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Alfred_Schmidt

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1

Freitag, 19. März 2010, 21:58

Antonio Vivaldi - Die Violinkonzerte und ihre Interpreten

Liebe Vivaldi-Liebhaber

Es gab schon einmal , 2005 einen (kurzen) Tread über Vivaldis Violinkonzerte. Eigentlich war es nur eine Anfrage, die dann von einigen Usern beantwortet wurde. Ich habe lange überlegt üb ich diesen Thread fortsetzen soll - habe mich dann aber für einen Neustart entschieden. Noch in meiner frühen Jugend ware Vivaldi nicht besonders geschätzt, bzw waren seine Werke nur teilweise bekannt. Das Verdilkt von Strawinsky, der meinte, Vivaldi habe eigentlich nur ein Werk geschrieben - das aber 400 mal , stand noch lange im Raum und wurde immer wieder nachgeplappert.
Allmählich wurden mehr und mehr Werke bekannt, und katalogisiert, die letzten erst vor etwa 6 oder 7 Jahren - wobei vermutlich noch immer nicht alle entdeckt sind.

Vivaldi war schon seit einigern Jahren ein wenig in den Mittelpunkt des allgemeinen Barock-Interesses gerückt - der richtige Durchbruch erfolgte aber erst durch den Einsatz von Originalinstrumenten und den - im Gegensatz zu früher - sehr subjektiven- mitunter gewagten Interpretationen. Aber schon die Wiedergabe der "Quattri Stagione" durch "The English Concert" - eine aus heutiger Sicht eher "brave" Aufnahme - klang um 1983 wesentlich silbriger, frischer und spritziger als alles bisher Dagewesene. Und das ohne Einbuße an Klangschönheit.

Für mich zählt diese Aufnahme auch heute noch zu den klangschönsten und strahlendsten.



Indes - dies ist kein Thread über die vier Jahreszeit, das war nur die Einleitung, weil diese Konzerte ja schliesslich jeder kennt.
In den letztne Jahren haben sich zahlreiche Ensembles auf Vivaldi - und hier wiederum auf seine Violinkonzerte -spezialisiert. - und es wurden sogar bisher unbekannte Violinkonzerte aufgefunden und für die CD eingespielt.

Ich werde - so sich niemand anderer dem Thread hier anschliesst - in den nächsten Wochen einige, meiner Meinung nach sehr geglückte Einspielungen vorstellen, wobei ich nach Möglichkeit die RV Nummeren als Referenz angeben werde - immerhin gibt es zumindest DREI zueinander nicht kompatible Werkverzeichnisse in Sachen Vivaldi. Das erst 1974 erstmals veröffentlichte Ryom-Verzeichnis (RV) ist das derzeit aktuellste und auch gebräuchlichste, und dürfte die anderen allmählich ablösen

Natürlich werden wir hier nur einen kleinen Teil der Violinkonzerte vorstellen können, immerhin stellen sie mit 241 bisher überlieferten, den grössten Teil von Vivaldis Konzerten dar.

mfg aus Wien

Alfred

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Alfred_Schmidt

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2

Samstag, 27. März 2010, 15:20

Ich hatte schon befürchtete, daß die Resonanz auf diesen Thread nicht allzu groß ausfallen würde - immerhin haben sich binnen eines Tage über 90 LESER diesem Theama angeschlossen - so werde ich versuchen men Bestes zu geben:

Die Anzahl von Vivaldis Violinkonzerte wird im allgemeinen auf ca 240 geschätzt, das ist rund ein Drittel seines gesmten Schaffens.
Auch die Anzahl seines Gesmtwerks hat durch neueste Endeckungen immer wieder zugenommen - und man kann davon ausgegen , daß noch manches Verborgene in den Archiven auf seine Entdeckung wartet. Vivaldi galt ja immer schon als "Vielschreiber". Zu diesem Ruf hat er sicherlich auch durch sein Statement beigetragen, er könne schneller komponieren als seine Kopisten das Komponierte abschreiben....

Was zu seiner Zeit als Zeichen höchster Kunstfertigkeit galt, das haben folgenden Generationen als "seichte Belanglosigleit" abgetan.

Ferrner wurde- nicht zuletzt durchs Stravinskis - meiner Meinung nach dummes (!!) - Statement, Vivaldi habe im Grunde nur EIN Konzert komponiert, dieses aber 600 mal, Vivaldi diskreditiert, und der Satz war vermutlich ein willkommener Grund für alle, die Vivaldi nicht hören wollten, sich darauf zu berufen, und Vivaldi ad acta zu legen...

Daß dieser Satz völlig falsch ist, das werde ich in diesem Thread durch die vorgestellten Violinkonzerte zu beweisen versuchen, ja ich gehe sogar weiter, indem ich behaupte, daß die immer wieder zitierte "Leichtigkeit" und "Belanglosigkeit" der Verke Vivaldis ebenso ein Phantasieprodukt ist, wie die "Leichtigkeit" von Mozarts Tonsprache. Eine mögliche Lesart allenfalls. Mehr nicht.

Ich wurde auf diese Tatsache speziell durch die Interpretation Vivaldischer Violinkonzerte durch den Geiger Giuliano Carmignola aufmerksam.

Als ich ihn das erste mal vor Jahren hörte - noch unter dem Eindruck der neuesten Aufnahmen von "Il Giardino Armonico" - da war ich enttäuscht: Ersteres Ensemble klang nach meiner Einschätzung - spritziger und plakativer. An sich ein richtiges - wenn auch übertriebenes Urteil - mit falscher emotioneller Bewertung des Gehörten.

Um mir Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, soll gesagt werden, daß die heutigen Carmignola Aufnahmen noch raffinierter und inniger sind, als die damaligen UND zudem auch - wo verlangt - spritziger - ohne aber die für "Il giardino Armonico" typischen Übertreibungen.

Wir haben hier also zwei (hochkarätige !) Deutungen von Vivaldi vor uns - welch ein Glücksfall für den Hörer !!
Vivaldi beeindruckte ja die Zeitgenossen nicht nur durch seine Kompositionen, sondern dirch sein - nicht virtuoses - sondern "inniges" gefühlsbetontes Violinspiel. All das ist schriftlich festgehalten und überliefert.

Das besprochen Konzert ist eines von 5 und als Referenz benutzte ich
die unten abgebildete Aufnahme der Deutschen Grammophon.



Nimmt man dieses Kriterion, dann hat Camignola , bzw die gesamte Mannschaft, nämlich auch das Originalinstrumente-Ensemble "Venice Baroque Orchestra" unter ihrem Dirigenten Andrea Marcon die Nase vorn. Subtiler und raffinierter wird man Vivaldi kaum wo hören können, bei aller Brillianz ist gelegentlich ein melancholischer Unterton zu hören, der mit bei anderen Interpreten bis jetzt noch nicht aufgefallen ist - und er den ohnedies meiner Meinung nach hochkarätigen Vivaldi noch zusätzlich aufwertet.

Nach solch langer Einleitung die erste Hörempfehlung:


Zitat


CONCERTO in C-Dur RV 190,
ein Werk mit etwa 14 Minuten Spieldauer

Es handelt sich hier - wie bei allen Konzerten auf dieser CD um eine Weltersteinspielung (2005)

Schon der este Sat ist (für Vivald) eher ungewöhnlich, obwohl mit Allegro überschriebn, beginnt er eher Gravitätisch-rhytmisch und findet erst nach einigen Takten zum Allegro, das dann eigentlich andauernd das Tempo rückt, schmechelnd süsse, wechseln mit temperamentvollen geradezu rasanten Passagen, es werden etliche Effekte ausgekostet, angeblich steckt das Werk voller technischer Schwierigkeiten und Finessen. Effektvoll endet der erste Satz

Leise wie Regentropfen an einem lauen Sommertag, beginnt der zweite Satz, es handelt sich um eine Laute, die diesen Effekt hervorbringt. Ihr gesellt sich melancholisch seufzend die Soloivioline hinzu, aber Melancholie beschreibt die entstehende Stimmung, die hier (bei mir) entsteht nur unzureichend, es ist eine gewisse "traurige Zufriedenheit" - eine Art "introvertierter Glückszustand.

Durch den bei Vivaldi schon beinahe erwarteten forschen Beginn des dritten Satzes wir diese Stimmung jäh zerstört. Italienische Lebensfreude - gepaart mit Eleganz und Extravaganzen der Solovioline geben dem Satz Substanz und Optimismus.
_____________________________________

Ich hoffe, daß ihr das von mir subjektiv gehörte beim Abhören (ich verwende in solche Fällen Kopfhörer, weil sie feiner zeichen als Lautsprecher) wiederfindet.

Grundbedingung ist hiebei sich auf das Werk einzulassen uind es allenfalls ein zweite Mal zu hören.

Ich habe es jetzt, während ich diesen Beitrag geschrieben habe, mehrmals gehört - und behaupt kühn, daß sich bei jedem mal des Wiederhörens neue Hörerlebnisse eingestellt haben, es hat sich zu einem Ohrwurm entwickelt....

mfg aus Wien

Alfred

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tukan

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3

Sonntag, 28. März 2010, 17:58

Hallo,

da muss ich - bei dieser Steilvorlage - dir völlig zustimmen, Alfred: Das Venice Baroque Orchestra unter der Leitung von Andrea Marcon und dann noch mit Giuliano Carmignola gehört auch für mich zu den besten Vivaldi-Interpreten. Außerdem sind ihnen, wie du schon schriebst, im Bereich der Violinkonzerte zahlreiche Weltersteinspielungen gelungen, die gleichzeitig Maßstäbe setzen.
Mein Lieblingsviolinkonzert von Vivaldi habe ich aber iin einer Aufnahme des von mir ebenso geschätzten Orchesters "Europa Galante" unter Fabio Biondi, der auch Violine spielt.
RV 552: "Per eco in lontano" ist bei jpc nur als Downloadalbum zu bekommen, dafür gibt es aber keine Bestellnummer, weshalb ich zu einer url greife: hier

Das Besondere an diesem Konzert ist, dass der Solopart von zwei Violinen gespielt wird, wobei die zweite aus dem "off" spielt und die Themen der ersten wiederholt und variiert, was einen köstlich-sehnsüchtigen Klang erzeugt, der einen süchtig machen kann. Der erste Satz - Allegro - beginnt ganz gravitätisch mit einem tänzerischen Thema, bevor dann die erste Violine das Thema umspielt, wonach ihr die zweite Violine folgt.
Im zweiten Satz - Larghetto- geht es melancholischer zu, wie die zwei Königskinder scheinen die beiden Violinen nicht zueinander gelangen zu können, umspielen sich aber immer gegenseitig.
Der dritte Satz - Allegro - beginnt dann wieder ganz munter, und auch die beiden Violinen scheinen sich mit dem Schicksal der "Brieffreundschaft" abgefunden zu haben und dialogisieren aufs Fröhlichste.

Ein ungwöhnliches Stück, das mir immer wieder die Zusammengehörigkeit von Melancholie und Lebensfreude deutlich macht. Schon allein dieses Stück zeigt, dass Vivaldi keineswegs nur ein Konzert immer wieder abgeschrieben hat.

tukan

âme

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4

Sonntag, 28. März 2010, 18:27

Dann will ich mal auch ein paar Vorschläge schreiben, auch wenn Vivaldi hier im Forum scheinbar einen nicht so guten Stand hat.
Zu der vordersten Reihe meiner Lieblingskomponisten zählt er zwar auch nicht aber hin- und wieder höre ich ihn zur Abwechslung schon recht gerne.

Ich schließe mich die schon empfohlenen Interpretationen von Carmignola und dem Venice Baroque Orchestra an. Von wem sonst als unter ihm würde man sich einen authentischen Vivaldi erwarten, hat er selbst am Konservatorium in Venedig die Violine unterrichtet und war jahrelang als Konzertmeister des Opernorchesters am Teatro La Fenice (Venedig) tätig, spielt auf einem Originalinstrument Guarneris aus Vivaldis Zeit (1733) Sein Spielstil bringt auch merklich Leben in diese Werke, sehr differneziert, abwechslungsreich, nuanciert dargeboten und man merkt auch wie sehr Carmignola mit dieser Musik verknüpft ist, interpretiert er zB Mozarts Violinkonzerte so habe ich fast das Gefühl einer Symbiose von Vivaldi und Mozart (wobei ich hier in diesem Fall dann doch lieber andere Interpreten bevorzuge ;) )

Ergänzen möchte ich die schon genannte Einspielung um folgende 2



Die hier gefällt mir persönlich am Besten. Vor allem RV 177 und RV 273 heben sich besonders auffällig hervor, sie widersprechen sicher den oftmals vorkommenden Vivaldi-Vorurteilen (insofern sie überhaupt sachlich belegt wurden). Es zeigt sich aber auch wie wichtig der richtige Interpretationsstil ist, im booklet dieser CD wird nicht ohne Grund von einer "Nähmaschinentechnik" damaliger Vivaldi-Aufnahmen (wie zB "I Musici") geschrieben. Vivaldi benötigt meiner Meinung nach eine historische Aufführungspraxis wie ein Auto den richtigen Kraftstoff braucht, der Unterschied kann hier Tag und Nacht ausmachen.



Diese Einspielung sowie seine Einspielung der 4 Jahreszeiten die unter vielen Vivaldi-Hörern als Referenz gilt kann ich ebenso jedem empfehlen der noch nicht allzu viel von Vivaldi kennt aber auch aufgeschlossen genug ist sich gegen den Klischees ein eigenes Bild zu machen. Eine Einspielung mit V.Mullova würde es auch noch geben die ich aber nicht besitze.

Noch lebhafter und forscher ist die Herangehensweise von Europa Galante unter Fabio Biondi, man könnte es "Hardcore-Hip" nennen. ;) Ich mag diese fetzigen Interpretationen, sind sie mir allemal lieber als das einstige lauwarme Dahingeleier mancher Ensembles. Außerdem kann ich mir gut vorstellen das diese Art und Weise manche Vivaldi-Entdecker durchaus begeistern könnte - ob nicht hie- und da ein wenig zu manieriert wird läßt sich diskutieren, ich finde es jedenfalls spannend und mitreissend musziert.



Dann gäbe es noch unter Biondi die Einspielung des op.3 "L´estro Armonico"
Für mich neben den 4 Jahreszeiten Vivaldis beste Instrumentalkonzerte (und ich habe zB außer op.10 alle seine Opus-Werke)
Ich könnte wetten das Stravinsky diese nicht gehört haben wird sonst hätte er keine Ahnung von Musik, außerdem möchte ich übrigens nicht wissen welche schrecklichen Interpretationen es zu Stravinskys Zeiten gab wo an HIP-Vivaldi längstens nicht zu denken war (und diesen Faktor muß man bei diesem Urteil auch berücksichtigen).



Dann gäbe es zB noch 2 interessante Einspielungen unter Andrew Manze. Das ist wieder ein etwas gemäßigter HIP...



Diese wurden Kaiser Karl überreicht und gewidmet. Sie haben wie op.9 den gleichen Namen "La Cetra" Sie sind vor noch nicht allzu langer Zeit in Wien entdeckt worden und anscheinend hiermit erstmals veröffentlicht. Man vermutet das diese wahrscheinlich dem damaligen Publikumsgeschmack zu gewagt waren das Vivaldi sie letztendlich nicht veröffentlicht hat. "The English Concert" kann sich in dieser Aufnahme durchaus hören lassen, Manze ist mir persönlich aber vielleicht einen Tick zu zurückhaltend. Dennoch alles im allem eine sehr interessante Aufnahme.



1740, 1 Jahr vor dem Tod Vivaldis, besuchte Frederick Christian Venedig und zu diesem Anlass wurden u.a. diese Konzerte Vivaldis vorgetragen. (ergänzt durch 2 weitere Konzerte aus op.8 ) Diesmal spielt Manze mit "The Acadamy Of Ancient Music".

:hello:
Thomas
„Eine Erkenntnis von heute kann die Tochter eines Irrtums von gestern sein.” (Marie von Ebner-Eschenbach)

Wolfram

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5

Sonntag, 28. März 2010, 22:36

Ich möchte mich den Lobeshymnen auf die Vivaldi-Einspielungen mit Giulano Carmigniola anschließen. Ich habe nur eine 3-CD-Box von Brillant, die zudem gerade vergriffen zu sein scheint, und die Vier Jahreszeiten nebst einem Konzert für drei Violinen und einer Werkgruppe mit dem Namen "Le humane passioni" (5 Violinkonzerte) und weitere Konzerte beinhaltet. Viel zu schade, um nur im Auto als Hintergrundkulisse im Stau zu dienen! Tolle Musik, mitreißende Interpretation.
Viele Grüße, Wolfram

Radagast

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6

Mittwoch, 31. März 2010, 17:05

Moin,

sehr gelobt wird auch diese Aufnahme von Rachel Podger.



Ich habe Rachel Podger im Januar live mit Vivaldi gehört, das war sehr gut. Hat aber keine Chance gegen Carmignola, den ich auch erst vor kurzem wieder live hören durfte.

Carmignola = :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:

Die oben genannte Aufnahmen mit Manze habe mich beim Reinhören allerdings nicht so überzeugt, dass ich sie unbedingt kaufen musste.
Grüsse aus Rhosgobel

Radagast

âme

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7

Mittwoch, 31. März 2010, 17:50

Zitat


Die oben genannte Aufnahmen mit Manze habe mich beim Reinhören allerdings nicht so überzeugt, dass ich sie unbedingt kaufen musste.


Wie geschrieben finde ich Manze auch nicht ideal und man kann ihn nicht mit Carmignola oder auch nicht mit Biondi vergleichen - zu zahm sein Spiel. Interessant sind halt diese Einepielungen (zum. eine wenn nicht Beide angeblich Ersteinspielungen) vom Repertoirwert. Manches Konzert daraus kann sicher rein von der Musik her mit den Neuentdeckten Carmignolas mithalten was ich jetzt anhand der kompletten Stücke urteile, wenn man damit halt leben kann das nicht Carmignola spielt. ;)

:hello:
Thomas
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Alfred_Schmidt

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8

Dienstag, 13. April 2010, 02:43

Vivaldi hat viele Gesichter, und glücklicherweise viele Interpreten.
Heute würde niemand mehr behaupten, alle Konerte Vivaldis klängen gleich - er würde sich lächerlich machen. Im Gegenteil - ein und dasselbe Konzert kann unter den Händen verschiedener Interpreten völlig verschieden klingen,

Ich habe mir aber vorgenommen, einzelne Konzerte kurz zu beschreiben, und Euer Interesse zu wecken. Vivald hat ja mehr als nur die 4 Jahreszeiten geschrieben....


Concerto für Violine und Orchester RV 350

Über Konzerte zu schreiben, das ist fürwahr nicht einfach, aber wir haben ja die Unterstützung der jpc Soundschnippsel

In unserem Fall handelt es sich um die Tracks Nr 19-21


Der erste Satz beginnt fröhlich, lieblich und stakkatoartig zugleich, wie wir es von einigen der Vivaldi Mandolinenkonzerte kennen, Die Solovioline setz mit einem spitzen virtuosen Thema ein, der Satz verströmt italienische Lebensfreude pur.

Aufmerksam auf dieses Konzert wurde ich jedoch dorch den zweiten dstz, der mit seiner Pizzicato-Einleitung stets in erinnerung bleiben wird. Die Violine stimm eine nachdenkliche, leicht melancholische Weise an.

Der dritte Satz ist - wie es das Schema verlangt wieder lebhaft. Er wartet instrumental mit diversen interessanten Überraschungseffekten auf...

Ich empfehle - wie ich es tat - das Konzert mehrmals hintereinander konzentriert zu zu hören, erst dann wird es seine volle Pracht entfalten




Mit I Barocchisti unter Diego Fasolis und dem Geiger Duilio M. Galfetti stelle ich ein weiteres hochkatätiges Spezialensembel in Sachen Vivaldi vor....

mfg aus Wien

Alfred

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9

Samstag, 17. April 2010, 01:10

Zuvivaldis eher bekannteren Konzerte gehört dier Seria, des Opus 4 welche unter dem Titel "La Stravaganza" (Die Extravaganz) zusammengefasst wurdem und aus insgesamt 12 Konzerten besteht.
Sie sind um 1712/13 oder 1714 erschienen und Vettor Delfino (Dolfin)gewidmet, einem venezianischen Edelmann und Schüler Vivaldis.

Wie auch bei den Jahreszeiten zu empfehlen, sollte man jedes Konzert als Einzelkunstwerk betrachten und ihm die volle Aufmerksamkeit widmen, nur dann erblühen die Werke zu voller Schönheit.
Die Stücke sind allerdings weniger auf das Soloinstrument ausgerichtet, als spätere Konzerte

Der erste Satz des Ersten Konzerts von "La Stravaganze (op 4 Nr 1 oder RV3838 a) Beginnt mit typischem vivaldischen Schwung, voller Fröhlichkeit und Brillanz

Langsam, cantabel ,zu Beginn leicht süsslich so steht der 2. Satz (Largo) in auffälligem Kontrast zum ersten

Der dritte Satz setzt das Tempo des ersten wieder fort, und bildet so den Abschluss, der das Adagio wie in eine Fassung einbettet.

Persönlich besitze ich die (gute, aber nicht überragende) Aufnahme miit "The English Conzert" unter Trveor Pinnock für Archivproduktion, Simon Standage, Violine, aber die ist inzwischen leider gestrichen.

Durchaus empfehlenswert erscheint mit die folgende Aufnahme der 12 Konzerte opus 4 zu sein, wenngleich - hierin "The English Concert" nicht unähnlich - ein wenig neutral.



Weiter unten findet sich eine Version für Kammermusikensemble...



mfg aus Wien

Alfred

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10

Dienstag, 20. April 2010, 21:02

Wem " La Stravaganza" zu "hausbacken erscheint, für den hab ich natürlich was anderes auf Lager: Sechs Konzerte für Anna Maria, eine Auswahl aus einer Sammlung, die Vivaldi offenbar für ein "Wunderkind" seiner Zeit geschrieben hat.

Mir liegt besonders das Konzert RV 343 in A. dur am Herzen, welches in der von mir empfohlenen Aufnahme offensichtlich besonders expressiv gespielt wird - dennoch erinnert der Klang NICHT an "Il giardino Armonico, sondern ist eigenständig - wobei ich immer im Hinterkopf die Biber Aufnahmen von "Romanesca" habe.....

Schwung- und Kraftvoll , voll überbürdender Lebensfreude, die gelegentlich schon aufgesetzt wirkt, zumindest für meinen Geschmack beginnt der erste Satz. Wenn der Verfasser des Beiheftes der CD behauptetr , es wäre die ein besonders schwierig zu meisterndes Stück, ganz auf Virtuosität angelegt - dann wird man dem nicht widersprechen, wenn man das Stück erst mal gehört hat.

Melancholisch, aber sehr körperlich der zweite Satz, der die Wildheit der beiden ihn umhüllenden erst richtig betont.

Wer das galoppierende , teilweise gezupfte Thema des Finalsatzes gehört hat, der wird von der Wildheit und der Melodiosität vermutlich begeistert sein. Ich kann mich kaum von diesem Ohrwurm trennen der von L´ Arte dell Arco und Frederico Guglielmo in aberwitzigem Tempo ausgefühert wird, stets von kurzen lyrischen Momenten unterbrochen, die die rasanten Stellen noch unterstreichen...



Zur Information: Es handelt sich um die Tracks 4-7

mfg aus Wien

Alfred

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Glockenton

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11

Mittwoch, 21. April 2010, 08:17

Wenn ich mir als nächstes eine Vivaldi-Aufnahme zulegen würde, dann wäre es bestimmt diese hier:



Sowohl von der Literatur als auch von der sehr schönen Ausführung her spricht mich diese Einspielung besonders an.

Anspieltips:

Trio Sonata in D minor for 2 Violins and Continuo, Op.1/12 (La Folia)

Andromeda liberata Serenata Veneziana

Concerto grosso in D minor , Op.3/11 , RV 565

Das bekannte" La tempesta di mare" ist auch enthalten.

Sehr interessant zu sehen auch der Videotrailer und die Aussagen Hopes über Vivaldi.

Orchester und Solist(en) machen ihre Sache für mein Dafürhalten ganz ausgezeichnet, sehr lebendig, innig und vor allem auch farbig in der Tongebung.
Ebenso farbig klingt für mich auch die Gestaltung und abwechslungsreich Instrumentation des Continuo.

:hello:
Glockenton
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Alfred_Schmidt

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12

Montag, 31. August 2015, 23:06

Interessanterweise wurden schon 2010 etliche damals verfügbare Aufnahmen von Violinkonzerten nicht genannt. Inzwischen sind doch einige Aufnahmen hinzugekommen. Es geht hier allerdings nicht darum. alle verfügbaren Aufnahmen aufzuzählen, sondern vielleicht einige persönliche Eindrücke zu schildern. Gerade bei Vivaldi gibt es ja sehr divergierende Möglichkeiten in Sachen Interpretation. Vielleicht auch hier ein sehr persönlicher Eindruck: In meiner Jugend wurden nur sehr wenige Konzerte von Vivaldi gespielt, vorzugsweise die "Jahreszeiten" - Aber die Orchester waren meist träge und nicht optimal durchhörbar - man wusste mit Vivaldi oft nur wenig anzufangen. Um ca 1980 kamen dann "mutige" Ensembles auf den Plan - man spielte Vivaldi "schmissig" oder "aggressiv" Die gesamte Vivaldi-Welt war durcheinandergeraten- nicht unbedingt zum Schaden für die Werke. Der "melancholische" Vivaldi kam dann est später. Vielleicht gibt es ihn gar nicht - und er ist eine subjektive Wahrnehmung von mir....
Also viel Spaß beim Darstellen persönlicher Eindrücke....

mfg aus Wien
Alfred

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13

Donnerstag, 10. März 2016, 23:35

Vivaldis Violinkonzerte sind nicht so einheitlich und auch nicht so lieblich, wie gelegentlich behauptet wird - auch wenn unter anderen Strawinsky es war, der diese oberflächliche Betrachtung mit verbreitet hat. Es ist halt immer gefährlich wenn Prominente etwas Dummes sagen. Bei genauem Hinhören ist jedes von Vivaldis Violinkonzerten (und auch jene für andere Instrumente)ein kleiner Makrokosmos für sich.
Dazu kommen noch die vielen unterschiedlichen Betrachtungsweisen der Interpreten. Die hier oben abgebildet CD beansprucht für sich, die erste Aufnahme des Op 6 anzubieten. Meine Recherche ergab, daß die zumindest heute nicht mehr stimmt, aber schließlich entstand ja die Aufnahme bereits 2010 und wurde ab 2011 vertrieben.
Federico Gugielma ist quasi das Aushängeschild der von Brilliant Classics produzierten Serie von Vivaldis Violinkonzerten.
Der sehr direkte . teilweise scharfe Klang wird von manchen als spritzig empfunden werden, andere werden meinen, er sei ein wenig "lästig" (Bei mir hängt das von der Tagesverfassung ab...)

mfg aus Wien
Alfred

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14

Montag, 17. Oktober 2016, 00:42

Wenn ich etwas an Vivaldi ganz bersonders liebe, dann ist es die Vielfalt der Möglichkeiten seine Werke zu interpretieren. Längst ist das Märchen vom "belanglosen" Vivaldi Geschichte, ebenso vom "fröhlichen" oder "agressiven"., "sperrigen". Carmignola hat einen Hauch von Melancholie in die Vivaldi Interpretationen gebracht, andere Interpreten bericherten die Fasseten der Möglichkeiten ebenfalls. Meine Sammlung wuchs einige Zeit sehr schnell - vielleicht ein wenig zu schnell, lämgst ist nicht alles "bewusst" gehört. Zudem, soeben habe ich es verifiziert, fehlen mir einige der hier gezeigten Aufnahmen. Korrektur: Nein das habe ich nur geglaubt, es ist viel mehr vorhanden als ich dachte, die Aufgabe wird nun sein einiges davon auszuwählen, konzentriert zu hören, und dann darüber hier zu berichten. Dazu foredereich auch andere Interessenten an diesem Thema auf, welches sich ausschliesslich mit Vivaldis VIOLINKONZERTEN und seinen Interpreten befassen soll.
Für heute eine relativ neue Aufnahme mit Fabio Bondi, die - so noch zum Vorzugspreis vorhanden - im November mitbestellt werden soll....(Bild und Link mit Hörproben - siehe oben)

mfg aus Wien
Alfred

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