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moderato

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1

Montag, 5. März 2012, 18:33

Transkriptionen für Orgel - Das besondere Klangerlebnis?

In letzter Zeit höre ich mir Transkriptionen für Orgel an, also Werke, die für andere Tasten-Instrumente oder Ensemblegrössen komponiert wurden:

Johann Sebastian Bachs Goldeberg Variationen BWV 988
* Orgel in der Stiftskirche in Bad Gandersheim


Modest Mussorgsky: "Bilder einer Ausstellung",
Sergei Rachmaninoff: Tondichtung Toteninsel op. 29 sowie
Drei Tänze aus Igor Strawinskys "Petrouschka"
** Cavaillé-Coll-Mutin Orgel sowie Kleuker Orgel von St. Nicolai zu Kiel

Beide Male spielt Hansjörg Albrecht von ihm erstellte Transkriptionen. (Toteninsel in der Transkription von Axel Langmann) Die SACD fängt die Klänge in den Räumen sowie die Instrumente bestens ein.

Im ersten Fall ist es ein Werk, das ursprünglich für das Cembalo mit klar umgrenzten klanglichen Möglichkeiten konzipiert war, das auf der Orgel in einem farbigeren Gewand erscheint.
In der anderen Aufnahme werden die Orchesterfarben eines sinfonischen Orchesters, dem zum Teil die Klavierfassung zugrunde liegt, auf die Möglichkeiten der Orgel transferiert.

Was hält ihr von solchen Fassungen?

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Um ein guter Zuhörer zu sein, muss man eine musikalische Kultur erwerben...man muss vertraut sein mit der Geschichte und Entwicklung der Musik, man muss zuhören...Um die Musik zu empfangen, muss man seine Ohren öffnen und auf die Musik warten, man muss glauben, dass man sie braucht...Zuhören ist anstrengend, und blosses Hören ist keine Leistung. Auch eine Ente kann hören.
Igor Strawinsky

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zweiterbass

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2

Montag, 5. März 2012, 19:43

Hallo moderto,

ich kann nur zu den ersten beiden Werken Stellung nehmen, nur die kenne ich und habe Vergleichsmöglichkeiten.
Goldbergvariationen: Besonders die Bachschen Werke für Solosintrumente scheinen mir für Transkriptionen besonders geeignet. Soweit ich das aus den jpsc-Schnipseln hören konnte, hat der Organist das Problem der u. U. fehlenden Klangdurchsichtigkeit (auch bedingt durch den Nachhall) auf der Orgel gegenüber den Klavier gut im Griff. Als Orgelmusikfreund habe ich mir die CD auf meinen Merkzettel gesetzt.

Bilder einer Ausstellung: Gegenüber der Klavierfassung verliert die Orgel m. E. an Prägnanz, da fehlt mir der Biss, da kommt Vieles nicht so rüber, wie ich es gerne höre und wie es Mussorgsky wahrscheinlich aus so gedacht haben könnte. Und bei der Orchesterfassung von Ravel ist dieOrgel für mich eindeutig im Nachteil.

Viele Grüße
zweiterbass
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

moderato

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Registrierungsdatum: 14. November 2010

3

Montag, 5. März 2012, 20:10

Lieber zweiterbass

Ich habe Hansjörg Albrecht im Konzert erlebt, als er die Goldberg-Variationen BWV 988 spielte. Ich war nach dem Konzert von der Registrierung begeistert, obwohl sie von der CD-Aufnahme stark abwich, wie ich danach feststellen konnte. Das hatte mit den örtlichen Gegebenheiten zu tun. Organisten reisen nicht mit der eigenen Orgel im Gepäck durch die Lande. Das Werk, das ich in vielen anderen Aufnahmen bestens kenne (auf Cembalo wie auf dem modernen Flügel) erstand für mich in einem neuen Licht.

ich bin mir nicht sicher, ob im Falle der Bearbeitung der russischen Orchesterwerke ein direkter Vergleich mit der Orchesterfassung möglich ist. Die Klangfarben sind im Orchester differenzierter und vielfältiger darstellbar. Es ist zu bestaunen, dass ein Orgelspieler allein die komplexe Partitur zum Klingen bringt. Das nötigt mir Respekt ab.
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Um ein guter Zuhörer zu sein, muss man eine musikalische Kultur erwerben...man muss vertraut sein mit der Geschichte und Entwicklung der Musik, man muss zuhören...Um die Musik zu empfangen, muss man seine Ohren öffnen und auf die Musik warten, man muss glauben, dass man sie braucht...Zuhören ist anstrengend, und blosses Hören ist keine Leistung. Auch eine Ente kann hören.
Igor Strawinsky

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moderato

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Registrierungsdatum: 14. November 2010

4

Mittwoch, 9. Dezember 2015, 02:28



Tschaikowsky und Saint-Saens auf der Orgel? Jawohl, das gibt es!

Die Nussknackersuite op. 71a und den Karneval der Tiere spielen Emanuele Cardi und Gianfranco Nicoletti 4händig auf der Mascioni-Orgel Santi Cosma e Damiano, Vairano Scalo. Von Ralf Bälting hört man noch die French Toccata "Helmut".

Ernst-Erich Stender hat eine Bearbeitung der 5. Sinfonie plus das Capriccio italien von Peter Tschaikowsky auf der grossen Orgel zu St. Marien in Lübeck eingespielt. Gibt man beim Werbepartner mit dem brasilianischen Namen den Namen des Organisten ein, gelangt man zu weiteren Aufnahmen mit Transkriptionen, die er auf CD herausgebracht hat. Als Kuriosum sind die Scheiben eine Bemerkung wert.

Ich erlaube mir hier auf einen anderen Orgelthread im Orgelforum hinzuweisen, der sich ebenfalls Bearbeitungen für Orgel beschäftigt. mal was anderes

Hier kann man in Beitrag 2 eine wenig schmeichelhafte Bewertung der Orgel in Lübeck sowie des Interpreten Ernst-Erich Stender nachlesen.

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Um ein guter Zuhörer zu sein, muss man eine musikalische Kultur erwerben...man muss vertraut sein mit der Geschichte und Entwicklung der Musik, man muss zuhören...Um die Musik zu empfangen, muss man seine Ohren öffnen und auf die Musik warten, man muss glauben, dass man sie braucht...Zuhören ist anstrengend, und blosses Hören ist keine Leistung. Auch eine Ente kann hören.
Igor Strawinsky

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Gombert

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5

Mittwoch, 9. Dezember 2015, 14:22

Hier kann man in Beitrag 2 eine wenig schmeichelhafte Bewertung der Orgel in Lübeck sowie des Interpreten Ernst-Erich Stender nachlesen.

Eine Bewertung, der man leider nur zustimmen kann.

Stender war nun einmal langjähriger Organist an der Marienkirche, ein Musiker, der wohl seinem Instrument angemessen war.
Das Instrument allerdings nicht dem genius loci.

Immerhin befand sich an dieser Stelle (aber günstigerer Höhe) bis zum Palmsonntag 1942 - einem der schwärzesten Tage der Orgelgeschichte - der prachtvolle gotische Prospekt jener Orgel, an der Buxtehude und Tunder und Schieferdecker wirkten.
Obwohl 1968 eingeweiht, klingt das Instrument tatsächlich wie "Nachkriegszeit". Zum orgelbewegten Klang in denkbar unerfreulicher Manifestation kommt eine träge Traktur. Außerdem hängt die Orgel, wie angedeutet, quasi unmittelbar unterhalb des Gewölbescheitels.

Überhaupt scheint die jüngere Orgelgeschichte der Lübecker Marienkirche, in der sich einstmals vier historische Instrumente befanden, keine glückliche zu sein. Auch die 1986 errichtete neue Totentanzorgel stärkt nur die Erinnerung an das Vor-vorgängerinstrument.