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Alfred_Schmidt

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91

Dienstag, 7. Januar 2014, 20:01

Zitat

Ist Pfitzner gewichtiger als Spohr?

Das ist schwierig zu beantworten. Spohr ist heute weitgehend vergessen - nicht nur seine Werke - auch die Person. Daß das in einem Klassikforum nicht wirklich zutrifft liegt in der Natur der Sache.
Pfitzner hingegen ist eine Zielscheibe für viele - auch Leute, die noch nie einen Ton von ihm gehört haben urteilen über ihn.
Anders formuliert: Das Thema Pfitzner birgt ein gewisses Streitpotential - von Spohr möchte ich das nicht behaupten.

Ein gewisser Alfred Schmidt hat nämlich 2012 einen Thread über Spohrs Sinfonien gestartet.
Das Interesse war null

Louis Spohr - die Sinfonien

Aber auch der von Johannes Roehl gestartete Thread über die Kammermusikk von Spohr war nicht unbedingt ein "Renner"

Spohr, Louis: Kammermusik

Der "allgemeine Spohr Thread ist etwas erfolgreicher gewesen - immerhin läuft er schon seit 2007

Louis Spohr - Kassels berühmter Musiker


Der "alte" Pfitzner-Thread brachte es hingegen auf knapp 120 Beiträge

Hans Pfitzner - "Phönix aus der Asche?"

Auch der "neue" Pfitzner-Thread von 2013 - wiederum von mir gestartet war durchaus gut besucht

Hans Pfitzner - Sein musikalischer Stellenwert in unserer Zeit

Wolframs Kammermusikthread ides stiess - ungerechterweise - auf kein Interesse
was aber an der damaligen Mitgliederzusammensetzung lag - für die Zukunft rechne ich mir da Chancen aus.

Pfitzner ist sicher im Bewusstsein heutiger Klassikhörer mehr verankert als Spohr. Gehört werden beide (fast) nicht

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

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92

Dienstag, 7. Januar 2014, 20:10

Ich meinte das auschließlich pragmatisch. Da es schon threads zu Spohr bzw. Pfitzner gibt, muss man deren Stücke nicht unbedingt hier besprechen. Aber ich würde hiesigen Thread so weit fassen, dass auch Spätromantik (wie zB Franz Schmidt) dabei sein kann.

Alfred_Schmidt

Administrator

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93

Dienstag, 7. Januar 2014, 20:17

Der hiesige Thread ist aus meiner Sicht eine Art Trailer, wo man unbekanntere Komponisten und Werke kurz besprechen und musikhistorisch einordnen kann - darauf aufmerksam machen und anregen - und zugleich abchecken inwieweit sich ein eigener Kammermusik-Thread für einen speziellen Komponisten lohnt...
Das Forum unterliegt ja - was die Mitglieder betrifft einer gewissen Fluktation. Was heute nicht möglich ist kann morgen möglich sein - und umgekehrt. Wir beobachten das und richten das Forum stets nach den jeweiligen Gegebenheiten aus...

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Felix Meritis

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94

Dienstag, 7. Januar 2014, 22:57

Tatsächlich dachte ich bei Starten des Threads weder an Spohr noch an Pfitzner, sondern mehr an wenig bekannte Vertreter der Hochromantik und Spätromantik, bzw. an obskure Werke von berühmten Komponisten (bspw. Bruckners Streichquartett). Da Spohr gerade einen eigenen u.a. von mir gefütterten Kammermusikthread hatte, wollte ich ihn nicht hier besprechen. Pfitzner war mir eindeutig zu spät (genannt sind ja Mendelssohn, Schumann und Brahms). Aber das muss natürlich nicht so bleiben, vor allem da Pfitzner bereits in den späten 1880er Jahren bedeutende Kammermusikwerke schuf.

Ob Spohr oder Pfitzner bedeutender ist, kann ich nicht beantworten. Ich persönlich schätze Pfitzners Musik mehr.

