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  • »Johannes Roehl« ist männlich

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Registrierungsdatum: 12. August 2005

31

Freitag, 14. April 2006, 21:02

Zitat

Original von reklov29
Hallo Andrew,
Zitat:
Übrigens: ein abgebrochener Jurist, der später auf Umwegen zumindest nebenbei zur Musik kam, war der auf dem Cover abgebildete Herr:
-------------------------

Das ist mir neu, dass Martin Luther ein Juristen-Studium aufgenommen hatte, werde es in seiner Biographie einmal nachrecherrieren!


Ich habe auch gestutzt, aber laut wikipedia begann er nach seinem ersten Abschluß als Magister Artium zunächst ein Jura-Studium (ab 1505). Allerdings folgte im selben Jahr schon das Gewitter mit dem Gelübde und Eintritt ins Kloster und dann Theologie-Studium ab 1508, 1507 Priesterweihe, 1512 Doktor (d.i. hier kein Abschluß, sondern bedeutet Hochschullehrer) der Theologie in Wittenberg.
(alle aus wikipedia, ich hoffe es stimmt!)

viele Grüße

JR
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
The morning breeze like a bugle blew
Against the drums of dawn.
(Bob Dylan)

Andrew

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32

Freitag, 14. April 2006, 21:15

Hallo Johannes und Volker,

Martin Luthers Jurastudium war denkbar kurz. Vater Luther hat sich vom Bergarbeiter zum Bergbauunternehmer hochgearbeitet und wollte, dass Sohn Martin einmal etwas Besseres wird. Er sollte Rechtswissenschaften studieren, um dann eine gut bezahlte Stelle im Staatsdienst zu bekleiden (bzw. von ihr bekleidet zu werden).

1501 begann er an der angesehenen Erfurter Universität das philosophische Grundstudium (die sieben freien Künste), das für die Hauptstudiengänge Theologie, Medizin, Jura die Voraussetzung war. Das philosophische Studium schloss er 1505 als Magister ab. Die Prüfung war Anfang Januar.

Die juristische Fakultät in Erfurt hatte einen besonders guten Ruf. Das Sommersemester, in dem Luther mit dem Jurastudium beginnen sollte, fing am 19. Mai (Tag des St. Ivo - Schutzheiliger der Erfurter Jura-Fakultät) 1505 an. Luther hat dieses Studium nur wenige Wochen durchgeführt. Vermutlich hat er sich entschieden, das Studium nicht mit dem kanonischen, sondern mit dem Zivilrecht zu beginnen.

Luthers Entschluss, das Jurastudium abzubrechen, steht wohl in Zusammenhang mit seiner Unsicherheit über den eingeschlagenen Weg und mit einer Art Lebenskrise. Luther verkaufte nach dem Blitzeinschlag bei Stotternheim sein Corpus Iuris (sein Vater hat ihm ein eigenes Exemplar gekauft!), brach das Jurastudium ab und trat in das Kloster der Erfurter Augustinereremiten ein.

Sein Vater war "not amused" über diese Entscheidung und hat sich erst viel später mit seinem Sohn und dessen Entscheidung ausgesöhnt.

Über die Juristen hatte Luther später so seine eigenen Ansichten, z.B. sagt er in seinen Tischreden: "Die Juristen können nur Mücken und Fliegen mit ihren Gesetzen fangen, aber die großen Hummeln und Wespen reißen hindurch als durch ein Spinnweb." Einer seiner treuesten Unterstützer und Freunde war der Jurist Spalatin.

Grüße von Andrew
„Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

Ulli

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33

Freitag, 14. April 2006, 21:18

Salut,

weitere juristische Musikanten:

Robert Schumann [1810-1856]
Heinrich Marschner [1795-1861]
Luigi Nono [1924-1990]
Christian Gottlob Neefe [1748-1798]

:hello:

Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

florian

Schüler

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34

Samstag, 15. April 2006, 14:56

Eine kleine Präzision zu Edwin Baumgartners Frage über das Doktorat von Richard Strauss:
Strauss hat nie eine Dissertation geschrieben. Der "Dr. Richard Strauss", auf den er zeitlebens, ganz Großbürger, Wert legte, ergibt sich aus dem Ehrendoktor, den ihm die philosophische Fakultät der Universität Heidelberg 1903 verlieh (andere Ehrendoktorate sollten später folgen).
Dennoch hielt die Juristerei Einzug in die Familie Strauss. Franz Strauss, der Sohn, promovierte zum Dr. juris. Schließlich konnte es nichts schaden, in den Auseinandersetzungen ums Urheberrecht, die Richard Strauss maßgeblich initiierte und beeinflußte, einen ausgebildeten Juristen in der Familie zu wissen.

