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Harald Kral

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1

Freitag, 25. Dezember 2009, 22:58

Ein lyrischer Weltstar aus Karlsruhe: CLARA EBERS

Am 2. Weihnachtstag hat sie jedes Jahr ihren Geburtstag gefeiert - und das bis ins hohe Alter. Aus diesem Anlaß sollte ihr ein eigener Thread gewidmet sein:

Clara Ebers, geboren am 26.12.1902 in Karlsruhe; war eine Opern- und Konzertsängerin (lyrischer Sopran). Sie studierte bei Eduard Erhard in Karlsruhe.
Sang ab 1924 kleinere Rollen am Theater ihrer Heimatstadt, kam über Mönchengladbach und Düsseldorf 1928 an die Frankfurter Oper, deren Ensemble sie bis 1944 angehörte; sang dort 1937 das Sopransolo in der Uraufführung der Carmina Burana. Von 1945 bis 1963 war sie 1. Sopranistin der Hamburger Staatsoper (Marschallin, Gräfin).
Sie gastierte u.a. an der Mailänder Scala sowie an den Staatsopern Berlin und München. Wirkte 1964–71 als Professorin an der Musikhochschule Hamburg.

Am 7. Februar 1997 ist sie hochbetagt in Hamburg gestorben. An Schallplattenaufnahmen hat sie uns nicht viel hinterlassen, aber dank diverser Ausgrabungen aus Rundfunkarchiven ist sind es doch einige Opernaufnahmen, auf denen uns ihre ausdrucksvolle lyrische Sopranstimme erhalten geblieben ist!

Hier ist eine der exemplarischen Radio-Aufnahmen aus den frühen Rundfunk-Mono-Tagen in hervorragender Besetzung:


[/align]
Giuseppe Verdi (1813-1901)
La Traviata (in dt. Spr.)

Ebers, Ludwig, Schmitt-Walter, Junker, Klarwein,
Chor & So des Bayerischen Rundfunks,
Dirigent: Georg Solti
Label: Walhall , ADD/m, 1951

LG

:hello:
Harald

Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
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2

Dienstag, 12. Januar 2010, 20:55

Ich kann mich da nur anschließen: Clara Ebers als Violetta ist eine Offenbarung. Sie verbrennt förmlich bei der Arie im 1. Akt. Und ihr Zusammenspiel mit Richard Holm , das ist so innig, zärtlich und glaubwürdig. Einfach nur genial. Ich muss mir auch mal die von Dir erwähnte Aufnahme zulegen. Dort störten mich bisher immer die Regieanweisungen aus dem Off.
Regietheater? Nein, danke!

Harald Kral

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3

Mittwoch, 13. Januar 2010, 22:19

Die von Dir genannte Aufnahme mit Richard Holm als Alfredo gibt es auf einer randvollen CD als großen Querschnitt für kleines Geld:



Giuseppe Verdi (1813-1901)
La Traviata (Querschnitt in deutscher Sprache)

Clara Ebers, Richard Holm, Josef Metternich,
HR SO, Francesco Molinari-Pradelli
Documents , ADD/m, 1952 -
Serie "Das Schönste aus der Welt der Oper"

(neulich bei 2**1 for 3 Euro gesehen)

Der Unterschied in der Rollenauffassung zu anderen "Violettas" ihrer Zeit ist, dass Clara Ebers in beiden kurz hintereinander aufgenommenen Gesamtaufnahmen (München/Solti und Frankfurt/Molinari-Pradelli) eine "wissende" Traviata verkörpert, die schon bei der "Freude Blumenkränzen" ihr frühes und qualvolles Ende voraussieht....
Wie Christoph schon vor Jahren in einem Beitrag schrieb, macht dies Clara Ebers zu einer besonders anrührenden Violetta!

LG

Harald
Harald

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4

Donnerstag, 14. Januar 2010, 20:31

Zitat

Original von Harald Kral

Der Unterschied in der Rollenauffassung zu anderen "Violettas" ihrer Zeit ist, dass Clara Ebers in beiden kurz hintereinander aufgenommenen Gesamtaufnahmen (München/Solti und Frankfurt/Molinari-Pradelli) eine "wissende" Traviata verkörpert, die schon bei der "Freude Blumenkränzen" ihr frühes und qualvolles Ende voraussieht....
Wie Christoph schon vor Jahren in einem Beitrag schrieb, macht dies Clara Ebers zu einer besonders anrührenden Violetta!

