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Glockenton

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31

Freitag, 26. August 2011, 11:47

Harnoncourts Aufnahme aus den 80-Jahren sehe auch ich für das 4. Brandenburgische Konzert als Referenzaufnahme an,



und zwar aus sehr sehr vielen Gründen, von denen ich wahllos nur einige wenige herausgreifen möchte:

Am Anfang von Satz 1 (es steht ein 3/8-Takt) spielen die Streicher und das Continuo zusammen in sehr kraftvoll maskulinen Akkordschlägen: Tonika ! Dominante ! Tonika !
Gleichzeitig spielen aber schon die beiden Blockflöten und beginnen, eine femine Geschichte zu erzählen, die schon bald an Maria und Margot Hellwig erinnernd, die harmloseste aller heilen Welten (wem das wohl gefiele...) naiv, treu und herzallerliebst beschreibt:
Erst ein nettes Dur-Arpeggio zu einem gehaltenen Ton, dann eine liebliches Motiv in idyllischen Terzparallelen.
NH arbeitet hier den affektmässigen Unterschied deutlich heraus.
Die pastoral-liebliche, in Terzparallen gespielte Blockflötenfigur (von Takt 3 bis 5 betrachtet) wird nur in dieser Interpretation wirklich mit einem Aufschwung auf das dritte 8-tel in Takt 4 gespielt. Dieser Ton wird nur hier lang artikuliert und entgegen der Betonungshierarchie 1 2 3 dynamisch betont, wodurch die Figur einen gesanglichen Charakter und eine gestische Bewegung bekommt.
Man könnte denken, dieser letzte Ton aus Takt 4 wären nun ein melodischer Hochpunkt. Da aber der nächstefolgende Ton, das 1 Achtel von Takt 5 also, wieder die nächste normal betonte 1 ist, bekommt das 3 Achtel von Takt 4 einen Innenspannung, die sich mit dem kurz betonten 1 Achtel von Takt 5 wieder auflöst (Beispiel von Takt 3):

Di da da/ ... dadaDI/ DA da da

Wenn die Streicher das Motiv später übernehmen, kommt es noch wirkungsvoller heraus.
Diese Stelle wird hier sehr individualistisch interpretiert, denn ausser NH und dem Concentus macht es keiner so.
Den eventuellen Vorwurf des Manierismus lasse ich nicht gelten, weil sich diese Artikulation und Dynamik aus dem Erkennen ( oder der Erkennungsmeinung, man nennt es auch Interpretation) der Affektsituation an dieser Stelle ergibt. Hier die strengen Streicher, dort die lieben kleinen Blockflöten auf der Blumenwiese....

Ab Takt 13 kommen dann die Argumente für die anfangs vorgestellten thematischen Sachverhalte.

Die Soloinstrumente Blockflöte 2 und Solovioline beginnten mit einer aufsteigenden Tonleiter, die soviel wie "weil" oder "denn" oder dergl. bedeuten kann.
Daraufhin fallen die Ripieno-Streicher mit einer fallenden 16-tel-Figur ein, bei der jeweils immer zwei Töne repetiert werden und das erste 16-tel aufgrund der 16-tel-Pause fehlt. Diese Figur stürzt oder drängt sozusagen auf die nächste 1 und verstärkt sich leicht dadurch, dass diese Spielchen sich sequenziel in den folgenden Takten fortsetzt.
Vom affektiven Charakter der Figur her sehe ich sie als concitato-Anspielung, womit ja seit Monteverdi Streit und Auseinandersetzung assoziert wird.
Dadurch, dass man dasselbe wiederholt sagt, wird in der Rhetorik ja der Ausdruck verstärkt. Das kann sowohl im Bösen so sein, als auch (wie hier) in einer sich immer weiter aufbauenden agressiven Ereiferung.

Innerhalb der einzelnen,auf die nächste Eins drängenden Figur gibt es eine crescendo-Detaildynamik.
In Lautsprache, bezogen auf Takt 14 ff. des 4. Brandenburgischen Konzerts: ..dadadadadada! (so übertrieben, wie es hier aussieht, klingt es nicht)

Auch das kann man in dieser Aufnahme sehr schön hören, allerdings muss man sagen, dass auf anderen guten Einspielungen, wie z.B. Savall, das auch so gemacht wird.

