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Alfred_Schmidt

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1

Sonntag, 16. März 2014, 22:00

Das mag alles ganz fetzig klingen - allerdings hat das mit Mozart wenig zu tun......

Ich zitiere hier eine Aussage von Liebestraum aus einem anderen Thread. Es ist in unserem Thread nicht von Belang WELCHER Dirigent hier gemeint war. Denn der Satz könnte für beliebig viele Dirigenten oder Interpreten unserer Zeit gelten. Letztlich wird hier natürlich mehr über die musikalische Prägung, bzw. Erwartungshaltung ausgesagt als über den "idealen Mozart".
Und natürlich ist dieser Thread nicht geeignet die Frage nach der idealen Mozart-Interpretation endgültig zu beantworten - aber nachdenken darf man darüber schon...
Ich weiss.- es gibt einige thematisch verwandte Threads - aber ebensogut weiss ich, daß schon ein einziges Wort in der Fragestellung, bzw. zwei neue Mitglieder den Verlauf eines Threads derart beeinflussen können, daß hier mit völlig anderen Ergebnissen zu rechnen ist. (Auf die "Schwesternthreads" kann in weiterer Folge eingegangen werden - so sich das Bedürfnis danach ergibt.)
Also: Wenn ihn "Mozart" als Begriff hört - was verbindet ihr damit - welche Musik, welches Weltbild, welche Stimmung?
Was ist die erste musikalische Assoziation? Die kleine Nachtmusik? Die Jupiter Sinfonie? Das Krönungskonzert? Streichquartette - oder die "Sonata Facile"? Ist es die Zauberflöte, die euch einfällt oder "Don Giovanni" - Und wie sollte das alles interpretiert werden?
Was fehlt beispielsweise heutigen Mozart-Aufnahmen - bzw - Was zeichnet sie aus?

mfg aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

operus

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2

Montag, 17. März 2014, 11:07

Was ist die erste musikalische Assoziation ? Die kleine Nachtmusik ? Die Jupiter Sinfonie ? Das Krönungskonzert ? Streichquartette - oder die "Sonata Facile?" Ist es die Zauberflöte, die euch einfällt oder "Don Giovanni" - Und wie sollte das alles interpretiert werden ?

Nahezu alle im Zitat genannten Werke fallen dem Musikfreund mit Tamino-Reife :untertauch: auf Anhieb ein, wenn nach Assoziationen zu Mozart gefragt wird. Derjenige, der die Frage wirklich beantworten könnte, wie Mozart in idealer Weise interpretiert werden sollte, würde in den Olymp der Musikexperten aufsteigen. Die Zahl der Kompositionen ist zu groß, die Vielschichtigkeit zu verschieden, das Genie zu einmalig, um das Phänomen Mozart auch nur annähernd umreissen zu können. Ich wage es dennoch - sicherlich unvollkommen -, eine Antwort aus meiner Sicht zu geben. Mozart war der vollendete Melodiker, der Musik in unerreichter schwebender Leichtigkeit komponierte, seine polyphone Kunst führte zu neuen bis dahin nie gekannten Höhen. Dennoch hatten seine Werke eine rätselhafte Tiefe, die z. B. in der "Zauberflöte" bis heute zu viel diskutierten und nicht gelösten Fragen und Spekulationen führen. Würde man diesen Gedankengängen folgen und sie akzeptieren, dann wären Forderungen abzuleiten, wie Mozart sollte schwebend, perlend, seelenvoll-klangschön gespielt werden und die Orchester dürften, um dieses Klangideal zu erreichen, nicht zu groß besetzt sein. Gleichzeitig sollte die fast allen Werken innewohnende Tiefe und Unergründlichkeit zumindest anklingen. Können diese Gegensätze zusammengeführt werden, sind die Herausforderungen, die sich ergeben, überhaupt lösbar?
Meines Erachtens wurde in Wien im Konzertsaal und in der Oper - mit dem legendären Wiener Mozartensemble - ein prägender Mozartstil realisiert und z. B. Krips, Kleiber (Erich und Carlos) und Böhm können im Blickwinkel dieser Interpretationssicht als exemplarische Mozartdirigenten gelten.
Probleme der gegenwärtigen Musikszene mit Mozart sind, dass - was eigentlich zu begrüßen ist - mit neuen Deutungen und Besetzungen experimentiert wird. Es wird versucht, Mozart mit dreifach Holz im Orchester, mit anderen Tempii und in einem historisierenden Stil zu spielen. Experimente sind Versuche und ich habe noch keinen Versuch neuerer Mozartinterpretation gehört, den ich als weitgehend geglückt bezeichnen könnte. Vielleicht ist Mozart so vollkommen, dass alle Experimente einer Neudeutung zwangsläufig an dieser Vollkommenheit scheitern müssen.

Herzlichst
Operus
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Alfred_Schmidt

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3

Montag, 17. März 2014, 18:18

Zitat

Probleme der gegenwärtigen Musikszene mit Mozart sind, dass - was eigentlich zu begrüßen ist - mit neuen Deutungen und Besetzungen experimentiert wird.
Ich verstehe nicht ganz, warum ein Komponist, dessen Werke etwa um die 230 Jahre alt - also in gewisser Weise Museumsstücke sind - um jeden Preis neu deuten muß. Aber natürlich spricht nicht viel dagegen, wenn das Ergebnis überzeugt.


Zitat

Es wird versucht, Mozart mit dreifach Holz im Orchester, mit anderen Tempii und in einem historisierenden Stil zu spielen.
Das ist ein Knackpunkt. Mir wurde schon seit meiner frühen Jugend "historisierender Mozart" untergejubelt. Das Collegium aureum spielte im Zedernsaal des Schlosses Kirchheim auf Originalinstrumenten - und ich erinnere mich bestens der edlen Werbeprospekte von Harmonia mundi, in denen geradezu suggestiv behauptet wurde, man könne hier die Werke hören, wie sie zu Mozarts Zeit geklungen hätten...
Darüber konnte man geteilter Meinung sein - aber niemals klang Mozart und seine Zeitgenossen auch nur annähernd so schrill, spröde, oder aggressiv - wie man es uns heute weismachen will..........

Experimente sind Versuche

Zitat

und ich habe noch keinen Versuch neuerer Mozartinterpretation gehört, den ich als weitgehend geglückt bezeichnen könnte.
Vor allem ist auffallend, wie nahe sich die angeblich so historische Mozartinterpretation am Puls moderner Musik des 20. Jahrhundert orientiert....
Sieht man sich Gemälde und Kunstgegenstände dieser Zeit an, dann muss man sich schon sehr wundern, daß man damals einer Aufführungspraxis huldigte, wie sie uns heute als "historisch korrekt" vorgeführt wird....

Die eigentliche Frage habe ich damit auch nicht nur ansatzweise beantwortet - aber das kommt schon noch....

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred

WISSEN ist MACHT - Nicht WISSEN MACHT auch nix

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4

Montag, 17. März 2014, 19:07

Hallo,

man könnte in diesem Zusammenhang lange über die "historische Aufführungspraxis", ihr Für und Wider diskutieren. Aber eines ist m.E. sicher: wir können mit historischen Originalinstrumenten und unter Bemühen aller musikwissenschaftlichen Erkenntnisse über die Musizierweise z.B. in der Zeit Mozarts eine "historisch informierte" Aufführung vieleicht zustandebringen, aber eines können wir nicht: uns in die Denk- und Empfindungsweise der Zeitgenossen Mozarts hineinversetzen, die -und dies meine ich als dilettierender Hobby-Historiker ziemlich sicher sagen zu können- sich vollständig von unserer modernen Denkungsart unterschieden hat.

Viele Grüße

J.Schneider
"Die Musik steht hinter den Noten" (Gustav Mahler)

Garaguly

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5

Montag, 17. März 2014, 20:18

Merkwürdig - immer wenn ich an Mozart denke, fällt mir zuerst das 27. Klavierkonzert ein. Dabei ist dieses zwischen melancholischer Heiterkeit und heiterer Melancholie changierende Werk zwar durchaus ein von mir häufiger gehörtes Werk des Salzburgers, aber es nicht mein Lieblingswerk Mozarts. Da stehen zunächst die beiden Klavierkonzerte in Moll-Tonarten, die beiden g-moll-Symphonien, das Requiem, die Krönungsmesse etc.
Und dennoch fällt mir oft zuerst das Klavierkonzert KV 595 ein. Woran liegt das? Stärker als in den aufgewühlt-düsteren Werken, die ich als meine Lieblingswerke bezeichnete, wird Mozarts Geist im seinem letzten Klavierkonzert repräsentiert. Ich empfinde es geradezu als ein idealtypisches Werk für das, was Mozart ist.

Und außerdem:
HIP oder nicht, das ist für mich nicht die Frage. Es gibt hervorragende Mozart-Deutungen aus dem HIPen wie aus dem 'konventionellen' Bereich. Manche von Karl Böhm geleitete Mozart-Aufnahme, die mehr als 40 Jahre auf dem Buckel hat, repräsentiert für mich eine ebenso ideale Art, Mozart zu spielen wie manches modernere aus dem HIPen Bereich.

Grüße
Garaguly

Liebestraum

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6

Montag, 17. März 2014, 22:23

Es geht in meiner Kritik an Harnoncourt nicht um das Spiel auf historischen Instrumenten. Ich bin ein Befürworter dieser Aufführungspraxis - nur eben nicht die Aufführungen des N. Harnoncourt seit etwa 2005.

Harnoncourt entstellt seit dieser Zeit Mozart (und nicht nur diesen Komponisten), durch Tempiverrückungen, unsägliche Kunstpausen und andere Übertreibungen - gerade auch in dieser vermurksten Buchbinder-Mozart-Einspielung, die so vermurkst ist, dass selbst renommierte Klassik-Magazine darüber den Mantel des Schweigens hüllen.

:hello: LT
Arm bin ich auf die Welt gekommen,
alle meine Mitgift ist Haupt und Hand.
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Beharrlichkeit führt zum Ziel!
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Das wahre Genie wird bei Bewunderung des Fremden nicht dessen Nachahmer,
sondern erhält dadurch nur den schönen Anstoß, neue Bahnen zu finden.
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... wenn ich keine Oper unter den Fäusten habe ist mir nicht wohl!
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Soli deo gloria
(CMvW -- Carl Maria von Weber)

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7

Montag, 17. März 2014, 22:36

Ich verbinde mit Mozart kein "Weltbild" und keine Stimmung. Dafür ist seine Musik viel zu universell. Deshalb ist auch eine Assoziation mit einem bestimmten Stück, gleich ob Requiem oder kleine Nachtmusik immer sehr einseitig.

Meiner Ansicht nach gehört (ein Teil von) Mozarts Musik leider zu dem Teil der Klassik, der im 20./21. Jhd. oft zum Konsumgut verkommen ist. Das gilt zwar auch für einzelne Stücke von Chopin, Bach, Beethoven und anderen. Aber bei Mozart bietet sich noch die halbe Biographie zur kommerziellen Vernutzung an, Mozartkugeln gibt es auch nur bei diesem Komponisten.

Nun kann man natürlich nicht aus reiner Opposition zu solcher Abnutzung eine Interpretation ableiten (selbst wenn das in Einzelfällen geschehen mag und sogar interessante Ergebnisse geliefert hat, Gould könnte so ein Fall sein).

Was Mozarts Musik aber am allerwenigsten verdient, ist zu einem leicht verdaulichen Konsumgut herunterzukommen. Das hat mit Mozart wenig zu tun.

Joseph II.

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8

Montag, 17. März 2014, 22:53

Wer sagt eigentlich, dass Mozart nicht fetzig klingen darf? Wieso sollte eine spätromantisch angehauchte Interpretation mehr mit Mozart zu tun haben als eine fetzige? Erschließt sich mir nicht so wirklich, aber was soll's. Ich finde, dieser Komponist verträgt auch verschiedene Ansätze, vom streitbaren René Jacobs bis zum titanenhaften späten Klemperer.

Meine erste musikalische Assoziation bei Mozart? Schwierig. Vielleicht eine der g-Moll-Symphonien. Oder das Requiem. Also eher etwas Düsteres. Seltsam eigentlich, da das Mozart-Image ja eigentlich eher fröhlich-jovial ist.

"Mein" Mozart ist eher der in Beethoven-Nähe. Von den "Alten" viel eher Klemperer als Böhm, ob bei Symphonien oder Opern. Aber mich haben auch viele neuere Aufnahmen überzeugen können (Jacobs, Koopman, Harnoncourt, Hogwood usw.).
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

Liebestraum

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9

Montag, 17. März 2014, 23:00

Meine Kritik bezog sich auf Harnoncourt !

Mozart kann sich fetzig anhören, wenn auch Mozart gespielt wird: Hogwood, Pinnock, Immerseel, Jacobs, Currentzsis...

:hello: LT
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Alfred_Schmidt

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10

Montag, 17. März 2014, 23:30

Zitat

Meine Kritik bezog sich auf Harnoncourt !
Mozart kann sich fetzig anhören, wenn auch Mozart gespielt wird: Hogwood, Pinnock, Immerseel, Jacobs, Currentzsis...

Ich weiß, dass der Titelsatz dieses Thread ursprünglich auf N.H. gemünzt war. Aber ich habe ihn mir quasi ausgeborgt für einen Thread, wo dieses Thema eher ALLGEMEIN behandelt wird. Und da hilft mir schon Dein zweiter Satz weiter, den Bogen in diesem Thread wiederzufinden: Rene Jacobs - Seine Operneinspielungen sind musikalisch durchaus lebendig - ob "fetzig" hier angebracht ist, möchte ich nicht entscheiden. ABER -Sein Dirigat der Mozart-Sinfonien halte ich für INAKZEPTABEL - für eine Parodie oder eine bewusste Fehlinterpretation. Solche Aufnahmen vergraulen das "Klassische" Mozartpublikum und sind auch nicht in der Lage bisherige "Mozartverächter" ins Boot zu holen. Allenfalls frustrierte Kritiker, die sich von Mozart abgehört haben wird solch eine "fetzige" Lesart begeistern - und natürlich alle Feinde der Mozartschen Musik, die immer schon gewusst haben, dass sie zu "verzuckert", "verspielt", zu "hausbacken" oder zu "bürgerlich" klang.
"Mozarts Musik muss mehr können als nur unterhalten - sie muss aufwühlen, betroffen machen und verschrecken".
Das gelingt zahlreichen heutigen Interpreten recht gut...
Der Thread könnte übrigens auch heissen - "Was ERWARTET ihr von Mozarts Musik ?"

mfg aus Wien
Alfred

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William B.A.

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11

Montag, 17. März 2014, 23:46

Zitat

Johannes Roehl: Mozartkugeln gibt es auch nur bei diesem Komponisten.
Dafür gibt es bei einem anderen Komponisten, lieber Johannes auch etwas Leckeres, nämlich "Tournedos Rossini". Sie wurden vom Küchenchef des Pariser Restaurants "Maison dorée", Casimir Moisson, kreiiert und nach Rossini benannt. Leider machen auch sie, zuviel genossen, ebenso wie die Mozartkugeln, dick, da sie mit Gänsestopfleber belegt sind (Quelle: Wikipedia).

Um auf Mozart zurückzukommen, ich habe mir unlängst die Box mit den frühen Symphonien mit meinem lebenden Lieblingsdirigenten, Nikolaus Harnoncourt, zugelegt. Wenn mir noch Zeit bleibt, will ich mal schaun, ob sie mir auch so wenig gefallen wie unserem lieben Liebestraum.

Liebe Grüße

Willi :D

P.S. Lieber Liebestraum, auch mir gefällt die Mozart-KK-Aufnahme mit Harnoncourt und Buchbinder nicht, aber nicht wegen mangelnder Fähigkeiten Harnoncourts oder des Concentus oder Buchbinders, sondern wegen mangelnder "Fähigkeiten" des Geflügels.
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

Liebestraum

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12

Montag, 17. März 2014, 23:55

Lieber Alfred,

wenngleich Jacobs uns mit seinem Mozart die alten Hörgewohnheiten austreibt, so ist es doch Mozart, der gespielt wird. Das kann dir gefallen oder auch nicht - mir gefällt es!

:hello: LT
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Glockenton

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13

Dienstag, 18. März 2014, 02:12

Meine Kritik bezog sich auf Harnoncourt!

Ach so - das hatten wir bisher noch gar nicht mitbekommen!

Mir gefällt die Ersteinspielung Harnoncourts des A-Dur-Konzerts besser als die neue Einspielung. Grund ist - ähnlich wie bei Willi - der Klang des historischen Instruments, vor allem aber die für mich nicht so ganz nachvollziehbaren agogischen Rückungen des Pianisten. Harnoncourt und dem Orchester sind solche Dinge m.E. nicht vorzuwerfen. Das Orchesterspiel des Concentus musicus Wien gefällt mir hier ziemlich gut. An das kongeniale Zusammenspiel Harnoncourts mit Friedrich Gulda und dem Concertgebouw Orkest jedoch kann eine neue Einspielung eigentlich kaum heranreichen. Das war schon etwas sehr Besonderes. Schade, dass die beiden Musiker nicht mehr Einspielungen mit Mozart-Klavierkonzerten gemacht haben (von dem Doppelkonzert mit Chick Corea einmal abgesehen)

Ich mag auch einen fliessenden Mozart, der jedoch berücksichtigt, dass es sich um eine Musik handelt, die aus dem vom Barock her stammenden Verständnis der Klangrede her kommt. Erschreckend und aufwühlend soll er nur dann sein, wenn Mozart es ganz offensichtlich so wollte - übertreiben muss man es eigentlich nicht.
Es ist ein blanker Unsinn, dieser variierten Musik immer nur jenen einen appollinischen Affekt zubilligen zu wollen. Ausgerechnet ein Genie wie Mozart soll so einseitig gewesen sein? Bestimmt nicht.

Unsinnig, unmusikalisch und phantasielos ist es übrigens auch, komplett aufs Vibrato zu verzichten, was nebenbei gesagt auch unter historischen Vorzeichen nicht haltbar ist. Wenn Leopold Mozart davon schreibt, dass man es beim Vibrieren nicht zu weit treiben sollte, dann heisst das doch, dass es grundsätzlich durchaus bekannt war und eingesetzt wurde. Vom alten ebenso einfallslosen Dauervibrato wegzukommen ist schon ok, aber man sollte sich dieses wunderbaren und zutiefst menschlichen Ausdrucksmittels nicht berauben und das Kind nicht mit dem Bade ausschütten.

Besonders gut finde ich, wie Yakov Kreizberg das Netherlands Chamber Orchestra bei den Einspielungen der Violinkonzerte Mozarts mit Julia Fischer leitete. Das ist schon eine vorbildlich Art, heute den Mozart zu spielen. Es gibt aber immer mehr Aufnahmen in dieser Richtung, gerade aus dem Gebiet der Kammermusik.

Alte Instrumente können sein, sind für Mozart aber nach meinem Geschmack keineswegs so dringend nötig wie bei der Barockmusik und früherer Musik. Vor allem die historischen Flügel konnte ich bisher zwar durchaus anhören, aber wenn ich ehrlich sein soll, höre ich diese Literatur dann doch lieber auf heutigen Instrumenten. Wenn man einen Steinway für die Klavierkonzerte benutzt, dann muss man wohl auch ein Orchester mit modernen Instrumenten einsetzen, weil es sowohl vom Klanglichen als auch vom Stimmton her ja gar nicht anders möglich ist.

Gruss
Glockenton

William B.A.

Erleuchteter

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14

Dienstag, 18. März 2014, 03:19

Zitat

Glockenton: Alte Instrumente können sein, sind für Mozart aber nach meinem Geschmack keineswegs so dringend nötig wie bei der Barockmusik und früherer Musik.
Dabei haben wir, lieber Glockenton, noch garnicht davon gesprochen, welche Turnübungen, Mozart, aber auch Haydn und vor allem Beethoven vollführt hätten, wenn sie damals schon einen Steinway gehört hätten. Ich bin davon überzeugt, dass zumindest Beethoven dann noch nicht mit der Komposition von Klavierwerken aufgehört hätte.
Was übrigens Gulda und Harnoncourt betrifft, so weilte ich im Sommer 1988 in der Nähe von Salzburg (im Kleinarltal) und sah am Abend vor der Eröffnung der Salzburger Festspiele im ORF ein Livekonzert mit Harnoncourt und Gulda (Mozart, 23. Klavierkonzert A-dur KV 488). Harnoncourt durfte damals bei den Festspielen noch nicht auftreten, weil Karajan noch am Ruder war, und Gulda wollte wohl nicht. Das Konzert, (ich meine, auch mit der Jupiter-Symphonie), war jedenfalls grandios.

Liebe Grüße

Willi :)
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operus

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15

Dienstag, 18. März 2014, 09:15

"Mozarts Musik muss mehr können als nur unterhalten - sie muss aufwühlen, betroffen machen und verschrecken"

Lieber Alfred,

das ist ja das Geniale an Mozarts Musik, dass dieser Komponist den ganzen Kosmos der Gefühle durchschreitet und klingend erelbbar machen kann. Und wie oft in der Kunst ist gerade das Leichte, Heitere, Schwebende das Schwierigste.

Herzlichst
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Glockenton

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16

Dienstag, 18. März 2014, 09:54

Lieber Willi,

Gulda hat meiner Erinnerung aus den Büchern nach die Teilnahme an den Festspielen abgesagt, weil er sich mit dem damals ausgesperrten Harnoncourt solidarisch zeigen wollte.

Was das Konzert anbelangt, kann man Dich nur beneiden - dafür würde man heute auch eine lange Anreise in Kauf nehmen.

Gruss
Glockenton

Garaguly

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17

Dienstag, 18. März 2014, 10:25

ABER -Sein Dirigat der Mozart-Sinfonien halte ich für INAKZEPTABEL - für eine Parodie oder eine bewusste Fehlinterpretation

Ich hoffe, du beziehst das eher auf die neueren Mozart-Aufnahmen Harnoncourts. Es gibt ältere Mozart-Einspielungen mit dem Amsterdamer Concertgebouw Orkest (aus den 1980ern, wenn ich mich nicht täusche), die sind alles andere als inakzeptabel!!

Hier ein Beispiel-Cover, das allerdings schon von einer Wiederauflage aus den 1990er Jahren stammt. Die Originale sahen anders aus.



Grüße
Garaguly

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18

Dienstag, 18. März 2014, 11:01

Ich werde mir diese Neueinspielung erst mal nicht kaufen, obwohl ich die Schnipsel nicht schlecht finde. Auch nicht besonders fetzig. Sofern man damit nicht meint, dass man am Anfang von KV 503 tatsächlich Trompeten und Pauken hören kann und dass das Finale von 488 angemessen quirlig gespielt wird. Dieser Satz ist auch schon in der über 30 Jahre alten Gulda/Concertgebouw-Aufnahme hervorragen gelungen (m.E. dem "marmornen" Pollini/Böhm durchaus vorzuziehen).

Vor etlichen Jahren erhub sich in diesem Forum ein Streit angesichts der mangelnden Quirligkeit der Figaro-Ouverture unter Harnoncourt (sein Tempo entspricht etwa dem von Klemperer). Wie auch immer finde ich gerade das interessante an Harnoncourts Mozart (und Haydn u.a.), dass er eben nicht die schlanke Spritzigkeit der Kammerorchesterinterpretationen (a la Marriner) fortsetzt wie das die meisten anderen (insbesondere englischen) HIP-Ensembles tun (oder jedenfalls in den 80ern/90ern praktizierten). Schon bei den gut 30 Jahre alten Aufnahmen mit dem Concertgebouw werden die Sinfonien als durchweg "große" Werke mit einem auch massiv klingenden Orchester gedeutet, wobei die Tempi von eher "majestätisch" (etwa bei den Kopfsätzen der "Jupiter" und "Prager" bis zu rasant (die ersten drei Sätze der KV 550 oder noch frappierender vielleicht das Menuett in KV 543) reichen.
Solch knallige Effekte und Übertreibungen wie in Jacobs neueren Sinfonie-Aufnahmen sucht man da aber vergebens!

Ich habe am Wochenende übrigens zum ersten Mal Idomeneo auf der Bühne gesehen (Stadttheater Gießen); ein Werk, das ich nur recht flüchtig von CD (Harnoncourt) kannte.
Der GMD Michael Hofstetter http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Hofstetter ist stark von HIP beeinflusst; es wurden Naturblechbläser und Pauken mit harten Schlegeln verwendet. In jedem Falle ist in diesem Stück die Nähe Mozarts zum Barock (und Gluck) offensichtlich. Man findet hier weniger offensichtliche "Ohrwürmer" als in Opern Händels; "Klangrede" ist sehr deutlich, gerade auch in den reichhaltig eingesetzten Holzbläsern (Mozart schrieb für eines der seinerzeit besten und reichhaltigst besetzten Orchester).

Alfred_Schmidt

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19

Dienstag, 18. März 2014, 20:42

Zitat

Ich hoffe, du beziehst das eher auf die neueren Mozart-Aufnahmen Harnoncourts. Es gibt ältere Mozart-Einspielungen mit dem Amsterdamer Concertgebouw Orkest (aus den 1980ern, wenn ich mich nicht täusche), die sind alles andere als inakzeptabel
Ich habe das überhaupt nicht auf Harnocourt bezogen - sondern auf die Aufnahme der Sinfonien unter RENE JACOBS.

Zitat

Rene Jacobs - Seine Operneinspielungen sind musikalisch durchaus lebendig - ob "fetzig" hier angebracht ist möchte ich nicht entscheiden. ABER -Sein Dirigat der Mozart-Sinfonien halte ich für INAKZEPTABEL - für eine Parodie oder eine bewusste Fehlinterpretation.
Der weitere Text findet sich in Beitrag Nr 10..

Beste Grüße aus Wien
Alfred

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Garaguly

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20

Dienstag, 18. März 2014, 21:30

Zitat

Ich hoffe, du beziehst das eher auf die neueren Mozart-Aufnahmen Harnoncourts. Es gibt ältere Mozart-Einspielungen mit dem Amsterdamer Concertgebouw Orkest (aus den 1980ern, wenn ich mich nicht täusche), die sind alles andere als inakzeptabel
Ich habe das überhaupt nicht auf Harnocourt bezogen - sondern auf die Aufnahme der Sinfonien unter RENE JACOBS

Zitat

Rene Jacobs - Seine Operneinspielungen sind musikalisch durchaus lebendig - ob "fetzig" hier angebracht ist möchte ich nicht entscheiden. ABER -Sein Dirigat der Mozart-Sinfonien halte ich für INAKZEPTABEL - für eine Parodie oder eine bewusste Fehlinterpretation.
Der weitere Text findet sich in Beitrag Nr 10..
Beste Grüße aus Wien
Alfred

Ach, verdammt! Da hab ich nicht richtig aufgepasst. Sorry!

Grüße
Garaguly

Dr. Holger Kaletha

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21

Mittwoch, 19. März 2014, 08:29

Wir sind finde ich nicht gezwungen, Mozart (oder auch Bach oder Beethoven) so zu hören und aufführen, wie es zu Lebzeiten der Komponisten geschah. Das ist m. A. nach weder möglich noch sinnvoll. Mit dem zeitlichen Abstand entsteht ein Bild von Mozart als einem der "Klassiker". Warum soll das illegitim sein? Aus der Erfahrung mit anderer Musik - der musikgeschichtlichen Entwicklung - wird unser Blick letztlich geschärft für wesentliche Dinge, welche die Zeitgenossen aus der Nahperspektive vielleicht noch gar nicht richtig beachten oder schätzen konnten. Natürlich führt das auch zu einer selektiven Wahrnehmung - bestimmte Dinge werden eventuell zu stark beleuchtet, andere dafür ausgeblendet. Man hat im Zuge der Bewegung der Aufführung mit historischen Instrumenten z.B. die Rhetorik wiederentdeckt. Das ist etwas Neues gegenüber dem romantischen Klangideal - die Romantik war ja betont Rhetorik kritisch. In diesem Zuge hört sich dann der Mozart weniger homogenisierend, glatt und fließend, sondern "sprechender" artikuliert an. Ich finde, das ist durchaus ein Gewinn. So geht es jedenfalls mir.

Schöne Grüße
Holger

operus

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22

Mittwoch, 19. März 2014, 09:28

Wir sind finde ich nicht gezwungen, Mozart (oder auch Bach oder Beethoven) so zu hören und aufführen, wie es zu Lebzeiten der Komponisten geschah. Das ist m. A. nach weder möglich noch sinnvoll. Mit dem zeitlichen Abstand entsteht ein Bild von Mozart als einem der "Klassiker". Warum soll das illegitim sein?
Man hat im Zuge der Bewegung der Aufführung mit historischen Instrumenten z.B. die Rhetorik wiederentdeckt. Das ist etwas Neues gegenüber dem romantischen Klangideal - die Romantik war ja betont Rhetorik kritisch. In diesem Zuge hört sich dann der Mozart weniger homogenisierend, glatt und fließend, sondern "sprechender" artikuliert an. Ich finde, das ist durchaus ein Gewinn. So geht es jedenfalls mir.

Lieber Holger,

liegt in Deinen Aussagen in den beiden Zitaten nicht ein Widerspruch? Im ersten stellst Du die Aufführung wie zu Lebzeiten des Komponisten infrage. Im zweiten argumentierst Du, dass andere "sprechendere" Interpretationen durchaus ein Gewinn wären. Was gilt nun? Das romantische, klassische Klangideal - zu dem ich ebenfalls neige - oder die "sprechendere" historisierende Auffassung? Oder ist es ein sowohl als auch?

Herzlichst
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23

Mittwoch, 19. März 2014, 11:27

Selbstverständlich ist es nicht verpflichtend, Mozarts Werke so zu spielen, wie es zu dessen Lebzeiten üblich war.
Man darf bei "Anpassungen der Interpretation" aber nicht die Grenzen des guten Geschmacks überschreiten, bzw die Werke nicht prinzipiell verfälschen.
Mozarts Klavierkonzerte am modernen Konzertflügel sind mir ebenso lieb, wie auf "historischen Instrumenten" - ja vielleicht so gar noch lieber, wenn es sich um die späteren Werke handelt.
Ein Problem ist ja stets, daß man gerne darüber hinwegsieht, daß Mozarts Zeitalter das "galante" war - dass man es "Rokoko" nannte und daß eine leicht süsslich gezierte Grundhaltung in allen Fragen des Lebens dem Zeitgeist entsprach, wenngleich auch eine gewisse Sachlichkeit allmählich an Einfluß gewann.
Mozart wurde ja zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich gesehen, worauf ich schon in diesem alten Thread hinwies.
Die posthumen Metamorphosen des Wolfgang Amadeus Mozart - Mozartbilder, einst, jetzt und in Zukunft.
Romantisierender Mozart - aber auch der "sachliche" Mozart haben durchaus noch Bezug zum harmonischen Mozart-Originalklang (nicht aber zu dem was uns leider allzuhäufig als "Originalklang" angeboten wird). Interpretationen, welche die "Musiksprache" betonen sind aus meiner Sicht indes frei von Liebreiz. - da könnte man gleich Musik des 20. Jahrhunderts hören - so schrecklich klingt das zumeist. Ich verbinde damit eher Begriffe wie: "Surrealismus", "Popmusik", "moderne Architektur", "Fast Food", "Jeans", "klassenlose Gesellschaft", und ähnliche Scheusslichkeiten mehr...
Mozarts Musik sollte bezaubern und die Seele in der Balance halten - verstörende Musik wurde erst viel später von anderen Komponisten geschrieben....

mfg aus Wien
Alfred

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Dr. Holger Kaletha

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24

Mittwoch, 19. März 2014, 18:38

liegt in Deinen Aussagen in den beiden Zitaten nicht ein Widerspruch? Im ersten stellst Du die Aufführung wie zu Lebzeiten des Komponisten infrage. Im zweiten argumentierst Du, dass andere "sprechendere" Interpretationen durchaus ein Gewinn wären. Was gilt nun? Das romantische, klassische Klangideal - zu dem ich ebenfalls neige - oder die "sprechendere" historisierende Auffassung? Oder ist es ein sowohl als auch?

Ich meinte, lieber operus, daß ich unabhäbngig vom Anspruch der "treuen" historischen Aufführung (die es für mich sowieso nicht gibt und geben kann, es bleibt immer ein Bild, das wir uns von der Vergangenheit machen), auf diesem Wege die rhetorische Tradition wiederbelebt wurde, die Jahrhunderte die Auslegung von Musik in Europa geprägt hat. Im 18. Jhd. war sie noch sehr lebendig. :hello:

Schöne Grüße
Holger

operus

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25

Mittwoch, 19. März 2014, 19:51

Mozarts Musik sollte bezaubern und die Seele in der Balance halten - verstörende Musik wurde erst viel später von anderen Komponisten geschrieben....
Lieber Alfred,

bei dieser Aussage stimme ich Dir ausdrücklich zu, sie deckt sich genau mit der Auffassung, die ich in einigen Beiträgen in diesem Thread vertreten habe.

Herzlichst
Operus
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26

Mittwoch, 19. März 2014, 20:17

Ein Problem ist ja stets, daß man gerne darüber hinwegsieht, daß Mozarts Zeitalter das "galante" war - dass man es "Rokoko" nannte und daß eine leicht süsslich gezierte Grundhaltung in allen Fragen des Lebens dem Zeitgeist entsprach, wenngleich auch eine gewisse Sachlichkeit allmählich an Einfluß gewann.
Hast Du mal Mozarts Briefe gelesen? Wo findest Du da eine "süßliche, gezierte" Grundhaltung?
Eines von Beethovens Lieblingsbüchern war der Roman "Anton Reiser" von Karl Philipp Moritz, erschienen 1785-90. "Psychologischer Roman" untertitelt, ist das ein deprimierendes und düsteres, ziemlich realistisches biographisches Buch.

Ein heute noch sehr bekannter Roman aus Mozarts Zeit ist Goethes "Werther" (1774). Mag ja sein, dass Werthers Liebeswahn uns heute fremd ist, aber "süßlich" und "geziert" erscheint mir das nicht. Zu der von Werther favorisierten Literatur gehört ebenfalls Klopstock, außerdem der sagenhafte Ossian (gefälschter irischer Barde).
Wie ich anderswo schonmal zitiert habe, vergleich Dittersdorf Mozarts Musik mit der Poesie Klopstocks.
Also wenn man sich die deutschsprachige Literatur zwischen 1770 und 1800 anschaut (außer den genannten zB noch Schiller, Lessing, Matthias Claudius, Wieland u.a.) erhält man eigentlich nicht den Eindruck eines gezierten Zeitalters. Übliche Ettikette sind "Empfindsamkeit", "Sturm und Drang", "Aufklärung".

Warum sollte Mozarts Musik und die dahinter stehende Haltung nicht den Schriftstellern der deutschen Aufklärung ähnlich sein? Das scheint mir doch naheliegender als so ein Marie-Antoinette-Kitschfilmklischee...


Zitat

Mozarts Musik sollte bezaubern und die Seele in der Balance halten - verstörende Musik wurde erst viel später von anderen Komponisten geschrieben....
Die Zeitgenossen waren u.a. vom sog. "Dissonanzenquartett" KV 465 so verstört, dass einige Eingriffe in die Stimmführung vorgenommen haben.

Joseph II.

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27

Mittwoch, 19. März 2014, 21:59

Das erinnert mich jetzt ein wenig an die "Franz-Joseph-Romantik", die durch die "Sissi"-Trilogie der 50er Jahre losgetreten wurde und das historische Bild bis heute verfälscht.

Auch bei Mozart halten sich hartnäckig irgendwelche Klischees, die einfach kaum zutreffend sind. Darauf einzugehen, erspare ich mir an dieser Stelle, aber Stichworte wie "süßlich" oder "Salieri" sollten ja Bände sprechen. ;)

Das Rokoko war für den Hochadel natürlich "galant", aber Mozart zählte nie zu der erlesenen Schicht. Vielmehr kämpfte er ja mehr oder minder ums Überleben und scheiterte letztlich. Zwei Jahrzehnte später, bei Beethoven, klappte das. In der gerade noch höfischen Zeit Mozarts brauchte man eigentlich einen aristokratischen Gönner, um sich behaupten zu können.

Die nächste Frage ist, inwieweit die "Mozart-Zeit" überhaupt noch Rokoko war. Joseph II. hatte damit nichts am Hut, sein Baustil war schon klassizistisch angehaucht. Er hasste den Adel. Insofern reduziert sich das österreichische Rokoko auf die Zeit Maria Theresias, 1740 bis 1780.
»Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

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28

Mittwoch, 19. März 2014, 22:29

Es ist m.E. kein Zufall, dass sich in der Musikgeschichte "Rokoko" nie so recht eingebürgert hat. Der "galante" Stil bezeichnet eher eine Strömung ca. 1730-60, die höchstens noch den ganz jungen Mozart betrifft. Bzgl. der "Mannheimer" oder CPE Bachs spricht man eher von "Empfindsamkeit" oder auch "Sturm und Drang", was freilich ebenso aus der Literatur geborgt ist wie Rokoko aus der bildenden Kunst.
Ich will gar nicht kategorisch bestreiten, dass man manche Stilelemente mancher Musik Mozarts und einiger Zeitgenossen mit dem Rokoko assoziieren kann.
Nur sollte man dann eben auch nicht Klopstock, Lessing, Moritz, Kant, Herder u.a. wichtige zeitgenössische Geister unterschlagen, die mit "niedlich, zierlich, süßlich" beim besten Willen nicht in Verbindung gebracht werden können.

Selbst wenn Mozart noch für die Hofoper und (auch) adlige Kreise komponiert hat, so findet man m.E. allenthalben das Selbstbewusstsein des Bürgertums. In den Freimaurerlogen verkehrten sowohl Adel als auch Groß- und Bildungsbürgertum.
Klar, dass die Diener patenter sind als die Herrschaft (wie offensichtlich in "Entführung" und "Figaro") gehört ein wenig zur Tradition solcher Komödien. Durch das Verwirrspiel wird im Figaro auch dieses Klischee wieder konterkariert, auch wenn ich meine, dass Susanna (die weibliche Dienerin) die sympathischste und der Graf die unsympathischste Figur sind.
Im Don Giovanni sind die drei Stände im ersten Finale durch ihre Tänze repräsentiert (Menuett, Contredanse, "Teutscher"), das mehrfach herausposaunte "Viva la liberta" lässt sich sicher in unterschiedlicher Hinsicht deuten. Wenn man an die erotische Libertinage Giovannis denkt, drängen sich als Assoziationen nicht in erster Linie die politische Revolution auf, sondern Casanova und der Marquis de Sade. Und das Bürgertum scheint zugleich abgestoßen und fasziniert von solchen Typen, bis heute ;)

Ich meine, dass man sowohl das letzte Drittel des 18. Jhds. als auch Mozarts Musik in ihrer Vielschichtigkeit erheblich verkennt, wenn man meint, das auf eine oder zwei Aspekte reduzieren zu können, am wenigsten aber auf liebliches Rokoko oder auch ausgewogene Klassizität.

Alfred_Schmidt

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29

Mittwoch, 19. März 2014, 23:28

Zitat

Hast Du mal Mozarts Briefe gelesen? Wo findest Du da eine "süßliche, gezierte" Grundhaltung?
Meine "privaten" Äußerungen sind auch nicht in jenem Stil gestaltet, wie meine "offiziellen" Statements


Zitat

...aber Mozart zählte nie zu der erlesenen Schicht. Vielmehr kämpfte er ja mehr oder minder ums Überleben und scheiterte letztlich.
Und da wirft man MIR Clichees vor ? :hahahaha:

Mozart wurde vom Kaiser hoch geschätzt, aber er meinte, Mozart selbst leide an Selbstüberschätzung.
Mozart kämpfte nicht ums überleben, weil sein Einkommen gering war, sondern weil er ein Verschwender war, der mit Geld nicht umgehen konnte. Mozart wohnt zeitweise im nobelsten Viertel Wiens in der Belle Etage, war so gekleidet., daß ihn Clementi für einen Höfling hielt. Er besaß ein Reitpferd und einen eigenen Billardtisch. Er lebte aufwändig wie ein Adeliger und erhielt für seine Opern Unsummen. So konnte er sich zeitweise eine Köchin, ein Dienstmädchen und einen Diener leisten. Sein Jahreseinkommen belief sich nach heutigen Erkenntnissen auf 150.000 Euro im Jahr!!! Und sicher waren seine Umgangsformen erstklassig. Hanswurst war er vielleicht im intimen Freundes- oder Familienkreis - sowie in einem schlecht recherchierten Film - In Wahrheit war Mozart indes ein harter Arbeiter, ein Karrieretiger, ein Salonlöwe (aus pragmatischen Gründen - nicht zum Vergnügen) und immer auf der Jagd nach Geld.

http://diepresse.com/home/kultur/klassik…-der-Millionaer.
http://www.globe-m.de/de/experts/mozart-nach-zahlen
http://de.pluspedia.org/wiki/Finanzielle…Amadeus_Mozarts

Mozart hasste den Adel keineswegs, er war mit ihm befreundet und versuchte deren Lebensstil zu kopieren. DAS war es, woran er letztlich scheiterte. Es ist keine Frage, dass Mozart zwar über ein hohes Einkommen verfügte - aber mit dem Adel konnte er nicht mithalten. Die Ärzte, die Mozart zuletzt (erfolglos) behandelten waren von adeligen Gönnern bezahlt.

Mozart suchte die Gesellschaft von Leuten, die ihm nützen konnten - und er fand sie auch. Allerdings war sein Geldbedarf immens groß und konnte nicht befriedigt werden.....

Mozart schrieb seine Konzerte für den Adel und das GEHOBENE Bürgertum - EIN ausverkauftes Konzert brachte bis zu 15.000 Gulden ein. Und für DIESES Publikum schrieb Mozart seine Musik....

mfg aus Wien
Alfred

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30

Donnerstag, 20. März 2014, 10:42

Das Thema hatten wir doch auch schon x-mal.
Mozart ist natürlich kein Rokoko-Komponist.
Bezüglich Rokoko schaut es in Österreich ja überhaupt eher sparsam aus.
Wikipedia spricht zu Maria Theresia und Schönbrunn:

Zitat

Ebenso ließ sie einen Großteil der Inneneinrichtung erneuern, die heute als fast einziges Beispiel eines österreichischen Rokoko gilt.
Rokoko ist in Österreich der Ausnahmefall.


Zitat

Hier geht der Barock um 1765 fast ohne Zwischenstufen in den Klassizismus über.
Nun ist Wikipedia nicht unfehlbar, aber ich habe womöglich das "Standardwerk" über die Kunst des Barock in Österreich gelesen (Residenz-Verlag ;) )


Da wird immerhin, wenn ich mich recht erinnere, Hildebrandt ein eher dekorativ-flächiges und somit rokokohaftes Umgehen mit Fassaden im Gegensatz zum monumentalen hochbarocken Stil Fischer von Erlachs bescheinigt, aber das war eben um 1720 und hat mit Mozarts Zeit nichts zu tun, da hätten wir eher Barockklassizismus resp. Klassizismus.

Der Anton Reiser ist eine hervorragende Lektüreempfehlung, ich habe das gerade zum zweiten Mal gelesen. Das Rokoko ist schon eine Weile vorbei, Moritz als Mozart-Generationsgenosse hat mit Hagedorn (gest. 1754) und seinen anakreontischen Brüdern wenig zu tun.