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Ulli

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31

Mittwoch, 18. Mai 2005, 16:59

Zitat

Original von Salisburgensis
Ich habe mich angesprochen gefühlt, nicht persönlich, sondern vom Thema allgemein. Wie ich schon geschrieben habe: Zitat:
Mir ist die Begeisterung, die viele hier (und nicht nur hier) dafür [Mozarts Musik] aufbringen fremd und rätselhaft. Aber gerade das macht es andererseits für mich interessant, weil ich den Grund dieser Begeisterung verstehen möchte.
aber das haben wohl alle überlesen. Und ich gebe es zu, es war auch gut versteckt in meiner Kritik am Thread. Aber das ist es, was mich eigentlich bewegt. Verstehen dieser Mozartbegeisterung aus einer gewissen Distanz meinerseits (zumindest erstmal mit Distanz, und deswegen die Missionierungskritik).


Salut,

NEIN - das wurde [zumindest von mir!] nicht überlesen. Ich habe sogar darauf geantwortet, wenn Du meine Texte gelesen hast. Mir ist nur zwischendurch der PC abgesürzt, weswegen ich Dein Zitat in der Rekonstruktion tatsächlich vergessen habe. Ich hatte nämlich Deinen Kommentar "Aber gerade das macht es andererseits für mich interessant..." kommentiert mit: "Na, dann gehörst Du bereits zu den "Geweihten"... irgendwie ist's dann aber doch untergegangen vor lauter Absturz-Ärger [sollte ja heute eigentlich nicht mehr passieren dürfen].

Also: Ich weiß nicht, ob es Dir und uns gelingen wird, Dein Verständnis für "unsere" Mozartliebe zu erklären... Vielleicht liebst Du irgendeine Frau, und keiner kann es nachvollziehen - das wäre ähnlich. :D

Liebe Grüße und in der Hoffnung, dass es nun ENDLICH weitergeht!

Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
(Vincenzo Geilomato Hundini)

Caesar73

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32

Mittwoch, 18. Mai 2005, 23:11

Wie ich in einem anderen Zusammenhang schon mal geschrieben habe: Meinen Zugang zur klassischen Musik habe ich trotz (oder vielleicht gerade wegen Mozart gefunden) Mein Vater ist ein ausgesprochener Mozart-Verehrer und zeitweise lief nichts anderes als Mozart auf dem heimischen Plattenteller, was mir ab einem bestimmten Zeitpunkt ziemlich auf die Nerven ging. :evil:

Ich dachte mir, es muß doch noch etwas anderes als Mozart geben .... und so entdeckte ich Beethoven. Von da an war ich der Musik entgültig verfallen, auch wenn es noch eine ganze Weile dauerte bis ich mich wieder Mozart zuwandte. :yes:

Eine besondere Vorliebe habe ich für die Moll-Werke Mozarts entwickelt, die Ulli treffend bemerkt hat seine perönlichsten Aussagen enthalten. Liegt vermutlich daran dass ich gegen den appollinischen Mozart als Kind immer eine gewisse Abneigung hegte.

Die Musik Mozarts ist so faccettenreich, dass Sie eben eine Unzahl von verschiedenen Herangehensweisen erlaubt. Aber es kann eben auch sehr gut sein, dass eben der eine oder andere mit Mozart nichts anfangen kann. Das ist zwar schade, aber auch völlig normal. :yes:

Und eine der Eigenschaften eines Mythos ist eben auch sein Geheimnis, seine Unerklärbarkeit. Wie sagte Ludwig II.: Ein Rätsel will ich bleiben, mir und meiner Zeit.

Grüße,Christian :hello:
Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

Theophilus

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33

Donnerstag, 19. Mai 2005, 03:32

@salisburgensis

1.
Alfred eröffnet einen Thread, durch den du dich aus irgendeinem Grund zwangsmissioniert fühlst, und obwohl er dir in einem ausführlichen Posting darlegt, dass er nichts dergleichen im Sinn führt, reitest du weiter wortreich darauf herum, wie du dich dennoch davon negativ berührt fühlst und sich in dir Widerstand regt.
Wenn du Alfred mit Gewalt missverstehen willst, ist das deine Sache. Aber es hilft dem Thread in keinster Weise, ist nicht im Sinn des Forums und interessiert niemanden.

2.
Die persönlichen Angriffe überlasse ich dir, denn du hast offensichtlich genug Vorrat für uns beide. Ich habe noch nie jemanden persönlich angegriffen, auch wenn du es schon wiederholt behauptet hast.

3.
"bösartig", "widerlich", "blanker Hohn"
Du bist also der sachliche Typ von uns beiden. Da möchte ich aber gar nicht mehr wissen, wie es sich anhört, wenn du einmal unsachlich werden solltest.

