir, d.h. mein kleiner privater Opern- und Konzertclub sind jedenfalls sehr gespannt, wie Cambreling das "Problem" morgen lösen wird; immerhin kommt ja auch noch Lachenmanns "Staub" für Orchester dazu.

(Alle Links zuletzt aufgerufen am 20.10.2018)
mfG Michael

Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

Amfortas08

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9

Samstag, 20. Oktober 2018, 13:58

Interessant in diesem Zusammenhang vielleicht auch folgende Aufnahme, wo Gielen Schuberts Rosamunde D797 mit Weberns op.6 koppelt:
In einem Interview begründete Gielen das mit der Aura der Webern- und Schubert-Kompositionen. Und dass er durch die Koppelung deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede dem Hörer erfahrbarer zu machen versucht.

Wir, d.h. mein kleiner privater Opern- und Konzertclub sind jedenfalls sehr gespannt, wie Cambreling das "Problem" morgen lösen wird; immerhin kommt ja auch noch Lachenmanns "Staub" für Orchester dazu.
Lachenmanns Stücke scheinen momentan im Konzertbetrieb ein vergleichweise recht gutes Standing zu haben.
Die Gielen-Kombination Beethoven/Schönberg scheint es leider nur noch antiquarisch auf LP zu geben (siehe hier). Hier setzte ich allerdings auf die Fortsetzung der Gielen-Edition, welche in der achten Box ja Werke der neuen Wiener Schule versammelt. Das die Stücke, also Beethovens op.125 und Schönbergs op.46 durchaus etwas miteinander zu tun haben, hat schon Leinsdorf erkannt (siehe oben), wenngleich eine Montage seinerzeit wohl undenkbar gewesen wäre!?
Wenn ichs noch recht auf Schirm habe, begründete Gielen dass in den Zielen der französischen Revolution bzw. auch in deren abgeleiteten Parolen schreckliche Represssion lauert. Hab seine Argumenation leider nicht mehr ausreichend auf Schirm. Vielleicht denkt Gielen, dass das "seid umschlungen Millionen" nicht Einzelsubjekte, sondern eben ersetzbare, austauschbare und entquallifizierte Millionen abfeiert... mich erinnert das irgendwie an erblindeten Faust iim 2. Teil : "Eröffn ich Räume vielen Millionen".. auch das Gleichheitsideal (das aber nicht abstrakt in die Tonne zu treten ist) birgte dann in sich die Gefahr des Umschlags, indem es dann Verschiedenheit nicht dultet, Unterschiede droht zu schleifen, unter sich zu plätten, auszumerzen... schade dass Gielens Beethoven-Buch vergriffen ist, vielleicht kann man sich darin seine Gedanken zu Beethoven 9 -Schönberg op. 46 genauer und ausführlicher reinziehn.. ...

MSchenk

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10

Samstag, 20. Oktober 2018, 19:34

Interessant in diesem Zusammenhang vielleicht auch folgende Aufnahme, wo Gielen Schuberts Rosamunde D797 mit Weberns op.6 koppelt:
In einem Interview begründete Gielen das mit der Aura der Webern- und Schubert-Kompositionen. Und dass er durch die Koppelung deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede dem Hörer erfahrbarer zu machen versucht.
Was die Gemeinsamkeiten angeht, komme ich auf meine eigenen Erfahrungen: Höre ich Gielens Zusammenstellung ein wenig "beiläufig", ertappe ich mich stets dabei, nicht auf Anhieb genau sagen zu können, ob es grad Schubert oder grad Webern, der da zu hören ist. Man könnte positiv gemeint sagen, dass Schubert schon so sehr modern tönt, wie es Webern fast klassizistisch vollbringt. In 2015 hätte ich beinahe die Freude gehabt, das damals noch NDR-Sinfonieorchester unter Gielen mit seiner Kombination zu hören. Leider ist dieser große und kluge Dirigent kurz zuvor vom Pult zurückgetreten; übernommen hat Markus Stenz mit dem nämlichen Programm! Leider konnte ich den Termin aufgrund von eigener Indisposition nicht wahrnehmen. Eine Kritik ist hier noch zu finden.

