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Alfred_Schmidt

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1

Dienstag, 16. Juli 2013, 20:57

Sind die Medien schuld am "Klassikdesaster?"

Also zugegeben - Das Wort "Klassikdesaster" ist eine Provokation -.als "Eyecatcher für diesen Thread gedacht - und nicht wirklich zutreffend. Und dennoch - ein Körnchen Wahrheit steckt schon hinter diesem Threadtitel.
So haben es beispielsweise die einst führenden Klassiklabels verabsäumt einerseits die Erinnerung an ihre verblichenen Stars wach zu halten und andrerseits für ÄDIQUATEN Nachwuchs zu sorgen, bzw hat man sich mit meist untauglichen Mitteln bemüht - unter Negierung der Mentalität des Großteils der Klassikhörer, scheinbar beraten von Managern aus dem Waschmittelhandel oder Eventmanagement für geistig unterbelichtete Teenies. Ach ja die Modebranche habe ich noch vergessen.
Ebenso wurde verabsäumt, welche Komponisten, die sozusagen auf der Reservebank sitzen, zu promoten, bevor man eine Aufnahme von einem ihrer Werke macht. Hier sind natürlich die "Großen" sowieso nicht angesprochen - denn denen fällt sowas gar nicht ein.
Hier sind die "Independent" Labels betroffen. Ob man wohl bei "ONDINE" (das Beispiel bietet sich geradezu an) gewusst hat, daß beispielsweise Erkki Melartin - bei aller Berühmtheit in Finnland und - auch internationaler - Anerkennung zu Lebzeiten in vielen deutschen Konzertführern keinen Eintrag hat.

Es wurde immer wieder geschrieben, daß Elternhaus und Schule hier versagen, aber ich meine, das größere Versagen liegt bei den Medien, welche die Klassische Musik geradezu totschweigen, Vom Internet ganz zu schweigen, wo immer wieder über "gute Musik" gesprochen wird - aber es ist alles andere damit gemeint als Klassik. Die Kulturfeuilletonisten der Zeitungen wären gefragt, aber entweder fürchten sie, Artikel zu verfassen, die am Leserinteresse vorbeizielen - oder sie haben mit Klassik selbst eher wenig am Hut - sodaß sie kritiklos die PR-Texte von Veranstaltern und Schallplattenproduzenten übernehmen - auch wenn manchen davon die golden Palme des Stumpfsinns zugesprochen werden sollte......

Tamino kämpft gegen diese Tendenzen an - so gut es geht - und im allgemeinen recht tapfer und engagiert - wie ich meine.
Aber wenn auch die dort versammelten Mitglieder nach Eröffnung eines Threads über einen "exotischen" Komponisten - sei er aus dem 18. oder 21. Jahrhundert hilflos bis desinteressiert darauf reagieren, einfach weil sie diesen Komponistwen nicht kennen - und auch nicht kennenlernen wollen - dann kommt einem das gelegentlich doch vor wie der berühmte Kampf gegen die Windmühlen...

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

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lutgra

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2

Dienstag, 16. Juli 2013, 21:49

A guide to the symphony

Ein Musikführer, in dem auch Erkki Melartin Erwähnung findet (seine 5. wird hervorgehoben, die werde ich als nächstes hören) und der mangels Alternative für Freunde der symphonischen Musik eigentlich unverzichtbar ist, ist "The guide to the symphony" von Robert Layton, einem englischen Musikschriftsteller, der über 30 Jahre bei "Gramophone" für diesen Bereich zuständig war und ein sehr guter Kenner der skandinavischen Szene ist. Typischerweise ist das Buch von 1995 längst vergriffen und auch nie ins Deutsche übersetzt worden. Beim Fluss im Urwald gibt es ein paar völlig überteuerte Neuexemplare sowie ein paar gebrauchte für unter € 10.

A guide to the symphony

MSchenk

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3

Dienstag, 16. Juli 2013, 21:57

Erst "Klassikkrise", jetzt "Klassikdesater"!? Es tut mir leid, aber die hier herbeigeschriebene Apokalypse wird auch durch ständiges repetieren nicht richtiger! - Die "Klassikvermarkter" könnten sich auf den Kopf stellen und trotzdem wird klassische Musik kein Massenvergnügen; es ist nie ein solches gewesen, es wird nie ein solches - wäre ein solcher Zustand überhaupt erstrebenswert? Die Gründe jedenfalls liegen definitiv nicht im Bereich der Vermarktung. Vielleicht könnte mehr vom Elternhaus ausgehen, vielleicht müsste mehr in den Schulen passieren. Diese Fragen werden hier im Forum ausführlich diskutiert. Trotzdem wird klassische Musik nie die Rolle spielen, die heute Rock und Pop-Musik spielen.

M.E. ist das Gegenteil richtig: Nie hat es so viele Aufnahmen klassischer Musik käuflich zu erwerben gegeben, nie hat es mehr kleine und große Festivals und Eventveranstaltungen gegeben. Nie war der Zugang zur klassischen Musik leichter, als heute. Wo also ist die Krise? Was ist so desaströs?
mfG Michael

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Milletre

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4

Dienstag, 16. Juli 2013, 22:03

Was früher Unterhaltung war, hat sukzessive die Kulturszene erobert

Zweifelsohne sind die Medien an dieser bedauerlichen Situation mitschuldig. Denn was heutzutage Eingang in die Kultursparten findet, wie Pop- oder Rap-Interpreten, denen so manche Tageszeitung in der Sparte "Kultur" fast ganzseitige Berichte widmen, obwohl diese Produktionen zur Unterhaltung oder in den Bereich Life Events gehörten, ist mitschuld an der Auszehrung der von vielen verächtlich bezeichneten "Hochkultur".

Wenn ich den Kulturteil meiner Tageszeitung öffne, finde ich Berichte über Opernpremieren meist als ärmliche Einspalter, dafür aber eine ganze Seite über Robby Williams oder ähnliche Rocktypen.

Natürlich hat Alfred recht, daß man in der CD-Industrie auf Newcomer setzt und dabei die historischen Größen der Klassikbranche sträflich vernachlässigt, ja totschweigt. Weiters werden durch die Zensur bedeutende Aufnahmen gestrichen, damit die Kundschaft ja nicht auf den Gedanken kommt, etwa auf Jussi Björling oder Cesare Siepi erpicht zu sein. Dafür bieten dann die Firmen Andrea Bocelli oder André Rieu an, die auf Teufel komm raus vermarktet werden müssen.

Auch das Fernsehen schwimmt da eilfertig in diesem Strom der Zeitgeistigkeit mit, man sehe sich nur den "Kulturmontag" des ORF an!
Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

Strano Sognator

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5

Dienstag, 16. Juli 2013, 22:16

M.E. ist das Gegenteil richtig: Nie hat es so viele Aufnahmen klassischer Musik käuflich zu erwerben gegeben, nie hat es mehr kleine und große Festivals und Eventveranstaltungen gegeben. Nie war der Zugang zur klassischen Musik leichter, als heute. Wo also ist die Krise? Was ist so desaströs?
Selten genug sind wir mal einer Meinung, aber in diesem Fall ganz bestimmt ;) Ich kann auch nicht wirklich eine "Krise" feststellen. Nie war es so einfach, selbst (angeblich) lang vergessene Sänger und Instrumentalisten oder sogar ganze Opern z.B. auf youtube zu erleben. Ich würde mich selbst nicht als unbedarft bezeichnen, was klassische Musik betrifft, aber was ich allein durch das Internet an zumindest für mich neuen und hervorragenden Künstlern - und zwar gerade verstorbenen Künstlern - in den letzten Jahren kennengelernt habe, ist ganz erstaunlich. Wer das also will, dem stehen mehr Möglichkeiten zur Verfügung, als dies jemals der Fall war. Die Frage ist allerdings, ob das alle wollen bzw. ob das alle jemals gewollt haben. Und da habe ich so meine Zweifel.


Wenn ich den Kulturteil meiner Tageszeitung öffne, finde ich Berichte über Opernpremieren meist als ärmliche Einspalter, dafür aber eine ganze Seite über Robby Williams oder ähnliche Rocktypen.
Ja, lieber Milletre, war das denn aber nicht immer so? Ich kann mir kaum vorstellen, dass in den Sechzigern z.B. den Beatles weniger Seiten in Tageszeitungen zugebilligt worden wären, als es beispielsweise mit Bastianini geschah, auch wenn du und ich letzteres natürlich freudigst begrüßt hätten und begrüßen würden. :hello:
Ich gebe dir aber insofern recht, als das, was heute unter dem Label "Kultur" vermarktet wird, damit häufig nichts oder nur sehr wenig zu tun hat.
"Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

Rheingold1876

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6

Dienstag, 16. Juli 2013, 22:22

Das Desaster ist der Überfluss

Auch ich sehe nicht den Schatten vom Schatten eines Klassik-Desasters. Ich sehe nur Berge von Musik auf mich zurollen, dass es mir Angst wird. Mit den Boxen, die eine nach der anderen auf den Markt geworfen werden und die immer größer werden, kann man sich schon Häuser bauen. Klemperer, Rubinstein, Walter, Furtwängler, Karajan, Celibidache, Gould, Kleiber, Bernstein, Abbado, Maazel... Der ganze was weiß ich wer noch alles. Querschnitte, Fritz Wunderlich, Fischer-Dieskau ohne Ende, Gedda und so fort. Inzwischen überwiegt das Historische. Diese Mengen sind schon zum fürchten. Nicht mehr zu überblicken ist das DVD-Angebot. Niemals zuvor hat es so viele greifbare Titel gegeben wie heutzutage. Im Netz lassen sich fast alle Platten ordern, die nicht auf CD gelangten. Es gibt hunderte Blogs, es gibt Youtube, Operashare, TodOpera, den grauen Markt in den USA. Es gibt Diskussionsforen, man findet so gut wie alle Liedtexte, Biographien, Libretti, Dokumentationen. E-Books zum Thema sind oft kostenlos herunterzuladen. Fast alle Radiostationen bieten eine Websparte an. Mehrere Seiten listen ständig aktualisiert auf, wer was international zu welcher Stunde sendet. Stationen im Internet verbreiten rund um die Uhr vollständige Opern und Konzerte. Immer mehr Häuser übertragen Vorstellungen in die Kinos. Wer will, kann täglich alles mögliche mitschneiden, gleich auf die Festplatte.