LG

Harald


Eine wissende Viloletta. Das hast Du schön gesagt, Harald! Genau so ist es. Aber dass die von mir geliebte Aufnahme nur noch als Querschnitt zu haben ist, finde ich schade. Sag, gibt es Filmaufnahmen von der Ebers?
Regietheater? Nein, danke!

Harald Kral

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5

Donnerstag, 14. Januar 2010, 20:47

Lieber Christoph,

es kann keine Rede davon sein, dass es die "Traviata" mit Ebers/Holm/Metternich nicht mehr als Gesamtaufnahme gibt:



Giuseppe Verdi (1813-1901)
La Traviata (in dt. Spr.)

Ebers, Holm, Metternich, Madlen-Madsen, Lindloff,
HR SO,
Molinari-Pradelli
Walhall , ADD/m, 1952 - 2 CDs

Bei Cantus-Classics/Line Music gibt es die Aufnahme außerdem als MP3 zu kaufen.

Was Deine Frage nach Filmaufnahmen von Clara Ebers betrifft, so kann ich dazu leider nichts sagen. Eventuell müßte man da bei der Hamburger Staatsoper recherchieren, wo sie den größten Teil ihrer Sängerkarriere verbracht hat.


LG

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Harald

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6

Donnerstag, 14. Januar 2010, 21:07

Ha, sehr gut. Ich dachte schon, diese wunderschöne Aufnahme sei aus dem Repertoire genommen. Ich glaube, die lege ich gleich noch mal auf. Mich rührt's echt immer bzw. habe ganz viele Wechselbäder bei der Ebers - ihre Gefühle sind spürbar, vermitteln sich ganz selbstverständlich. Allein, am Ende, diese Mischung aus Wut, Trauer und Verzweiflung: "Doch, wenn auch Du mich nicht retten konntest, dann auf der Welt rettet niemand mich mehr." Boah - da haut es mich jedesmal um.

Liebe Grüße,

Christoph
Regietheater? Nein, danke!

Harald Kral

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7

Freitag, 15. Januar 2010, 17:52

Mozart

Nachdem bisher immer nur von Clara Ebers als Traviata die Rede war, möchte ich heute auf einen Don-Giovanni-Querschnitt hinweisen, auf dem die Sängerin in einer Mozart-Rolle zu hören ist:



Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
Don Giovanni (Ausz.)

Aufnahme: 1963, Studio, Querschnitt in ital.
Dirigent: Wilhelm Brückner-Rüggeberg
Symphonie-Orchester des NDR Hamburg

Don Giovanni: James Pease
Don Ottavio: Anton Dermota
Donna Anna: Adele Leigh
Donna Elvira: Clara Ebers
Leporello: Walter Berry
Masetto: Wolfram Rath
Zerlina: Bruna Rizzoli

Diese kuriose Aufnahme des Norddeutschen Rundfunks entstand ursprünglich für den Schulfunk, wurde wohl ohne Wissen des Radiosenders auf Platte herausgebracht, wobei Phantasienamen für Sänger, Orchester und Dirigenten verwendet wurden (u.a. von der Plattenfirma SAGA, aber auch von der deutschen CBS.) Heute ist die Aufnahme in dieser Sängerbesetzung ein wichtiger Bestandteil jeder Don-Giovanni-Sammlung!

LG

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Harald

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Gustav

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8

Donnerstag, 21. Januar 2010, 00:30

Obwohl Hamburger kenne ich Clara Ebers nur von dieser Aufnahme (1963 konnte ich Oper noch nicht einmal schrieben):



Hier ist sie mit 4 Pfitzner-Liedern unter Keilberth vertreten.

Sie verfügte über ein Timbre, das mich sofort anspricht. Sehr individuell, gut wieder zu erkennen und sehr ausdrucksvoll. Bei den Liedern fällt zunächst ihre wunderbare Diktion auf. Da ich sonst keine Pfitzner-Lieder kenne, kann ich kaum beurteilen, ob ihre Interpretation verglichen mit anderen bemerkenswert ist. Für mich ist sie es jedenfalls. Sie trifft sofort den spätromantischen Tonfall vollerSehnsucht, den ich erwarte. Besonders gefällt mir Venus Mater.

