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musicophil

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Beiträge: 7 091

Registrierungsdatum: 19. Februar 2006

91

Donnerstag, 3. Dezember 2009, 23:14

Zitat

Original von Thomas Pape
Dem Stimmklang nach hört es sich an, als ob die Stimmen heute anders ausgebildet werden, anders kultiviert, wodurch ihnen ihre Natürlichkeit abgeht. Dadurch werden aber Phänomene wie Rockwell Blake möglich, der mit seiner eher kleinen Stimme ans Unvorstellbare grenzende Leistungen im Canto Fiorito bringt, wenn man bedenkt was der an alles so auf einem Atem singt. Beispiel gefällig? Voilà, einfach hierklicken (ist aber leider auch schon wieder 17 Jahre alt, die Aufnahme).

Ich bleibe also im Vergleich früher - heute bei meiner Auffassung; nicht besser, nicht schlechter, einfach anders.

Lieber Thomas,

John van Kesteren ist auch von früher. Anders als Blake singt er nicht «monoforte» (so kann ich es doch wohl nennen).
Hör mal hier.

LG, Paul
Wirklich schöne Musik rührt

hart

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Beiträge: 1 750

Registrierungsdatum: 7. Dezember 2009

92

Sonntag, 7. Februar 2010, 19:16

RE: "Generationenkonflikt" im Tamino-Forum?

Nach Lektüre des Themas "Generationenkonflikt" möchte ich folgendes bemerken:
Als ich im heranwachsenden Alter war, kamen aus dem "Alltagsradio" die Stimmen von Peter Anders, Rudolf Schock, Hermann Prey... einfach so, das waren keine speziellen Klassiksendungen.
Mal sang Gottlob Frick ein Volkslied, mal sang Hermann Prey Die Uhr (was zumindest als Volkslied empfunden wurde).

Breite Bevölkerungsschichten kannten Stücke aus Tannhäuser oder die Ouvertüre zu Dichter und Bauer.
So wurden die Leute ganz behutsam und unverkrampft an Qualität herangeführt. Heutzutage hat man auf der einen Seite Klassikradio und der Rest ist tagtägliches Schlagergedudel.
Eine Handvoll "Experten" streiten sich in einem Klassikforum um Nuancen, dem großen Rest bleibt der Zugang zu Schönem praktisch verschlossen.
Wie soll ich als "Normalradiohörer" jemals etwas von Torsten Kerl, Jonas Kaufmann, Michael Volle oder Matthias Goerne - um nur einige wenige aktuelle Sänger unserer Tage zu nennen - hören?

Bernward Gerlach

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Beiträge: 2 734

Registrierungsdatum: 19. November 2009

93

Sonntag, 7. Februar 2010, 20:26

Generationenkonflikt ..

Hallo Forianer,

nachdem ich mir heute alle Beiträge zu diesem Thread reingezogen habe, erlaube ich mir, ein paar Bemerkungen zu machen. Der Generationen-(konflikt), für konflikt würde ich lieber -wechsel setzen, ist da und das ist auch gut so. Wie in allen Bereichen des Lebens. Viele neue Mitglieder jüngeren Datums, waren sehr wahrscheinlich Ende der Fünfziger Anfang der Sechziger als ich eine Reihe von Sängern bereits persönlich erlebt habe, und zwar solche, die immer wieder in den Threads auftauchen, noch gar nicht geboren. Wenn sich heute ein junger Mensch für Opernstimmen interessiert, muss er doch nicht gleich zurückgehen bis zu Szlezak oder Schalljapin, um ein Beispiel zu nennen. Ich weiß nicht, ob vielen aus der jüngeren Generation, die Interesse am Schauspieler Götz George (Schimanski) Interesse haben, dass sein Vater der große Schauspieler Heinrich George war.

Heute muss mann Radio hören oder TV schauen, CD oder DVD oder ins Internet. Zu meiner Jugend erklang noch die Stimme von Peter Anders aus der Musikbox in Gaststätten.

