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musikwanderer

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Registrierungsdatum: 20. Januar 2010

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Donnerstag, 14. November 2013, 10:57

BENATZKY, Ralph: BEZAUBERNDES FRÄULEIN

Ralph Benatzky (1884-1957):
BEZAUBERNDES FRÄULEIN
Musikalisches Lustspiel in vier Bildern
Libretto (nach „La petite Chocolatière“ von Paul Gavaults) vom Komponisten

Uraufführung am 24. Mai 1933 am Deutschen Volkstheater in Wien

DIE PERSONEN DER HANDLUNG
Die Besetzung der Rollen nach bestimmten Stimmlagen ist nicht zwingend, sie können auch mit singenden Schauspielern besetzt werden.

Annette (Soubrette)
Paul, ihr Vater (Tenor)
Felix, Pauls Freund Tenor)
Rosette, Geliebte von Felix (Soubrette)
Der Herr Direktor, Pauls Chef (Bariton)
Luise, dessen Tochter (Alt)
Hector, Annettes Verlobter
Julie, Bediente bei Paul (Alt)
Ein Chauffeur
Ein Kellner

Die Handlung geht in einer Stadt im deutschsprachigen Raum der Gegenwart vor sich.

INHALTSANGABE

ERSTES BILD
In Pauls Landhaus, im Frühling.

Paul ist ein typischer Beamter, genauer: Ministerialbeamter, brav, bieder, man kann ohne Übertreibung sagen: langweilig! Völlig anderer Natur ist der Maler Felix, Pauls bester Freund; man kann ihn, auch ohne Übertreibung, als lebhaft-flippig bezeichnen. Zu ihm passt exakt Rosette, eine kapriziöse junge Frau, die nicht nur Felix' Lieblingsmodell ist, sondern auch seine Geliebte.

Zur aktuellen Situation ist zu sagen, dass man soeben eine Partie Bridge zu Ende gebracht hat und Paul sich zu Bett begeben möchte. Er freut sich auf den nächsten Tag, an dem sich sein Chef mit Tochter Luise angesagt hat. Diese Luise ist Pauls Verlobte, doch das auf eine gemeinsame Zukunft ausgerichtete Versprechen haben sich Paul und Luise nur heimlich gegeben. Irgendwie hat aber der Herr Papa, respektive Pauls Chef, trotz aller Heimlichkeit Wind von der Verlobung bekommen. Also hielt er es für ratsam, sich den Untergebenen auch privat einmal näher anzuschauen. Nun muss man zu Luise sagen, dass sie exakt Pauls Wesen entspricht: Fade und langweilig - da haben sich zwei gleich tickende Seelen gesucht und gefunden.

Im Gegensatz zu Paul finden Felix und Rosette Luise spießbürgerlich und können ihr nichts, aber auch gar nichts abgewinnen; sie sind der Überzeugung, der Freund habe etwas Besseres verdient; aus ihrer Sicht ist der Versuch, das Pärchen auseinanderzubringen, ein Gebot der Nächstenliebe. Allerdings muss man auch sagen, dass bisher alle noch so gut gemeinten und geplanten Versuche fruchtlos waren.

Als Paul sich jetzt, zurückkommend auf das Bridge-Spiel, müde einerseits, sich auf den kommenden Tag freuend andererseits, von den Gästen verabschiedet und zu Bett begeben hat, schwadronieren Rosette und Paul noch eine Weile über ihr Lieblingsthema, kommen aber zu keinem Ergebnis mehr. Nur der Beschluss, jetzt ebenfalls schlafen zu gehen, Pauls Glück aber auch zukünftig nicht aus den Augen zu verlieren, ist Konsens.

Mitten in der Nacht geschieht es dann: Die Glocke an der Haustür wird geläutet und Felix ist als erster an der Tür, Paul dagegen schläft wohl noch den Schlaf des Gerechten. Felix aber glaubt, einem Traumbild gegenüber zu stehen: Eine hübsche junge Dame stellt sich mit „Annette“ vor und bittet um Hilfe wegen einer Autopanne. Aber Paul ist aufgewacht, kommt hinzu und ist über die mitternächtliche Störung verständlicherweise ungehalten. Er zeigt sich der nächtlichen Störerin gegenüber unfreundlich, möchte aber letztlich die erbetene Hilfe nicht versagen. Das soll bitte Felix richten. Und der hat eine Idee, die er
auch konsequent in die Tat umsetzt: Er geht mit der Schönen zum Auto, angeblich um zu helfen, tatsächlich aber, während Annette mit ihrem Chauffeur redet, heimlich und in aller Eile die Autoreifen zu zerstechen. Folglich muss Annette nun erst einmal im Landhaus bleiben. Dass sie, wie das Publikum und die Anwesenden erfahren, die Tochter eines reichen Fabrikanten ist, macht die Geschichte für Felix noch interessanter, ist die Schöne in seinen Augen doch genau die richtige für Paul. Das Weitere wird sicher der nächste Tag bringen, jetzt wird erst einmal geschlafen.

Pauls Haushälterin Julie hat inzwischen schon die Betten für die neuen Gäste hergerichtet, doch der arme Chauffeur darf noch nicht in die Waagerechte, denn Annette beauftragt ihn, ihren Vater über die Autopanne und die Folgen zu informieren. Das Problem: Im Haus gibt es kein Telefon, der arme Mann muss also zu Fuß ins nahe Dorf, was seine Laune auf den Nullpunkt sinken lässt. Da bietet sich, völlig unerwartet, Julie als ortskundige Begleitung an, und des Chauffeurs Miene hellt sich wieder auf - ihm gefällt Julie ausnahmslos.

ZWEITES BILD
Gleiche Dekoration wie im ersten Bild.

Der neue Tag hat für Paul nicht gerade fröhlich begonnen: Trotz aller Bemühungen ist er Annette bisher nicht losgeworden, im Gegenteil, je öfter er sie wegen der Abreise bedrängt, desto weniger zeigte sie Interesse, zu gehen. Sie findet Paul, wenn er sich auch unwirsch gibt, durchaus anziehend, sagt ihm deshalb auf den Kopf zu, dass sie hier auf ihren Vater zu warten gedenkt. Und Paul merkt schnell, dass Widerspruch zwecklos ist; er gesteht sich sogar ein, dass diese hübsche Person zwar impertinent ist, aber einen unwiderstehlichen Charme hat, allerdings gekoppelt an ein recht loses Mundwerk.

Als es plötzlich klingelt, ist Paul überzeugt, dass endlich Annettes Vater eintrifft. Aber das erweist sich als Irrtum, denn ins Haus kommen sein Chef mit Tochter Luise. Eigentlich müsste sich Paul freuen, aber als der neue Besuch eine fremde junge Dame, noch dazu in einem aufreizenden Negligé, erblickt, und die sich mit ihrem losen Mundwerk auch noch über Vater und Tochter lustig macht, gerät die Situation außer Kontrolle: Beleidigt suchen die beiden, nach Luft schnappend, schnell das Weite, denn Annettes Wortschwall können sie nichts entgegensetzen. Dass Paul jetzt der Verzweiflung nahe ist, leuchtet ein, dass Felix sich dem selbst gesteckten Ziel, Paul und Luise auseinander zu bringen, erheblich näher gekommen sieht, aber auch.

Es dauert nicht lange, da klingelt es schon wieder an der Haustür, und jetzt trifft endlich der Vater von Pauls Schlafgast ein. Allerdings ist er nicht allein gekommen, sondern hat Annettes Verlobten, Hektor (!), mitgebracht, weil der, wie zu erfahren ist, Sorge um seine Braut hatte. Das haut Annette förmlich um; in ihrem Negligé fühlt sie sich auf einmal nicht mehr wohl, erwartet sogar eine Standpauke von Hektor, doch der bleibt, wie merkwürdig, ganz gelassen, macht seinem Namen, wenn man so will, keine Ehre. Und genau diese Ruhe bringt Annette in Wallung; sie glaubt, aus Hektors Reaktion schließen zu müssen, dass er sie nicht mehr liebt. Sie weiß sie natürlich nicht, dass der kupplerische Felix Hektor den Rat gab, seine Braut wegen der Panne und der daraus resultierenden Übernachtung nicht zu maßregeln. Jedenfalls entlädt sich ein Sturm der Entrüstung über dem konsternierten Hektor, gipfelnd in Annettes Auflösung der Verlobung. Das lässt auch den reichen Vater dumm aus der Wäsche schauen, und die Zuschauer fragen sich, ob Felix‘ Plan tatsächlich aufgeht? Ungeniert zeigt Annette ihr Interesse an Paul, dessen grobe Worte, sie habe sein Leben zerstört, einfach überhörend.