Nun frage ich mich, warum sie eigentlich nicht die Karriere gemacht hat, die ich nach diesen, zugegeben wenigen, Ausschnitten erwarten würde. War sie keine Bühnenerscheinung, hatte sie nicht die richtige Plattenfirma, wollte sie nicht, konnte sie sich im "Buisiness" nicht durchsetzen, passte ihr Timbre nicht in die Zeit????

Welche Aufnahmen gibt es, neben den bereits erwähnten noch mit ihr?

Übrigens finde ich bezeichnend, dass sie nicht einmal auf dem Cover erwähnt wird! Irgendwas ist da doch schiefgelaufen, dass für Archipel noch heute ihr Namen nicht wichtig genug ist.

:hello: Gustav
"Gesegnet sei der Gott, der den Frühling und die Musik erschuf." R. Wagner

Harald Kral

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9

Donnerstag, 21. Januar 2010, 18:55

Lieber Gustav,
schade, dass Du als Hamburger sie nicht mehr gekannt hast. Ich hätte gern mehr aus ihrer Zeit dort erfahren! Immerhin hat sie bis 1997 dort gelebt.
Was ich so alles über die Sängerin in Erfahrung bringen konnte, ist dieses:

Ebers, Clara, * 26.12.1902 Karlsruhe; begann ihre Karriere 1924 als Volontärin am Staatstheater von Karlsruhe. 1925-26 sang sie am Stadttheater von Mönchengladbach, 1926-28 am Opernhaus von Düsseldorf, 1928-44 an der Oper von Frankfurt a.M., nachdem sie dort zuvor erfolgreich als Olympia in »Hoffmanns Erzählungen« gastiert hatte.
Mit dem Ensemble des Frankfurter Hauses gastierte sie 1934 in Amsterdam als Sophie im »Rosenkavalier«. Weitere Gastspiele 1934 am Stadttheater von Zürich, 1935 an der Staatsoper Dresden, 1937-38 an der Oper von Antwerpen, 1938 beim Maggio musicale Florenz (als Helmwige in der »Walküre«).
Am 8.6.1937 sang sie in Frankfurt a.M. ein Sopran-Solo in der Uraufführung der »Carmina Burana« von Carl Orff.
1938-41 Gastspiele mit dem Frankfurter Ensemble in Bukarest, Sofia, Athen, Belgrad, Zagreb und Barcelona.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Künstlerin als erste Sopranistin an die Staatsoper von Hamburg berufen, an der sie bis 1965 aufgetreten ist. Hier wechselte sie ins jugendlich-dramatische Fach und übernahm Partien wie die Leonore im »Troubadour« und in »La forza del destino« von Verdi, die Desdemona in dessen »Othello«, die Pamina in der »Zauberflöte«, die Agathe im »Freischütz«, die Eurydike im »Orpheus« von Gluck, die vier weiblichen Hauptrollen in »Hoffmanns Erzählungen«, die Konstanze in der »Entführung aus dem Serail«, die Maddalena in »Andrea Chénier« von Giordano, die Arabella, die Gräfin im »Capriccio« und die Kaiserin in der »Frau ohne Schatten« von R. Strauss, vor allem aber ihre große Glanzrolle, die Marschallin im »Rosenkavalier«.
Sie hatte bei Gastspielen an den Staatsopern von Berlin (hier Gastvertrag in den Jahren 1955-61) und München, an der Mailänder Scala, in Amsterdam und Brüssel, am Teatro San Carlos Lissabon, an der Oper von Nizza und am Theater von Bern (Schweiz) viel beachtete Erfolge. An der Covent Garden Oper London hörte man sie 1950 als Traviata, an der Staatsoper von Wien 1963 als Marschallin.
Sie gastierte bei den Festspielen von Aix-en-Provence (1949), Edinburgh und Glyndebourne (1950 als Gräfin in »Figaros Hochzeit«) und war auch eine geschätzte Konzert-Sopranistin. Bei ihren Liederabenden wurde sie mehrfach durch Hans Pfitzner am Klavier begleitet. (Quelle: Kutsch-Riemens Sängerlexikon)

Mit dem Ende ihrer aktiven Sängerlaufbahn kam die Lehrtätigkeit 1964-71 als Professorin an der Musikhochschule Hamburg. Sie lebte dann hochbetagt und ganz zurückgezogen in Hamburg, bis sie am 7.2.1997 in Hamburg im Alter von über 95 Jahren starb.

In den nächsten Tagen werde ich mal raussuchen, was ich noch an Aufnahmen habe und sie hier vorstellen. Meine älteste Aufnahme ist, glaube ich, eine Gesamtaufnahme vom Frankfurter Rundfunk von 1948 mit Braunfels’ Oper „Die Vögel“ nach Aristophanes.....

LG

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Harald

Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
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Gustav

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10

Donnerstag, 21. Januar 2010, 20:27

Lieber Harald!

Zunächst einmal vielen Dank für deine ausführlichen und hochinteressanten Infos zur Biographie von Clara Ebers. Ich erinnere mich, dass ihr Name als eine Säule der Staatsoper immer wieder fiel, aber da ich sie nie gehört hatte, blieb sie halt nur ein Name für mich. Ähnliches gilt übrigens für Arlene Saunders, die ja wohl more or less ihre Nachfolgerin in dem Reperetoire war. Clara Ebers Tod wurde übrigens in einem Artikel in der "Hauspostille" der Staatsoper bedacht, andere Beiträge, z.B. zu ihrem 90. Geb. kann es gut gegeben haben, die habe ich dann wohl überlesen.

Trotzdem bleibt, trotz einrucksvoller Stationen, die Frage, warum die große nachhaltige Karriere ihr versagt geblieben ist. Ihre mangelnde Präsenz bei offziellen Aufnahmen ist dafür ja ein Indiz. Schwarzkopf, Grümmer, della Casa, Jurinac etc. belegten eben schon einen Gutteil des Plattenrepertoires. Aber warum, sie war ja nach 1945 schon eine gestandene Künstlerin, kam sie nicht an den "Plattentrog" heran? Weißt du da was?

:hello: Gustav
"Gesegnet sei der Gott, der den Frühling und die Musik erschuf." R. Wagner

wok

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11

Montag, 27. Oktober 2014, 12:49

Daß Harald Kral CLARA EBERS am 25. 12. 2009 - einem Tag vor ihrem Geburtstag - diesen Thread widmete, fand ich großartig, und in unserem Forum mit so vielen Gesangsliebhabern und -Experten eigentlich auch überfällig. Seitdem ist es aber auch wieder ziemlich ruhig geworden um diese Sängerin, von der es leider viel zu wenig Tonaufzeichnungen gibt, die ihr großes Können dokumentieren. Auch haben sich die bekennenden Bewunderer dieser herrlichen Stimme wohl aus diesem Forum verabschiedet, wie vor allem Knusperhexe (hier besteht ja neuerdings wieder Hoffnung!) und Gustav.

So möchte ich mit einem Hördokument versuchen, die Erinnerung an CLARA EBERS wachzuhalten. Ihre einzigartige Diktion und das enorme Ausdrucksvermögen ihrer Stimme, wie ihre zu höchster Emotion fähige Interpretation suchen ihresgleichen, und im Falle der Aufnahme vom 11.10.1955 mit den BAMBERGER SYMPHONIKERN unter JOSEPH KEILBERTH von BEETHOVEN's Konzertarie " Ah! Perfido!" imponiert mir diese noch mehr als die von ELISABETH SCHWARZKOPF oder BIRGIT NILSSON!



Übrigens nahm die DGG 1956 auch u. a. mit CLARA EBERS BEETHOVNEN's 9. Sinfonie auf, und zwar in der Einspielung durch EUGEN JOCHUM und dem CHOR UND ORCHESTER DES BAYRISCHEN RUNDFUNKS sowie den weiteren Gesangssolisten GERTRUDE PITZINGER, WALTER LUDWIG, und FERDINAND FRANTZ.

wok

Stimmenliebhaber

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12

Montag, 27. Oktober 2014, 16:36

Sie hatte bei Gastspielen an den Staatsopern von Berlin (hier Gastvertrag in den Jahren 1955-61) und München, an der Mailänder Scala, in Amsterdam und Brüssel, am Teatro San Carlos Lissabon, an der Oper von Nizza und am Theater von Bern (Schweiz) viel beachtete Erfolge.
Dass Clara Ebers an der Deutschen Staatsoper Berlin nur Gast und nicht reguläres Ensemblemitglied war, ist angesichts ihres dort in jenen Jahren geleisteten Pensums kaum zu glauben.