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

salisburgensis

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34

Donnerstag, 19. Mai 2005, 12:56

@ Theophilius
da du dich offenbar unbedingt noch weiter mit mir zanken willst, schlage ich vor, wir machen das per PN unter uns aus und verschwenden nicht diesen Thread für dieses Scharmützel.

@ Ulli

Zitat

Na, dann gehörst Du bereits zu den "Geweihten"...

Ja, das empfinde ich auch so. Und ich bin in freudiger Erwartung dem gegenüber, was hier noch kommen wird.

@ Alfred

Zitat

Hiezu wäre es sinnvoll festzustellen, wo denn eigentlich die Barrieren liegen. (Obwohl ich glaube das sowieso zu wissen)

Na dann mal raus damit! Mich interessiert, wo du die Barrieren wähnst.

Thomas
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Ulli

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35

Donnerstag, 19. Mai 2005, 13:03

Zitat

Du könntest "uns" auch noch ein wenig entgegen kommen, indem Du ein paar Negativbeispiele von Werken nennst, welche Dir nicht bekommen sind.


Salut,

das galt/gilt natürlich auch für Dich, Salisburgensis...

bien cordialement
Ulli
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Albus

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36

Donnerstag, 19. Mai 2005, 16:30

Tag,

von welchem Mozart möchte denn wirklich gesprochen werden, von einem mythischen Mozart oder vom historischen Mozart. Vom historischen Mozart etwa auch doch nur in der Weise wie vom historischen Jesus gesprochen wird? Der Skandal der Rede vom historischen Jesus konnte ja nur unter der Voraussetzung des Jesus Gottessohn entstehen und bestehen. So wäre der stille Untergrund des Interesses am historischen Mozart auch nur der unterliegende Mythos Mozart.

Hatte Hegel sich geirrt, als er im Hinblick auf Mozart von absoluter Musik schrieb? Absolute Musik, also jenseits des "Wer war Mozart?", oder? Wer Mozart war, sterblicher Mensch, natürlich, darüber hinaus ist noch jeder Autor gescheitert. Das Rätsel dauert an.

MfG
Albus

Ulli

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37

Donnerstag, 19. Mai 2005, 16:54

Salut, Albus,

meine persönliche Intention ist es, mich von dem Mythos eher zu befreien - ich versuche dies auch zumeist, in meinen Beiträgen entsprechend zu handhaben, sofern es Erklärungen gibt... alles andere bleibt Mythos!

Liebe Grüße
Ulli
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Albus

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38

Freitag, 20. Mai 2005, 09:09

Morgen,
und guten Morgen Ulli,

denkt man von einem (etwas rigorosen) Werkbegriff her, dann kann einen ein (etwaiger) Mythos Mozart nicht als Barriere von den Werken abtrennen. Man verfällt auch nicht auf den Umweg, gewissermaßen den Leib Mozart im Werden und Vergehen erst begreifen zu müssen, bevor man die Musik des Komponisten Mozart aufnehmen kann. Wer Mozart war, die Frage richtet sich an den Einen und keinen. Ins Bewußtsein vermag nur Einer zu schauen, so Wittgenstein, § 426 der Philosophischen Untersuchungen. Das musikalische Werk, das ist für die Vielen, für uns. Wir haben ja die Errungenschaft der Notenschrift, die eine Tradierung ermöglicht.

Oder, anders gesagt: "Ich bin auch für Metaphysik, aber zuerst kommt der Rhythmus!" so das Postulat von Artur Rubinstein zu seiner Zusammenarbeit mit Josef Krips bei einer Mozart-Aufnahme. Zuerst das Profane, danach das - meinetwegen - Mythische.

Eine Hinführung zur Musik von Mozart sollte sich vornehmen, den Mythos Mozart zu überwinden. Der Mythos ist die entscheidende Barriere. So denke ich.

MfG
Albus

Ulli

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39

Freitag, 20. Mai 2005, 09:50

Salut,

ich verstehe MOZART heute anders, als früher - den Menschen, wie die Musik. In meiner Kindheit, also wir sprechen von einem Alter von 10-15 Jahren, beschäftigte ich mich "mental" mit dem in etwa gleichaltrigen "Wunderknaben". Ein interessanter, ja fast kurioser, Aspekt ist: Mozart ist mit mir "gewachsen". Da ich das Glück hatte, seine Musik bereits mit ~10 Jahren kennen zu lernen, war Mozart mit mir immer gleich alt [oder jung]. Ich sah ihn quasi immer parallel zu meinem Leben, dies natürlich unbewusst und es wird mir eigentlich heute erst klar, dass dies so war. Auf diese Weise konnte ich ihn wirklich "kennenlernen" [vgl. Thread: "Verehrung"], da ich stets schaute, was der Gleichaltrige tat. Nun bin ich 31 und habe quasi das gros von Mozart Leben "durchgemacht", es fehlt also zeitlich gesehen nicht mehr viel. Ich bin gespannt, wie ich Mozart "nach seinem Tode" sehen werde - ich meine also damit, wenn ich die 36-Jahr-Marke überschritten habe, was ich hoffentlich schaffen werde.

