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Pianomania

Schüler

  • »Pianomania« ist männlich
  • »Pianomania« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 116

Registrierungsdatum: 22. Oktober 2010

1

Mittwoch, 24. November 2010, 09:09

Paul Lewis - eine musikalische Offenbarung oder etwa nur eine Brendel-Version 1.2?

Ich möchte mich hier zuerst in aller Form für die etwas ketzerische Überschrift entschuldigen. Da es bis jetzt noch kein Thema im Tamino gibt, welches Paul Lewis alleine gewidmet ist, will ich dies in hiermit gerne aufnehmen. Da ich persönlich von Lewis als eigenständiger Künstler sehr angetan bin, und glaube, dass er bereits heute und in weiterer Zukunft noch viel Bedeutendes zu sagen bzw. zu interpretieren hat, mache ich hier mit einer Kurzeinführung den Anfang:

Paul Lewis,1972 in Liverpool geboren, ist für mich einer der interessantesten jüngeren Pianisten in der klassischen Musikwelt. Interessanterweise lernte Lewis zuerst Violoncello und erhielt erst mit „späten“ 12 Jahren regelmäßigen Klavierunterricht. 1993 wurde er unter die Fittiche des Altmeisters Alfred Brendel genommen. Sein Repertoire und Vorlieben gleichen denen seines Lehrers und sein Stil erinnert zumindest in Ansätzen auch an sein Vorbild. Wie Brendel bevorzugt Lewis bis zum heutigen Zeitpunkt vor allem die Klavierwerke Beethovens und Schubert. Bis 2009 legte er eine von der internationalen (vor allem Britische) Fachpresse gehuldigter Gesamtaufnahme der Beethovensonaten vor. Erst kürzlich veröffentlichte Paul Lewis eine vielbeachtete Aufnahme sämtlicher Beethoven-Konzerte mit dem BBC Symphony Orchestra unter Jiri Belohlavek. Lewis ist dabei immer um Werktreue bemüht und hat für mich eine grosse lyrische, innerliche Ruhe und eine immense Ausstrahlung. Im weiteren hat er bereits bemerkenswerte Interpretationen der Liszt h-moll Sonate und den späten Schubert Sonaten vorgestellt. Dazu zeigt er auch ein grosses Interesse und Einfühlungsvermögen für die romantische Kammermusik mit zum Beispiel den grossen Schubert Lieder Zyklen mit Mark Padmore...

Wie steht Ihr, liebe Taminos, dem Schaffen und der Interpretationskunst dieses einfühlsamen Pianisten gegenüber?






Viele Grüsse
Pianomania
"Die Welt ward ihm Klavier. In Terzen, Quinten, Oktaven sprang sein Denken, Dur und Moll spannte sein Herz."
Carl Sternheim

William B.A.

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  • »William B.A.« ist männlich

Beiträge: 14 190

Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

2

Donnerstag, 30. Dezember 2010, 21:09

Paul Lewis - eine musikalische Offenbarung...

Ich kann deine Ansichten nur bestätigen, was meine Kenntnis der Einspielungen Paul Lewis' betrifft. Ich habe begonnen seine Beethoven-Sonaten und Schubert-Sonaten zu sammeln und bin wirklich von seinen hohen technischen Fähigkeiten, aber darüber hinaus von seiner erstaunlichen intpretatorischen Reife sehr angetan.

Das zeigt doch nur das gute Gespür Alfred Brendels für große pianistische Begabungen und seine Fähigkeit, ihnen noch letzte Feinheiten zu vermitteln. Alfred Brendel selbst galt ja, wenn ich mich recht erinnere, in dem Alter, in dem Paul Lewis jetzt ist, vornehmlich als Virtuose. Vielleicht traut man den jüngeren Pianisten allgemein noch nicht zu, dass sie über das technische hinaus schon über so eine künstlerische Reife verfügen, wie das bei Lewis und auch bei einem weiteren Schüler Brendels, Till Fellner sowie beispielsweise bei Evgeny Kissin schon der Fall ist.