Am 4.9.1955 wurde das Haus Unter den Linden zehn Jahre nach Kriegsende mit einer Festvorstellung der "Meistersinger" (mit Ruth Keplinger als Eva und Josef Herrrmann als Sachs unter Franz Konwitschny) wiedereröffnet. Schon am 5.9. wurde dann die öffentliche Generalprobe und bereits am 6.9. die Premiere von Glucks "Iphignie in Aulis" mit Clara Ebers in der Titelpartie (neben Margarethe Klose als Klytämnestra unter Hans Löwlein) gespielt. (Wiederholung am 13.9.).

Bereits am 18.9. folgte die dritte Saisonpremiere "Don Giovanni" mit der Ebers als Donna Anna (dazu Karl Schmitt-Walter in der Titelpartie und Theo Adam als Leporello unter Horst Stein, erste Wiederholungen am 20.9. und 24.9., dazwischen gab es am 22.9. noch eine Iphigenie).

Ohne jetzt alle Auftritte auflisten zu wollen, folgten an weiteren für Berlin neuen Rollen (zusätzlich neben den bereits erwähnten):

ab 8.11.1955 Fiordiligi in "Cosi fan tutte" (neben Gertraud Prenzlow als Dorabella),

Leonore im "Troubadour" (ab 14.5.1956 mit Sebastian Feiersinger und Helge Rosvaenge alternierend als Manrico),

am 4.9.1956 erstmals das Sopran-Solo in Beethovens IX. unter Franz Konwitschny (neben Margarethe Klose, Helge Rosvaenge und Theo Adam; der Schluss-Satz wurde mit Erich Witte statt Rosvaenge am 6.10. bei einem Staatsakt am Vorabend des 7. Jahrestages der Gründung der DDR wiederholt),

Kaiserin in "Die Frau ohne Schatten ab 20.10.1956 (unter Kowitschny mit Christel Goltz als Färberin, Gertrud Stilo als Amme, Erich Witte als Kaiser und Gerhard Niese als Barak),

Arabella ab 23.4.1957 (neben Gerhard Niese als Mandryka),

am 8.10.1957 gab sie im Apollo-Saal der Staatsoper einen Liederabend,

am 17.01.1958 sang sie unter Lovro von Matacic Bruckners Te Deum (mit Gertraud Prenzlow, Ernst Gruber und Theo Adam),

am 29.1.1959 sang sie die Gräfin in der Generalprobe und am 30.1.1959 in der Premiere von Mozarts "Die Hochzeit des Figaro" (sodass sie in allen drei Mozart-da Ponte-Opern zu erleben war),

am 15.5.1960 sang sie in der "Rosenkavalier"-Premiere die Marschallin (wie der "Figaro" von Franz Konwitschny dirigiert, der sdie Ebers in jenen Jahren auch in jeder von ihm in Berlin geleiteten "Neunten" besetzte).

Ihre letzte Vorstellung am Haus war am 5. Juni 1961 eine "Figaro"-Gräfin unter Horst Stein neben Erna Roscher als Susanna, Sona Cervena als Cherubino, Rudolf Jedlicka als Graf und Robert Lauhöfer als Figaro.

Nach dem Mauerbau im Augut 1961 kehrte sie nicht mehr an dieses Haus zurück
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

wok

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13

Montag, 27. Oktober 2014, 18:08

Hallo Stimmenliebhaber,

So viele Detail-Informationen über die von mir so geschätzte CLARA EBERS auf so kleinem Raum und in so kurzer Zeit, das ist ja genial! Großen Dank für diesen Beitrag!

Es gibt also doch noch Mitglieder in diesem Forum, denen diese Sängerin alles andere als unbekannt ist! Persönlich erlebt hast Du sie ja aber sicher nicht mehr. In meinem Alter wäre dies noch denkbar gewesen, doch hatte ich damals nicht die Gelegenheit.