Es klingt jetzt vielleicht etwas blöd formuliert, aber die Beschreibung hat nichts mit einer "Mozartidentifikation" zu tun.

Natürlich ist das wichtigste das Werk, welches er hinterlassen hat, aber auch in nicht zu verachtender Weise sein "Geist", der die Jahre überdauert hat. So hat Beethoven Mozarts Geist aus Haydns Händen erhalten... und fortgetragen.

bien cordialement
Ulli
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salisburgensis

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Dienstag, 26. Juli 2005, 14:14

Ich habe lange gezögert, aber nun will ich endlich Ullis Aufforderung nachkommen und ein paar Werke bzw. Werkgruppen benennen, die mir "nicht bekommen" sind. Ich nenne sie einfach, (fast) ohne weitere Kommentare:

Da wären zum Einen die Sinfonien, bis auf wenige Ausnahmen (z.B. die g-Moll KV 550).
Genauso auch die diversen Solokonzerte.
Und viele Vokalwerke, wie Spatzen- und Krönungsmesse (beide schon selbst gesungen), Vesperae Solennes de Confessore KV339.

Einen Kommentar muß ich doch anbringen: Ich weiß, dass ich sehr stark verallgemeinert habe. Aber das ist der Eindruck der sich in den letzten Jahren herausgebildet hat. Ich habe zwar nicht viele CDs mit Mozarts Musik, aber ich höre sehr viel Radio und schneide auch viel mit. So finden sich in meiner Datenbank inzwischen etwa 200 Einträge unter dem Namen Mozart. Das soll jetzt nicht heißen, dass ich mich in Mozarts Schaffen besonders gut auskenne würde, aber auf ein gewisses Maß an Beschäftigung mit seiner Musik kann ich schon zurückblicken.


Aber auch die Positiv-Beispiele will ich nennen, Werke die mich durchaus Ansprechen:
Requiem (mehrfach selbst gesungen), Don Giovanni, Entführung

Thomas
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Ulli

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41

Dienstag, 26. Juli 2005, 15:06

Salut,

der von mir respektierte ehrliche Beitrag verdient eine entsprechende Antwort:

Mir geht es fast ähnlich, wie Dir, Salisburgensis - ohne jedoch ein Werk abwerten zu wollen. Die Sinfonien stellen für mich ebenfalls, wie die Violinkonzerte [eben mit der Ausnahme der "großen" Sinfonien und dem 3. Satz des A-Dur-Konzertes] relativ belanglose Werke dar. Die Musik ist nett anzuhören, was ich auch selten bis gelegentlich mache, aber etwas Besonderes kann ich darin nicht finden. Dennoch gehören für mich auch diese Werke zu "meinem" Mozart, interessant ist z.B., eine [nicht in jeder Sinfonie stattfindende] musikalische Entwicklung zu entdecken.

Ich bin auch kein besonderer Mozart-Messen-Fanatiker, was aber daran liegt, dass es sich um "Frühwerke" handelt. "Mein" Mozart beginnt [wobei eine strikte Grenze zu ziehen nicht möglich ist] ungefähr 1784... hier bricht allmählich der eigentliche "Mozart" durch, der bis dahin viel gelernt, kopiert - aber auch eigenes kreiert - hat. Vielleicht klingt es etwas anmassend... Recht machen kann man es ohnehin niemandem.

bien cordialement
Ulli
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salisburgensis

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42

Dienstag, 26. Juli 2005, 15:57

@Ulli
deine Antwort hat mich sehr erstaunt. Begriffe wie "relaiv belanglose Werke" im Zusammenhang mit Mozart hätte ich von dir nicht erwartet. 8o 8o
Aber ich empfinde es ganz genau so, nett anzuhören....

Ich muß mal neugierig nachfragen: War das bei dir immer so, ich meine dass "dein" Mozart ab ungefair 1784 beginnt? Oder hat sich das entsprechend dem, was du ein paar Beiträge weiter oben schriebst verschoben (ich meine den Beitrag mit dem gleichen Alter bzw. Lebensabschnitt)?

Thomas
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Ulli

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43

Dienstag, 26. Juli 2005, 16:49

Salut,

schön, dass ich Dich erstaunt habe... Ja, so in etwa kannst Du das sehen, wobei es keine definitive "Achse" gibt. Während meiner "Jugend" [ja, lach' ruhig, alles ist relativ!] war ich in die Werke des entsprechend "gleich alten" Mozart stark verliebt und habe sie aufgesogen. Dabei habe ich aber auch die späteren sehr gemocht und niemals aus den Augen verloren, aber vielleicht noch nicht ganz begriffen. Besonders die Hornkonzerte, welche ich kürzlich - nach 15 Jahren! - erstmalig wieder gehört habe, trage ich eigentlich immer bei mir. Ich habe die Entwicklungen sehr stark selbst mitgemacht, manchmal war ich "schneller", zumeist hinkte ich stark nach. Irgendwann habe ich begriffen, dass "mein" Mozart nicht [nur] die schönen, glatten Melodien sind, sondern eher die Einleitung des Dissonanzenquartettes, die rhythmischen Ekstasen der g-moll-Sinfonie, die rhythmisch [für damalige Zeiten] komplexen Aufschreie der Donna Elvira nach dem Mord, der zweite Satz der A-Dur-Violinsonate [Mittel- und Schlußteil]. Ich habe das immer versucht, selbst kompositorisch umzusetzen, bei den glatten und schönen Dingen ging das recht einfach und zügig, doch bei besagten komplexen Dingen stiess ich schnell an meine Grenzen - und genau DAS hat mich fasziniert. So habe ich mich fast ausschliesslich DEM gewidmet und studiere dies nun seit rund 10 Jahren tagtäglich und komme ganz, ganz furchtbar langsam in Sichtweite... Für mich ist nur DAS "mein" Mozart, wobei mich das "Beiwerk" natürlich niemals stört, es entspannt furchtbar, wenn man sich die pulsierenden Anstrengungen der beschriebenen Stellen [es gibt natürlich noch extrem viele mehr...] zu Gemüthe zieht.

"Relativ belanglos" kann ich sogar insofern definieren, dass Mozarts Frühwerk sehr viele "Kopien" von Joh. Chr. Bach sind. Das ist an sich nichts schlimmes, es sind durchaus sehr schöne Werke, aber kein MOZART [er wird es selbst so gesehen haben...] Oh, wie anmassend, oder? Den Mithridate oder Lucio Silla könnte man auch als Werk Joh. Chr. Bachs verkaufen, oder Bach's Sogno di Scipione als Mozart... es wäre egal. Ich liebe aber alle diese Werke dennoch sehr.

Addio
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Ulli

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44

Dienstag, 26. Juli 2005, 21:13

Salut,

ich habe soeben eine andere - wie ich finde, treffendere - Bezeichnung für "Beiwerk" [was ich irgendwie abwertend empfinde] gefunden:

Nennen wir es doch "Garnierung". So wie ein Essen garniert wird [was vielleicht nicht unbedingt notwendig ist, aber das Auge ißt eben mit..], könnte man das auch auf die Musik übertragen, oder?

bien cordialement
Ulli
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der Lullist

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Freitag, 7. Oktober 2005, 22:59

So nun meinen Senf zum Thema:

Ersteinmal war es bei mir so dass ich lange mit seiner Musik nichts anfangen konnte, es war ganz nett, das wars dann auch schon.
Die Musiklehrerin meiner Mutter gab mir Recht, allerdings verachtete sie ihn regelrecht...meine Begeisterung für Lully applaudierte sie :D

Naja, aber ich arbeite mich ja von "der anderen Seite" an die Musik heran, das heißt ich kann gewissermaßen die Gedanken der damaligen Menschen vielleicht besser nachvollziehen, da die Romantik noch vor mir liegt.

Als Mensch des Barock bin ich nun im Rokoko und der Klassik gelandet :D

Jedenfalls angeregt durch die Beschäftigung mit der Mannheimer Schule (Cannabich, Fils, Familie Stamitz), dann Carl Philipp Emanuel Bach, die Franzosen Gossec, Devienne, Mehul, Saint Georges, die Italiener Salieri, Cimarosa, Sacchini etc. kam ich dann wieder zurück zu Mozart.

Ein vielleicht kurioser Weg, doch er hat sich ausgezahlt, vieles verstehe ich jetzt viel besser als früher und ich teile Ullis Meinung voll und ganz.

Mozarts eigener Stil kommt erst wärend der 80er Jahre langsam durch.
Der Großteil der Symphonien sind nicht unbedingt das genialste was ich je gehört habe...
Mozart ist für mich garantiert nicht dieser Übergott den viele aus ihm machen wollen.

Der Film Amadeus war auf der einen Seite sehr interessant, weil viel Musik zu hören war - doch Salieri fand ich ansprechender :D
Auf der anderen Seite hat er wieder diese Mystifizierung angekurbelt und einen Heldenethos geschaffen.

Letztendlich bin ich doch ein Fan von ihm geworden, denn als ich seine Opern für mich entdeckt, das dauerte etwas..., habe ich ihn erst wirklich schätzen gelernt.

