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Oranje

Fortgeschrittener

  • »Oranje« ist männlich
  • »Oranje« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 161

Registrierungsdatum: 20. Februar 2012

1

Donnerstag, 29. August 2013, 19:33

Carl Czerny - Die Sinfonien

Alle bisherigen Themen zu Carl Czerny (1791-1857) behandelten eher die eigenen Klavierstundenerlebnisse der Mitglieder und die daraus resultierende Unbeliebtheit seiner musikpädagogischen Übungen und Anwendungen. Da bin ich zum Glück völlig unvorbelastet. Als schlichter Liebhaber ideen- wie melodienreicher Sinfonien bin ich schnell auf Czerny gestoßen und habe alles sinfonische von ihm zusammengetragen, was der Markt hergab.

Insgesamt hat Czerny 6 Sinfonien geschrieben. Wikipedia spricht noch von einer weiteren "großen/langen Sinfonie von 1814, die ich bisher nicht weiter zu- bzw. einordnen kann. Vielleicht weiß ein anderer tamino ja mehr.
Jetzt zu den Einspielungen:

Die 1. und 5. Sinfonie als Kombination auf einem Tonträger. Eingespielt vom Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt/O. Die Veröffentlichung gibt es mit zwei verschiedenen Covern (ich komme grad auf keine deutschsprachige Entsprechung).

und

Die 2. Sinfonie erschien auf dem christlichen Label Christopherus, eingespielt vom selben Orchester und selben Dirigenten (Nikos Athinäus). Dreingabe ist hier für mich ein Konzert für Klavier zu vier Händen & Orchester.



Die 2. und die 6. Sinfonie wurden dann eingespielt vom SWR Rundfunkorchester Kaiserslautern unter dem Dirigat von Grzegorz Nowak.



Die 3. und die 4. Sinfonie wurden nach meinen Erkenntnissen bisher nicht eingespielt, warum auch immer. Ich trage mich in Hoffnung, dass ein Nischenlabel diese Lücke irgendwann mal schließen wird.

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich

Beiträge: 18 450

Registrierungsdatum: 9. August 2004

2

Donnerstag, 29. August 2013, 21:14

Ich besitze die Sinfonien Nr 1 und fünf noch in der alten (Signum) Veröffentlichung, die aber mit der hier abgebildeten völlig identisch ist. Anlässlich dieses Threads habe ich doeben die 1. Sinfonie nach Jahren der Pause wieder angehört und muß sagen, daß sie mich heute mehr beeindruckt hat als beim Ersthören. Das mag mit der Erwartungshaltung zusammenhängen, denn ich hatte so etwas wie eine beethovennahe Sinfonie erwartet, was aber lediglich Ries gelang. Vermutlich hat Czerny derlei aber - bei aller Bewunderung für seinen Lehrer gar nicht angestrebt.
Ich beziehe mich hier also fürs erste auf die erste Sinfonie. Sie beginnt relativ pathetisch. Das hat sie mit vielen Sinfonien des frühen 19. Jahrhunderts gemeinsam. Aber bald bekommt man sanftere Töne zu hören, die diesen ersten Eindruck abmildern, bzw in wirkungsvollem Kontrast zu den forscheren Stellen stehen, Czerny findet hier das richtige Maß - die kurzen Bläser Solo-Einsprengsel sind schon bemerkenswert, der Satz macht trotz seiner relativen Länge von über 12 Minuten Effekt und wird niemals langweilig. Extrem entspant und eingängig kommt der 2. Satz (andante sostenuto) - wieder ist die hervorragende Instrumentation zu bewundern, mit wunderschönen Bläser-Stellen. Das Motiv des Satzbeginns entpuppt sich als Ohrwurm der in verschieden Variationen immer wieder auftaucht. Das Scherzo erinnert vor allem am Beginn stark an Mendelssohn, dieser Eindruck wird durch etwas dramatischere Stellen im Laufe des Satzes verwischt, bis gegen Ende das verwandte Thema sich wieder durchsetzt.Der letzte Satz ähnelt in der Wirkung ein wenig dem ersten, er ist allerdings etwas lebhafter und quirliger - um gleich darauf wieder in ein behaglicheres Tempo zu verfallen, wo ein Ohrwurmthema vorübergehend Beruhigung verspricht.Dazwischen folgen orchestrale Attacken - eine Art Wechselbad.
Ein brilliantes wirkungsvolles Finale beendet die Sinfonie.

Alternative Hörerlebnisberichte zu dieser Sinfonie sind willkommen...


mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

Norbert

Moderator

  • »Norbert« ist männlich

Beiträge: 7 099

Registrierungsdatum: 11. August 2004

3

Donnerstag, 29. August 2013, 22:04

Lieber Oranje,

danke für die Eröffnung dieses Threads.
Vielleicht ist es die Verknüpfung Czernys mit dem z.T. sehr theoretischen Klavierwerk, die es verhindert, daß er als Komponist sinfonischer Werke wahrgenommen wird, denn seine bisher eingespielten Sinfonien verdienen es in meinen Ohren, mehr gespielt und gehört zu werden.