Viele Grüße aus dem immer noch heißen Málaga, und nochmals herzlichen Dank für diese hochinteressanten Infos!

wok

Rheingold1876

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14

Montag, 27. Oktober 2014, 18:22

Clara Ebers hat mehr Tondokumente hinterlassen als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Wie zu ihrer Zeit üblich, entstanden sehr viele Aufnahmen in den Rundfunkanstalten. Sie lagern dort im Archiv und haben nur teilweise das Licht der Öffentlichkeit erblick. Ich erinnere mich noch ganz genau an die Sendung ihrer TRAVIATA unter Solti nach Jahrzehnten Dornröschenschlaf. Ein Mitschnitt gelangte dann postwendend auf CD. Das ist gut so. Ich habe mal die Titel zusammengestellt (hoffentlich mit wenigen Tippfehlern), die mir bekannt sind und die ich über einen langen Zeitraum hinweg zusammentragen konnte. Es lohnt sich wirklich, alle Anstrengungen dafür aufzubieten. Mir hat es nie genügt, mich lediglich auf das zu verlassen, was bei den verschiedensten Labels herausgegeben wurde. Das ist nur ein Teil dieses gewaltigen Tondokumentenerbes, das sich in vielen Ländern angehäuft hat. Manches wird wohl für alle Zeiten in den Tiefen der Archive versinken und nie mehr hervorgeholt werden. Zum Glück gibt es ja Sammler, die im Hintergrund wirken und vieles vor dem Vergessen bewahren. Harald Kral war einer von ihnen. Ich bin ihm sehr dankbar, weil er großzügig half und Musik immer weiter gab. Denn sie muss unter die Menschen! (Ich bin überzeugt, lieber Harald, dass Du das jetzt da oben hörst! :hello: ) In der Diskographie der Ebers gibt es einige Überraschungen. Dazu würde ich auf jeden Fall die berühmte Wahnsinnszene der Lucia rechnen. Auch die Rosenkavalier-Szenen aus Edinburgh mit der jungen Martha Mödl als Octavian haben mich stets berührt. Auffällig ist ihr Engagement für zeitgenössische Musik, die sie genau so hingebungsvoll interpretierte wie Mozart oder Schumann. Mein Eindruck ist, dass diese Musik durch so eine traditionelle Interpretation "gnädiger" wird.

Gesamtaufnahmen und Szenen
Beethoven: 9. Sinfonie, Bayerischer Rundfunk, Jochum (Pitzinger, Ludwig, Frantz)
Brahms, Deutsches Requiem, München 1951, Jochum (Schmitt-Walter)
Deutsches Requiem, Eterna 1959, Koch (Leib)
Braunfels: Die Vögel, Hessischer Rundfunk 1949, Schröder (Fehenberger, von Rohr, Kronenberg)
Klebe: Figaro lässt sich scheiden, Hamburg 1964, Bittner (Muszely, Blankenheim, Roth-Ehrang)
Milhaud: David, NDR 1955, Schmidt-Isserstedt (Zollenkpf, Ericsdotter, Prey)
Mozart: Cosi fan tutte, HR 1951, Schröder, (Kupper, Madsen, Fehringer, Schmitt-Walter, Stern)
Don Giovanni, HR 1948, Schröder (Hueni-Mihacsek, Madsen, Schmitt-Walter, Fehringer, von Rohr)
Figaro (Susanna), BR 1950, Jochum, (Kupper, Jurinac, Höfermeyer, Kusche)
Figaro, Szenen, Eterna 1960, Stein (Wenglor, Adam, Lauhöfer)
Figaro Szenen, LP, Weller (Iani, Lehmann, Pease)
Nicolai: Lustige Weiber von Windsor, BR 1949, Altmann (Nerz, Mühlenbeck, Hann, Traxel, Kusche)
Pfitzner: Urworte orphisch, Bayerischer Rundfunk 1952, Jochum (Hotter)
Von deutscher Seele, BR 1952
Strauss: Rosenkavalier, Hessischer Rundfunk 1956, Matzerath (Köth, Litz, Greundl, Kusche, Fehenberger)
Rosenkavalier Szenen, Edinburgh 1952, Ludwig (Mödl, della Casa)

Arien und Szenen in Rundfunkproduktionen (vornehmlich Hessischer Rundfunk)
1. Händel ACIC UND GALATEA So wie die Taube
2. Mozart COSI FAN TUTTE Wie der Felsen
3. Verdi TROUBADOUR Es glänzte schon das Sternenheer
4. Händel JULIUS CÄSAR Es blaut die Nacht
5. Haydn SCHÖPFUNG Nun beut die Flur
6. Haydn SCHÖPFUNG Auf starkem Fittiche
7. Donizetti LUCIA DI LAMMERMOOR Wahnsinnsarie
8. Adam LE TORÉADOR Ah vous dirai-je maman
9. Massenet MANON Ja, überall bin ich bekannt
10. Gounod ROMEO UND JULIA Dieu, quel frisson (Arie der Julia)
11. Massenet WERTHER Luft, mir ist schwül

Lieder
Schumann: Widmung
Der Nussbaum
Jasminstrauch
Stille Tränen
Sonntag
Mondnacht
Intermezzo
Frühlingsnacht
Volksliedchen
Strauss: An die Nacht
Ich wollt‘ ein Sgträsschen Binden
Amor
Säusle, liebe Myrthe
Als mir dein Lied erklang
Lied der Frauen
Pfitzner: Ich hör‘ ein Vöglein locken
Lockungen
In der Früh‘, wenn die Sonne kommen wird
Im Tiefen Wald verborgen
Brahms: Mädchenlied
An die Nachtigall
Dein blaues Auge
Treue Liebe
O wüsst‘ ich doch den Weg zurück
Schubert: Die Forelle
Heideröslein
Ave Maria
Gretchen am Spinnrade

Begleitung: Hans Altmann, Hans Löwlein

Schließlich noch ein paar CD-Tipps:


Diese Aufnahme ist neu für mich. Sie wird wohl sofort angeschafft werden müssen.
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

wok

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Registrierungsdatum: 18. Juli 2011

15

Dienstag, 28. Oktober 2014, 02:19

Hallo Rheingold,

Für Deinen so umfangreichen Beitrag über CLARA EBERS möchte ich Dir ganz herzlich danken! Du hast Dir damit unglaublich viel Mühe gemacht! Alle Gesamtaufnahmen und Szenen, die Arien und Szenen in Rundfunkproduktionen, sowie die Lieder-Interpretationen aufzuführen - die Details dafür müssen ja auch erst einmal zusammengesucht werden! - kommt schon einer kleinen Doktorarbeit gleich! Wenn Du über alle namhaften Sänger und Sängerinnen derart informiert bist und deren Tondokumente so schnell abrufen kannst, dann ist dies schon höchst beeindruckend!

Aus Deiner Aufstellung ergeben sich für mich viele neue Erkenntnisse, und ich bin Dir dafür außerordentlich dankbar. Ich hätte nicht gedacht, daß es so viele Tondokumente von dieser Sängerin gibt. Über das so weit gespannte Repertoire von GLUCK bis zur MODERNE und ihre so zahlreichen Auftritte innerhalb kürzester Zeit (siehe den Beitrag von Stimmenliebhaber) - und dies sicher immer auf höchstem Niveau - kann man nur staunen. Eine solche Lebensleistung verdient es ganz bestimmt, in Erinnerung gehalten zu werden. Zumindest mit der Wahnsinnsarie der Lucia wird sie wohl für lange Zeit unvergessen bleiben.

Großen Dank auch für die CD-Tipps! Von der Aufnahme der BEETHOVEN-Messe op. 86 unter WAND wußte ich bisher tatsächlich nichts. Ein toller Hinweis!
Interessant auch, daß offenbar der von mir ebenfalls sehr geschätzte HANS ALTMANN, den ich in meiner Jugend fast täglich im Rundfunk als Klavierbegleiter hörte, alle ihre Liedaufnahmen begleitete - bei Liederabenden wurde sie ja oft von HAND PFITZNER begleitet - ebenso wie auch Deine Erwähnung von HANS LÖWLEIN, an den ich mich immer gerne wegen seiner sehr guten Aufnahmen mit JOSEF TRAXEL erinnere.

Ich werde die zahlreichen Details Deines Beitrages noch genauer studieren und dabei sicher noch zu manch neuer wertvollen Erkenntnis kommen.

Viele Grüße
wok