Wer in diesem Zusammenhang dem Netz etwas anlasten will, wie das im Eröffnungsbeitrag anklingt, der kennt sich schlicht nicht aus.

Was denn nun noch? Das Repertoire geht sehr in die Breite, in die Vorklassik, ins Barocke. Wer soll das alles je hören? Manche Komponisten sind vollständig auf Tonträgern festgehalten. Es gibt alle Lieder von Schubert gleich bei zwei Labels.

Und wenn sich niemand für die Sinfonien oder Streichquartette von Volkmann interessiert, dann ist das auch kein Beinbruch. Was wir vielleicht üben müssen, ist der Umgang mit diesem ausufernden Überfluss. Mich macht er nicht glücklich, dennoch bin ich froh, jetzt zu leben und dass mir Teilhabe möglich ist. Ein Desaster ist für mich allenfalls dieser Überfluss. Sonst nichts.

Die Dinge haben sich in den letzten Jahren sehr verlagert ins Netz. Das ist nun mal so, daran ist nicht zu rütteln. Dennoch widmen sich auch die Printmedien nach wie vor der Musik. Da muss man aber schon fünf oder sechs verschiedenen Titel lesen, um auf dem laufenden zu sein.

Mit besten Grüßen Rheingold
Es grüßt Rheingold (Rüdiger)

Erda: "Alles, was ist, endet."

9079wolfgang

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7

Dienstag, 16. Juli 2013, 22:35

Zitat MSchenk:

Zitat

M.E. ist das Gegenteil richtig: Nie hat es so viele Aufnahmen klassischer Musik käuflich zu erwerben gegeben, nie hat es mehr kleine und große Festivals und Eventveranstaltungen gegeben. Nie war der Zugang zur klassischen Musik leichter, als heute. Wo also ist die Krise? Was ist so desaströs?

Hallo, Michael!

Du siehst etwas, was ich nicht sehe! Wenn ich in diverse Plattenläden gehe (es gibt tatsächlich noch welche), dann ist die Klassik-Auswahl sehr überschaubar, wenn überhaupt eine existiert. Wo siehst du da die große Auswahl klassischer Aufnahmen?



MfG
W.S.

MSchenk

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8

Dienstag, 16. Juli 2013, 22:40

Nie war es so einfach, selbst (angeblich) lang vergessene Sänger und Instrumentalisten oder sogar ganze Opern z.B. auf youtube zu erleben.

Um dies zu unterstreichen: Als ich mit begann, mich etwa Ende der 80er mit klassischer Musik zu beschäftigen, waren Namen, wie z.B. Wilhelm Furtwängler zwar Legende, aber für meinen Plattenschrank unerreichbar! Außer vielleicht dem legänderen Tristan gab es nicht allzuviel zu kaufen. Auf die Mailänder Walküre (zwar schon auf CD, aber in grauenhafter Tonqualität) musste ich viele, viele Wochen warten. Dass es einen Keilberth-Stereo-Ring aus Bayreuth gab, war vermutlich nicht nur mir unbekannt! Dafür wurde auch damals schon mit den aktuellen Stars geworben: Es gab den Don Giovanni-Aufsteller zur Karajan-Aufnahme, die junge Anne Sophie-Mutter lächelte einen von überall her an usw. - Und heute? Ja, heute bekomme ich den kompletten Furtwängler-RAI-Ring zu einem Spottpreis!
mfG Michael

Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

enkidu2

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9

Dienstag, 16. Juli 2013, 22:48

Hallo Alfred,

wer ist denn nun Gegenstand Deiner Kritik: die ignoranten Medien oder die hilflos-desinteressierten Taminos, die nicht auf die neuen Threads anspringen?

Über die Medien rede ich nicht, die habe ich bereits abgeschrieben. Von denen erwarte ich nichts.

Also zu letzterem: Ich zähle mich momentan zu den hilflosen, leicht überforderten Taminos. Momentan scheinen im Taminoforum mehr Fäden als sonst gesponnen zu werden (so mein rein subjektiver Eindruck - ich hab's nicht gezählt). Mehr als ich momentan (nach einem 9-10 Stunden Arbeitstag) zu lesen vermag, von Musik hören ganz zu schweigen. Und wir haben endlich Sommer, da sollte man ja mehr mit Freunden abends draußen sein, als drinnen vor dem Computer. Ein weiterer Punkt ist, dass ich bereits Werke von mindestens 248 Komponisten besitze, die teilweise noch darauf warten gehört bzw. bewusster gehört zu werden, und nicht nur eben en passant. Darunter Jean Sibelius, Niels Gade, Edvard Grieg, Franz Berwald, Carl August Nielsen. Eben die "klassischen" Vertreter der nordischen Musik. Joseph Martin Kraus fällt da vielleicht etwas aus der Reihe, ebenso Johann Ernst Hartmann. Und wenn ich jetzt ein Resümee ziehen müsste – was ich eigentlich wollen würde, da mangels geeigneter Hörzeit noch kein faires Hören und damit eine abschließende Meinungsbildung möglich war – also, wenn ich ein Resümee ziehen müsste, dann wäre ich der nordischen Musik wohl eher weniger zugetan. Und eine Umschreibung wie "der Gustav Mahler Finnlands" vermag nicht wirklich meine Neugier zu wecken: zum einen wegen Gustav Mahler, zum anderen weil ich dann doch lieber das Original bevorzuge. Und das hat zur Folge, dass meine Kaufbereitschaft für CDs nordischer Komponisten derzeit sehr gering ist. Ohne Hören aber keine Meinung und damit kein Sinn, sich im entsprechenden Thread auch nur halbwegs qualifiziert zu äußern. Und gleiches gilt auch für Komponisten der sogenannten Neuen Musik.

Insofern bitte ich um Nachsicht, wenn ich nicht auf jedes neue Thema anspringe.

Gruß enkidu2
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Alfred_Schmidt

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10

Dienstag, 16. Juli 2013, 22:51

Zitat

Trotzdem wird klassische Musik nie die Rolle spielen, die heute Rock und Pop-Musik spielen.
Das kann sie nicht - und das SOLL sie auch NICHT.
DENNOCH: Auch ein Rolls-Royce kann nicht von jedem erworben werden - er ist aber ein Objekt der Begierde für viele.
Mich stört nicht, daß viele auf Grund ihrer primitiven Konstruktion unempfänglich für die "höheren Weihen" sind - sondern daß sie das nicht mal bedauern - überspitzt ausgedrückt - und daß dies ihrer Karriere nicht im Wege steht. So werden wir von stumpfen Tölpeln regiert, die über Subventionen und Werte der Gesellschaft entscheiden.

Ich gebe zu, daß das Angebot an Klassik nie so groß war wie heute - aber die BEDARFSWECKUNG ist nicht vorhanden. Beim Handy hat das indessen gut geklappt: Jeder Analphabet hat heute eines.

Ich erwarte von diesem Thread auch nicht wirklich eine Verbesserung - aber es ist ein interessantes Thema.

Man mag hier sagen, das könne mir alles ganz egal sein. Es betrifft mich aber indirekt.
Wenn man in meine Jugend einen High-End Lautsprecher erwerben wollte (es hiess damals "State of the Art"), dann wurde einem geraten auf die Wiedergabe des Diskant eines Klaviers zu achten, auf die feinen Töne einer Violine. Manch achta auf weibliche oder männliche Singstimme, die räumliche Auffächerung eines Chores und die Durchhörbarkeit eines Orchesters, den Klang der Pauken und der tiefsten Orgelpfeife - aber man weiche jeglicher Popmusik aus, welche durch Elektronik verfremdet und ausserdem a priori minderwertig sei. HEUTE werden Stimmen von "Sängern" aus mehr als "exotischen" Ländern als "Referenz" herangezogen um die Qualität solcher Lautsprecher zu dokumentieren, näher möchte ich mich nicht äussern.........

Da ist das Wort "Klassikdesaster" wahrscheinlich doch angebracht.....

mfg aus Wien
Alfred

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MSchenk

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11

Dienstag, 16. Juli 2013, 22:55

Hallo Wolfgang,

Zitat MSchenk:

Zitat

M.E. ist das Gegenteil richtig: Nie hat es so viele Aufnahmen klassischer Musik käuflich zu erwerben gegeben, nie hat es mehr kleine und große Festivals und Eventveranstaltungen gegeben. Nie war der Zugang zur klassischen Musik leichter, als heute. Wo also ist die Krise? Was ist so desaströs?
Du siehst etwas, was ich nicht sehe! Wenn ich in diverse Plattenläden gehe (es gibt tatsächlich noch welche), dann ist die Klassik-Auswahl sehr überschaubar, wenn überhaupt eine existiert. Wo siehst du da die große Auswahl klassischer Aufnahmen?

tatsächlich vermag ich Dir nicht ganz zu folgen: Sprichst Du jetzt dezidiert von Schallplatten? Dort ist die Auswahl (natürlich?) gegenüber dem auf CD verfügbaren Repertoire verschwindend gering. Aber diese Tatsache kann man den Klassikvermarktern m.E. nicht ernsthaft vorwerfen. Die Technik hat sich weiterentwickelt und ich würde heutzutage auch von einem Autohersteller nicht mehr verlangen, einen Zweitakter zu bauen (schon garnicht, wenn dies erkennbar zu Lasten des Preis-Leistungs-Verhältnisses für ein "normales" Auto geht und also Quersubvention darstellen würde) ;) Falls Du jedoch das generelle Vorhandensein von gutsortierten CD-/Plattenläden mit reichhaltiger Auswahl im Klassikbereich ansprichst, so hast Du natürlich grundsätzlich recht. Aber dies ist kein alleiniges Problem des Marktes für klassische Musik und vermutlich nicht einmal die originäre "Schuld" der Klassikvermarkter; schließlich kaufen auch wir hier im Forum nur zu gerne bei den einschlägigen Versendern und es wird kaum jemand ernsthaft behaupten wollen, dass der massive Rückgang von Ladengeschäften ursächlich für den fulminanten Aufstieg des Vertriebsweges "Internet" ist - eher dürfte es umgekehrt sein ...
mfG Michael

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MSchenk

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12

Dienstag, 16. Juli 2013, 23:02

Mich stört nicht, daß viele auf Grund ihrer primitiven Konstruktion unempfänglich für die "höheren Weihen" sind - sondern daß sie das nicht mal bedauern - überspitzt ausgedrückt -und daß dies ihrer Karriere nicht im Wege steht.

Entschuldige, Alfred, aber diese Aussage ist dumm und arrogant! - Solche Äußerungen gerne gegenüber Personen, mit denen man auf Augenhöhe spielt, aber auf meiner Augenhöhe spielst Du damit nicht ... :no:
mfG Michael

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13

Dienstag, 16. Juli 2013, 23:04

Ich gebe zu, daß das Angebot an Klassik nie so groß war wie heute - aber die BEDARFSWECKUNG ist nicht vorhanden. Beim Handy hat das indessen gut geklappt: Jeder Analphabet hat heute eines.

Der Vergleich hinkt nicht nur; eigentlich hat er gar keine Beine :hello:
mfG Michael

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Alfred_Schmidt

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14

Dienstag, 16. Juli 2013, 23:11

Zitat

Entschuldige, Alfred, aber diese Aussage ist dumm und arrogant!

Ich bin nicht dumm - habe den IQ eines "Genies" (lt Universitätsklinik Wien - Psychologie - Prof Quatember) bin aber zugegebenermaßen tendenziell arrogant und introvertiert, nicht teamfähig - und daher nicht erfolgskompatibel - Jeder hat einen Webfehler. ;)
Und damit wollen wir es auf sich beruhen lassen und vom allzu persönlichen wieder auf die Sachebene zurück kommen.

mfg Alfred

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15

Dienstag, 16. Juli 2013, 23:12

Wenn man in meine Jugend einen High- End Lautsprecher erwerben wollte (es hiess damals "State of the Art"), dann wurde einem geraten auf die Wiedergabe des Diskant eines Klaviers zu achten, auf die feinen Töne einer Violine. Manch achta auf weibliche oder männliche Singstimme, die räumliche Auffächerung eines Chores und die Durchhörbarkeit eines Orchesters, den Klang der Pauken und der tiefsten Orgelpfeife …

Als ich zuletzt beim HiFi-Händler meine Anlage gekauft habe, da wurde genau für diese Zwecke Jazz aufgelegt. Und dabei stellt man dann leider auch manchmal fest, dass Jazz-Stücke viel feiner aufgezeichnet wurden wie so manches kammermusikalische Werk aus der Universal-Schmiede (Philips, DGG, Decca) u.a.

Und Jazz ist inzwischen mehrheitsfähig, im Gegensatz zur Klassik. Times are changing.

Gruß enkidu2
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16

Dienstag, 16. Juli 2013, 23:26

Ich bin nicht dumm - habe den IQ eines "Genies"

Tröste Dich: Ich liege laut den gängigen Messungen nicht weit darunter :angel:
mfG Michael

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17

Dienstag, 16. Juli 2013, 23:37

Zitat

Und Jazz ist inzwischen mehrheitsfähig, im Gegensatz zur Klassik

Da muss ich Die leider widersprechen. Jazz ist zwar vom Image heute durchaus angesehen, aber der Marktanteil ist NOCH GERINGER als jener von Klassik.Wiens einzige ernstzunehmendes Jazz-Spezialgeschäft "Red Octopus Records" hat bereit 2009 dichtgemacht.
EMI Electrola Wien Kärntnerstraße hat Den Klassik- und den Jazzbereich zusammengelegt und ihre Topstellung in diesen Bereiche verspielt. Sie verkaufen jetzt Eintrittskarten für Oper, Konzert und "Events".

Der Jazzhörer ist indes anders gestrickt als der Klassikhörer - er hat keine "Standesdünkel" - folglich leidet er nicht darunter, daß seine Wichtigkeit nicht gegeben ist. Er war in dieser Hinsich ohnedies nie besonders verwöhnt.
Vor Jazzaufnahmen zum Testen von Lautsprechern wurde beispielsweise im einstigen Standardwerk "Klinger: Lautsprecher und Lautsprechergehäuse" AUSDRÜCKLICH gewarnt, weil allenfalls existierende Verzerrungen der Hochtonwiedergabe eines LS bei Jazzprogrammen das Programm NOCH "fetziger" und "jazziger" klingen lassen. Die Rechnung kriegst Du dann bei Umschalten auf "klassische Violine" serviert.
Wir sind jetzt zwar am Rande von OT - aber eben nur am Rande.......

mfg aus Wien
Alfred

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18

Dienstag, 16. Juli 2013, 23:55

Diskant

Um noch einen Schuldigen für das Klassikdesaster zu nennen: das Bildungswesen. Ich kann mich nicht entsinnen, dass mir dieser Begriff in der kurzen Zeit, in der mir ein Musikunterricht zuteil wurde, zu Gehör kam. Und was Hänschen nicht lernt, das lernt Hans nimmer mehr …

Was will man also von den Kindern meiner Generation erwarten? Das kulturelle Desinteresse meiner Generation betraf im übrigen nicht nur die klassische Musik, sondern auch die klassische Literatur sowie die klassische Kunst. Und Geschichte, meinem Lieblingsfach in der Schulzeit. Schon meine Lehrer hatten keinen Bock auf Gestriges. Was wurden wir mit Heinrich Böll (Ende einer Dienstfahrt), Max Frisch (Homo Faber), Friedrich Dürenmatt (Besuch der alten Dame) und Joseph Beuys malträtiert. Und Goethes Die Leiden des jungen Werther haben wir auch nur gelesen, weil es laut Kultusministerium so sein musste, um dann bei den Neuen Leiden des jungen Werther zu landen. Der restliche Goethe blieb uns erspart und auch Schiller. Gotthold Ephraim Lessing hatten wir mit der Ringparabel auch nur im Religionsunterricht.

So ernten wir denn heute, was damals gesät wurde. Wäre ich nicht schon damals mit Schuberts Unvollendeter, Beethovens großen Sinfonien (3., 5. und 9.) und Dvoraks Neunter mütterlicherseits konfrontiert worden, ich hätte vermutlich keinen Zugang zur klassischen Musik gefunden.

Gruß enkidu2
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19

Mittwoch, 17. Juli 2013, 00:08

Und wenn sich niemand für die Sinfonien oder Streichquartette von Volkmann interessiert, dann ist das auch kein Beinbruch. Was wir vielleicht üben müssen, ist der Umgang mit diesem ausufernden Überfluss. Mich macht er nicht glücklich, dennoch bin ich froh, jetzt zu leben und dass mir Teilhabe möglich ist. Ein Desaster ist für mich allenfalls dieser Überfluss. Sonst nichts.

Ja, der Überfluss: Wo anfangen? Wann hören? Ach so wenig Zeit. Und doch gleichzeitig, je mehr man hört, desto weniger bleibt haften. Stack overflow.

Gute Nacht

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20

Mittwoch, 17. Juli 2013, 00:09

@enkidu2

Nein das waren kein Vorwürfe - auch wenn es vielleicht so geklungen haben mag.
Vielmehr eine Bestandaufnahme.
Und ich will keinen Tamino von den nordischen Komponisten überzeugen, nicht mal von den mir persönlich nahestehenden Komponisten des 18. Jahrhunderts.
Aber eigentlich sollte das Forum - gemessen an der Bevölkerung des deutschen Sprachraums und seine Lebensdauer von 9 Jahren mindestens 10.000-20.000 Mitglieder haben und eine Wartezeit von 2-3 Jahren für neue Mitglieder - wogegen ich diesmal genau rechne ob wir in diesem Monat die Postingzahl des Vorjahres überhaupt erreichen werden......
Obwohl wir heuer mehr aktive Mitglieder haben als im Vorjahr.

mfg aus Wien
Alfred

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21

Mittwoch, 17. Juli 2013, 00:16

Um noch einen Schuldigen für das Klassikdesaster zu nennen: das Bildungswesen. Ich kann mich nicht entsinnen, dass mir dieser Begriff in der kurzen Zeit, in der mir ein Musikunterricht zuteil wurde, zu Gehör kam. Und was Hänschen nicht lernt, das lernt Hans nimmer mehr …

Was will man also von den Kindern meiner Generation erwarten? Das kulturelle Desinteresse meiner Generation betraf im übrigen nicht nur die klassische Musik, sondern auch die klassische Literatur sowie die klassische Kunst. Und Geschichte, meinem Lieblingsfach in der Schulzeit. Schon meine Lehrer hatten keinen Bock auf Gestriges. Was wurden wir mit Heinrich Böll (Ende einer Dienstfahrt), Max Frisch (Homo Faber), Friedrich Dürenmatt (Besuch der alten Dame) und Joseph Beuys malträtiert. Und Goethes Die Leiden des jungen Werther haben wir auch nur gelesen, weil es laut Kultusministerium so sein musste, um dann bei den Neuen Leiden des jungen Werther zu landen. Der restliche Goethe blieb uns erspart und auch Schiller. Gotthold Ephraim Lessing hatten wir mit der Ringparabel auch nur im Religionsunterricht.

Das habe ich gottseidank ganz anders erlebt, aber ich sehe an deiner Schilderung mal wieder, dass vieles mit den Personen steht und fällt. Auch ein aus fragwürdigen Ideologien erschaffener Lehrplan muss - der Individualität sei Dank - nicht zwangsläufig dazu führen, dass nur das von dir Genannte unterrichtet wird , wenn, ja wenn der Lehrer seinem Unterricht andere Prämissen voranstellt.
"Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

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22

Mittwoch, 17. Juli 2013, 00:20

Was wurden wir mit Heinrich Böll (Ende einer Dienstfahrt), Max Frisch (Homo Faber), Friedrich Dürenmatt (Besuch der alten Dame) und Joseph Beuys malträtiert. [...] um dann bei den Neuen Leiden des jungen Werther zu landen.

Alles inzwischen "Klassiker", und nicht einmal die Schlechtesten ... Natürlich kann man es schade finden, dass die "echten Klassiker" heutzutage im Bildungswesen so wenig Beachtung finden (ich selber finde es manchmal schade und auch enttäuschend, wenn vieles einfach unbekannt ist). Eigentlich müsste beides sein: Ein Vergleich z.B. zwischen Walter Faber und Heinrich Faust könnte Erhellendes zutage fördern. - Andererseits, "Eins, zwei, drei! Im Sauseschritt / Läuft die Zeit; wir laufen mit." und die Zeit, den Eleven Bildung zu vermitteln ist begrenzt! Ist es da nicht natürlich, auf Neues oder zumindest Neueres, statt auf allzu Vergangenes zurückzugreifen?
mfG Michael

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23

Mittwoch, 17. Juli 2013, 09:16

Die Medien machen es m.E. zumindest ökonomisch völlig richtig: Sie nehmen Stars und stellen diese heraus. Ich trau es mich kaum zu schreiben, aber David Garrett wäre ein Beispiel. Und auf diese Weise halten sie den Klassikbetrieb am Laufen. Und er läuft doch! Überall sind Festivals! Selbst bei uns in der Provinz ist das Angebot gar nicht schlecht.
Mit Crossover werden neue Impulse gebracht und so alles am Leben gehalten.

Ohne einen von euch zu meinen muss ich aber jetzt doch auch schreiben: Es gibt eine ganze Menge intelligente Menschen, die sich sehr dumm verhalten! Wenn ein IQ davor schützen würde......

Tschö
Klaus
ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

Milletre

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24

Mittwoch, 17. Juli 2013, 09:16

Ich habe es geahnt! Die heutige Ausgabe des Wiener KURIER stellt sich auf den Kulturseiten dar wie folgt: Kulturseite 1 ist eine fast ganzseitige Betrachtung über Robbie Williams, Andrea Berg, Andreas Gabalier, Thom Yorke sowie ein Hinweis auf ARD-Produktionen über Amy Winehouse und Udo Lindenberg. - Seite 2: unter anderem "Der schrille Traum von einer Rollschuh-Disco". Das war's. Denn anschließend kommt das Kapitel "Freizeit". Und dort findet man einen Vorbericht über die heutige Bregenzer Festspieleröffnung mit Mozarts "Zauberflöte" ...

Weiters fällt auf, daß der Kulturchef Dr. K. seit einiger Zeit verschollen ist. Daß er ausgerechnet in der Festwochenzeit urlaubt, ist schwer nachvollziehbar. Sollte er durch Krankheit verhindert sein, wüsche ich ihm gute Genesung.


Nie war es so einfach, selbst (angeblich) lang vergessene Sänger und Instrumentalisten oder sogar ganze Opern z.B. auf youtube zu erleben.
In meiner Betrachtung nehme ich das Internet ausdrücklich aus. Denn in der Tat findet man dort (fast) alles, was das Kultureben bietet. Aber natürlich auch über Hansi Hinterseer oder ähnliche Sängerbarden ...
Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

MSchenk

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25

Mittwoch, 17. Juli 2013, 09:53

Ohne einen von euch zu meinen muss ich aber jetzt doch auch schreiben: Es gibt eine ganze Menge intelligente Menschen, die sich sehr dumm verhalten! Wenn ein IQ davor schützen würde......

Ich würde sogar noch weiter gehen und (mich selber eingeschlossen) behaupten, für das Fabrizieren richtiger Dummheiten ist Intelligenz eine conditio sine qua non :stumm:
mfG Michael

Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

chrissy

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26

Mittwoch, 17. Juli 2013, 10:24

für das Fabrizieren richtiger Dummheiten ist Intelligenz eine conditio sine qua non

Lieber Michael
Obwohl Dein lat. Spruch wohl mehr das juristische Bereich betrifft, weiß ich wohl, in aller Bescheidenheit, was gemeint ist.
Und was das Thema "Intelligenz" generell auch auf unser Forum betrifft, so durfte ich und alle anderen gestern abend anhand von Beiträgen demütig und ehrfurchtsvoll zur Kenntnis nehmen, daß wir ja umgeben sind von ein paar Genies mit höchstem IQ. Hinzu kommt, daß ich noch von mindestens drei echten Professoren unter uns weiß. Sollte man aufgrund dieser interessanten Tatsachen nun vielleicht Minderwertigkeitskomplexe bekommen?
Komisch, schlagartig fiel mir aber da auch ein kirchlicher Spruch ein:
Übe Dich in Demut und Bescheidenheit!
Herzliche Grüße
CHRISSY
Jegliches hat seine Zeit...

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27

Mittwoch, 17. Juli 2013, 10:27

Da die Situation "mehrdimensional" ist, sind die unterschiedlichen Eindrücke verständlich.
Es stimmt natürlich, dass im Zeitalter des Versandhandels und des Downloads, Internet-Radio usw. man in einer mittelgroßen Stadt oft überhaupt kein nennenswertes CD-Angebot vor Ort vorfindet.

Es ist auch richtig, dass zumindest ein Teil der Popkultur feuilletonfähig geworden ist, wie das vor 50 Jahren vermutlich nicht der Fall gewesen ist. (Jedenfalls fällt es mir auf und ich bin vermutlich knapp 30 Jahre jünger als Milletre, war jedenfalls vor 50 Jahren noch nicht auf der Welt.)

Vermutlich stimmt es auch, dass Klassik z.B. im Fernsehen weniger präsent ist als vor 30 Jahren. Das liegt natürlich aber auch an den Spartenkanälen und an der Vielzahl der Kanäle insgesamt. Ich kann mich aus in meiner Anfangszeit als Klassikhörer um 1990 an die Sendung "Achtung Klassik!" mit Justus Frantz, ich glaube im ZDF erinnern. Das war damals aber auch schon nicht allzu erfolgreich und zeigte eher die Unverträglichkeit von Klassik mit so einer Fernsehshow, auch wenn es gut gemeint gewesen sein mag.

Andererseits ist, wie ebenfalls korrekt bemerkt wurde, das CD, DVD etc. Angebote riesig und vergleichsweise preiswert. Auch Konzerte gibt es wohl nicht weniger als vor 30 Jahren, jedenfalls nicht in auffälligem Maße.

Zwar wird immer wieder von Überalterung gesprochen, aber ob die absoluten Zahlen der Klassikhörer tatsächlich deutlich gesunken sind, scheint nach wie vor unklar.

Schließlich kann ich mir kaum vorstellen, dass eine Handvoll High-Ender jemals einen signifikanten Anteil der Klassikhörer gestellt haben sollten. Warum man eine Anlage lieber mit klein besetzten Wohlfühljazz-Stücken als mit Brucknersinfonien vorführt, dürfte unterschiedliche Gründe haben. Einer könnte sein, dass zu viele, auch sauteure Anlagen (gerade) bei der Bruckner-Sinfonie zu schlecht klingen :D
Ein anderer, dass es dem Käufer wenig bringt, eine Anlage mit ihm ganz unbekannter, vermutlich irritierender Musik probezuhören. Ein dritter, dass es auch einfacher ist, eine handvoll Instrumente "audiophil" aufzuzeichnen als ein Orchester von hundert. Dass der Vorführraum näher an den Dimensionen eines Jazzkellers als eines Konzertsaals ist u.v.a.

Die Rolle von Schule, Elternhaus etc. scheint ja nach den anekdotischen Belegen ambivalent zu sein. Die einen meinen, Musik sei ihnen durch den Unterricht oder die zwangsweisen Klavierstunden eher verleidet worden, die anderen hätten sie gerne gehabt usw.

28

Mittwoch, 17. Juli 2013, 11:25

Wie wichtig ist der IQ im Forum....

Und was das Thema "Intelligenz" generell auch auf unser Forum betrifft, so durfte ich und alle anderen gestern abend anhand von Beiträgen demütig und ehrfurchtsvoll zur Kenntnis nehmen, daß wir ja umgeben sind von ein paar Genies mit höchstem IQ. Hinzu kommt, daß ich noch von mindestens drei echten Professoren weiß. Sollte man aufgrund dieser interessanten Tatsachen nun vielleicht Minderwertigkeitskomplexe bekommen?

Lieber Chrissy...

Du sprichst mir aus dem Herzen.

Ich antworte mit einem anderen Zitat ....

"Oh weh - wie viele Kopffüßler laufen doch zwischen uns herum! Sie gebrauchen ihren Kopf für die Karriere, die Füße zum Kuppeln und Gas geben. Aber das wichtigste fehlt ihnen: die Mitte mit Herz und Seele. Sie merken es nicht....aber die anderen merken es."

Gruß

Bernard :hello:
Keine Kunst wirkt auf den Menschen so unmittelbar, so tief wie die MUSIK,
eben weil keine uns das wahre Wesen der Welt so tief und unmittelbar erkennen lässt



Arthur Schopenhauer

Klaus 2

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29

Mittwoch, 17. Juli 2013, 11:43

Was mich hier auch ein wenig wundert ist folgende Diskrepanz: Einerseits sind die Klassikhörer, die Mitglieder des Forums eine Art Elite, ragen aus der Masse heraus. Andererseits wird allerorten beklagt, dass die Massenmedien eben nicht diese Elite bedienen, sondern eben die Masse.
Es ist doch klar, dass sie das Klassikleben in einer Nische abspielt und da muss ich sagen, dass das immer noch eine ganz komfortable Nische ist. Die Klassik könnte in Deutschland sicher nicht so gelebt werden, wie es zur Zeit ist, wenn sie nicht gefördert würde. Da bin ich eigentlich ganz dankbar.

Tschö
Klaus
ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

MSchenk

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30

Mittwoch, 17. Juli 2013, 11:52

Lieber chrissy, lieber Bernhard,

was ich nicht verstehe (und vermutlich bin ich da mit Alfred einer Meinung), warum es speziell in Deutschland offenbar kein Problem ist, die 100m unter zwölf Sekunden zu laufen, damit auch "an die Öffentlichkeit" geht und allerseits Lob erntet, es aber scheinbar geradezu verwerflich ist, wenn jemand zu erkennen gibt, dass sein IQ auf der Gaußschen Glockenkurve eher rechtsseitig der z.B. 130 liegt? Wann begreifen wir, dass wir keine nennenswert anderes Ressourcen haben, als Bildung und Intelligenz? Habt ihr auch nur die Spur einer Ahnung, welche Probleme man z.B. mit hochbegabten Kindern hat? Dass alle Förderungsprojekte auf die andere Seite besagter Glockenkurve ausgerichtet sind? Das man von allen Seiten "schief" angeschaut wird? - Soll sich solche Menschen vielleicht dumm stellen um ja niemanden in seiner Ehre zu kränken? - Und ja, ich bin jetzt ärgerlich!
mfG Michael

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