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dr.pingel

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Beiträge: 3 952

Registrierungsdatum: 29. Juni 2009

1

Sonntag, 6. November 2011, 18:49

"Singbare" Chormusik des 20./21. Jahrunderts?

Dieses Thema ist eigentlich etwas verfehlt, weil hier ja um Aufnahmen von Chormusik gehen soll und nicht um Vorschläge für singbare Stücke. Ich rette mich damit, dass die meisten guten Chöre ihre Konzerte ja auch aufnehmen.

Der Anlass für dieses Thema ist die Chormesse in Dortmund im September. Dort sang der Kölner Rundfunkchor das Eröffnungskonzert mit einem sehr gut überlegten Programm. Im ersten Teil ging es darum, was die Sängervereine im 19. Jahrhundert hätten singen können (Brahms, Schumann usw.) und was sie gesungen haben (Silcher, vaterländische Chorwerke). Der Kölner Rundfunkchor ist ein sehr gut ausgebildeter Chor, der alles singen kann, besonders aber moderne und allermodernste Musik. Das aber ist sein Problem, wie in diesem Konzert (das ich aus dem Radio aufgenommen hatte) deutlich wurde. Der Kölner Rundfunkchor ist spezialisiert auf schwierigste moderne Musik, die aber auch in langen Proben eingebübt werden muss. Im Klartext: an den Brahms Chorwerken hörte man, dass die Werke nicht frisch, leicht und ausgewogen klingen, sondern angestrengt und zu dick (das Alter der unkündbaren Sänger spielt wohl auch eine Rolle). Zum Vergleich empfehle ich z.B. weltliche Gesänge von Brahms mit dem Harvestehuder Kammerchor. Ich behaupte mal, dass das exzessive Singen von moderner Musik den Kölner Chor seiner Frische beraubt hat, romantische und barocke Chormusik schön zu singen (klar, sehr subjektive Meinung!). Übrigens: seine Qualitäten im Singen der WDR - Opern und der großen Sinfonien mit Chor (großartig z.B. die Psalmensinfonie) sind ungebrochen, das will ich deutlich sagen!

Auf das Programm will ich weiter nicht eingehen, es enthielt eine komische Pointe am Schluss. Das letzte Stück sollte der Chor selbst bestimmen. Die Einigung war offensichtlich schwierig, denn der Chorleiter hatte wohl vorher vergessen zu sagen, dass es ein lebender Komponist sein müsste. Und was war wohl das Lieblingsstück des Chores? Irgendwas Modernes, was sie vorher gesungen oder uraufgeführt hatten, also Hölszky, Riehm, Rihm, Nicolaus Huber (zB. "Betäubte Fragmente")? War es Olga Neuwirth, Xenakis, Henze, Stockhausen, Nono, Boulez, Berio, Eötvös, Zimmermann, Penderecki? Nichts davon, es war - ARVO PÄRT! Zusätzlich sagte der Moderator, der Chor hätte sich für ein "sangbares Stück" entschieden. In der Tat, das ist Arvo Pärt. Die Noten sind leicht, schwierig ist bei bei ihm, dass man absolut intonationsrein singen muss. Das Stück "Nunc dimittis" wurde gut gesungen, aber unser Vokalensemble hat das "Salve regina" von Pärt letztes Jahr genauso gut gesungen.

Nun aber zum Thema selbst, denn das war nur die Einleitung! Alle die Komponisten, die ich oben genannt habe (also ab Olga Neuwirth usw.), sind häufig auch für gut trainierte Vokalensembles zu schwer oder zu unbefriedigend, nicht "sangbar", wie der Moderator sich ausdrückte. Aber welche Literatur des 20./21. Jahrhunderts ist denn "sangbar/singbar"? (Schwer und dissonant darf sie ruhig sein!)

Hier einige Vorschläge, die ich in diesem Forum z.T. schon gemacht habe. Gedacht ist an eine schöne Liste, die ich meinem Chorleiter (oder ihr eurem) in die Hand drücken kann.

1. Paul Ben-Haim, Roni Akara

2. Ernst Pepping, Jesus und Nikodemus

3. Benjamin Britten, Hymn to St. Cecilia

4. Penderecki, Agnus Dei

Eine Beschreibung befindet sich in meinem Thema "Dr. Pingel´s liebste Chorwerke". Hinzufügen würde ich noch:

5. K.A. Hartmann, Friede 48, ein expressives, schweres Werk auf Texte von Gryphius, für Sopran, 4st. Chor und Klavier (hier habe ich eine tolle Aufnahme - vom KÖLNER RUNDFUNKCHOR mit Renée Fleming!)

6. Sehr singbare Werke schreiben die Skandinavier, z.B. Knut Nystedt ("Immortal Bach") oder Lars - Johan Werle ("Canzone 126 di Petrarca")

7. Sehr wiederbeleben sollte man Hugo Distler, dazu hat hier im Forum der verehrte zweite bass einiges geschrieben.
"Früher war alles besser!" Sogar die Kommentare zu "Früher war alles besser!" waren früher besser (Dr. Pingel´s Brosamen, Band 1, Nr. 65).

m-mueller

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2

Montag, 21. November 2011, 23:49

Morten Lauridsen und Eric Withacre ?
Zu "mainstreamig" ??

harry

Schüler

  • »harry« ist männlich

Beiträge: 148

Registrierungsdatum: 9. Januar 2010

3

Mittwoch, 23. November 2011, 00:25

Nicht ganz leicht zu beantworten, weil: Bis zu welchem Schwierigkeitsgrad gilt ein Stück noch als „singbar“? Gerade das 20. Jh. ist diesbezüglich doch sehr heterogen.
So ist beispielsweise Arnold Schönbergs „Friede auf Erden“ zweifellos ein phantastisches Chorwerk, aber ob es noch als „singbar“ i. S. des Thread-Titels gilt, wage ich zu bezweifeln.
Ebenso z.B. Weberns „Entflieht auf leichten Kähnen“, ein wunderbares Stück, aber wahnsinnig schwierig.
Andererseits gibt es Stücke wie z.B. „Wie liegt die Stadt so wüst“ von Mauersberger, das zweifellos singbar, aber einem ambitionierten Chor(leiter) zu wenig „modern“ ist.
Ein Name darf hier natürlich auf keinen Fall fehlen, nämlich Zoltan Kodaly, für dessen umfangreiches Chorschaffen insgesamt das Kriterium der Singbarkeit erfüllt ist, neben seinen wohl bekanntesten Stücken wie „Adventi enek“ (passt gut in die Jahreszeit) oder „Esti dal“ selbst auch das sehr schwierige „Jesus und die Krämer“, meiner Meinung nach eines seiner besten Chorwerke.
Vielleicht könnten hier auch die „Six Chansons“ von Paul Hindemith genannt werden.
Ebenso gibt es auch von Carl Orff eine ganze Reihe von nahezu unbekannten Chorwerken, die man nicht unterschätzen sollte, z.B. die Kantate „Der gute Mensch“ nach Texten von Werfel.
Unvergessen bleibt mir eine vor vielen Jahren erlebte Aufführung von „Sensemaya“ von Harald Genzmer; leider habe ich das Stück seitdem nie wieder gehört. Muss mal bei youtube schauen.
Schließlich gibt es im Umfeld der Skandinavier und Esten noch eine ganze Reihe höchst interessanter Komponisten (außer Pärt und Nystedt), die Beachtung verdienen.
Und ganz zum Schluss möchte ich noch auf den Niederländer Henk Badings hinweisen, dessen „Trois Chansons Bretonnes“ (mit Klavier) wir mit großer Begeisterung in unserem Hochschulchor gesungen haben.
Es fehlen noch viele Namen, z.B. aus Polen, Tschechien, Ungarn, Italien, Spanien, England (dort gibt es nicht nur Britten!), Nord- und Südamerika usw. usw....

Viele Grüße,
harry

William B.A.

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Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

4

Donnerstag, 24. November 2011, 02:02

Singbare Chormusik des 20./21. Jahrhunderts?


Ein sehr schönes Beispiel ist für mich die nebenstehende "Mass of the Children" von John Rutter (2003), die wir seit einigen Monaten vorbereiten und am 5. 2. 2012 aufführen werden. Das ist ein sehr klangschönes Werk in bestem spätromantischen Stil mit einigen kompositorischen Finessen, aber durchaus auch für Laienchöre machbar.

viele Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

moderato

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  • »moderato« ist männlich

Beiträge: 4 926

Registrierungsdatum: 14. November 2010

5

Samstag, 24. November 2012, 06:42



Bob Chilcott (*1955) schreibt Chormusik, welche die englische Chortradition weiterführt. Er war ein langjähriges Mitglied der King's Singers, leitete sieben Jahre lang den Chor am Royal College of Music in London und ist Principal Guest Conductor der BBC Singers. Er ist freischaffender Komponist. Als erfahrener Sänger weiss Bob Chilcott, was der Singstimme zuzumuten ist.
Ein schönes Beispiel für geistliche Werke sind sein Requiem (2010) und die Stücke für Knabenchor mit Orgelbegleitung (2009,2010), die auf der CD zu hören sind. (Wells Cathedral Choir, Dirigent Matthew Owens)
Die zweite CD enthält weltliche Kompositionen und Kirchenmusik, die Chöre ohne Knabenstimmen singen. Nicol Matt dirigiert den Nordic Chamber Choir und den Chamber Choir of Europe.
Das dritte Beispiel enthält Chorwerke Bob Chilcotts, die zwischen den Jahren 1991-2005 geschrieben wurden. In dieser Aufnahme singt die BBC Singers, die der Komponist dirigiert.

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Um ein guter Zuhörer zu sein, muss man eine musikalische Kultur erwerben...man muss vertraut sein mit der Geschichte und Entwicklung der Musik, man muss zuhören...Um die Musik zu empfangen, muss man seine Ohren öffnen und auf die Musik warten, man muss glauben, dass man sie braucht...Zuhören ist anstrengend, und blosses Hören ist keine Leistung. Auch eine Ente kann hören.
Igor Strawinsky

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dr.pingel

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Beiträge: 3 952

Registrierungsdatum: 29. Juni 2009

6

Dienstag, 13. August 2013, 13:16

Morten Lauridsen und Eric Withacre ?
Zu "mainstreamig" ??

Am 15.9, 18.00, singen wir (Camerata vocale Oberhausen) in der Oberhausener Herz-Jesu-Kirche ein Stück von Eric Whitacre: "Allelujah". Der Text besteht nur aus diesem Wort, daher sind es eher Vokalisen. In den letzten Proben haben wir es jedes Mal gesungen, sodass wir sehr vertraut damit sind. Ein sehr klangschönes und gut singbares Stück! Das andere Hauptwerk ist "Jesus und die Krämer" von Zoltan Kodaly.
"Früher war alles besser!" Sogar die Kommentare zu "Früher war alles besser!" waren früher besser (Dr. Pingel´s Brosamen, Band 1, Nr. 65).