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musikwanderer

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Registrierungsdatum: 20. Januar 2010

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Montag, 1. Oktober 2012, 19:22

HÄNDEL, Georg Friedrich: ESTHER II

Tamino Oratorienführer
Georg Friedrich Händel (1685-1759):
ESTHER
Oratorium in drei Teilen für Soli, Chor und Orchester, HWV 50b
Libretto von Alexander Pope und John Arbuthnot, textliche Erweiterung durch Samuel Humphrey

Uraufführung am 2. Mai 1732 im Londoner King's Theatre am Haymarket

DRAMATIS PERSONAE

Esther (Soprano)
Ahasverus, König der Perser (Contr'alto)
Haman, Feldherr des Königs (Basso)
Harbonah, persischer Offizier (Tenore)
Ein Hauptmann (Tenore)
Mordechai, Pflegevater der Esther (Alto/Tenore)
Zwei Israelitinnen (Soprano, Alto)
Israelitischer Priester (Tenore/Soprano)
Chor, zum Teil siebenstimmig

Das Geschehen ist um das Jahr 482 v. Chr. in Susa anzusetzen.


INHALTSANGABEN

I. DER BIBLISCHE BERICHT (ESTHER I-VII) IN KURZFORM

Ahasverus, König der Perser und Herrscher über einhundertsiebenundzwanzig Länder, residiert im dritten Jahr seiner Herrschaft - also 482 v. Chr. - in Susa. Seine Hauptfrau und Königin ist Waschti, sein oberster Ratgeber und Feldherr ist Haman. Im Reich des Ahasverus leben viele Juden in der Gefangenschaft, unter ihnen auch Mordechai, der Angehörige des Stammes der Benjaminiter. Er ist Pflegevater von Hadessa, die später den Namen Esther erhalten wird.

Königin Waschti widersetzt sich dem Befehl des Königs, in seinem Gemach zu erscheinen. Der König ruft seine obersten Ratgeber zusammen und die Versammlung beschließt, der Königin alle Privilegien zu streichen.

Mit der Suche nach einer neuen Frau wird Hegai beauftragt, der Kämmerer des Königs; unter den Frauen, die er zum König führt, ist auch Hadessa, die Ahaverus sofort gefällt. Sie wird tatsächlich Königin. Dass Hadessa aber Jüdin ist, weiß Ahasverus nicht, denn sie hat auf Rat ihres Pflegevaters hin ihre jüdische Abkunft dem König verschwiegen. Sie nennt sich nun Esther.

In der Folgezeit erfährt Mordechai von einem geplanten tödlichen Anschlag auf König Ahasverus und gibt diese Information umgehend an Esther weiter, die wiederum sofort ihren Gemahl informiert. Der Anschlag kann vereitelt werden und Haman, einer der Ratgeber des Königs, erreicht, dass man ihn als Retter ansieht; er wird mit hohen Auszeichnungen und Befehlsgewalten geehrt.

Haman, der mit den Verschwörern im Bunde war, plant nicht nur die Ermordung von Mordechai als eines ihm unbequem gewordenen Mitwissers, er will die Ausrottung aller Juden. Das versucht Mordechai zu verhindern, indem er Esther bittet, dem König ihre jüdische Herkunft zu erklären und um Hilfe für das Volk zu bitten. Bei einem Gastmahl gesteht Esther ihrem Gatten, Jüdin zu sein, und beweist ihm, dass Mordechai und nicht Haman den Anschlag auf ihn verhindert hat. Wütend über den Verrat befiehlt Ahasverus, Haman zu erhängen.


II. DER INHALT DES ORATORIUMS NACH POPE/ARBUTHNOT/HUMPHREY

Die Ouvertüre ist, bis auf die Hinzufügung der Viola-Stimme, die im Orchester des Herzogs von Chandos fehlten, identisch mit derjenigen, die als Einleitung zur Masque von 1718 diente. Sie ist dreiteilig angelegt (Andante, Larghetto, Allegro) und versucht, den Inhalt des Werkes, Unterdrückung auf der einen, Siegeszuversicht auf der anderen Seite, darzustellen.