Seit Tagen bin ich nun Idomeneo süchtig, ein absolut fabelhaftes Werk, kein Vergleich mit den Vorgängern.
Die Zauberflöte ist absolut nicht mein Fall, ich halte das Libretto für absoluten Mist, da mag man reininterpretieren was man will, es ist nichtmal witzig ...
Und es widerspricht meiner Geisteshaltung :D
Jedenfalls wundert es mich immer wieder was man in diesen Schund für wissenschaftliche Arbeit investiert... :stumm:

Generell ist mir Deutsch als Opernsprache mehr als zuwieder, das akzeptiere ich nur im Notfall :D

Generell liegen mir die "klassischen" Stoffe mehr als buffo Themen, aber ich bin eben mit den alten Opernkonventionen aufgewachsen :D

Jedenfalls ist dieser Komponist es allemal wert sich intensiver mit ihm auseinander zusetzen, allein deshalb schon, weil es ettliche Aufnahmen gibt. Ich freue mich auf meine weiteren Entdeckungen...

Theophilus

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46

Freitag, 7. Oktober 2005, 23:13

Hi

Zitat

Die Zauberflöte ist absolut nicht mein Fall, ich halte das Libretto für absoluten Mist, ...
Jedenfalls wundert es mich immer wieder was man in diesen Schund für wissenschaftliche Arbeit investiert... :stumm:

Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten:
1.) du hast Recht und die anderen sind die Trotteln.
2.) :stumm:


Zitat

Jedenfalls ist dieser Komponist (Mozart!) es allemal wert sich intensiver mit ihm auseinander zusetzen,...

Jetzt werden aber einige von uns wirklich erleichtert sein! ;)

Ciao

Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!

der Lullist

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47

Freitag, 7. Oktober 2005, 23:23

:D

Diesen beiden Möglichkeiten sehe ich mich jeden Tag ausgesetzt...

LG

Ulli

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48

Samstag, 8. Oktober 2005, 21:08

Zitat

Original von der Lullist
Die Zauberflöte ist absolut nicht mein Fall, ich halte das Libretto für absoluten Mist, da mag man reininterpretieren was man will, es ist nichtmal witzig ...
Und es widerspricht meiner Geisteshaltung :D
Jedenfalls wundert es mich immer wieder was man in diesen Schund für wissenschaftliche Arbeit investiert... :stumm:


Salut,

darüber reden wir zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal. Derweil beschäftige Dich doch einmal mit den Begrifflichen Diskrepanzen zwischen dem "Deutsch"[-sein] des 18. und des 21. Jahrhunderts... [wobei wir da ja erst die Spitze des Eisbergs sehen] :D

Herzlichst
Ulli
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  • »Johannes Roehl« ist männlich

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49

Samstag, 8. Oktober 2005, 22:55

Zitat

Original von der Lullist
Jedenfalls angeregt durch die Beschäftigung mit der Mannheimer Schule (Cannabich, Fils, Familie Stamitz), dann Carl Philipp Emanuel Bach, die Franzosen Gossec, Devienne, Mehul, Saint Georges, die Italiener Salieri, Cimarosa, Sacchini etc. kam ich dann wieder zurück zu Mozart.

Mozarts eigener Stil kommt erst wärend der 80er Jahre langsam durch.
Der Großteil der Symphonien sind nicht unbedingt das genialste was ich je gehört habe...


Das ist nicht sehr verwunderlich (wie schonmal ausgeführt), da a) die Sinfonie als Gattung nicht die Bedeutung hatte wie später und b) nur die letzten ca. 10 Sinfonien reife Werke sind; die ersten 30 hatte er mit 20 schon geschrieben.
Dennoch halte ich z.B. die "kleine g-moll" Kv 183 analogen Werken von JC Bach oder Vanhal deutlich überlegen.
Ich bin gespannt, wer von denjenigen, die sich in Frühklassik und Zeitgenossen besser auskennen, was ich da immer noch verpasse...

Vielleicht bin ich ja borniert und bevorzuge einfach das bekannte, aber in der Instrumentalmusik habe ich von den Zeitgenossen nichts gehört, was auch nur annähernd den Standard Mozarts oder Haydns erreicht. Das soll nicht heißen, das es keine hörenswerten Werke gäbe: Die Moll-Sinfonien vn Vanhal oder Kraus sind ziemlich gut, aber doch irgendwie "halbgar" (wie einige der frühen und mittleren Haydn-Sinfonien auch) und können mein Intresse auf Dauer nicht wirklich fesseln. Das Niveau von Mozarts ab der "Linzer" oder Haydns "Pariser" Sinfonien ist nirgends auch nur näherungsweise in Sicht.
Das hat übrigen Hoffmann schon 20 Jahre nach Mozarts Tod ähnlich gesehen: für ihn galten in der Instrumentalmusik nur Haydn und Mozart als würdige Vorgänger Beethovens, in der Oper natürlich noch Gluck.

Zitat


Und es widerspricht meiner Geisteshaltung :D
Jedenfalls wundert es mich immer wieder was man in diesen Schund für wissenschaftliche Arbeit investiert... :stumm:


Der Schundautor Goethe befand das Libretto immerhin einer Fortsetzung für würdig...

Zitat


Generell liegen mir die "klassischen" Stoffe mehr als buffo Themen, aber ich bin eben mit den alten Opernkonventionen aufgewachsen :D


Mozart war halt unkonventionell, kein ancien regime-Hofschranze :D :stumm:

viele Grüße

JR
Struck by the sounds before the sun,
I knew the night had gone.
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Samstag, 8. Oktober 2005, 23:05

Zitat

Vielleicht bin ich ja borniert und bevorzuge einfach das bekannte, aber in der Instrumentalmusik habe ich von den Zeitgenossen nichts gehört, was auch nur annähernd den Standard Mozarts oder Haydns erreicht.


Salut,

Kraus ist mit Mozart nicht vergleichbar. Er lebte die überwiegende Zeit seines Lebens in Schweden und war sehr eigen und musikalisch introvertiert. Kraus' c-moll Sinfonie wurde von Haydn sehr geschätzt:

Ich besitze von ihm eine seiner Sinfonien, die ich zur Erinnerung an eines der größten Genies, die ich gekannt habe, aufbewahre. Ich habe von ihm nur dieses einzige Werk, weiß aber, dass er noch anderes Vortreffliches geschrieben hat.

Hast Du die g-moll-Singonie von Antonio Rosetti einmal gehört? Ich denke, Sie kommt der Mozartischen am Nächsten. Aber auch Rosetti ist nicht direkt mit Mozart vergleichbar. Jeder Komponist hat eben seine eigenen großen Besonderheiten, die liebens- und anerkenneswert sind. Rosettis Es-Dur Sinfonie beispielsweise nimmt bereits Beethovens Erste vorweg und beginnt mit einer Kadenz [D-T] :D

LG
Ulli
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Siegfried

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51

Mittwoch, 18. Januar 2006, 20:36

Mythos Mozart

Ferruccio Busoni wird ein Ausspruch nachgesagt,der gut hierher paßt:

Es gibt schlechte Komponisten,
es gibt mittelmäßige Komponisten,
es gibt gute Komponisten,
es gibt außergewöhnlich gute Komponisten
und es gibt den Mozart.
Freundliche Grüße Siegfried

Alfred_Schmidt

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52

Mittwoch, 18. Januar 2006, 21:38

@ Johannes Roehl und Rest der Welt.

Zum Thema: Nichts ist mit Mozart annähernd vergleichbar. (?)

Ulli und ich sind uns zumindest in dem Punkt einig, daß diese Aussage keinesfalls stimmt.

Es ist natürlich eine Frage wie man die Frühklassik generell bewertet, ob man ihn ihr (aus meiner Sicht fälschlich) nur eine Entwicklungsstufe zur Klassik hin sieht, oder eine eigene Epoche.
Wenn man von zweiter Sichtweise ausgeht, dann gibt es hier durchaus Komponisten, die Mozart ebenbürtig sind, und ihn gelegentlich sogar übertreffen.

Ich könnte mir schwer vorstellen was Ulli und ich im Mozartjahr "neues" entdecken sollten, was wir nicht ohnedies schon wissen, daher haben wir eine Serie gestartet, wo Mozarts Zeitgenossen viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird, als dies gemeinhin der Fall ist.
Vor eingen Jahren wäre solch ein Unterfangen zum Scheitern verurteilt gewesen, aber in den letzten Jahren wurden einge Komponisten "ausgegraben", einige oder mehrere ihrer Werke auf Tonträger verewigt. War es vor ca 30 Jahren Johann Christian Bach, der vermehrt ins Licht der Öffentlichkeit geholt wurde, sind es in den letzten Jahren Kraus und Boccherini, Cannabich und Eberl gewesen, nicht zu vergessen Rosetti, Kozeluch und Vanhal, die wiederentdeckt wurden. Etliche Namen hab ich hier noch gar nicht erwähnt.
Manches mag im ersten Augenblick belanglos wirken, das liegt IMO daran, daß man sich an die Klangrede eines Komponisten gewöhnen muß - das gilt übrigens auch für Mozart. Immer wieder hört und liest man, daß Leute meinen, mozart wäre "belanglos" - prlötzlich "funkt es dann" - All das gilt natürlich auch für seine zeitgenössischen Kollegen - mit dem Unterschied, daß deren Werke schwieriger erhältlich sind - und man ihnen generell weniger Aufmerksamkeit schenkt.
Es gibt aber etliche Schätze zu heben - und hier will das Tamino Klassikforum das nachholen, was die Tonträgerindustrie jahrelang sträflich vernachlässigt hat. Wir werden diese sehr oft zu Unrecht vergessenen, die Zu Lebzeiten im Brennpunkt der musikalischen Welt standen, wieder ins Bewusstsein der musikalisch interessierten Öffentlichheit zurückbringen und ihnen jenen Platz in den Tonträgersammlungen einräumen, der ihnen gebührt, und schon immer
gebührt hätte


Freundliche Grüße aus Wien

Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Ulli

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53

Mittwoch, 18. Januar 2006, 22:36

Zitat

Original von Alfred_Schmidt
Wenn man von zweiter Sichtweise ausgeht, dann gibt es hier durchaus Komponisten, die Mozart ebenbürtig sind, und ihn gelegentlich sogar übertreffen.


Salut,

ich werde das sogar noch in der Form unterstreichen, dass z.B. bei Werken wie "Der Stein der Weisen" zwar Mozarts Mitautorschaft mittlerweile erwiesen ist, aber letztlich [mit Ausnahmen] noch nicht definitiv festgemacht werden kann, bei welchen Stücken dieser Oper tatsächlich seine Finger im Spiel hatte. Oder: kennt jemand Ferlendis Oboenkonzert? Ich will damit sagen, dass es nicht immer ganz einfach ist, ein Werk Mozart zuzuordnen, wenn man es nicht im Vorhinein als Mozart verkauft bekommt.

Ich habe z.B. früher immer als Gag die "kleine Gigue" und das Rondo KV 511 vorgespielt und habe dann erraten lassen, von welchem Komponisten es wohl stammt!? Den Namen Mozart habe ich niemals vernommen - sehr viel mehr dumme Gesichter, als ich die Lösung des Rätsels offenbarte.

Mozart kommt meines Erachtens Martín y Soler am nächsten - bzw. umgekehrt. Auch, wenn Lorenzo da Ponte von zwei "grundverschiedenen Komponisten" spricht. Vermutlich meine Da Ponte die Behandlung seiner Libretti, nicht aber die Musik als solche. Natürlich hat auch Martín y Soler ganz typische Merkmale wie Mozart und so kann man ihm auf die Schliche kommen. Zudem erschwert sich das alles, da Da Ponte für beide Komponisten tätig war und sie sich gegenseitig schätzten und mistrauisch beäugelten... eine starke Konkurrenz mithin.

Zudem spricht es für sich, dass Mozart zu Beginn seiner Wiener Zeit ab c1782 immer wieder und wieder Messen seines Freundes Michael Haydn beim Vater in Salzburg bestellte und diese dann in Wien aufführte. Warum komponierte er nicht schnell eigene Messen? Er wollte nicht! Wozu auch, wenn es bereits ausreichend gutes Material gab. Und Michael Haydn ist bei Weitem nicht der schlechteste Komponist... sehr auffallend war in "unserem" Konzert am 03. Dezember 2005 bei den Mozartwirten in Langwaid, dass der zweite Satz von Michael Haydns Duo für Violine und Viola einen sehr gewaltigen Spontanapplaus erhielt und das Mitten im konzert!! Wie zu Mozarts Zeiten bei der Uraufführung der Pariser Sinfonie! Ich hätte das nicht erwartet - aber mein Herz hat dann sehr geglüht von Freude für Michael Haydn. Hingegen bekam Mozarts B-Dur-Duo insgesamt nur mässigen Applaus; das Stück war/ist - außer für Insider - genauso unbekannt gewesen, wie dasjenige Michael Haydns.

Ich bin vor allem der Meinung, dass man/frau Mozart erst dann richtig schätzen und einordnen kann, wenn man das Drumherum - also die mozartzeitgenössische Musik - ebenso gut kennt, wie Mozarts Werke. Und selbst dann fällt es noch schwer...

Cordialement
Ulli
Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
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Ulli

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Samstag, 21. Januar 2006, 23:49

Mythos Mozart

Mythos Mozart

Luftige Gesprächsrunde mit Anne-Sophie Mutter, dem Schriftsteller Hanns-Joseph Ortheil und Konrad Beikircher, moderiert von Markus Brock. War heute 20.15 h im SWR:

Frau Mutter redet sehr viel besser, als sie spielt - früher war das umgekehrt, nach meinem Gusto jedenfalls [ich könnte es nicht besser]. Ein Ausschnitt aus den jüngst erschienenen Neueinspielungen der Violinsonanten, die sie angeblich nicht alle kannte 8o hat mir gar nicht gefallen. Lieber schaue ich einem Metzger beim Schlachten zu.

Brock warf alle Anekdoten in den Raum, die drei Gäste kommentierten zumeist sehr akribisch recherchiert, charmant, ehrfurchtsvoll, witzig bis spöttisch. Filmausschnitte aus dem neuen Film, der am 01.02.2006 ausgestrahlt werden wird. Die historische Corectness der gezeigten Ausschnitte war fragwürdig - der Schauspieler "Mozart" hat mir bis auf die Haarfarbe ganz gut zugesagt.

Neues Wunderkind am Pianistenhimmel: Frank Düpree. Als erstes würde ich mir den Künstlernamen Dupré zulegen, mich dann um mozartische Correctness im Spiel kümmern. Mit 14 war ich besser. Netter Junge, ein ungeschliffener Diamant.

Neues? Nichts. Informatives? Nichts. Unterhaltsam? In jedem Fall.

Gesamturteil: mangelhaft, nicht ausreichend, keinesfalls befriedigend, eher gut, leider nicht sehr gut.


Cordialement
Ulli
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William B.A.

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Freitag, 5. Dezember 2014, 00:54

5. Dezember 1791

Heute vor 223 Jahren starb genau um 0.55 Uhr mit das größte Genie der Musikgeschichte,
Wolfgang Amadeus Mozart, im Alter von noch nicht einmal 36 Jahren.


Ich sagte noch nach der heutige Probe (Missa brevis G-dur KV 140) zu einem lieben Freund, der wie ich im Tenor singt: "Immer, wenn ich Mozart singe, fühle ich mich leicht und habe keinerlei Probleme mit der Stimme oder mit dem Stück. Ich bin dann richtig glücklich".
Er konnte das bestätigen.

Ich werde gleich das Requiem, dirigiert von einem wahren Mozartianer, auflegen:


Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Don_Gaiferos

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Freitag, 5. Dezember 2014, 02:59

Diesem Gedenken schließe ich mich gerne an - Willis Einschätzung kann ich auch nur teilen. Mozart ist für mich ein ganz besonderer unter den Größten. Trotz der großen Freude an allen möglichen exotischen und heimischen Komponisten - Mozart ist ein unverrückbarer Markstein, eine Konstante, zu der ich immer wieder zurückkehre.

Ich lausche noch schnell ein paar Takten hiervon:



Erhabenheit, Schönheit und Jubel.

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57

Samstag, 6. Dezember 2014, 00:34

Rondo C-dur KV 373: ein Kabinettstück, das glücklich macht -

wenn man es von Julia Fischer, Renaud Capucon oder z.B. in einer guten Aufnahme mit Nathan Milstein (da gibt es leider auch grottenschlechte!) hört. Wie schwierig das ach so leichte Werklein ist, merkt man, wenn man hört, wie Heroen wie Perlman oder Stern in Holzschuhen daran scheitern.

Mich hat es durchaus schon wiederholt mal tagelang im Hinterkopf begleitet. Und, wie gesagt, glücklich gemacht.

m-mueller

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Samstag, 6. Dezember 2014, 00:45

Natürlich ist Mozart einer der Größten, war er doch Melodiker durch und durch, und damit sogar dann und wann Bach überlegen, der ja in erster Linie Strukturalist war.

Sein größtes Werk, das Requiem, ist eines unter den 10 größten Werken überhaupt, und in meinem Kosmos nimmt Mozart die vierte Position der besten Komponisten aller bekannten Zeiten ein. Mit seinen Werken hat er mich sicherlich mehr als einmal glücklich gemacht.

William B.A.

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59

Samstag, 6. Dezember 2014, 01:42

Es wäre für mich interessant zu erfahren, lieber m-mueller, welche Komponisten denn bei dir die ersten driei Positionen einnehmen.

Liebe Grüße

Willi :)
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Melante

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Samstag, 6. Dezember 2014, 03:02

Lieber m-mueller, auf diese Rangliste wäre ich ebenfalls neugierig, die William da anfragt.

Spannend überhaupt, dass dieser Thread beinahe acht Jahre lang brach lag, um jetzt wiedererweckt zu werden.

Für mich ist Mozart gar kein Mythos; alles, was ich lese in seinen Briefen, in Dokumenten um ihn herum, macht ihn zutiefst menschlich.
So auch seine Musik.
Dabei gebe ich unumwunden zu: viel lieber höre ich eine Sinfonie Haydns, dessen Streichquartette sind für mich Inbegriff allseits gelungener Kamermusik, eben nicht die Werke Mozarts.
Aber höre ich ein KV 488, dann ist mir der Rest der Musikgeschichte glatt egal.

Für mich ist Mozarts Musik seit Jahrzehnten eine Art Reibefläche, die mich manchmal erschauern lässt ob ihrer Banailität, andererseits aber wegen dessen, was sie mit so simplen Mitteln zu sagen vermag.

Persönlich gehe ich mit Mozarts Musik eher entmythologisiert um: seine "Cosi" ist für mich eine der faszinierendsten Opern der Musikgeschichte, seine Klavierkonzerte unerreicht schön, ideenreich und berührend. Kammermusikalisch und sinfonisch ist Haydn für mich eindeutig erste Wahl, nicht Mozart- um im 18. Jahrhundert zu bleiben und in dessen zweiter Hälfte.
So lange ich Musik höre ist Mozart oft ein "Ja, aber...." Dieses Aber reizt mich und gibt Anlass, mich immer und immer wieder mit seiner Musik zu beschäftigen.

Herzliche Grüße,
Mike
"Man kann die Menschen zur Vernunft bringen, indem man sie dazu verleitet, daß sie selbst denken." Voltaire