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musikwanderer

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Freitag, 25. Mai 2012, 10:20

HÄNDEL, Georg Friedrich: BELSHAZZAR

Tamino Oratorienführer
Georg Friedrich Händel (1685-1759):

BELSHAZZAR
Oratorium in drei Teilen für Soli (SAATTB), Chor (SATB) und Orchester, HWV 61
Libretto von Charles Jennens


Uraufführung am 27. März 1745 im King's Theatre, London

DRAMATIS PERSONAE

Belshazzar, König von Babylon (Tenor)
Nitocris, seine Mutter (Sopran)
Cyrus, Persischer Fürst (Alt)
Gobrias, Babylonier, zu Cyrus übergelaufen (Baß)
Daniel, Jüdischer Prophet (Alt)
Arioch, ein babylonischer Edelmann (Tenor)
Ein Bote (Baß)

Das Geschehen ereignet sich um das Jahr 538 v.Chr.


INHALTSANGABE

Bereits die zweisätzige Ouvertüre deutet dramatische Ereignisse an: so kann man das Allegro als musikalische Darstellung des Sesach-Festes ansehen, wobei orchestrale Stakkatoschläge und starre Akkordblöcke als die Entsetzen auslösende unheimliche Geisterhand zu deuten wären.

Erster Teil

Die Königinmutter Nitrocis eröffnet das Geschehen mit einer ausdrucksstarken Szene, in der sie in einem Accompagnato den Verfall der Sitten ebenso beklagt wie den Untergang der weltlichen Reiche: „Vain, fluctuating state of human empire!“ (Ach, unstet eitles Los der Menschenherrschaft!) - ein beklagenswerter circulus vitiosus. Nitrocis hat jedoch durch die in ihrem Land in Knechtschaft gehaltenen Juden gelernt, daß nur Gott in der Höhe (Thou, God most high, and Thou alone) immerdar besteht und sein Reich ewig währt. Jetzt aber sieht sie durch die Schuld ihres Sohnes Belsazar (im folgenden wird die deutsche Version des Namens verwendet) des Reiches Ende kommen und muß bedauernd feststellen, daß ihre Bemühungen, diese Not abzuwenden, keinen Erfolg hatten.

Daniel, der jüdische Seher, der bei der Königinmutter in hohem Ansehen steht, versucht, beruhigend auf Nitrocis einzuwirken; seine E-Dur-Arie („Lament not thus, O Queen, in vain!“- Klage nicht, o Königin) will den Blick auf den Allerhöchsten lenken, dem sie vertrauen soll. Belsazars Sünden werden von Jehovah bestraft, da ist kein Erbarmen zu erwarten, sie aber, die ihre Pflichten getan habe, solle sich in Gottes Ratschluß fügen.

Mit dem Chor der Babylonier „Behold, by Persia's hero made“ (Da seht, wie Persiens junger Held) nimmt nun das Drama seinen Lauf: Von den Mauern der Stadt wird der Perserfürst Cyrus, der mit seinen Truppen den Wall und die Türme der Stadt, noch ohne sichtbaren Erfolg, angreift, übermütig verspottet - ein kriegerischer Chorsatz mit seinen fanfarenartigen Tonmalereien Aufmerksamkeit erregt.

Gedanklich begeben wir uns nun in das Lager der Perser. Cyrus sitzt mit dem Assyrer Gobrias zusammen, und aus dem Gespräch der beiden wird deutlich, warum der Hofmann aus Babylon zu den Persern übergelaufen ist: sein Sohn, der „liebste der Söhne“, wurde von Belsazar aus niedrigen Beweggründen ermordet. Gobrias trauert in bitterem Schmerz: „Oppress'd with never-ceasing grief“ (O wecke mir nicht diesen bittren Schmerz!) und denkt nur noch an Rache.

Cyrus versucht, Gobrias' Wut und Schmerz zu dämpfen und ihm mit seiner Arie „Dry those unavailing tears“ (Still der eitlen Tränen Flut) Hoffnung zu vermitteln. Dann wird er in einem Rezitativ deutlich: er hatte einen Traum, in dem eine Donnerstimme dem Euphrat gebot, zu versiegen. Und tatsächlich sah er das Flußbett plötzlich leer. Abermals ertönte diese aufwühlende Stimme und rief ihn zum Kampf gegen die Tyrannei und zur Befreiung des Volkes Israel auf. Dieser Traum hat in ihm einen Plan reifen lassen, der zugleich das Ende Belsazars wie auch der Gefangenschaft Israels bedeuten könnte, wenn er denn auch gelänge: der durch die Stadt strömende Fluß soll über den außerhalb gelegenen See umgeleitet werden, dann wäre dem Heer der Weg durch das ausgetrocknete Flußbett in die Stadt frei.

Dieser Plan sollte Gobrias begeistern können - doch der kennt die schweren Hindernisse, die zunächst überwunden werden müssen, nämlich die großen Eisentore, die noch dazu stets gut bewacht sind. Cyrus hat aber auch daran gedacht und erinnert Gobrias an dessen eigenen Bericht, wonach momentan das Sesachfest gefeiert wird, bei dem die Babylonier ihrem Weingott huldigen. Dabei wird es doch als eine religiöse Pflicht angesehen, sich am reichlich fließenden Rebensaft zu berauschen. Gobrias schildert in einer wilden Arie mit Unisono-Begleitung („Behold the monstrous human beast“- Sieh nur den Wüstling, gleich dem Tier) dieses stets ausufernde Fest und Cyrus sieht gerade in diesem Detail seine große Chance: die weinberauschten und unaufmerksamen Feinde sind leicht zu überlisten. Er bittet den ihm unbekannten Jehovah um Hilfe beim Sturz des Tyrannen Belsazar und gelobt, nach dem Sieg einen Altar zu „des Höchsten“ Preis errichten zu wollen.

Cyrus schreitet umgehend zur Tat und wendet sich mit einer Brandrede an sein Heer. Der Chor der Perser greift die darin geäußerte Bitte um Hilfe an Gott auf. Kraftvoll, mit derbem Einschlag, der sich dann zu reich fugiertem Stil ausbreitet, drücken die Soldaten ihre Siegeszuversicht mit dem Chorsatz „All empires upon God depend“ (Die Reiche stehn in Gottes Rat) aus.

Abermals muß gedanklich ein Szenenwechsel vollzogen werden: In der Stadt spricht der Prophet Daniel in einem Recitativo accompagnato zum Volk; dabei preist er die Heilige Schrift als Quelle der Wahrheit und sagt den Untergang Babylons und den Sturz Belsazars voraus. Er nennt Cyrus den Befreier Israels, den Jehovah, lange noch bevor Cyrus' Name bekannt war, durch einen „Seher“ dem unterjochten Volk als Wundermann angekündigt ward. Und Daniel weiß auch zu verkünden, daß der Heilige Tempel in Jerusalem durch Cyrus aus „Trümmern neu erstehn“ werde. In einem Freudenchor wünschen sich die Israeliten die baldige Erlösung aus der Knechtschaft in Babylon herbei: „Sing, O ye Heav'ns, for the Lord hath done it!“- Singt, Himmel, singt! Denn der Herr vollbrachte es, beginnt zunächst homophon, geht dann in eine Fuge über und endet mit jubelnden Amen- und Halleluja-Rufen.

Die imaginäre Szene weitet sich jetzt zum Sesach-Fest im Palast Belsazars. Es wird maßlos getrunken und gefeiert. Der König eröffnet das Festgelage mit der heiteren Arie: „Let festal joy triumphant reign“ (Ein freudig Fest laßt uns begehn). Nitocris ist entsetzt über die Ausschweifungen und fleht ihren Sohn an, dem Ganzen ein Ende zu bereiten, doch der ordnet im Überschwang der Gefühle an, durch die finster dreinblickenden Juden ebenso gereizt wie durch die Vorhaltungen seiner Mutter, die prächtigen Schalen der Juden aus dem Jerusalemer Tempelschatz herbeizuschaffen, um sie als Weinkelche zu benutzen.

Die Juden warnen mit dem archaisch-schlichten Gesang „Recall, O king, thy rash command!“ (Verwirf, o Herr, dein rasch' Gebot!), der zunächst Frauen- und Männer- Stimmen alternierend einsetzt, dann aber sechsstimmig zusammengeführt wird, vor den Folgen dieser Schändung. Auch Nitocris äußert sich in einem leidenschaftlichen Duett mit ihrem Sohn warnend zu dieser Freveltat. Doch Belsazar gibt sich unerschütterlich, weist die Mutter sogar energisch wegen ihrer Hinwendung zum jüdischen Aberglauben zurecht.

Die Israeliten kündigen im Abschlußchor des ersten Teils („By slow degress the wrath of God to its meridian height ascends“- Allmählich steigt Jehovahs Zorn, bis er die höchste Höh' erreicht) Belsazar die Strafe Gottes für seine Frevel an. Auffällig vertonte Händel die von den Juden aufgeworfene Frage nach Reue, auf dessen Antwort sie warten: sie wird zunächst durch alle Stimmen geführt und mündet schließlich in der schlicht-homophon gesungenen Erkenntnis, daß keine Antwort zu bekommen ist. Zum Text „And every step he takes on his devoted head precipitates the thunder down“ (Trifft sein geächtet Haupt im Flammenstrahl der Donnerschlag) schreibt Händel eine machtvolle Fuge, in der die chromatisch gleitenden Figuren des Menschen Ohnmacht versinnbildlichen könnten. Der „Donnerschlag“ wird durch eine mehrmals sich wiederholende Skala gestaltet, die den Raum einer Undezime durchschreitet.

Zweiter Teil

Cyrus hat mit einem grandiosen Arbeitsprogramm für sein Heer den Euphrat umgeleitet und damit den ersten Teil seines Planes umgesetzt. Das wird zwar nicht dargestellt, aber der Eingangschor der Perser „See, from his post Euphrates flies“ (Seht, wie so schnell der Euphrat flieht) berichtet dem Publikum von diesem Ereignis mit einem koloraturreichen Sopran-Thema, daß das Fließen des Wassers abbilden soll. Zusätzlich entsteht an dieser Stelle ein merkwürdiges Rollenspiel, in dem die wütenden Babylonier (von einem Frauenchor gesungen) mit den anrückenden Persern (vom Männerchor interpretiert), einen Dialog führen.

Cyrus erteilt nun den Befehl, das trockene Flußbett zu durchschreiten und Babylon zu erobern. Die Perser stimmen in einen kampfeslustigen Chor ein: „To arms, to arms, no more delay! God and Cyrus lead the way.“ (Voran! Voran! Kein Zaudern mehr! Gott mit Cyrus führt das Heer.)

Abermals wird die Szene in den Palast Belsazars verlegt, wo das Sesachfest auf seinem Höhepunkt angelangt ist. Der König, durch reichlichen Weingenuß in froher Stimmung, lästert hochmütig über Jehovah. Doch plötzlich, gerade, als er im Begriff ist, den Kelch zu erheben, wird eine Geisterhand sichtbar, die völlig unverständliche Worte an die Wand des Palastes schreibt: „Mene, mene, tekel, upharsin“. Belsazar verstummt vor Entsetzen, kann nur ein erschrockenes „Ah!“ hervorbringen.

Die ebenso entsetzten Festgäste rufen um Hilfe: „Help, help the king! He faints, he dies!“ (Helft dem Herrn! Er sinkt! Er stirbt!). Belsazar zeigt zitternd auf die geheimnisvollen Schriftzüge, während die Hand, ebenso plötzlich, wie sie erschien, wieder verschwindet. Die Gäste des Königs fragen entgeistert „What God, or godlike man, can tell the sense of this mysterious spell?“ (Wer ist in diesem Kreis, der uns die Schrift zu deuten weiß?). Aber da ist keiner, der eine Antwort hat, niemand kann das Geschriebene deuten.

Belsazar läßt alle Weisen, Zauberer, Sterndeuter, Wahrsager und Magier seines Reiches rufen, die, nach tatsächlich einem kurzen Orchester-Zwischenspiel, erscheinen und versuchen, die Schrift zu erklären. Der König bietet ihnen nicht nur Schmuck, sondern auch eine Stellung „als Dritten“ im Reich an - doch niemand weiß eine Antwort. Abermals klagt die Festgesellschaft über das Unerklärliche.

Belsazars Mutter Nitocris gibt ihrem Sohn den Rat, den jüdischen Propheten Daniel rufen zu lassen; sie ist überzeugt, daß der „von Gottes heiligem Geist“ erfüllte Mann das Rätsel lösen kann. Und tatsächlich übersetzt Daniel, von Händel mit einem spannungeladenen Recitativo accompagnato vertont, die Schrift an der Wand:

„Mene“- der Gott, den du gelästert, hat deine Tage gezählt und endet sie;
„Tekel“- du wardst gewogen auf der Waage und zu leicht befunden;
„Upharsin“- dein Reich wird aufgeteilt unter Medern und Persern.

Nitocris ist entsetzt über das strenge Urteil und fleht ihren Sohn mit großer Mutterliebe in einer Siciliano-Arie („Regard, O son, my flowing tears“- O blick auf deiner Mutter Gram) an, Jehovah um Gnade zu bitten, doch Belsazar ist unfähig, der Mutter nachzugeben, für ihn ist das alles lächerlich.

Nun stehen die Perser als Sieger vor der Stadt: „O God of truth, O faithful guide“ (O Gott des Heils, du treuer Hort) läßt sich zunächst Cyrus dankbar über den Sieg vernehmen, ehe er Gobrias aufordert, die Truppe auf den ihm bekannten Weg zum Palast zu führen. Niemand werde ihn hindern, da alle trunken vom Wein seien. Wer sich aber in den Weg stellen sollte, der sei dem Schwert verfallen. Aber nur der Tyrann, so Cyrus weiter, ist der wahre Feind; ist der gefallen, dann ist das Ziel erreicht. Allen anderen Bewohnern der Stadt sollen sich die Soldaten freundlich zeigen, und nicht das Schwert mit „unnützen Morden“ beflecken.

Der zweite Teil endet mit einem machtvoll aufbrausenden Chorsatz, in dem Trompeten und Pauken eingesetzt werden und der mit einer weitausholenden Doppelfuge schließt: „O glorious prince, thrice happy they“ (O tapfrer Fürst! Dreifach beglückt, wer einst dein künftig Reich erblickt). Hierin wird auch ein Blick in die Zukunft getan, in der die Völker ohne Streit leben könnten, Freiheit und Frieden herrschen sollten, und dadurch die „Erd' ein Himmelreich“ werden kann. Die deutsche Übersetzung des englischen Originaltextes (To all like thee were sceptres giv'n, Kings were like gods, and earth like Heav'n - Wär' jeder Thron dem deinen gleich, dann wär' die Erd ein Himmelreich) läßt an einen anderen humanistischen Chorsatz denken, in dem es heißt: „Wenn Tugend und Gerechtigkeit der Großen Pfad mit Ruhm bestreut, dann ist die Erd' ein Himmelreich, und Sterbliche den Göttern gleich“ (Mozart, Die Zauberflöte).

Dritter Teil

Nitocris hofft in ihrer einleitenden Arie „Alternate hopes and fears distract my mind“ (Vorahnend hofft und bangt mein zweifelnd Herz), daß ihr Sohn doch noch Reue zeigen könnte. Letztlich zweifelt sie aber doch, kennt sie ihren Sohn Belsazar zu genau. Auch Daniel meint, die Hoffnung auf des Königs Einsicht sei wohl vergebens und wählt ein Beispiel aus der Natur: „Can the black Aethiop change his skin“ (Läßt denn der Löwe die Natur?), um seine Meinung über den König auszudrücken.

Nitocris sieht den ihr bekannten Edelmann Arioch kommen und glaubt darin ein Zeichen für das Ende des Festgelages zu sehen. Doch der Hofmann teilt mit, daß die Schar der Schmeichler Belsazars Gedanken an ein Ende des Sesachfestes verscheucht haben. Das Gelage geht also weiter und der König lästere weiterhin dem Judengott Jehovah. Dann aber, so berichtet Arioch weiter, hörte man plötzlich Schreie und Schwertergeklirr und Belsazar habe die Dienerschaft zum nachsehen geschickt. Diesen Tumult in Saal habe er ausgenutzt und sei davongeschlichen.

Jetzt vermeldet ein Bote, daß Cyrus schon in den Palast eingedrungen sei und fleht die Anwesenden an, sich durch Flucht in Sicherheit zu bringen. Nitocris kann nicht glauben, was sie da hören mußte, doch der Bote weiß noch mehr: daß die Wachen ihrer Trunkenheit wegen sogar ohne Kampf überwunden und entwaffnet werden konnten. Mit „Bel boweth down, Nebo stoopeth!“ (Baal sank dahin und Nebo stürzte) feiert der Chor der Juden in einem strengen Chorsatz schon den Untergang den Tyrannen Belsazar und den Fall der Götzen Babylons.

Stellt man sich nunmehr einen Szenenwechsel vor, dann sind wir noch einmal Gäste des Festgelages im Palast. Hier zeigt sich Belsazar vom Schrecken, den die geheimnisvoll schreibende Hand und Daniels Erklärung über sein baldiges Ende in ihm hervorgerufen hat, erholt, und tobt sich volltrunken in wilden Koloraturen, den Perser Cyrus erwartend, aus: „I thank thee, Sesach! Thy sweet pow'r“ (Ich danke, Sesach, deiner Macht).

Eine sehr kurze „Martial Symphony“, die eher dekorativ wirkt, als daß sie ernstlich kriegerischen Schrecken ausstrahlt, soll nicht nur das Eindringen der Perser in den Palast, sondern auch den Tod Belsazars durch Gobrias' Schwert symbolisieren. Durch dessen Arie „To pow'r immortal my first thanks are due“ (Den ew'gen Mächten sei der erste Dank) wird nämlich bekannt, daß der babylonische König „dahinsank“ und bei dem Vollstrecker sogar Tränen der Freude auslöste.

Cyrus sendet Gobrias auf die Suche nach Nitocris und Daniel; er legt Wert darauf, daß beide unverletzt zu ihm gebracht werden, denn sonst „kehrt sich der Sieg in Schmach und Reue“ um. Danach triumphiert auch Cyrus mit einer D-Dur-Arie, in der Trompeten, Pauken und Oboen eingesetzt werden, über das Ende des Krieges und den Tod Belsazars. Die Königinmutter, traurig über das Ende ihres Sohnes und des assyrischen Reiches, akzeptiert den neuen Herrscher, der wiederum den Babyloniern Freiheit verspricht, der aber auch Nitocris bittet, ihn an Belsazars Stelle als Sohn anzunehmen.

Nun erklärt Daniel, von Cyrus entsprechend befragt, daß die alte Prophezeiung, deren erster Teil mit der Hilfe des „Weltenherrschers“ jetzt erfüllt ist und durch Cyrus' Eingreifen sogar noch weitergeführt werde - mit der Freilassung der Israeliten und der Heimkehr ins Land der Väter nämlich! Und Cyrus verspricht, diese Wünsche erfüllen zu wollen: „Yes, I will rebuild thy city, God of Israel!“ (Ja, ich baue deine Stadt dir, Gott Israels) und auch der Tempel werde wieder neu erbaut. Das Schlußwort haben Daniel, Nitocris und der Chor der Israeliten mit einem Preisgesang, der melodisch auf dem sechsten Chandos-Anthem beruht: „I will magnify Thee, O God my king!“ (Sei von mir gepriesen, o Gott, mein Herr). Ein Satz mit jubelnden Koloraturen, der machtvoll in eine erhabene plagale Amen-Formel mündet.


INFORMATIONEN ZUM WERK

Händels BELSAZAR behandelt den biblischen Bericht um den babylonischen König, wie es im Buch Daniel überliefert ist. Belsazar frevelt gegen Jehovah und erhält beim Sesachfest, das dem babylonischen Weingott gewidmet ist, durch eine geheimnisvolle Geisterhand die Ankündigung seines Todes, der sich tatsächlich noch in der gleichen Nacht erfüllt.

Von dem Oratorium gibt es drei Fassungen, die Erstversion von 1745, sowie Bearbeitungen von 1751 und 1758. Die erste entstand in der Zeit vom 23. August bis zum 23. Oktober 1744, eine normale Schaffensphase für Händel. Eine Schlußdatierung unter dem dritten Teil fehlt, damit auch das übliche S(oli) D(eo) G(loria). Trotzdem kennen wir die genauen Daten aus dem Briefwechsel, den Händel seinerzeit mit seinem Librettisten Charles Jennens führte. Jennens hatte dem Komponisten bereits die Texte zu „Saul“ und „Messias“ geschrieben. Er scheute sich nicht, biblische Geschichten zugunsten der Dramatik auszuschmücken. Es soll allerdings auch erwähnt werden, daß der Landedelmann wegen seiner Arroganz und seines ausgeprägten Sinns für Intrigen häufig genug mit Händel aneinandergeriet. Das war ganz sicher im Fall von BELSAZAR auch so, denn der seinerzeit ausgegebene Textdruck weist, damals durchaus üblich, auch die nicht vertonten Passagen, in Anführungszeichen gesetzt, auf. Und Händel hatte radikal gestrichen!

Händels auf alttestamentlichen Geschichten beruhende Oratorien (dazu gehören Esther, Deborah, Saul, Israel in Egypt, Samson, Judas Maccabaeus, Solomon, Joshua, Susanna und Jephta) waren damals beim Londoner Publikum sehr beliebt. Die Musik, die Händel dazu schrieb, beweist eindeutig, daß auch er von diesen Stoffen angezogen wurde. Hier konnte er durch Einbeziehung des Chores die musikalisch-szenische Charakterisierung ausweiten - was durch die starre Typisierung der barocken Opernwelt nicht möglich war. In Stoffwahl und Chorkonzeption nahm sich Händel die deutsche Oratorien-Tradition zum Vorbild, in den Soli behält er dagegen die wesentlichen Elemente der Opera seria bei.

Die Uraufführung von BELSHAZZAR fand am 27. März 1745 im King’s Theatre in London statt - und muß Händel schwer enttäuscht haben, denn das neue Werk zog kaum Zuhörer an, und die wenigen Anwesenden waren nicht begeistert. Es wird in der Musikwissenschaft u.a. damit spekulativ erklärt, daß BELSHAZZAR als eine Art politischer Manifestation für das Königshaus angesehen wurde, und das kam bei vielen Engländern nicht an, die gegen das Haus Hannover in Opposition standen. So wurde BELSAZAR schon nach drei Aufführungen wieder abgesetzt und erst 1751, mit einigen Änderungen versehen, nochmals aufgenomen. Durch Streichung einiger Arien, Einfügung neuer Stücke und der Besetzung des Cyrus mit einem Altus anstelle eines Mezzosoprans, vor allen Dingen aber der Umstellung der zweiten Szene der Erstfassung an den Beginn, ergab sich eine Version, die sich tatsächlich als die erfolgreichere herausstellte. Die hier vorgestellte Inhaltsangabe beruht auf der Erstfassung von 1745.

Das Textbuch von Charles Jennens ist unglaublich dramatisch. Es verbindet die biblische Geschichte (Daniel 5 und einzelne Kapitel aus den prophetischen Büchern Jesaja und Jeremia) mit den historischen Quellen, die sich bei Herodot oder Xenophon (Cyropaedia) finden. So ist die wichtige Rolle der kassandrahaft auftretenden Nitrocis aus Herodots „Histories apodexis“ entliehen. Alle diese unterschiedlichen Texte verband der Autor mit der Freiheit des Künstlers zu einem logischen Handlungsverlauf mit einer inneren Spannung, die Händel wiederum zu einer inspirierten Musik anregte.


© Manfred Rückert für Tamino-Oratorienführer 2012
unter Hinzuziehung folgender Quellen:
Libretto
Hans Joachim Marx: Händels Oratorien, Oden und Serenaten
Oratorien-Führer von Palen, Scheibler/Evdokimova, Oehlmann
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musikwanderer

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2

Freitag, 25. Mai 2012, 11:19

Folgende Einspielungen von Händels BELSHAZZAR konnten bei den Tamino-Werbepartnern Amazon und jpc gefunden werden:


Hier zunächst eine Aufnahme in deutscher Sprache mit Peter Schreier als Belsazar; Cyrus: Ute Trekel-Burckhardt; Daniel: Gisela Pohl; Gobrias Hermann Christian Polster; Nitocris: Renate Frank-Reinecke; Arioch : Joachim Vogt und ein Bote: Günther Beyer; Dietrich Knothe leitet die Berliner Singakademie und das Kammerorchester Berlin


mit Belsazar: Anthony Rolfe-Johnson, Cyrus: Catherine Robbin, Daniel: James Bowman, Gobrias: David Wilson-Johnson, Nitocris: Arleen Auger, Arioch : Nicholas Robertson, ein Bote: Richard Wistreich; es singen und spielen The English Concert unter Trevor Pinnock


Dabringhaus und Grimm bietet Markus Brutscher, Christopher Robson, Patrick van Goethem, Franz-Josef Selig, Simone Kermes als Solisten auf; Peter Neumann leitet das Collegium Cartusianum und den Kölner Kammerchor


zwei DVD mit einer szenischen Realisierung; eine Produktion des Festival d'Aix-en-Provence 2008, Regie: Christof Nel; mit Rosemary Joshua, Christina Sampson, Bejun Mehta, Lucy Taylor, RIAS Kammerchor, Akademie für Alte Musik Berlin, Rene Jacbos

Zwei weitere Einspielungen sind bei Amazon und jpc nicht mehr gelistet:

erstens eine von Helmuth Rilling dirigierte Konzertaufführung von den Stuttgarter Kirchenmusiktagen (????) mit dem Chor der Württembergischen Staatsoper Stuttgart, einem zusammengestellten Orchester und den Solisten Helge Birkeland (Bote), Wilfried Jochims (Belsazar), Cyrus: Helen Raab, Daniel: Heidrun Ankerson, Gobrias: Helge Birkeland, Nitocris: Sylvia Stahlman.

und die Harnoncourt-Aufnahme von 1975 mit dem Concentus Musicus Wien, dem Swedish Chamber Chorus Stockholm, den Solisten Robert Tear als Belsazar, Maureen Lehane als Cyrus, Paul Esswood als Daniel, Peter van der Bild als Gobrias, Staffan Sandlund als Bote, Thomas Sunnegard als Arioch und Felicity Palmer als Nitocris.
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MUSIKWANDERER

sagitt

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3

Freitag, 25. Mai 2012, 12:55

Sagitt meint:

Gekoppelt mit Jeptha gibt es noch die Version von Harnoncourt. Wer es - wie ich - gerade selbst probt, sollte nicht Jacobs sehen. Deprimierend für Laien, wie Belsazar klingen kann.