Dann kommen aber noch die Continuobässe hinzu, die dem ganzen Geschehen in gehenden Achteln ein Fundament geben.
Bach hat hier -was ich interessant finde- neben der Stimme für das Continuo-Cello und der Cembalostimme eine Extrastimme für den Violon (gleiche Funktion wie Kontrabass) aufgeschrieben.
In ihren Vereinfachungen der 16-tel Repetitionen gibt sie Hinweise, auf die barocke Aufführungspraxis. Es hätte wohl dem guten Geschmack und Bachs Absichten widersprochen, wenn das wuchtig klingende 16-Fuss-Bassinstrument die 16tel-mitdonnern würde.
Interessant finde ich aber auch, dass der Violon nur die Tutti-Einwürfe (die ich oben beschrieb) mit jeweis 3 Achteln unterstützt. Während den aufsteigenden Tonleitern der Soloinstrumente schweigt er aber und überlässt die Continuobegleitung dem Cello und dem Cembalo.

Wenn diese Sequenz zu einem Teilhöhepunkt in Takt 19 kommt, weicht Harnoncourt, der auf der CD noch selbst das Cello spielt, von der nüchtern und neutral abgesetzten Continuospielweise der Achtel ab und spielt die Sekunden e-d Legato auf zwei Bogenstrichen + dynamischer Betonung+ Vibrato auf dem "d", wodurch besonders dieses " d" wiederum eine grosse Spannung bekommt und diese Figur beim Spielen oder Nachvollziehen eine körperliche Bewegung beim hierfür sensiblen Menschen hervorruft. In diesem Takt hört es sich so an, als ob der Cellist ( der hier ohne den "schrubbenden" 16-Fuss Kontrabass spielt) von Bach eine Möglichkeit bekam, sich lyrisch und ausdrucksstark sozusagen auf die idyllisch-gesangliche Seite der Blockflöten gegen die Streit und Auseinandersetzung predigenden Tutti-Streicher zu schlagen.
Harnoncourt erkennt und nutzt diese Möglichkeit intuitiv spielt seinen Continuobass mit Leidenschaft.

An solchen Details, mit denen man nur unzureichend die Interpretation weniger Takte beschreibt, erkennt man aus meiner Sicht schon, dass man hier einen grossen Interpreten mit viel kreativem Potential vor sich hat, dessen damals schon beginnende Karriere als Dirigent faktisch so kommen musste, und der hier eine grosse Interpretation vorlegt.

Gut finde ich auch, dass der erste starke Auftritt der Soloviolone in Takt 25 mit dem langen, über 4 Takte gehenden " a" auch so gespielt wird, nämlich als kräftig markierten Glockenton, der seine Energie aus den vorhergehenden Noten bezieht. Die Energieentladung geschieht auf diesem langen Ton. Die Geige "grätscht" hier kräftig in das Geschehen ein, macht nach dem Motto "Hoppla, jetzt komme ich" auf sich aufmerksem und reisst das Konzert im Laufe des ersten Satzes derart an sich, dass man von einem für die Geige gewonnen Kampf um die Vorherrschaft sprechen muss. Tatsächlich ist dieser Satz eine Konzert für eine sich aufblasende Violine, mit solistischer Begleitung zweier naiver Lieb-Blockflöten, konterkariert von entweder nur primitiv Grundakkorde auf der 1 dreinschlagenden oder auch Streitfetzen einwerfenden Tutti-Streichern + (fast immer) neutralem Continuo.

Dann kommt ja die berühmte Stelle, bei der die Solovioline ihren grossen Auftritt bekommt. Obwohl sie ja ohnehin eine solche ist, schreibt Bach über den Takten, in der sie nur in einem unterbrochenen Orgelpunkt vom Continuo begleitet wird "solo".
Das heisst für mich, dass Bach sagen will: Spiel es auch solistisch, spiel dich in den Vordergrund.
Alice Harnoncourt macht das hier so. Sie spielt diese Figur rhythmisch frei und der durchgehende Puls wird bewusst unterbrochen.
Dadurch wird der einkomponierte Anspruch der Violone, hier im wahrsten Sinne des Wortes "die erste Geige spielen zu wollen" sehr deutlich.
Sie kann sich alle Zeit dieser Welt lassen, weil sie wichtig ist.
Es ist wie auf einer Vorstandssitzung: Die Kritiker (Tutti-Streicher) verstummen, und die angepassten Nicker- und Ja-Sager (das Continuo) reagieren auf jede weitere rhetorische Wortschwall-Tirade eines sich selbst gerne hörenden Chefs mit einem kurzen und immer gleichen "Ja" (das "g" im Continuobass)

Wenn man diese Dinge hören will, und nicht nur nett, flott, sauber und schön schnell gespielte 16tel- oder 8tel-Noten, dann ist Harnoncourts Interpretation aus den 80er-Jahren immer noch einsame und erste Wahl.
Wer da nur schnell und perfekt durchhetzt, knackige Akzente setzt, die Ausdrucksmöglichkeiten des Vibratos verleugnet und alte Instrumente benutzt, der mag sich ja gerne einbilden, dass das historisch informiert sei.
In Wirklichkeit muss er durch das schnelle Tempo verschleiern, dass ihm die rhetorische Bedeutung der Noten eigentlich nicht klar ist.
Bei dieser Musik geht es um Klangrede, Dialog und grosse Emotionen. Sie ist kein Vorläufer des Bebop-Jazz; und es geht um Kunst, nicht um die Darbietung bespassender Kunststücke.
Genausowenig geht es aber auch um seichte Hintergrundsbeschallung zur Verzuckerung eines Feierabends, die jede Art von Konflikten ausklammert.
Ja es ist durchaus eine Unterhaltungsmusik, aber sie ist trotzdem ganz grosse Kunst, bei der es um mehr geht, als das entspannte Lächeln, dass beim Anhören einer netten Spieluhr aufkommt. Konzert hat ja etwas mit "concertare", mit der Streit- und Dialogkunst zu tun.

In Satz II sehe ich auch einen grossen Vorteil in Harnoncourts Interpretation:

Die Echoflöten sind hier als das eingesetzt, was sie sein sollen: Echoflöten nämlich.
Es geht dabei um keine speziellen Instrumente, sondern es handelt sich um die gleichen Blockflöten, die man in Satz 1 hörte.
Entscheidend ist aber, dass man sie für den 2. Satz entfernt vom Orchester postiert. In einem barocken Schloss könnte es ein Nebenraum, eine entfernte Empore oder dergleichen sein.
So gespielt macht die Komposition für mich als Hörer einen Sinn.
Gut finde ich hier auch, dass paarweise gebundenen Achtel des Themas mit einer leichten Inegalité vom Concentus gespielt werden. Die erste Note wird ganz leicht zu Lasten der zweiten länger gespielt. Es ist noch längst kein triolisierter Swing (ich weiss, dass es je nach Tempo und Stil ganz unterschiedliche Swing-Verhältnisse im Jazz geben kann....wäre hier nicht das Thema), sondern nur ein leichtes "Ungefähr".
Zwar wird die von Bach eingetragene Artikulation gespielt, doch im weichen, sehnsuchtsvollen Affekt dieses Satzes, wodurch sich eine trotz der paarweise Achtelbindungen eine zusammenhängende Linie ergeben sollte. Bei der von mir hier besprochenden Aufnahme ist das so, bei Leonhardts Einspielung (und anderen) z.B. leider nicht. Dort hört man DIha - DIha...etc., wodurch der verträumte Sehnsuchts-Affekt dahin ist.

Beim dritten Satz finde ich den wuchtig betonten Quartsprung im Fugenthema (die Viola beginnt damit) gut. Die zweite Note bekommt einen Akzent, der durch ein Vibrato unterstützt wird. Die darauffolgenden Töne im Anapäst-Rhythmus werden bedeutsam bewegt und mit dem Ziel der ersten Note in Takt 3 gespielt.
Auch der Akzent + kräftiges Vibrato in der zweiten Violine Takt 13 auf der Takt-Drei macht einen Sinn: Hier übernimmt diese 2.Violin-Stimme die ordnende Funktion der Bestimmung des harmonischen Kontext`: Die Oberstimmen einer zugrundeliegenden Sequenz e-moll- a-moll7- D-Dur werden in stilistischer Anlehnung an ältere Musik wie Renaissance und Frühbarock markiert.
Diese Stelle bekommt so gespielt etwas Feierlich-Bedeutsames. Auch diese Feinheiten entgehen dem Concentus hier nicht.

Die Violine will im Laufe dieses Satzes ihren Führungsanspruch weiter unter Beweis stellen, und bekommt wieder ihre kleine eingebaute Solosonate für Violine und B.C. zugedacht.
In Takt 95 geschieht etwas Merkwürdiges und Raffiniertes: Die Tutti-Streicher dürfen ob der dargestellten Kunstfertigkeit der Violine bewundernd und erschüttert mit einem Bogenvibrato über sich wiederholenden Viertelnoten zustimmen. Da für die Ripienisten auf der Takteins jeweils eine Viertelpause steht, bekommt entgegen der barocken Regeln der Betonungshierarchie die erste der unter einem Bogen stehenden Noten des mit einem un-unterbrochenen Streicherstrich auszuführenden Bogenvibratos eine wellenartige Betonung, deren Intensität mit jeder repetierten Note nachlässt:


...Wahwahwa/ ......Wahwahwa/ (die drei Punkte stehen für die Viertelpause auf der Takteins)


So klingt die Stelle tatsächlich nur bei Harnoncourt.

Die Violine redet sich im weiteren Verlauf des Stücks in einen Rausch mit wilden solistischen Eskapaden hinein, der schliesslich in eine Stelle mündet, in der ihr nichts mehr als (genial und schon jazzig komponierte) Akkordbrechungen `rauf und `runter einfallen. Hierzu spielt ausschliesslich das Cello+ Cembalo mit den oben beschriebenen Bogenvibrato-Einwürfen.
Bei Harnoncourt wird auch hier - wie bei der Parallestelle im ersten Satz- das durchlaufende Metrum zugunsten des rhetorischen Ausdrucks unterbrochen.
Man hört, wie die Violine durch die sie einbremsenden Cello-Einwürfe in ihrem vorwärtsdrängenden Redefluss beschwert wird.
Das Cello übernimmt in vorausahnender Vorahnung auf die in einigen hundert Jahren zu erwartende Existenz des Tamino-Klassikforums die Rolle eines Moderators und bittet mit diesen "Bremsern" die Solovioline, doch bitte wieder zum eigentlichen Thema ( das ja dann Tutti in e-moll kommt) zurückzukehren.

All diese Dinge sind von Bach- wie ich finde- sehr genial so einkomponiert. Harnoncourt erkennt sie, und spielt sie mit grossem musikalischem Feuer aus.
Wenn man solche Aspekte -so wie ich- hören will, dann ist seine Aufnahme aus den 80er-Jahren immer noch die unerreichte Referenz.

:hello:

Glockenton

flutedevoix

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32

Freitag, 26. August 2011, 14:18

Lieber Glockenton,

Herzlichen Glückwunsch zu Deiner Analyse der Interpretation, ich habe nichts hinzuzufügen!

Zum zweiten Satz noch ein Wort: das Inegalite, das ja eigentlich eine Sezialität französischer Barockmusik ist, halte ich hier auch deswegen für angebracht, eben weil der Zweite Satz sehr viele Kompositionsmerkmale des französischen Stils zeigt. Wenn die Bögen nicht stehen würden, miste man es noch viel machen. Zumal die französische Musik im Umfeld der Entstehung der brandenburgischen Konzerte sehr beliebt war, man bedenke nur den verbürgten tiefen Stimmton der Instrumente (394 Hz).

Ganz entscheidend für die heraufsteige Qualität dieser Eijspielung ist eben auch die agogische und rhetorische Freiheit und Suggestionskraft der Aufnahme. Auch die Artikulationsvielfalt in der Continuo-Stimme. Da hört man auch bei vielen "Originalklang-Ensembles" nur einfallsloses Geschrubbe, was so eben nicht war, nimmt man die zeitgenössische Traktate ernst!

Wie gesagt, herzlichen Glückwunsch zur Analyse, sie beschriebt in meinen Augen sehr gut, die Eigenheiten der Harnoncourtschen Interpretation!

Viele Grüße
Flutedevoix

P.S. Kennst du die Aufnahme von Siegbert Rampe, sie kommt meines Erachtens als einzige in die Nähe Harnoncourts!

Glockenton

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33

Freitag, 26. August 2011, 14:22

Hallo flutedevoix,

vielen Dank für die netten Worte!

Die Rampe-Interpretation kenne ich leider nicht. Den Namen habe ich zwar schon gehört, jetzt aber bei jpc keine entsprechende Aufnahme gefunden, in die ich hineinhören könnte.

:hello:

Glockenton

Garaguly

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34

Freitag, 26. August 2011, 14:39

Hallo zusammen,

also, ich ziehe hier in Richtung einiger Forenteilnehmer demonstrativ meinen (nichtvorhandenen) Hut. Hier werden Kenntnisse in den Ring geworfen, alle Achtung.

Ich als bekennender Vivaldi-und-Telemann-Liebhaber habe hier eigentlich nix verloren, doch mehrere Aufnahmen der "Brandenburgischen" haben sich auch bei mir angesammelt. Es war interessant Einschätzungen zu der einen oder der anderen hier zu lesen (z.B. Reinhard Goebels Deutungen). Mir selbst gefällt bis jetzt die Einspielung mit dem Orchestra of the Age of Enlightenment von 1987 und 1988 am besten. Die Harnoncourt-Aufnahme aus den 60er Jahren hatte ich einmal, doch sie kam mir immer so 'statuarisch' und auch ein bisschen buchstabiert vor; sie hat mich - ganz profan ausgedrückt - immer gelangweilt. Deshalb habe ich sie vor Jahren verschenkt. Harnoncourts spätere Einspielung habe ich nicht - da sie hier aber positiv bewertet wurde, wird darüber noch nachzudenken sein. Die oben genannte Aufnahme mit dem englischen 'Aufklärungs-Orchester' erschien mir vor dem steifen Harnoncourtschen Hintergrund dann plötzlich so agil, intelligent-diskursiv, farbig und warm, dass sie bis heute meine persönliche "brandenburgische" Referenz geblieben ist.

Ich habe vor Kurzem einmal überlegt, die Aufnahme der "Brandenburgischen" mit dem Chamber Orchestra of Europe unter Abbado (ich glaube späte 80er oder frühe 90er) Second-Hand zu erwerben oder seine aktuelle, die letztes Jahr für die DGG gemacht wurde, zu kaufen. Kann zu einer oder (am besten) zu beiden jemand etwas sagen?

Meine Referenz:



Grüße,

Garaguly

Glockenton

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  • »Glockenton« ist männlich

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35

Freitag, 26. August 2011, 15:24

@flutedevoix:

noch ein Nachtrag:


Wenn diese Sequenz zu einem Teilhöhepunkt in Takt 19 kommt, weicht Harnoncourt, der auf der CD noch selbst das Cello spielt, von der nüchtern und neutral abgesetzten Continuospielweise der Achtel ab und spielt die Sekunden e-d Legato auf zwei Bogenstrichen + dynamischer Betonung+ Vibrato auf dem "d", wodurch besonders dieses " d" wiederum eine grosse Spannung bekommt und diese Figur beim Spielen oder Nachvollziehen eine körperliche Bewegung beim hierfür sensiblen Menschen hervorruft.

Ich habe mir soeben wieder einmal nach Jahren des Pausierens die von mir besprochene Harnoncourt-80er-Aufnahme angehört (ansonsten habe ich die Partitur gelesen und die Interpretation im Kopf durchlaufen lassen).
Dabei ist mir aufgefallen, dass die o.g. Stelle deutlicher bei der Wiederholung, also nach dem B-Teil zu hören ist....Falls es wirklich jemand nachhören will, wollte ich es nur um der sachlichen Richtigkeit willen erwähnt haben.

Ansonsten ist mir aufgefallen, dass man zwar traurig sein kann, dass Bach aufgrund seines Lebensweges nicht auch ( ich sage sehr bewusst "auch" und nicht "stattdessen") einige Opern geschrieben hat.
Nun gibt es ja noch meine Lieblings"oper", nämlich die Kaffeekantate, aber das ist ja nur eine...

Allerdings kann man sich angesichts eines solchen Konzerts, wie des hier besprochenen (wenn es denn so interpretiert wird) damit trösten, dass diese Konzertmusik eigentlich eine verkappte Opernmusik ist, bzw. bei unter einem der opernhaft denkenden Dirigenten wie Harnoncourt dazu wird.

Ich habe eben sogar einen tuschelnden Opernchor entdeckt, nämlich in Takt 245 ( mit Vorbehalt, muss die Takte selbst am Bildschirm zählen, da in meiner pdf-Partitur keine Taktzahlen vorhanden sind).
Bach schreibt hier für die Ripienisten ausdrücklich "pianissimo" vor. Sie tuscheln oder murmeln sich in gegenseitiger Imitation ihre geheimen Kommentare zu dem, was die Solovioline da gerade anstellt, ins Ohr.
Wenn man das so spielt, dann könnte man sich tatsächlich opernhafte Szenen vorstellen.

Auch die Stelle, bei der die Sologeige zweistimmig spielt, scheint mir eine humorvolle Bedeutung zu haben:
Sie sagt zu den Blockflöten: "Ihr mit eurer blöden Terzenseligkeit! Was ihr könnt, das kann ich schon längst, und zwar nicht nur in Terzen, sondern in Sexten, und zwar ganz alleine!" Durch die von Alice Harnoncourt gespielte Agogik und die Tongebung kommt dieser leicht über die Blockflöten triumphierende und arrogante Ausdruck sehr schön heraus, finde ich.

Solche Dinge machen Bachs Musik eben so menschlich und auch wunderbar vergnüglich!

@Garaguly
Goebels Fassung ist schnell, lebendig und brilliant. Manche Dinge, die ich weiter oben ansprach, macht er auch, über Vieles spielt er jedoch auch frisch und durchaus auch schwungvoll hinweg. Wenn ich die 2te Harnoncourt-Fassung mag, kann ich damit nicht wirklich glücklich sein.
Die technische Kunstfertigkeit, solche Tempi spielen zu können, finde ich allerdings bewundernswert....
Jedoch meine ich nicht, dass die von mir beschriebenen theaterhaften Dramen sich in einem solchen Tempo entfalten können. Für meinen Geschmack ist das dann schon verhetzt.
Auf sein 3. und das 6. Konzert trifft diese Beschreibung mehr als 100%ig zu, womit ich mir auch mit allen Musikern und Dirigenten, die ich kenne, völlig einig bin. Aber....wer das mag, soll es doch gerne hören.
Für mich ist das dann eine Karikatur, so als wenn man einen gesprochenen Text mit Micky-Maus-Stimme schneller ablaufen lässt. Dass sie das technisch bewältigen konnte, ist wie gesagt bewundernswert.

In Sachen Abbado griffe ich eindeutig zur zweiten Fassung, die ich von youtube her kenne.
Auch hier finde ich Einiges zu leicht und schnell, allerdings nicht mit so einem drängerischen Drive wie bei Goebel, den ich oft auch, gerade für frühbarocke Musik aus Deutschland sehr schätze. Abbado hat sich ja für diese Konzerte aufführungspraktische HIP-Unterstützung vom ersten Geiger geholt.

An Deiner Stelle würde ich aber wirklich Harnoncourt II eine Chance geben. Sie unterscheidet sich dramatisch von Harnoncourt I, deren Präsenz im Markt ich nur aufgrund ihrer interpretationshistorischen Funktion erkennen kann. Die eigentlich "revolutionäre" Aufnahme ist aber die zweite, die komischerweise weniger Beachtung findet.

:hello:

Glockenton

flutedevoix

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36

Freitag, 26. August 2011, 15:57

@Glockenton:

Aber Bach hat doch mindestens eine tendenziell zwei Opern geschrieben: Was Drammatik und Emotionen hat doch die Johannes-Passion alles, was man auch in Opern des Barock findet! Zwar anderes Sujet als Händel (stellvertretend!) und andere Form, aber das dürfte der Thematik dieser Jesus-Oper geschuldet sein! ;)
Auch die Matthäus-Passion gibt eine schlechte Oper Abe, wenn auch weniger actionlastig und kontemplativer!

Aber sicher hast doch recht, Harnoncourt nähert sichübrigens aller Musik musikdramatisch und damit hat er recht. So haben die meistenKomponisten bis Ende des 19. Jahrhunderts, z.T. Auch im 20. Jh. Ihre Musik verstanden. Nicht umsonst spricht man ja vom rhetorischen Gehalt der barocken Musik, der Klangrede! Eben aus diesem Grund schätze ich Harnoncourt auch sehr, zumal er immer weiß, was er macht und das auch erklärt! Was für ein Unterschied zu manchem Stardirigent! Er ist nicht immer großartig, aber wer ist das schon?

Und noch ein Wort zu Goebel: das 3. & 6. Brandenburgische sind unter aller Sau. D ist weder als Prestissimo betitelt, noch geben es die Stücke her! Ansonsten höre ich viele Belanglosigkeiten, eben auch weil die Tempi hart an der Grenze des Machbaren sind (zur Entstehungszeit waren sie wohl hörbar drüber!), im Vergleich zu Harnoncourt geradezu eine Unbekümmertheit und Hemdsärmeligkeit, die durch nichts in der Partitur zur rechtfertigen ist! Immerhin haben wir es mit den Konzerten mit einem Musterkatalog des Gruppenkonzertes zu tun, das heißt jedes Werk ist individuell zu betrachten.
Gesteigert wird die Goebelsche Belanglosigkeit eigentlich nur noch doch Il Giardino Armonico, die auch drüberbügeln, dabei aber durch Akzentuierungen noch originell sein wollen, eben kräftig gegen den Strich bürsten. Leider aber auch gegen Bachs Strich in der Prtitur und das ist unverzeihlich!
Entschuldigt bitte, diese zwei Aufnahmen sind für mich ein rotes Tuch, ich fürchte ich kann da nicht mehr objektiv urteilen. Deswegen beende ich jetzt auch diesen Exkurs

@Glockenton: die Rampe-Aufnahme gibt es nicht mehr (ehemals Veritas), allenfalls noch antiquarisch. Solltest Du aber interessiert sein: bigaglia@web.de

Viele Grüße
Fluteevoix

wok

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Registrierungsdatum: 18. Juli 2011

37

Sonntag, 28. August 2011, 15:43

Johann Sebastion Bach: Brandenburgisches Konzert Nr. 4 BWV 1049

Hallo Thomas,

Du erwähnst in Deinem Beitrag vom 26.August 2011 zurecht die "intime Zartheit der früheren Aufnahme dieses Werkes durch KARL MÜNCHINGER mit seinem STUTTGARTER KAMMERORCHESTER in der f r ü h e r e n Aufnahme", und daß "das Orchester durch die zarten aber deutlichen Violinstimmen besticht", und so "ein sein sehr spezifischer Klang entsteht." Sicher war das auch ein großes Verdienst seines so hervorragenden damaligen, leider viel zu früh verstorbenen Konzertmeisters REINHOLD BARCHET, der 1952 das Orchester verließ, um sein eigenes, international hoch geachtetes BARCHET-QUARTETT zu gründen, was sich ganz bestimmt nachteilig auf die weitere Entwicklung des Orchesters auswirkte. REINHOLD BARCHET war übrigens auch ein vorzüglicher Solist. Sein wunderbar beseeltes Spiel ist in einer LP Aufnahme mit dem PRO-MUSICA-ORCHESTER STUTTGART unter dem vorzüglichen Dirigat von ROLF REINHARDT mit den MOZART-Violinkonzerten KV 216 und 219 dokumentiert und zu bewundern.

Auch Deiner Feststellung, daß AUGUST WENZINGER das 4. BRANDENBURGISCHE KONZERT "ähnlich schön spielt" wie KARL MÜNCHINGER kann ich nur beipflichten, wobei ich der vielleicht noch was intimerl spielenden SCHOLA CONTORUM BASILIENSIS sogar noch den Vorzug geben würde.

Mit KARL MÜNCHINGER und seinem STUTTGARTER KAMMERORCHESTER gibt es übrigens noch zwei Einspielungen, die ich mit keiner anderen tauschen würde, nämlich das DIVERTIMENTO KV 136 von MOZART, und das CONCERTO GROSSO g-moll, op 6 Nr. 8 von CORELLI, beides leider auch in mono.

Viele Grüße

wok

zweiterbass

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38

Donnerstag, 15. September 2011, 00:57

Gesteigert wird die Goebelsche Belanglosigkeit eigentlich nur noch doch Il Giardino Armonico, die auch drüberbügeln, dabei aber durch Akzentuierungen noch originell sein wollen, eben kräftig gegen den Strich bürsten. Leider aber auch gegen Bachs Strich in der Prtitur und das ist unverzeihlich!


Lieber flutedevoix,

beziehst Du diese Meinung auch auf Nr. 1 ,2 und 6? In Deinem 1. diesbezüglichen Beitrag sprichst Du im 4. vom "Brose Violinsolo"? Kann es sein, dass Du die falsche CD aus Deinem Archiv gekramt hast?

Viele Grüße
zweiterbass
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

flutedevoix

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Registrierungsdatum: 23. August 2010

39

Dienstag, 20. September 2011, 23:57

Lieber Zweiter Bass,

Da hat die "Rechtschreibekorrektur" meines mobilen Endgerâtes einiges an verwirrenden Wortneubildungen gesschaffen.

Das Wichtigste: ich habe mich nicht in der CD vertan! Auch wenn das 4. Brandenburgische Konzert im Concertino ausdrücklich Violine und zwei Blockflòten, besser Fiauti d'Echo, ausweißt, gibt es dennoch ein großes Violinsolo gegen Ende des ersten Satzes.
Auch hier, wie eigentlich im ganzen 4. konert, fällt auf, daß Il Giardino Armonico den Begriff der Klangrede sträflich vernachlässigt. Es wird virtuos und großflächig Musiziert, nur bleibt dabei der Sinngehalt der rhetorischen Figuren, die Affektgestaltung, die ja nach Meinung der barocken Komponisten und Musiktheoretiker das Essentielle an der Musik ihrer Zeit ist, bleibt völlig auf der Strecke. Man vermisst einfach eine Artiulationsvielfalt, die sich auch bei flüchtigem Studium der Partituren geradezu aufdrängt, dazu agogische Freiheiten, wie sie für solistische Abschnitte selbstverständlich waren, man Vergleiche hier nur das Brose Lehrwerk von Quantz! Dagegen bemühen sich die Musiker von Il Giardino Armonico in der Tat eine neue Sicht auf die Partitru zu finden, kräftig gegen den Strich zu bügeln. Bleibt nur die Frage, wem das nützt, wenn es auch gegen die Partitur gebügelt ist.

All dies gilt tendenziell auch für das 1., 2. und 6. Konzert. Gerade im 6. bleibt nichts vom intimen Charakter der reduzierten und in der Lage Richtung Baßbereich verschobenen Besetzung übrig, auch hier herrscht eine Al freeclimbing vor, das dem Stück nicht gerecht wird. Am besten erscheint mir hier noch das 1. Konzert gelungen!

zweiterbass

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  • »zweiterbass« ist männlich

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Registrierungsdatum: 2. Juni 2010

40

Samstag, 24. September 2011, 00:04

Bach, Brandenburgische 1 - 6

Lieber flutedevoix,

selbst auf die Gefahr, "bei Dir unten durch zu fallen": Ich habe mir die "Il Giardino Armonico"-Aufnahme gekauft.
Weil ich Deine Beträge genau gelesen habe, möchte ich meine Entscheidung begründen:
Meine Auswahlkriterien wechseln, werkabhängig: Tempo, Besetzung, Interpretation, Tontechnik.
Ich bin kein Fan von "HIP oder HAP", aber die Bläserbesetzung in Nr. 1 ist einmalig; überwiegend Nachbauten von Originalinstrumenten aus Nürnberger Werkstätten den 18. Jahrhunderts - der Klang entsprechend - "Festival Strings Luzern" - nicht auszuhalten. Auch das Tempo passt für mich: Ich kann Nr. 3 vergleichen mit Festival..., furchtbar, Schola Cantorum Basiliensis gut und ist nur wenig langsamer als Il Giardino...
Nr. 6 - auf dem Booklet steht "Laute und Cembalo" - Laute, vielleicht handelt es sich doch um eine Barocklaute, deren Klang ich nicht so gut kenne - aber auch hier gibt die zusätzliche Verwendung einer Laute einen ganz neuen Klang.

Auf der von Dir empfohlenen Aufnahme mit Harnoncourt 1980/84 gibt es bei JPC kaum Hörschnipsel. Mein mir selbst gesetztes Limit für CD-Käufe ist überschritten - ich werde mir den späten Harnoncourt noch kaufen, mal hören, wie dort Nr. 1 + 6 klingt und ich dann auch mit Nr. 4 vergleichen kann.

Viele Grüße
zweiterbass
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

Schneewittchen

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Beiträge: 2 401

Registrierungsdatum: 5. Oktober 2010

41

Samstag, 27. Juli 2013, 17:20

Wendy Carlos und Moog Synthesizer, „Switched-On Brandenburgs“, etwa um 1969 entstanden, vergriffen. Die stringente Fortsetzung und Verstärkung des Richterschen Ansatzes. Tschiep. Pling. Plopp. Boing. Wenn Richter die Vorhölle ist, dann sind wir hier im Inferno. Gleichgeschaltete elektronische Klangerzeuger exekutieren die Partitur im Stechschritt. Besonders scheußlich: Die ringmodulierten glockenartigen Klänge zu Beginn des zweiten Satzes. Dies ist die Negation von Musik.

,
Ohne Zweifel klingt ein Moog-Synthesizer nicht wie ein Orchester, so daß ich auch keinen Vergleich der Einspielungen beabsichtige.
Wendy (vormals Walter) Carlos Einspielung von Bachs 4. Brandenburgisches Konzert vermochte 1969 Millionen Musikhörer zu begeistern, zumal ihre ein Jahr zuvor erschienene LP "Switched on Bach" (=Deutscher Schallplattenpreis 1969) damals die meistverkaufte Klassik-LP aller Zeiten war.
Ich möchte hier Glenn Gould, der sich ausgiebig mit dem Werk Bachs beschäftigt hatte, zitieren (das Zitat findet man auf dem LP Cover der Carlos CBS-LP von 1969):
"Carlos Realisation des 4.Brandenburgischen Konzertes ist für mich - um es geradeheraus zu sagen - die beste Wiedergabe irgendeines Brandenburgischen Konzertes die ich je gehört habe, sei es im Konzert, auf Platte oder sonstwo."
mfG
Michael

Alfred_Schmidt

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Registrierungsdatum: 9. August 2004

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Samstag, 27. Juli 2013, 23:05

Ohne, daß ich dem jetzt beipflichte - ich bin kein Freund von elektronischen Klängen - erinnere ich mich an eine jahrzehntealte Rezension, wo die Modernität Bachs bejubelt wurde - die Wiedergabe über Moog-Synthesizer sei ein schlagender Beweis für die Zeitlosigkeit seiner Musik, die keinerlei Schaden durch diese Art der Wiedergabe nähme.
Zu Karl Richter: Egal ob man ihn oder heutige Interpretationen vorzieht - Zu Lebzeiten war er in den Augen des Klassikpublikums schlechthin die Verkörperung Bachs auf Erden. Dafür wird er heute "geprügelt", denn unsere Zeit mag keine herausragenden Persönlichkeiten, nur der mittelmässige angepasste Teamplayer zählt.
Mich würde brennend interessieren wie man heute Tonaufnahmen von Bach himself - gäbe es sie - rezensieren würde - vermutlich vernichtend. Jede Zeit hat ihre eigene Wahrheit......

mfg aus Wien
Alfred

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