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der Lullist

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Beiträge: 3 963

Registrierungsdatum: 13. Januar 2005

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Freitag, 25. September 2009, 09:58

Francoeur - im Schatten Rameaus

Was denn schon wieder ein ausgegrabener Franzose ?

ja schon, aber einer der sich mal wirklich wieder lohnt!!!


Francois Francoeur wurde am 8. September 1698 in Paris geboren, er starb am 5. August 1787 ebenfalls in Paris






Francoeur stammte wie so viele bedeutende Musik aus einem Musikergeschlecht, das schon zu Zeiten Louis XIV aktiv war.
Sein vater war Mitglied der 24 Violinen des Königs und spielte auch im Orchester der "Academie Royale de Musique"

Von ihm erhielt er natürlich auch seine Ausbildung.
Und Francois freundete sich mit einem Sohn eines weiteren Musikers der Hofkapelle an: mit Francois Rebel, der niemand anderes war, als der Sohn des großen Jean Fery Rebel.

Diese Freundschaft sollte eine Leben lang halten und zu eine der kuriosesten Doppelkarrieren der Musikgeschichte führen.

Beide Musiker unternahmen zusammen eine musiklaische "Grand Tour"
sie reißten nach Wien um bei Caldara und Fux zu studieren.
1726 zurück in Paris traten sie gemeinsam im Concert Spirituell auf und brachtem im gleichen jahr ihren Sensationserfolg "Pirame et Tisbe" auf die Bühne der Academie Royale.

Der Erfolg dieser Tragèdie Lyrique war enorm, sie gehörte fortan zu den beliebtesten Opern in Frankreich, es gab alle Paar Jahre leichte Modifikationen, sogar noch bis ins Jahr 1771 !

Rebel und Francoeur unterhielten freundschaftliche Beziehungen zu ihrem Altmeister Michel Richard Delalande, der greise Surintendant Louis XIV und Louis XV soll auch eigenhändig die Chöre für Pirame verfasst haben - so lautete jedenfalls ein keinesfalls böswilliges Gerücht.
(Zudem war Delalande der Onkel Rebels)

"die Musik dieser Oper ist so hervorragend, dass man zu zweifeln geneigt ist, ob die beiden jungen Musiker nicht die Hilfe eines großen meisters beigezogen haben.."

Und die beiden jungen Musiker gaben auch respektvoll zu, das ihnen die Hand eines großen Meisters geholfen hatte, das kann man nun interpretieren wie man möchte.
So schrieben sie im Vorwort zu dem Druck der Oper:

"Unser Mangel an Erfahrung hielt uns lange zurück; der Wunsch in die Fußstapfen derer zu treten, die uns vorangegangen waren ermutigte uns; wir waren beide davon erfüllt; dieselbe Ausführung zu überwinden; Monsieur Lulli war unser Meister und Vorbild, Soe sollen unser Richter sein..."

Ein Sensationserfolg der Folgen hatte.
Im gleichen jahr wurden die Komponisten zu "Ordinaires de la Chambre du Roi" ernannt - die größte Ehre, denn der königlichen Kammer gehörten nur die besten Musiker des Landes an.

1739 wurden sie schließlich in das höchste musikalische Amt erhoben:

Zum ersten male wurden 2 Komponisten als "Surintendant de la Musique du Roi" eingesetzt, also jenes berüchtigte Amt, das einem seit Lully die Alleinherrschaft über das frz. Musikleben garantiert.

Louis XV leistet sich also 2 Oberhofintendanten der königlichen Musik.
Weitere Ernennungen folgten, Leiter des Concert Spirituel, Direktoren der Academie Royale de Musique, Surintendant de la Chambre du Roi (nach dem Tode von Colin de Blamont) sogar die Aufnahme in einen Ritterorden konnten die beiden verbuchen.

Und weiterhin wurden auch sämtliche Bühnenwerke von beiden Komponisten zusammen komponiert.
Insgesamt entsammten 10 große Opern ihrer gemeinsamen Feder, dazu noch kleinere Divertissements und Ballette.

Francoeur komponierte allerdings auch noch 2 Bücher mit Violinsonaten.

Wahrscheinlich am ehesten bekannt ist ein "Auftrag" Louis XV aus dem Jahre 1773.
Er sollte für die Hochzeit des Grafen von Artois eine Festmusik zusammen stellen.
Dazu griff er auf Instrumentalstücke seiner mit rebel verfassten Opern zurück, aber auch auf Kompositionen von Rameau, Berton und Mondonville.

Es entstand die Sammlung "Symphonies pour les Festins Royales du Comte d'Artois"
Diese herrliche Sammlung war in rotes Leder eingebunden und wurde von dem angeblich so unmusiklaischen Louis XVI wie ein Schatz in seiner Bibliothek gehütet.



Das Gespann Francoeur / Rebel ist neben Rameau und Mondonville eine weitere lohnende Entdeckung, der Stil ihrer Kompositionen ist allerdings wesentlich konservativer - aber dennoch in einer eigenen musikalischen Sprache verfasst.

Und in den letzten Jahren sind auch einige Werke auf CD erhältlich:


den Anfang machte Hugo Reyne:



Er nahm die Orchesterstücke der "Symphonies" auf, die ganz zweifellos von Francoeur stammten, eine wunderbare Leistung und vielleicht die beste Aufnahme dieses Ensembles.

Es gibt auf dieser CD:



ebenfalls eine Suite, jedoch mit einer Chaconne von Berton, allein wegen diesem Stück lohnt der Kauf der CD schon.


Bei Alpha erschien eine wunderbare CD mit wunderbaren dramatischen Airs aus Opern, gepaart mit den Violinsonaten:




Hier sind Airs aus "Skanderberg" (ein eher ungewöhnliches Thema für eine Tragèdie Lyrique ! ) "Pirame et Tisbe" und "Tarsis et Zélie" zu hören.


und schließlich gibt es auch einige der Bühnenwerke:



natürlich auch Pirame et Tisbe - und diese Aufnahme ist ganz hervorragend geglückt.


und das kleine Divertissement "Zelindor, re des Sylphes" liegt sogar in zwei Einspielungen vor:



Beim Label Naxos mit der Opera Lafayette ganz neu, erhältlich ab Oktober 09

und die zweite Einspielung befindet sich in der 20 CD Box "200 Jahre Musik in Versailles" mit dem Ensemble "Ausonia" (Leitung FredericK Haas und Mira Glodeanu)