Florian

reklov29

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35

Sonntag, 16. April 2006, 18:59

Martin Luther Studium als Jurist

Hallo Johannes;
Zitat:
Ich habe auch gestutzt, aber laut wikipedia begann er nach seinem ersten Abschluß als Magister Artium zunächst ein Jura-Studium (ab 1505). Allerdings folgte im selben Jahr schon das Gewitter mit dem Gelübde und Eintritt ins Kloster und dann Theologie-Studium ab 1508, 1507 Priesterweihe, 1512 Doktor (d.i. hier kein Abschluß, sondern bedeutet Hochschullehrer) der Theologie in Wittenberg.
(alle aus wikipedia, ich hoffe es stimmt!)
---------------------------

Die Angaben stimmen, ich bin gleich auf die Link-Seite von Martin Luther gestoßen und seine ausführliche
Biographie dort gefunden.

Hier anklicken!!



Grüsse
Volker.
Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
Zitat: J.E.G.

Andrew

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36

Sonntag, 16. April 2006, 19:12

Hallo Volker,
ich habe meinen Daten aus der dreibändigen Luther-Biografie von Martin Brecht, Uni Münster. Es ist das umfangreichste und z.Zt. noch neueste wissenschaftliche Standartwerk zu Luthers Biografie. Luther studierte von Mitte Mai bis vermutlich Ende Juni 1505 Jura und reiste dann mitten im Semester zu seinen Eltern. Auf dem Rückweg nach Erfurt schlug dann am 2. Juli 1505 der Blitz ein und ... das Weitere kennt man ja.
Gruß von Andrew
„Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

reklov29

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37

Montag, 17. April 2006, 18:51

Luther Biographie

Hallo Andrew,

Zitat:
ich habe meinen Daten aus der dreibändigen Luther-Biografie von Martin Brecht
----------------------

Danke für den Tipp, hört sich gut an.
Die Verzweigungen auf der Luther-Internetseite sind Inhaltlich sehr ausführlich.

Grüsse
Volker.
Bach ist so vielfältig, sein Schatten ist ziemlich lang. Er inspirierte Musiker von Mozart bis Strawinsky. Er ist universal ,ich glaube Bach ist der Komponist der Zukunft.
Zitat: J.E.G.

Andrew

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38

Freitag, 19. Mai 2006, 13:30

abgebrochene Juristen als Musiker

Übrigens: auch Leopold Mozart hat Jura studiert. 1737 hat er nicht - wie vom Absolventen eines Jesuiten-Gymnasiums erwartet wurde - mit dem Theologiestudium begonnen, sondern sich für das Jura- (und Philiosophie-)Studium eingeschrieben. Allerdings war er mehr an Musik interessiert und wurde wegen Faulheit exmatrikuliert. Danach trat er zuerst als Kammerdiener und dann als Musiker in die Dienste des Grafen Johann Baptist von Thurn-Valsassina und Taxis."



Freundliche Grüße, Andrew
„Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

Ulli

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39

Mittwoch, 26. Juli 2006, 09:36

RE: abgebrochene Juristen als Musiker

Salut,

es gibt da eine - nach meinem Geschmack wunderbare - Äußerung von Joseph Martin Kraus:

[...]Musik! - Dann erst, wenn es leichter ist, Musiker als Jurist zu seyn, wenn so viel Kraft und Allmacht in die Gesetzeskenntnis gelegt wird als in der Musik ist, dann, wenn's bessre Menschen giebt, so will ich der Musik fluchen, daß sie nie um sich herum bessre Lagen zaubert, aber nun nicht.

:yes:

Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

lohengrins

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40

Freitag, 28. Juli 2006, 07:50

Moin,

das in diesem Thread bei dem einen oder anderen Verfasser aufblitzende Unverständnis darüber, dass so schöpferische, sensible und intelligente Menschen wie Musiker zunächst Jura studierten, ist erstaunlich. Wie bei jedem anderen anspruchsvollen Beruf braucht es eben auch bei den Juristen Kreativität, Einfühlungsvermögen und nicht zuletzt Klugheit.

Gruß, l.

P.S.: Bin selbstverständlich selbst Jurist; praktiziere die Juristerei im Berufsleben allerdings ebensowenig wie einige der hier bereits aufgezählten Personen.

Ulli

Erleuchteter

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41

Freitag, 28. Juli 2006, 08:03

Salut,

es ist eigentlich kein Unverständnis [bei mir jedenfalls], eher das Gegenteil. Mich würde aber schon interessieren [falls Du das schreiben magst], warum Du es ebensowenig praktizierst...?

:hello:

Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

lohengrins

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42

Freitag, 28. Juli 2006, 08:27

Moin,

warum ich nicht als Jurist tätig bin? Weil ich mir das für mich nicht bis ans Ende meines Berufslebens vorstellen konnte. Also habe ich etwas gesucht, das mir mehr Freude macht, ich bin Journalist geworden (dafür ist meine Frau als Volljuristin tätig).

:hello:

Gruß, l.