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romeo&julia

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1

Dienstag, 19. Januar 2010, 21:53

Pergolesi - Salve Regina

Hallo liebe Taminoaner/Innen

Zum Anlass des 300. Geburtstages von Giovanni Pergolesi möchten wir einen eigenen Thread zu seinem „Salve Regina“ eröffnen.

Der 1710 in der Marche geborene Pergolesi studierte an einem der vier europaweit bekannten Konservatorien Neapels „I Poveri di Gesu cristo“. Pergolesi lernte erst Violine und dann Komposition bei Gaetano Greco und Francesco Durante. Pergolesi begann seine Karriere im Alter von zwanzig Jahren und wurde bald mit Aufträgen überhäuft.

Der Text des „Salve Regina“ wurde in de ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts geschrieben, seine Verwendung in der Liturgie ist vom folgenden Jahrhundert an verbürgt. Spätestens seit dem 15. Jahrhundert gehört der Text zur Antiphon der Heiligen Jungfrau Maria für die Komplet, dem letzten Stundengebet vor der Nacht. Das „Salve Regina“ erfreut sich derart grosser Beliebtheit, dass es auch bei zahlreichen nicht-liturgischen Anlässen Verwendung fand, welche damals in Italien begangen wurden, um der populären Marienverehrung Ausdruck zu verleihen.

Vom 17. Jahrhundert an, hielten viele italienische Pfarrgemeinden Samstag abends eine Zeremonie mit diesem Marienkult ab.
Die ersten barocken Versionen des „Salve Regina“ sind gemeinhin für Doppelchor geschrieben wurden, doch wird die Besetzung im Laufe des 17. Jahrhunderts nach und nach kleiner, bis hin zu den grossen „Salve“ für Solostimme und die Instrumente des beginnenden 18. Jahrhunderts. Diese Form war namentlich in Neapel und Venedig beliebt, wo man in den Konservatorien, den Waisenhäusern in denen Musik gelehrt wurde, immer bestrebt war, seine Solisten ins rechte Licht zu setzten.

Das „Stabat Mater“ und das „Salve Regina“ von Giovanni Pergolesi entstanden ungefähr gleichzeitig. Von den vielen Vertonungen des „Salve Regina“, die Pergolesi zugeschrieben werden, können nur zwei mit einiger Wahrscheinlichkeit als authentisch betrachtet werden. Die beiden „Salve Regina“ von Pergolesi sind im Grunde einigermassen ähnlich und ihre Tonsprache ist noch typisch barock. Die erste Vertonung (in a-Moll) ist so gut wie unbekannt geblieben, die zweite, die nachfolgend angehörte Vertonung in c-Moll weist deutliche stilistische Ähnlichkeiten mit dem „Stabat Mater“ auf.

Ein Kontinuobass der melodisch sehr aufwendig bearbeitet ist, erfüllt im Vergleich zu den übrigen Stimmen eine wichtige kontrapunktische Funktion. In der Melodie ist ein tiefempfundenes und vollkommen aufrichtiges Gefühl der Devotion zu spüren. Das Werk weist ein subtiles Gleichgewicht zwischen freier konzertanter Komposition und einem scheinbar strengen Kontrapunkt auf. Diese Ausgewogenheit besteht auch zwischen fliessenden Melodielinien und intensiver Deklamation des Textes. Er taucht die lateinischen Kirchentexte in ein transparentes, sinnliches Klanglicht, was ihm zu seiner Zeit prompt den Vorwurf der unkirchlichen Theatralik eingetragen hat.

Der Komponist stellte das Werk wahrscheinlich kurz vor seinem Tod am 16. März 1736 fertig. Dies lässt sich jedenfalls aus den auf den Autographen des „Stabat Mater“ gekritzelten drei Worten schliessen: „Finis Laus Deo“. Patrick Barbier, Verfasser von „Jean-Baptiste Pergolèse“ bezeichnete ihn als Sternschnuppe der neapolitanischen Musik.

Nachfolgend einige Eindrücke unseres Hörvergleichs von sechs verschiedenen Aufnahmen. Neben der c-moll Fassung für Sopran haben wir auch Aufnahmen in f-moll für Alt einbezogen. Es gibt zwei zeitgenössischen, handgeschriebenen Partituren der f-moll Fassung: Die eine ist in der Berliner Staatsbibliothek, die andere in der Biblioteca Civica, Bergamo aufbewahrt. Die Fassung für Sopran ist in Modena (Biblioteca Estense, Ms. Mus. F. 918 ) .

Die Aufnahmen :

Aufnahmen mit zu viel Vibrato und mässiger Textausdeutung:

La Stagione mit Ruth Ziesak Ltg. Michael Schneider (1996)
flüssiges Orchester mit dominantem Bass, die Stimme mit viel Vibrato.

Orchestra Mozart mit Julia Kleiter, Ltg. Claudio Abbado (2009)
Stimme mit oft viel Vibrato, das continuo manchmal etwas mühselig, einfühlsamer Orchesterklang.

Einspielung mit gutem Orchester:

Europa Galante mit Barbara Schlick, Ltg. Fabio Biondi (1993)
Stimme mit recht viel Vibrato, das Orchester mit schönen Verzierungen.

zwei sehr schöne und unterschiedliche Einspielungen:

Academy of Ancient Music mit Emma Kirkby, Ltg Christopher Hogwood (1989)
Sehr schöne überzeugende Frauenstimme mit klarem und hellem Sopran, lineares und neutrales Orchester, schön gestaltet, leidender Grundton fehlt zeitweise, zurückhaltender Bass.

Il Seminario Musicale mit Gérard Lesne und Véronique Gens (1997)
spöder und trotzdem leichter Beginn, schöner Bass, sehr leicht, etwas spröder Countertenor, die Instrumentalisten setzten unterschiedliche Akzente, 1. Geige ohne Vibrato, 2. Geige jedoch viel Vibrato, solistisch besetztes Ensemble mit sehr aktivem Cello, gelegentlich etwas zu tänzerisch.

:jubel: am besten gefiel uns :jubel: :



Les Talens Lyriques mit Andreas Scholl, Ltg Christophe Rousset (1999)
gelegentlich starkes Legato des einheitlichen Orchesters, schön gesetzte Generalpause des Orchesters mit guter Balance, wunderbarer differenzierter Countertenor mit schönem Gestus, eindrücklicher aktiver Bass und gut abgestimmter Orgel

Wir sind auf Eure Hörerlebnisse gespannt.

Gruss

romeo&julia

musica

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Beiträge: 2 370

Registrierungsdatum: 5. Oktober 2010

2

Dienstag, 19. Januar 2010, 22:09

Die beiden Werke von Pergolesi "Stabat Mater" und "Salve Regina" ähneln sich sehr, besonders am Anfang, ich habe beide gesungen und ich finde das Salve Regina schwieriger als das Stabat Mater zu singen, doch Beides sollte man im Repertoir haben, ist eigentlich schon ein muss.

Ich habe eine Aufnahme mit Natalie Stutzmann, meine Alt Favoritin.
musica

Wer selbst keinen inneren Frieden kennt, wird ihn auch in der Begegnung mit anderen Menschen nicht finden.
Dalai Lama


romeo&julia

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3

Samstag, 6. Februar 2010, 19:01

Hallo liebe Taminoaner/Innen

Eine weitere Aufnahme des "Salve Regina" mit dem im Jahre 1980 gegründeten belgischen Instrumental-Ensemble Ricercar Consort widmet sich seit seiner Gründung dem authentischen Musizierweisen aus der Zeit des Barock. Das Ensemble machte die Einspielung im Jahre 2005 im Kolleg St. Michael im schweizerischen Fribourg. Philippe Pierlot und sein Ensemble gehört bereits seit geraumer Zeit zu den gesuchtesten Spezial-Orchestern der europäischen Szene für Alte Musik. Sie setzen sich immer wieder für vernachlässigte Werke und Komponisten ein. Als Gesangssolisten sind die spanische Sopranistin Nuria Rial und der spanische Countertenor Carlos Mena verpflichtet worden. Carlos Mena studierte an der renommierten Schola Cantorum Basiliensis und liebt auch die spanische alte Musik ganz besonders.

Mena besticht durch seine kräftige und klangvolle tiefe Lage seine Stimme. Das Ricercar Consort unter Leitung von Philippe Pierlot begleitet die Sänger engagiert und kompetent.



eine CD vom Label Mirare

Herzliche Grüsse

romeo&julia