Die Gielen-Kombination Beethoven/Schönberg scheint es leider nur noch antiquarisch auf LP zu geben (siehe hier). Hier setzte ich allerdings auf die Fortsetzung der Gielen-Edition, welche in der achten Box ja Werke der neuen Wiener Schule versammelt. Das die Stücke, also Beethovens op.125 und Schönbergs op.46 durchaus etwas miteinander zu tun haben, hat schon Leinsdorf erkannt (siehe oben), wenngleich eine Montage seinerzeit wohl undenkbar gewesen wäre!?
Wenn ichs noch recht auf Schirm habe, begründete Gielen dass in den Zielen der französischen Revolution bzw. auch in deren abgeleiteten Parolen schreckliche Represssion lauert. Hab seine Argumenation leider nicht mehr ausreichend auf Schirm. Vielleicht denkt Gielen, dass das "seid umschlungen Millionen" nicht Einzelsubjekte, sondern eben ersetzbare, austauschbare und entquallifizierte Millionen abfeiert... mich erinnert das irgendwie an erblindeten Faust iim 2. Teil : "Eröffn ich Räume vielen Millionen".. auch das Gleichheitsideal (das aber nicht abstrakt in die Tonne zu treten ist) birgte dann in sich die Gefahr des Umschlags, indem es dann Verschiedenheit nicht dultet, Unterschiede droht zu schleifen, unter sich zu plätten, auszumerzen...
Da finde ich schon den oft formulierten Ansatz, alle Menschen seien gleich problematisch, denn offensichtlich ist dies nicht der Fall. Hier fehlt der jeweilige Kontext, unter dem die apostrophierte Gleichheit oder besser Gleichbehandlung wünschenswert ist: Z.B. sollten alle Menschen vor dem Gesetz gleichbehandelt werde, andererseits ist die Feststellung, alle Juden seien gleich und gehörten deshalb in ein KZ, nicht nur moralisch, ethisch oder humanistisch, sondern schon rein logisch falsch.

Was Gielen angeht, so hat er, wie ich es verstanden habe, Schönbergs op.46 vor den Einsatz des "Freunde! Nicht diese Töne!" des Baritons in op.125 gesetzt. Interessanterweise ist die Sprechstimme in op.46 zumeist ja eher baritonal besetzt. Gielen läßt durch seine Montage also die Erwartungshaltung des Publikums auch musikalisch durch Einsatz des "falschen" Baritons und später durch den ebenso "falschen" Chorsatz des Schma Jisrael quasi komplett gegen die Wand fahre. Ebenfalls im Wikipedia-Artikel zu A Survivor from Warsaw op.46 habe ich gelesen, dass später Hans Zender das Stück zwischen die beiden Matthäuspassion BWV244-Teile gesetzt hat, was 1972 in Kiel zu einem Skandal geführt hat. Bei einer solchen Reaktion frage ich mich dann immer, ob dies, also die Reaktion der eigentliche Skandal ist. Vor einigen Jahre hat Thomas Hengelbrock mit der NDR-Sinfonieorchester den Eingangschor der Matthäus-Passion durch Dallpiccolas Il prigioniero "unterbrochen". Zu einem Skandal kam es allerdings nicht.

schade dass Gielens Beethoven-Buch vergriffen ist, vielleicht kann man sich darin seine Gedanken zu Beethoven 9 -Schönberg op. 46 genauer und ausführlicher reinziehn.. ...
Hier schaue ich ab und zu antiquarisch und warte auf ein Schnäppchen.
mfG Michael

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Joseph II.

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Samstag, 20. Oktober 2018, 21:05

Als eine weitere kanonische Aufnahme gilt vermutlich Abbados DG-Aufnahme, die ich gerade nicht im regulären Sortiment finden kann.
... die Aufnahme ist ein Ereignis! So unglaublich expressiv und klanglich subtil haben die Wiener Philharmoniker wohl noch nie geklungen! Eine absolute Sternstunde der Aufnahmegeschichte!



Absolute Zustimmung! Ich habe mittlerweile so einige Aufnahmen angehört (was bei diesem kurzen Stück gut möglich ist), aber keine erreicht die Intensität der Abbado-Einspielung aus Wien von 1989. Das liegt zu einem ganz erheblichen Teil auch am exzellenten Sprecher Gottfried Hornik, der den Feldwebel/Sergeant so ungemein bedrohlich herüberbringt, dass einem das Blut in den Adern gefriert. Bei diesem Werk ist es m. E. wichtig, dass der Sprecher einwandfreies Deutsch spricht, sonst wird das schnell unfreiwillig komisch (was gerade bei dieser Thematik völlig fehl am Platze ist).



Eine andere Aufnahme, die zumindest nahe an die genannte heran kommt, ist ebenfalls von Abbado dirigiert und stammt von den Salzburger Festspielen 1979. Sprecher ist niemand Geringerer als Maximilian Schell. Sie hat nicht ganz die Siedehitze der Studioeinspielung, aber Schell ist natürlich auch eine Klasse für sich, auch wenn er nicht ganz die Dämonie Horniks erreicht.

