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musica

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Beiträge: 2 370

Registrierungsdatum: 5. Oktober 2010

1

Sonntag, 10. Januar 2010, 12:12

DOSTAL, Nico: DIE UNGARISCHE HOCHZEIT

Dostal, Nico
Die Ungarische Hochzeit



Operette in drei Akten von Nico Dostal,
Text von Hermann Hermecke, nach der Novelle Szelistye, das Dorf ohne Männer von Kalman Mikszath.

Uraufgeführung: 4. Februar 1939 im Württembergischen Staatstheater, Stuttgart



Ort und Zeit: Ungarn zur Regierungszeit Kaiserin Maria Theresias
Personen:
Kaiserin Maria Theresia
Baron v. Linggen, Kammerherr
Graf Stefan Bárdossy, Obergespan von Hermannstadt
Desider, Edler von Pötök, sein Onkel
Anton v. Halmay, Freund des Grafen Stefan
Josef v. Kismárty, Stuhlrichter von Popláka
Frusina, seine Gemahling
Janka,beider Töchter
Der Schloßhauptmann von Preßburg
Rittmeister Baron von Kießling,
Kurier der Kaiserin
Leutnant von Stefan
Der protokollschreiber
Der Küster von Popláka
Die Schenkwirtin
Michael, Großknecht
Anna, Magd
u.a.


Ort und Zeit
Die Operette spielt Mitte des 18. Jahrhunderts in Ungarn, das Vorspiel im gräflichen Schloss zu Hermannstadt, die Akte 1 und 2 in einem Dorf in der Puszta und Akt 3 in der damaligen Hauptstadt Preßburg.

Vorspiel und Erster Akt
Kaiserin Maria Theresia will dem ungarischen Teil ihres Reiches Aufschwung verleihen. Um junge Männer als Siedler zu gewinnen, hat sie allen Interessenten günstige Grundstücke mit fruchtbarem Ackerland und rassige heiratslustige Mädchen versprochen. Aber Zusicherungen von Politikern sollte man halt nicht immer glauben; denn die feschen jungen Mädchen haben sich als alte Weiber entpuppt, deren Schönheit längst verblüht ist. Als einer Abordnung der Siedler Audienz bei der Kaiserin gewährt wird, beklagen sie offen ihr Leid. Maria Theresia beauftragt Graf Stefan Bardossy, der Sache nachzugehen. Dieser ist jedoch über den Befehl alles andere als entzückt, hat er doch gerade eine amouröse Liebschaft bei sich untergebracht. Kurz entschlossen befiehlt er seinem Diener Arpád, zu den Siedlern zu reisen und sich selbst als Grafen auszugeben. Doch kaum ist sein Diener abgereist, plagen ihn Skrupel. Nun macht er sich auch auf die Reise und tarnt sich als Bauer.

Zweiter Akt
Der Bürgermeister des Dorfes Poplaka in der Puszta, Josef von Kismarty, und seine Gattin Frusina haben von der drohenden Überprüfung Wind bekommen. Schnell trommeln sie die 14 hübschesten Mädchen des Dorfes zusammen, darunter ihre Tochter Janka, und geben diese als Bäuerinnen aus. Der Revisor soll so getäuscht werden. Es dauert auch nicht lange, bis sich einige Paare gefunden haben. Dazu zählen auch Janka von Kismarty und Stefan von Bardossy. Als Jankas Mutter merkt, dass es die beiden mit dem Heiraten ernst zu nehmen scheinen, ist sie empört. Ein Bauer als Schwiegersohn hätte ihr gerade noch gefehlt! Die gleichen Gedanken hegt der Edle von Pötök, Stefans Onkel; denn ein einfaches Bauernmädel passt nun mal nicht in seine adlige Familie. Was also tun? Er eilt zu Frusina von Kismarty und klärt sie auf, dass ihre Tochter und sein Neffe eine Verwechslungskomödie spielen. Als Janka von ihrer Mutter die wahre Identität ihres Bräutigams erfährt, will sie nicht länger Sündenbock in einem abgekarteten Spiel sein. Sie verpasst ihrer Magd Anna einen Schleier, der ihr Gesicht zur Unkenntlichkeit verhüllt, und lässt sie mit dem Grafen trauen.

Dritter Akt
Nachdem Graf Stefan den Schwindel bemerkt hat, gerät er in Rage. Im königlichen Schloss zu Pressburg ersucht er die Kaiserin, seine Ehe zu annullieren. Diese zeigt sich zwar grundsätzlich bereit, seiner Bitte nachzukommen, knüpft ihren Entscheid aber an die Bedingung, dass sich eine andere Frau finde, die ihn aufrichtig liebe. Weil Janka inzwischen erkannt hat, dass ihr Verhalten am Hochzeitstag äußerst töricht war und dass sie sich insgeheim nach ihrem geliebten Stefan sehnt, steht dem Happy End nichts mehr im Wege.


Lasst die Glocken läuten
Märchentraum der Liebe
Du bist meines Lebens Seligkeit
Heimat deine Lieder
Frag nur dein Herz, was Liebe ist
Ungarnmädel lieben
Am alten Brunnen wo sich hell die Puszta dehnt
musica

Wer selbst keinen inneren Frieden kennt, wird ihn auch in der Begegnung mit anderen Menschen nicht finden.
Dalai Lama


kopiroska

Fortgeschrittener

  • »kopiroska« ist weiblich

Beiträge: 243

Registrierungsdatum: 7. Mai 2009

2

Sonntag, 10. Januar 2010, 14:33

"Regietheater" - im anderen Kontext erwischt

Nico Dostal bietet durch diese Operette eine schöne Möglichkeit für Kulturhistoriker und Soziologen, insbesondere im "betroffenen" Land Ungarn, um über die unverwüstlichen Stereotypien nachzudenken. Das Libretto hat ungerfähr so viel Gemeinsames mit der Novelle von Mikszáth, Kálmán, wie eine Inszenierung von, sagen wir, der Carmen, in der Carmen als Verkäuferin von Damenwäsche und Don Jose als Matrose eines Schiffes von Übersee auftauchen, also nichts. Aber die Änderungen sind schon typisch und interessant.

Vor allem ist es schon nicht uninteressant, warum die Geschichte aus der Zeit des Königs Matthias (Spätmittelalter) in die Zeit von Maria Theresia hinübertransportiert wurde. Dadaurch wurde die Geschichte an die Themenwelt der Operetten von Srauss bis Kálmán etwas näher gebracht. Die anderen Änderungen zeigen auch alle in diese Richtung. Dadurch vermittelt diese (in Ungarn meines Wissens absolut unbekannte, aber mindestens seit dem zweiten Weltkrieg ganz bestimmt nicht bekannte) Operette das stereotypische Bild von Ungarn, gegen das wir seit Bartók und Kodály verzweifelt ankämpfen.

Spuren bestimmter Stereotypen sind aber viel-viel stärker, als dass man problemlos dagegen ankämpfen könnte. Ich registriere diese Stereotypen bis heute in immer wieder anderen Erscheinungen. Da ist der in Deutschland so populäre Roman "Ich denke oft an Piroschka" von Hugo Hartmann gar nicht die letzte in der Reihe... Dass die Ungarn selbst, wohl aus Habgier und in der Hoffnung auf finanzielle Vorteile, ihre Pussta-Romantik bis heute immer wieder ausnützen, gehört natürlich auch zum Bild.

Ich danke "Musica", dass ich in meine "Sammlung" "Stereotypien von meinem Land" nun auch diese Operette aufnehmen kann - die sonst als Musiktheater bestimmt vielen Zuschauern und Zuhörern Freude bereiten mag, sie soll es auch tun.

Aber um über die Vorurteile und über die selbstgefälligen Urteile der Völker über die anderen und über sich selbst noch etwas Anschauliches hier anzubieten, möchte ich die Aufmerksamkeit auf die berühmte Völkertafel aus Steiermark hinweisen. Viel Spaß daran - und vorsichtiges Urteilen!

http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkertafel_(Steiermark)

:hello: KP

Harald Kral

Erleuchteter

  • »Harald Kral« ist männlich

Beiträge: 14 983

Registrierungsdatum: 20. Juni 2007

3

Samstag, 4. Februar 2012, 09:42

Premiere heute vor 73 Jahren:

Die ungarische Hochzeit
Operette in drei Akten (vier Bildern)
von Nico Dostal.
Das Libretto verfasste Hermann Hermecke.
Uraufführung am 4.2.1939 Staatsoper Stuttgart
mit Paula Kapper • Albin Swoboda • Wilhelm Otto • Fritz Schaetzler • Erich Harlandt • Victoria Hoffmann-Brewer • Hubert Buchta,
Dirig. Horand Roemer.



Das ZDF verfilmte die Operette 1968. Unter der Regie von Kurt Wilhelm spielten Maria Tiboldi, Peter Minich, Ferry Gruber, Monika Dahlberg, Kurt Großkurth und Maria Schell die Hauptrollen.

LG

:hello:
Harald

Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
(Vinícius de Moraes)