DRITTES BILD
Pauls Bureau im Ministerium.

Paul entwirft gerade einen Brief an seinen Chef, um ihn zu besänftigen und natürlich die Beziehung zu Luise wieder aufnehmen zu können, als Felix ins Bureau kommt. Er berichtet seinem Freund, das intrigante Spiel weiter treibend, von einem - angeblichen - Besuch bei Annette, bei dem er von ihr ein Liebesgeständnis zu Paul gehört habe. Während dieser Unterhaltung gelingt es ihm, unbemerkt ein Foto von Annette in Pauls Aktenmappe zu legen. Zusätzlich hat noch Annettes Besuch in Pauls Bureau eingefädelt.

Und die kommt tatsächlich hereingeschneit; es ist interessant zu beobachten, dass der überraschte und schüchterne Paul nicht weiß, wie er mit dieser Situation fertig werden soll. Heimlich still und leise fordert Felix Annette auf, wie zufällig in Pauls Aktenmappe zu blättern - dabei findet sie, wie gewünscht, ihr Bild und ist überzeugt, dass Paul sie liebt. Sie umarmt und küsst ihn herzhaft auf den Mund - genau in dem Augenblick, als Pauls Chef in das Bureau kommt. Erst betrachtet er fassungslos die Szene, dann ein Donnerwetter über Pauls Haupt niedergehend: Was erlaubt sich sein zukünftiger Schwiegersohn hier? Und dass das ein für alle Mal klar ist: Unter diesen Umständen ist die Verlobung mit Luise mit sofortiger Wirkung gelöst, und er kann nicht weiter seine „rechte Hand“ sein - dafür wird er sorgen!

Paul ist zwar vollkommen niedergeschlagen, aber er kommt sehr schnell dahinter, dass ihm Felix seine Zukunft, persönlich wie beruflich, versaut hat. Wenn er bisher zwischen Luise und Annette hin- und hergerissen war, so ist er jetzt fest entschlossen, diese Annette, diese impertinente Person, aus seinem Leben zu verbannen. Und auch Felix ist die längste Zeit sein Freund gewesen!

VIERTES BILD
Am Ufer eines Flusses.

Trotz der Unannehmlichkeiten, die ihm durch Felix' Einflussnahme von Annette zugefügt wurden, kann Paul das „bezaubernde Fräulein“ einfach nicht vergessen. Er gesteht sich ein, dass sie doch von anderem Format ist, als die biedere Luise - wenn er zum Beispiel nur an dieses Negligé zurückdenkt, wird ihm warm ums Herz. Aber seine Existenz ist „im Eimer“ und jeder Gedanke an Annette verbietet sich in dieser ausweglosen Situation von selbst. Paul ist entschlossen, an diesem Fluss seinem armselig gewordenen Leben ein Ende zu setzen (wobei unterstellt werden muss [explizit wird es aber nicht erwähnt], dass Paul aktiver Nichtschwimmer ist). Doch genau in diesem Moment kommt der in so manchem Bühnenwerk vorkommende „Deus ex machina“ in Gestalt einer Soldatin der Heilsarmee (!) vorbei und das Geschehen nimmt einen für Paul unerwarteten Verlauf: Irgendwie erinnert die Soldatin ihn an Annette. Aber was macht die bei der Heilsarmee? Sein Herz gerät in Aufruhr, als er feststellt, dass tatsächlich Annette vor ihm steht - und ihm ihre Liebe ins Ohr flötet. Und, so fährt sie in aller Offenheit fort, außerdem will sie allem väterlichen Reichtum entsagen, wenn es ihn nur glücklich macht! Paul ist gerührt, umarmt und küsst sie.

Ist das nicht ein schönes Happy End? Zu erwähnen sind auf jeden Fall noch die beiden, etwas abseits stehenden Männer, nämlich Annettes Vater und Pauls Freund Felix, der, das kann das Publikum nicht wirklich verwundern, bei diesem glücklichen Ende als der „Deus ex machina“ seine Finger im Spiel hatte. Und natürlich werden die erst Verliebten, dann bestimmt Verlobten und noch später Verheirateten nicht am Hungertuche nagen müssen, dafür sorgt Vaters Geld; anderes anzunehmen, wäre jenseits der Wirklichkeit in Operetten, beziehungsweise Lustspielen...