Erster Teil

Erste Szene
Hadassa, die Pflegetochter des Benjaminiters Mordechai, ist mit dem neuen Namen Esther Königin von Persien geworden. Ihre Dankbarkeit gegenüber Gott bringt sie mit einer Arie voll schwärmerischer Begeisterung zum Ausdruck
Watchful angels, let me share/your indulgent daily care.
O ihr Engel, wacht in Gnad'/täglich über meinen Pfad.
Der hinzukommende Mordechai äußert in zwei Arien seine Zufriedenheit über das Werk Jehovahs, der eine Jüdin zur Königin Persiens aufsteigen ließ; aber des Volkes Heil hängt, wie er betont, von der Liebe des Königs zu Esther ab, wie es wiederum auch von ihrer Geschicklichkeit abhängt, dass Ahasverus ihr immer gewogen bleibt. Die Szene wird, nach Mordechais Arien, durch das Anthem My heart is intiding in Form einer viersätzigen Chorsuite abgeschlossen.

Zweite Szene
Mit der zweiten Szene wird der eigentliche Konflikt deutlich: Haman hat beschlossen, das Judenvolk auszurotten und tritt vor seinen König mit der Anklage hin, dass die Juden sich dem Herrscher nicht beugen wollen und immer wieder von der Befreiung aus der Knechtschaft durch ihren Gott sprechen. Das aber bedürfe einer härteren Strafe als der von ihm nur als „mild“ bezeichneten Gefangenschaft. Der König bemerkt natürlich nicht den Betrug, sondern gibt seinem Feldherrn die Order, den Aufruhr im Lande zu stoppen:
Endless fame, thy days adorning
Ehr und Ruhm, dich hoch beglückend (...) sei der Lohn für deinen Rat.

Dritte Szene
Seinem sich einschmeichelnden Offizier Harbonah erteilt Haman den eindeutigen Befehl, die Israeliten zu vernichten; die Arie zeigt ihn in seinem wahren Element:
Pluck root and branch from out the land
Schlagt Haupt und Glied im ganzen Land:/soll ich den Gott der Juden scheu'n?
Der Juden Blut färb' eure Hand,/nicht Weib, nicht Kind verschont!
Glühend vor Eifer stimmt Harbonah zu und die persischen Krieger fallen ebenso eifrig mit der textlichen Teil-Wiederholung der Haman-Arie ein.

Vierte Szene
Die Kinder Israels lauschen der Ansprache ihres Priesters, der das Ende der Knechtschaft gekommen sieht; deshalb sollen alle einen Lobgesang zu Ehren Jehovas anstimmen. Auch Esther ist dabei und unterstreicht des Priesters Worte zustimmend. Zwei Solisten heben zu einem Lobgesang Gottes an:
Praise the Lord with cheerful noise
Lobt den Herrn mit lautem Mund,/Preisgesänge bringt ihm dar
und der Chor der Israeliten schließt die Szene mit einer rhetorischen Frage ab, die quasi die Antwort unausgesprochen beinhaltet:
Shall we of servitude complain
Was klagt das Volk der Juden noch/ob Kettenlast und Sklavenjoch?

Fünfte Szene
Mordechai kommt hinzu und hat eine unheilvolle Nachricht zu überbringen: Haman hat, wie aus dem „Untergrund“ zu hören ist, den Beschluß gefasst, die Israeliten zu vernichten. Als sei es bereits tatsächliches Geschehen, hört Mordechai schon die Mütter um ihre Kinder schreien, hört er das Jammergeschrei der Kleinen, sieht „der Mörder Kleid“ vom Blut gefärbt, und die Stadt „vom Blut so rot“. In tiefer Niedergeschlagenheit drückt er seine Angst vor dem Verlust seiner Heimat mit einer emotional vertonten Arie aus:
O Jordan, Jordan, sacred tide!
O Jordan, Jordan, heil'ge Flut!/Soll ich nie mehr dich gleiten sehn das grüne Tal entlang?
und die Israeliten, eben noch in zuversichtlicher Stimmung, lassen sich von Mordechais Niedergeschlagenheit mit einem Klagegesang anstecken:
Ye sons of Israel, mourn
Ihr Söhne Judas klagt,/denn nimmer kehrt zur Heimat ihr zurück.

Zweiter Teil

Erste Szene
Ein dramatisch angelegter g-Moll-Chorsatz für die Israeliten führt in die Handlung des zweiten Teils dieses Oratoriums ein:
Tyrants may a while presume
Mögen auch Tyrannen trau'n,/dass ihre Schuld nie kommt zu Tag.

Zweite Szene
Der Auftritt des bedrückt wirkenden Mordechai, der aktuelle Neuigkeiten zu vermelden hat, erschrickt Esther und lässt sie fragen, warum er „mit Asche bestreut“ und „in Trauer“ daherkommt. Und Mordechai erzählt, was er von Haman gehört hat. Die Gefahr kann nur Esther abwenden; sie muss sich an den König um Hilfe wenden, doch die kennt das Los für diejenigen, die sich ungerufen zum Herrscher begeben: der Tod ist ihnen sicher. Mordechai aber lässt den Einwand nicht gelten, denn, so argumentiert er ohne falsche Rücksichtnahme, sie kam nicht nur für ihr eigenes Wohl auf den Thron Persiens, sondern auch für das Wohl ihres Volkes. Seine Zuversicht gibt er Esther arios mit:
Dread not, righteous Queen, the danger!
Nah' ihm furchtlos vor Gefahren!/Dich wird seine Lieb' bewahren!
Furcht ziemt sich nur vor Gottes Thron,/trau auf sein erbarmend Walten.
Fällst du für des Volkes Rettung,/Tod ist dann dein schönster Lohn.
Esther ist zwar zum Handeln bereit, aber nicht vom Erfolg der Aktion überzeugt, und lässt in ihrer Arie diese Zweifel auch anklingen:
Tears, assist me, pity moving
Helft mir, Tränen, in bewegen,/sein Erbarmen zu bewegen.
Hör, o Gott, erhöre mich!/Wenn nur Blut versöhnen kann,
Nimm, o nimm mein Leben an./Doch des Volkes erbarme dich.

An dieser Stelle fügt Händel das sechste seiner „Cannons-Anthems“ ein, den Psalm 42:
„As pants the hart for cooling streams
So wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu Dir.
Tränen sind mein täglich Brot, wenn man so zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?
Wenn ich dem nachsinne, so schütte ich mein Herz aus bei mir selbst;
denn ich hielt zu dem Haufen mich, und führte ihn zum Hause meines Gottes.
Mit dem Ruf des Danks und Frohlockens im Haufen derer, die da feiern.
Wie so voll Gram, o mein Herz? Warum so kummervoll und bange?
Harre auf Gott, ich will ihm danken.

Zwei Israelitinnen erbitten den himmlischen Segen für Esthers mutiges Eingreifen mit einem d-Moll-Duett, das man zu den „durfarbenen Moll-Arien“ Händels zählen muss:
Blessings, descend on downy wings“
Schwebt herab in sanftem Flug,/Engel, und schirmet ihrem Pfad
worauf der Chor der Israeliten Gott um Rettung vor den „Racheschwertern“ bittet und Mordechai ein Gebet an Jehovah schickt, dass Esther ohne Gefahr vor ihren Gemahl treten kann.

Dritte Szene
Ahasverus ist aufgebracht, als jemand unangemeldet in sein Gemach vordringt, denn auf solch ungebührliches Verhalten steht die Todesstrafe. Als er jedoch die Blässe im Gesicht seiner Frau sieht, ist er betroffen und beeilt sich, Esther seine Lauterkeit zu beteuern. Die nimmt die Freundlichkeit ihres Gatten zum Anlass, ihre Sorgen anzudeuten und Ahasverus
will wissen, was geschehen sei. Das wird mit einem f-Moll-Duett ausgedrückt
Esther: Who calls my parting soul from death?
Wer ruft zum Leben mich zurück?/Hör' mein Fleh'n, sonst trifft mich Tod!
Ahasverus: Awake, my soul, my life, my breath!
Erwach, mein Herz, mein Trost, mein Glück!/Sprich es aus, mit ist's Gebot.

Seine Milde kommt auch in der unmittelbar anschließenden Arie zum Ausdruck
O beauteous Queen, unclose those eyes!
O teures Weib, sieh her zu mir./Dir droht von mir nicht Tod!
Esther ist beruhigt und kommt nun zu ihrer Bitte, der König möge ihr die Ehre geben, an einem Gastmahl teilzunehmen, an dem aber auch Haman teilnehmen soll. Ahasverus ist erleichtert, dass die betrübte Stimmung seiner Gemahlin offensichtlich verflogen ist und nimmt die Einladung gerne an; er ahnt nicht, was ihm auf dem Gastmal bevorsteht:
How can I stay, when love invites?
Wie blieb ich fern, wo Liebe wohnt?/Wie komm' ich gern, wo Freude thront!

Vierte Szene
Die Israeliten bangen um den Erfolg von Esthers Vorhaben; sie wissen noch nichts von der liebevollen Aufnahme der Königin beim Herrscher. Der jüdische Priester äußert aber seine Überzeugung, dass Esthers Liebreiz nur Erfolg bringen kann. Eine Israelitin will dieser Aussage nicht nachstehen und besingt die Schönheit der Königin als von Gott gegeben, die dem Volk nur nützen kann. Der Priester ergänzt, dass Ahasverus ganz sicher von Esthers Schönheit besiegt worden sei. Das überzeugt auch Mordechai, der ein Gebet zum Himmel schickt:
Virtue, truth, and innocence/shall ever be her sure defence.
Unschuld, Tugend, Sittsamkeit,/beschirme sie zu aller Zeit
Nimm sie, Herr, in deinen Schutz,/sei du ihr Schild und ihr Geleit.

Ein Anthem, mit eindeutigem Bezug auf Esthers Vorhaben, beschließt den zweiten Teil des Oratoriums:
God ist our hope, and he will shew the King to shew mercy to Jacobs race.
Gott, unser Hort, lenkt dieses Königs Herz in Gnade zu Jakobs Stamm.
Selig ist die Schar, die fürchtet Gott den Herrn.
Gott sei dein Schild, Heil sei mit Dir, Heil dem König auf ewig! Amen.

Dritter Teil

Erste Szene
Ein arioser Gesang in F-Dur, durch Mordechai und einen Israeliten angestimmt, eröffnet den dritten Oratoriums-Teil:
Jehovah, crown'd with glory bright
Jehovah, Gott von großer Macht,/umstrahlet von des Lichtes Pracht,
Des Diener ist der Flammenstrahl,/steh auf, vertilg' der Feinde Schar.

Die Menge übernimmt das Gebet ohne einen Tonartenwechsel und bittet Gott um Rettung aus Not und Gefahr durch Hamans Bestrebungen, das Volk Israel auszurotten:
He comes to end our woes
Er kommt als Judas Freund,/ein Gott der Rache unserm Feind!
Land zittre, stolze Berge, bebt!/Jakob, steh auf, es naht dein Gott!

Zweite Szene
Ahasverus hat sich zum Gastmahl seiner Gemahlin eingefunden; er verspricht Esther die Königskrone für sein halbes Reich, um sie zu erfreuen. Aber das ist nicht ihr Wunsch, sie bittet den König stattdessen um Schonung für ihr Volk und bringt ihren Pflegevater Mordechai ins Spiel, der bisher ohne Belohnung für die Errettung des Herrschers aus Lebensgefahr geblieben ist. Ahasverus ist überrascht und will wissen, wer denn ihrem Volk Übles androht. Esther weist auf Haman, der die Israeliten ausrotten will. Ahasverus gerät in Zorn und schwört
bei dem Sonnenball,/der Macht des Tag's,/dass Hamans Aug'
nie mehr soll seh'n den Strahl des gold'nen Lichts.

Haman zeigt seine Angst und wendet sich unterwürfig an die Königin mit der Bitte, sich beim König für ihn einzusetzen. Doch Esther weist sein Ansinnen als heuchlerisch zurück, und ergänzt ihre Anklage mit dem Hinweis, dass er sich selber in diese Lage gebracht hat. Ahasverus, jetzt außer sich vor Wut, gibt Anweisungen an seine Wachen:
Guards, seize the traitor, bear him hence!
Auf, greift den Frevler, führt ihn fort!/Tod sei der Lohn für sein Verbrechen

dann besinnt er sich aber auf seine Herrscherrolle und denkt an seinen Lebensretter:
doch Mordechai sei hoch geehrt.

Auf diesen Befehl folgt unmittelbar Ahasverus' Arie, deren Tonart E-Dur bei Händel stets eine besondere Situation ausdrückt:
Through the nation he shall be/next in dignity to me
Seht in alle, rings im Land/nächst bei mir an Rang und Stand;
preist als meinen Retter ihn,/dankerfüllet insgesamt. (…)
Und ein jauchzend Lied im Chor/Schall' zu seinem Preis empor.
Sofort stimmt der Chor der anwesenden Gäste mit dem leicht abgewandelten Text aus Ahasverus' Arie dieses Preislied an:
Jauchzend schallt sein Lied im Chor/laut zu seinem Preis empor.

Bevor Haman von den Guards ergriffen werden kann, philosophiert er (man kann sagen, in typisch Händelscher Manier) über die Bedeutung der Gnade:
How art thou fall'n from thy hight
Wie tief dein Fall von der Höh'!/Zittre, o Ehrgeiz, sieh mich an!

Esther ist von einem großen Druck befreit und bringt ihre Freude mit der begeisterten Unterstützung einer Israelitin in einem gemeinsamen Gesang zum Ausdruck, der nicht nur Gottes Hilfe hervorhebt, sondern gleichzeitig auch den Dank an den Höchsten ausdrückt.

Dritte Szene
Den Israeliten gehört die letzte Szene, die aus einem großen Triumph- und Dankgesang besteht. Darin wird die Befreiung des Volkes aus großer Gefahr allein Gott Jehovah zugesprochen; die Königin Esther spielt in diesem wuchtigen D-Dur-Chorsatz, den ein Solo-Sopran mit einem jubilierenden „Alleluja“ begleitet, ebenso wenig eine Rolle, wie der gegenüber Esther und ihrem Volk so großzügige Ahasverus:
Chor: The Lord our enemy has slain/Der Herr hat unsern Feind besiegt!
Sopran-Solo: Alleluja!
Chor: Ye sons of Jacob, sing a cheerful strain!/Ihr Söhne Jakobs, singt ein freudig Lied!
Sopran-Solo: Alleluja!
Chor: Sing songs of praise, bow down the knee,/the worship of our God is free!
Preist ihn mit Dank, im Staube kniet,/wir singen frei Jehovahs Lied!

Sopran-Solo: Alleluja!
Chor: For ever bless'd be thy holy name,/let Heav'n and earth his praise proclaim.
Auf ewig preiset ihn im Heiligtum,/künd' Erd' und Himmel seinem Ruhm.

Sopran-Solo: Alleluja!


INFORMATIONEN ZUM WERK

An Händels Geburtstag, dem 23. Februar 1732, wurde durch den Königlichen Kirchenchor unter der Leitung seines Dirigenten Bernhard Gate in der Crown & Anchor Tavern, die sich in der Straße „Strand“ befand, die Masque „Haman and Mordechai“ konzertant aufgeführt. Der Erfolg war so groß, dass es zu zwei Wiederholungen kam. Als dann für den 20. April plötzlich eine öffentliche Aufführung von ESTHER als „Oratorio or sacred Drama“ in den York Buildings angekündigt wurde, reagierte Händel sofort. Sei es, dass er sich als Autor übergangen fühlte, sei es, dass er in seiner frühen „Masque“ noch schlummerndes Potential ausgemacht hatte, beauftragte er Samuel Humphrey, „Haman and Mordechai“ zu einem dreiteiligen Oratorium umzuarbeiten.

Nun als ESTHER betitelt, kam das neue Werk am 2. Mai 1732 im King's Theatre am Haymarket zur Uraufführung; die Ankündigung enthielt den Hinweis „There will be no Action on the Stage, but the House will be fitted up in a decent Manner, for the Audience“. Das war offensichtlich notwendig, weil der Bischof von London, Dr. Edmund Gibson, die Aufführung mit Bühnendekoration, wie eine Oper, untersagt hatte.

Der Erfolg war durchschlagend und das wird zu einem großen Teil den Spitzenkräften zuzuschreiben sein:
Esther - Anna Maria Strada (Sopran)
Ahasverus - Senesino (Altkastrat)
Harbonah - Francesca Bertolli (Alt)
Mordechai - Francesca Bertolli (Alt)
Haman - Antonio Montagnana (Bass)
Eine Israelitin - Ann Turner Robinson (Sopran)
Ein Israelit - Mrs. Davis (Sopran)

Händels Instrumentarium bestand neben der üblichen Streichergruppe und den Bläsern (je zwei Flöten, Oboen, Fagotte, Hörner sowie drei Trompeten) aus Theorbe, Harfe, zwei Cembali und der Orgel. Händel zahlte seinen Reinerlös von 400 Pfund für den Erwerb eines Aktienpaketes von der englischen Südseegesellschaft.

Sieht man einmal von er erheblichen Erweiterung der Textgrundlage, der Masque „Haman and Mordechai“, ab, lässt man die Einschübe aus den Chandos Anthems mal beiseite, gilt es festzuhalten, dass ESTHER nach Händels Vorstellung nun zu einem Oratorium gestaltet worden war. Damit zielte der Komponist natürlich auch auf einen größeren Zuhörerkreis, als die Urfassung sie bot. Tatsächlich brachte ESTHER es während Händels Lebenszeit auf über 50 Wiederholungen, die oftmals von Umschichtungen von Stücken oder auch Neukompositionen einzelner Soli begleitet waren. Friedrich Chrysander berichtete in seinen Forschungsarbeiten, dass sich vor allen Dingen nach Händels Tod „zahllose Entstellungen, bis zu unglaublichen Willkürlichkeiten“ gerade bei ESTHER eingeschlichen hätten. Er legt im Vorwort seiner Notenausgaben von 1882 zu beiden Fassungen den Wert auf die Feststellung, dass er „erstmals“ eine „originale Ausgabe“ besorgt habe.

© Manfred Rückert für Tamino-Oratorienführer 2012
unter Hinzuziehung folgender Quellen:
Partitur mit Libretto der Notenausgabe von Friedrich Chrysander (Leipzig 1882)
Scheibler/Evdokimova: Georg Friedrich Händel: Oratorien-Führer (Lohmar 1993)
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Montag, 1. Oktober 2012, 20:11

Diskographische Hinweise

Bei den Tamino-Werbepartnern Amazon und jpc gibt es nur zwei Einspielungen der ESTHER von 1732:



die nebenstehende Aufnahme wird mit Rosemary Joshua als Esther, James Bowman als Ahasverus, Susan Bickley als Mordechai, Christopher Purves als Haman, dem Londoner Händel-Chor und -Orchester unter der Leitung von Laurence Cummings gelistet.



Christopher Hogwoods Aufnahme mit den Solisten Kirkby, Kwella, Rolfe Johnson, Minter, King Partridge u.a.; Chor und Orchester der Academy of Ancient Music.
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