Felix Meritis

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95

Montag, 27. Januar 2014, 23:42

Ferdinand David - Streichsextett op. 38

Ferdinand David (1810 - 1873) war einer der besten Geiger des 19. Jahrhunderts und viele Jahre lang der Konzertmeister Mendelssohns am Gewandhaus zu Leipzig. Mit Mendelssohn verband ihn eine enge Freundschaft seit den späten 1820er Jahren. Witzigerweise wurden beide zufällig, etwa im Zeitabstand von einem Jahr im selben Haus in Hamburg geboren. Ebenso wie Mendelssohn war David auch ein konvertierter Jude und es fällt auf, was sicherlich auch dazu beitrug, dass er so schnell in Mendelssohns engsten Vertrautenkreis aufstieg. Seine geigerische Ausbildung erhielt David teilweise bei Louis Spohr und er war es, der Mendelssohn bei Komposition dessen e-Moll Konzerts über Jahre hinweg mit praktischen Hinweisen behilflich war (obwohl Mendelssohn selbst ein fähiger Geiger war). David führte das Werk auch zum ersten Mal in Leipzig auf (1844). Als Komponist steht David wenig überraschenderweise in der klassizisisch-romantischen Tradition Mendelssohns, auch als Leipziger Schule bekannt. Heutzutage sind seine Kompositionen mehr oder weniger vergessen, viel mehr noch als die Reineckes oder anderer Gleichgesinnter. Nach mehrmaligen begeistertem Hören Davids Streichsextett op. 38 scheint mir das vollkommen unverständlich. Das Werk entstand 1861, also ein Jahr vor Brahmsens op. 18 und hat eine etwas andere Besetzung als gewöhnlich: 3 Violinen, 1 Bratsche, 2 Celli. Die Faktur ist sehr dicht, ganz an Mendelssohns Streichquintetten geschult, die melodische Erfindung frisch und - natürlich - hervorragend den Streichern in die Finger komponiert. Den Kopfsatz empfinde ich als wahrhafte kontrapunktische Tour de Force, obwohl er durchwegs melodisch gehaltvoll bleibt. Wirklich fantastisch ist aber das Adagio (das auch zu Davids Begräbnis gespielt wurde)! Hier wird das Niveau von Brahms oder Bruckner erreicht - einfach wunderbar. Dieser Satz verdiente viel größere Bekanntnheit. Auch die letzten beiden Sätze halten das Niveau, sodass ich von diesem Streichsextett wirklich dagen kann, dass man es Brahmsens Erstling in der Gattung an die Seite stellen kann.



Die einzige Einspielung des Werks stammt vom Hartmann Quartett in Zusammenarbeit mit Barbara Hartmann und Susanne Raßbach.

Felix Meritis

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96

Mittwoch, 29. Januar 2014, 17:21

Rabl/Labor wurden soeben bestellt.

Die von Johannes vorgestellte CD mit Klarinettenkammermusik von Walter Rabl und Josef Labor habe ich mir inzwischen angehört:

Das Klarinettenquintett von Labor hat für mich überhaupt nichts spätromantisches. Im Gegenteil: Weber lässt grüßen. Ein hübsches Werk. Das Klarinettenquartett (!) von Rabl hat mir allerdings besser gefallen. Sicherlich, es ist eine brahmssche Stilkopie, aber sehr gekonnt. Um ehrlich zu sein, könnte ich es im Blindtest von Brahms nicht unterscheiden. Die Themen sind markant, die Verarbeitung hervorragend. Ein sehr hörenswertes Werk!

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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97

Mittwoch, 29. Januar 2014, 18:42

Nur um Missverständnisse zu vermeiden: Ich kenne diese Cedille-CD nicht, hatte sie nur als weitere Option für das Rabl-Werk, das ich mit Zemlinsky und Brahms gekoppelt vorliegen habe, angeführt.

Ich habe mir inzwischen noch eine CD mit Trios für Oboe, Horn und Klavier von Herzogenberg und Reinecke besorgt (wovon eines auch auf der oben gezeigten CD mit Meyer etc. drauf ist), aber die muss ich noch mal in Ruhe hören, bevor ich was dazu sage. (Leider z Zt. nicht gerade wohlfeil, außer als Download.)


lutgra

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98

Mittwoch, 29. Januar 2014, 22:19

Heute eingetroffen, ich bin gespannt! ^^

1 Stunde später:
Nun bin ich entspannt: op.50 von Paul Juon kann man ohne Probleme neben die Beiträge von Brahms, Dvorak und Faure ins Regal stellen. Kammermusik vom Feinsten, das Adagio lamentoso (3. Satz) ist hinreissend.

klassik. com 06 / 08: "Die Musik Paul Juons ist ebenso faszinierend wie unbekannt. Die vier Interpreten entfalten in diesen Werken eine enorme Klangpracht. Ihr Vortrag ist sehr kraftvoll, präzise und dennoch absolut mitreißend. Schwungvoll und knackig hauchen sie Juons Musik neues Leben ein. Genau so sollten unbekannte Stücke dem Publikum vorgestellt werden! Dazu kommt eine gelungene Klangtechnik, die zum uneingeschränkten Hörvergnügen beiträgt. Auch das Beiheft ist recht informativ und gut zu lesen." Ensemble 08 / 08: "Die Musiker interpretieren mitreißend, farbig und von ungebremstem Engagement hoch motiviert."

Felix Meritis

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99

Donnerstag, 30. Januar 2014, 16:15

Juon hatte ich irgendwie als Russen im Hinterkopf gespeichert und ihn deshalb für den Thread bei meinen Einkäufen nicht berücksichtigt. Das war wohl ein Fehler, denn ich habe schon viele gutes über seine Kammermusik gehört.

  • »kurzstueckmeister« ist männlich

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100

Mittwoch, 16. April 2014, 16:52

Ich habe in den letzten Tagen einiges an deutscher Kammermusik von 1830-1870 von den nicht-Mendelssohn-Schumännern gehört und mit meinen Erinnerungen an diesen Thread abgeglichen.
Am meisten elektrisiert haben mich dabei das Streichquartett der Fanny Hensel und das Klaviertrio der Clara Schumann, was mich überrascht, da ich früher Volkmann, Kiel und Goetz den Vorzug gegeben habe. Hensels Stück ist wild und experimentell, insofern ganz wie das, was Schumann und Mendelssohn um diese Zeit so gemacht haben. Ich habe es zum ersten Mal gehört und ohne es mit ihren berühmten Vorbildern zu vergleichen. Clara Schumanns Klaviertrio kenne ich schon länger, es kommt mir offenbar bei jedem Hören näher.
An zweiter Stelle kämen meine alten Favoriten Robert Volkmann, dessen Streichquartette ich komplett wiedergehört habe, und Hermann Goetz mit seinem Klavierquartett. Felix Meritis' Behauptung, Volkmann sei "melodischer" als Goetz kann ich nicht nachvollziehen, im Gegenteil, mir bleiben eher Goetzens Melodien im Ohr. Volkmann ist klassizistischer, arbeitet thematisch und macht gerne überraschende Wendungen, Goetz schwelgt im romantischen Empfinden, beide sind verglichen mit Verdi keine Melodiker. Zum Vergleich habe ich besonders das letzte Streichquartett Volkmanns als sein kammermusikalisches Hauptwerk gegen Volkmanns Klavierquartett gehalten. Gerade der langsame Satz zeigt bei beiden, dass durch Aufschwingen der Hauptstimme romantisches Pathos suggeriert wird, obwohl eigentlich keine richtige Melodie da ist. Goetz bezieht den Hauptteil des Ausdrucks aus der zweimalig zu hörenden Begleitfigur. Bei beiden habe ich aber die spröderen, experimentelleren Stücke lieber: Volkmanns 1. Streichquartett mit seinen absurden Momenten der motivischen Abspaltung im langsamen Satz und Goetz' neobarockes Klavierduo (diesmal nicht gehört).
Joachim Raff gehört wohl auch in die Reihe, von ihm habe ich ein paar Stücke für Violine und Klavier gehört, die aber wohl nicht so die herausragenden Hauptwerke waren.
Die nächste Gruppe ist dann schon etwas für eingefleischte Abwegige: Friedrich Kiel mit einem eher frühen Klaviertrio, das etwas bunt und formell nicht so zwingend mir vorkam, Sigismund Thalberg, der sehr schön für die Instrumente schreibt in seinem Klaviertrio, aber thematischer Arbeit ziemlich abhold ist, Emilie Mayer als Erstkontakt, der ein wenig an mir vorbeirauschte, Franz Lachner, der in seinem Nonett zwar schöne Ideen abwechslungsreich instrumentiert, aber zu lange ausdehnt.
Ich poste noch ein paar CDs, die hier bislang noch fehlen:

Moscheles/Thalberg Klaviertrios: Göbel-Trio

Franz Lachner: Nonett, etc.

Clara Schumann

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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101

Mittwoch, 16. April 2014, 17:29

Ich habe anscheinend nur ein Trio von Fanny (gekoppelt mit den beiden Felix-Trios vom Abegg-Trio) und nichts von Clara. Was hast Du da für Aufnahmen?
Meiner Erinnerung nach ist das am wenigsten klassizistische Stück Volkmanns ein Klaviertrio mit einer sehr ungewöhnlichen, eher rhapsodischen Form. Das hat mir auch ziemlich gut gefallen. Zu Goetz habe ich irgendwo, als ich die CDs neu hatte, schonmal was geschrieben...


  • »kurzstueckmeister« ist männlich

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102

Mittwoch, 16. April 2014, 17:38

Ich habe eine cpo-Streichquartett-Kompilation mit den Komponistinnen Fanny Hensel, Emilie Mayer und Laura Lombardini gespielt vom Erato-Quartett. Konnte ich bei amazon nicht finden. Clara siehe oben.
:hello:

  • »Johannes Roehl« ist männlich

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103

Mittwoch, 16. April 2014, 17:51

jpc hat sie noch. Interessanterweise gibt es mindestens 4 weitere Aufnahmen des Stücks, u.a. sogar mit dem Quatuor Ebene. Und von Claras Trio eher noch mehr...


Felix Meritis

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104

Mittwoch, 16. April 2014, 23:00

Schön, dass der Thread mal wieder nach vorne kommt!

Es ist tatsächlich seltsam, dass ich Clara Schumanns Trio hier noch gar nicht besprochen habe, denn ich kenne das Werk schon lange und schätze es auch sehr. Überhaupt gefällt mir alles, was ich von Clara Schumann habe, gut - vor allem die g-Moll Klaviersonate und diverse kürzere Stücke für Violine und Klavier. Vielleicht hole ich das mal nach - allerdings habe ich die CDs nicht in mein schweizer Exil mitgenommen (wie so manch anderes auch nicht, leider).
Fanny Mendelssohn Hensels Musik sehe ich etwas zwiespältiger (siehe Beitrag 55 in diesem Thread), denn das Streichquartett hat sicher wunderbare Momente - vor allem im langsamen Satz - aber insgesamt finde ich das Werk recht unausgegoren. Auf jeden Fall würde ich aber die Interpretation des Quatuor Ebene empfehlen. Die Aufnahme vom Erato-Quartett hat mich detlich weniger beeindruckt.

Bei Volkmann würde ich nicht unbedingt das 6. SQ als das bedeutendste Kammermusikwerk veranschlagen, obwohl es vielleicht das insgesamt gelungenste ist, sondern eher das b-Moll Klaviertrio und das f-Moll Streichquartett. Beide sind definitiv nicht klassizistisch sondern formal vollkommen unorthodox. Überhaupt kann man Volkmann nicht einfach als Klassizisten verbuchen, denn mit den beiden genannten Kompositionen und der symphonischen Dichtung "Richard III." geht er eindeutig auf die Neudeutschen ein. Bezüglich der Eingängigkeit des theamtischen Materials bei Goetzens Kammermusik werd ich wohl mit KSM nie auf einen grünen Zweig kommen. Immerhin gibt er ja zu, dass der langsame Satz des Klavierquartetts keine richtige Melodie hat ;) . IMHO trifft das auch auf die anderen Sätze zu. Komischerweise gefällt mir die Orchestermusik von Goetz sehr - seine F-Dur Symphonie ist vielleicht die beste, die ich von den deutschen Romantikern jenseits der großen gehört habe.
Bezüglich Raffs Violinsonaten stimme ich zu - die Werke sind mehr oder weniger unbedeutend. Ganz anders als die Klaviertrios, die Klavierquartette und das Klavierquintett. Vor allem erstere haben auch wirklich sehr eingängige Melodien zu bieten. Ein wenig nervig bei Raff ist seine Neigung zu überlangen, wenig originellen Variationssätzen.

Bei Kiel habe ich sowohl die Klaviertrios, als auch die Klavierquartette und die Klavierquintette erworben. Von diesen sind die Klavierquartette mit Abstand die gelungensten Kompositionen und definitiv sehr hörenswert - für mich einer der schönsten Entdeckungen im letzten Jahr. Mit Gernsheim und Herzogenberg konnte ich mich leider deutlich weniger anfreunden....

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105

Donnerstag, 17. April 2014, 10:18

Überhaupt kann man Volkmann nicht einfach als Klassizisten verbuchen
Ich fühle mich in den Streichquartetten aber dauernd an Haydn und Beethoven erinnert. Nicht, dass mich das sonderlich stören würde ... neben dem 1. mag ich besonders das 3. und 4. mit ihren "volkstümlicheren" Elementen immer wieder. Die beiden letzten, die mitunter besonders hervorgehoben werden, muss ich noch paarmal anhören.
:hello:

Felix Meritis

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106

Donnerstag, 17. April 2014, 10:59

Überhaupt kann man Volkmann nicht einfach als Klassizisten verbuchen
Ich fühle mich in den Streichquartetten aber dauernd an Haydn und Beethoven erinnert. Nicht, dass mich das sonderlich stören würde ... neben dem 1. mag ich besonders das 3. und 4. mit ihren "volkstümlicheren" Elementen immer wieder. Die beiden letzten, die mitunter besonders hervorgehoben werden, muss ich noch paarmal anhören.
:hello:

Das stimmt schon - einige Quartette, vor allem 3 und 6, sind sehr konservativ (trotzdem für mich insgesamt am überzeugendsten). Offensichtlich scheint Volkmann an einem "Mix" interessiert gewesen zu sein, denn das 5. SQ ist definitiv avantgardistisch. Die Quartette 2 und 4 sehe ich ein wenig im Fahrwasser Mendelssohns, das 1. wiederum bezieht sim mMn deutlich auf den späten Beethoven. Ich mag alle sechs Quartette sehr gerne!


Uebrigens, als kleiner Nachtrag zu Deinem ersten Post: das Thema aus dem langsamen Satz des 6. SQ ist dem langsamen Satz aus Schumanns Klavierquartett entlehnt.

lutgra

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107

Samstag, 21. Mai 2016, 20:58

Ignaz Lachner Streichquartett op. 74

Bei manchen in Vergessenheit geratenen Komponisten der Vergangenheit kann man nach Hören ihrer Werke zumindest erahnen WARUM sie vergessen wurden - Bei Ignaz Lachners Streichquartetten verstehe ich es jedoch NICHT.

Bis vor kurzem war mir gar nicht bewusst, dass es mehr als einen Lachner gab. Franz Lachner kannte ich von seiner 1. Symphonie her und einem Oktett, aber Ignaz sagte mir nichts. Nun habe ich sein Quartett op. 74 gehört und kann unserem Forumbetreiber nur voll zustimmen. Das ist ein sehr schönes und hörenswertes Werk. Dass es 1873 vielleicht nicht mehr die vorderste Front der Entwicklung markierte, "who cares". Jedenfalls bin ich neugierig auf die anderen Quartette. Das mir bisher ebenfalls unbekannte Rodin Quartett konnte mich ebenfalls überzeugen. Die im Booklet ausführlich beschriebene Lebensgeschichte von Ignaz Lachner fand ich sehr sympathisch, immerhin hat der Mann an drei Orten gewirkt, an denen ich auch Phasen meines Lebens verbracht habe bzw verbringe: München, Hamburg, Stuttgart. :jubel:


lutgra

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108

Freitag, 20. Januar 2017, 20:42

Fritz Brun 3. Streichquartett (1941)

Der schweizerische Komponist Fritz Brun, dessen 9 Symphonien durch die Einspielungen von Adriano langsam ins Bewusstsein der musikalischen Öffentlichkeit gelangt sind, hat auch insgesamt vier Streichquartette geschrieben über einen Zeitraum von insgesamt 50 Jahren. Das letzte über ein Radiopausenzeichen von Radio Zürich. Das 3. Quartett ist - soweit meine Recherchen korrekt sind - das einzige, das bisher eingespielt wurde und zwar vom schweizerischen Amar Quartett.
Das viersätzige Werk mit ca 36 min Spieldauer würde ich der Brahms-Nachfolge zuordnen. Es ist klanglich teils etwas schroffer/moderner, aber nur um Nuancen, Errungenschaften der 2. Wiener Schule oder des Impressionismus sind nicht auszumachen. Das Werk liegt durchaus nicht unangenehm im Ohr, ist aber melodisch beim ersten Hören nicht sehr ergiebig und bedarf sicher weiter Hördurchgänge, um es abschliessend beurteilen zu können.