Ich konnte Paul Lewis im Mozartjahr 2006 zusammen mit Till Fellner auf dem Podium des Klavierfestivals Ruhr live erleben, wie sie in sehr beeindruckender Weise das Klavierkonzert Es-dur KV 365 interpretierten. Ich werde die Karriere der beiden weiterverfolgen und besonders, was Paul Lewis betrifft, den ich bisher nur einmal live erleben konnt, seine nächsten in unserer Gegend stattfindenden Konzerte besuchen.

Liebe Grüße

Willi :rolleyes:
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

romeo&julia

Prägender Forenuser

Beiträge: 959

Registrierungsdatum: 18. April 2005

3

Freitag, 21. Januar 2011, 15:03

Hallo liebe TaminoanerInnen

Um Paul Lewis wurde es in diesem Thread leider bereits wieder etwas ruhig.

Vom Alfred Brendel Schüler Lewis kennen wir ausschliesslich seine Beethoven-Einspielungen. Sein Spiel ist gekennzeichnet durch ein eher langsames Tempo. So bei der Klaviersonate Nr. 8 wie auch bei der Nr. 21. Er interpretiert ausgesprochen werktreu, behutsam mit vorsichtigen Übergängen und strukturbewusst, schlicht. Die Klaviersonate Nr. 8 mit sehr schön agierenden Veränderungen und vielgestaltig.

Wir können uns was Beethoven betrifft den Meinungen von Willi und Pianomania nur anschliessen.

Seine vor rund fünf Jahren eingespielte Klaviersonate Nr. 8 c-moll op. 13 Pathétique gehört für uns zu den schönsten Beiträgen zu dieser Sonate.

Gruss

romeo&julia

Accuphan

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  • »Accuphan« ist männlich

Beiträge: 1 620

Registrierungsdatum: 7. Februar 2007

4

Dienstag, 1. März 2011, 21:03

...Um Paul Lewis wurde es in diesem Thread leider bereits wieder etwas ruhig.
Wie es insgesamt um Paul Lewis recht ruhig ist. Damit meine ich den völlig fehlenden Hype um diesen relativ jungen Pianisten, dem diese Ruhe gut steht. Es passt für mich gut ins Bild des seriösen, ernsthaften Werk-Arbeiters, dessen Beethoven-Aufnahmen inkl. der Klavierkonzerte ich habe und sehr mag. Die Konzerte haben nach der Pause in Folge der Sonaten einige Aufmerksamkeit erregt und gute Kritiken bekommen. Für mich damals Grund genug, sie ungehört zu kaufen.
Zu den Sonaten kam ich per Zufall, als ich im Laden seit langem mal wieder durch die Sonaten bei "B" stöberte und mir die erste Ausgabe seines Zyklus in die Finger kam. In direkter Konkurrenz zu András Schiff (ECM) habe ich mich dann für Lewis entschieden. Die Aufnahmetechnik und ein gut intoniertes Instrument runden den positiven Gesamteindruck ab.

Eine hörbare oder unterstellte Nähe zu Alfred Brendel wird diesem nicht zum Nachteil, Lewis sicherlich eher zum Vorteil gereichen, wenn überhaupt. Brendel als Lehrer in Sachen Beethoven ist eine der besten denkbaren Voraussetzungen [aaarghh, bei Mahler 6 aus Frankfurt ist dem Pauker die Intonation abgesackt... - sorry, OT], oder nicht?

Ich bin gespannt, was in Zukunft Lewis' Fingern entspringt und neige dazu, mich darauf zu freuen.
Beste Grüße
Accuphan
(gut stimmen!!)

Glockenton

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  • »Glockenton« ist männlich

Beiträge: 1 948

Registrierungsdatum: 27. Juli 2006

5

Donnerstag, 27. Oktober 2016, 21:50

Eine hörbare oder unterstellte Nähe zu Alfred Brendel wird diesem nicht zum Nachteil, Lewis sicherlich eher zum Vorteil gereichen, wenn überhaupt. Brendel als Lehrer in Sachen Beethoven ist eine der besten denkbaren Voraussetzungen


Hier ein aktuelles Video. Lewis sucht seinen Flügel aus. Mir fällt bei diesem Youtube-Film auf, wie unglaublich gesanglich, hochklassig, und ja "brendelisch", und einfach herrlich lyrisch dieser Pianist spielt. Es ist genau das, was ich gerne höre, auch seine sehr feine Agogik....einfach alles.
Der hat "es" einfach.
Wenn man zurecht traurig sein kann, dass Brendel aufgehört hat, dann kann man sich damit trösten, dass es tatsächlich jemanden gibt, der Musik so ähnlich denkt und es auch umsetzen kann. Das gereicht dem Paul Lewis keineswegs zum Nachteil - absolut nicht!



Gruß
Glockenton

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich

Beiträge: 18 361

Registrierungsdatum: 9. August 2004

6

Dienstag, 14. Februar 2017, 21:23

Es ist schon ein Vergnügen gewesen ihm zuzuhören, wie er die in Frage kommenden Klaviere testete. Wie subtil !!!
Auch nicht ohne waren die immer zu allem nickenden Verkäufer, wenn er etwas sagte, Ich hab einen ähnlicht Clip mit einem anderen Pianisten gesehen - genau dasselbe Procedere....

Fazit: Man wird diesem Pianisten in Hinkunft mehr Aufmerksamkeit widmen müssen.
Was angesichts der Sparpläne in Bezug auf Neuanschaffungen nicht ganz einfach sein wird.....

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich

Beiträge: 18 361

Registrierungsdatum: 9. August 2004

7

Dienstag, 14. Februar 2017, 21:35

Bei meiner Recherche bin ich auf einige Aufnahmen neueren Datums von Paul Lewis gestoßen. Ob er jetzt Brendel-ähnlich spielt oder nicht halte ich für unwesentlich angesichts der Musikalität mit der er sich - beispielsweise den Werken von Franz Schubert nähert. Die hier abgebildet Aufnahme mit den Klaviersonaten D.784, 958, 959, 960 entstand mehrheitlich 2013, eine Sonat stmmt schon aus 2002. Interpretation und klangtechnik sind superb. Die Doppel CD hat sich auf meine Bestelliste gemogelt. Das Lesen des Tamino Klassikforums ist offensichtlich ein teurer Spaß....

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Joseph II.

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  • »Joseph II.« ist männlich

Beiträge: 10 997

Registrierungsdatum: 29. März 2005

8

Dienstag, 14. Februar 2017, 21:45

Ich habe ihn letzten April im Wiener Konzerthaus unter Sir Neville Marriner mit Mozarts Klavierkonzert Nr. 12 A-Dur KV 414/385p erlebt. Mir hat's gut gefallen, es gab auch andere Kritiken. Dieses frühe Klavierkonzert eignet sich m. E. schlecht, um hier vergleichend urteilen zu können. Ich hätte ihn lieber mit dem 21. oder 25. gehört.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich

Beiträge: 18 361

Registrierungsdatum: 9. August 2004

9

Donnerstag, 6. Juli 2017, 11:10

Eine kleine Zwischenbemerkung - manchmal fallen einem Dinge erst in gewissem Zusammenhang auf. Das war heute bei mir der Fall, als ich an einer Pianistenliste arbeitete. Das war der Titel dieses Threads, der eine gewisse unfreiwillige Komik nicht verbergen kann: Paul Lewis, eine musikalische Offenbarung, oder etwa nur ein Brendel Version 1.2? Hier passt er einfach nicht (aber eben deshalb werde ich den Title beibehalten).
Es ist natürlich schon an sich eine Offenbarung, wenn jemand nur annähernd so raffiniert ausgetüftelt spielen kann, wie Alfred Brendel, somit wäre NUR Brendel-Version schon mal eine Abwertung Brendels UND seines Schülers. Damit aber nicht genug, der Titel impliziert auch, daß es KEINE Offenbarung wäre, wenn dieser genannte Pianist eine Brendel-Version 1.2 wäre. Version 1.2 ist in der Technik und bei Computersoftware eine übliche Bezeichnung, die darauf hinweist, daß es sich um eine gegenüber Version 1.0 verbesserte und oft auch erweiterte Version handelt. Etwas, das in diesem Fall nicht möglich ist. Eine Brendel-Version 1.2 ist für mich einfach nicht denkbar. Vermutlich hat Herr Brendel einen Bannstrahl auf das Forum geworfen, wenn er das gelesen hat....

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix