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AMATEURVIDEO-FILMFORUM-WIEN

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Alfred_Schmidt

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1

Mittwoch, 18. August 2004, 14:24

Wer ist Euer Lieblingskritiker ?

Hallo Forianer,

Natürlich benötigt niemand die Meinung eines Kritikers, natürlich sind wir alle mündige Klassikkenner, selbstbewußt, kenntnisreich, urteilssicher :D

Aber Hand auf Herz: Wer liest sie nicht gern diese mehr oder weniger geschmackvollen Verrisse (leider selten geworden), jene Beweihräucherungen von Künstlern, jene versteckten oft hilflos anmutenden Promotion-Kritiken aus der Hand eines Azubis, und last but not least, jene eitlen Selbsbespiegelungen gewisser Starkritiker, deren Wort, was immer sie auch schreiben, von einer gläubigen Leserschaft zum Dogma hochstilisiert wird ?
Also ich genieße das schon, das muß ich sagen. Und natürlich kann man von manchen Kritikern auch eine Menge lernen.
Wichtig ist, mehrere Kritiken gegeneinander abzuwägen. Das führt dann oft nicht zur perfekten Einspielung eines Werkes, aber immerhin macht es Spaß festzustellen daß die Herren (von Ausnahmen mal abgesehen) von der Sache auch nicht mehr verstehen als man selbst. Ach ja und da gibt es dann ja auch noch die Kritiken über Live-Konzerte. Die sind nur von wenigen überprüfbar, weil das Ereignis ja in der Regel nicht mehr als Aufzeichnung abrufbar ist, ein gefundenes Fressen für jeden Kritiker. Besonders reizvoll sind in meinen Augen Rezensionen von Konzerten, die der Kritiker in Grund und Boder verdammt um am Schluß tadelnd festzustellen: Dem Publikum hat es, so scheints, gefallen.
Nett von ihm, daß er das überhaupt erwähnt, denn ein Konzert ist ja schließlich nicht für das Publikum gemacht. Ich erinnere mich dunkel, daß Stravinsky (hier aber in seiner Eigenschaft als Komponist) etwas in dieser Richtung gesagt haben soll....

Nun zu eigentlichen Frage:

Wer ist Euer Lieblingskritiker?

Das kann in vielerlei Hinsicht verstanden werden, wortgetreu, ein Kritiker zu dessen Urteil man Vertrauen hat, weil man schon des öfteren geschmackliche Übereinstimmungen mit der eigenen Person festgestellt hat.
Oder aber unter Apostroph, ein ignorant, der fast immer danebenhaut.
Dann gibt es noch Kritiker mit lustigen Bonmots, die allein die Kritik lesenswert machen. So wie beispielsweise jener Kritiker der einen Verriss einer neuen Sinfonie (Brahms?) mit den Worten beendete:...es war ein netter Abend :D


In der Hoffnung auf rege Beteiligung
grüßt euch
Alfred

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peet

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2

Mittwoch, 18. August 2004, 14:33

Um die Frage vorerst mit einem Witz zu beantworten:

Der Musikkritiker (Georg Kreisler)

Für den Fall der Fälle:
cips02.physik.uni-bonn.de/~kilbinge/kreisler/kreisler.html#musikkritiker

DorcyDuck

Anfänger

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3

Mittwoch, 18. August 2004, 14:35

Alfred schrieb;

[zitat]

Wer ist Euer Lieblingskritiker?

[/zitat]
Na, ich selbst! Wer denn sonst? 8)

Jan

Albus

Profi

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4

Mittwoch, 18. August 2004, 14:37

Tag,

um einen Namen zu nennen und dessen Verdienst zu rühmen: Hans Keller, London. Hans Keller besprach/bespricht verschiedene Tonaufnahmen, vorzüglich Streichquartette, binnen 1 1/2 Stunden in vergleichender Weise, gelegentlich Takt für Takt. An der Urteilsbildung teilhabend, stimmt man am Ende doch nicht stets mit dem Autor überein. Lehrreich, bis hin zur kritischen Kritik am Komponisten. Hans Keller war Musikwissenschafter im Hauptberuf. Eine Musikschule unterhielt er ebenfalls.

Hans Keller ist vor Jahren verstorben. Seine Arbeiten werden gelegentlich vom NDR oder Radio Bremen noch ausgestrahlt.

MfG
Albus

Alfred_Schmidt

Administrator

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5

Mittwoch, 18. August 2004, 14:40

Hallo,

Ich habe eigentlich nicht nur "einen" Kritiker, den ich für kompetent halte, es sind schon einige.

Da wären zumächst mal Ingo Harden und Ulrich Schreiber aus vergangenen Zeiten zu erwähnen.

Peter Cossé, mit seiner spitzen Zunge, äh Feder lässt nur selten ein gutes Haar an einem Pianisten.
Aber gerade diese Strenge macht ihn interssant, wenngleich ich oft nicht mit ihm übereistimme.

Spezialist für Stimmen, der Wiener Kritiker Clemens Höslinger (schrieb für Fonoforum und jetzt für Klassik-Heute)

Und natürlich der Wiener "Kritikerpapst" Karl Löbl.
Streng und unerbittlich, eher konservativ, gestaltete er von ca 1970-1990 (?) jeden Sonntag von 16-17 Uhr in Ö1 eine Sendung die den Titel:
"Lieben Sie Klassik?" trug. Hier stellte er neue Schallplatten vor (Ohne Firmenangabe), verglich sie mit älteren und auch mit historischen. Jetzt wo ich das hier schreibe, errinnere ich mich daß die Sendung den Untertitel trug: Karl Löbl präsentiert Platten von heute, von morgen und von gestern.
Die musikalische Kennung war aus der "Verkauften Braut", wenn ich mich richtig erinnere.
In dieser Sendung war der sonst so gefürchtete Mann ein freundlicher, neutraler Plauderer,der (und ich wunderte mich oft) nie eine auch nur angedeutete Spitze gegen eine Platte oder einen Künstler richtete.

Furchtbar finde ich jenen neuen flapsigen Kritikertyp, der da meint er müße seine Weltanschauung mit Muß verbreiten. Flapsige Sprüche
in Discomanier sind da oft an der Tagesordnung.
Die Kenntnis über ältere Aufnahmen ist minimal bis nicht vorhanden, "weil schließlich leben wir ja heute" :P

Gruß aus Wien

PS: Wenn meine Zeit es zulässt suche ich noch ein paar Stilblüten bzw. "starke Sprüche" von Kritikern und poste sie hier.

Gruß
aus Wien

Alfred

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X.Buxtehude

unregistriert

6

Mittwoch, 18. August 2004, 14:43

Der Dirigent Thomas Hengelbrock scheint mir ein sehr zuverlässiger Kritker im Bereich Alte Musik. Bin geschmacklich nicht immer mit ihm auf einer Linie, aber man merkt in jeder Zeile, der weiß, wovon er schreibt (oft mit Partiturkennis...)

Zu finden bei Klassik heute und, ich glaube, bei Fonoforum.

jpsa

Fortgeschrittener

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7

Mittwoch, 18. August 2004, 14:46

Um vorerst im eigenen Land zu bleiben, natürlich Joachim Kaiser, auch wenn es recht still in den letzten Jahren um ihn geworden war.
Peter Cossé wurde bereits erwähnt, er erfaßt das Wesentlich kurz, bündig und meist verständlich, wobei gerade die Kritiken, zu denen man u.a. Lexika der Fremdworte, Kulturgeschichte und Literatur etc. benötigt, derart verworren sind, daß sie schon in die 'Witz-Ecke' gehören.
Henry-Louis de la Grange ist hier vielen leider kein Begriff mehr, da fast keine deutschen Übersetzungen erfolgten und Harold C. Schonberg ist - wenn überhaupt - nur als Schriftsteller bekannt. Dabei waren seine Kritiken, insbesonders von Konzertern der Höhepunkt des jeweiligen Abends.
Der auch bereits erwähnte Karl Löbl (lebt der überhaupt noch ? ) mag vielleicht aus heutiger Sicht recht verstaubt anmuten, ähnlich wie Ernst Stankovsky in der TV-Serie 'Erkennen Sie die Melodie' aber es war informativ wie unterhaltend. Allerdings fehlte der nötige 'Biss' den er in seinen gefürchteten Kritiken nie verlor.

Mehr von diesen Kritikern, vor allem auch deren Einfluß, würde ich heute sowohl uns als "Verbraucher" aber auch den Künstlern wünschen.
Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann das Recht, den Menschen zu sagen, was sie nicht hören wollen. [frei nach George Orwell]

Antracis

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8

Mittwoch, 18. August 2004, 14:49

Eduard Hanslick!

Es ist immer wieder amüsant zu lesen, wenn er reihenweise meine Lieblingswerke in der Luft zerreist.:cool:
Wobei sich sein musikästhetischer Tunnelblick immerhin auf eine solide musikwissenschaftliche Basis zurückführen lässt, während heutzutage so mancher Feuilleton-Schreiberling eher vom Motorsport oder aus dem Reisegschäft zu kommen scheint - und wenn da dann grad Saisonpause ist, darf er halt ins Konzert gehen und drüber schreiben. :D

Gruß
Anti

das_dritte_ohr

unregistriert

9

Montag, 11. Oktober 2004, 23:14

Erst einmal die Ehrenrettung für Thomas Hengelbrock. Der ist natürlich viel zu gut, um seine Zeit mit Kritiken zu verschwenden, musikalisch aber absolut zu empfehlen. Der Kritiker heißt Matthias Hengelbrock, ist aber in der Tat nicht schlecht.

Empfehlen kann ich Benjamin Gunnar Cohrs (Klassik heute). Der hat bei jeder Kritik detailliertes Partitur-Wissen, ist auch an der Edition von Bruckner-Partituren beteiligt. Er schreibt daher immer fundiert, und wird auch mal kritisch, wenn woanders durchgehend eine dieser typisch unkritischen Lobeswellen roll.

Historisch interessant sind auch die Kritiken von Claude Debussy unter dem Pseudonym Monsieur Croche.

Außerdem einmal der Link zu einem Laienkritiker, der besser informiert ist und mehr Aufnahmen kennt, als die meisten professionellen Kritiker:
http://www.geocities.com/rmlibonati/reopera.html

Uwe

Moderator

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10

Mittwoch, 13. Oktober 2004, 19:20

Hallo Alfred,

mein Lieblingskritiker ist der schon von Jürgen erwähnte Peter Cossé. Seine Kompetenz, die mich fast nie enttäuscht hat, und seine Sachlichkeit ist für mich ein äußerst angenehmer Fixpunkt in einer (Medien)Landschaft, die scheinbar nur noch aus Laut-Sprechern, Superlativen, flapsigen Sprüchen und Ignoranz besteht. Dabei habe ich nicht mal etwas gegen launige Sprüche, wenn sie denn kompetent und richtig eingesetzt sind, aber wenn es nur darum geht, dadurch seine scheinbare Größe und Erhabenheit unter Beweis zu stellen, geht mir das ziemlich auf den Keks.

Gruß aus Hamburg
Uwe

Edwin Baumgartner

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11

Montag, 20. März 2006, 23:29

Es macht mich irgendwie traurig, dass von einigen hier ein Kritiker verehrt wird, der seine Sonderstellung nützte, um Karrieren junger Sänger gezielt zu ruinieren und der von Dirigenten verlangte, dass sie ihm Honneurs zu machen hatten, andernfalls er sie mit Tiraden verfolgte, die ohne Beispiel sind.

Gerade Leute wie Cossé, Höslinger, Kaiser oder auch der mit profundem Wissen und wirklicher Noblesse glänzende Norbert Tschulik zeigten, dass es auch anders geht.
...

tom

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12

Dienstag, 21. März 2006, 00:22

Das Kritikerkollektiv von Rondomagazin, insbesondere Matthias Kornemann sowie Attila Czampay aber mit nur geringen Abstrichen auch alle anderen, fand und finde ich immer außerordentlich anregend.

sagitt

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13

Dienstag, 21. März 2006, 08:19

Bremer Kritiker

sagitt meint:

wir haben mit Dr. Lück und seiner Frau Dr.Pinter zwei ausgewiesene, sehr versierte Kritiker. Öfters schreiben sie in der lokalen Zeitung,kenntnisreich ,ohne sich selbst in den Vordergrund zu stellen. Dr. Harmut Lück ist künstlerischer Berater der Kammerphilharmonie, Dr. Pinter Expertin bei der Vokalmusik und, mit absolutem Gehör begabt, unbestechliche Jurorin.

Je mehr sich der Kritiker selbst stilisiert,desto weniger erfahre ich über die Kunst und die Künstler. Deswegen sind solche, wie die genannten, sehr angenehm.

Melot1967

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14

Mittwoch, 19. April 2006, 10:40

Ulrich Weinzierl

Printmedien:
Mein liebster Kritiker im deutschen Feuilleton ist Ulrich Weinzierl, allerdings bespricht er eher Theater/Literatur als Musik. Überhaupt mag ich die Kritiken in deutschen Zeitungen meist lieber als die in österreichischen.

Ich weiß, man soll über Tote nicht schlecht reden, aber was dieser Franz Endler seinerzeit aufgeführt hat im "Kurier", war wirklich arg. Ein ganz mieser Schreiberling von nichtssagenden Deutschaufsätzchen gespickt mit herablassenden Urteilen über schlechte und "annehmbare" Sänger und über "das dumme Publikum". Jeder Text strotzte von Halb-Bildung, Sprachfehlern und Wichtigtuerei, ständig hat er sich selbst eingebracht - unerträglich! Einmal hat er sogar eine Rezension geschrieben, ohne bei der Veranstaltung dabeigewesen zu sein (ich weiß nicht mehr, was das war). Das ist dann aufgeflogen, und er hat sich entschuldigt - und lange Jahre weitergeschrieben wie eh und je. Dass der so lange schreiben durfte! Naja, vielleicht gab es unter Opern- und Musikfreunden nicht so viele Kurierleser.

Und der Ton in der Tageszeitung "Die Presse" war zu jener Zeit manchmal leider auch nicht sehr viel besser - hat sich aber sehr verbessert in den letzten 10 Jahren; heute lese ich z. B. die Besprechungen von Wilhelm Sinkovicz meist recht gerne.

Kennt ihr englische und amerikanische Kulturkritik? Das ist eine ganz andere Welt, gegen die die unsere ziemlich verblasst.

Euren Karl Löbl fand ich - mit Verlaub - auch nicht immer ganz fit, was seine Sprache und sein Schreiben betraf, und es hat Zeiten gegeben, da hat es mich sehr gestört, dass er sich anscheinend selber auch soo wichtig nahm (jedenfalls kam das für mich so rüber). Heute kommt er mir viel weiser vor (no naa), und das gefällt mir jetzt schon viel besser. Ich glaube, er ist ein großer Kenner des Theaters und der Musik. Übrigens finde ich ihn als Person äußerst sympathisch.
Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

Misha

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15

Mittwoch, 19. April 2006, 11:08

Auch wenn ich hier oft über ihn gelästert habe: Ich lese Kaiser sehr gern. Er hat eine Eigenschaft, die ich von jedem ernst zunehmenden Kritiker erwarte. Er bezieht klar und pointiert Stellung. Daß das oft zum Widerspruch herausfordert, liegt auf der Hand. Ich erwarte allerdings von einer Kritik auch nicht, daß ich bei der Lektüre den "Er spricht mir aus der Seele" Effekt habe (Wenn das, wie zB inEdwins Kommentar im "Beckmesser thread", geschieht, schadet das aber auch mal nichts ;) ). Hinzu kommt, daß er (Kaiser!, Edwin aber auch :D ) wirklich schreiben kann. Das ist stilistisch schon alles sehr gut gemacht und außerdem recht unterhaltsam.
Ich habe einige Bücher von ihm, die meist Zusammenstellungen von früher erschienenen Kritiken sind und kann sie eigentlich alle empfehlen.
Selbst seine 2 Musikführer, in denen Artikel zu Werken der klassischen Musik (Hörempfehlungen aus der Illustierten "Bunte"), zusammengestellt sind, sind IMO durchaus gelungen. Da hat jemand versucht auf kleinstem Raum für ein Massenpublikum verständlich das Wesen eines Werks anzureißen. Das ist sprachlich oft meisterhaft und inhaltlich oft bedenkenswert - den Dünkel des "Kenners" sollte man vor der Lektüre abschalten ;)
Spontan fällt mir übrigens noch - das sind allerdings keine Kritiken - sein Buch "Mein Name ist Sarastro. Die Gestalten in Mozarts Meisteropern von Alfonso bis Zerlina" ein; eine Beschreibung der Figuren Mozarts aus Kaisers subjektiver Sicht. Sehr lesenswert. Auf "Leben mit Wagner" hatte ich bereits hingewiesen.
res severa verum gaudium

Herzliche Grüße aus Sachsen
Misha

Michael Schlechtriem

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16

Mittwoch, 19. April 2006, 13:22

Ein Kritiker, den ich sehr schätze, ist Christoph Schlüren.

Er hat sich unter anderem auch für den auch von mir hochgeschätzten John Foulds starkgemacht.

Posthum möchte ich Knut Franke meinen Respekt zollen.
Er war für mich der mit Abstand lesenswerteste Kritiker, wenn es um Klavieraufnahmen ging.

Aus seinen Kritiken sprach eine solch profunde Kenntnis bei gleichzeitiger Suche nach Fairness gegenüber dem Interpreten, die mir sehr fehlt.

Ansonsten halte ich mich bedeckt.
Es gibt sicherlich noch weitere kompetente Kritiker, aber leider auch ebensoviele, wenn nicht mehr, die ohne große Kompetenz Werke und Komponisten, welche ich sehr schätze, einfach mal so "in die Tonne kloppen".
"I should never have switched from Scotch to Martinis.“
Humphrey Bogarts letzte Worte.

Melot1967

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17

Mittwoch, 19. April 2006, 22:21

Zitat

Original von Michael Schlechtriem
...bei gleichzeitiger Suche nach Fairness gegenüber dem Interpreten, die mir sehr fehlt.


Michael, du kannst dich ja noch in der Fairness gegenüber dem Interpreten üben, die dir so fehlt.
:stumm:
Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

Michael Schlechtriem

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18

Donnerstag, 20. April 2006, 00:32

Welchen Intrerpreten habe ich beleidigt in Deinen Augen?

Bitte erkläre mir diese eigenartige Antwort.

Wieso fehlt ausgerechnet mir die Fairness?
Was soll das :stumm:?

Ich bin ziemlich ratlos was diese Reaktion von dir ausgelöst haben sollte!

Ich biite um baldmöglichste Aufklärung!
"I should never have switched from Scotch to Martinis.“
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Alfred_Schmidt

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19

Donnerstag, 20. April 2006, 00:43

Ich glaube man kann den Satz

Michael, du kannst dich ja noch in der Fairness gegenüber dem Interpreten üben, die dir so fehlt.

so verstehen

Michael, du kannst dich ja noch in der Fairness gegenüber dem Interpreten üben, die Du so vermisst (??)

( nicht zu vergessen, daß er sich auf die Zunge beisst ;) )

Das :stumm: Zeichen ist ein Symbol dafür, daß man was gesagt hat, was eigentlich eher keck war.....

LG

Alfred

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Michael Schlechtriem

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20

Donnerstag, 20. April 2006, 00:52

Aber warum?

Ich stelle immrer meine persönliche Meinung in Kontext zum jeweiligen Subjekt und wäge ganz persönlich ab.

Dies stelle ich dann auch so dar.

Ich kann mich nicht erinnern, einen veritablen Veriss über irgendjemanden verbrochen zu haben.

Wenn jemanden meine Meinung nicht passen sollte, dann bin ich gerne bereit, diese ausführlichst zu begründen.

Aber bisher ist mir diese Äusserung ein Rätsel..
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Michael Schlechtriem

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21

Donnerstag, 20. April 2006, 00:54

Ich stoße mich gewaltig an dem "so fehlt"

Punkt X(
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Michael Schlechtriem

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22

Donnerstag, 20. April 2006, 01:00

Lieber Alfred ,

selbst wenn Du recht hast, lasse ich mich , selbst bei :stumm: nicht gerne abkanzeln, denn ich bin mir nicht der geringsten Schuld bewußt.

LG,

Michael
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Michael Schlechtriem

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23

Donnerstag, 20. April 2006, 01:13

Zitat

Wirklich indisponiert war nur das Posthorn. Alleine schon durch die bloße Anwesenheit und Ausstrahlung der Sängerin in ihrem riesigen kupferfarbenen Kleid lag auf dieser Dritten ein Zauber (ganz zu schweigen von ihrem wunderbaren Vortrag).


Oh, ich verstehe, hier ist ein wirklicher Kenner der Materie :stumm: :stumm: :stumm: :stumm: :stumm: :stumm: :stumm: :stumm: :stumm: :stumm: :stumm:

Und ich habe dies jetzt auch nur keck gemeint........


Ja ,ja, das scheiß Posthorn, der Kerl gehört entlassen!!!!! Aber zum Glück gab es ja das tolle Kleid der Sängerin, sonst hätte die Musik ja überhaupt nicht gewirkt.
Sicherlich wird die Sängerin toll gesungen haben ( ich war nicht dabei :D),
aber den Zauber unter anderem darauf festlegen zu wollen, daß Sie ein riesiges "kupferfarbenes" Kleid trug, macht mich natürlich stumm vor Ehrerbietung :stumm:



Überhaupt nicht LG,

Michael
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Melot1967

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24

Donnerstag, 20. April 2006, 01:55

Michael, in deinem Beitrag hast du geschrieben:

Aus seinen Kritiken sprach eine solch profunde Kenntnis bei gleichzeitiger Suche nach Fairness gegenüber dem Interpreten, die mir sehr fehlt.

Daraus könnte man lesen, dass du meinst, dass dir die Fairness fehlt. Sorry, dass ich dir zu nahe getreten bin. Ich habe es nicht böse gemeint und finde es etwas übertrieben, wie du gleich persönlich wirst.
Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

Michael Schlechtriem

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25

Donnerstag, 20. April 2006, 02:44

Lieber Melot,

Ich entschuldige mich, bitte verzeihe mir, Alfred hat mich ja schon darauf aufmerksam gemacht, daß ich dies vielleicht falsch verstehen könnte.
Ich habe dies leider persönlich genommen, aber ehrlich, bitte formuliere dies dann doch etwas anders.

Ich persönlich bin immer bestrebt, in meinen Äußerungen ausgleichend zu sein.
Jetzt stehe ich als Buhmann da, aber ich konnte Deine mal so eben dahingeworfene Post wirklich nicht verstehen.

Übertrieben??

"du kannst dich ja noch in der Fairness gegenüber dem Interpreten üben, die dir so fehlt."

Wie soll ich dies denn verstehen??

Bevor Du mir Vorwürfe machst, daß ich jetzt gleich persönlich werde, mußt Du mir zugestehen, daß ich eine solche Äußerung als sehr persönlich auffasse.
Ich habe sie grundlegend falsch verstanden, das sehe ich jetzt.

Ja, ich bin ein Heißsporn, und dafür entschuldige ich mich!

Allerdings gehe ich davon aus, daß eine gewisse Anzahl der hiesigen Poster auch Heißsporne sind und versuche deshalb selber, etwaigen Missverständnissen vorzubeugen.

Bitte laßen wir es dabei, ich entschuldige mich mit der Hoffnung, daß dieses mein Mißverstehen keinen keil zwischen uns treibt.

Was hältst Du davon, wenn ich Alfred jetzt darum bitte, die letzten acht Posts zu löschen?


Wirklich
LG,

Michael
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martello

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26

Donnerstag, 20. April 2006, 08:49

Eleonore Bühning (FAZ)

ganz generell ziehe ich im Printbereich deutsche Medien (FAZ, SZ) den heimischen vor, weil dort einfach Platz genug gegeben wird, um substanziell auf die wichtigsten Beteiligten und (wenn gegeben) auch auf die Inszenierung einzugehen.

Hanslick ist tatsächlich witzig zu lesen (vor allem, wenn ihm die Musikgeschichte regelmäßig einen Streich spielt und den "Mist" zum Meisterwerk erhebt)
- tragisch nur, dass mitunter aktuelle Kritiker ähnlich verständnislos aber mit wesentlich schwächerer Polemik agieren.

Edwin Baumgartner

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27

Donnerstag, 20. April 2006, 10:52

Zitat

Allerdings gehe ich davon aus, daß eine gewisse Anzahl der hiesigen Poster auch Heißsporne sind


Ganz richtig. Und wenn man sich in Sachen Musik nicht mehr erhitzen kann, sondern nur mit Blick über den oberen Brillenrand hinweg doziert, wird's relativ langweilig. Oder seh' ich da 'was falsch...?
...

Wulf

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Registrierungsdatum: 14. Februar 2006

28

Donnerstag, 20. April 2006, 20:43

Michael schrieb:

Zitat


Ein Kritiker, den ich sehr schätze, ist Christoph Schlüren.

Hallo Michael!

Dem kann ich nur aus tiefster Innbrunst zustimmen! Wenn Du den Schlüren wie ich so schätzt, dann solltest Du unbedingt folgende Internetseite einmal besuchen, falls Du Sie nicht schon längst kennst.
Ein Quell reinster Freude!
http://musikmph.de/rare_music/composers/composers.html

LG
Wulf.

Apropos Foulds: Ab morgen gibt es eine Neuerscheinung!!!
Weitere Orchesterwerke - natürlich wieder mit den Birminghamern unter Oramo. U.a. sein "Klavierkonzert" Dynamic Tryptich op.88 (Hörschnipsel bei jpc - den 3.Satz musst Du Dir einmal anhören. AFFENSTARKE Musik, wenn ich das mal so sagen darf :D)
Carreras, I'll never stop saying Carreraaaas!
(Leonard Bernstein)

Michael Schlechtriem

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29

Freitag, 21. April 2006, 16:02

Lieber Wulf,

es freut mich ungemein, daß Du die Musik von John Foulds so schätzt.

Die Jürgen Höflich- Seite kenne ich in der Tat.

Ich freue mich auch sehr, daß es eine neue Aufnahme des "Dynamic Tryptich" gibt.
Werde ich mir natürlich bestellen, allerdings kenne ich das Werk sehr gut durch die alte, hervorragende Aufnahme mit Howard Shelley unter Vernon Handley auf Lyrita.

Wenn Du Lust hast, dann besuche doch mal diese Foulds-Seite

http://www.bluntinstrument.org.uk/foulds/news/people.htm

(Lieber Alfred, ich hoffe, das geht in Ordnung, es ist keine Forenseite..)

Du wirst dort auch etwas über ein CD-Projekt mit Werken von Foulds lesen, welches leider nicht zustandekommen wird.

Wir hatten im März 2003 die Aufnahme des "Quartetto Intimo" abgeschlossen.

Der Tonmeister, ein enger Freund von mir, verschwand im April 2003 spurlos, und mit ihm auch die Bänder. ?(

Damit ist unser Foulds-Projekt gestorben. X(

Kurioserweise ist ,wie ich später erfuhr, auch der Besitzer der Firma in England, die diese Aufnahme herausbringen wollte, "untergetaucht".

Zum Glück hatten wir noch die Live-Aufnahme vom Februar 2003, und diese wurde von der BBC im Juni 2003 gesendet. :]

Da das Projekt so angelegt war, noch weitere unbekannte Kompositionen von Foulds aufzunehmen, besitze ich noch einige Kopien von Manuskripten weiterer Quartette und Trios, die mir der englische Musikhistoriker Graham Hatton überließ.

Dies sind alles Werke, welche noch niemals gespielt wurden.

Irgendwann werden wir hoffentlich die Zeit und Möglichkeit finden, etwas davon wenigstens aufzuführen.

Foulds ist einer der absolut größten "verlorengegangenen" Komponisten des letzten Jhdt.

LG,

Michael
"I should never have switched from Scotch to Martinis.“
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  • »Kurzstueckmeister« ist männlich

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Freitag, 21. April 2006, 16:32

Zitat

Dem kann ich nur aus tiefster Innbrunst zustimmen! Wenn Du den Schlüren wie ich so schätzt, dann solltest Du unbedingt folgende Internetseite einmal besuchen, falls Du Sie nicht schon längst kennst.


Ich kenne diese Internetseite mit Aufsätzen von Schlüren, die (zumindest teilweise) mit Booklettexten ident sind. Der Einsatz für diverse vernachlässigte Komponisten freut mich, manchmal (wohl aus dem nachvollziehbaren Ärger über das Vernachlässigen vieler Komponisten heraus) attakiert er aber in eine etwas unklare Richtung. So heißt es über Tiessen und dessen Schüler Erdmann:

Zitat

Nach dem Zweiten Weltkrieg galt ihr vom Expressionismus und der sozialen Idee der Neuen Sachlichkeit getragenes Ethos plötzlich als altmodisch, ihre freitonale und eben nicht atonale – dem Diktat von Dodekaphonie und daraus hervorgehendem Serialismus, dem reglementierenden, dogmatischen Systemwahn abholde –, mithin freigeistige Haltung wurde ins Abseits gestellt, von den führenden Meinungsbildnern als unzeitgemäß ignoriert; freilich nicht von allen, und Hans Heinz Stuckenschmidt hielt Tiessen die Treue.


Nun, Hindemith wurde in den 50ern wohl noch gespielt, auch wenn er nicht dem "Systemwahn" erlegen war - oder einem anderen Systemwahn, als dem "diktierten". Wenn Tiessen ignoriert wurde, mag das zwar schade sein, aber mancher Zwölftöner wurde in seinen letzten Lebensjahren auch ziemlich totgeschwiegen (Petrassi?)
Diese Attacke, bei der irgendwie eine Serialismusfeindlichkeit herausstinkt, hat mir die Schlürenlektüre ziemlich versauert ...

Dennoch, durch ihn bin ich zu Foulds und Sorabji geführt worden, dafür gebührt ihm mein Dank.