Wie bei Alfred ist es auch bei mir schon etwas länger her, daß ich seine Werke gehört habe (ich besitze alle von Oranje vorgestellten CDs), aber Czerny erweist sich als virtuoser Orchesterkenner, der viele schöne Melodien und Stimmungen verarbeitete und, Alfred erwähnte es bereits, sich stilistisch und motivisch erheblich weiter von seinem Lehrer Beethoven entfernte als es bei Ferdinand Ries der Fall war.

Ich hoffe, ich finde demnächst die Zeit, seine Werke wieder zu hören und etwas genauer vorzustellen (es sei denn, jemand anderes ist schneller ;) ).

clck 286
Grüße aus der Nähe von Hamburg

Norbert

Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
Gustav Mahler

Alfred_Schmidt

Administrator

  • »Alfred_Schmidt« ist männlich

Beiträge: 18 450

Registrierungsdatum: 9. August 2004

4

Samstag, 27. Mai 2017, 15:55

Heute habe ich mich der Sinfonie Nr 2 von Czerny gewidmet - und es war jede Minute wert. Wieder - wie schon im Falle von Louise Farrenc - lag ein Intervall von locker 15-20 Jahren zwischen meiner ersten Hörsitzung und heute, und erneut war mein Urteil diesmal wesentlich günstiger, ja sogar zur Begeisterung tendierend. Ich konnte diesmal - im Gegensatz zur Vergangenheit - durchaus Beethovennähe entdecken - allerdings nicht so plakativ, wie bei Ries. Das Beiheft schreibt IMO sehr zutreffend, daß sich bei Czerny die Musiksprache vieler Zeitgenossen wiederfindet, offensichtlich nicht mit Absicht, sondern dem Zeitgeist verbunden. Demzufolge ist es auch verständlich, daß Die Sinfonie Nr 2 (die anderen werden erst später gehört und besprochen) sowohl Elemente der Wiener Klassik, als auch der Romantik aufweist. Scheinbar ist das Entstehungsdatum und die Erstaufführung unbekannt, zumindest konne ich in keinem meiner Nachschlagewerke Angaben dazu finden. Ich würde die Sinfonie Nr 2 als sehr freundlich strahlend, temperamentvoll, teilweise gigantisch, aber vor allem auch als schwungvoll bezeichnen, und ein Quentchen Mendelssohn lässt sich auch nicht verleugnen.
Skeptiker werden nun fragen, warum Carl Czernys Sinfonien - wenn sie denn so gut klängen - so völlig in Vergessenheit geraten sind.
Darauf gibt es meherer Antworten - und vermutlich auch verschiedene Ursachen.
Zunächst sei darauf hingewiesen, daß auch Franz Schuberts Sinfonien für lange Zeit in den Archiven lagen.
Dann, auf einiege zeitgenössische Ignoranten, welche seine Werke in diversen Musiklexika, niedermachten.

Zitat

„Die bedeutendsten Componisten der neueren Zeit“ (Conversations-Lexikon der Gegenwart, I. Bd. S. 478): „Er ist ein ausschließlicher Verehrer des großen Beethoven, was man jedoch aus seinen Arbeiten nicht vermuthen sollte“
Dieser Passus wurde schon von Constantin von Wurzbach in dessen 60 bändigen Lexikon über die berühmten Personen des Kaiserreichs Österreich beanstandet - und als ungerecht bezeichnet.
Wir brauchen Carl Czerny indes nicht als verkanntes Genie (obwohl er das in gewisser Weise war) bedauern, denn teilweise wurden seine Sinfonien (er ordnete sie seinen "seriösen Werken" zu) durch all die anderen Kompositionen, Arrangements und Bearbeitungen überdeckt, auch durch seinen Klavierunterricht (genaueres dann iden entsprechenden Spezialthreads) All diese Aktivitäten, führten dazu, daß er etwa Mitte der dreißiger Jahre wohlhabend und unabhängig, und bei seinem Tode 1857 steinreich war.

Die Sinfonie Nr 2 gibt es übrigens derzeit in zwei Aufnahmen, die ich beide besitze, und beide gehört habe. Ich gebe auf jeden Fall der hier gezeigten den Vorzug, vor allem aus Gründen der Klangtechnik. Erfreulich für skeptische Interessenten dürfte auch die Tatsache sein, daß sie zum Budgetpreis von derzeit 6.99 Euro angeboten wird - ACHTUNG: Die Aufnahmen hatte früher eine andere Verpackung....

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix