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Alfred_Schmidt

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1

Donnerstag, 14. Juli 2011, 21:15

Mein liebster Barockkomponist

Back to the Roots ...

Eine Menge Threads zum Thema Barockmusik wurde in der Vergangenheit verfasst, aber viele kamen über ihre Anfänge nicht hinaus, andere ware hochqualifiziert, sodaß nur Spezialisten daran teilnehmen konnten. Und nun ist es im Barockforum mangels Interesse ein wenig ruhig geworden. So müssen wir nun abklären, ob sich ein Weiterführen dieses Themenbereichs überhaupt lohnt oder ob wir uns auf andere Kernbereiche, die ja blühen und gedeihen zurückziehen wollen.

Zu diesem Behufe werde ich demnächst einige "leichtere" Barockthreads starten an denen sich jeder beteiligen kann - so überhaupt Interesse daran besteht.

So zu sehen ist auch dieser leichte Sommerthread mit Thema Barockmusik. Wir wollen klären ob die derzeit im Forum befindlichen Forianer überhaupt Interesse an dieser Epoche haben. So wie sich mir die Sache darstellt ist das derzeit nicht der Fall - aber oft bedarf es nur eines winzigen Anstoßeß un eine Sache ins Rollen zu Bringen...

Die Mitspieler an diesem Thread werden daher aufgerufen, maximal DREI Lieblingskomponisten des Barock zu nominieren, nebst Begründung warum das so ist - und zusätzlich ein bis drei Lieblingswerke zu nennen....

Viel Spaß

wünscht

Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Garaguly

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2

Donnerstag, 14. Juli 2011, 22:26

Es wurde die Frage aufgeworfen, ob hier in diesem Forum überhaupt genügend Interesse an barocker Musik besteht - also, von meiner Seite aus besteht dieses Interesse grundsätzlich sehr. Auch wenn ich zur Zeit eher in anderen Epochen unterwegs bin. Aber es hat früher - in den Neunzigern - sogar einige Jahre gegeben, in denen ich nahezu nichts gehört habe, was nach 1750 komponiert worden war - na gut, vielleicht ging's auch ein bisschen weiter. Aber Beethoven war mir damals schon zu "modern". Dieser barocke Eigensinn ebbte dann wieder ab, aber die barocke Musik behält bis heute einen wichtigen Platz in meinen Sammel- und Hörgewohnheiten. Es erschöpft sich bei Weitem nicht im gelegentlichen Hören der "Wassermusik" oder der "Vier Jahreszeiten". Wobei die aber auch das Stichwort sind für die gewünschten Lieblingskomponisten:

1. Antonio Vivaldi nimmt klar den Spitzenplatz ein. Er war in nahezu allen Gattungen der Musik seiner Zeit "unterwegs" und hat in jeder dieser Gattungen wunderbare Musik hinterlassen. Mein absolutes Lieblingswerk von ihm ist das "Heilige militärische Oratorium Juditha triumphans", das ich mir auch gleich aufgelegt habe. An anderer Stelle in diesem Forum habe ich bereits dieses böse und berühmte Zitat Strawinskys gelesen, nach dem Vivaldi dasselbe Konzert sechshundert Mal geschrieben habe - also ein ziemlicher Einfaltspinsel gewesen sei. Zur Strafe dafür dürfte Strwinskys "Feuervogel" nur noch auf barocken Instrumenten mit Cembalobegleitung aufgeführt werden. Also nochmal zu den Lieblingswerken: 1. Juditha triumphans RV 644 2. Motette "In furore iustissimae irae" RV 626 und 3. ein kleines Werk, das mich aber immer wieder zutiefst berührt "In exitu Israel" RV 604.



Vivaldis Kirchenmusik steht für mich innerhalb seines Gesamtschaffens an erster Stelle. Sie ist farbenprächtig, bewegt, leidenschaftlich und vermittelt (wie sollte sie auch anders) ein Gefühl barocker Katholizität, einer Glaubensauslebung, die nicht allzu vergrübelt und leidend erscheint. Dieser Art der Kirchenmusik hat man gerade im protestantischen Norden immer wieder die Ernsthaftigkeit des Glaubens abgesprochen, weswegen sie es bis heute in manchen Kreisen schwer hat.Vivaldis Opern entdecke ich seit einigen Jahren Stück für Stück über die extrem gelungene Vivaldi-Edition des Labels "Naive". Auch bei cpo sind einige schöne Aufnahmen entstanden. Da tun sich immer wieder wahre Schatzkammern auf.

2. Als zweiten barocken Lieblingskomponisten möchte ich Georg Philipp Telemann nennen. Der "Vielschreiber", der ganz einfach viel großartige Musik geschrieben hat. Ich entdecke seit vielen Jahren beständig neue schöne Sachen von ihm. Besonders beim Label cpo tut sich da ja einiges. Lieblingswerke als solche haben sich aber noch nicht herausgebildet. Ich greife aber regelmäßig zu einer der mittlerweile sehr zahlreichen CD's mit seiner Musik. Vielleicht möchte ich doch eine CD empfehlen:



Nur ein Beispiel, das aber stellvertretend für vieles steht, was der Telemann so hergibt.

3. Der Dritte im Bunde ist dann für mich Georg Friedrich Händel. Und bei ihm sind es die englischsprachigen Oratorien, die mir am besten gefallen. Z.B.:


Grüße,

Garaguly

Wolfram

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Beiträge: 4 158

Registrierungsdatum: 5. August 2006

3

Donnerstag, 14. Juli 2011, 22:51

Ich ziehe mal die Brille des Organisten an.

Natürlich kommt man an Johann Sebastian Bach nicht vorbei. Alles andere wäre gelogen. An Lieblingswerken würde ich Toccata und Fuge F-Fur (BWV 540), die Passacaglia (mit Fuge, BWV 582) oder das "große" Präludium und Fuge e-moll (BWV 548') nennen. Natürlich auch die Triosonaten oder die fantastischen Choraltrios.

Die Sache mit Bach hat nur einen Haken: Hat man die ersten zehn bis zwanzig Takte eines Stücks gehört, so weiß man schon fast, wie die Sache ausgeht. Da ist etwas Berechenbares drin.

Diese Gefahr besteht bei Dieterich Buxtehude nicht. Er schreibt im sogenannten "stylus phantasticus", der sich so anhört, wie der Name suggeriert. Am besten gefallen mir die großen formal vielfältigen Präludien und Toccaten, die gerne in der Abfolge Toccatenbeginn - 1. Fuge im C-Takt - Zwischensatz (Rezitativ oder Toccata) - 2. Fuge im 3-Takt - Toccatenfinale erscheinen - mit allen möglichen Variationen, Dreiteiligkeit unter Wegfall einer Fuge, Siebenteiligkeit mit drei Fugen, Ciacona statt der zweiten Fuge, ... Lieblingswerke: das große Präludium d-moll (BuxWV 140) und das Präludium fis-moll (BuxWV 147) - die erste Komposition in dieser exotischen Tonart.

Sehr abstrakt erscheint mir die Orgelkunst des Samuel Scheidt - und dennoch scheint darunter eine Glut verborgen, die uns fremd geworden ist. Harmonisch kühn - mir fiele nur Gesualdo als Vergleich ein - etwa die "Fantasia super <Io son ferito lasso>", weit ausschweifend die "Cantio sacra <Vater unser im Himmelreich>" und der "Psalmus sub communione <Jesus Christus, unser Heiland>". Zum Reinwühlen und Lieben lernen - keine Liebe auf den ersten Lausch.

Zum Spottpreis - ich habe die GA mit Koopman, aber hier sind wirklich Highlights zu hören:



Wohl die non-HIP-Referenz für Buxtehude - die bekannte GA mit Harald Vogel klingt interessant, aber recht akademisch:



und schließlich Scheidt:

Viele Grüße, Wolfram

Schneewittchen

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4

Samstag, 16. Juli 2011, 19:15

Back to the Roots ...
In meiner Jugend,mit 14 oder 15 Jahren,als ich begann,mich für klassische Musik zu interessieren,hörte ich fast nur Barockmusik.Vom Radio auf Tonband aufgenommen,erklang Barockmusik aller Meister und Kleinmeister aller Länder so oft wie möglich.
Allerdings immer als Hintergrundmusik zur Unterhaltung,ohne mich weiter mit den Komponisten oder deren Werken zu beschäftigen.
Nachdem ein gewisser Sättigungseffekt eingetreten war,rückte die Barockmusik bei mir in den Hintergrund,tauchte zwischendurch häufig wieder auf und steht seit einigen Jahren wieder im Mittelpunkt meines Interesses.
Jetzt,mit 62 Jahren,wo ich die Werke von Bach,Händel,Telemann,Vivaldi einigermaßen kenne,höre ich auch Komponisten des Barock,deren Bekanntheitsgrad nicht so hoch ist.
Fasch,Graun,Graupner,Albinoni,Manfredini,Zelenka usw.

Meine 3 Lieblingskomponisten des Barock sind J.S. Bach,Händel und Vivaldi.
Bach steht für mich natürlich an erster Stelle.
Waren es in meiner Jugend die Brandenburgischen Konzerte,so begeistern mich heute seine Kantaten und anderen geistlichen Werke.

Barockmusik erzeugt in mir Resonanz wie keine andere,sodaß ich glaube,sie aus meinem vorigem Leben wiederzuhören.

,

J.S.Bach - 6 Konzerte mit verschiedenen Instrumenten (Brandenburgische Konzerte)
Magnificat

,

G.F.Händel - Der Messias
12 Concerti Grossi op.6

,

A.Vivaldi - Die Vier Jahreszeiten
Gloria
mfG
Michael

Glockenton

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Beiträge: 1 946

Registrierungsdatum: 27. Juli 2006

5

Sonntag, 17. Juli 2011, 10:55

Natürlich ist meine barocke Nr. 1 ( und auch sonst) ganz klar J.S.Bach.

Eine vergleichbar geniale Qualitätsmusik wie es die meisten Werke von ihm sind, gibt es einfach nicht.
Die intellektuelle wie die emotionale Gehirnhälfte wird bei mir von seiner Musik in einer idealen und intensiven Kombination angesprochen.

Hier ein Beispiel zu bringen, fällt schwer. Doch selbst im Bachschen Universum steht die Matthäus-Passion für mich einzigartig dar, wenn es um den Grad eines tiefen, emotionalen Ausdrucks geht. Hier-trotz vieler mir bekannter interessanter Alternativen- meine Lieblingsaufnahme :



Meine Nr. 2 ist Heinrich Schütz.
Ich habe jetzt nicht die Zeit, es ausführlich zu begründen, warum das so ist.
Vielleicht sollte ich das Stichworte Satzkunst und affekthaft-figurative Wort-Ton-Verbindung nennen.
In der Rangliste meiner Lieblingskomponisten (unabhängig von Epoche) hat er Platz 3 nach Johannes Brahms erreicht....das heisst schon etwas.

Hier ein Beispiel für sein spätes, grosses Meisterwerk (<--klick) :




Leider ist gerade diese noch relativ junge Aufnahme des Schwanengesangs unter Herreweghes Leitung weder bei jpc noch bei amazon verfügbar (nur als mp3-download :( ) - eigentlich ein Skandal. (Der ASIN-Link für Amazon funktionierte nicht, deshalb habe ich einen Link auf die URL gesetzt und das Bild manuell eingefügt)

Nr. 3 ist natürlich G.F. Händel.

Bei ihm gibt es wunderbare und eingängige Melodien...gar nicht so leicht zu beschreiben, warum eine Barockmusik nach Händel klingt.
Seine Melange aus deutschen, italiänischen und französischen Einflüssen ist eben sehr typisch und gefällt mir sehr gut.

Auch hier ist es schwer, etwas auszuwählen.
Wenn es nur ein Werk sein darf, dann muss wohl der Messias genannt werden:



Aus sehr vielen Gründen finde ich hier Harnoncourts erste Aufnahme am schönsten und ich kann sie dringend empfehlen, vor allem für Musiker, die sich mit der natürlich fliessenden Gestik der Klangrede vertraut machen wollen.
Seine Zweite hat zwar hier und da neue Ideen, die ich aber oft -bis auf einige Ausnahmen- eher als Verschlimmbesserung gegenüber der ersten Interpretation empfand. Auch von den Solisten her bin ich von diesem Live-Mitschnitt recht enttäuscht. Wenn also Messiah / Harnoncourt, dann die die erste Aufnahme wählen.

:hello:

Glockenton

MSchenk

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Registrierungsdatum: 5. März 2011

6

Sonntag, 17. Juli 2011, 21:26

Bach, Bach und Bach ...

... womit ich mich den Ausführungen von Glockenton vorbehaltlos anschließen kann!

Wenn ich die Musik des Barock mit wenigen Worten charakterisieren müsste, fielen mir stets und aufs neue die Adjektive "vorwärtstreibend", "fließend", "pausenlos" und "absolut" ein - insbesondere ist das keine Musik zum autofahren; ich würde permanent schneller werden 8o

Natürlich gibt es unter den Komponisten dieser Epoche eine Vielzahl schätzenswerter bekannter und wahrscheinlich ein noch größerer Anzahl eher viel zu unbekannter Komponisten. Zu nennen wären Buxtehude, Hasse, natürlich der große Händel, Telemann, aber auch - wenn man ihn so gerade noch hinzuzählen mag - Gluck. Der für mich größte unter ihnen ist und bleibt J.S.Bach, dessen Werk mich mit seiner an das mathematische grenzenden Präzision immer wieder begeistert.

Sollte ich nun ein bestimmtes Werk nennen, so bin auch ich sofort bei der Matthäus-Passion, welche ich mir tatsächlich nur um die Osterzeit herum anhöre. Das Stück vereint die eben von mir angeführte mathematische, also rationale Präzision mit einer tief erschütternden emotionalen Tiefe. Ich verzichte hier bewusst auf die Nennung einer "Lieblingsaufnahme", da die Geschmäcker verschieden sind und jeder sich diejenige heraussuchen mag, die seiner persönlichen Deutung am besten entspricht. Die Matthäus-Passion an sich jedoch ist für mich eine der tragenden Säulen der europäischen bzw. abendländischen Musik, deren Bogen sich gefühlt bis zum Tristan spannt, von welchem aus dann der musikalische Weg in die heutige Moderne beginnt.
mfG Michael

Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

musikwanderer

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Beiträge: 4 015

Registrierungsdatum: 20. Januar 2010

7

Montag, 18. Juli 2011, 16:57

Meine drei (wenn's denn nach Alfreds Willen so sein soll!) liebsten Barockkomponisten sind Dietrich Buxtehude, Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach. Die Reihenfolge ist hier nach den Geburtsdaten gewählt und soll keine Rangfolge darstellen. Erst sollte hier nämlich Heinrich Schütz genannt werden, dann habe ich aber den „Sagittarius“ doch der Renaissance zugeordnet. Also kam ich auf Buxtehude. Und das hat durchaus persönliche Gründe:

Er war nämlich der erste jener Barockkomponisten, den ich durch Mitsingen in einer neu gegründeten Kantorei kennengelernt habe. Und es war seinerzeit ein wohldurchdachter Plan, vor der Beschäftigung mit Bach-Kompositionen doch lieber mit leichterer Musik zu beginnen. Also war es Buxtehude, der in meinem Fall den Einstieg in die evangelische Kirchenmusik begründete. Einige der Chortenor-Partien kann ich heute noch mitsin...brummen:

„Alles, was ihr tut, mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen Jesu“ - eine ganz wunderbare Kantate auf einen Spruch aus dem Kolosser-Brief. Oder auch die grandiose Passionskantate „Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen“!

Buxtehudes Musiksprache ist einfach, ja, aber immer wirkungsvoll und textausdeutend gestaltet.

Sicherlich gehört Bach zu den größten Komponisten, die je gelebt haben. An ihm kommt man in der Tat nicht vorbei - wie einige der Vorschreiber hier bereits bekräftigt haben. Seine Musik war aber nicht immer auf meiner Musikangenda, im Gegenteil, ich habe sie mir in langen Jahren des eigenen Singens und Musizierens erarbeiten müssen.

Zunächst war da nämlich ein Widerwille gegen Bachs Kompositionsart, die menschliche Stimme so zu führen, als sei sie ein von Menschenhand erbautes Instrument. Die in den einzelnen Stimm-Proben erarbeiteten Werke wurden erst dann zum Wunder, wenn sie im Gesamtchor erklangen und ihre volle Wirkung entfalteten - dann erlebte ich jenes Gefühl, das man so gemeinhin mit Gänsehaut bezeichnet. Längst nicht mehr aktiv singend, geht es mir aber heute noch so - wenn auch nur beim „aktiven Zuhören“. Ich kann hier kein Werk hervorheben, denn alles, was Bach komponiert hat, geht mir unter die Haut. Alles? Nein, das wäre etwas übertrieben. Beispielsweise kann ich mich mit den Werken für Solovioline überhaupt nicht anfreunden - eine rein persönliche negative Hörempfindung.

Ganz andere Eindrücke und Empfindungen vermittelte mir schon immer die Musik von Händel. Es mag ja wirklich am Lebensweg des „Sassone“ gelegen haben, daß seine Kompositionen den „Zug ins Weltmännische“ (Kretzschmar) aufweisen. Allerdings mußte ich auch feststellen, daß beispielsweise Händels italienische geistliche Werke durchaus noch in dem fugierten Stil komponiert sind, wie er es ganz sicher bei Friedrich Wilhelm Zachow gelernt hatte. Entsprechende streng kontrapunktische Stellen sind in „Dixit Dominus“ oder „Laudate pueri“ leicht zu finden. Auch hier mag ich keine Komposition hervorheben, sie gefallen mir alle.

Man vergleiche in diesem Zusammenhang die Bildnisse Bachs und Händels; da ist einmal das streng wirkende Haussmann-Bild Bachs mit dem berühmten „Canon triplex a 6 voci“ und zum anderen jenes Gemälde von Händel von Thomas Hudson. Hier der Leipziger Thomaskantor, der kaum aus seiner Heimat herauskam, dort der welterfahrene Händel. Muß da die Musik nicht genauso unterschiedlich sein...?



.

MUSIKWANDERER

Glockenton

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Registrierungsdatum: 27. Juli 2006

8

Montag, 18. Juli 2011, 22:25

„Alles, was ihr tut, mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen Jesu“ - eine ganz wunderbare Kantate auf einen Spruch aus dem Kolosser-Brief.
Ja genau, :) ....die kenne ich auch, eine ganz wunderbare Kantate Buxtehudes, gerade der Eingangschor ^^

:hello:

Glockenton

m-mueller

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Beiträge: 3 233

Registrierungsdatum: 9. Januar 2007

9

Dienstag, 19. Juli 2011, 01:51

was für eine Frage......

obwohl: Händel ist nah dran !

Allerdings würde ich im Vergleich zu Glockenton unterschiedliche Gewichtungen setzen: Bachs Klavierwerk ist für mich sein wichtigster Beitrag zur Gesamtmusik (würde schon allein reichen, ihn zum Nr. 1 - Komponisten zu küren), gefolgt vom Werk für Orgel (hätte er nur Orgelmusik geschrieben, wäre Händel vorn), gefolgt vom Vokalwerk (h-moll, diverse Kantaten), gefolgt vom Werk für Laute (Gitarre), gefolgt vom Werk für Orchester (gäbe es nur den orchestralen Bach, wären Mozart und Beethoven wichtiger).

Buxtehude findet so gut wie nicht statt, dito Telemann, Vivaldi oder Schütz...

nach Bach und Händel ist Albinoni meine klare Nummer 3 !!

Alfred_Schmidt

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10

Dienstag, 19. Juli 2011, 15:27

Ich werde- wie so oft meine Antwort in 3 Teile aufteilen.

Mein absoluter Lieblingskomponist dieser Epoche ist Antonio Vivaldi, der eigentlich schon dem Spätbarock zuzurechnen ist - und ich vermeine gelegentlich auch schon Vorklassik hindurchzuhören - vermutlich ist es mit ein Grund warum ich ihn so mag.

Erstmals kam ich mit Vivaldi mitte der sechziger Jahre des 20. Jahrhunders in Berührunge - ich war noch nicht mal ein Teenager.
Und natürlich waren es die "Vier Jahreszeiten" die da immer wieder päsentiert wurden. Ich erinnere mich flüchtig an den Text auf der Rückseite der Plattenhülle, oder besser gesagt an ein Statement daraus:

Zitat

"Vivaldi hat an die 400 Konzerte geschrieben - Das meiste ist noch ungesichtet und wird erst in den nächten jahren wissenschaftlich erforscht und gesichtet werden..."


Glücklicherweise sind es weit mehr als 400 Konzerte geworden, die Vivaldi uns hinterlassen hat, dazu kommen einige Opern und - ich habe noch nichts davon in meiner Sammlung -geistliche Musik (Das wird nachgeholt, so mir noch genug Zeit dazu bleibt)

Noch vor einigen Jahren - hat sich jemand über meine Vorliebe über Vivaldi lustig gemacht - er meinte, Vivaldi wäre Musik für Kinder. Egal - wie dem auch sei - ich mag Vivaldi. Natürlich schätze ich vor allem den "Ohrwurmcharakter" einiger Stücke - aber manche Interpreten bringen auch die versteckte Melancholie von Vivaldis Konzerten ans Tageslicht. Hier möchte ich vor allem Giulio Carmignola nennen, der im Gegensatz zu den von mir ebenfalls gelieben Aufnahmen von "Il giardino armonico" auch die zarte und ein wenig traurige Seite Vivaldis zeigt - und trotzdem spannende Aufnahmen abliefert. Das Verdienst liegt natürlich auch bei Andrea Marcon und seinem Venice Baroque Orchestra




Einge der Aufnahmen von Vivaldis späten Violinkonzerten sind Ersteinspielungen.
Sony hat hier ein ehrgeiziges Projekt gestartet aber nicht vollendet.
Deutsche Grammophon hat es dankenswerterweise fortgeführt...

Vivldi hat nicht nur für die Violine Solokonzerte geschrieben, sondern für zahlreiche Soloinstrumente.
Hier oute ich mich als dezidierter Liebhaber seiner Mandolinkonzerte.

An dieser Stelle möchte ich auch festhalten, daß Vivladi einer jener Komponisten ist, dessen Werke durch die Befassung mit historischer Aufführungspraxis ungemein gewonnen haben. Sie erreichen eine Frische und Attacke die in meiner Jugend schlicht undenkbar war. "Brave" oder "akademische" Wiedergaben sind der Tod von Vivaldis Werken - oder - noch besser ausgedrückt - das Siechtum....

mit freundlichen Grüßen aus Wien

Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

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Registrierungsdatum: 16. Januar 2006

11

Montag, 25. Juli 2011, 11:23

Ich weiß nicht, ob ich wirklich einen Lieblingskomponisten im Barock habe.
Manchmal höre ich sehr viel von dem einen oder anderen, und dann höre ich nichts anderes lieber.
Oft höre ich gezielt Sachen, die mir bislang nicht so nahe waren und werde belohnt, wundere mich, warum ich das früher weniger mochte.
Und dann höre ich viel von den ganz Großen, weil sie wichtiger sind, und dann kommt natürlich wohl auch
J.S. Bach heraus als Quotenkönig der letzten Jahre.
Alle anderen kommen und gehen.
Das liegt aber nicht an der Qualität der Musik sondern am Musikbetrieb und den "muss-kennen"-Zwängen.

dr.pingel

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  • »dr.pingel« ist männlich

Beiträge: 3 855

Registrierungsdatum: 29. Juni 2009

12

Montag, 29. August 2011, 10:22

Alle meine Barockfavoriten sind hier schon genannt worden - es sind auch mehr als drei, darum will ich hier nur Glockentons Beitrag (5) unterstützen - der "Schwanengesang" von Heinrich Schütz. Wie verbindet hier Heinrich Schütz venezianische Pracht und deutsche Tiefe! Wenn ich lese, was Glockenton schreibt, dass diese Aufnahme vergriffen ist, kann ich mich ja glücklich schätzen, dass ich die Box habe (und zur Sicherheit habe ich mir eine Kopie gemacht). Nach Janacek, meinem unangefochtenen Lieblingskomponisten, ist Schütz Nr. 2. Das hat seinen besonderen Grund darin, dass ich in der glücklichen Lage bin, in meinem Leben unendlich viel Schütz gesungen zu haben. Bach zu singen, ist großartig und schwer, weil er die Stimmen wie Instrumente behandelt. Schütz zu singen ist leicht und unendlich beglückend: jede Stimme hat ihren Wert, er komponiert genau auf den Text; eine Musik, die man nie wieder vergisst: wenn wir einen alten Schütz in unserem Ensemble wieder aufgreifen, kann ich den schon nach ein, zwei Proben, so fest ist er verankert. Ich bin ziemlich bibelkundig (wie man als Theologe ja auch sein sollte), viele Bibelstellen verbinden sich bei mir untrennbar mit der Musik von Schütz.
Der Mensch hat drei Wege, klug zu handeln. Erstens durch Nachdenken, das ist der edelste. Zweitens durch Nachahmen, das ist der leichteste. Drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste (M.Brzoska, dt. Aphoristiker)

Alfred_Schmidt

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13

Freitag, 7. Oktober 2011, 22:08

Von den drei mir zustehenden Lieblingskomponisten des Barock habe ich mit Vivaldi erst einen verbraucht. (Ich finde es als sehr kleinlich von Alfred, daß er mir als Forenbetreiber nicht das Privileg einräumt MEHR als drei zu nominieren - aber so ist halt die Welt...)
Meine zweite Nominierung gilt Georg Philip Telemann, der nicht nur ein Vielschreiber war, sondern auch ein VIELFÄLTIGES Angebot an Kompositionen hinterliess, zwar nicht so von südländischem Temperament bestimmt wie Vivaldis Werke, aber dennoch durchwegs lebensfroh und temperamentvoll.



Man überzeuge sich durch anklicken der einzelnen Kostproben - ideal sind hier Nr 6 und Nr 10

Auch die Violinkonzerte (erschienen auf 3 CDS) empfehle ich aus ehrlicher Überzeugung



Weltliches und Geistliches Oratorium ist natürlich auch vertreten..



Alle abgebildeten CDs - ich hab sie einst zum Vollpreis gekauft -sind um je 7.99 Euro angeboten - Ein Schnäppchen für Telemann-Freunde

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Alfred_Schmidt

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14

Montag, 30. September 2013, 00:04



Nach langem Zögern und zur eigenen Verwunderung werde ich – wohl oder übel – als dritten – Johann Sebastian BACH nominieren. Das ist nicht so verwunderlich wie es vielleicht scheint. Weder mag ich Orgelmusik (BWV 565 macht hier eine Ausnahme – ist aber vermutlich gar nicht von Bach) noch liebe ich seine Kantaten (auch hier gibt es vereinzelt Ausnahmen). Aber die Violin- und Cembalokonzerte, sowie die Brandenburgischen Konzerte – das hat schon was. Allein das Violinkonzert BWV ist zum hinknien!!!! Zwar gibt es Werke von Heinichen, Locatelli und Graupner, die mir mehr als vieles von Bach zusagen, aber es sind eben auch nur Einzelwerke – das Angebot ist eher klein.



Mein Zugang zu Bach war ein steiniger langer Weg......

mfg aus Wien
Alfred

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Oolong

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Registrierungsdatum: 13. Mai 2005

15

Montag, 30. September 2013, 08:38

Ich mache es ganz knapp:

Der erste ist J.S.Bach: Ich lebe von dem Vokalwerken, besonders der Messe in h- moll und den Kantaten. Bach ist der Barock-Komponist der mich am umfassendsten und quasi ganzheitlich ernährt! Er ist ein grandioser Theologe und menschenfreundlicher Prediger!

Der zweite ist Heinrich Schütz - Er ist mein Komponist für die existenziellen Zeiten, für das Zurückgeworfensein auf mich selbst, die kargen, bitteren Momente. In WIRKLICHER Trauer konnte ich nur ihn hören ( Exequien)

Der dritte ist das genaue Gegenstück für mich - G.F. Händel: Er macht mich zutiefst glücklich mit seiner Musik, erhebt mich in unbeschwerte, lichte Höhen, rührt mich durch pure Schönheit auch mal zu Tränen.



Gruß

Oolong
Psalmen sprechen und Tee trinken kann niemals schaden!

Felix Meritis

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16

Montag, 30. September 2013, 10:13

Bei mir gibt es nur einen Lieblingskomponisten im Barock, und das ist J.S. Bach, der ohnehin mein Lieblingskomponist überhaupt ist. Als ich noch mehr Zeit hatte zum Musizieren, habe ich praktisch ausschließlich Bach gespielt. Keine andere Musik hat mir einfach so viel Spaß gemacht (Mozart ist auch sehr schön zu spielen). Meiner Meinung nach werden bei Bach immer die falschen Aspekte beleuchtet, nämlich die Komplexität des Kontrapunkts und die Sperrigkeit manche seiner Werke. Tatsächlich aber beeindruckt mich Bach vor allem durch seine Einfachheit. Viele seiner Stücke, am Klavier oder für eines der Saiteninstrumente, sind technisch sehr einfach gehalten aber dennoch unglaublich reich im Inhalt. Ein Wunderwerk ist zum Beispiel das weltberühmte C-Dur Präludium aus dem ersten Band des WTC, das sogar ein Affe spielen könnte - aber wie wunderschön ist es doch. Bach hat auch sonst viele Stücke für Anfänger geschrieben, die auf Dreiklangszerlegungen beruhen. Aller sind wunderschön zu spielen. Technisch ebenfalls leicht sind manche der Cellosuiten, welche man täglich spielen kann, ohne dass sie jemals langweilig werden. Bachs Kantatenwerk ist für mich praktisch ein ganzer Kontinent, der leider von zu wenigen Musikfreunden entdeckt wird. Die einzigen Werke von Bach, die mich völlig kalt lassen, sind seine weltlichen Vokalwerke. Hier fehlt mir einfach der Witz.

Ansonsten habe ich nur Lieblingswerke im Barock, wie Händels Cembalosuiten oder Purcells Dido. Die rameausche Cembalomusik rangiert bei mir auch weit oben, ebenfalls das Instrumentalschaffen Alessandro Scarlattis oder vieles von Antonio Vivaldi. Müsste ich unbedingt eine Nr. 2 und eine Nr. 3 küren (und das muss man wohl hier ;) ), wäre Händel aufgrund der höheren Anzahl von Werken, die ich mag Nr.2 vor Purcell auf Platz 3.

Melante

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Beiträge: 370

Registrierungsdatum: 28. September 2013

17

Montag, 30. September 2013, 10:57

Mit meinem user-Namen bin ich wohl geradezu gezwungen, hier zu antworten.
Obwohl ich an erster Stelle doch Händel als meinen Lieblingskopmonisten des Barock nennen würde,
Telemann allerdings, in seiner Vielfalt in jeder Hinsicht, steht Händel kaum nach.
Was ich an Telemann bewundere ist vor allem, dass er Moden nicht gefolgt ist, sondern sie geradezu geprägt hat.

Im Jahre 2000, dem Bach-Jahr, ich war noch im Handel tätig, kamen sehr häufig Kunden und baten um eine CD mit Kantaten, davon ausgehend, dass klar sein müsse, dass Bach gemeint ist. Denen habe ich dann Telemanns "Danziger Kantaten" in den Player gelegt und ich erinnere mich an niemanden, der sie nicht gekauft hätte.

Und da Telemann in seinen letzten Lebensjahren so stilistisch wegweisend war, ich denke an die "Ino"-Kantate, würde ich hier noch den einen oder anderen der Generation nach Bach nennen, aber ich gebe zu: das ist keine Barockmusik mehr.
Und Hand aufs Herz: ist denn ein Werk wie Bachs Tripelkonzert BWV 1044 noch Barockmusik?

Als Dritten im Bunde kann ich an Rameau nicht vorbei.
Besonders schätze ich hier: alles....am meisten Freude oder wie ich's nennen soll, macht mir seine Oper "Les Paladins", dieser überaus gelungene Wurf, die Glucksche Opernreform vowegzunehmen und italienische und französische Elemente eins werden zu lassen.

Herzliche Grüße,
Mike
"Man kann die Menschen zur Vernunft bringen, indem man sie dazu verleitet, daß sie selbst denken." Voltaire

dr.pingel

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Registrierungsdatum: 29. Juni 2009

18

Montag, 30. September 2013, 17:08

Weißt du, lieber Melante, dass dieses Werk vor 2 Jahren in Düsseldorf gespielt wurde? Als Orchester fungierte damals die Neue Düsseldorfer Hofmusik unter Konrad Junghänel. Und was das Schönste ist: es gibt auch eine CD davon, die sich in meinem Besitz befindet. Meine Lieblingsoper von Rameau ist übrigens "Zais" (Trema auf dem i) mit La petite bande.
Auch deine Begeisterung für Telemann teile ich; ich habe eine große Sammlung seiner Ouvertüren, die damals die Cappella Coloniensis im WDR gespielt hat und die ich alle aufgenommen habe. Daneben ist ja Michael Schneider mit La Stagione eine ausgewiesener Telemann-Spezialist.
Der Mensch hat drei Wege, klug zu handeln. Erstens durch Nachdenken, das ist der edelste. Zweitens durch Nachahmen, das ist der leichteste. Drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste (M.Brzoska, dt. Aphoristiker)

Harald Kral

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19

Montag, 30. September 2013, 17:26

Les Paladins



eines der wenigen Tondokumente aus Düsseldorf....
Harald

Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
(Vinícius de Moraes)

Melante

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20

Montag, 30. September 2013, 18:20

oops, sollte ich doch wieder mit dem Sammeln beginnen?
Danke Euch Beiden für den Hinweis, diese "Paladine" kenne ich noch nicht!

Wie Ihr wisst(?), ich bin gebürtiger "Ossi" und es war ein absolutes Privileg, seinerzeit den westdeutschen Rundfunk zu hören.
Also gemeint nicht hier der WDR, sondern vor allem den SFB, der Samstag Abend auch Übertragungen des WDR sendete.

Daher kenne ich die Capella Coloniensis, aber auch eine Sendung mit misslungenen Rameau-Aufnahmen.

Der SFB hatte damals eine Sendereihe durch die Operngeschichte und ging dabei chronologisch vor.
So hörte ich zum ersten Male im Leben "Hippolite e Aricie", aber auch Vivaldis Opern, auch Händels.
Nebenbei, auch das grandiose Instrumentalwerk Zelenkas.
Aber man darf ja nur drei Lieblingsbarockkomponisten nennen in Alfreds Thread, grins.

Und "Zaïs", allein die Ouvertüre ist genial!

Schätze über Schätze! Die ich alle ohne Radio nicht kennen würde.
Auch wenn dieses Format heute wohl nicht mehr das ist, aus dem ich meine musikalische Bildung beziehen durfte.
Zumindest den Grundstein.
Eine womöglich blöde Frage: gibt es hier einen Telemann-Thread?
Bisher fand ich keinen, gebe aber auch zu, mit dem Lesen noch nicht aktuell zu sein.
Gibt es keinen, sollte einer von uns das dringend ändern!

Bis dahin amüsiere ich mich noch-und genieße!- die Aussage einer mir befreundeten Geigerin, die das ("Frosch-Konzert") "Die Relinge" gespielt hat und im Autograph Telemanns eine Notiz entdeckte. Sinngemäß: hier fehlen ein paar Noten, weil ich meinem Kinde den Arsch putzen musste, der Geiger möge mir verzeihen.

Derart liebenswert zeitlos!

Danke für Eure Antworten!
Mike
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Schneewittchen

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21

Montag, 30. September 2013, 19:28

Eine womöglich blöde Frage: gibt es hier einen Telemann-Thread?

Lieber Mike,
hier ist der Telemann-Thread: http://tamino-klassikforum.at/index.php?…ad&threadID=965
mfG
Michael

Melante

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22

Montag, 30. September 2013, 19:44

Lieber Schneewittchen,
Danke für den Hinweis.
Werde mich durchwühlen.
Auf den ersten Blick allerdings sah ich schon, dass Vieles abgedeckt wird, doch auch Aufnahmen als Empfehlungen, die ich lieber in der Alster versenkt sähe....maniriertes Gefummle denn Musik, die lebendig ist.
Darüber aber nicht hier.
Dort nehme ich die Watschen dann gern entgegen!
Das Fundament von allen Dingen ist das Singen.

Herzliche Grüße und nochmals danke,
Mike
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seicento

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23

Montag, 30. September 2013, 20:16

Telemanie

Ich leide an akuter Telemanie, was ich schon hier und hier erklärt habe. Die heftigsten Anfälle werden bei mir von Telemanns Kammermusik ausgelöst. Bisher bin ich davon ausgegangen, dass diese Symptomatik primär von meinen Schweinsohren verursacht wird. Wenn dies hier zu einer Selbsthilfegruppe wird, wäre das nicht das Schlechteste. ;)

Melante

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24

Montag, 30. September 2013, 20:47

Lieber seicento,
EINEN an dieser seltenen Krankheit leidenden hast Du im Boot, resp. Selbsthilfegruppe!
Meinerseits versuche ich jetzt, eine meiner Dozentinnen dazu zu holen. Eine, die von sich sagt:" Ich bin Psychologin, ich bin verrückt!". Ein Moderator in einer solchen Gruppe ist unerlässlich!
Ob die schlummernde Thetis sich erwecken lässt?

Ich lese hier zuviel! Zu spannend!
Irgendwo las ich, Bachs weltliche Vokalmusik sei zu undramatisch oder ähnlich formuliert....
Sah und hörte jemand das Konzert "Dramma per musica" unter der Leitung von Garcia Alarcon mit dem "Phöbus und Pan" und dem "Herkules"?
Das ist Oper!
Und die "langen Ohren" gehen mit absoluter Sicherheit nicht an Telemann und dessen Hörer!

Allerdings eine Frage, lieber seicento: wie äußert sich bei Dir die Symptomatik der Telemanie?
Ändert sie ebenfalls die Zusammensetzung der Atemluft und eine gewisse Portion Lachgas hat Anteil?
Oder ist es eher so, dass Du glaubst, jede Deiner Hände hätte zehn Finger, weil Du der Kammermusik Telemanns folgst und dieser die Stimmen oft derart tauscht, dass anatomische Anamalien wie alltäglich klingen?

Oder ist es gar diese Selbstverständlichkeit, die jeden von uns atmen lässt ohne darüber nachzudenken, die den Atem aber stocken lässt, denken wir darüber nach?

Du Leidgeprüfter! Du bist nicht allein!

Selbst wenn meine Telemanie inzwischen chronisch ist und ein Heilmittel glücklicherweise nicht in Aussicht.
Dir zum Troste: so lebt es sich ziemlich glücklich.

Herzliche Grüße,
Mike
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Reinhard

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25

Montag, 30. September 2013, 21:15

Wenn dies hier zu einer Selbsthilfegruppe wird, wäre das nicht das Schlechteste.


Der ich - wie Du sicher ahnst - flugs beitreten werde...
Leiste guten Menschen Gesellschaft, und du wirst einer von ihnen werden. Miguel de Cervantes

Melante

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27

Montag, 30. September 2013, 22:34

Nunja, wohl nicht nur des Notenlesens unkundig, meiner einer....
Alfred, erlaube mir nach einem "Einstellungsgespräch" auch bitte eine "Einarbeitungszeit". Oder sollte Dir etwa genehm sein, dass man das Forum innerhalb von 48 Stunden ergründen könne wie eine Kantate aus dem "Harmonischen Gottesdienst"?
Emoticon fehlt, ein "bäh" aber schelmend geschrieben.

Herzliche Grüße,
Mike
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seicento

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28

Montag, 30. September 2013, 22:38

wie äußert sich bei Dir die Symptomatik der Telemanie?
In ganz akuten Fällen äußert sie sich als ein Gefühl "gleichzeitig weinen und lachen zu können" - also nicht ganz das, was "Gesunde" Gänsehaut nennen. Die Symptomatik schließt aber auch das motorische Zentrum in meiner Birne ein. Da hast du - lieber Melante - ganz recht. Da ich mal lange Geigenunterricht hatte, bin ich da besonders empfindlich. Es ist das tänzerische Element der Musik, das dann wirkt. Deshalb mag ich die Telemann-Violinkonzerte, die Elizabeth Wallfisch eingespielt hat, so sehr. Ihr sagenhaft leichter springender Bogen reißt mich/mein Gehirn mit - mein Gehirn will mittanzen. Mancher "Gesunde" fängt vielleicht an zu dirigieren, wenn im Finale einer Sinfonie die Post abgeht (bei Tamino nennt man das oft "die Zielgerade"). Bei mir zucken nur die Finger, wenn sich im letzten Satz eines Quartetts oder Quintetts, der Fugen-artig aufgebaut ist, die Stimmen ständig abwechseln und gegenseitig "umspielen", so dass einem schwindelig wird.

Die Sucht hat bei mir vor zwei Wochen zum Kauf von weiteren zwei Telemann-Boxen (Akademie für Alte Musik und Musica Alta Ripa) geführt. Die CD mit den Namen Telemannia und die von Concerto Melante(Spirituosa) hab ich natürlich auch. ;)
Lieber Melante, die Geschichte um fehlenden Noten bei den Relingen gefällt mir sehr. Nach meinem Kenntnisstand soll es aber gar nicht sicher sein, dass Telemann der Komponist ist. Ist diese 'Information' hiermit hinfällig ?

Melante

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29

Montag, 30. September 2013, 23:03

Lieber seicento,
womöglich war eine Padde der Komponist? (Padde: platt für Kröte)
Ansonstens hast Du noch Glück. Bei Dir scheinen nur Teile der Motorik betroffen.
Allerdings sprichst Du doch ein ernstes Thema an: das der Sucht.
Du weißt, dass der Wortstamm von Suche herrührt?
Höchst bedenklich! Nicht genug, dass Telemann Zeit seines Lebens auf der Suche war, es scheint, seine Art sei ansteckend.
Und ich leide mit Dir!
Dass der Wortstamm auch von "Seuche" herrühren solle, bei Telemann konnte ich das bisher nicht entdecken-oder die Händeler mischen jedem Bache Ingredenzien bei, die der Seuche Einhalt gebieten. Einen Krebs am Ende!

Meine befreundete Geigerin spielte aus dem Autograph des Konzerts und ich kann nur wiedergeben, was sie erzählt hat.
Vor allem: "Es ist unglaublich schwer zu spielen!". Mal eben ein Solo im Benedictus der Missa Solemnis, nix dabei.
Aber Kröten scheinen gewichtige Viecher zu sein.
Wie gut, dass wir nie über Rameaus Platée" sprachen.

Also: wie weiter?
Hülfe uns eine Selbsthilfegruppe?
Würde sie uns nur noch tiefer in unser Glück stürzen?
Wenn ja, bin ich dabei!

Notfalls ließe ich mich küssen um von Menschen zum Frosch zu werden.

Herzliche Grüße,
Mike
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30

Dienstag, 1. Oktober 2013, 09:38

Meine Lieblingskomponisten im Barock sind Bach, Händel und dann wohl ebenfalls Purcell. Ich schätze Monteverdi und Schütz sehr, bin aber nur mit wenigen Werken wirklich vertraut und der frühbarocke Stil insgesamt ist mir teilweise noch fremd. Die konzertante Musik Telemanns oder Vivaldis gefällt mir ebenfalls und kann m.E. auch nicht einfach durch Bachs oder Händels ersetzt werden, sie ist für mich aber nicht so zentral, dass die in die letzten drei kämen. Französische Barockmusik steht mir nach wie vor eher fern, von einzelnen Stücken abgesehen.
Ich will das nicht alles rekapitulieren, aber kaum überraschend standen einzelne Werke der Barockmusik (Bachsche Orgelwerke, Brandenburgische und WO und Passionen mindestens in Auszügen, Feuerwerksmusik, Vier Jahreszeiten) schon am Beginn meines Klassikhörens. Mir gefiel das auch, aber zentral war für mich sehr lange die Musik der Romantik und der Wiener Klassik, besonders Beethovens. Selbst bei Bach blieb es lange bei einigen "Großwerken, die teilweise auch vielleicht mehr bewundert als geschätzt wurden. Erst nach beinahe 10 Jahren Klassikhörens begann ich Bachs Klavier- und Kammermusik wirklich zu schätzen. Ebenso konnte mich ein Konzerterlebnis etwa in derselben Zeit erst so richtig für Händels Messiah zu begeistern und es blieb eine Zeit lang bei den wenigen sehr bekannten Stücken.
Erst seit den letzten knapp 10 Jahren würde ich sagen, dass mindestens Bach und Händel mir ähnlich wichtig sind wie Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert, Brahms. Insofern ist Bach auch heute für mich noch nicht der "Überkomponist" wie für manch andere Hörer. Zu Bach ist jedenfalls schon genug gesagt worden, daher vielleicht nur ein paar Worte zu den beiden anderen.

Händel ist aufgrund seines "Pragmatismus" dem Bild das spätere Zeiten (und wir heute) von klassischer Musik haben, in vieler Hinsicht diametral entgegengesetzt. (Das dürfte für etliche Barockkomponisten gelten, nur ist er eben der berühmteste von diesen)
Kopieren, Bearbeiten, Wiederverwerten eigener und fremder Stücke, anscheinend manchmal kaum ein Gespür für die Integrität und Geschlossenheit eines Werks bzw. wurde das gnadenlos für potentiellen Erfolg beim Publikum geopfert, und entsprechend findet man auch oft Stücke durchaus unterschiedlicher Qualität innerhalb ein und desselben Werks. (So hat hat Händel zB ein perfekt ausgewogenes Werk wie "Acis und Galatea" (engl.) später für Wiederaufführungen mit italienischen Arien "garniert".) Ich übertreibe hier ein wenig, denn andererseits hat Händel manchmal seine künstlerischen Visionen durchgesetzt, ohne sich um solche Einwände zu scheren; man erinnere sich an die Anekdote um "Verdi prati", das dem Sänger zu schlicht war oder an heute besonders geschätzte, damals aber eher erfolglose Stücke wie Hercules, Semele oder Theodora.

Wenn man Händel in der Breite seines Schaffens schätzen will, muss man sich damit abfinden. Das Paradoxe ist dabei, dass Händel ungeachtet dieses Vorgehens, das sich anscheinend kaum um Nachwelt und "Ewigkeitswert" scherte, einer der ersten Komponisten gewesen ist, der nie vergessen wurde und von dem wenigstens ein Teil seiner Werke auch nach seinem Tod bekannt blieb und hoch geschätzt wurde.
Für mich wird ein Aspekt dieser Attraktivität von dem angeblichen Ausspruch Beethovens erfasst, der meinte, Händel erzielte größte Wirkungen mit einfachsten Mitteln. Und eben in einer Weise, die sich, besonders in den monumentalen Chorwerken, relativ mühelos auch in die Zeit der Wiener Klassik und spätere übertragen hat (auch wenn natürlich weiter bearbeitet wurde).

Purcell ist für mich der "Mozart des 17. Jhds.", nicht nur wegen seines frühen Todes. Schon als Teenager ein technisch souveräner Chor- und Instrumentalkomponist (beinahe seine gesamte Kammermusik komponierte er um sein 20. Lebensjahr herum). Ebenso findet man das Verschmelzen unterschiedlicher Einflüsse zu einem originellen Personalstil. Weit mehr als im Falle der Opera Seria Händels u.a. haben wir bei Purcell die Schwierigkeit, dass einige seiner besten Werke zeitgebundenen, alsbald obsoleten Genres entstammen, die wir heute nur mit viel Fantasie sinnvoll zur Aufführung bringen können. Sein Meisterwerk "Dido & Aeneas" ist davon zum Glück nicht betroffen, aber die "Halbopern" wie "King Arthur" oder "The Fairy Queen", deren Musik weitestgehend Nebenschauplätze oder gar hinzugefügte Szenen der zugrundeliegenden Theaterstücke (im zweiten Falle immerhin der "Sommernachtstraum") illustrieren. Wie Mozarts zeichnet sich Purcells Vokalmusik durch eine eingängige, "natürliche" und unmittelbar ausdrucksstarke Melodik aus. Gerade wer mit der eher virtuos-exaltierten Seria des Hoch- und Spätbarock weniger anfangen kann, sollte sich vielleicht mal Purcells Vokalmusik anhören.