In den besten Jahren der EMI (lt. Zeitungsbericht aus England ist sie ja platt) kamen sehr viele Aufnahmen in kurzen Zeitabständen mit immer wieder den gleichen Klassikinterpreten auf den Markt. Heute gibt es Sänger und auch Nachwuchssänger, die es erst überhaupt nicht zu Plattenehren kommen, es sei denn, sie gründen ein eigenes Label.
Da ist es im Pop Bereich völlig anders. Ich habe mir gestern durch Zufall die Wiederholung des ersten Teils der 10 Kandidatinnen/Kandidaten für Oslo angesehen, grauenvoll. Aber hohe Einschaltquoten.
Eine weitere Bemerkung noch zu Kesting. Selbstverständlich besitze ich auch das Buch von ihm. Was mich an ihm immer irritiert hat, im Gegensatz zu Kaiser, war, dass er dem Vernehmen nach über Stimmen geschrieben hat, die er nur von Tonträger kannte und er sie nie persönlich auf der Bühne erlebt hat. Hier sehe ich aber ein großes Problem. Es besteht schon die Möglichkeit, am Mischpult eine kleine Stimme groß zu machen. Die erste TV-Sendung "dacapo" mit Everding, die ich aufgenommen habe, war mit dem Tenor Hans Hopf. Dem hat man auch im Alter noch angemerkt, dass ein kein Mikrofon brauchte.
Abschließend möchte ich noch eine Bitte anschließen. Es hat in der ehemaligen DDR auch sehr gute Sänger (außer den bekannten: Adam, Schreier, Süß, Vogel, Nöcker) gegeben, die weniger oder überhaupt nicht im Westen bekannt waren. Ich habe neulich mir wieder den Lohengrin-Querschnitt mit dem gebürtigen Thüringer Martin Ritzmann angehört und fand ihn nicht schlecht, ebenfalls seine Recital-Aufnahme bei Eterna. Vielleicht gibt es ja über noch mehr Überraschungen aus der ehemaligen DDR.

Gruß aus Burgdrf

"Nicht weinen, dass es vorüber ist
sondern lächeln, dass es gewesen ist"
Waldemar Kmentt (1929-2015)


Bernward Gerlach

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  • »Bernward Gerlach« ist männlich

Beiträge: 2 734

Registrierungsdatum: 19. November 2009

94

Sonntag, 7. Februar 2010, 20:27

Generationenkonflikt ..

Hallo Forianer,

nachdem ich mir heute alle Beiträge zu diesem Thread reingezogen habe, erlaube ich mir, ein paar Bemerkungen zu machen. Der Generationen-(konflikt), für konflikt würde ich lieber -wechsel setzen, ist da und das ist auch gut so. Wie in allen Bereichen des Lebens. Viele neue Mitglieder jüngeren Datums, waren sehr wahrscheinlich Ende der Fünfziger Anfang der Sechziger als ich eine Reihe von Sängern bereits persönlich erlebt habe, und zwar solche, die immer wieder in den Threads auftauchen, noch gar nicht geboren. Wenn sich heute ein junger Mensch für Opernstimmen interessiert, muss er doch nicht gleich zurückgehen bis zu Szlezak oder Schalljapin, um ein Beispiel zu nennen. Ich weiß nicht, ob vielen aus der jüngeren Generation, die Interesse am Schauspieler Götz George (Schimanski) Interesse haben, dass sein Vater der große Schauspieler Heinrich George war.

Heute muss mann Radio hören oder TV schauen, CD oder DVD oder ins Internet. Zu meiner Jugend erklang noch die Stimme von Peter Anders aus der Musikbox in Gaststätten.

In den besten Jahren der EMI (lt. Zeitungsbericht aus England ist sie ja platt) kamen sehr viele Aufnahmen in kurzen Zeitabständen mit immer wieder den gleichen Klassikinterpreten auf den Markt. Heute gibt es Sänger und auch Nachwuchssänger, die es erst überhaupt nicht zu Plattenehren kommen, es sei denn, sie gründen ein eigenes Label.
Da ist es im Pop Bereich völlig anders. Ich habe mir gestern durch Zufall die Wiederholung des ersten Teils der 10 Kandidatinnen/Kandidaten für Oslo angesehen, grauenvoll. Aber hohe Einschaltquoten.
Eine weitere Bemerkung noch zu Kesting. Selbstverständlich besitze ich auch das Buch von ihm. Was mich an ihm immer irritiert hat, im Gegensatz zu Kaiser, war, dass er dem Vernehmen nach über Stimmen geschrieben hat, die er nur von Tonträger kannte und er sie nie persönlich auf der Bühne erlebt hat. Hier sehe ich aber ein großes Problem. Es besteht schon die Möglichkeit, am Mischpult eine kleine Stimme groß zu machen. Die erste TV-Sendung "dacapo" mit Everding, die ich aufgenommen habe, war mit dem Tenor Hans Hopf. Dem hat man auch im Alter noch angemerkt, dass ein kein Mikrofon brauchte.
Abschließend möchte ich noch eine Bitte anschließen. Es hat in der ehemaligen DDR auch sehr gute Sänger (außer den bekannten: Adam, Schreier, Süß, Vogel, Nöcker) gegeben, die weniger oder überhaupt nicht im Westen bekannt waren. Ich habe neulich mir wieder den Lohengrin-Querschnitt mit dem gebürtigen Thüringer Martin Ritzmann angehört und fand ihn nicht schlecht, ebenfalls seine Recital-Aufnahme bei Eterna. Vielleicht gibt es ja über noch mehr Überraschungen aus der ehemaligen DDR.

Gruß aus Burgdorf

"Nicht weinen, dass es vorüber ist
sondern lächeln, dass es gewesen ist"
Waldemar Kmentt (1929-2015)


La Gioconda

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  • »La Gioconda« ist weiblich

Beiträge: 714

Registrierungsdatum: 26. Mai 2009

95

Sonntag, 7. Februar 2010, 22:06

RE: Generationenkonflikt ..

Zitat

Original von gerlach
Viele neue Mitglieder jüngeren Datums, waren sehr wahrscheinlich Ende der Fünfziger Anfang der Sechziger als ich eine Reihe von Sängern bereits persönlich erlebt habe, und zwar solche, die immer wieder in den Threads auftauchen, noch gar nicht geboren. Wenn sich heute ein junger Mensch für Opernstimmen interessiert, muss er doch nicht gleich zurückgehen bis zu Szlezak oder Schalljapin, um ein Beispiel zu nennen.

Eine weitere Bemerkung noch zu Kesting. Selbstverständlich besitze ich auch das Buch von ihm. Was mich an ihm immer irritiert hat, im Gegensatz zu Kaiser, war, dass er dem Vernehmen nach über Stimmen geschrieben hat, die er nur von Tonträger kannte und er sie nie persönlich auf der Bühne erlebt hat. Hier sehe ich aber ein großes Problem. Es besteht schon die Möglichkeit, am Mischpult eine kleine Stimme groß zu machen. Gruß aus Burgdorf


Warum nicht so weit zurückgehen!?!? Als Jahrgang 1970 habe ich einige große Namen (zB Siepi, los Angeles, Kraus, Bergonzi, Christoff) noch gehört - zugegeben waren sie zu dieser Zeit fast alle über ihrem stimmlichen Höhepunkt. Wenn ich mich mit meinen Hörerlebnissen auf das beschränken müßte, was ich live gehört hab, wäre ich um viele herrliche Sänger ärmer. Ich kenne viele Opern- und Stimmenliebhaber, die sich immer nur auf Sänger beschränken, die sie noch selbst erlebt haben - immer gepaart mit einem Schuß verklärender Nostalgie. Keine Frage - mit diesen verbindet einen mehr, als mit Sängern aus der Konserve. Aber kommt man da nicht immer wieder auf dieselben Dutzend Sänger und Sängerinnen zurück? Ich finde es ganz natürlich, daß man sich irgendwann aus Neugier in ein Hörabenteuer stürzt und aufnahmetechnisch immer weiter zurück geht.

Daß man (bzw Kesting) historische Aufnahmen bespricht - darin sehe ich kein Problem. Eine andere Möglichkeit gibt es leider nicht über historische Sänger zu diskutieren und auf diese Weise hat jeder denselben Ausgangspunkt. Kaum jemand wird Caruso, Gigli oder Pertile heutzutage mehr live erlebt haben und es wäre doch jammerschade ihre aufgrund mangelhafter Tonqualität auszuklammern.

Und daß kleine Stimmen technisch "vergrößert" werden, dieser Vorwurf kann ja wohl eher die Sänger ab den etwa den 1940er jahren betreffen. Was Aufnahme und Reproduktionsbedingungen betrifft sind Sänger vor allem bis Mitte der 1920er Jahre arg im Nachteil - und trotzdem kann man ihre Größe in den meisten Fällen nicht nur erkennen und nachvollziehen, in vielen Fällen öffnen sie einem die Tür zu einer neuen Welt - man muß nur hinhören.
Das soll nicht heißen, das alles "Alte" (für mich nicht 1950/60er Jahre sondern 1900-1930) besser war, aber in vielen Fällen relativieren diese Aufnahmen viele nostalgische Verklärungen, die man von "aktuellen" oder Lieblings-Sängern hat. Daß man sich mit einigen Sängern aufgrund persönlicher Erlebnisse emotional mehr verbunden fühlt ist ja ganz normal und man nimmt ja auch seinen Lieblingen nicht unbedingt etwas weg, aber wenn man Werturteile abgibt sollte man, finde ich, schon das ganze Bild sehen und nicht nur einen Ausschnitt.
"Man muß nicht fliegen können um ein guter Ornithologe zu sein."

"Stimm´ brauchst kane, SINGEN muasst können!!" Julius Patzak

"WIRKLICH gut singt man vielleicht EIN MAL im Jahr." Fernando De Lucia