INFORMATIONEN ZU KOMPONIST UND WERK

Ralph Benatzky wurde am 5. Juni 1884 in Mährisch-Budwitz (südlich von Brünn gelegen) als Kind von Joseph und Konstanze Benatzky geboren. Seine außergewöhnliche Sprach- und Musikbegabung ließen ihn schon früh Gedichte, aber auch Märsche schreiben. 1901 ging er als Zögling in die Landwehrkadettenschule Wien, versah später seinen Dienst in Prag. Seine Immatrikulation am Prager Konservatorium und erste Konzertengagements brachten ihn in Konflikt mit den Vorgesetzten und führten zu seiner Entlassung.

Benatzky hatte in den folgenden Jahren wechselnde Jobs als Dolmetscher, Kurdirektor, Sekretär, Journalist und Reisebegleiter beim Grafen Taaffe. Daneben schrieb er weiterhin Gedichte, komponierte Lieder, und nahm bei Dvorák und Mottl ein Studium auf. Bekannt wurde er mit Liedern wie „Ich weiß auf der Wieden ein kleines Hotel“ und „Ich muss wieder einmal in Grinzing sein".

Nach seiner Heirat mit der Sängerin Josma Selim (1914) gastierten beide zunächst in mehreren europäischen Hauptstädten mit einem eigenen Chanson-Programm. Als es in Wien zu einer Krise in der Theater- und Unterhaltungsbranche kam, zogen die Benatzkys nach Berlin. Hier wurde er schnell als Komponist für die Charell-Revuen „Für dich" (1925), „Casanova" (1928), „Die drei Musketiere“ (1929), „Im weißen Rössl“ (1930) bekannt. Im Jahre 1933 kam das hier vorgestellte Lustspiel in Wien heraus, das nur geringe szenische Ansprüche stellt.

Nach dem Tode seiner Frau (1929) zog Benatzky 1932 wegen der sich rapide verändernden politischen Situation in die Schweiz. Gegen Ende des Jahres 1937 kam es zum Abschluss eines Hollywood-Vertrags mit anschließender Übersiedlung in die USA. Dort komponierte Benatzky die Musik zu zahlreichen Filmen und dirigierte jahrelang täglich seine eigene Kapelle. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz im Jahre 1948 lebte er zurückgezogen in Zürich und starb am 16. Oktober 1957 in einem Zürcher Sanatorium an Herzschlag.

Als Vorlage für „Bezauberndes Fräulein“ diente Benatzky der französische Schwank „La petite Chocolatière“ von Paul Gavaults. In diesem Lustspiel wandte sich der Komponist vom Revue-Stil à la „Weißes Rössl“ ab, hin zu einem eher elegant-intimen Tonfall eines musikalischen Theaterstücks. Das Sentimentale ist unterdrückt, dafür herrschen Pfiff und Schwung vor. Auch in den wenigen lyrischen Stücken, wie z. B. „Ach Luise“, wird der Hörer den Eindrucks einer Selbstpersiflage nicht los. Dabei gibt es durchaus blutvolle Musik zu bestaunen, wie Felix' Couplet „Hokuspokus“ oder auch die Rumba-Szene „Was ist los?“.

© Manfred Rückert für Tamino-Operettenführer 2013
unter Hinzuziehung folgender Quellen:
Beiblatt der Line-Einspielung unter Franz Marszalek
Dieter Zöchling: Operette (Westermann, 1985)
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Donnerstag, 14. November 2013, 11:05

Diskographische Hinweise

Franz Marszalek, im Bereich der so genannten "Leichten Muse" immer wieder suchend und findend unterwegs gewesen, hat auch diesen Schwank Anfang der 1950er Jahre für den damaligen NWDR, Abteilung Köln, eingespielt. Mit von der Partie waren Gretl Schörg, Peter Rene Körner, Karl Schönböck, Walter Jankuhn und Ruth Zillger sowie Chor und Orchester des Kölner Rundfunks.










Nebenstehend eine Produktion des Festivals „KlangBogen Wien“ (von Preiser Records veröffentlicht) mit Gabriele Bone, Renate Pitscheider, Uwe Kröger, Adrian Eröd, Suttheimer, dem Orchester der Vereinigten Bühnen Wien, Leitung Peter Keuschnig.












Das Berliner Theater am Kurfürstendamm hat von der hauseigenen Inszenierung die nebenstehende Aufnahme herausgebracht, Interpreten werden weder auf dem Cover, noch vom Anbieter genannt.
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