Die Aufnahmen mit Nichtmuttersprachlern fallen für mich leider ab.

Claudio Abbado ist für mich somit ganz klar die Referenzadresse bei diesem erschreckenden Werk. Eine der größten Leistungen in seiner Diskographie. :hail:
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

MSchenk

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12

Samstag, 20. Oktober 2018, 22:08

Bei diesem Werk ist es m. E. wichtig, dass der Sprecher einwandfreies Deutsch spricht, sonst wird das schnell unfreiwillig komisch (was gerade bei dieser Thematik völlig fehl am Platze ist). [...] Die Aufnahmen mit Nichtmuttersprachlern fallen für mich leider ab.
Ohne Frage ist die Studio-Produktion unter Abbado absolut eindrücklich. Allerdings ist die Frage nach dem "richtigen" Muttersprachler ja nicht ganz eindeutig zu beantworten, da der größere Textteil ja in englischer Sprache verfaßt ist. Hier kann man sich nun überlegen, auf welche Textpassagen es einem mehr ankommt? - Morgen abend übrigens wird der italienische Bassbariton Luca Pisaroni sowohl den Erzähler in Schönbergs op.46, als auch die Bariton-Partie in Beethoven 9ter übernehmen. M.E. ein weiteres starkes Indiz dafür, dass Cambreling das Schönbergsche Melodram direkt innerhalb des IV. Satzes der Beethoven-Symphonie hineinsetzen wird.
mfG Michael

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Joseph II.

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13

Samstag, 20. Oktober 2018, 22:35

Allerdings ist die Frage nach dem "richtigen" Muttersprachler ja nicht ganz eindeutig zu beantworten, da der größere Textteil ja in englischer Sprache verfaßt ist. Hier kann man sich nun überlegen, auf welche Textpassagen es einem mehr ankommt?

Das ist nun natürlich ein guter Einwand, lieber Michael, der mir kurz nach dem Tippen vorhin auch schon kam. Es gibt eine Aufnahme von Hans Rosbaud von 1958, wo der gesamte Text auf Deutsch ist. Sprecher ist Hans Herbert Fiedler. Ich habe keine Ahnung, ob Schönberg diese Übersetzung abgesegnet hat. Sie wirkt jedenfalls auf mich durchaus nicht schlecht gelungen. Vielleicht wollte Rosbaud aber auch, dass die deutschen Hörer, die damals wohl mehrheitlich noch keine solch guten Englischkenntnisse besaßen, wirklich mitbekommen, worum es überhaupt genau geht. Ein anderer Fall ist eine Aufnahme von Hermann Scherchen mit Hans Olaf Heidemann als Sprecher, die durch zweierlei auffällt: Zum einen ist sie extrem gedehnt (9 Minuten), zum anderen wurde dort einfach die explizite Nennung der Gaskammer gestrichen. "In einer Minute will ich wissen, wie viele ich abliefern kann" heißt es dort. Womöglich wollte er es das Stück dadurch entschärfen?
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Dr. Holger Kaletha

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14

Samstag, 20. Oktober 2018, 22:37

Claudio Abbado ist für mich somit ganz klar die Referenzadresse bei diesem erschreckenden Werk. Eine der größten Leistungen in seiner Diskographie. :hail:
Das finde ich auch, lieber Joseph! Ich habe die DGG-Studioaufnahme, den Salzburger Mitschnitt muss ich mir wohl noch besorgen... :hello:

Schöne Grüße
Holger

MSchenk

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Samstag, 20. Oktober 2018, 22:40

Danke, lieber Joseph, für diese interessanten Informationen :hello: Kann man den von der genannten Aufnahmen unter Rosbaud und Scherchen irgendwie habhaft werden?
mfG Michael

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Joseph II.

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Samstag, 20. Oktober 2018, 23:14

Lieber Michael,

die Scherchen-Aufnahme ist auf dieser CD enthalten:



Es handelt sich dabei tatsächlich um die deutsche Erstaufführung (20. August 1950). Es spielt das Orchester des Landestheaters Darmstadt.
Ich las gerade bei Google Books in Arnold Schoenberg's A Survivor from Warsaw in Postwar Europe von Joy H. Calico, dass die Abänderung der einen Textstelle wohl ein Zugeständnis an die Befindlichkeiten des deutschen Publikums gewesen ist. Erzähler Hans Olaf Heidemann habe die Rolle nur widerwillig übernommen und sie so neutral wie möglich gestaltet. Die Aufführung wurde von der Kritik dann auch verrissen.

Die Rosbaud-Aufnahme findet man auch bei YT:



Beste Grüße :hello:
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