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scriabin007

Schüler

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Beiträge: 158

Registrierungsdatum: 13. März 2007

1

Dienstag, 8. Juni 2010, 11:19

Vladigerov_Moderne Romantik?

Pantscho Wladigerow (Vladigerov)


Ich möchte diese Treat dem bulgarischen Komponisten und Pianisten Vladigerov, (Wladigeroff oder Vladigerof) widmen. Erst in jüngster Zeit konnte ich dank "youtube" eine Handvoll seiner Klavierwerke und Kammermusik kennen- und schätzen lernen.

Valdigerov ist 13. März 1899 in Zürich geboren und 8. September 1978 in Sofia gestorben.


Wladigerow studierte seit 1912 in Berlin bei Georg Schumann, Friedrich Gernsheim und Paul Juon. Zwei Mal, 1918 und 1920 errang er den Mendelssohn-Preis. Er wirkte an mehreren Theatern als Kapellmeister und Pianist, darunter von 1920 bis 1932 für Max Reinhardt am Deutschen Theater in Berlin. Ab 1932 war er vierzig Jahre lang Professor für Klavier und Komposition an der Musikakademie von Sofia, die heute seinen Namen trägt. Zu seinen Schülern zählt u. a. Alexis Weissenberg. Sein Sohn, Aleksander Vladigerov (1933 - 1993), war als Dirigent und Komponist tätig. (Auszug aus Wikipädia)

Beeindruckend und als Klaviermusik-Liebhaber sehr hörenswert finde ich einige seiner Klavierwerke. Seine Musik würde ich der Spätromantik und beginnenden Moderne zuordnen. Besondere Färbung bekommt seine Musik durch den folkloristischen Kolorit. Insgesamt wird seine Klaviermusik durch einen "flüssigen" und "dichten" Klaviersatz gekennzeichnet, der an machen Stellen leicht "jazzige" Anklänge hat. Ich würde ihn aber nicht in die Reihe Kapustin oder Antheil einordnen wollen.

EIn gutes Beispiel gibt das frühe Klavierwerk Thre Pieces op.15 von 1922, bestehend aus Prelude, Autumn Elegyund Humoreske ab:

Prelude; gleich zu Anfang stürmt das Werk in rassanten Läufen los. Im dichten virtuosen Klaviersatz entfaltet sich in sich steigernden Akkorden eine Melodie. Diese strebt einen vermeindlichen "Kulminationspunkt (nach Rachmaninoff) an umd dann in die Reprise einzuleiten. Mich erinnert dieses Stück stark an die üppig und virtuos gehaltenen Werke des jungen Scriabin (op.4, 18, 28 )


Autumn Elegy; diese Stück ist gekennzeichnet durch eine betörende Lyric und spätromantischen Kolorit. Eine introvertierte Melodie entfaltet sich in schwärmerischer Art. :hello:


Humoresque; dieses heitere und brilliante Klavierwerk beendet den Zyklus. Nach der Dramatik des Preludes, der traurigen lyrick der Elegy folgt ein scherzoartiges Reigen, eine Mischung aus Mendelssohn's Scherzo, Liszt's Gnomenreigen und Moszkowski Etincelles (wobei Vladigerov es kaum nötig hat, seine Kollegen zu kopieren).

Wer von Euch kennt weitere Werke von Vladigerov oder Aufnahmen?

LG
Niko

harry

Schüler

  • »harry« ist männlich

Beiträge: 153

Registrierungsdatum: 9. Januar 2010

2

Montag, 15. November 2010, 23:36

Vladigerov_Moderne Romantik?

Lieber scriabin007 resp. Niko,

dass Du auf Deinen Beitrag zu Pantscho Wladigeroff keine Antwort erhalten hast, wundert mich eigentlich nicht, weil dieser Komponist im öffentlichen Bewusstsein einfach nicht vorhanden ist. Ich selbst wurde während meiner Studienzeit (schon sehr lange her) durch einen Sammelband „Moderne Klaviermusik“ der Universal-Edition auf ihn aufmerksam, in dem ein Stück aus der Suite „Choumen“, op. 29 abgedruckt ist. Das war der Anlass für mich, mir diese Suite, ebenfalls bei Universal-Edition erschienen, zuzulegen. Wie ich aus den Anmerkungen in dieser Ausgabe entnehme, ist „Choumen“ (oder „Schumen“) eine Stadt in Bulgarien, und UE behauptet, dass diese der Geburtsort Wladigeroffs sei! Ich habe das nicht weiter recherchiert, sondern lassen es einfach mal so stehen.
Die 6 Stücke der Suite sind stilistisch ziemlich unterschiedlich, allerdings keinesfalls „modern romantisch“, wie es im Thread-Titel heißt. Manches (wie z.B. die Nr. 1 „Berceuse“) empfinde ich als moderne Weiterführung des Impressionismus eines Debussy; die Nr. 2 „Boîte à musique – Spieldose“ erinnert mich sehr stark an Casella; die meisten Stücke sehe ich aber aufgrund der rhythmischen und harmonischen Energien eher in der Tradition eines Bela Bartok. Das ist vielleicht auch der Grund für seine relative Unbekanntheit; die Tonsprache zumindest dieser Stücke hat schon etwas Epigonales an sich. Die von Dir genannten Werke kenne ich noch nicht, werde sie mir aber auf jeden Fall auf youtube anhören – danke für den Hinweis!. Eine Aufnahme von den genannten Stücken habe ich leider auch nicht. Vielleicht wird ja jetzt irgend ein Forenteilnehmer fündig und kann Dir und mir weiterhelfen!

Viele Grüße aus dem schönen Odenwald,
harry

scriabin007

Schüler

  • »scriabin007« ist männlich
  • »scriabin007« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 158

Registrierungsdatum: 13. März 2007

3

Dienstag, 31. Mai 2011, 02:07

Hallo Harry,

ja es stimmt...sein op. 29 sind recht unterschiedlich Stücke. Die "Stil-Vielfalt" ist aufällig; es scheint fast so, dass Vladigerov Begeisterung für seine Zeitgenossen (Ravel, Bartok, Casella) sehr groß war. ER konnte der Versuchung nicht wiederstehen, sich das "Beste" aus allen herauszusuchen. Er ist ein Vollblut Pianist....liebt einfach die Vielfalt der Klavierrichtungen, und hat diese für seine Kompositionen verwendet.

Die Stücke aus op. 15 kenne ich mit der Pianistin Dessislava Shtereva. Sie hat eine ganzen Cd mit Werken von Vladigerov veröffentlicht:

Darunter op. 15 (Prelude, Elegie, Hunoresque) Improvisation und Toccata op. 36. Sonatina sinfonica op. 28. Als Klavierfreund begrüße ich die vollgriffige Art des Klavierparts....eine gute Mischung aus vielem!

Ja es ist schade, dass unter den vielen Klaviermusikfreunden sich wenige für seine Werk interessieren! Aber vielleicht wird er ja noch entdeckt!?



Gruß

Niko