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andythr

Profi

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  • »andythr« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 350

Registrierungsdatum: 6. Januar 2007

1

Montag, 31. August 2009, 12:35

Hugo Alfvén (1872 - 1960)

Da es bisher nur einen Thread zu Alfvens 4. Symphonie gibt, wird es Zeit, diesem Komponisten etwas mehr Raum zu geben:

Hugo Alfvén



Hugo Emil Alfvén (* 1. Mai 1872 in Stockholm; † 8. Mai 1960 in Falun) war ein schwedischer Komponist und Dirigent.

Nachdem Alfvén von 1887 bis 1891 am Stockholmer Konservatorium studiert hatte, setzte er seine Studien in den Bereichen Violine und Komposition privat fort. Daneben war er von 1890 bis 1892 Violinist an der Hofkapelle und trat danach solistisch auf. 1897 und 1898 erhielt er weiteren Violinunterricht bei César Thomson in Brüssel. In den folgenden Jahren konnte er dank eines Stipendiums durch Europa reisen und seine Studien dort fortsetzen.

Seit seiner Jugend hielt sich Alfvén mit seiner Familie im Sommer oft in den Stockholmer Schären auf. Alfvén war ein leidenschaftlicher Segler. Das Meer und die Schärenwelt wurden zu wichtigen Themen seiner musikalischen Werke: die Klavierstücke "Skärgårdsbilder", die sinfonische Dichtung "En Skärgårdssägen", die Sinfonie Nr. 4 "Från Havsbandet" aber auch in der Sinfonie Nr. 2 sind das Meer und das Segeln im symbolistischen Sinne Bilder für Leben und Tod.

1902 hatte er in Sizilien Marie Krøyer kennen gelernt, die Frau des dänischen Malers Peder Severin Krøyer, die er im Jahre 1912 heiratete. Die Ehe scheiterte aber und wurde nach einem langwierigen Prozess 1936 geschieden.

In den Jahren 1903 und 1904 war er vorübergehend Kompositionslehrer am Stockholmer Konservatorium. Außerdem reiste er als Gastdirigent durch viele europäische Länder. Als Dirigent führte Alfvén vorwiegend eigene Werke auf. Ab 1910 wirkte Alfvén als Director musices an der Universität Uppsala. Diesen Posten behielt er bis zum Jahre 1939. Um sich von seinen beruflichen Anstrengungen erholen zu können, errichteten sich Alfvén und Marie Krøyer in Tällberg am Siljanssee, Dalarna, ein Sommerhaus im dalekarlischen Stil. Während seinen zahlreichen Aufenthalten in Dalarna entstand eine tiefe Beziehung zu dieser schwedischen Landschaft, die in der Nationalromantik als "Hort der schwedischen Volkskultur" verstanden wurde.

Auch als Chorleiter war er sehr aktiv, sowohl in Uppsala (Orfei drängar) als auch in Dalarna, wo er die Leitung des Siljanschores übernahm. Für den Siljanschor arrangierte Alfvén schwedische Volkslieder, schrieb aber auch neue Kompositionen mit Anklängen an die schwedische Volksmusik. Mit beiden Chören unternahm Alfvén erfolgreiche Tourneen auch ins Ausland (bspw. Norwegen, USA). Nach der Scheidung von Marie Krøyer heiratete Alfvén 1936 Karin Wessberg, der er unter anderem die berühmte Elegie seiner Musik zum historischen Schauspiel "Vi" über Gustav II. Adolf widmete. Da Alfvén sein Haus in Tällberg im Verlauf der Trennung von Marie Krøyer aufgeben musste, erbaute er sich mit von der schwedischen Öffentlichkeit gesammelten Spenden ein neues Haus in Tibble bei Leksand am Dalälv. Dieses Haus ist heute Museum.

Alfvén, der als schwedischer Nationalkomponist angesehen wurde, wurde vielfach geehrt; er erhielt unter anderem 1917 die Ehrendoktorwürde der Universität Uppsala und wurde 1908 Mitglied der Königlichen Musikakademie in Stockholm. Neben seiner musikalischen Begabung besaß Alfvén auch ein großes Talent als Maler. Als Jugendlicher hatte er sich als Maler ausgebildet. Erhalten sind zahlreiche Aquarelle mit Landschaftsdarstellungen, einzelne Porträts und Selbstporträts. Außerdem war Hugo Alfvén ein begabter Erzähler: Er veröffentlichte selbst seine Memoiren in vier Bänden, die in flüssigem Stil von seinen zahlreichen Reisen und Abenteuern erzählen.


In seiner Heimat machte sich Alfvén v.a. durch seine von der schwedischen Folklore inspirierten Kompositionen wie seinen Chorwerken oder seinem berühmtesten Werk, der "Midsommarvaka" op.19, einen Namen. Mit seinen Sinfonien leistete Alfvén zwar einen bemerkenswerten Beitrag zur schwedischen Sinfonik, konnte sich jedoch als Sinfoniker in Schweden nur schwer etablieren. Vor allem seine vierte Symphonie (Från Havsbandet) wurde wahrscheinlich auch wegen ihrer ausgesprochen deutsch beeinflussten spätromantischen Sprache im Ausland mehr geschätzt als zu Hause. In diesen Werken spielt die Volksmusik aber keine entscheidende Rolle (mit Ausnahme der Sinfonie Nr. 3, die in Italien entstanden ist und in deren langsamem Satz wehmütige Erinnerungen an die schwedische Heimat erklingen). Daneben entstanden als Gelegenheitswerke zahlreiche Kantaten zu Jubiläen und anderen Festivitäten, die unter anderem auch mit der Funktion Alfvéns als Director Musices der Universität Uppsala verknüpft waren.

Alfvén war ein hervorragender Techniker, der kompositorische Finessen wie Kontrapunktik meisterhaft beherrschte. Er verfügte über eine brillante Instrumentation; insbesondere die äußerst differenzierten Klangfarben seiner Orchesterwerke sind mehr als beachtlich. Hier zeigt er sich einerseits von der französischen Spätromantik (Alfvén weilte zu Studienaufenthalten in Belgien und Paris) und andererseits von Richard Strauss beeinflusst, einem Komponisten, dem er ohnehin stilistisch recht nahe stand. Insgesamt ist Alfvén zusammen mit Wilhelm Stenhammar und Wilhelm Peterson-Berger der markanteste Exponent der schwedischen Spätromantik. Seine Werke sind qualitativ sehr hochwertig; allerdings ließ seine Inspiration in späteren Jahren deutlich nach. Alfvén zählt zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der schwedischen Musikgeschichte.

(Quelle: Wikipedia)


Werke:

Orchesterwerke
Sinfonie Nr.1 f-moll op.7 (1896/97, rev. 1904)
Sinfonie Nr.2 D-Dur op.11 (1897/98 )
Sinfonie Nr.3 E-Dur op.23 (1905)
Sinfonie Nr.4 c-moll op.39 "Från Havsbandet" (Von den äußersten Schären) für Sopran, Tenor und Orchester (1918/19)
Sinfonie Nr.5 a-moll op.54 (1942, 1952/53)
"En skärgårdssägen" (Eine Schärensage), Tondichtung op.20 (1904)
"Midsommarvaka" (Mittsommerwache), Schwedische Rhapsodie Nr.1 op.19 (1903)
"Uppsalarapsodi", Schwedische Rhapsodie Nr.2 op.24 (1907)
"Dalarapsodi", Schwedische Rhapsodie Nr.3 op.48 (1937)

Bühnenwerke
"Bergakungen" (Der Bergkönig), Ballett op.37 (1916-23)
"Den förlorade sonen" (Der verlorene Sohn), Ballett (1957)

Vokalmusik
9 Kantaten für Soli, Chor und Orchester
Chöre, z.B. "Morgendämmerung am Meer" (1933)
etwa 60 Volksliedbearbeitungen für Chor
etwa 50 Lieder

Klavier- und Kammermusik
"Skärgårdsbilder" (Bilder aus den Schären), 3 Klavierstücke op.17 (1901/02)
Nocturne Cis-Dur für Klavier (1911)
"Il primo amore", Walzer für Klavier (1937)
Violinsonate op.1 (1895)


So, nun seid ihr dran: welche Werke kennt und schätzt ihr? Welchen Einspielungen sind zu empfehlen?

Christian Biskup

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  • »Christian Biskup« ist männlich

Beiträge: 517

Registrierungsdatum: 24. Februar 2009

2

Montag, 31. August 2009, 13:35

Hallo Taminos,
da Alfven einer meiner Lieblingskomponisten ist melde ich mich mal zu Wort.
Die von dir beschriebenen Orchester und Bühnenwerke kenne ich alle und gefallen mir sehr gut. Alfvens Musik hat für mich etwas, was Grieg und Nielsen ( die auch beide genial sind ) mir nicht bieten können. Als Aufnahme kenne ich eigentlich nur die von Järvi



wobei ich schon eine bessere Aufnahme der 1. Schwedischen Rhapsodie unter Järvi gehört habe, dies findet man in der CD Nordische Impressionen ( I-Net gibt leider kein Bild :-C ) wo diese viel gefühlsvoller und auch die Tempis besser passen. Bei der Sammlung sind die mir teilweise zu unterschiedlich.

Gruß
Chrissi

John Doe

Prägender Forenuser

  • »John Doe« ist männlich

Beiträge: 826

Registrierungsdatum: 27. Juni 2009

3

Montag, 31. August 2009, 15:33

Hallo miteinander,

ich schätze Alfvens Musik ebenfalls. U.a. deswegen, weil sie ein Beleg dafür ist, dass es auch im 20. Jhdt. noch möglich war, ohne jegliche Reglementierung von oben tonal komponieren. Und zwar auf eine sehr gediegene und schöne Art und Weise, ohne in irgendeiner Form sentimental zu werden oder auch noch in die Nähe des Kitsches zu kommen.

Als Alternative zu der von Christian Biskup angeführten Aufnahme folgende Naxos-Aufnahmen, von denen ich die zweite besitze, welche durchaus einem Vergleich mit der Järvi-Aufnahme standhält:











Viele Grüße
John Doe

  • »Kurzstueckmeister« ist männlich

Beiträge: 6 754

Registrierungsdatum: 16. Januar 2006

4

Montag, 31. August 2009, 15:46

Zitat

Original von John Doe
Hallo miteinander,

ich schätze Alfvens Musik ebenfalls. U.a. deswegen, weil sie ein Beleg dafür ist, dass es auch im 20. Jhdt. noch möglich war, ohne jegliche Reglementierung von oben tonal komponieren.

Also ich weiß nicht ...

Führen wir uns einmal Alfvéns Generation vor Augen, sagen wir die Baujahre 1867-1877:

1867 - 1950 Charles Koechlin
1867 - 1916 Enrique Granados
1868 - 1933 Max von Schillings
1869 - 1949 Hans Pfitzner
1869 - 1937 Albert Roussel
1870 - 1939 Charles Tournemire
1871 - 1942 Alexander von Zemlinsky
1872 - 1958 Ralph Vaughan-Williams
1872 - 1915 Alexander Scriabin
1873 - 1916 Max Reger
1873 - 1943 Sergej Rachmaninov
1874 – 1935 Josef Suk
1874 – 1939 Franz Schmidt
1874 – 1951 Arnold Schönberg
1874 – 1954 Charles Ives
1875 – 1937 Maurice Ravel
1876 - 1946 Manuel de Falla
1876 – 1971 Carl Ruggles
1877 – 1960 Ernst von Dohnanyi

Die Exoten sind die Experimentellen und Atonalen: Schönberg, Ives und Ruggles. Scriabin und Zemlinksy zählen auch noch zu den "Modernskis", aber dann bleiben im Wesentlichen nur solche, die uns rückblickend fast konservativ oder volkstümlich erscheinen. Von jenen lassen sich noch unzählig viele "ausgraben" zur Freude unserer CD-Regale.

Bislang ging ich davon aus, die schwedische Produktion dieser Zeit ausreichend mit Stenhammar, Rangström und Atterberg abgedeckt zu haben, zumal diese drei auch keine überregionale Bedeutung in Anspruch nehmen können.
:hello:

John Doe

Prägender Forenuser

  • »John Doe« ist männlich

Beiträge: 826

Registrierungsdatum: 27. Juni 2009

5

Montag, 31. August 2009, 16:21

Hallo Kurzstückmeister,

wenn man´s genau nimmt, dann geht das 20. Jhdt. 1901 an und war 2000 zu Ende. D. h. die meisten Werke der von dir aufgeführten Herren fallen ins 20. Jhdt.
Wenn man sich aber nun die ganzen Threads zur Musik des 20. Jhdts anschaut, dann entsteht doch der Eindruck, dass in diesem Jahrhundert überwiegend dissonant und atonal komponiert worden ist. Oder anders gesagt, das 20. Jhdt. könnte in seiner Gesamtheit durchaus als tonal angesehen werden, wenn denn die tonalen Werke in die Diskussion über die Musik des 20. Jhdts. mit einbezogen werden würden. Stattdessen neigt man aber dazu, sich in die etwas "würzigeren" Sachen zu verbeissen und zwar derart heftig, dass die "konservativeren" Produktionen dieses Jahrhunderts irgendwie übersehen, bzw. überhört werden.

Und gerade Alfven hat sogar noch in der zweiten Hälfte des 20. Jhdts komponiert. Sein Ballet "der verlorene Sohn" ist 1957 entstanden und lädt geradezu dazu ein mit dem gleichnamigen Ballet von Prokofieff verglichen zu werden, das knapp 30 Jahre früher entstanden ist.

Viele Grüße
John Doe
:hello:

Harald Kral

Erleuchteter

  • »Harald Kral« ist männlich

Beiträge: 14 983

Registrierungsdatum: 20. Juni 2007

6

Dienstag, 1. Mai 2012, 17:19

zum 140. Geburtstag

Hätte heute seinen 140. Geburtstag:



Hugo Emil Alfvén (* 1. Mai 1872 in Stockholm; † 8. Mai 1960 in Falun),
schwedischer Komponist und Dirigent.

LG

:hello:
Harald

Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
(Vinícius de Moraes)