Sie sind nicht angemeldet.


JPC Amazon

Free counters!

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Tamino Klassikforum. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

AH.

Profi

  • »AH.« wurde gesperrt

Beiträge: 248

Registrierungsdatum: 10. Juli 2006

31

Freitag, 26. Dezember 2014, 11:43

Hallo,

auch Julius Reubke hat für mich eine der größten Klaviersonaten geschrieben. Reubke lebte von 1834 bis 1858 und gehört für mich zu den größten Komponisten überhaupt. Leider wurde er nur 24 Jahre alt. Es ist unfaßbar, was der etwa 22 jährige Reubke für eine Klaviersonate komponiert hat. Das Werk ist für seine Zeit hoch avantgardistisch, hört man es, ohne es zu kennen, würde man es um das Jahr 1900 einordnen. Seine Harmonik ist kühn, seine Rhythmik originell und die Themen sind schön. Die Musik strahlt sehr viel Majestät aus. Die Klaviersonte in h-moll von seinem Lehrer Franz Liszt steht für mich weit dahinter. Reubke kenne ich aus einer Fernsehproduktion, die ich vor über 20 Jahren gesehen habe und die nachfolgende CD war eine der ersten CD´s in meiner CD-Sammlung. Sie enthält auch eine Orgelsonate, die ich gesondert besprechen möchte. Leider ist der Klavierklang dieser Aufnahme von Dabringhaus & Grimm verfärbt und wolkig-diffus, jedoch dynamisch. Allerdings spielt Claudius Tanski inspiriert, er phrasiert und artikuliert sinnvoll und hat einen Sinn für den großen Bogen in dieser Sonate. Ich hörte Claudius Tanski wohl im Jahr 2008 zum 150. Todestag von Julius Reubke mit dieser Sonate im neuen Gewandhaus in Leipzig. Ich habe gelesen, daß Alfred Brendel seinen Schülern diese Sonate zum Studium empfohlen hat, man solle sie jedoch nicht öffentlich aufführen. Wenn das wahr ist, ist es ein Verbrechen. Hier kann man bei jpc in die Sonate hineinhören:



Liebe Grüße

Andreas
De gustibus non est disputandum (über Geschmäcker kann man nicht streiten)

Dieter Stockert

Prägender Forenuser

  • »Dieter Stockert« ist männlich
  • »Dieter Stockert« wurde gesperrt

Beiträge: 962

Registrierungsdatum: 27. September 2014

32

Freitag, 26. Dezember 2014, 17:46

Gibt es die Reubke-Sonate auch in einer Einspielung auf einem Klavier aus Reubkes Zeit?
»Ich habe keine Zeile geschrieben.« (Thomas Brasch: Der schöne 27. September)

AH.

Profi

  • »AH.« wurde gesperrt

Beiträge: 248

Registrierungsdatum: 10. Juli 2006

33

Samstag, 27. Dezember 2014, 13:32

Hallo,

hier habe ich die zweite und die dritte Klaviersonate mit Johannes Brahms empfohlen, gespielt von Hélène Grimaud. Das herausragende Klangbild der Denon-Aufnahmen habe ich gelobt, die derzeit leider gestrichen sind.
Die größten Klaviersonaten
Natürlich habe ich diese Aufnahmen bei jpc gesucht und auch auf einem anderen Label (Regis) gefunden. Auch wenn ich nur ein Toshiba-Laptop benutze, war der Klavierklang in diesen Aufnahmen so verfremdet (Equalizer oder Exciter wurden wohl benutzt), daß ich das niemandem zumuten wollte. Ob man sich bei dieser entstellten Aufnahme überhaupt einen Eindruck über die Qualität des Spiels von Hélène Grimaud machen kann, ist fraglich für mich. Man müßte die Aufnahme dazu unter guten Hörbedingungen hören (mindestens Klein + Hummel O198 bei ca. 1,5m Hörabstand in einem möglichst gut bedämpften Raum) und mit dem Original von Denon vergleichen.



Liebe Grüße

Andreas
De gustibus non est disputandum (über Geschmäcker kann man nicht streiten)

AH.

Profi

  • »AH.« wurde gesperrt

Beiträge: 248

Registrierungsdatum: 10. Juli 2006

34

Montag, 29. Dezember 2014, 18:11

Hallo,

zu den große Klaviersonten gehört auch für mich Schuberts letzte Klaviersonate D960. Ein Werk, in dem es um den Abschied vom Leben geht, in dem man jedoch auch tröstendes findet. Eine meiner Lieblingsaufnahmen ist die mit Evgeni Koroliov. Koroliov phrasiert ganz ausgezeichnet und artikuliert auch so. Das Grundtempo ist langsam und seine Deutung sehr romantisch. Seine freie Rhythmik ist besonders bemerkenswert. Das Werk wir überaus tiefsinnig wiedergegeben. Koroliov verwendet einen dunkel klingenden, oberwellenarmen Steinway, der eher an einen Bösendorfer Imperial erinnert. Das ausgezeichnet Klangbild der Aufnahme muß gelobt werden, obwohl historische Röhrenmikrofone Neumann M49 (entwickelt 1949) verwendet wurden, ist der Klavierklang sehr gut. Allerdings steigt das Bündelungsmaß dieser Großmembran-Mikrofone zu hohen Frequenzen hin an, was jedoch nicht als Klangverfärbung hörbar wird. Allerdings ist der Klang des Diffusfeldes abgedunkelt, was gut zur Musik paßt. Die Mikrofone rauschen etwas stärker als moderne Mikrofone nach jedem Klavieranschlag, was jedoch nicht stört und eher eine Klang-Bereicherung sein kann. Das tun aber auch die modernen Bruel&Kjaer-Typen, die z.B. für die Brahms-Aufnahme von Hélène Grimaud verwendet werden. Hier kann man bei jpc hineinhören, es sind die Titel 1-4:



Eine andere Aufnahme dieser Sonate, die mir auch sehr gefällt, ist die mit Paul-Badura Skoda an einem historischen Instrument. Auch Badura-Skoda phrasiert und artikuliert musikalisch vollkommen organisch und sinnvoll. Es ist eine andere, vor mir ebenso gültige Lösung. Der unvollkommene Klavierklang des alten Instrumentes trägt sehr zur emotionalen Wirkung des Stückes bei. Obwohl die Aufnahmen sehr verschieden sind, sind es keine Gegenbilder. Ich mag beide sehr gerne. Hier kann man bei jpc hineinhören (CD 9 Titel 4-7)



Es handelt sich vor mir hier um eine herausragende Gesamtaufnahme aller Klaviersonaten von Franz Schubert. Darunter sind viele sehr gute, wenn nicht große, wie D 959, D958, die drei a-moll-Sonaten D 845, D 537, D 784, sowie D 894 und D 840 ("Reliquie"). Ich höre diese Aufnahmen oft und gerne.

Liebe Grüße

Andreas
De gustibus non est disputandum (über Geschmäcker kann man nicht streiten)

AH.

Profi

  • »AH.« wurde gesperrt

Beiträge: 248

Registrierungsdatum: 10. Juli 2006

35

Dienstag, 30. Dezember 2014, 23:15

Hallo,

auf drei "größte" Klaviersonaten konnte ich mich leider nicht beschränken, aber ich nähere mich hier nun dem Abschluß, wenn mir nicht noch andere große Sonaten einfallen. Heute abend hörte ich die letzten drei Klaviersonaten von Ludwig van Beethoven mit Valery Afanassiev und alle drei gehören für mich ohne Frage zu den "größten" Klaviersonaten. Sie wirken auf mich aber nicht so emotional, wie die von mir genannten Brahms-, Reubke-, oder Schubert-Sonaten. Beethoven ist generell ein schwieriger Komponist vor mir. Alle Streichquartette ab op. 74 finde ich durchweg inspiriert, die letzten drei Klaviersonaten und vielleicht noch die Pastorale und das Geistertrio. Ansonsten findet man immer wieder schöne Sätze neben uninspirierten. Auch leere Motorik findet man oft (ähnlich wie bei Mozart), bisweilen auch Zorn, den ich nicht habe.
Beethovens drei letzte Sonaten haben ein abstraktes Element, das ich bisher nie deuten konnte. Dennoch sind sie durchweg inspiriert und wirken durchweg emotional. Valery Afanassiev spielt im großen Bogen, er phrasiert und artikuliert sehr organisch, so daß das abstrakte Element dieser Sonaten gut zum Ausdruck kommt. Keineswegs ist seine Interpretation deswegen arm an Emotion. Er hat vor mir eine der besten Aufnahmen dieser Sonaten vorgelegt, ein Freund schenkte mir diese Japan-CD (2003), leider weiß ich nicht, wo man sie in Deutschland beziehen kann.
Als Interpret dieser Sonaten sollte auch Michael Steinberg erwähnt werden, der ebenfalls einen großen Bogen zu schlagen versteht und das abstrakte Element dieser Sonaten zum Vorschein bringt, ohne deswegen emotionsarm zu spielen. Er hat eine weitere Dynamik als Afanassiev und macht auch längere Pausen. Diese Aufnahmen sind nach meiner Kenntnis derzeit leider nicht erhältlich.

Einen anderen Ansatz verfolgt nach meiner Ansicht - mit Erfolg - Paul Badura-Skoda. Das abstrakte Moment in diesen Sonaten bringt er weniger zum Vorschein, sondern er singt und spricht am Klavier so gut es geht, was diesen Sonaten eine "menschliche" Prägung verleiht. Auch dies ist ein gültiger Interpretationsansatz, allerdings ein Gegenbild zu den anderen beiden genannten. Von Paul Badura-Skodas interpretatorischer Leistung kann man sich bei jpc überzeugen, es sind alle Titel der CD 9:



Paul Badura-Skoda spielt in dieser Gesamtaufnahme einen schön klingenden Bösendorfer Imperial.

Liebe Grüße

Andreas
De gustibus non est disputandum (über Geschmäcker kann man nicht streiten)

JLang

Prägender Forenuser

  • »JLang« ist männlich

Beiträge: 1 926

Registrierungsdatum: 4. August 2013

36

Dienstag, 30. Dezember 2014, 23:54

Immer wieder trifft man auch nach einiger Zeit auf threads, die einem in den Weiten des Forums bisher entgangen sind.
Drei große Klaviersonaten: wie um Himmels Willen soll ich mich denn da festlegen? Egal, ein Versuch muß gestartet werden, aber es ist eine Momentaufnahme. Nicht nur momentan zählt für mich auf jeden Fall Franz Liszt, h-Moll Sonate dazu. Nicht weil sie technisch so anspruchsvoll ist, sondern weil Liszt in ihr die "Mehrsätzigkeit in der Einsätzigkeit" grandios umgesetzt hat, nicht nur weil mir die Sonate einfach besonders gut gefällt, sondern weil sie m. E. einen bedeutenden musikgeschichtlichen Beitrag darstellt. Daher wird sie sich auch unabhängig von meinen Musiklaunen immer unter meinen Top 3 halten.


Wenn ich eine Aufnahme nennen sollte, dann wäre Brendel eine gute Wahl. Ja, schon wieder Brendel, den ich doch immer schon bei Beethoven anführe. Ja, schon wieder Brendel, dessen technische Fähigkeiten im Gegensatz zu anderen Pianisten endlich scheinen. Aber er hat sich diese Sonate mit seiner musikalischen Intelligenz so zurechtgelegt, dass ihm eine durch und durch überzeugende Interpretation gelingt: er belegt daß ein Liszt jenseits aller Brillanz und Virtuosität denkbar ist.
Als Alternativen würde ich Jorge Bolet nennen wollen für die Liebhaber des "großen, kultivierten Tons" und als wilderen Zugang voller sinnstiftender Virtuosität George Cziffra. Andere Namen wären zu nennen, doch ist dieser thread nicht der Ort.
Mit herzlichem Gruß
JLang
Gute Opern zu hören, versäume nie
(R. Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln)